imt dem Kmsblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag, 17. Mai 1903.
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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
lieber die verschiedene Wirkung der Agrarzölle und der Jndustriezölle
lesen wir in der Freihandelspresse:
„Auch nach unserer Meinung ist die Landwirtschaft beim neuen Zolltarif über den Löffel barbirt worden, genau so, wie fie auch früher die Betrogene war. Wie kommt das? Agrarzölle und Jndustriezölle wirken eben ganz verschieden. Der Industrielle kann eine Konjunktur ausnützen. Schlicht eine Zollgesetzgebung die Einfuhr ab und steigen in Folge besten die Preise, so kann er die Fabrikation forcieren, er stellt neue Arbeiter ein, schafft m e h r M a s ch i n e n an, borgt sich Kapital und errichtet neue oder vergrößert die alten Betriebe. In einem, höchstens zwei Jahren produziert er das vierfache und verdient entsprechend, sodaß sich die Erweiterung seiner Anlagen für ihn rentiert. Kommt dann in Folge der verstärkten Produktion ein Rückschlag, so ermöglicht der Zollschutz ihm die Bildung von Ringen und Kartellen, vermöge derer er die Preise im Inland hoch hält, die inländischen Verbraucher gehörig besteuert und mit dem so erzielten Gewinn zur Entlastung des inneren Marktes überschüssige Vorräte in das Ausland abschiebt. Der Landwirt, der zahlreiche Jndustrieartikel kaufen muß, wird also durch die Jndustriezölle in hohem Grade belastet.
Was bringt der Zoll ihm nun dafür ein? Der Landwirt kann eine Konjunktur nur in sehr beschränktem Maße ausnützen, er kann nicht nach Belieben Felder kaufen, wie der Fabrikant Maschinen, er muß sich auf feinen Gruud und Boden beschränken. Der Industrielle kann durch seine Kartelle den Zoll voll ausnützen, der Getreidemarkt ist von der Ernte der ganzen Welt abhängig. Ist eine starke Ernte da, so drückt der Weltmarkt auf den Preis, es trägt also das Ausland den ganzen Zoll, ist die Ernte schlecht, hat der Bauer nichts zu verkaufen. Aber noch mehr! Steigert der Industrielle seine Fabrikation, so finken in der Regel seine Generalkosten — er fabriziert billiger. Will der Landwirt seine Erzeugung forcieren, so steigen die Kosten — er produziert teurer. Der Bauer hat nur ein bestimmtes Quantum zu verkaufen. Der Fabrikant kann sich nach dem Markt richten. Der Fabrikant verkauft alles, der Bauer braucht für die eigene Wirtschaft einen erheblichen Prozentsatz seiner Produktion."
Das ist, fast wörtlich, dasselbe, wa8 wir vom agrarischen Standpunkt aus über die bisherige Zollpolitik wie über den neuen Zolltarif oft genug gesagt haben. Wie kommt nun die Freihandelspresse dazu, wenn sie heute diese Wahrheiten einfieht, die Bauern doch wieder morgen als gefräßige Agrarier zu
"62 Machdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
Aluscha wußte nichts zu antworten. Sie kniete auf den Teppich des Fußbodens nieder und streichelte zärtlich die Hände Johannas. So saßen beide geraume Zeit, während draußen die lustige Tanzweise ihren Fortgang nahm, seidene Balletröckchen rauschten und glänzende Atlasschuhe über die Bühne dahinglitten.
Da ward an der Tür gepocht. Johanna und Aluscha schraken empor, und die letztere ging, zu sehen, wer draußen warte. Es war die Garderoben-Dienerin, die bestellte, der Herr Major von Falkenthal ließe fragen, wann er da8 gnädige Fräulein zu ihrem Wagen geleiten dürfe.
„In längstens einer Viertelstunde!" antwortete Johanna selbst. Und als die Tür sich geschloffen, versuchte sie mit raschem Entschluß die gewohnte Haltung zurückzugewinnen. „Auf, Aluscha, Du kleine Aengstliche, nehmen wir unS zusammen und hoffen wir das Beste."
Und scheinbar gleichmütig plauderten sie miteinander, bis die Arbeit der Toilette beendet war. Johanna betrachtete sich prüfend im Spiegel. Sie hatte ihre Züge fest in der Gewalt, aber eine ungewohnte, zarte Blässe ließ sich nicht verdrängen. Jndeffen, sie wollte sich nicht künstliche Farbe geben lasten. Und nun vorwärts!
Gleich darauf pochte e8 wieder. Richard von Falkentbal ließ sich anmelden. Er war
schelten, die das Volk, wer weiß wie stark schon ausgesogen haben und stärker noch aussaugen wollen?
An diesem an Wahnwitz grenzenden Widerspruch wird auch gar nichts dadurch geändert, daß die Freihandelspreste die obige Wahrheit nur auskramte, um die Nutzanwendung daran hängen zu können: „Das alles gelte allerdings nur vom bäuerlichen Landwirt, nicht vom Großjunker (!); der habe sich allerdings auch jetzt schon die Taschen mit den Agrarzöllen füllen können; dem Bauer könne aber selbst ein nach den Forderungen des Bundes der Landwirte gestalteter Schutzzolltarif nichts nützen."
Diese L.ogik ist so fadenscheinig, daß selbst liberale Zeitungsleser darin nicht hängen bleiben können. Wir können der Freihandelspreste darum nur dankbar für diese unfreiwillige Mitarbeit sein, die sie zur Aufklärung derjenige Leserkreise leistet, in die unsere Presse nicht dringt.
Umschau.
Die Biersteuer.
Die „Dtsch. Tgsztg." schreibt: „Die Gastwirte haben sich in letzter Zeit vielfach mit den -Reichstagswahlen beschäftigt. Dabei ist die Meinung ausgesprochen worden, daß die konservative Partei und die ihr nahestehenden Abgeordneten für stärkere Belastung des Bieres eingetreten seien oder doch gegebenenfalls zu haben sein würden. Die „Voss. Ztg." benutzt dies, um in einem langen Leitartikel der konservativen Partei nachzusagen, fie werden eventuell einer vorgeschlagenen Erhöhung der Biersteuer zustimmen. Sie beruft fich dabei auf einen Ausspruch des bisherigen Reichstagsabgeordneten Grafen von Roon, der vor einiger Zeit im Reichstage gesagt hat, er sehe nicht ein, warum wir n-cht wöchentlich auf ein Glas Bier verzichten sollten, eine ange- mestene Biersteuer sei ein Gebot der Gerechtigkeit. Sie beruft fich ferner auf Aeußerungen der konservativen Presse, ohne jedoch solche Aeußerungen anzuführen, oder nur darauf hinzudeuten. Demgegenüber glaube» wir, aus- brücklich hervorheben zu sollen, daß die konservative Partei fich während der letzten Legislaturperiode niemals mit der Frage der Erhöhung der Bier st euer beschäftigt hat und deshalb auch nicht beschlossen haben kann, für eine Erhöhung einzutreten. Was Herr Graf Roon gesagt hat, hat er lediglich in seinem eigenen Namen gesagt. Die angeblichen Darlegungen der konservativen Preste können wir nicht beleuchten, weil die „Vost. Ztg." es versäumt hat, fie anzuführen. Was aber unsere Stellung und die unserer näheren Freunde zu der Frage der Biersteuer anlangt, so glauben wir, gut unterrichtet zu sein, wenn wir erklären, daß unsere Freunde
vom Fürsten Alexander wieder beurlaubt, der mit einem anderen Herrn seiner Begleitung im erzherzoglichen Palais, in Budapest noch einen kurzen Besuch abstatten und daraus zur Mar- gareten-Jnsel zurückkehren wollte. Den Major drängte es untzestürn, die Geliebte wiederzusehen; er wollte fie bitten, diese Rolle trotz deS gewaltigen Erfolges nicht wiederzuspielen. Der tragische Schluß hat ihn bis in die tiefste Seele erschüttert, er konnte dies Spiel einer Verzweifelten nicht vergessen.
Und er sagte es ihr sofort, als er fie nun begrüßt: „Mein Lieb, spiel diese Rolle nicht wieder! Und wenn es auch ein Spiel, also Schein ist, ich vermag Dich nicht so zu sehen! Das ist mehr als Menschenkunst, was Du geboten, aber, ich bitte Dich, laß allein Dein goldenes Bild und Dein goldenes Lachen in meinem Herzen wohnen. Und auch Dich muß es schwer mitnehmen; wie siehst Du müde und blaß aus! Nicht wahr, Du tust mir die Liebe?"
„Ja Richard!" Sie sagte es einfach, das Herz war ihr zu voll, um mehr sprechen zu können. Sie gingen Arm in Arm dem Portal zu und Aluscha folgte. Nun mußte es sich entscheiden! Und wachsam war sie wie ein getreuer Hund, während die dunklen Augen nach allen Seiten hin suchten.
Da stand Graf Egon Zura! Er war allein; jede Begleitung von einem Freund hatte er fich verbeten. Es war ja nur eine Höflichkeit, die er der Künstlerin aussprechen wollte, wie er sagte.
Und so begann in der Tat die Unterhaltung, nachdem er ehrerbietig gegrüßt. Johanna dankte für feine bewundernden Worte in verbindlicher
und wir für eine Biersteuer nicht zu haben sein werden. Sollte an eine Reform der Brausteuer herangetreten werden, so würde diese Reform unseres Erachtens nicht das Ziel haben dürfen, das Bier zu verteuern, sondern lediglich das, die Lasten der Bier st euer besser und gerechter zu verteilen. Wenn bei irgend welchen Betrieben der Großbetrieb besondere Vorteile hat und deswegen eine verhältnismäßig stärkere Belastung wohl vertragen kann, so ist das bei der Bierbrauerei der Fall. Die kleinen und mittleren Brauereien kämpfen einen ungemein schweren Konkurrenzkampf mit den großkapitalistischen Riesenbetrieben, die alles aufzu- saugen mit großem Eifer bestrebt sind. Diese kleinen uud mittleren Brauereien zu halten und zu entlasten, liegt nicht nur im Interesse der Betriebe selbst, sondern auch in dem der Landwirtschaft, des Mittelstandes und der Gesamtheit überhaupt. Das Ziel einer Brausteuerreform würde also nur sein können: „Entlastung der mittleren und kleineren Brauereien, verhältnismäßig stärkere Belastung der Riesenbetriebe ohne Verteuerung des Produktes." Das ist der Standpunkt, den wir zu der Frage einzunehmen gedenken. Daß sich gegen diesen Standpunkt von feiten der Gastwirte nichts einwenden läßt, liegt auf der Hand.
Amerikanische Freundschaftsbeweise.
Seitdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika in Deutschland einen besonders gefährlichen Konkurrenten zu erblicken fich gewöhnt haben, fürchten und Haffen sie das deutsche Reich. Proben dieser Gehässigkeit liefert jetzt fast jeder Tag. Was haben wir nicht alles in Sachen des Kieler Besuches durch ein amerikanisches Geschwader zu hören bekommen! Die kleinen Jntriguen und Bosheiten sind die reine Lappalie im Vergleich mit einer handelspolitischen Maßnahme der Union, die direkt gegen Deutschland gerichtet ist, wenn sie dieses infolge irrtümlicher Auffaffungen seitens Amerikas über die einschlägigen Zustände im Reiche, auch gerade nicht besonders folgenschwer betreffen. Der „Franks. Ztg." wird aus New-Dork gekabelt: Aufsehen verursacht die Entdeckung, daß der Kongreß mittels eines Zusatzes zum Acker- bau Etat ein drastisches Gesetz gegen die Einfuhr verfälschter Nahrungs- und Genußmittel, sowie Droguen erlassen hat. Dieses Gesetz verbietet alle Zusätze, welche für den heimischen Konsum im Ursprungslande verboten find, ferner falsche Angaben auf den Etiketten. Das Ackerbauamt erklärt, mit Borax behandelte deutsche Wurst, sowie viele salizhlhaltige Biere, ferner Weine könnten sofort nach dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Juli d. I. ausgeschloffen werden. — Die braven Dankees nehmen also an, Deutschland verwende Borax, Salizyl usw. zur Erhaltung seiner Ausfuhrwaren! DaS schnell erlaffene Gesetz soll offen«
Weise, man wollte weitergehen, da — mußte es den heißblütigen Kavalier wie Raserei überkommen, er wollte ein Wiedersehen erzwingen.
„Gnädiges Fräulein, noch eine Bitte! Meine Mutter erwartet in wenigen Tagen den Besuch einer sehr hochstehenden Dame. Würden Sie die Gnade haben, auf dem Theater in unserem Schloß mit denselben Künstlern, mit welchen Sie heute zusammengespielt, die Oper zu Ehren des hohen Gastes zu fingen? Sie würden uns unendlich verbinden!"
Er war dicht an Johanna, die ruhig neben Falkenthal stand, herangetreten, fie meinte feinen heißen Atem zu spüren, sein Antlitz brannte in verzehrender Wut. Angst, angst, wie vorhin in der Garderobe ward ihr zu Mut; da fühlte sie einen Händedruck des Geliebten, die Fassung war zurückgewonnen.
„Ich weiß die Ehre zu schätzen, Herr Graf, die in Ihrer Bitte liegt," sprach fie ruhig, ohne indessen ein leiseS Zittern der Stimme verhindern zu können, „und um so mehr bedauere ich, dieselbe nicht erfüllen zu können. Ganz offen gesagt: Die Rolle erschüttert mich zu sehr. Ich werde fie nie wieder spielen."
„Nie wieder?" tief Graf Zura lebhaft. „Das wird niemand in ganz Budapest begreifen können. Und gibt es nicht Rollen, die nicht weniger aufregend find, als die heutige?"
„Gewiß. Aber ich werde fie nicht wieder fingen. Und wenn ich meine Weigerung näher begründen soll, denn ich sehe, das muß ich, nun so will ich sagen: Ich will nicht wieder an die Seelenstimmung erinnert fein, in der ich heute fana."
bar eine Revanche für die deutscherseits b» schränkte Einfuhr amerikanischen Fleisches fein. Nun wird aber weder deutsche Wurst durch Borax, noch deutsches Bier durch Salizyl konserviert. Die braven Amerikaner haben sich also in der Wahl ihrer Mittel stark vergriffen und anstatt dem verhaßten Deutschland zu schaden, diesem den einen oder den anderen Konkurrenten vom Leibe gchalten.
Deutsches Reich
Berlin, 16 Mai.
— Allerlei Aussprüche des Kaisers werden aus Bitsch, wo der Monarch dem Jägerbataillon eine neue Fahne übergab, mitaeteilt. Der Kaiser sagte n. o., daß er die loyalen Gesinnungen der Lothringer kenne, daß er deshalb besonders gern nach Lothringen komme und ein warmes Herz sür die Lothringer habe. Die Geistlichkeit müsse die kommende Generation in den Eigenschaften erziehen, die das Lothringer Land aus- zeichneten, und Zucht und Ordnung erhalten in bürgerlicher wie in kirchlicher Beziehung. Sehr sreue es ihn, daß die alten französischen und deutschen Soldaten in den Vereinen so gute Kameradschaft hielten. Man sollte die alten französischen Krieger immer aufnehmeu, wenn fie fich meldeten, denn sie seien gute Leute. Ferner wünschte der Kaiser, daß die hübsche Lothringer Hembe wieder zu Ehren komme. — In Metz äußerte der Monarch zu dem Kardinal Kopp, sein Besuch beim Papst habe ihn ausnehmend befriedigt.
— Ein äußerliches Abzeichen für Offiziere des Beurlaubtenstandes, welches das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken soll, hat nach der „Mrll- Ztg." eine Thüringer Fahnensabrik angesertigt. Die „Münch. Allg. Ztg.', die ost halbamtliche Nachrichten bringt, bemerkt dazu: „Diese geschäftliche Betriebsamkeit, die sich bemüht, ein gesondertes Standesgefühl der Reserveoffiziere aus gewissen leider schon vorhandenen Keimen heraus zu züchten, dürfte in weiten Kreisen Mißfallen erregen."
— Neber die Entfenduug eines amerikanifchen Geschwaders nach Kiel sind aus Washington bisher keine amtlichen Nachrichten eingetroffen. Wenn an einer Stelle behauptet wurde, auf diplomatischem Wege sei bereits die Ankündigung des bevorstehenden Besuchs erfolgt, so muß diese Behauptung jetzt als irrtümlich bezeichnet werden.
— Russische Blätter hatten sich aus Rom melden lassen: Aus sicherer Quelle wird mitgeteilt, daß trotz des Drängens des Kosters Wilhelm der Vatikan seine Stellung in der Frage über das Protektorat der Missionen im Orient nicht ändern werde. Wenn ein anderes Petersburger Blatt meint, daß dieses Telegramm in Paris recht angenehm, in Berlin recht unangenehm berühren dürste, so möchten wir, so schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." amtlich, dazu bemerken, daß es in Berlin lediglich Heiterkeit erwecken kann. Ein deutsches Drängen auf Abänderung des -tatus quo in der Protektionsfrage hat garnicht stattgefunden.
— Aus Kürzel wird gemeldet: An der Frühstückstafel im Schlosse Urville nahmen als Gäste des Kaisers teil der Statthalter Fürst zu Hohenlohe- Langenburg, der Erzbischof von Köln, Bischof Benzler von Metz, Minister Frhr. v. Hammerstein, der Bezirkspräsident Graf Zeppelin, der Gouverneur von Metz Exzellenz Stöher, Generalleutnant v. Hochwächter, Generalleutnant Wagner, Graf Holnstein aus Bayern, Hauptmann v. Treskow, Kommandant der Wacht- kompagnie. Nach dem Frühstück fuhr der Kaiser um 3 Uhr mit militärischem Gesolge nach St. Barbe und Collignh und die Kaiserin um 3 Uhr 30 Min. nach Kürzel zum Besuch des neuen evangelischen Diakonissen- Pensionats.
„Fräulein Johanna!" rief der Graf heftig.
„Ich bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Nur in der herben Stimmung, tn der ich mich heute befand, konnte ich die Rolle so spielen, wie eS geschehen. Das war einmal! Aber ein zweites Mal, daS ginge über Menschenkraft."
Sie verneigte fich zum Abschied. Aber er vertrat ihr den Weg.
„Sie, die Gefeierte, der Liebling der Stadt, in einer verzweifelten Seelenstimmung?" stieß Graf Zura hervor. „Wer verschuldete die? Ich muß eS wissen!" Sein Auge streifte dabei den Major, der fich hoch aufrichtete.
„Ich habe zu Ihnen offener gesprochen, Herr Graf, als ich es einem anderen tuen würde, antwortete Johanna. „Ich glaube, damit find meine Eröffnungen beendet."
Der Zorn verwirrte des Grafen Gedanken, er konnte den augenscheinlichen glücklichen Nebenbuhler vor fich nicht ansehen.
„Der Dame mit dem angeblichen Herzen von Eis hat eS also beliebt, bisher Komödie vor unS auch außerhalb des Theaters zu spielen?" stieß er, seiner selbst nicht mächtig, hervor.
Im selben Augenblicke bereute er auch die gehäsfigen Worte, aber es war zu spät. Totenbleich, aber mit einem festen, klaren Blick hatte ihn Johanna gemessen und ihm den Rücken gewendet.
(Fortsetzung folgt.)