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Sonntagsbeilage

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Sünden des KleinhandelS.

Wir haben des öfteren darauf hingewicftn, schreibt offiziös dieKöln. Ztg.", welchen schweren Fehler Zwischenhandel und Einzelhandel machen,

30 der angesehensten Bürger haben Fürbitte bei den Fürstl. Räthen gethan und um Verzeihung gebeten. Aber dies Bitten ist umsonst gewesen, es ist bei dem vorigen Bescheid geblieben, fie müßten bis zum Mittag die Wehren und Rüstungen auf das Schloß liefern. Weil die Bürgerschaft gesehen, daß es nicht anders sein könne, haben sie mit allen ihren Rüstungen fich eingestellt und dieselben aufs Schloß geliefert. Nachdem hier alles verzeichnet, wurde eS auf einen Haufen geworfen. Am Freitag den 19. Dezember frühe hat der ehrbare Rath abermals 50 aus allen gemeinen Vormündern, Handwerksmeistern und der gemeinen Bürger­schaft auf daS Rathaus fordern laffen und ihnen Befehl vom Bürgermeister und Rath verlesen, daß die Abschaffung der Bilder sofort vorge­nommen werden solle, und bei einem ehrbaren Rath stehen möchten, damit aller Aufruhr ver­hütet würde, weiter solle sich Niemand auf dem Markt und in der Kirche sehen lassen, indem die Obrigkeit diese sofort in das Gesängniß zu legen befohlen hätte. Bald nachher ist der Kanzler mit seinen Räthen, mit denen auf dem Schloß liegenden Soldaten nach der Pfarrkirchen kommen, die Soldaten haben mit den angezündeteu Lunten aufwarten müssen, da ist dann das Bilderstürmen von denen von dem Lande entbotenen Zimmerleuten und den 4 Nachtwächtern angefangen und voll­bracht worden. Es ist in der Kirche alles mit nicht geringem Getümmel über Hausen geworfen worden. Die beiden Kruzefixe, daS gemachte Hungertuch und viele hölzerne Bilder, die gar

schön gewesen, sind alle abgeworfen, auf 4 Wagen geladen und auf das Schloß gefahren worden. Der schöne und von steinernen Bildern künstlich gehauene Oelciarten ist ziemlich verwüstet worden und die Bilder hat man alle zerschlagen. Was sonst noch für steinerne Bilder außen an der Kirche gewesen, ist alsbald von den Leuten umgeworfen worden, die gemalten Bilder hat man zerhauen und weiß angestrichen. Als nun dieses in den Kirchen verrichtet, sind sie stracks mit Soldaten und Helfern nach den Gottesacker­kirchen, bei der Siechen, dem Hospital und wo nur etwas von Bilder zu finden war, haben fie zerstört. Wo etwas Hübsche« ist darunter ge­wesen, hat der eine dieses, der andere jenes an sich genommen. Der hölzerne an einer Kette liegende kohlschwarz gewählte Teufel hat gut Glück gehabt, indem er sich beizeiten auS dem Staube gemacht hatte, und nicht verbrannt wurde. Alles andere aber wurde auf daS Schloß gefahren und dahinter am Abend ver­brannt. Auch der über dem Predigtstuhl hängende heilige Geist in Gestalt einer Taube, welcher mit grüner Farbe gestrichen war und das um den Predigtstuhl hängende Bildnis der Jungfrau Maria sampt ihrem Knäbchen auS rvihem Sammet find gleichfalls zerschlagen und heruntergeworfen worden. Die abgelieferten Wehren und Rüstungen find bei Nacht und Nebel aus der Stadt hinaus aus 5 Wagen nach Bach gefahren worden.

Die Ungehorsamen Bürger sollten 400 Thaler Strafe bezahlen, wofür sich 14 aus ihrer Mitte verbürgen mußten. Ein Stadtknecht ist eilends

Handelspreisen gehen. Nach den amtlichen Notierungen vom Berliner Zentralviehmarkt haben die Schweine gekostet per Doppelzentner Schlachtvieh: Zur Zeit des Höchststandes im Herbst 1902: 125 Mk., dagegen im Durchschnitt Februar 1903 106 Mk. und im März 1903 104 Mk.

DaS ist ein Preisrückgang um rund 20 Mk., gleich zehn Pfennigen pro Pfund. Man hat aber noch nichts davon gehört, daß der Fleisch­detailpreis, der im Herbst ä Conto jenes Preis­standes außerordentlich erhöht worden war, jetzt diesem Rückgänge gefolgt wäre. Im Gegenteil konstatiert die hauptstädtische Presse (auch die liberalen und die sozialdemokratischen Zeitungen) übereinstimmend, daß das Publikum nach wie vor den erhöhten Fleischpreis zahlen muß. In den kleineren Städten, so bei uns in Marburg, ist eS bekanntlich anders und besser, da die Fleisl§detailpreise von den Metzgern herabgesetzt worden sind.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Msgab«.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerri Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Umschau.

Linienschiff oder Kreuzer?

Die in den Marinekreisen der ersten See­mächte sehr umstrittene Frage: Linienschiff oder Kreuzer? wird in einer Zuschrift an die Nat.-Ztg." wieder angeschnitten. Bei uns in Deutschland ist die Frage, wie aus den beiden letzten Flottengesetzen deutlich zu ersehen ist, zu Gunsten der Linienschiffe entschieden, deren feste Organisation die Schlachtflotte und den Kern der vaterländischen Küstenverteidigung bildet. Die Kreuzer kommen daneben außer für den Aufklärungsdienst namentlich für die Entfaltung der deutschen Flagge in fremden Meeren in Betracht. In nicht geringerem Matze wie in England und Frankreich war auch kürzlich in Nordamerika der Kampf um die Frage Linien­schiff- oder Kreuzerbau entbrannt, und auch hier fanden sich eine ganze Anzahl von Stimmen einflußreicher Männer, die dem Werte großer und schneller Kreuzer das Wort redeten und in diesen Schiffen die nützlichste Waffe zum Schutze der Seewege und zur Abwehr feindlicher An­griffe sehen wollten. Schließlich hat fich aber doch bei der Mehrheit der zur Entscheidung hinzugezogenen Marineoffiziere die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß dem Schlachtschiffbau unter allen Umständen der Vorrang gebühre und daß eine Seemacht, die ihre ganze Kraft fast nur auf Kreuzer und den Kaperkrieg gründe, in einem großen Kriege niemals auf einen ausschlag­gebenden Erfolg werde rechnen können. Wer von den beiden Parteien in den verschiedenen Staaten im Ernstfall rechtbehalten würde, läßt sich auf dem Papier nicht entscheiden.

Ueber die Kirchenhändel unter dem Landgrafen von Hessen-Cassel,

Moritz dem Gelehrten.

Wahrhaftiger Bericht was fich bei Einführung der Verbesserungspunkte zu Schmalkalden l e rbsn und zugetragen hat.

(Fortsetzung.)

Dec Rittmeister Christian CaniS ist mit ge­meldeten Soldaten angekommen. Am 7. Dezember ist NiclauS Merkel DiegoneS auf das Schloß vor die Räthe gefordert worden. Als sie lange mit ihm geredet und ihn zur Einwilligung ihres Vorhabens ermahnt hatten, aber gleich wohl nicht erhalten haben, ist er eilends in eine Kutsche gesetzt worden und hinten zum Leimbach vom Schloß hinunter zum Stillerthor hinaus, begleitet von 30 Soldaten, von denen einer mit in der Kutsche gesessen, nach Cassel gebracht worden, ohne daß es die Bürger ge­wahr wurden. Am 8. Dezember wurde die Bürgerschaft um 8 Uhr bei Leibesstrafe auf dem Schlosse zu erscheinen geboten. Als fie nebst einem ehrbaren Rath daselbst erschienen, ist ihnen vom Stadthalter angezeigt worden, daß sie die angeführten Verbesserungspunkte annehmen und nicht Tumult erregen. Hierauf ist die Bürgerschaft in 3 Haufen getheilt worden und sollten diejenigen, welche noch nicht unter­schrieben haben, dieses thun, im Weigerungsfälle sollten fie gestraft werden. Der dritte Hausen hat sich entschieden geweigert, zu Kreuz zu kriechen, hiermit haben sie eS aber verorcbet, so daß später

wenn fie nicht rechtzeftig dem Sinken der Groß­preise Rechnung tragen, während sie stets sofort bereit find, jedes Steigen der Großpreise auf ihre Einzelabnehmer abzuwälzen, indem fie als­bald die Preise im Einzelhandel erhöhen. Die Folge ist nicht nur eine wachsende Verbitterung der Kunden, sondern bei günstiger Gelegenheit ein Zusammenschließen derselben zu Genossen­schaften, zu Einkaufsvereinigungen und eine Bevorzugung der oft nur scheinbar entgegen­kommenden Warenhäuser. Die Ausschaltung des sehr nützlichen Zwischenhandels macht auf diese Weise große und im Interesse deS Volks­wohlstandes bedauerliche Fortschritte. Wir haben noch jüngst wiederholt festgestellt, daß die Metzger der großen Städte das Sinken der Fleischpreise im Großhandel, vor allem der Schweinepreise, vielfach unbeachtet lassen. Neuerdings können wir dieselbe Feststellung für den Kaffeehandel machen. Noch vor wenigen Jahren hielt fich in Hamburg der KaffepreiS auf ungefähr 60 bis 70 Pfg., heute ist er auf den Tiefstand von 25 Pfg. gesunken. Dieser Preissturz ist im Detailhandel noch nicht vollständig zinn Ausdruck gelangt. ____________

Großkapital und Sozialdemokratie.

Nach der Märzquittungsliste de«Vorwärts* find der sozialdemokratischen Kriegskaffe in diesem Monat rund 90 000 Mark Beiträge zu­geflossen.

Die Hauptsumme setzt fich auS laufenden Beiträgen einzelnerGenossen* und ganzer Wahlkreise zusammen. Am reichlichsten steuern die Berliner, Hamburger und Leipziger Sozial­demokraten bei. Verhältnismäßig geringfügig dagegen nehmen sich die Beiträge auS, welche daS kapitalkräftige Dreigestirn derProletarier- Partei", die Genossen Arons, Bebel und Singer gewohnheitsmäßig leisten, sie betragen je 50 Mark. Dafür aber verfügt die Sozialdemokratie über geheimnisvolle Wohltäter, welche die Partei­kasse in geradezu fürstlicher Weise bedenken. So figuriert an der Spitze der letzten Monats­quittung in wohlverdientem Sperrdrücke der Posten:Berlin, ein begeisteter Anhänger unserer Sache: Munition für den Wahlkamps 30000 Mk." und der letzte Posten lautet be­zeichnenderweise:? 10 000 Mk." Also vorn und hinten ein Fragezeichen. Hierzu bemerkt sehr treffend dieKreuzzeitung":

Ueber die Lösung dieses Rätsels brauchen wir uns den Kopf nicht zu zerbrechen. Es liegt klar am Tage, daß so große Beträge nur von sehr stark kapitalistischen Anhängern der sozial­demokratischen Sache berrühren können, und daS ist ohne Zweifel auffällig genug, um darauf besonders hinzuweisen. Welches Interesse kann ein Großkapitalist an einer Partei nehmen, die sich angeblich die Bekämpfung gerade deS Kapitalismus zum Ziele gemacht hat? Man wird doch keineswegs daran denken können, daß ein solcherAnhänger" der Sozialdemokratie mit deren kapitalfeindlichen Endzielen einverstanden

38. Jchrg.

Bterteljehrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei alle» Postämtern 2,25 Mk. (erd. Bestellgeld). *'*

.^«sertionsgebühr: die gespaUere Zeil« oder deren Raum 10 Pfg. Sonnabend, 25. Aprll 1903. Redameu: 2o Pfg.

Mittag-Ausgabe.

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girr Frage der Vieh- und Fleischpreise.

Al« im vorigen Herbst besonder« in den Großstädten eine sehr erhebliche Steigerung der Detailpreise im Fleischverkauf einfetzte, war »um fast allgemein der Ansicht, daß diese Steigerung durch eine Knappheit im Vieh­angebot und durch eine entsprechende Steigerung der Viehpreise bedingt gewesen fei. Die Dar­legungen jedoch, die der preußische Landwiri- schastSminister Herr von Podbielski jüngst im Paickament gegeben hat, find geeignet, jene Annahme al« irrtümlich erscheinen zu lassen. In der Hauptsache bezog sich jene Detailpreis­verteuerung und die damit zusammenhängende Behauptung einer ungenügenden heimischen Produktion bekanntlich auf das Schweinefleisch. Nun hat aber der Herr Minister nachgewiesen, daß die von ihm infolge jener Vorgänge sofort veranlaßte statistische Erhebung über die Lage der Produktion, deren Gesamtzahlen jetzt zu- fammengestellt find, ergeben hat: daß der Schweinebestand sich innerhalb der letzten zwei Jahre um sechzehn Prozent in Preußen erhöht hat. Dieser letzten Steigerung der beiden letzten Jahre von 1900 bis 1902 waren aber vorher ebenfalls sehr starke Steigerungen schon verangegangen. So betrug die Steigerung der Schweinebestände nach den deutschen Vieh­zählungen :

von 1873 zu 1883: SO* = jährlich 3 «k

. 1884 zu 1892 : 321. = , 3,21.

. 1893 zu 1900 : 38io = , 8, *k

und nun 1901 zu 1902: 161« = 8

Angesichts dieser Steigerung, die die gleich­zeitige Bevölkerungszunahme durchschnittlich um das Sechsfache übertrifft, wird man in der Tat die Meinung nicht länger aufrecht erhalten können, daß ein Mangel an Schlachtschweinen die Teuerung der Detailpreise verschuldet haben könne.

Der Herr Minister stellte denn auch die Veröffentlichung eines umfassenden Materials rn Aussicht, auS dem sich ergeben werde, daß die Steigerung der Fleischverkaufspreise wesent­lich durch gewisse Faktoren, die in der Organi­sation des Großhandels, der Schlachtviehhöfe, Großschlächtereien u. s. w. zu Tage treten, ver­schuldet worden find. Insbesondere sprechen hier auch die Einflüsse erheblich mit, die seitens deS ausländischen, insbesondere deS amerikani­schen Fleisch- und Schmalzhandels der dortigen großen Firmen geübt werden. Man wird der Veröffentlichung des vom Herrn Minister in Aussicht gestellten Materials mit großem In­teresse entgegensehen dürfen.

Inzwischen ist jedenfalls eine sehr beachtens­werte Erscheinung schon sestzustellen: die Er­scheinung, daß die Fleischverkaufspreise durch­aus nicht parallel mit den Schweine-Groß-

sei. Ihm soll die sozialdemokratische Partei offenbar zur Förderung der eigenen groß­kapitalistischen Interessen dienen; und als solche Förderin hat sich auch die Singersche Partei in der Tat verdient gemacht. Sie hat in den Jahren 1881, 1893 und 1895 ganz konsequent gegen Börsensteuer und Börsenreform gestimmt, und ebenso folgerichtig 1895 daS Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs und 1890 und 1894 die Wuchergesetze abgelehnt, sich also durchaus als zuverlässige parlamen­tarische Hülfstruppe für Börse und Großkapital gezeigt.

Im neuen Reichstage soll es fich nun u. tu auch um die von der Großfinanz betriebene Revifion der Börsengesetzgebung handeln; auch in diesem Falle wird die Singersche Partei die Börse nicht im Stiche lassen. Hauptsächlich aber ist die Sozialdemokratie dem Groß- kapitalismnS darum wertvoll, weil fie dieVer­nichtung der Junkerherrschaft" auf ihre Fahne geschrieben hat. DasJunkertum" ist der größte und entschiedenste Feind des groß­kapitalistischen Aufsaugungsprozesse«. Wenn eS der Sozialdemokratie gelänge, diesen Feind zu besiegen, so wäre für diesen Prozeß die Bahn frei. Deshalb verlohnt e« sich schon, einige Tausend Mark daran zu wagen, um der Singer'schen ParteiMunition" zu liefern. Dieses Opfer kann sich, sofern die Spekulation solcherbegeisterter Anhänger" der sozialdemo­kratischen Sache glückt, reichlich bezahlt machen. Die Zeche würden die kleineren Kapitalisten und daS Kleingewerbe bezahlen.

Saatenstand in Preußen.

Saatenstand in Preußen um Mitte April 1903: Winterweizen 3,3, Winterspelz 2 5, Winterroggen 3,0, Klee 2,5, Luzerne 2,7, Wiesen 2,7. Die entsprechenden Ziffern von Mitte April deS Vorjahres waren 2,3, 2,2, 2,3, 2,7, 2,5, 2,8, wenn 1 sehr gut, 2 gut,

3 mittel und 4 gering bedeutet. Die wegen Auswinterung, Mäuseschaden, Schneckenfraß usw. umgepflügte Fläche beträgt bei Winterweizen 17,09 Proz. des Anbaues, Winterroggen 2,16, Klee 1,02, Luzerne 1,02, gegen 0,15, 0,09, 0,78, 0,35 von Mitte April des Vorjahres. In den Bemerkungen derStatistischen Korre­spondenz" zum Saatenstandsbericht heißt eS: Nachdem sich infolge ungünstiger Witterung im vorigen Sommer die Räumung der Aecker allgemein verspätet hatte, habe auch mit der Bestellung des Winterfeldes nicht rechtzeitig, teilweise erst vier Wochen später als in den regelmäßig verlaufenden Jahren, begonnen werden können. Eine demzufolge veranstaltete außerordentliche Erhebung, welche soeben abge­schlossen wurde, habe gegen die vorjährigen An­bauflächen nach den ermittelten Ernteflächen unter Hinzurechnung der Umpflügungen einen Minderanbau im Staate von 3,1 % beim Winterweizen und 4,7 beim Winterroggen er­geben. Die diesjährigen Umpflügungen werden mit großem Geschrei in der Stadt herum­gezogen und hat angezeigt, daß alle Ungehor­same bei Leibesstrafe fortziehen sollten und auch eine Anzahl an Stecken und Stäben nach Vacha gezogen find. Mit diesen Bürgern ist auch der jüngste Bürgermeister Bernhard Heck und der Gemeindevormund Siegmund Clemen gegangen. Auf der Wanderschaft ist auch ein Mann Hans Kießling wegen ungewohnter Strapazen gestorben und in Barchfeld begraben worden. Als nun die Bürger nach Salzungen kamen, ist ihnen von der Bürgerschaft alle» Gute erwiesen worden, sind beherbergt und traktirt worden und am Sonntag find sie mit Trommeln und Pfeifen zum Thore hinaus be­gleitet worden ur.b in Vach angekommen. Da ist ihnen bei Strafe verboten worden noch in die Stadt und die Vorstadt zu gehen, sinte­malen der Gn. Fürst (Landgraf Moritz) der­maßen erzürnt sei, daß er keinen Schmalkalder in Vach haben wolle. Also haben die Bürger bei kaltem Wetter über 3 Stunden auf dem Weg lagern müssen. DaS Beste war, daß der Landgraf ihnen den Himmel nicht zusperrer» konnte. Endlich hat e« der Schultheiß nach langem Handeln dahin gebracht, daß fie in di« Dorstadt gehen durften, jedoch mit dem ernst­lichen Befehl, daß fie nicht auf den Gaffen stehen dürsten.

Am Montag um früh 9 Uhr sind sie alle hinaus auf ben Rasen gefordert worden und ist ihnen von den Fürstl. Räthen ein Befehl vorgelesen worden:Weil fie fich, an öfltftL Gnaden höchlich versündigt und dieselben heftig