Ml, „, z ä’i’ltlill!} mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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MltttvbÄ 29 Avrü 1903. ®ntd l0Ä $etl69: 3»h> Ang. «och. Uuiverfitäts-Buchdruckrrel uv. **♦'•*• jlvw. Marburg. Markt 2L — Telephon SS.
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Einnahme aus Zöllen und BerbrMchsstmem. E
Die gestern in Aussicht gestellte Veröffentlichung des Ausweise« über die Einnahmen deS Reich« an Zöllen und Verbrauchssteuern im Rechnungsjahre 1902 ist nunmehr erfolgt. Die Einnahmesumme beläuft sich demnach auf 813,8 Millionen Mk. oder 0,4 Millionen Mk. weniger Wie im Rechnungsjahr 1901. Für die Beurteilung der Reichsfinanzen kommt aber weniger das Verhältnis der Jsteinnahme zu derjenigen des Vorjahres als zu dem EtatSansatze in Betracht. Diese« Verhältnis ist noch ungünstiger, weil fich der Etatsansatz für 1902 auf 819,1 Mill. Mk. beläuft, die Wirklichkeit hinter ihm also, da hier auch die Brennsteuer mit 4,5 Mill, ausgeschaltet werden muss, um 9,8 Mill. Mk. zurückgeblieben ist. Sämtliche alten Verbrauchs- steuern haben gegenüber den Etatsansätzen entweder kein Mehr oder ein Weniger zu verzeichnen gehabt. Die Einnahme aus der Tabaksteuer fommt dem Etatsansatze ziemlich gleich, die aus der Znckersteuer ist hinter ihm um 16,6 Mill. Mk. zurückgeblieben, die aus der Salzsteuer ist wieder gleich, die aus der Maischbottichsteuer weist ein Weniger von 2,8 Millionen, aus der Brantweinverbrauchsabgabe von 2,4 Millionen und aus der Brausteuer von 3,1 Millionen auf. Das Weniger bei den Verbrauchssteuern beläuft ft& auf 24,9 Millionen Mk. Demgegenüber stehen bei den Zöllen, die gegen den Etatsan- fatz von 483,6 Millionen Mk. in Wirklichkeit 496,0 Millionen Mk. erbracht haben, ein Mehr chon 12,4 Millionen, das um so erfreulicher wirkt, als bekanntlich der Reichstag den von den verbündeten Regierungen vorgeschlagenen Ansatz der Zölle um 12 Millionen Mk. seinerzeit erhöht hatte, diese 12,4 Millionen Mk. also noch über die letztere Etatserhöhung hinaus «vereinnahmt find, und die Einnahme aus der im Rechnungsjahre 1902 eingeführten Schaum» weinsteuer mit 2,8 Millionen Mk.
Line ungefähre Orientierung über den Rc > UungSabschluß des Jahres 1902 für die Reichs- tttffe lassen diese Zahlen bereits zu. Aus den Verbrauchssteuern würden demnach der Re-chs- kasse, der die Zuckersteuer, Salzsteuer, Ma sch- dottichsteuer und Brausteuer außer den 130 Millionen Mk. aus Zöllen und Tabaksteuer verbleiben, ein Weniger von 22 5 Millionen Mk.
46 (Nachdruck verboten !
Briefträgers Hannchen.
Bon Georg Paulsen.
»Fortletzung.)
, „Spaßvogel Sie, Richard von Falkenthal flammt au« einer der kleinen thüringer Residenzen, sie wissen'« ja!'
„Fräulein Johanna, wie oft soll ich e« Ihnen sagen: Sie find keine Thüringerin!'
„Herr Neuling, ich wiederhole e« Ihnen immer wieder, daß ich für alle meine Freunde stets eine Deutsche bleiben werde. Sogar für Sie!'---
Nun war sie wieder allein. Johanna war aus dem Balkon in ihren Salon zurückgekehrt; Gleichgültig überflogen ihre scharfen Augen die schweren seidenen Vorhänge an den Fenstern, die reichen Stoffe, mit welchen die Wände geschmückt waren, die geschnitzten Möbel, die auf jdem weichen Teppich standen. Nur dem kostbare« Instrument in der Fensternische widmete ste genauere Aufmerksamkeit, sie berührte die Tasten und sang halblaut eine schwermütige Melodie.
Langsam ließ fie sich dann aus einer schwellenden Ottomane nieder, den blonden Kopf in die ineinander verschlungenen Hände gelegt. So recht behaglich streckte sie sich, und die schillernde Seide rauschte unter ihren mit leichten Schuhen bekleideten Füßen. Leise lachte fie vor *Sd> bin.
erwachsen, denen ein Mehr von 2,8 Millionen Mark au« der Echaumweinsteuer gegenüberstehen. Des weiteren wird die Brennsteuer in diesem Jahre ausnahmsweise der Reichskaffe 3 Millionen Mk. zur Verfügung stellen, sodaß also aus den Verbrauchssteuern auf ein Weniger von rund 17 Millionen Mk. zu rechnen sein würde. Dazu fommen die Ergebnisse der Post- und der Eisenbahnverwaltung. Für beide liegen allerdings erst die Einnahmeergebniffe vor, nach denen bei der ersteren 9,7 Millionen, bei der letzteren 0,2 Millionen Mark weniger vereinnahmt wurden, al« im Etat vorgesehen waren. Demgemäß eröffnen sich auch hier keine erfreulichen Aussichten.
Besser gestaltet sich, wie schon gestern bemerkt, dar finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche. Von den hierbei in Betracht kommenden Einnahmen haben die Branntweinverbrauchsabgabe und die Reichrstempelabgaben auch jede ein Weniger gegen den Etat, jene von 2,4, diese von 5,7 Millionen Mark ergeben, dem Gesamtweniger von 8,1 Millionen Mark steht aber das Mehr von 12,4 Millionen Mark bei den Zöllen und der Tabaksteuer gegenüber, so daß den Einzelstaaten für 1902 an Ueberweis- ungen werden rund 4 Millionen Mark mehr auSgezahlt werden können, als im Etat vorgesehen war. Man wird allerdings nicht vergessen dürfen, daß für 1902 die Matrikular- umlagen mit 24 Millionen Mark über die Ueberweisuugen in den Etat eingesetzt find, daß also auch nach dem oben geschilderten Ergebnisse für 1902 die Einzelstaaten immer noch 20 Millionen Mark mehr an das Reich zu zahlen gezwungen sein werden, als sie von ihm heraus erhalten.
Umschau.
Wahlbewegung.
„Vorwärts z« veu Wahle» 1903!" Unter diesem Weckruf ist von dem Hauptverein der de«tfche« Kovfervativeu' soeben eine Druckschrift herausgegeben, der wir die weiteste Verbreitung wünschen. ES ist ja bekannt, daß die meisten Zeitungen in den Händen der Gegner find und diese dadurch über die umfassendere Möglichkeit zur Verbreitung ihrer Ansichten verfügen. Auch stehen den anderen Parteien größere Geldmittel zu Gebote, die eS ihnen ermöglichen, viele Agitatoren ins Land zu schicken usw. Die vorliegende Druckschrift gibt in knapper, vielfach durch ziffernmäßige Angaben greifbar versinnlichter Darstellung anschaiUiche Aufklärung und Belehrung über die wirkliche Lage der Dinge und zeigt namentlich, wie nicht die überall verschrieenen „Agrarier und Junker' die Notlage, vornehmlich die deS Mittelstände«, verschuldet haben, sondern die Gewinnsucht auS dem Zwischenhandel durch die „Spekulanten und Juden'. — Und wie leicht wird den Spekulanten und Juden ihr Treiben gemacht durch die Eigentümlichkeit, nicht zum wenigsten unserer Hausfrauen:
„Briefträgers Hannchen, wie gut hast Du's jetzt! Hast kaum daran dacht, daß Du so noch hättest leben können? Wenn der Vater Dich säh, oder die Mutter?"
Wieder lachte fie leise. „Oder gar der Mehgerfritz? Oder" — Da wurde sie doch ernster, „der Hermann Grau, der gute Bursch? Wo er wohl steckt, ob er wohl au mich denken mag?'
Leise zogen die Jugenderinnerungen wieder herauf, und ihnen folgten die letzten Jahre. Ob fie mehr Glück oder Talent gehabt? In ihrem bescheidenen Sinn zerbrach fie darüber sich nicht den Kopf. Sie war in verschiedenen deutschen Großstädten aufgetreten, dann in Stockholm, wo man sie mit ganz besonderem Enthusiasmus gefeiert, in Christiania, in Kopenhagen, im Süden, drüben in Amerika, und die Goldernte im Lande der Iankee'S war größer gewesen, als alle früheren Einnahmen zusammen. Daß ein schwerreicher Petroleum- Spekulant sie vom Fleck hatte fortheiraten wollen, war ein humoristischer Beigeschmack in ihren Erinnerungen.
Ach, fie hatte doch recht vieles erlebt!
Und fie hatte auch wirklich einmal recht von Herzen gelebt, der spottsüchtige Neuling hatte genau gesehen und beobachtet: Ja, jenem jugend- schönen, ritterlichen Dragoner-Offizier Richard von Falkenthal war Johannas Herz entgegen- fleftooetn-et batte fie aebeten. bescbworeu feine
alles ohne Nachprüfung gläubig auszunehmen, wa» ihnen von den politischen Gegnern al« „zur Brot- und Fleischverteuerung' vorerzihlt, oder geradezu vorgeschwindelt wird! Dann heißt es gleich zum Manne: „Ach laß mich mit den Zollerhöhungen zufrieden, denn mehr Wirtschaftsgeld gibst Du mir doch nicht!' Gerade diese Ansicht der Hausfrauen kann sich aus einem Artikelchen der Druckschrift bekehren und deshalb sei auch ihnen da« Büchelchen empfohlen. — Eigentlich ist e« beschämend, daß gerade in konservativen Kreisen beim Zusammentreffen mit politischen Gegnern nicht immer die richtige, auf Tatsachen beruhende Entgegnung erfolgt. Hier heißt es sich au« der Druckschrift „Vorwärts zu den Wahlen 1903' die rechten Baffen für den Wahlkampf zu hrllen! Merken die Gegner erst, daß fie die Konservativen überall gewappnet finden, dann müssen fie auch überall mit tatsächlichen Gegenbeweisen kommen, und — die haben sie nicht! Deshalb nochmal« an alle Konservativen in Stadt und Land die Mahnung: „Kaust die Broschüre! — Diese Schrift ist zu beziehen durch daS Büreau des Hauptvereins der deutschen Konservativen Berlin W. 9, Köthenerstr. 3. Bei freier Zusendung kostet 1 Exemplar 20 Pfg., bei Abnahme von 10 Exemplaren 18 Pfg., von 50 Exemplaren 15 Pfg., von 100 Exemplaren 10 Pfg. von 500 und mehr 7 Pfg. Bestellungen werden auSgeführt gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung deS Betrags.
Die Denkschrift der Regierung über die „Fleischnot'.
Ueber Umfang und Ursache der vorjährigen höheren Fleischpreise ist nach der „Nordd. Allg. Ztg." dem preußischen Abgeordnetenhause eine ausführliche Denkschrift zugegangen. Die Ausführungen decken sich mit denen, welche von den preußischen Ministern schon früher gegeben wurden, sie verweisen auf die infolge der Jndustriekrisis gesunkenen SchWtitte- fchlschtltnge« und auf die allgemeine Teuerung, auf AuSnützung der Konjunktur seitens der Landwirte und auf Abmachungen zwischen Händlern und Fleischern. 3m allgemeinen war die Teuerung aber nur eine vorübergehende, und jedenfalls ist Deutschland im stände, seinen Fleischbedarf selbst zu decken. Heute ist, wie bekannt, mit Ausnahme von Berlin und einigen anderen großen Städten der Fleischpreis wieder normal. Falls unsere Leser sich noch unserer Artikel über die Ursachen der vorjährigen Fleischteuerung entsinnen, werden fie erkennen, daß wir damals bereits dieselben Ursachen nannten und dieselbe Begründung gaben, wie fie heute in der Denkschrift der Regierung niedergelegt sind. Damals vergnügte sich ein gegnerisches Blatt unserer engeren Heimat damit, höhnend seine Leser darauf hinzvweisen, daß die Gründe jener Fleischteuerung, die den bedeutendsten Nationalökonomen noch nicht klar seien, auf
Gattin zu werden, aber ihr klarer Verstand hatte seinem heißen Werben Widerpart gehalten. Sie hatten sich auf einem Rheindampfer kennen gelernt, als Johanna mit ihrer Begleiterin eine heitere Vergnügungsfahrt auf dem romantischen Strom unternommen hatte. Wie die Berge und Burgen zu beiden Seiten vorübergewichen waren, wie die Göttin Poesie von jedem Stein jedes ihr entgegenfiammende Gemüt grüßte! Nachen und Fahrzeuge aller Art flogen an dem großen Dampfer vorüber. Scherzen und Lachen, Heller Gesang, rauschender Jubel beim blinkenden Gläserklang geleitete die ganze Fahrt.
Herr von Falkenthal, der eine verwandte Familie im alten Köln besucht hatte und nun in seine Garnison zurückkehrte, trug Civil, aber jeder Zoll seiner Haltung verriet den Offizier. Johanna, seiner Tischnachbarin an der Mittagstafel, bewies er eine verbindliche Aufmerksamkeit, ohne daß ein aufrichtige« Gespräch bei dem großen Andrang der Fahrgäste in Gang gekommen wäre. Auch späterhin blieb die Künstlerin zurückhaltend, fie nahm am Ende des Dampfers mit der getreuen Aluscha Platz.
Da kam der Lorelei-Felsen! Die Schiffsgesellschaft drängte sich zusammen, mit gefüllten Gläsern ward der vielbesungene Gipfel begrüßt und dann klang e« über die strömenden Fluten dahin: „Ich weiß nicht, was soll es bedeute«!' Die Stimmung war bei der Mehrzahl der Fabraäfie schon eine recht animierte, der teitfi»
der Redaktion der „Oberhessischen Zeitung' entdeckt worden wären! Nun, der ganze Verlaus deS Fleischnotrummel« hat uns Recht gegeben und au« der Denkschrift der Regierung geht unwiderlegbar hervor, daß wir die Ursachen und Gründe jener Teuerung richtig erkannt hatten. E« war daher mindesten« etwas unbedacht von der gegnerischen Seite, über unsere Ausführungen damals zu spotten, wo doch der gesunde Menschenverstand auSreiA^ um die Sachlage völlig zu übersehen. Die parteiische Einseitigkeit in der Anschauung unserer Gegner, die jede objektive Würdigung einer Sache unmöglich macht, war freilich dazu nicht im Stande und so bleibt uns tatsächlich der Ruhm, damal«, wie so ost schon, wieder einmal eine wirtschaftspolitische Frage klar erkannt zu haben, die, wie die meisten anderen, den Nationalfozialen samt ihren bedeutendsten Nationalökonvmen ein Buch mit 7 Siegeln war, ist und bleiben wird in alle Ewigkeit!
Müller-Urteile über die Versuch«- mühle.
Vor kurzem haben wir bereits darauf hingewiesen, eine wie dreiste Lüge es war, daß die freisinnige Presse die von den preußischen Landwirtfchaftskammern geplante Anlage einet Versuchsmühle und Bäckerei al« eine vom Bunde der Landwirte gegen den Mittelstand in Bäckerei und Müllerei gerichtete feindselige Handlung hinstellte. Nunmehr läßt sich auch die „Allg. Deutsche Mühlen-Ztg.', da« offizielle Organ deutscher Handelsmüller, zu jener freisinnigen Schwindelbehauptung wie folgt vernehmen:
„Gegenüber dieser, nach unserer Kenntnis der Dinge völlig gründ- und haltlosen Behauptung, al« sei mit der Einrichtung einer Versuchsmühle und Bäckerei eine Ausschaltung der Müller und Bäcker beabsichtigt oder überhaupt nur möglich, halten wir es für unsere Pflicht, als Sachverständige und Unterrichtete wiederholt zu erklären, daß von einer solchen Ausschaltung, also einer Schädigung der Müller und Bäcker gar keine Rede fein kann, daß im Gegenteil durch die Ausführung de« staatlichen Projettes ebenso wie den landwirtschaftlichen auch den müllerischen und den Interessen der Bäcker in außerordentlicher Weise gedient wird."
Hier wird also von fachmännischer durchaus nicht agrarischer Seite genau dasselbe Urteil über die Bedeutung der Versuchsanstalt abgegeben, wie wir es getan hatten. Der Freisinn sieht sich genötigt, zu ganz unsinnigen und verlogenen Beschuldigungen seine Zuflucht zu nehmen, wenn er auf die Agrarier auch nur einen Schein der Mittelstands- feindschast werfen will. Wahre und beweiskräftige Gründe kann er zu diesem Zweck ebn nirgends auftreiben.
lich vorhandene gute Wille mußte daher in hohem Maße die künstlerische Schulung im Gesänge ersetzen.
Al« bei der zweiten Strophe der Vortrag in immer schärferen Gegensatz zu Melodie und Inhalt geriet, mußte Johanna vor sich hin- lachen, und mit halblauter Stimme hob sie nun die Weise an.
Niemand war in der Nähe, als sie begann, sie achtete auch nicht darauf, als ihr Tischnachbar herantrat und gespannt lauschte. Jetzt wandte fie sich um, und beide schauten einander plötzlich Äug' in Auge. Der junge Mann war verlegener, als die Sängerin, er entschuldigte sich indessen, stellte sich vor und sprach seine hohe Bewunderung des von ihm belauschten Gesanges aus.
„Wie schade, daß nicht alle Passagiere Sie haben hören können, gnädige« Fräulein!' rief er begeistert.
„Um Gotteswillen," wehrte fie ab. „Wie glücklich bin ich, daß nur Sie mich gehört haben!'
„Aber--!'
„Kein Aber, mein Herr!' Und nun nannte fie ihren Namen; „Sie begreifen, daß mein Name nicht bekannt werden darf, ich würde mich vor Aufforderungen, zu singen, nicht retten fönnen. Und ich möchte e« doch auch einmal so gut, wie andere Menschen habe«, wirkliche Ferien genießen können.' ,, ,
‘ (Fortsetzung folgt.)