Der „Export von Stammbaumvieh" als neueste Lösung der Agrarfrage. Professor Dr. Conrad in Halle hat für seine „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" neuerdings einen besonders befähigten Agrarpolitiker bezogen und zwar in der Person des Herrn Dr. Hermann Levy. Eine Abhandlung dieses Gelehrten, die sich in dem neuesten Heft der Jahrbücher findet und „gegen Nachdruck" noch besonders geschützt ist, beschäftigt sich mit dem „landwirtschaftlichen Export in England" und hebt hervor, daß jetzt, nachdem der Getreidebau in England längst aufgehört hat, rentabel zu sein und auch die Viehwirtschast infolge der niedrigen Fleischpreise zu leiden beginnt, die intelligenten englischen Farmer sich dennoch zu Helsen wüßten, und zwar--durch den
Export von „Stammbaumvieh". „Die Zucht ausgezeichneter Viehwaren ist einer jener Produktionszweige, deren Erweiterung die englischen Landwirte unter dem Druck der ausländischen Konkurrenz besonders lebhaft erstreben." Und an anderer Stelle heißt es in dieser geistreichen Abhandlung, daß „in vielen Grafschaften Pächter, die sich durch die Zucht von „Stammbaumvieh" oder „Stammbaum- schaften", sowie durch ihr Gestüt eine« „Stamm" zu machen gewußt haben, Vorteile genossen, die kein Preisfall aufheben konnte." — Die wachsende Bedeutung des „Stammbaumviehexports" soll ein Beweis dafür sein, daß die englische Landwirtschaft nicht, wie viele meinen, zu Grunde gehe, sondern daß fie nur einen Umwandlungsprozeß durchmache. „ Der Getreidebau, vor allem auf schlechten Böden, und die extensive Viehzucht muß immer mehr eingeschränkt werden. Natürlich geht dieser Prozeß nicht schmerzlos vor sich. Viele muffen leiden und gehen zu Grunde, weil fie den Weg zu neuen rentableren Produktionszweigen nicht finden »der finden wollen. Die „Stammbaumvieh- ^>roduktion" ist einer dieser Produktionszwerge. Diejenigen aber, die sich um seine Weiterbildung bemühen, haben nicht nur pekunäre Vorteile aus ihm gezogen, sondern fich auch damit da» Verdienst erworben, an dem Fortschritt der Landwirtschaft mitgewirkt zu haben."
Der Jäger sagte bekanntlich auch, als er dem Fuchs das Fell über die Ohren zog: „68 tst nur ein schmerzhafter Umwandlungsprozeß". — Jedenfalls bezeugt das Deutsch, das Herr Dr. Levy über landwirtschaftliche und züchterische Fragen verzapft, wie sehr ihm die einschlägigen Verhältnisse dunkck geblieben find; er müßte sonst wissen, daß „Pedigree Live Stock" ins Deutsche nicht mit „Stammbaumvieh", sondern mit „Heerdbuchvieh" übersetzt wird, daß man nicht von „Viehware" oder „Viehthpen" spricht und daß sein ganzer agrarpolitische c Vorschlag schon deshalb feine Bedeutung hat, weil es bekanntlich nicht möglich ist, über verhältnismäßig
66 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
lFortsednng.)
„WaS sprichst Du da für geheimnisvolle Worte, Aluscha? Und Sie, Mann, reden Sie! Was hat es in dieser Nacht zwischen dem Grafen Egon Zura und" dem Major von Falkenthal gegeben?"
Die beiden Ueberraschten sahen fich verlegen an. Dann erzählte der Zigeuner-Musikant, wie ihm berichtet sei, daß fich ein hoher, blonder Herr, man habe ihn so genannt, wie daS gnädige Fräulein vorhin bemerft, mit dem letzten Dampfer in der Nacht zur Margareten- insel habe begeben wollen, und wie der Herr an der Donau auf den Grasen Zura gestoßen sei, der, seiner Sinne kaum halb mächtig, aus einem Hafenlokal nach Hause habe gehen wollen. Es sei zu einem Wortwechsel und einem Kampf gekommen, der Graf sei zu Boden gesunken.
Und wer sind die Leute, die Ihnen das erzählt?" fragte Johanna mit fester Stimme, aber mit blassen Lippen.
Neko nannte mehrere Namen. „Das sage ich Ihnen, gnädiges Fräulein, sonst niemand. Alle sind unsere Volksgenossen, alle halten auf Sie große Stücke, weil Sie zu der Aluscha so gut sind, aber keiner steht auf Seiten des Großen Zura, welche die Unsrigen nur zu gut kennen. Keiner hat etwas von dem Vorfall gesehen, wenn man ihn fragen sollte."
„Welches Glück, Herrin!" sagte Aluscha leise. „Vorüber find nun die Angstgedanken wegen des Duells."
wenige Einzelwirtschaften hinaus Hoch- oder Edelzucht zu treiben, denn jede Verallgemeinerung dieser Produktion würde selbstverständlich sofort ihre Rentabilität vernichten. Der ganze Vorgang zeigt, mit welcher Sorte Gelehrsamkeit und Sachkenntnis an die schwierige Aufgabe der Lösung der Agrarfrage herangetreten wird. Daß eine so angesehene wissenschaftliche Zeitschrift, wie die „Jahrbücher" des Herrn Prof. Conrad-Halle einen solchen „agrarpolitischen Ulk" — mit einem anderen Worte lassen sich diese Ausführungen gar nicht bezeichnen — aufzunehmen sich bereit findet, das ist allerdings für die bedenkliche Einseitigkeit des Herrn Prof. Dr. Conrad ein recht betrübendes Zeichen.
Umschau.
Böswillige Erfindungen.
Unter den Landwirten des hiesigen Wahlkreises und besonders unter den Mitgliedern des Bundes der Landwirte wird — wie man nur annehmen kann — böswillig das Gerücht verbreitet, daß der Kandidat des Bundes der Landwirte für den hiesigen Wahlkreis, Herr von Pappenheim-Liebenau in den Wahlkreisen Kassel-Melsungen und Homberg-Fritzlar-Ziegen- hain die natl. Kandidatur Beinhauer gegen den Kandidaten der Deutschsozialen und die konservatve Kandidatur Wagner gegen Liebermann von Sonnenberg betrieben habe. Wir sind ermächtigt z« erklären, daß beide Gerüchte vollständig nnwahr find. Ebenso ««wahr ist es, daß Herr von Pappenheim in dem Wahlkreise WolfShagen-Hofgeis- mar-Rinteln irgend eine andere Kandidatur gegen den Bundeskandidaten irgendwie betreibe. Im letzteren Wahlkreise hat sich der Bund der Landwirte überhaupt noch nicht über die Kandidatenfrage schlüssig gemacht. — Der ganze verwerfliche Versuch aber, mit derartigen unwahren Gerüchten gegen Herrn von Pappenheim Stimmung zu machen, kann nttr eine« ehrlosen Wicht z«m Urheber habe«.
Deutsches Reich
Berlin, 21. Mai.
— Der Kaiser und die Kaiserin trafen, aus den Reichslanden kommend, Mittwoch mittag in Potsdam ein, wo fie vom Kronprinzen empfangen wurden. Prinzeß Viktoria Luise überreichte ihren Eltern Blumensträuße. Am vormittag des Himmel-
Johanna stand da mit zuckenden Lippen. Wie viel von dem, was der Mann da erzählt, war Wahrheit, wieviel Dichtung? Daß Richard von Falkenthal, ihr edler ritterlicher Geliebter, fich mit einem seiner Sinne kaum halb mächtigen Menschen nicht in einen Kampf eingelassen haben konnte, war selbstverständlich, am allerwenigsten gerade mit diesem Gegner.
„Ich danke Ihnen, daß Sie uns diese Nachricht gebracht haben, aber ich glaube, es wird gerade im Wunsche des Herrn von Falkenthal liegen, wenn dieser bei dem Unglück — denn um etwas anderes kann es fich nach meiner Ueberzeugvng nicht handeln — zugegen gewesen, daß fich alle Personen melden, welche Zeugen- Aussagen machen können. Bitte, fragen Sie zu Mittag noch einmal vor, ich denke, ich werde Ihnen dann Bestimmtes sagen können." Sie reichte dem Mann einen Gulden und kehrte in ihr Schlafzimmer zurück, mühsam fich beherrschend.
Aluscha geleitete ihren StammeSgenossen hinaus. Neko flüsterte ihr unter der Tür zu: „Armes Fräulein dauert mich. Fremder blonder Herr war auf der Polizei, vielleicht kommt er, vielleicht nicht!"
Aluscha erschrak von neuem, bewahrte aber diese Worte für sich, als fie zu ihrer Herrin zurückkehrte, lehnte diese mit Tränen überströmtem Antlitz in einem Sessel.
„Gewußt hab' ich's gestern beim Singen, daß Unglück kommen würde. Niemanden, der mich lieb hat, bringe ich Glück," seufzte sie. „Der Major sagte mir gestern abend, ich sollte tapfer sein: ach, das ist doch recht schwer."
fahrtstages wohnten beide Majestäten dem Gottesdienst bei. Abends reist der Kaiser zur Jagd nach Pröckelwitz in Ostvreußen, wo er am heutigen Freitag früh ankommt. Am Sonntag geht die Fahrt weiter nach Schlobitten, am Dienstag vormittag Wil! der Monarch Kabinen bei Elbing befnchcn, nachmittags Marienburg und Danzig; hier soll abends 6Nhr das Linienschiff „I" gelaust werden Tann reist der Kaiser über Langfuhr, wo die Totenkops-Brigade steht, nach Potsdam zurück.
— Der König von Italien sowie Präsident Loubet werden sicherem Vernehmen der „Nat-Ztg." zufolge den Besuch des Königs von England bereits im Laufe des Juli erwidern.
— Zur Rehabilitierung Dr. Karl Peters haben die politischen und persönlichen Freunde desselben unter Führung des Abgeordneten von Kardorff ein Schriftstück an den Kaiser gerichtet, in dem sie die gegen Peters wegen dessen Amtsführung in Südwestafrika erhobenen Anschuldigungen zu entkräften suchen und um Wiederausnahme des Versahrens bitten. Das Schriftstück, das die Unterschrift vieler Kolonialpolitiler und hochgestellter Persönlichkeiten trägt, befindet fich bereits im Kabinett des Kaisers.
— Der Oberpräsident von Schlesien, Fürst von Hatzfeld Herzog zu Trachenberg hat, einer amtlichen Bestätigung der „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zufolge sein Abschiedsgesuch tatsächlich bereits eingereicht und darin als Grund seines Gesuches ein schweres, sich allmählich verschlimmendes Augenleiden angegeben. Zu der Behauptung einiger Blätter, der Oberpräfident habe die Polenpolitik lau betrieben und sich dadurch in Widerspruch zur Regierung gesetzt, bemerkt das Regierungsorgan: Wir halten uns verpflichtet, hiergegen hervorzuheben, daß kaum für eine Provinz des preußischen Staates soviel geschehen ist als für die Provinz Schlesien während der Amtszeit des gegenwärtigen Oberpräsidenten.
— Die Streitigkeiten auf den Schiffsbauwerften in Bremen, Bremerhaven, Vegesack und Geestemünde find beigelegt worden. Die 1600 ausgesperrten Arbeiter der Tecklenborgschen Werst in Bremerhaven beschloffcn die Annahme der von der Firma nach Anhörung der Arbeitervertreter festgesetzten Bedingungen. Die Werst nimmt am heutigen Freitag ihren Betrieb wieder auf. Auch die Aussperrung der Arbeiter auf der Werst des „Vulkans" in Vegesack ist beendet.
— Das Befinden der Prinzessin Louise von Toskana soll kein günstiges fein, die ehemalige Kronprinzessin ist besonders seelisch schwer angegriffen und leidet unter andauernder Schwermut. Dagegen ist sie sehr fromm geworden und verlangt, entgegen früherer Gewohnheit, täglich zweimal nach dem Priester, um mit ihm zu beten. — Inwieweit ein jeder unserer Leser dies glauben will, bleibt ihm natürlich überlassen.
— An der Bonner Universität wurde am Mittwoch die feierliche Einschreibung des Herzogs Karl Eduard von Koburg-Gotha vollzogen. Der Herzog wird Mitglied der „Borussen", welchem Korps auch Prinz Eitel Friedrich von Preußen angehört.
— Eine Versammlung des Beirats der Zentralauskunftsstellen für Auswanderer fand am Mittwoch in Berlin statt.
— Der deutsche Kolonialrat, der in Berlin tagte, ist wieder geschlossen worden, nachdem er die Etats für die Schutzgebiete beraten und sich ferner mit einer Verfügung betr. Rechtsgeschäfte und Rechtsstreitia- keiten von Europäern mit Eingeborenen in Südwestafrika, sowie mit der Landsrage in Kamerun beschäftigt hatte.
— In Karlsruhe eröffnete Großherzog Friedrich eine Koloniale Jagdausstellung.
— Das deutsche Uebunysgefchwader traf im spanischen Hafen Pontevedra em.
— Gegen den Fähnrich zur See Hüffener, gegen den am Dienstag in Kiel verhandelt wird, ist die Anklage wegen Totschlags erhoben worden.
„Herrin nur getrost sein,"'sagte Aluscha. „Hab' jüngst daS uralte Geheimnis unseres Volkes für Euch erprobt, aus der züngelnden Flamme die Zukunft für Euch zu lesen gesucht. Und das ewige Feuer war Euch günstig."
„Aluscha!" ries Johanna so heftig in zürnendem Ton, daß die Zigeunerin erschrak. Sie warf sich aus die Knie und neigte nach der Art ihres Volkes den dunklen Kopf bis zum Erdboden.
„Steh auf," befahl Johanna, schon besänftigt. „Aber willst Du mich nicht ernstlich böse machen, dann sprich von solchen Dingen nie wieder."
„Nein, Herrin," war die ergebene Antwort, „außer wenn Ihr mich fragt." Und dann begann sie in gewohnter Weise die Morgentoilette Johannas.
Major von Falkenthal hatte, nur mit Gedanken an Johanna beschäftigt, in einem Cafö in der Nähe des prächtigen städtischen Kasino noch ein GlaS Pilsener getrunken, von der früheren Auftegung war ihm der Mund wie vertrocknet, und begab fich nun auf einer dunklen Seitenstraße nach der Landungsstelle der Dampfer. Der zu erwartende Zweikampf mit Egon Zura machte ihm wenig Sorge, jedenfalls mußte er nach dem Vorgefallenen stattfinden. Aber Johannas Angst um ihn hatte seine ganze Seele bewegt, es war ihm nicht leicht geworden, beim Abschied die volle Fassung zu bewahren, ihr den ungeschwächten Mut aufrecht zu halten.
Ein Hilferuf in der einsamen Gasse hatte ihn dann schneller ausschreiten lassen; ein hübsche» junges Mädchen in der Landestracht
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Sonnabend, 23. Mai 1903.
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38. Jahrg.
Ausland.
Italic«. Die italienischen Studenten an österreichischen Universitäten glaubten wegen Zurücksetzung ihrer Nationalität Anlaß zu Klagen zu haben. Da ihren Beschwerden nicht Rechnung getragen wurde, so suchten fie durchs wiederholte, zum Teil recht arge Straßenausschreitungen ihren Unmut abzukühlen. Jetzt haben fich auch die Revolutionen in Italien selbst der antiösterreichischen Bewegung angeschlossen. In Podua hielten die Studenten eine Protestversammlung wegen der Innsbrucker Vorgänge ab, verlangten die Errichtung einer italienischen Universität in Trient oder Triest, verbrannten schließlich eine österreichische Fahne. EinAbgeordneter, versprach ihnen, den italienischen Minister des äußeren wegen der Angelenheit in der Abgeordnetenkammer zu interpellieren.
Frankreich. Die Verhandlungen der Deputiertenkammer gegen die geistlichen Orden zu ergreifenden Maßregeln haben bisher nichts von allgemeinem Interesse zu Tage gefördert. Dagegenerwartet man einige sensationelle Sitzungen, wenn der Minister Combes die Forderung der Trennung von Staat und Kirche stellen und begründen sollte. Zur Kündigung des Konkre- dats wird es einstweilen nicht kommen.
England. Es besteht in der Reihen der englischen Schutzzöllner die Absicht, die Birminghamer Rede Chamberlains über die Reichshandelspolitik zum Gegenstände einer Debatte im Unterhause zu machen. Die Freunde Chamberlains erwarten, daß sich für dessen Anregung eine Mehrheit finden werde. Von gegnerischer Seite wird dagegen behauptet, Chamberlains neues Programm habe wenig Aussicht auf Verwirklichung, da es nicht die Unterstützung der gesamten unionistischen Partei finde; es sei nur dazu angetan, der Nation neue Geldopfer aufzuerlegen. — Australien scheint von den Chamberlain'schen Vorschlägen nicht viel wissen zu wollen; aber auch Kanada soll bedenklich geworden sein. Der „Tägl. Rundsch." wird aus Ottawa gemeldet, der dortige Finanzminister habe im Parlament erklärt, Chamberlain fasse die Lage unrichtig auf, wenn er erwarte, daß Kanada bei der bevorstehenden Tarifrevision eine weitere Bevorzugung der britischen Einfuhr gewähren werde. Jrn Gegenteil könne die bisherige Bevorzugung nur bestehen bleiben, wenn England Gegenzuge- ständnisie mache. Das klingt für England allerdings nicht besonders freundlich.
Rußland. Uebet die Ermordung des Gouverneurs von Ufa, Bogdanowitsch, wird aus Petersburg gemeldet, daß daS Attentat im Stadtpark stattfand, der anläßlich des Geburtstages deS Zaren von außerordentlich zahlreichem Publikum besucht war. Dem Gouverneur traten auf einer Seitenallee des Parkes mehrere Personen entgegen, von denen eine ihm mit einer Ver
lang mit einem Mann, der sich lachend bemühte, die Schreiende zu umarmen.
„Lassen Sie das Mädchen los," donnerte Falkenthal. Das geschah sofort, aber der Major hatte doch seine ganze Ruhe nötig, als er jetzt die wilden Augen der Grafen Zura aus einem wutverzerrten Gesicht auf sich gerichtet sah. Der Graf hatte fich von seinen Freunden loszumachen gewußt und allein das Hafenlokal verlassen. In seinem von Champagner-Dunst umwirbelten Hirn gingen allerlei Gedanken durcheinander, er wußte wohl selbst nicht recht, waS er wollte. Nur einmal hatte er gedacht, es wäre möglich, daß er seinem Gegner in der Nähe des Absteigequartiers Johannas noch begegnen könnte, aber er vermochte sich nicht mehr klar zu machen, warum und wozu.
Jetzt brach der lodernde, vom Wein genährte Zorn in hellste Flammen aus: „Oh, mein Herr! Sie kontrollieren meine Wege? Das scheint mir vortrefflich, eines Edelmanns würdig. Spion Sie!"
Damit war auch die Selbstbeherrschung des Majors geschwunden. „Unverschämter, wir sehen uns morgen wieder!"
Er wollte davon gehen, fühlte fich aber am Arme von seinem Gegner ergriffen. Noch hielt er an sich: „Ich bitte, Ihre Hand von meinem Rock zu entfernen!"
Der Graf lachte unheimlich. „Warum morgen abmachen, waS sofort geschehen kann? Nicht wahr, morgen beschwatzt Sie das blond» Täubchen so lange, daß Sie sich auf dl» Eisenbahn setzen und fich der verdiente« Leftimi entziehen?"
Fortsetzung folgU