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M dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchham.

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SotmiagsSeilage: Muftrrrtes Lonntaasblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <exel. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Somabend, 9. Mai 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Mittag-Ausgave.

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Der Abgeordnete Dr. Barth und die Obstruktion.

v Der Führer desweiblichen"' Freisinns, Dr. ^Aarth, pflegt es bei den Wahlagitationen mit Jeiren Behauptungen nicht sehr genau zu nehmen. Wan wird also immer gut tun, das, was er Uebles von seinen Gegnern und Günstiges von Ach und seiner Partei spricht, genau zu prüfen. Gegenwärtig behauptet er, er habe dem Zoll­tarif gegenüber nicht Obstruktion getrieben. -Herr Dr. Barth spekuliert dabei auf ein außer- -ordentlich schlechtes Gedächtnis seiner Zuhörer; jbenn es kann dem Herrn nachzewiesen werden, Laß er nicht nur Hand in Hand mit Singer die Obstruktion systematisch ins Werk gesetzt, sondern sie auch mit langer Hand vorbereitet hat.

Schon in derNation" vom 13. Oktober 11900 erklärte Theodor Barth in einem von ihm Unterschriebenen Artikel:

Aber es geschähe nicht zum ersten male, Laß etwas, was die Mehrheit des Reichstages -möchte und die Regierung zulasien will, doch inicht Gesetz werde. Das Schicksal der lex Heinze ist noch in frischer Erinnerung."

Wenn das nicht eine Anregung zur Ob­struktion darstellen sollte, so wüßten wir nicht, welchen Zweck ein solcher Hinweis hätte haben rönnen. Tatsächlich fiel diese Anregung auch pet dem Handelsvertragsverein und der Sozial­demokratie auf fruchtbaren Boden. Dr. Barth selbst aber schrieb eine Woche später in der Nummer vom 13. November 1900 in deut­licherer Weise:

Daß der Reichstag einen so vorbereiteten Zoll- taris-Entwurf in der kommenden Session nicht durch­wehen läßt, halte ich für gewiß. Die Agrarier werden zwar sehr ungeduldig sein, ihren Zolltarif unter Dach ^ind Fach zu bringen und gerne auf jede eingehendere Prüfung verzichten; aber die Freunde einer auf­richtigen Handelsvertragspolitik sind verpflichtet, die eingehendste Prüfung zu verlangen, und sie haben dicht den geringsten Grund, das berechtigte Verlangen hach genauer Prüfung deshalb zurückzustellen, weil diese Prüfung, so wie sie sein muß, in einer halben Reichstagss'ession nicht zu be» endigen ist. Ein weiteres Jahr nüchterner Aeberlegung kann nach keiner Richtung hin Schaden verursachen, vielmehr die Aussichten für ein Zustande» hvmmen rationeller Handelsverträge verbeflern. Etwaige agrarische Versuche, die Minderheit des Reichstags zu vergewaltigen (!!!), er­scheinen andererseits von vornherein aussichtslos. Mn Zolltarif hat fo viele Positionen, wie ein Straf» Gesetzbuch viele Paragraphen hat, und hinter jeder Position kann sich die Opposition aufs neue Verschanzen. Es ist ein parlamentarisches Kinder- spiel, bei dieser Materie die Rechte der Minderheit zu Vahren."

Nach diesem Rezept ist die wadelstrümpflerisch- jsozialdemokratische Obstruktion buchstäblich vor- tzegangen. Aber von einer Prüfung der Vor­lage war dabei keine Rede; im Gegenteil ist

Heber die Kirchenhändel unter dem e Landgrafen von Hessen-Cassel,

Moritz dem Gelehrten.

Wahrhaftiger Bericht was sich bei Einführung $ex Verbefferungspunkte zu Schmalkalden begeben und zugetragen hat.

(Fortsetzung.)

Am Mittwoch den 12. Juli find unseres En. Herrn Räthe, Dr. Bischoff, der Amtmann und Superintendent, als unsere Prediger aufs Rathaus kommen und begehren, daß ein ehr­samer Rath samt allen Gemeindevorstehern beantworten sollten: 1. Warum sie sich nicht zum Abendmahl einstellen? 2. Warum fie die Kinder nicht zur Schule hielten und also Anlaß (geben, daß die Schulen verwüstet ständen? 3. Warum sie die Predigten so unfleißig be­suchten ? Bis zum Donnerstag den 13. früh tun 7 Uhr sollten fie schriftliche Antwort von sich geben. Desgleichen wurden alle Bürger Und Handwerksmeister geladen und ihnen das­selbe erkläret. In der Antwort haben fie sich sämmtlich über die Prediger beklaget, indem einer Leute dieses, morgen etwas andres vsrbrächte, welches dann keineswegs übereinstimwte, den Kindern habe man einen neuen Katechismus in der Schule aufdringen wollen usw. Sonnabend den 22. Juli ist der ehrbare Rath, Vormünder Und Handwerksmeister aufs Schloß gefordert worden, da dann unser Gn. Fürst selbsten eine Rede, so über eine halbe Stunde gedauert zu ihnen gethan hat, daß die Bürger gar wenig Kl fc;r Bilel oder Gottes Wort gelesen hätten,

durch zahllose namentliche Abstimmungen, un­endliche Geschäftsordnungsdebattten, massen- halte Anträge ganz abgesehen von Dauer­reden, an denen die Barthsche Partei fich stark beteiligte, jede sachliche Prüfung des Zolltarifs im Plenum verhindert worden. Dies bezeugt selbst der Führer der Freisinnigen Dolkspartei, Herr Eugen Richter.

In welcher Weise Dr. Barth an , der Obstruktion teilnahm, geht aus seiner Reichs­tagsrede vom 30. Oktober v. I. hervor. Tarin hieß es:

Es ist offenkundig, daß zwischen den ver­bündeten Regierungen und der Rechten, auf die die Verbündeten Regierungen sich stützen müssen, wenn fie überhaupt dieses Werk zu Ende führen wollen, ein solcher Gegensatz her­vorgerufen ist durch die Abstimmungen, daß nicht darauf zu rechnen ist, daß dieses gesetz­geberische Werk auch nur in zweiter Lesung zur Verabschiedung gelangt. Deshalb wäre es in der Tat dem Ansehen des Reichstages ent­sprechend, daß man die Verhandlungen abbreche."

Abgeordneter Barth stellte demgemäß den Antrag bei Feststellung der Tagesordnung am 30. Oktober, die nächste Sitzung des Reichstags erst nach der Vorlage des neuen Etats anzu­setzen. Abgeordneter Singer stimmte ihm darin bei, weil es eine Herabwürdigung und Herunter­setzung des Parlaments wäre, eine Verhandlung weiter zu führen, von deren Nichtzustande­kommen jeder Mensch überzeugt (trotz der zweifellosen Mehrheit!) sein muß, der ge­wöhnt ist, ein gegebenes Wort zu halten. Dieser Antrag hatte doch nur den einzigen Zweck, die Erledigung der Vorlage in dieser Reichstagssesfion zu verhindern. Äehnlich ver­hält eS sich mit dem Verlangen der freisinnigen Vereinigung und der Sozialdemokratie, den AntragAichbichler auf Abänderung der Geschäfts­ordnung erst zur Verhandlung zu bringen, nachdem die seit Anfang der Session im November 1900 noch regierenden 50 Initiativ­anträge der verschiedenen Parteien erledigt seien. " Endlich rechtfertigte am 29. November v. I. der Abgeordnete Barth die von ihm und seinen Leuten gemeinschaftlich mit der Sozial­demokratie betriebene Obstruktion unter heftigen Angriffen auf den Abgeordneten Richter durch folgende Worte:

Wenn man uns sagt, daß wir am eifrigsten in dem Bemühen gewesen sind, diese Vorlage zu Fall zu bringen, so kann ich nur antworten: Einen größeren Ehrentitel können Sie uns überhaupt nicht beilegen. Wir werden auch fortfahren, alles zu tun, um diese Vorlage zu Fall zu bringen und zwar mit allen Mitteln, die uns die Verfassung und Geschäftsordnung an dieHand geben."

Ganz genau so rechtfertigt auch die Sozialdemokratie all ihre Obstruktions Skandale und Pöbeleien. Schließlich aber bemerkte Barth, um auch hier noch einmal den Zweck der Ob­

so hätten auch die Prediger recht und wohl ge- lehret. Das Volk hätte aber in der neuen Schmäh- und Lästerschrift gelesen. Die Prediger hätten gelehret, daß ein sterblicher Mund, der dereinst zu Staub und Asche würde, den Leib und Blut Christi effen und empfangen solle. Er nannte den Dr. V. Schmecker einen meineidigen Buben und erklärte, wegen vieler fürstlicher Geschäfte habe er keine Zeit, sonst wolle er den Dr. Schmecker kommen laffen und ihn widerlegen, daß er kein Wort antworten könne usw. Montag den 24. Juli sind Johann Clemm und Caspar Wille, der Cantor an der Pfarr­schule, vom Fürsten entlasten worden. Am 25. Juli ist des gestorbenen Pfaffen Sohn zu Trüfen, gewesener Schulmeister an seines Vaters statt vom Superintendenten zum Pfarrer eingesetzt worden. Am 7. August wurde ein gewesener Landsknecht vom Rentmeister und Pfarrer als Schulmeister eingeführt. Um diese Zeit hatte ein Bürger seine Tochter einem ehrlichen Gesellen zur Frau versprochen. Als es nunmehr an der Zeit war, daß fie Sonntags in der Kirchen von der Kanzel herunter zum erstenmal ausgerufen wurden hat am 8. August der Pfarrer dem Schwäher beueben seinem Eidam und Tochter durch den Kirchner zu bestellen lasten und ihnen angezeigt, weil fie doch künftig ihren hochzeitlichen Ehrentag halten wollten, mußten fie sich vörderst zum Nachtmahl einstellen und den neuen Katechismus lernen. Der Bürger hat geantwortet: daß es ihm schwer würde, daß man mit seiner Tochter den Anfang machen wollte, da er und die Seinigen nicht gesinnt

struktion anzudeuten, seine Partei verlange,daß dieser durch und durch verderbliche Zolltarif, diese Vorlage, die in der Wurzel nichts taugt, der Bevölkerung zur Beurteilung vorgelegt wird." Denselben Zweck, die Zolltariffrage zur Wahlparole zu machen, haben auch die Sozial­demokraten verfolgt.

Dasselbe gilt von den Nationalsozialen, die die gleiche wüste Hetze in ihren Blättern bei den Zolltarifversammlungen in Szene setzten und den aus das absolute Mehrheits­prinzip begründeten Parlamentarismus er» drosseln wollten. Und diese Leute spielen sich jetzt als Hüter des auf dem gleichen Mehrheitsprinzipe beruhenden direkten geheimen Reichstagswahlrecht auf! Für wie beschränkt müffen fie doch ihre Anhänger halten, wenn sie glauben, daß diese nicht merken sollten, wie die Nationalsozialen ebenso bereit sind, das heute geltende direkte Wahlrecht abzu­ändern wie sie ehedem das Mehrheitsprinzip erdrosseln wollten, als fie es nicht zu ihren Gunsten arbeiten wollte! Hier also fitzen die wahren Feinde des heute geltenden Wahl­rechts und fie werden es rücksichtslos ab­ändern, wenn fie dadurch ihre Ziele rasch zu erreichen hoffen!

Umschau.

Die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika üben noch immer die stärkste Anziehungskraft auf die Auswanderer der Alten Welt aus. Ueberblickt man die europäische Auswanderer­bewegung der letzten 10 Jahre, so ergiebt sich, daß weitaus die meisten Auswanderer fich den Vereinigten Staaten zugewandt haben und daß in den Jahren 1901 und 1902, besonders im letzten Jahre die Zahl der in die Union einge- wanderten Europäer außerordentlich gestiegen ist. Seit dem Jahre 1893, in welchem rund 489 000 Europäer nach nordamerikanischen Häfen abgingen, war die Zahl der Auswanderer fast ununterbrochen im Rückgänge begriffen; fie fiel im Jahre 1894 auf 303000, im folgenden auf 271000 Personen, hob fich dann wieder auf 329000, um in den Jahren 1897 und 1898 ihren tiefsten Stand, 217 000 Personen zu er­reichen. Seitdem ist wieder eine anhaltend aussteigende Bewegung eingetreten. 1899 wurden nahezu 300000, im folgenden Jahre 460000 und im ersten Jahre des neuen Jahrhunderts 500000 Auswanderer nach den Vereinigten Staaten gezählt. Aber um ein sehr reichliches Drittel größer war die Zahl der Auswanderer im letzten Jahre 1902; fie betrug über 702 000 und hat damit einen bisher überhaupt noch nicht dagewesenen Umfang erreicht. In den achtziger Jahren hob sich einmal die Zahl der europäischen Auswanderer auf rund 647 000 das Jahr 1902

sei, einen anderen als Luthers Katechismus zu lernen, oder das Abendmahl auf eine andere Weise zu empfangen, sintemal der alte Pfarrer ost und viel mal ermahnet hätte, wenn auch ein Engel vom Himmel komme unh unS anders lehren würde, so sollten wirs nicht annehmen, woraus der Pfarrer erwidert, wenn er in sein Begehren nicht einwillige, so würde er fie nicht kopuliren. Hierauf hat der Bürger gesagt, wenn er sie nicht in die Kirche einleiten wollte, so würde er solches selbst in seinem Haus ver­richten. Ein gleiches Verlangen wurde auch von 2 Bürgern, welche zu Gevattern gebeten waren, gestellt.

Da nun die Kopulation und Hochzeitspredigt gänzlich versagt wurde, haben fie mit dem Hochzeitstag fortgefahren und diefen Ehrentag am 8. August abgehalten. Der Pfarrer hat fie aber dieses zu thun weder bereden noch zwingen können. Am 10. August wurde ein Landtag in Ti ehsa gehalten, dahin dann AntoniuS Schauer, der Bürgermeister, und Bernhard Heeck, der Amtsverwalter, geschickt wurden. Als dieselben nach 14 Tagen zurückkamen, find die Bürger ausS RathhauS gefordert worden und ihnen mitgeteilt, daß unser Gn. Fürst eine Landschatzung verlangt habe, derentwegen jeder Bürger und Unterthan auf St. Galli von 100 fl. 7 gleich und dann künftig jedes Jahr auf Galli 31/, fl. so lang bis von 100 fl. 7 Schrecken­berger erlegt seien. Auch wurde den Bürgern befohlen, fich fleißiger in der Kirche finden zu laffen und es würde jedermann, er sei jung oder alt, so des Sonntags während der Kirche auf der Gaffne gesunden würde, ohne alle Gnade

hat diese Zahl um »und 55000 überholt und kann somit al? Rekordjahr der europäischen Auswandererbewegung nach den Vereinigten Staaten angesehen werden. Was die Betei­ligung der übrigen Erdteile an der Volksver­mehrung der Vereinigten Staaten im Wege der Einwanderung betrifft, so kann man von Afrika und Australien absehen, da die Geringe Zahl der Auswanderer nicht ins Gewicht fällt. Auch die asiatische Auswanderung ist im Verhältnis zu der europäischen ganz geringfügig, immerhin hat sich, allerdings unter ziemlich lebhaften Schwankungen, die Zahl der astatischen Aus­wanderer von 7000 im Jahre 1893 auf nahezu 29 000 im Jahre 1902 gehoben. Auch hier zeigen die drei letzten Jahre einen sehr bedeu­tenden Aufschwung. Bis 1899 bezeichneten 9900 und 8900 Personen den Höhepunkt der Auswandererbewegung nach den Vereinigten Staaten; im Jahre 1900 wurden dagegen 20 800, im Jahre 1901 nur 15 700 und im letzten Jahre 28 700 Auswanderer gezählt. Somit umfaßte im Jahre 1902 die Gefamteinwanderung in die Vereinigten Staaten aus Europa und Asien rund 730000 Personen, insgesamt aus allen vier Erdteilen an 740000 Personen. Doch ist diese Zahl bereits einmal und zwar im Jahre 1882 überholt worden, wo nahezu 789000 Personen aus allen Weltgegenden sich den Ver­einigten Staaten zuwandten. Die gesamte Vermehrung, welche der Bevölkerung der Ver­einigten Staaten durch die nichtamerikanische Einwanderung in den letzten 10 Jahren zu teil geworden ist, beziffert fich auf nahezu 4 Millionen Personen, gewiß ein weiterer unbestreitbarer Beleg für die Tatsache, daß einmal die wirt­schaftliche und kulturelle Entwicklung der, Vereinigten Staaten zu einem sehr erheblichen Teile in den Ländern der Alten Welt, vorzüg­lich in Europa, wurzelt und daß zweitens die von Amerika kultivierte Politik der außer­ordentlich hohen Schutzzölle eine gegen­über den europäischen Staaten unvergleich­liche wirtschaftliche Blüte nach fich ge­zogen hat. Vielleicht denken unsere Freihändler mit dem für die jetzige Wahl opportunistisch abgeänderten Programm, einmal über diese Tat­sachen nach.

Ein bedeutsamer Erfolg

war die mit einer sehr großen Mehrheit er­folgte Annahme des Antrages der Herren Freiherr von Manteufel-Krvssen, Graf von Mirbach-Sorguitten und Fürst zu Dohna- Schlobitten, worin die Staatsregierung ersucht wurde, im Bundesrate für alsbaldige Kün­digung der Handelsverträge einzutreten. So bedauerlich es war, daß die Mitglieder der Regierung bei der Debatte, die ihnen manche Anregung gegeben haben würde, das HauS verließen, so wenig beeinträchtigte dieser Umstand den Gang der Verhandlungen. Wenn in der antiagrarischen Presse aber behauptet

ins Gefängniß gebracht. Alsdann sollten fich die Fuhrknechte nicht wie bisher in der Kirche auf den Bohrkirchen (Bühnen) drängen und drücken, oder sie sollten, ehe fie aus der Kirche heimgehen in das Gefängniß, gelegt werden, alsdann sollen die Eltern, so ihre Kinder auS der Schule behalten haben, wiederum in die Schule schaffen oder innerhalb 4 Wochen beiS Handwerk thun, oder fie an einem anderen Ort auS der Stadt schaffen. Am Sonntag 6. Oktober ist der Amtmann kommen und hat aus dem ersten Haufen vom Ausschuß 80 Personen aus­gesucht mit dem ernstlichen Befehl alle Sonntag fich im Schießen und anderem zu üben, damit und zu welcher Stunde, wenn bedürftig, sie dem Fürst!. Befehl gewärtig seien. Am 15. Oktober hat der Pfarrer nach der Predigt heftig gescholten, daß fich die Bürger nicht zum Nachtmahl einstellen, die Kinder nicht zur Schule kämen und man fich der hohen Landes Obrigkeit widersetzte. Am 20 und 21. Oktober hat man diejenigen Bürger so 1608 vom Schloß gelaufen aber auch wehrlos find, ihre Wehr utd> Rüstung wiedergegeben. Ob­gleich die Wehren gut verwahret waren, so ist doch ein Schaden geschehen, fintemal Rapiere, lange Spieße und andere Rüstungen ganz ver­loren, die Schloß von den Röhren herunter ge­stohlen, die Klingen zerbrochen oder aus den Scheiden genommen und sonst verrostet. 3 Tage nach Martini ist der Schulmeister, welcher Landsknecht war ausgerissen und zwar au» folgender Ursache. Vor 2 Jahren hat er mit 2 Gesellen als Kriegtzmann umgürtet, bet Meilingen, einen Boten der 300 fl. der fich