MchjW Zeilung
mit dem Kreisbtatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JSuftrirtes Sonntagsblatt.
JH 118
Htertelj: h.ltcher Bezugspreis: bei der Expedition L Mk., bei alle» Postämter» 2,35 Mk. sexcl. Bestellgeld).
^»sertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclainm: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Freitag, 1. Mai 1903.
Erscheint täglich außer a» So»»- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen- und Abend-AuSgabe.
Druck u#b Verlag: Joh. A»g, Koch, Universität--Buchdruckera Marburg, Markt 21. — Telephon 55. •
M Jahrg^
Bestellmgen
für die Monate Mai und Juni auf die
..Oberhefsifche Zeit«««" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Mark 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain und Neustadt, sowie von Men Post- I anstalten und Landbriefträger« entgegengenommen.
Die richtige Wahlparole.
Die »Korrespondenz des Bundes der Land- toitte" schreibt: In der linksliberalen Preffe wird in konsequenter Weise gegen den Bund der Landwirte die Verdächtigung ausgestreuk, als »b feine Erklärung, daß auch er für langfristige Handelsverträge, wenn sie nur die Parität zwischen Landwirtschaft und Industrie wahren, stimmen werde, nur auS Agitationsrücksichten abgegeben und er im Grunde Gegner aller langfristigen Handelsverträge sei. Auch die kleine nationalsoziale Sekte wirkte im Wahlkampf frisch und munter mit diesem Argument.
Wir möchten daher die Herren Naumann und Genoffen an ihren Parteitag von 1902 erinnern. Hier wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: »Der Vertretertag der Nationalsozialen erweitert seine» im Jahre 1900 in Leipzig gefaßten Beschluß für eine schärfere Agitation gegen Erhöhung der Getreidezölle dahin, daß «S Pflicht der Nationalsozialen ist, auch gegen Handelsverträge zu agitieren, deren Zollsätze auf Lebensmittel über das jetzt durch Verträge festgesetzte Maß hinauSgehen."
Wir möchten daher die Herren National- sozialen höflichst ersuchen, zunächst sich über ihre eigene Stellung zu den kommenden Handelsverträgen, die doch wohl unter allen Umständen die Minimalzölle für Getreide, wie sie im Zolltarif festgelegt find, und damit die bekämpfte Erhöhung der Zölle auf LebensmittÄ enthalten, klar zu werden. Die Herren müsse» die kommenden Handelsverträge also entweder selber bekämpfen, odersiemüssen ihre in jener Resolution festgelegten Grundsätze verleugnen. Konsequent wäre letztere« zwar nicht, aber wo u. a. Herr v. Gerlach ein gewichtige« Wort mitzureden hat, da kann ja über den Nutzen einer raschen polititischen Wandlungsfähigkeit gewiß keine Unklarheit herrschen.
Aber andererseits dürfen auch wir bescheiden um milde Beurteilung bitten, wenn wir nach dem Beispiel, das un« vor sechs Monaten die
S8 Machdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
tFortsetzunad
»Ah, ich weißen nickt, wa« .. ." Very weH. Sie werden fingen. Thank you, Miss. Der Check
»Halt, so weit find wir noch nicht. Business is bnsiness, wenn ich e« auch aus meine eigene Art mache. Also hören Sie: In meiner Heimat hat ein großes Brandunglück stattgefunden. Ich werde fingen, wenn Sie für die armen Geschädigten tausend Mark zahlen!"
»Tausend Mark?"
»Tausend Mark, zweihundertfünfzig Dollar«. Der Herr Kapitän wird so gut sein, den Check über tausend Mark dem Hilfskomitee in
, UdlerSfeld zu übermitteln."
»Da!"
Kein Wort weiter sagte Mr. Walker, er hatte ein Blatt aus seinem Checkbuche auSgefüllt, . es heraus gerissen, mit einer linkischen Verbeugung Johanna übergebe», die e« dem herbei- aeeilten Dampferkapitän mit der Bitte um Beförderung überreichte.
Und dann sang fie.
Kein Lüftchen regte fich über dem leuchtenden Strom, niemand an Bord sprach ein Wort, auf den Zehenspitzen schlichen die entfernteren Passagiere heran, während Mr. Andrew Walker mit einem vor innerer Genugtuung leuchtenden Gesicht neben Johanna stand.
Das erschien vielen kein Singen au« ^Renscheumund mehr, da« war, al« ob die
nationalsoziale Partei durch Annahme der Eventual-Resolution gegen HandelSvertrAge gegeben hat, nun auch uusererseit« nicht jede« Handelsvertrag zu schlucken bereit find; wenn wir das Recht beanspruchen, un« einen solchen daraufhin anzusehen, ob auch die Jutereffen der deutschen Viehbauern, des Weinbaus« und der Gärtnerei genügend darin geschützt find. Der nächste Wahlkampf wird daher auSge- fochten werden «icht mit der allgemeinen Parole für oder Wider Handelsverträge, sondern daran werden sich die Parteien scheiden: »Handelsverträge Mit oder ohne genügenden Schutz der deutschen Viehzucht, speziell auch des Schweins des kleinen Manne«, des Weinbaus und der Gärtnerei."
Wir glauben auch, daß e« der Regierung, die ja wenigstens so ost einen wirksamen Schutz der Landwirtschaft versprochen hat, nur angenehm sein müßte, wenn eine Mehrheit von steifnackigen Freunden der Landwirtschaft in den Reichstag einzieht, denn dadurch wird ja ihre Stellung den Ansprüchen des Auslandes gegenüber erleichtert. Es wird ihr sicherlich einen Rückhalt in ihrem „ehrlichen" Bestreben, der Landwirtschaft zu helfen, geben, wenn fie den fremden Staaten erklären kann: »Handelsverträge ohne genügenden Schutz für Viehzucht und Gartenbau können im Reichstag keine Annahme finden." Die in Frage kommenden Staaten, die ja ein weit höheres Jntereffe an Handelsverträgen mit Deutschland infolge des UeberschusseS ihrer Ausfuhr haben, werden dann sicherlich auch zu unserer Landwirtschaft genügenden Konzessionen bereit sein müffen.
Umschau.
England und Italien.
Ueberblickt man die Geschichte Italiens von der Zeit der spanischen Oberherrschaft bis auf den heutigen Tag, so wird man wohl aufs neue gewahr, daß das von inneren Wirren und Kriegsheimsuchungen Jahrhunderte lang geplagte Land neben seinen erbitterten Feinden auch treue Freunde gehabt hat, man sucht aber vergeblich nach besonderen Beweisen englischer Freundschaft. Und doch ist in den Trinksprüchen im Quirinal zu Rom, die bei der großen Galatafel zwischen dem Könige Viktor Emanuel und seinem Gaste, dem Könige von England, gewechselt worden find, gerade die alte und traditionelle Freundschaft zwischen beiden Ländern gefeiert worden. Tatsächlich hat fich ja auch England einmal zu gunsten Italiens an den Kriegen beteiligt, die diese« mit seinen Gegnern auSzufechten hatte. Nachdem fich John Bull bei dieser Gelegenheit aber in den Besitz der
Lorelei wirklich oben auf ihrem Felsen fitze und ihre herzbestrickenden Weisen in« Flußtal hinuntersende.
Und dann erhob ein Zwischenfall die begeisterte Stimmung zum Enthufiasmu«.
Der einfache Strohhut, welchen Johanna trug, hatt, fich gelöst, mit einem raschen Griff nahm ihn die Sängerin, ohne die Melodie zu unterbrechen, vom Haupt. Infolge des raschen Griffes hatte fich eine der schweren goldblonden Haarflechten gelöst und die volle Glut de« üppigen Hauptsschmucks wallte auf den Rücken hernieder.
»Lorelei!" Ein junger Student rief e« zuerst, indem er die Mütze schwenkte.
„Lorelei!" stimmten fie alle ein. Nur zwei schwiegen. Der eine war der junge Offizier, aber seine dunklen Augen führten eine nur zu beredte Sprache, der andere war Mr. Walker. Der war von der aufrichtigen Bewunderung schnell zu einem nüchternen Rechen-Exempel gekommen: Wenn diese Loreley bei ihm zu Hause, im Lande des Sternenbanners, sang, was war dabei zu verdienen? Ein Schmunzeln flog über das schlaue Geficht: das Kalkül war augenscheinlich recht günstig ausgefallen.
Johanna hatte ihren Sang beendet. Nun erkannte fie auch de« Grund des stürmifch- jubelndm Zurufs, errötend faßte fie nach ihrem aufgelösten Haar, eine Verneigung, und mit Alufcha, die bereits in der Nähe stand, .'verschwand fie in der Kajüte.
Von dieser Stunde an setzte fich in Richard von Falkenthal'« Brust der Entschluß fest, Johanna Holder al« feine Gattin zu gewinnen.
Insel Malta gebracht, und dadurch eine beherrschende Position im Mittelmeer gewonnen hatte, beschränkte er seine Anteilnahme an den Schicksalen Italiens auf eine wohlwollende Neutralität. E« soll nicht verkannt werden, daß England im Jahre 1861 als erste aller europäischen Mächte Viktor Emanuel IL als König von Italien anerkannte und auch der Neuordnung der Dinge im Jahre 1870 wohlwollend gegenüberstand. Hilfreich mit der Tat hat eS sich Italien in dessen tausendfachen Bedrängnissen jedoch niemals bewiesen. ES scheint daher, als sei der außerordentlich herzliche Ton, auf den die Trinksprüche gestimmt waren, mehr durch die Erwartungen von der Zukunft als durch die Erinnerung an die Vergangenheit eingegeben worden. — König Victor Emanuel ist nicht der Manu überschwänglicher Gefühle und Worte, daS hat seiner Zeit recht deutlich der Berliner Toast bewiesen, der trotz seiner Freundschaftsbekundung sich ohne jeden Neberschwung auf dem Boden der realen Wirklichkeit bewegte. Die an den König Eduard von England gerichteten Worte Victor Emanuels find perfönlicher und herzlicher, als eS die im Berliner Kaiferfchloffe waren. Der König entbietet feinem hohen Gaste mit innerster Befriedigung feinen Gruß, gedenkt der herzlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern feit den entlegensten Zeiten, rühmt die gesegnete Regierung der Königin Victoria, während der inmitten ernster Weltereigniffe Italiens Geschicke der Entscheidung entgegenreiften. Der Besuch König Eduards rufe nun die alten und die neuen Erinnerungen wach, die dem italienischen Volke und seinem Könige heilig feien. Victor Emanuel schloß seinen Trinksprnch mit dem Wunsch: Möge die zwischen den beiden Kronen und Völkern bestehende Freundschaft ewig währen und immer fester werden! — König Eduard dankte in den wärmsten Worten und bezeichnete, mit deutlichem Hinweis auf die Losreißung Italiens von der päpstlichen Gewalt, die Freiheit und freiheitliche Einrichtungen als die England und Italien gemeinsamen Ziele, mit denen vor fich die beiden Länder zusammen auf dem Wege der Zivilisation und des Fortschritts einherschritten und gleichzeitig bestrebt seien, den Frieden auftecht zu erhalten.
Deutsches Reich
Bertt«, 30. April.
— Der Kaiser ist am Mittwoch abend in Bückeburg eingetroffen, wo am heutigen Donnerstag die Hochzeit des Grohherzogs von Weimar mit der Prinzessin Karoline von Reuß ä. L. gefeiert wird. Der Kaiser wurde am Bahnhof mit groben Ehre« empfangen. Nach feiner Ankunft fand im Schlöffe der Fürstin-Mutter von Schaumburg-Lippe, der Grobmutter der Braut ein Hoskonzert statt. Die Trauung wird heute nachmittag 3 Uhr vollzogen — Vor feiner Abreise von Berlin hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Reichskanzler und hörte militärische Vor-
und Mr. Andrew Walker hegte den nicht minder bestimmten Vorsatz, diese moderne Loreley seine Landsleute hören zu lassen. Ja, eS war eigentlich nicht fein Metier, den Agenten einer Künstlerin zu spielen, aber er war nicht eben wählerisch, wenn er die Gewißheit hatte, tüchtig Geld zu verdienen.
Und hier war mit dem blanken Metall Ehre und Ruhm zu gewinnen.
„Kalkuliere, daß ich hunderttausend Dollar» gewinnen werde, wenn ich ihr ebensoviel garantiere," murmelte er vor fich hin.
Da merkte er, daß Falkenthal ihn scharf beobachtete.
»Ich werde einladen diese Miß Holder-Loreley z» einer Fahtt nach Amerika!" sagte et mit seinem vergnügten Lachen.
»Fräulein Holder wird Sie einen Unverschämten nennen," fuhr Herr von Falkenthal heraus.
»Oh no!" war die trockene Antwort; »werd' ich doch bieten Miß Loreley hunderttausend Dollars!"
„Herr!" schrie Falkenthal.
»DeS, einhunderttausend Dollars!".....
Und er hatte recht behalten; Johanna hatte nach vorherigem Anhören ihre« alten Freunde« Neuling die Tournee unternommen, die ihr be- geistette Huldigungen und eine goldene Ernte abgeworfen. Innerlich freilich war fie weniger befriedigt, die grenzenlose Sensationssucht, die Reklame-Ausschweifungen waren ihr zuwider.
Nach der Heimkehr verweilte fie einige Wochen im schöne» Wiesbaden und hier sah fie auch Falkuthal wieder. Sie sprachen nicht
träge. Von Bückeburg reist der Kaiser «ach Äoi Der Besuch beim Papst ist auf MoMag festgesetzt.
— Die Kaiserin fiedelt heute, Donnerstag, v» Berlin nach dem Marmorschloß bei Potsdam üb« Am Mittwoch wohnte die hohe Frau einer Vertreter Versammlung des Vaterländischen Frauenvereins bei
— Am heutigen Donnerstag hielt der Reichst» seine 801. und letzte Sitzung. Ob eS gelingen wirt m ihr die Krankenverficherungsnovelle zum Abschlq zu bringen, ist nach dem gestngen Anlauf der Sozia), demokraten zur Obstruktion gegen die Novelle, bete Scheitern zu bedauern wäre, recht unsicher geworde» — Die Geschästsordnungskommiffion kam dahin über ein, die Beschlußfaflung über den ihr dieser Tage zu gegangenen Anttag, daß die Reichsbehörden von ©tat» Überschreitungen stets dem Reichskanzler Kenntnit geben, dem neuen Reichstag zu überlasten.
— Die Borarbesten für die Geltendmachung bei Schadenersatzansprüche, die von Deutschen aus Anlas des südafrikanischen Kriege« erhoben worden find hat der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Sieveling all bisheriger Sachwalter der Reichsregierung beendigt Für die weitere Vertretung der deutschen Reklamationen, soweit sie sich auf Transvaal und bit Orangeflußtolonien beziehen, ist nach dem »Reichsanzeiger" Vizekvnsul Reimer in Pretoria bestellt worden, an den Anfragen und Eingaben zu richte« find. Diejenigen deutschen Reklamationen, die fich auf die Kapkolonie und Natal beziehe«, werden wie bisher von dem Generalkonsul in Kapstadt vertreten
— Am heutigen 100 Geburtstag des verstorbene» Feldmarschalls Grafen Roon findet an der Grust zu Krobrntz in Schlesien eine Gedenkfeier statt, bei bei Hofvrediger Rogge bie Gedächtnisrede hält. Der Kaiser läßt einen Kranz am Sarge des Entschlafene» niederlegen. Das Füfilierreziment Graf Roon (Dfb preußisches Nr. 33) in Gumbinnen, besten Ches bei Marschall war, begeht ben Tag in festlicher Weise Zu bieser Feier traf eine Aborbnung bes schwebische« Bohuslän-Regiments in Gumbinnen ein; ber Führer überreichte einen dem Regiment gewidmeten Ehrenschild Das 33. Regiment ist schwedische« Ursprungs und wurde 1815, als Schwedisch • Vorpommern an Preußen fiel, mit übernommen, soweit bie Angehörigen des Regiments im Lande ansässig waren. In Berlin feiern die Offiziere des Kriegs» Ministeriums den Tag durch ein Fehlmahl.
— Im Herrenhause hat gestern Graf Mrbach und Genossen im Namen der Konservativen einen Antrag eingebracht, der den Reichskanzler ausfordert, im Bundesrat für die Kündigung der Handelsverträge einzutreten.
— Zur Ehrung des Heimgegangenen Finanzministers v. Miquel beschloß die Haushaltskommisfion des preußischen Abgeordnetenhauses ein Bild Miquel» im Beratungszimmer aufhängen zu lassen. Die Stadtverordneten von Frankfurt a. M. lassen dem Entschlafenen auf dem dottigen Friedhof ein Denkmal fetzen.
— Zur Verbesserung des Submisfionswesens find im preußischen Eisenbahnministerium neue Entwürfe ausgearbeitet worden. Es werden jetzt verschieden» Gutachten gehört.
- Der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen hat nunmehr den Antrag genehmigt, wonach den Reichslanden die Rechte eines Bundesstaats eingeräumt werden sollen. Es hat jetzt der Bundesrat das Wort.
— Gestern hielt der Reichstag zwei Sitzungen, die zweite war die 300. der Session. Mit dieser Zahl ist der Rekord aller Sitzungsreihen geschlagen, die bei Reichstag je zu verzeichnen hatte. Es war baher aud ganz selbstverständlich, daß zur Feier bieses beispiet losen Ereignisses der Präsidialtisch mit einem Riesen Blumenstrauß geziert worben war.
viel am Tage des Zusammentreffens, beide wußten, daß sie, nur mühsam ihre Zunge würden hüten können, den innersten Herzens-Geheimnissen Ausdruck zu verleihen.
Allmählich gewannen beide ihre Unbefangenheit wieder, und Johanna plauderte herzlich und wohlgemut von der Heimat. Und lachend ging Falkenthal auf dasselbe Thema ein. Ach, da fanden fich in beider Erinnerungen so viele launige, ungezwungene, selbst tolle Jugendstreiche, daß fich eine immer innigere Annäherung ergab.
»Ja, ist doch halt eine gute Sach' um solche rechte thüringische Herzhaftigkeit," sagte Johanna fröhlich. »Meine Stimme und der frische Mut, das sind thüringer Gottes-Gaben, wüßt' nicht, wie ich ohne die zurecht gekommen wäre."
„Und doch find Sie für gewöhnlich so ernst. Fräulein Johanna!"
„Wollt' schon, ich könnt' mich immer so zeigen, wie'S mir um'S Herz ist. Sie al« Landsmann verstehen'«, aber die anderen? Ich möchte doch bald recht falsch beurteilt werden. Aber wenn ich auf dem Theater steh' und fing', dann hab' ich die ganze Courage und die behalt ich."
Falkenthal seufzte. »Wie glücklich sind Sie daran, Fräulein Johanna, Ihnen steht die ganze Welt offen. Und ich? Ach, das Avancement ist langsam."
»Ach wa«, Sie find ein rechter Mann und ein tüchtiger Offizier. Wa« hätt' ich da einmal sagen sollen?"
»Aber ein armer Mann!"
(Fortsetzung Mat)