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M mit dem KreiMatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
W. 136
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. <exel. Bestellgeld).
Znsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reelamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 19. Mai 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Interessengemeinschaft zwischen Stadt und Land.
„AuS der Provinz Posen werden allerlei Klagen laut über den dortigen Niedergang von Industrie, Handel und Gewerbe. Die Jn- duftrialifierungsversuche in dieser Provinz, vor denen wir ebenso wie vor denen in der Provinz Westpreußen gleich bei bem Auftauchen dieser unglückseligen Idee auf8 eindringlichste warnten, wofür wir von der gesamten liberalen Presse aufs heftigste angegriffen wurden, find kläglich gescheitert. „Die von den nordischen Stahlwerken betriebene Gründung einer Waggonfabrik ist völlig gescheitert und andere große Unternehmungen können nicht leben und nicht sterben," so berichten jetzt liberale Blätter. Dieser völlige Mißerfolg einer künstlich ins Leben gerufenen Industrie war vorauszusehen in einer Provinz, der es an allen Verbindungen fehlt, um erfolgreich die Konkurrenz mit seit langer Zeit hochentwickelten Industriezentren aufzunehmen, die ihre Entstehung nicht dem Tatendrang eines Oberpräsidenten, sondern eben den natürlichen Verhältnissen verdanken. Aber auch das Kleingewerbe sei im beständigen Rückschritt begriffen, so klagt man. Die Kaufleute, die Handwerker und die kleinen Fabrikanten haben immer mühsamer den Kampf ums Dasein zu kämpfen. Als Grund für diese höchst bedauernswerten Zustände läßt sich die „Voss. Zeitung" aus Posen berichten:
„Fast alle größeren Aufträge (auS den Städten gehen nach Berlin, Breslau und Stettin. Unsere Beamten bestellen nur bei den ersten und größten Firmen in Berlin und Breslau. In anderen Provinzen findet der Handwerker, falls er einmal in seiner Branche nicht recht vorwärts kommt, bei der Industrie Beschäftigung und bleibt erträglich leistungsfähig. In Posen geht der Handwerker an Leistungsfähigkeit und persönlicher Tüchtigkeit zurück, weil hier keine Industrie besteht und den Meisten die Einnahmen fehlen, fich die besten Maschinen und die tüchtigsten Hilfskräfte zu beschaffen, und weil ihm selbst die Gelegenheit mangelt, durch Uebung persönlich tüchtiger und leistungsfähiger zu werden. . . . Wenn unsere Behörden auf dem Standpunkte beharren, daß die Posener Firmen nicht leistungs- sähig find, und daß sie alle großen und lohnenden Aufträge nach auswärts geben müssen, dann kann doch hier von einer wirtschaftichen und industriellen Hebung gar nicht die Rede sein. Und doch könnte Posen einer, wenn auch nicht glänzenden, so doch mindestens einer recht befriedigenden Zukunft entgegengeführt werden, wenn man die Sache den Verhältnissen entsprechend anfassen wollte."
Es ist, wenn auch sehr bedauerlich, so doch jedenfalls sehr wohl verständlich, daß die Beamtenschaft, die zum größten Teil nicht aus
63 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
Johanna wollte Falkenthal fortziehen, der mit gewaltsam beherrschter Stimme indessen sagte: „Einen Augenblick, mein Liebling!" und zum Grafen Zura gewendet fortfuhr: „Daß Sie wie ein Ehrloser und wie ein Feigling meiner Braut gegenüber gehandelt haben, wird Ihnen ohnehin klar geworden sein; aber ich bin nicht gewillt, Ihnen die Konsequenzen zu erlassen. Sie werden von mir hören. Komm, Johanna!"
Ohne ein weiteres Wort des Abschiedes schritten sie davon; Graf Zura blieb allein zurück. Trotz des warmen Abends schüttelte es seine ganze Gestalt, wie im Fieberfrost. ES war nicht Furcht wegen des zu erwartenden, unvermeidlichen Duells, eS war die Erkenntnis, wie ein Tor gehandelt, sich alle Shmpathieen bei Johanna für immer verscherzt zu haben.
Aber dieser krankhafte Zustand währte nicht lange. Egon vernahm Schritte, er wußte, seine Freunde kamen. Er mußte sich, nun einmal alles so gekommen war, wie ein Mann zeigen, die Brücke war unrettbar abgebrochen. •
Und dann kam noch eins hinzu, ihm wieder das heiße Blut in die blaßen Wangen zu jagen. »Meine Braut!" hatte jener blonde Fremde die Heißbegehrte genannt. Das konnte sie nicht in ein paar Stunden geworden sein; also hatte fie doch mit ihm, mit allen hier Komödie gespielt. Und das forderte Strafe! Wenn er, der über eine berühmt sichere Hand verfügte.
der Provinz selbst stammt, sondern dorthin aus Verwaltungszentren wie Berlin, Breslau usw. versetzt worden ist, eine meist sehr verwöhnte und daher nicht besonders zuverlässige und kauflustige Kunden des dortigen einheimischen Handwerks und der Kaufmannschaft sein wird, sondern ihren Bedarf bei ihren alten bekannten Lieferanten von früher aus der Großstadt beziehen wird. Die einzig zuverlässige und bleibende Kundschaft für den Handwerker und Kaufmann in der Provinzstadt ist das umliegende Land.
Da nun aber, dank unserer heutigen liberalen Wirtschaftspolitik, die Lage der Landwirtschaft eine derartige ist, daß kaum die Selbstkosten dabei herausgewirtschaftet werden, so erschien es leider als Aufgabe der Ansiedelungskommisfion, besonders durch Förderung jeder Art von Selbsthilfe in Gestalt von Ein- und Verkaufs- genoffenschaften, die Existenzmöglichkeit der neuen Bauern, so viel es irgend geht, zu sichern. Der Landwirt, der im allgemeinen viel zu schwerfällig, und auch viel zu sehr von seinem arbeitsreichen Beruf in Anspruch genommen ist, würde sich schwerlich entschloffen haben, sich zu derartigen Ein- und Verkaufsgenossenschaften zusammenzutun, wenn ihn nicht die Not dazu gezwungen hätte. Verdient er selbst genug, so würde er gern dem einheimischen Kaufmann und Gewerbetreibenden auch einen etwas höheren Preis für seine Bedürfnisse zahlen, als heute beim Bezug durch Einkaufsgenoffenschasten. Der weitere Niedergang von Handel und Gewerbe in durchaus ländlichen Provinzen, wie in der Provinz Posen, kann nur dadurch verhindert werden, daß die Landwirtschaft, diese einzig zuverlässige Kundschaft der kleinen Provinzstädte wieder rentabel, wieder kaufkräftig gestaltet wird. Dies kann aber nicht geschehen, solange der Kaufmann, der Handwerker und der Gewerbetreibende in unglaublich törichter Verblendung immer noch Leute in die Parlamente schicken, die jede Maßnahmen, die zur Hebung des landwirtschaftlichen Notstandes beitragen sollen, mit einer geradezu fanatischen Erbitterung bekämpfen. Sollte das Handwerk und die Kaufmannschaft in den Provinzstädten politisch wirklich noch so unreif fein, um dies nicht endlich an der Hand der Tatsachen einzugehen?
Umschau.
Da8 Kaiserpaar in den Reichslanden.
Am Sonnabend begab der Kaiser sich nach Metz und besichtigte das Königsregiment auf dem Uebungsplatz Frescaty, worauf ein Vorbeimarsch der inzwischen allarmierten gesamten Garnison stattfand. An der Spitze der Fahnen kehrte der Monarch, von der Bevölkerung leb-
mit seiner Kugel für immer einer Vermählung den Riegel vorschob?
Dann war ihr Recht geschehen! Aber dieser Selbstbetrug seiner Ueberzeugung dauerte nicht lange, wieder schüttelte ihn das Fieber: Er war wirklich Johanna Holder gegenüber ein seiger Kerl gewesen . . .
Also galt es, sich zu berauschen!
Mit seinen Bekannten, denen gegenüber er zunächst nichts verlauten ließ, ging Graf Zura in eine Singspielhalle unten an der Donau, in der zumeist Schiffervolk verkehrte. Ein wüster Lärm scholl den Eintretenden entgegen, der starke Weingenuß hatte längst die „Bande aller frommer Scheu" gesprengt, die Nationalitäten wirbelten hier bunt durcheinander. Der sehnige schlanke Magyar, die schlauen, geschmeidigen Südslawen aus Serbien und Rumänien, der kühle berechnende Grieche, dann Slavonier, Dalmatier und selbst einige Anhänger Muhameds, die das Verbot des Wein- genuffes längst vergessen hatten, waren hier vereint. Und endlich die Zigeuner, die nie dem allgemeinen Halloh widerstrebten, sich aber zu keiner Stunde bewegen ließen, die listige Klugheit zu vergeffen, die ihnen ein Herrschastsrecht gab über alle diese mehr oder weniger leidenschaftlichen Halb- und Ganz-Orientalen.
Es war damals nichts Seltenes, daß Personen, welche den Stammgästen des Lokals unendlich fern standen, fich hier einfanden, denn der Wein war bekannt, das Schauspiel für eine gewisse Zeitspanne zum mindesten interessant. Allerdings wurde erwartet, daß diese noblen Gäste auch nobel austraten, dem Wirt ein paar Goldstücke »uwarfen. für die jeder trank, der
haft begrüßt, in die Stadt zurück, um im Kreise der Offiziere zu frühstücken. Vor der Rückfahrt nach Schloß Urville besuchte der ■ Kaiser den kranken Generalobersten Grafen Häseler, die alte Templerkapelle und das römische Amphitheater. Auch die Kaiserin war nach Metz gekommen; fie machte Besuche in einer Anstalt zur Pflege armer Mütter und in einer Haushaltungsschule. Vormittags wohnten die Herrschaften dem Gottesdienst in Kürzel bei. Am heutigen Montag soll eine große Gefechtsübung bei Metz stattfinden; danach speist der Kaiser bei dem General Stützer. — Als der Kaiser am Sonnabend das Amphitheater in Metz besuchte, war ec sehr heiter und scherzte. Zu dem Bischof Benzler sagte er, er denke, Geistliche gehen nicht ins Theater. Die Antwort lautete: Ins römische, Majestät! — Gelegentlich der Metzer Domfeier teilte der Kaiser nach der „Köln. Volksz." dem Kölner Erzbischof Dr. Fischer seine demnächstige Ernennung zum Kardinal mit. Er legte Wert daraus, daß Dr. Fischer diese Nachricht zuerst aus seinem Munde erfahre. Morgen, Dienstag abend, reist das Kaiserpaar von Urville nach Potsdam zurück.
Graf Häseler.
Dem Generalobersten Grafen Häseler ist nunmehr der erbetene Abschied bewilligt worden. Zu seinem Nachfolger in der Führung des 16. Armeekorps wurde der bisherige Gouverneur von Metz Generalleutnant Stötzer ernannt. Damit ist zur Tatsache geworden, was bereits angekündigt worden war. Die Gründe für den Rücktritt sind in dem hohen Alter des Grafen Häseler zu suchen. Zudem kränkelt der hochverdiente General seit einiger Zeit. Gottlieb Graf Häseler ist am 19. Januar 1836 geboren und trat nach seiner Erziehung im Kadettenkorps 1853 beim 3. Husarenregiment als Leutnant ein. Infolge seiner bedeutenden Kenntnisse und hervorragenden Tüchtigkeit machte er überaus schnell Karriere; schon im 39. Lebensjahre wurde er Oberst. 1890 erfolgte seine Ernennung zum kommandierenden General des lothringischen Korps und seine Beförderung zum General der Kavallerie, 1901 zum Generalobersten. Als er 1897 während der großen Truppenübungen den Oberbefehl über das 8. und das 11. Korps führte, erhielt er den Schwarzen Adlerorden. Zwei Jahre später ernannte der Kaiser ihn zum Chef des Ulanenregiments Nr. 11. Die großen Verdienste Häselers find jüngst erst gelegentlich seines 50jährigen Dienstjubiläums gewürdigt worden, an welchem Tage der Kaiser ihm den Rang eines GeneralseldmarschallS verlieh. Allseitig wird man ihn mit Bedauern scheiden sehen und ihm baldige Genesung wünschen, auf daß er den Rest seines arbeitsreichen Lebens ungetrübt genießen kann.
Deutsches Reich
Berlin, 18. Mai.
— Kronprinz Wilhelm eröffnete Sonntag mittag in Berlin die Jubiläumsausstellung des Fischereivereins für die Provinz Brandenburg. Die Feier war vom Wetter nicht begünstigt. Nach dem Eröffnungsakt fand ein Rundgang durch die recht interessante Ausstellung statt.
— Kronprinz Wilhelm benutzt, wie Potsdamer Blätter berichten, fast täglich feine dienstfreie Zeit, um sich im dortigen Lustgarten im sogenannten Tan» demfahren mit einem Zweispänner zu üben. DaS Gefährt ist mit zwei hintereinander laufenden Braunen bespannt.
— Der Chef des kaiserlichen Militärkabinets Graf Hülsen-Häseler erlitt einen Schlaganfall, und zwar während der Parade über die Metzer Garnison. Inzwischen soll fich sein Befinden gebessert haben.
— Zum Nachfolger des Grafen Häseler wurde der General der Infanterie Stötzer zum kommandierenden General des 16. Armeekorps ernannt. Stötzer gehört feit 1861 der Armee an.
— Neber den Rücktritt des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen vom Kommando des 6. Armeekorps haben sich die Zeitungen während der ganzen vergangenen Woche den Kopf zerbrochen, um herauszubekommen, wie, wo und wann eigentlich das Verhältnis des Erbprinzen einen Bruch erhalten haben möge. Von einer Erhaltung der Beziehungen kann indessen gar keine Rede fein, weil Erbprinz Bernhard vom Kaiser zum Inspekteur der zweiten Armeeinspektion, zu der des 5. und des 6. Armeekorps gehören, befördert worden ist. Die Inspektion wird nach Meiningen verlegt worden.
— Prinz Prosper Arenberg soll nun doch in eine Heilanstalt übergeführt werden. Die ministerielle Erlaubnis ist nach der .Hann. Allg. Ztg." bereits in Hannover eingetroffen.
— Eine Abänderung des vom Reichskanzler eingeführten Lohnbuchs soll in Erwägung gezogen werden. So teilte nach der .Rh.-Westf. Ztg/ der preußische Handelsminister auf eine Eirigabe von Vertretern der Bielefelder Leinen- und Wäschckonfektion mit.
— Staatssekretär Graf Posadowsky begiebt fich am Dienstag als Stellvertreter des Reichskanzlers nach Dresden, wo König Georg die deutsche Städte- auSstellung eröffnen wird.
-- Der Finanzminister von Rheinbaben ist in Newyork wohlbehalten angekommen, wo ihm von einigen der bekannten amerikanischen Milliardäre ei« glänzendes Frühstück gegeben wurde.
— Am heutigen Montag trifft Minister Möller in Kiel ein, um die Kriegsschiffwerften und Hasenanlagen zu besichtigen, sowie einer Sitzung der Handelskammer beizüwohneu.
— Bei der Vergebung der Lieferung von Briefumschlägen für die Reichstagswahlen sind in Preußen, laut .Volksztg/, ausschließlich Angehörige des Kartells dieses Fabrikationszweiges berücksichtigt worden, obwohl eine genügende Anzahl leistungsfähiger Fabrikanten dieser Branche vorhanden ist, die außerhalb des Kartells stehen. Bayern und Württemberg find nicht nach dieser Methode bei der Lieferung vor- gegangen, haben aber ausschließlich Fabriken ihres eigenen Vaterlandes den Auftrag erteilt. Das Vorgehen Preußens stellt sich als eine außerordentliche Begünstigung des Karfells dar, und ivird deshalb, wie das obengenannte Blatt weiter hört, zu einem Protest der beteiligten nicht kartellierten Fabriken bei der Regierung führen.
— Aus der Generalversammlung des deutsche« Zentralkomitees zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke am Sonnabend in Berlin hielt Staatssekretär Graf Posadowsky eine Rede, in der er betonte, daß das große Werk wefintliche Fortschritts gemacht habe.
Durst hatte, so lange es bem nicht bloß mit Donauwaffer gewaschenen Wirte beliebte. Und so geschah es denn auch jetzt. Ein lärmendes „Elfen, Eljen" begrüßte die Spende, und bann ging die Vorstellung weiter. Nach jedem Vortrag aber warf Graf Zura noch extra ein Goldstück auf die Bretter, welche die Welt bedeuteten, und nun floß der Wein in Strömen.
Besorgt betrachteten seine Begleiter den Grafen. Was sollte das werden? Und diese lärmende Ausgelassenheit, zu der er sonst doch sich nicht hinreißen ließ? Was war vorgegangen?
Sie sollten es bald hören. Eine blonde Sängerin, die eine ganz flüchtige Ähnlichkeit mit Johanna Holder halte, hatte mit nicht unangenehmer Stimme ein tolles Lied gesungen; wie rasend wurde geklatscht, und der Gras warf, ohne zu zählen, ihr mehrere Goldstücke zu.
„Nimm, da nimm!" schrie er, „magst einmal oben in der Stadt fingen für diese schwedische Komödiantin."
„Bist Du von Sinnen, Egon," sprachen die Freunde ihm zu, „wenn das weiter getragen wird, Du kannst Dir denken, was folgen muß!"
„Was folgen muß?" lachte er höhnisch.
„Das gibt ein Aufwaschen. Binnen vierundzwanzig Stunden werden sowieso die Pistolen knallen, und ich meine, ich werde treffen." Damit drehte er fich anscheinend gleichmütig eine neue Cigarette.
Die anderen sahen einander an, und als der halb Berauschte ihnen nun den Vorgang in der Oper erzählte, fiegesgewiß wegen des Ausganges, und ihrer Zustimmung harrte, da ward als Antwort ihm nur ein verlegenes Schweigen iu teil. 1
Und in hellem Zorn erglühend, warf Graf Zura seinen Champagner-Kelch an die Wand, daß die Scherben zu Boden klirrten. Aber der wilde Haufe sah nicht darauf, und der an dergleichen Szenen mehr wie hinlänglich gewöhnte Wirt ließ gleichmütig die Scherben zusammen» kehren.
Inzwischen saßen Johanna und Falkenthal in ihrem Salon im Hotel. Der Austritt in der Oper hatte keine Zeugen außer der verschwiegenen Aluscha gehabt, niemand in bem glänzenden Gasthofe konnte wissen, was vorgefallen war. Man wunderte sich nur, als Johanna blaß und erregt, wie man sie nie zuvor gesehen, um Arme Falkenthals die Halle betrat und den Fahrstuhl bis zu ihren Zimmern benützte, während sie es sonst vorgezogen hatte, die bequeme breite Treppe zu gehen.
Herr Neuling, der Impresario, der eine Viertelstunde später aus der Oper nach Hause kam, war außer fich, als er von dem Unwohlsein feiner Schutzbefohlenen vernahm. Das nach einem solchen Abend? Das war ja undenkbar.
Er stürmte die Treppe empor und stieß im Vorzimmer auf Aluscha. Die Zofe verstand, sich vortrefflich zu beherrschen, aber der gewohnte Gleichmut war heute auch ihr abhanden gekommen.
Neuling wollte sofort in den Salon eintreten, aber das Mädchen hielt ihn zurück.
„Es ist nicht gut, wenn Herrin gestört wird," sagte sie einfach.
Neuling lauschte, er vernahm halblaut« Gemurmel.
^Fortsetzung solgtJ