Einzelbild herunterladen
 

MN

Marburg

In den Jahren von

i

zwang sich.Ucberleg' Di Sinn steht fest. Will Di'

terteljührltcher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, bei alle» PostänUern 2^5 Mk. (excl. Bestellgeld).

^nfcrtionSgebühr: di- gejpaltr» Zeile oder deren Rasur 10 Pfg. DüNNei'staa, 23. AVlÄ 1903.

Reclamen: dir Zeile 26 Pfg. v

Gemeinden

Gehöfte

Rinder Schafe Schweine Ziegen Im Ganzen

Erscheint täglich außer aii Sonn- und Feiertage«. Sonnabends in Morgen» und Mend-AuSgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Uuiversitüts-Buchdrucker« Marburg, Markt 21, Telephon 55.

Höhepunkte der Per- und Klauenseuche die 1899. ES waren in

Jahrzehnt bildeten die seuchung durch Maul- beiden Jahre 1896 und diesen Jahren verseucht:

Dir die Sach'; mein zu mx zwingen.

Die einzelne Nummer kostet 10 Ps. Die erste Nummer zerfällt in folgende Abschnitte: Die Abteilung für Arbeiterstatistik, ArbeitSmarkt^ Arbeitsvermittelung und Arbeitslosigkeit, Arbeits­bedingungen, Arbeiterschutz, ArbeitSstreitigkeiten, Wohnungswesen, Verschiedenes, Gesetzgebung,' Die Tätigkeit der Gewerbegerichte, Tabelle^ pir Arbeitsstatistik.

Zug der Seuche durch das ganze Reichsgebiet, später schwächt sich die Seuche ab und erlischt dann fast völlig, bis ste dann nach drei bis vier Jahren aus frischen EinschleppungSfällen wieder entsteht und den inzwischen herange- wachfenen, noch nicht infiziert gewesenen und daher für die Ansteckung empfänglichen neuen Viehbestand wiederum ergreift. Im verflossenen

in der Gestalt von Zahlen mitgeteilt wurden. Der Aufschwung vollzieht sich nur langsam, aber gerade deswegen darf man die Entwickelung für eine gesunde halten. Im Wirtschaftsleben der Völker gibt eS nichts Gefährlicheres als ein treibhausartiges Emporwuchern. Kräftige Wurzeln und einen starken Stamm muß der Baum haben, der allen Wettern Trotz bieten und seine Früchte tragen soll. Solches Wachs­tum vollzieht sich naturgemäß nur in langsamer Entwickelung. Und darum ist es für uns eine Beruhigung, daß die glücklich überwundene Depression keine Unternehmungen zu Tage gefördert hat, deren äußerlich stattlich er­scheinenden Bau auf unsolidem Grunde er­richtet und auS zerbrrechlichem Fachwerk zu- sammengefügt worden. Vieles, waS morsch und innerlich faul war, ist gestürzt. Jetzt bloß keine Uebereilung! Besonnenheit und Maßhalten daS ist das Geheimnis des Erfolges. Minister Budde konnte schon im Februar dieses Jahres in dieser Beziehung günstige Mitteilungen machen, und er war gestern in der Lage, seinem Situattonsbilde noch einige hellere Farbentöne zu geben. Die Einnahmen der preußischen Staatseisenbahnen haben die vorjährigen im Februar d. I. um 6, im März um 5* 1/* Mill. Mark überstiegen. Die Gesamtfituation hat sich gegen den vorjährigen Herbst um 30 Mill. Mk. gebessert. Diese Einnahmeergebniffe eröffnen eine günstige Perspektive für die Zukunft.

verseucht im Ganzen rund 9 Millionen Stück Vieh, also durchschnittlich jährlich eine halbe Million; in den nur 6 Jahren von 1897 bis 1902 aber bereits ebenfalls die selbe Zahl von annähernd 9 Millionen Stück, also durchschnitt­lich jährlich anderthalb Millionen Stück.

Die durchschnittliche Einfuhr an Schlacht­vieh beträgt jährlich 7080 Millionen Mark; der Seuchenverlust, der in der heimischen Dieh- prvduktion bei durchschnittlich anderthalb Mil­lionen Stück entsteht, geht einschließlich der schweren Schädigung der Nachzucht selbst bei mäßigster Veranschlagung erheblich über jene Einfuhrsumme hinaus. Zur Zeit ist die Maul- und Klauenseuche in Deutschland wieder einmal fast völlig erloschen. Aber die dreijährige Periode seit dem letzten erupttven Ausbruch ist um, und leider ist jüngst ein neuer Seuchen- heerd in Oberschlcfien durch Einschleppung aus Rußland entstanden. Vielleicht gelingt es dies­mal, die Seuche dort zu lokalisieren; sonst stehen der deutschen Landwirtschaft und damit dem deutschen Nationalvermögen abermals Verluste von Hunderten von Millionen bevor, bloß weil den oberschlesischen Industriearbeitern das etwas billigere russische Schweinefleisch erhalten bleiben soll, denselben Industriearbeitern, deren steigende Konsumkraft' sonst immer der deutschen Landwirtschaft vorgerechnet wird, wenn es gilt, ihrden Nutzen des Jndustrie- aufschwungs' zu beweisen.

Reichs-ArbeitSblatt.'

Am 21. d. Mts. erscheint zum erstenmal die vom Kaiserlichen Statistischen Amt, Ab­teilung für Arbeiterstatistik, herauszugebende arbeiterstatistische Zeitschrift. Sie führt den TitelReichs-ArbeitSblatt'..

Es ist gelungen, für die Berichterstattung des Blattes eine umfassende Organisation zu stände zu bringen. Nicht weniger als 1000 Stellen, darunter zahlreiche Vereinigungen von Arbeitgebern und Arbeitern, senden der Ab­teilung ihre Jahresberichte, rund 4000 Kranken­kaffen, rund 350 Arbeitsnachweise aller Art und bis jetzt etwa 250 Einzelfirmen, Gesell­schaften rc., sowie eine große Anzahl gewerk­schaftlicher Vereinigungen haben sich zu einer regelmäßigen Berichterstattung bereit erklärt. Das Kaiserliche Statistische Amt fand bei seinen Plänen allseitig dankenswertes Entgegenkommen.

Das Blatt erstreckt sich, der ihm in der Denkschrift zum ReichShauShaltsetat von 1902 gestellten Aufgabe gemäß, auf alle Gebiete, die mit den Verhältnissen der arbeitenden Klaffen in Zusammenhang stehen, u. a. wird auch die soziale Gesetzgebung des In- und Auslandes verfolgt und, soweit angängig, zum Abdruck gebracht werden. Besondere Berückfichtigung findet die Bewegung deS Arbeitsmarkts.

Ter Preis des BlatteS, das durch den Buch­handel und durch alle Postanstalten zu be­ziehen ist, bettägt im Jahresbezug 1 Mark.

Umschau.

Ist das Ende der wirtschaftlichen Krise in Sicht?

Auf wirtschaftlichem Gebiete ist ein lang­samer, aber sicherer Fortschritt nunmehr endlich festzustellen. ES liegen dafür unumstößliche Beweise vor, die von dem Eisenbahnminister Budde in der gestrigen eisten Sitzung deS preußi­schen Abgeordnetenhauses nach den Osterferien

daß ihre beiderseittgen Jntereffen und Anschau», ungen nicht mehr zu einander paßten, daß bot* um auch ihre Lebenswege weit auseinander gehen müßten und gehen würden.

Sie atmete tief auf, sie hatte sich zur volle« Klarheit durchgerungen, schneller schon, als sie selbst eS erst für möglich gehalten hatte. Kind-? liche Ehrerbietung verbot eS ihr, dem Willes der Mutter mit offenkundigem, heftigem Trotz zu begegnen, aber für sie war es unmöglich, irf die neuen, gegen früher so ganz anderen Ver- hältniffe zu gehen. Nicht aus Stolz, sondern gerade aus Liebe zum toten Vater und zur Mutter.

Der Metzgerfrih aber, da« war ihre eigene, ganz eigene Sache. Und wieder huschte daS flüchtige Lächeln über die reizvollen Züge. Die' alte Schelmerei tauchte noch einmal in ihren Gedanken aus.Hör', lieber Bursch,' sprach sie leise vor sich hin,werd' ich sagen, bin nimmer gut g'nug zu Deiner Frau Meisterin. Weißt's ja, 'S Briefträger-Hannchen hat so viel Haar auf dem Kopf, da würd' die Aufmerk­samkeit fürs Geschäft und all die Hantierungen doch fehlen. Also laß mi* lausen!'

Aber was nun?

Ich geh' in die Welt hinaus!' rief sie unwillkürlich mit erhobener Stimme. Und gerade im gleichen Augenblick sauste eine Sternschnuppe funkelnd vom Himmel zur Erde nieder. Sie war nicht abergläubisch, aber sie freute sich doch» ES war ihr gewissermaßen wie eine Bestätigung ihres Vorsatzes vorgekommen.

(Fortsetzung folgt)

Biehseucherwerluste in Deutschland von 18781902..

Ein Hauptargument der Förderer einer Möglichst unbeschränkten Vieheinfuhr lautet: die Latsache der st^ttfindenden Einfuhr ist ein Be­weis für das Vorhandensein des Bedarfes. So­nach muß man aus volkswirtschaftlichen und be­sonders auS sozialpolitischen Gründen daS Offen- halten der Grenzen fordern, selbst wenn ein mehr oder weniger große« Risiko der Seuchen­einschleppung damit verknüpft ist; man muß diese Gefahr als ein notwendiges Uebel eben mit in den Kauf nehmen, denn die im Falle einer absoluten Grenzsperre eintretende Gefahr einer ungenügenden Volksernährung wäre ein viel größeres Uebel.

Wir haben ben Satz:Die Einfuhr beweist den Bedarf' schon wiederholt in anderem Zu­sammenhänge als unrichttg nachgewiesen. Heute sind wir in der Lage, aus der amtlichen Vieh- feuchenstatistik zu beweisen, daß die Folgen der Seucheneinschleppun aen aus dem Auslande quanti­tativ größere Verluste in der heimischen Vieh- Produktion bewirken, als die Einfuhrmenge an Bieh beträgt, so daß also ganz unabhängig von der Frage einer Ersatzmöglichkeit der Ein­fuhr durch absolute Steigerung der heimischen Produktion die Tatsache erweisbar wird: daß die Einfuhrmenge nur scheinbar zur befferen Berproviantirung des Volkes beiträgt, während in Wirklichkeit ein die Einfuhrmenge über­steigender Ausfall in der heimischen Produktion durch die mit der Einfuhr zusammenhängenden Eeuchenschäden hervorgerufen wird.

Wir schicken, als Grundlage unserer Beweis­führung, voraus: daß in den vom Kaiserlichen ReichSgesundheitsamt herausgegebenenJahres­berichten über die Verbreitung der Tierseuchen' die Mitteilungen über die aus dem Auslande erfolgten Seucheneinschleppungen eine ständige Rubrik bilden. Seuchenträger hierbei waren regelmäßig die aus den verschiedenen Nachbar­ländern noch zugelaffenen Diehtransporte. Das Gewicht dieser Tatsache wird keineswegs dadurch vermindert, daß, wie diese Jahresberichte weiter darlegen, die weitere Ausbreitung der Seuchen dann durch den heimischen Viehverkehr bedingt worden ist. Den heimischen Viehverkehr kann man selbstredend nicht ganz unterbinden, denn bet Zweck bet Viehzucht würde dann aulbören. Wenn man aber durch absolute Grenzsperre jede neue Verseuchungsgefahr fern halten würde, dann würde auch die durch den inländischen Vieh­verkehr bedingte Verschleppungsgefahr beseitigt werden. Wenn man die Sruchentabellen der einzelnen Jahre mit einander vergleicht, dann findet man, daß bebesonders die Maul- und Klauenseuche in regelmäßigen Intervallen von ungefähr drei bis vier Jahren auftritt. Zuerst erfolgen einige EinschleppungSfälle, dann, inner­halb etwa Jahresfrist, erfolgt ein verheerender

41 (Nachdruck verboten^

-Briefträgers Hannchen.

Bon Georg Paulsen.

(Fortsetzung.)

Dummes Zeug!' sagte sie verlegen.

Mutterle, daS tu! Ich bitt' Dich. Schau dem Baterle noch amal in die lieben, guten Augen, und dann Mutterle, dann wirst Dich besinnen!'

Schwätz net, Mädele,' fuhr sie da barsch heraus,de Sach' ist im reinen.'

Hannchen sagte kein Wort mehr; sie ging an ihren kleinen Tisch und nahm aus einem Schubfach eine Photographie ihres Vaters. Geraume Zeit sah sie darauf. Dann wandte sie sich und sagte sanft:Mutterle, ein paar Tage Bedenkzeit. Net, damit bist einverstanden?'

Frau Elise nickte: sie küßte ihre Tochter noch einmal und war im Herzen froh, als sie draußen bei der Base am Kaffeetisch saß.

Die Christel-Base hatte mit dem Kopf ge­schüttelt, aber sie hatte sich bald überzeugt, daß dieHöldern' nicht zu bekehren war. 'S Leben will auch fei' Recht haben,' war deren Antwort gewesen;was'hab' i hatt vom Lebrecht? War ihm a treues, sorgliches Weib, hab' nimmer Dank geerntet, wie ich's wohl hätt' erwarten könnt.'

Mutterle, Mutterle, sprich net so. Zerreißt «it ba8 Herz!' Hannchens Stimme klang un­säglich schmerzbewegt an ihr Ohr.

-Dich hat der Vater ja gehalten, wir a Prmzesfiu, da- weiß i. Will ja auch nix, rein

Ein freigebiger Kandidat

ist der national-sozial-wadelstrümpflerische Hem; Koetzschke. Er hat nämlich dem Wahlkreise Sangerhausen einen neuen Güterbahnhof ver^ sprachen, sofern ihm daS Reichstagsmandat übertragen würde. Herr Koetzschke wird natüt»! lich sein Versprechen auS seiner eigenen Tasche erfüllen müffen, da er trotz seines, von ihm offenbar sehr hoch eingeschätzte» EinflufleS auf Reichstag und Regierung eS nicht ändern kanr^ daß Eisenbahnangelegenheiten im Landtage er­ledigt werden. Vielleicht laffen sich die Saugers-' haufener vor Erteilung deS Mandats Kautioq stellen. ______________

Deutsches Reich

Berlin, 22. Avril. \

Zur Abendtafel bei den kaiserlichen MajefiReN am Montag war dcr Reichskanzler geladen. A« Dienstag machte der Kaiser seinen gewohnten Spazier­gang, sprach bei dem Grafen Bülow vor und b»,

gar nix überm sagen. Hab' rechtschaffen für die ewige Ruhe mein' Bitten sprachen. Aber willst wirklich, Mädele, daß i nu mei ganz weitres Leben lang still hinterm Fenster sitzen soll? Bin noch gar ka grau FrauenSbild, un drum hab' i'S fest beschlossen: 's soll so sein,

i veränder mich! Un Du sollst mei lieb's Mädele bleiben, just so, wie all die Jahr. Du nimmst den Metzgerfritz, da iS Der' Mann erst recht mei Sohn.'

Ach, Mutterle, 's Herz iS mir so schwer, gar so schwer und bang. Kanns net denken, kann's net faffen, daß Du ben Namen vom lieben Vaterle 'mal net mehr tragen solltest.'

Red' kein' Torheiten, Mädele,' war die eifrige Antwort,wenn'S nach Dein'm Gusto ging, wär' die ganz' Welt ein groß', gewaltig's TrauerhauS. Kommandier Du 'mal erst Dein'n eignen Hausstand, kommen schon gescheitere Einfäll'!'

Mein'n eignen Hausstand. Ach, du lieber Gott!'

Hast Dir wohl gar a seins, prächt'ges Schloß ausgemalt? Laß das fahren, Mädele, sei gescheit. Behältst net immer die hübsche Larv' un die schöne Stimm'. Kommen auch andere Tag', un für die merk's: Wie eine sich bettet, liegt sie.'

Wie eine sich bettet, liegt sie," wiederholte Hannchen leise,ja, da läg Briefträgers Hannchen wohl auf Brenneffeln.'

Frau Hölder wollte auffahren, ober sie be-

Deutsche Kolonien.

Uebet die ländlichen Zustände in Deutsch» Südwestafrika bringt die holländische Seitun® OnS Land' in Kapstadt folgende Schilderung eines Kapburen:Dieser Tage ist Herr Jakov Enslin, der Stiefsohn des Herrn Thomas Dewet, aus Wellington (Paarl) ans Deutsch-Südwest­afrika hierher zurückgekehrt. Er hat unS' über die Zustände in dem genannten Gebiet folgende, Mitteilungen gemacht. Der Herr Dewet hattet dis Absicht, in dem Lande zu bleiben; er hatte ein Gesuch um Erwerbung von zwei Plätzen in der Nähe der Station Grootfontein eingereicht. Die Umgegend dieser Station, da wo noch ein Winkel zu finden ist, war schon ziemlich dicht bevölkert. Grund und Boden kann von bet deutschen Verwaltung erlangt werben: Plätze mit einer Quelle (fontein) find für 3 Schilling! der Hektar zu haben, Plätze mit Schöpsstelle» (putten) zu 2 Schilling für Ausländer, für deutsche Reichsangehörige aber für 1 Schilling. Der größte Mißstand, den man allgemein fühlt, ist da» Fehlen eines Marktes. Grootfontein ist mit Ochsenwagen 14 Tage von der Eisen­bahnstation Karibib entfernt und 9 Tage von Okahandha. Während der Anwesenheit be| Herrn Enslin gab es dort nur wenig Vieh» krankheiten. Die Ochsen werden das Stück mit lO Pfd. St. bezahlt. Da« Transportsahre^ ist feit der Eröffnung der Eisenbahn start zurückgegangen.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.

1896

14700

72000

710481

572248

252068

13640

1548437

1899 27000 167000

1885774 Stück

1505803

814864

59535 . -

4265974

1878-1896 wurden

aber das vom Leben, was i noch vor mir hab', soll mir lein Menschenseel verkümmern.'

Mitternacht war schon vorüber; Hannchen stand noch am Fenster und starrtv in die Ferne. Die braune Zigeunerin schlief in einem Neben- gemach, wenigstens glaubte ihre junge Be­schützerin, daß jene schliefe.

Das junge Mädchen war nicht stolz ge­worden; die reiche natürliche Anmut hatte sich unbeeinflußt entwickelt und sie davor bewahrt, Gedanken deS Hochmutes irgendwelchen Raum zu gewähren. Mit aller herzlichen Treue, die sie ihnen immer bewahrt, hing sie auch heute noch an der Mutter, bewahrte sie dem Vater die Erinnerung, und das war es auch, nur daS, was sie eine einschneidende Veränderung zu HauS so bitter empfinden ließ.

Die Mutter blieb die Mutter, auch wenn sie ihr, der hochbegabten Sängerin, einen Stief­vater gab. Nicht daS war'S, aber sie empfand es, das alte trauliche Band mit der Heimat, mit zu Haus war damit zerriffen und konnte nimmer wiederhergestellt werden.

Und sie selber als Frau vom Metzgerfritz, als Frau Metzgerin! Sie lächelte unwillkürlich jetzt bei dem Gedanken an eine solche Möglich­keit. Sie sah ihn vor sich mit seinen zwar gutmütigen, plumpen Gefichtszügen. Und sie, Hannchen Hölder, selbst hinterm Ladentisch, mit Fleisch und Wurst hantierend? Sie lächelte wieder. Mit keinem Gedanken kam eS ihr in ben Sinn, daß sie nun hoch, hoch in ihrem ganzen Können und Wissen über ben einstigen Jugendgefährten stehe, nur das empfand sie.