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Parlamentarisches.

Reichstag.

Berlin. 2S April.

®te leidige Beschlußunfähigkeit hatte am Mitt» Kch zwei Sitzungen zur Folge. In der ersten war konservative Anfrage wegen der Kündigung der Handelsverträge zunächst zurückgestellt worden. Dafür beriet mau die KrankenkassenuoveUe weiter bei § 42 beflf. die aussichtSbehSrdliche Enthebung eines Vor- staüksmitflliedes Abg. Lenzmann ifrs. Bp.) bean­tragt, die Behörde zu der Enthebung nur zu er­mächtigen, nicht zu verpflichten Rach längerer Er­örterung, in der Staatssekretär Graf Pofadowsky die Zustimmung de» Bundesrats glaubte in Aussicht stellen zu könne», wurde der Antrag angenommen. Als nun über § 42 abgestimmt werden sollte, ergab pch Beschlubunsähigkeit; es waren bloß 146 Abgeord­nete zugegen. Die nächste 300. Sitzung b ganu gegen 2*m Uhr mit der Tagesordnung: Anfrage betr. Kündigung der Handelsverträge. Staatssekretär Graf Pofadowsky erklärte, der Reich-ka-zler müsse aus dringenden sachlichen Gründen, die besonders auch die Landwirtschast nahe berühren, die Beantwortung ab» lehnen. (Bewegung und Heiterkeit.) Trotzdem wurde Besprechung beschlossen. Graf Limburg lkonf.) be­dauerte die Regierungserklärung. Seme Freunde wollte« keine Handelsverträge um jede» Preis. Namentlich den Amerikanern machten wir zu viel Komplimente Abg. Barth tfrs. Bg.) sprach für lang­fristige Handelsverträge. Die Verträge zu kündigen, das wäre eine leichtfertige Politik. Abg. Herold lZtr.) wandte sich gegen de» Vorredner, wobei er von der äußersten linken Seite des Hauses her wiederholt mit dem Ruf: .Verleumd« r unterbrochen wurde. An der wetteren Erörterung betettigten sich die Abgg Pansche (natL), Richter tfrf. Vp.), v. Kardorfs lfrkons.) ». a. Jeder der Herren vertrat seinen bekannten Standpunkt. Am heuttgen Donnerstag fetzt das Haus die Beratung der KrankenverficheruuKnoveüe fort.

«bgeordNetruha»».

Am Mittwoch nahm das Haus daS Feuerlösch­gesetz endgütig an und hierauf den Antrag v. Zedlitz lfrkouf.) auf Umwandlung der Trakehner Gestüts- fchuleu in öffentliche Volksschulen. Geh. Rat Schilling glaubte nicht, daß die Kommiffio Sbeschlüff« die Regierung weserttlich beeinflussen würden. Habe die SestütSverwaltung keine» Einfluß mehr auf die Schulen, so sei sie auch der Fürsorgepflicht enthoben. Für den Antrag sprachen die Abgg. Goldschmidt tsrs. Bp.), Dr. LotichiuS (ntl.) nnb v. Löbell lkons.); letzterer betortte aber, feine Freunde legten Wert darauf, daß keine »»geeigneten Lehrer an die Gestütsschulen kommen. Es folgten Eingaben. Die Landwirt­schaftskammer für Schleswig-Holstein petitioniert um •en Erlaß von Strafbestimmungen gegen den Kontrakt» bruch ländlicher Arbeiter. Die Kommission will di« Eingabe der Regierung als Material überweisen, Abg. Hirsch (frs. Vp.) beantragt Uebergang zur Tagesord­nung. Abg. Reinecke fkons.) bestreitet, daß es sich um ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter handle. Für den Koutraktbruch des Arbeitgebers sei ja die drei­fache Strafe gefordert worden. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Ferner werden Ein­gaben betr. Ausnahme einer Hypotheken-Statistik und betr. Aushebung der Beschränkungen für das Schorn- steinsegergewerbe der Regierung als Material über­wiesen. Donnerstag: Anträge.

Ausland.

MederlkMde. Die Königin hat zu Schieds­richtern in der Kommission zur Prüfung der Ansprüche der Gläubiger Venezuelas auf Wunsch Amerikas und Venezuelas den früheren Gouverneur von Curaqao, Barge, und auf Wunsch Frank­reichs nnd Belgiens den ehemaligen Präsidenten des obersten Gerichtshöfe» in Niederländifch- Jndien, Filz, ernannt.

Italien. Som Aufenthalt de» Königs von England in Rom wird berichtet, daß der Monarch am Mittwoch einer Parade zu seinen Ehren beiwohnte und nachmittags den Papst besuchte. Truppen bildeten Spalier von der englischen Botschaft bis zu den Brücken; von da ab war ein kleiner UeberwachungSdienst bis zum Vatikan angeordnet. Der Wagen des Königs wurde von Gendarmen begleitet. Der König und der Papst begrüßten sich in liebens­würdigster Weise und wechselten freundliche Worte. — Die Truppenschau wurde von herr­lichem Wetter begünstigt. Nachdem König Viktor Emanuel die Fronten abgeritten und König Eduard mit der Königin Helena sie ab­gefahren war, marschierten die 25000 Mann einmal vorbei. Ein zahlreiches Publikum be­reitete den Majestäten Huldigungen.

— Wie man dem L.-A." auS Rom berichtet, ist der Besuch Kaiser Wilhelms beim Vatikan auf Sonntag den 3. Mai festgesetzt. An diesem Tage wird der Kaiser voraussichtlich in der Botschastskapelle dem Gottesdienst bei­wohnen und von dort sich in die preußische Gesandtschaft beim Vatikan begeben, um beim

Jnformationskursus für Leiter von Jugendklubs.

Am 28. April d. I. wurde in dem Saale der Restauratton zur Stadt Stockholm in Kassel ein JnsormationskurfuS für Leiter von Jugendklubs lJüngliugsvereinen, Lehrlingsheimen) abgehalten, zu welchem der Oberpräsident unserer Provinz auf de» Wunsch der Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrts- Einrichtungen eine größere Anzahl von Verwaltungs» beamten, Geistlichen, Schulmännern und Handwerks­meistern eingeladen hatte. Nach der Begrüßung gab der Geheime Oberregierungsrat Post ans Berlin einen llleberblick über die Bestrebungen zur Sammlung und Förderung der aus der kchule entlaßenen Jugend. Er sihilderte die derselben drohenden Gefahren, wies auf die vielen Straffälle hin, welche den Gerichten Beranlaffung zum Einschreiten gegen jugendliche Personen bieten und kennzeichnete bann den Plan des bekannten Hamburger Pastors Clemens Säulz, durch Die Bildung von .Jugendllubs" de» der Jugend drohende» Gefahren zu begegne».

Dieser sprach alsdann selbst über die .Einrichtung des von ihm begründeten Lehrlings- und Gehülfen- Vereines und die in denselben gewonnen Erfahrungen. -Die de» Jugendklubs zuführende» jungen Leute sollen nicht aus das Programm einer kirchlichen oder politi­schen Partei verpflichtet werden. Man will auch nicht durch sie auf ihre Angehörigen kirchlich oder politisch 'einronten, sondern die Arbeit an ihnen geschehe ohne derartige Nebenziele und -abfichteu. Die Jugendklubs Dürfen auch nicht einer Fortbildungsschule gleichen. Ebensowenig dürfen sie Vergnügungsanstallen sein, da sie dadurch eine verderbliche Konkurrenz mit 23er-

Gesandten v. Rotensian das Frühstück einzu­nehmen. Von der Gesandtschaft au8 fährt der Monarch nach dem Vatikan zum Besuche des Papstes und kehrt von dort wieder nach der Gesandtschaft zurück. Am Montag soll u. a. der Empfang des deutschen Künstlervereins und der deutschen Kolonie in der Botschaft statt­finden, während für Dienstag, 5. Mai, der Ausflug nach der Benediktiner-Abtei in Monte Cassino vorgesehen ist. An demselben Tage findet abends der feierliche Empfang auf dem Kapitol durch die Stadt Rom statt. Die Ab­reise des Kaisers von Rom ist nach den bis­herigen Bestimmungen auf den 6. Mai festgesetzt.

Türkei. Von den Wirren auf dem Balkan liegen wieder einige Meldungen vor, die von einer Verschärfung der Situation wiffen wollen. An der bulgarischen und serbischen Grenze soll die Lage eine recht gespannte sein; infolge der türkischen Truppenansammlungen in Mazedonien haben fich die aufrührerischen Banden an die Grenzen zurückgezogen. In der Nähe von Saloniki soll auch wieder einmal ein Dhnamtt- anschlag gegen einen Eisenbahnzug, der einen Militärtransport bewerkstelligte, verübt worden fein. Trotz aller dieser gruseligen Meldungen darf man an der Zuversicht festhalten, daß die Balkanwirren wettere Dimensionen nicht an­nehmen werden.

Be»ez«ela. Die verbündeten Mächte haben fich jetzt mit der Bedingung einverstanden er­klärt, wonach die Frage der vorzugsweisen Behandlung der Verbündeten settenS Venezuelas dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten ist. Aus Venezuela selbst wird berichtet, daß Präsi­dent Castro bestimmte, die Ausländer dürften nur bann die eigenen Regierungen anrufen, wenn jedes venezolanische Rechtsmittel erschöpft ist und eine Verletzung internationaler Ver­träge oder eine Rechtsverletzung vorliegt. Castro fühlt fich wieder!

Marburg uud Umgegend

Marburg, 30. April.

5 Universität. Der außerordentliche Pro­fessor Herr Dr. Wentzel hat eine Berufung an die philosophische Fakultät der Universität Berlin erhalten. — In diesem Sommersemester wird der außerordentliche Professor, Herr Dr. med. Hildebrand, einen JmpfkursuS veranstalten.

* Reiter Fahrpla«. Der erste Mai ist der Tag für das Inkrafttreten des Sommerfahr- planS. Wer dann reisen will, tut also gut, sich vorher zu vergewissern, ob er nickt auS Versehen einen alten Fahrplan in die Finger bekam, der fünf Minuten vor Anbruch deS ersten Mai allerdings noch giftig war, mit dem Glockenschlag Zwölf aber seine Giltigkeit ver­liert. Sonst pflegw man ja wohl bei dem In­krafttreten deS neuen Fahrplan» zu sagen, eS komme nicht so genau darauf an, ungefähr bleibe doch alles beim alten, aber wenn das mitunter stimmte, diesmal trifft eS nicht zu, es ist reichlich viel abgeäudert worden. Gerade die Zugverbindungen auf der Main-Weserbahn find vittfach anders gelegt und in wettgehender Hinsicht ist den Wünschen der Einwohnerschaft Marburgs und der Umgegend Rechnung ge­tragen. Auf die einschlägigen Veränderungen haben wir schon vor einiger Zeit in unserer Zeitung hingewiesen. Wir empfehlen also, den beiliegenden Fahrplan sorgfältig aufzubewahren.

* Sin «Aks Zägkrbataiffou. Der.Butzbacher Ztg." wird folgendes geschrieben: Wie von bestunterrichteter Seite verlautet, steht die Er­richtung des im 18. Armeekorps noch fehlenden JägerbataillonS nahe bevor. Wahrscheinlich werden die Mittel hierfür schon in den nächsten Mikitäretat eingestellt werden. Bezüglich der Wahl des GarnisonorteS ist eine definitive Ent­scheidung an kompetenter Stelle noch nicht er­folgt. Ausschlaggebend wird für die Garnison deS JägerbataillonS fein, daß sie in nnmitttt- barer Nähe durchschnittenes bewaldetes und ebenes Gelände zugleich besitzt, daS es ermög­licht, alle Arten Fttddienstübungen auszuführen. Bon den in Betracht gezogenen Städten hat nach ZeitungSmeldungen Bensheim die meiste Aussicht, die Garnison zu bekommen, da es am besten den genannten Anforderungen an das Terrain genügt, eine bekannt schöne Lage und

gnügtmgssereinen verwickelt würden Eie sollen die Fürsorge des Elternhauses ergänzen uud ev. ersetze», diesem aber die Kinder unter keinen Umständen ent­ziehen, wenn es selbst die ihm obliegende» Pflichte» erfüllen kann. Dagegen sollen sie die Jugend vor dem Böse« bewahren, indem sie alle Ideale des Lebens Pflegen, selbstverständlich auch die religiöse», aber ohne dieselben den jungen Leuten aufzudrange». Sie sollen die letzteren zur freudigen Ausbildung einer Anzahl von Lieblingsbeschäftigungen heranbilde», Gelegenhett zur Bildung selbstloser Freundschafts- bündniffe biete» und auf die Entwickelung selbständiger, kraftvoller, fröhlicher Persönlichketten hmwirken. Der Redner erteilte dann den Rat, die Bereinigung aus einem kleinen Kerne hervorgehen zu lassen, d» Formulierung der Statute» nicht zu überstürze» und von den Vereinsmitgliedern einen wenn auch ganz geringen Beitrag zu erheben. Nach seiner Meinung muffen die Gehilfen in einem besonderen Verein ge­sammelt werden, der in seinen Bestrebungen dem reiferen Alter der Mitglieder Rechnung zu tragen und vor allem die Phrase zu bekämpfen hat. Wenn beide Vereinigungen von einer begeisternden Persönlich­keit geleitet werden, bann werden ihnen auch zahl­reiche Freunde und Förderer erwachsen.

Diesem mit reichem Beifall ausgenommenen Vor- trage, der fich in der Hauptsache mit den Verhält­nissen größerer Städte beschäftigte, ließ der aus dem Lehrerstande hervorgeganaene bekannte Volks- und Jugendschriftsteller H. Sohnreh aus Berlin eine glückliche Ergänzung in der eingehenden Schilderung derselben Bestrebungen an der Jugend auf dem Laude folgen. Er beklagte es sehr, daß die letztere seit dem kulturellen Ans- und Umschwung der ländlichen Ver­hältnisse kaum einen anderen Ort für ihr Gemein-

eine gute Bahnverbindung besitzt und dieNach- barfckast der Garnisonen Worms, Mainz, Frankftrtt, Darmstadt die Möglichkeit bietet, öfters Uebungen in größeren Verbänden abzu­haften.

* Ha»sbnefl»str«. Die Einrichtung der Hausbriefkasten, das find Briefkasten, welche der Wvhnungsinhaber zur Einlegung von Brief­schaften am Eingang seiner Wohnung anbringt, hat am hiesigen Orte noch immer nicht die Verbreitung gefunden, welche sie im öffentlichen Interesse verdient und in vielen andern Orten erlangt hat, wo der Hausbriefkasten als selbst­verständlicher Zubehötteil zu jeder Wohnung betracktet wird. Hausbriefkasten bieten in erster Linie den Vorteil, daß der Briefträger, ohne auf den Erfolg de- Klingelns und auf das Oeffnen der Tür warten zu müssen, die vorliegenden Briefschaften abgeben kann. Wenn man bedenkt, wie oft der Briefträger auf seinem Bestellgang auf das Oeffnen der Tür, nachdem er vielleicht schon durch mehrmaliges Klingeln sich bemerLar gemacht hat, warten muß, und wie oft er, wenn er vor verschlossene Türen kommt, zwei und dreimal derselben Sendung wegen viele Treppen wieder Hinaussteigenmuß: so läßt fich ermessen, welche Beschleunigung in der Briefbestttlung eintritt, wenn der Brief­träger durch da« Einlegen der Briefschaften in die Hausbriefkasten deS Wartens und der mehr­maligen Wiederkehr enthoben ist. Der Gewinn in der frühzeitigeren Empfangnahme der Post­sendungen würde bald jedem einzelnen fühlbar werden. Daß der Neugier deS Dienstpersonals, in daS GehttmniS der Briefschaften einzudringen, beim Vorhandensein eines Hausbriefkastens ein Riegel vorgeschoben wird, fei noch nebenbei erwähnt, ebenso daß auch andere Mitteilungen wie Besuchskarten, Zeitungen u. s. w. durch den Hausbriefkasten bequem und sicher übermittelt werden. Wo ein abgeschlossener Korridor vor­handen ist, wird der Hausbriefkasten am zweck­mäßigsten an der Innenseite der Korridortür unter Herstellung eines Einwurfsspaltes in der Tür angebracht; andernfalls ist der geeignetfte Platz neben dem Klingelzuge oder wo ein solcher nicht vorhanden ist, an einer passenden Stelle zum WohnungSeingang. Wer also fich selbst eine Bequemlichkeit und eine schnellere und sichere Zuführung der Postsendungen, sowie zu­gleich dem Briefträger eine Erleichterung seines oft schweren Dienstes verschaffen will, der bringe an seiner Wohnung einen Hausbriefkasten an. An Geschäften, wo solche Kasten billig zu haben sind, fehlt eS auch hier am Orte nicht.

8 Freiwillige Feuerwehr. In der gestrigen Generalversammlung wurden die abgeänderten Statuten, die doch sowieso ueugedruckt werden mußten, nach den gemachten Vorschlägen ge- nehmigt.

§ Ermittelt. Wie man jetzt hört, ist die Persönlichkeit deS Mannes, der in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf der Bahn- hofsbrücke sich seiner Kleidung entledigte und dieselbe ins Wasser warf, sowett ermittelt. Es handelt fich um einen Epileptischen oder Geisteskranken, Namens Böhme, der bereits in verschiedenen Berliner und zuletzt i» einer Frankfurter Heilanstalt untergebracht war. Dort hatte er auch kürzlich auf der Straße die Aufmerksamkeit der Passanten durch fein Be­nehmen auf sich gelenft. Auch die Geschichte mit den 2600 Mk. dürste demnach nicht der Wahrheit entsprechen. Der Bedauernswerte befindet fich je^ noch in der Klinik.

* Kinder ans Steife«. Die »Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein Berliner Blatt brachte die Mitteilung, daß der österreichische Eisenbahn- minister eine Verfügung zum Schutz allein- reiseuder unmündiger Personen erlasse» habe, und knüpfte daran die Bemerkung, daß dieses Vorgehen dem preußischen Minister nicht genug zur Nacheiferung empfohlen werden könne. Wir möchten darauf Hinweise», daß der preußische Eisenbahnminister schon vor fast zwei Jahren an die Direktionen eine Verfügung gerichtet hat, die fich mit der österreichischen nicht nur inhaltlich, sondern sogar wörtlich deckt.

* „Gäste Willkomm««!^ liest man oft unter Einladungen zu Vereinsversammlungen. Darauf­hin find in in letzter Zeit gegen verschiedene Bereinsoorfitzende gerichtliche Strafverfahren wegen Vergehens gegen das VereinSgesttz ein»

fchaststeben habe als die Wirtsstube, und daß fich darum auch auf dem Laude die Jugendpflege oft sehr schwierig gestalte. Es gelte dort, in den Jünglingen das rechte HeimatSgefühl zu wecke» und zu pflegen. Man brauche nicht mit Schärfe gegen Spiunstube», Neujahrfingen und dergleichen Gebräuche vorzugehen; man knüpfe vielmehr i» vorsichtiger Weise an bestehende Volks- und Jugendfitten an, reinige sie von ihren Schlacken und mache sie nach und nach entbehrlich, wenn man sie durch Besseres ersetzen kann. Der Stebner verspricht sich reiche» Segen von der Gründung von Gemeindehäusern oder -sälen und regt die Bildung einer Kreisorganisation der Wohlfahrtsvereine an. Dann wünscht er überall die Mnrichtnng ländlicher Fortbildungsschulen, die aber nicht ohne weiteres Stoff und Methode des Volks» schulunterrichteS in übernehme» haben, fotoie die Ausbildung der Handsertigkett zur Förderung des HausfleißeS und um ihrer selbst willen.

In der beiden Vorträgen folgenden Debatte er­klärte Superintendent Wiffemann-Hofgeismar, daß btt Kirche nicht böse darüber sei, wenn der Staat das von ihr begonnene Werk der Jugendfürsorge weiter- sühren wolle. In Bezug auf die Gründung von Eemeindehänsern wünschte er einen sreund- lichen Druck von oben. Die Bvrsteherin der Cvmeniusstistung Fräulein Wecke wünschte, daß man nicht vergessen möge, die Mütter sür unsere arbeit zu interessieren, unb daß man in jedem zu gründenden Gemeiudesaale während der Tagesstunden einem Kindergarten Obdach gewähren möge. Der Landrat Küchling berichtete sodann über die Bildung von Volks- und Schülerbibliotheken in dem von ihm ver­walteten Oberwesterwakdkreis und regte zum Anschluß au den Verein zur Verbrettung von Volksbild mm an.

geleitet worden, wett der Zusatz: »Gäste will­kommen!" zum Besuch ohne jede Beschränkunz auffordere. Die Ausficktsbehörden leiteten auf Unbestimmtheit der Fassung der Einladung die Anschauung her, daß die $erfammlun( dann nicht als geschloffene Bereinsfitzungeih welche nicht unter das VereinSgesetz fallen, fondern als öffentliche Verfammlungen zu be< trachten feien, welche bei der Behörde ange« meldet werden müssen. ES ist daher ratsam, die Einladung von Gästen mit einer ange­messenen Beschränkung erfolgen zu lassen, etwa in der Form: »Interessenten, welche der Ver­sammlung als Gäste beizuwohnen wünschen, kann die Erlaubnis hierzu vom Vorsitzenden er- teilt werden."

§ Die gefährliche Mauer vor dem Kalbstor dürfte demnächst durch eine neue ersetzt werden, da auch dir Behörde in dieser Ange­legenheit die erforderlichen Schritte getan hat.

* Für Obstzucht». Ein Haupthindernis für eine regelmäßige Rentabilität des Obstbaues bilden die Maifröste, die oft in einer Nacht die ganze Blüte vernichten. Mehr und mehr richtet man deshalb sein Augenmerk auf solch« Obst- und besonders natürlich Apsttsorten, di« nicht auf einmal ansblühen, sondern recht lang­sam nach und nach ihre Blüte» erschließe«, so daß die Nachtftöste dann nur immer einen Teil der Blüte vernichten können. Di« Redaftion deS praktischen Ratgebers im Obst­und Gartenbau zu Frankfurt a. O. bittet all« ObstzüAer, daraufhin in diesem Jahre ihr» Apfelsorten besonder» zu beobachten und ihr btt auffallend schnell verblühenden sowie die ijf obigem Sinne lange in Blüte stehenden Sorten bis zum 3. Juni d. I. freundlichst mitznteüen.

* Der Spargel. Von allen Frühlingsgabeu, die uns das junge Jahr bringt, ist eine der ersehntesten und begehrteste» der Spargtt. Es wird kaum einen Mensche» geben, der diese Krone der Gemüse nicht in fein Herz geschloffen hätte, und die ersten Spargel werden von den Feinschmeckern stets mit Freude begrüßt. Auch der Spargtt hat seine Geschichte, und wenn die neuesten Forschungen richtiges ermittelt haben, so wurde er schon von den atten Aeqhptern kultiviert, während die vorchristlichen Griechen ihn nur als Arzneigewächs und die Böotier nur zur Fabrikation von Brautkränzen benutzt zu haben scheinen. Rom nahm den Spargelbau ungefähr 200 v. Chr. auf, und der alte Cato war der erste, der eine Anleitung zur zweck­mäßigen Spargelzucht verfaßte. Zur Kaiserzeit tat sich Ravenna durch Sproffen von über­wältigender Größe hervor. In Süddeutschland fand sich wilder Spargel ans den Feldern.

* StNtßenbrleuchftms für den Monat Mai 1903.

Datum Abendlaternen Ricktungsftiternen.

1.-5. 8^-11 Uhr 8^,-4-, Uhr -

6.-12. keine Beleucht. 84»4 Uhr

13.-22. 8-/r-11 Uhr 81/,-4 Uhr

23.-31. 9-11 Uhr 9-31/, Uhr

8 Schöffengericht. Drei junge Leute von hier mtwcnbelen im vorigen Herbfi aus einem Garten üt bet Universitätsstraße Obst. Zwei von ihnen Paßten auf und bet dritte stieg über bas Geländer. Die beiden ersteren wurde» zu je lO Mk. unb der letzte zu 15 Mk. Geldstrafe verurteilt. — Am 23. März d. I. Überfiel infolge eines Wirtshausstreites der Arbeiter S- bett Arbeiter E. Er schlug ihn nut einem Tür» drücker berartig, daß eine blutende Wunde entstand. Das Gericht verurteilte den beSbalb Angeklagten unter Berücksichtigung seiner verschiedenen Vorstrafe« zu 6 Monaten Gefängnis. — Ein Braubursche be­leidigte kürzlich einen hiesigen Polizeibeamten, bet eine Frage an ihn gestellt bäte. Das Gericht vernr teilte ben erste«« deshalb zu 2 Tagen Hast.

r. Wetter, 24. April. DaS Geschäftsjahi 1902 der städtischen Spar- und Dorschußkaffi hier ist als ein recht günstiges zu bezeichnen. Der Umsatz betrug an Einnahmen 1106079,19 Mark, an Ausgaben 1081 382,17 Mark. Als« verblieb ein Bestand Ende 1902 von 24 692 02 Mark. Die Passiv-Kapitalien Ende 1901 be­trugen 2905385,26 Mark, Ende 1902 3073676,38 Mark, mithin war ein Zuwachs 1902 168291,12 Mark. Der ReservefondS Ende 1901 betrug 227 660,54 Mark, die Zinsen " von demselben pro 1902 8190 00 Mar( berth Reingewinn pro 1902 war 16251,18 Mark. Summa: 252101,72 Mark. Der Zinsfuß von Einlagen ist seit dem 1. Januar 1903 31/, pCt.,

Der katholische Pfarrer Dr. Hohn ans München- Gladbach empfahl in beifällig angenommenen Worten wie der erste Redner die religiösen Einwirkungen nicht iu den Vordergrund zu rücken und die Jugend all* »ählig nnb vorsichtig in tue neue Weltanschauung einzusühre». Als zwei praktische Funbgrnben für die Wohlfahrtspflege an industriellen unb landwirtschaft­lichen Arbeitern bezeichnete er die Zeitschristen die .Soziale Praxis" und Das Land". Sodann entspann sich eine lebhasteDiskusfion darüber, ob dieVereinigungen der Jünglinge auf ausgesprochen christlichen ja konsesfionellen Boden ruhen müßten oder nicht.

Diesen breistimbigen Verhandlungen folgte nach einer Pause von zwei Stunden eine 2. Reihe von Borträgen, die besonders die praktische Ausgestaltung der erhobenen prinzipiellen Forderungen betrafen. Der Direktor des Museums in Altona sprach über Ausflüge und sonstige Maßnahmen zur Weckung der Freude an der Natur. Dr. von Erdberg aus Berlin geigte unter Vorbildung zahlreicher Lichtbilder, wie die Jugend durch planvolle Betrachtung von Kunst­werken in daS Verständnis der bübenben Kunst ein- geführt werben kann. Paswr Kaz aus Seelscheid lRheinprovinz) gab sachkunbige Ratschläge zur Unterhaltung bet Jugend durch Musik unb Gesang, und der bereits Erwähnte Pfax-rr Dr. Hvv» segte zu D-klsmstiSnen, «ezttationen unb dramatisch«» Auf­führungen an.

Der Vorsitzende wünschte in seinem Schlußworte, daß jeder aus dem bargebotenen Stoffe ei»» An­regung mit in seinen Wirkungskreis hinausn^nen, bart zur Ausgestaltung bringen unb über bie Wolge feiner Bestrebungen an die Zentralstelle bericht« n-öge.