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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

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Viertelt-'-rlichrr Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei attat Postämtern 2L5 Mk. (excl. Bestellgeld).

/*»serti»»Sgebnhr: die gespalten« Zeil« oder deren Raum 10 Pfg.

to ®süe 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 22. April 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.

Druck und Verlag: Joh. A«^ Koch, UmverfitätS-Buchdruckers Marburg, Markt Ä. Telephon 55.

38. Jahrg,

Die Wahlrede des Herrn von Pappenheim zu Kirchhain. M Mit einer groß angelegten, von wahrer Frömmigkeit getragenen, vornehm gehaltenen vnb formvollendeten Programmrede stellte sich nm vergangenen Sonntag der gemeinsame Kan> jbidat der Konservativen und des Bundes der Landwirte, Herr von Papvenheim-Liebenan den Wählern de« Kreise« Kirchhain im Herbener- fchen Saale zu Kirchhain vor. Er verglich da« stolze Bauwerk de« deutschen Reiches mit einem Hause, von deffen First das christliche Wahr» zeichen, daS ragende Kreuz weithin inS Land leuchte und deffen Fundament die Lehre Jesu Christi, unseres Erlösers bilde. Innen aber in den Räumen muffe daS Wort des Heilande« lebendig fehl, Müßten alle Handlungen ihren Ursprung haben vnd durchdrungen sein von der Lehre Christi und dem Wesen wahren Christentums. In tiefem Sinne zu wirken, fei vor allem die Pflicht der erwählten Vertreter deS christlichen deutschen Volkes, und all sein Wirken und Lassen werde er im Falle seiner Wahl in den Reichs­tag von diesem Gesichtspunkte auS prüfen und regeln. Auf den Inhalt der Ausführungen Herrn v. Pappenheims in all seinen Einzelheiten einzugehen, können wir «ns versagen, da der­selbe seiner programmatischen Natur nach nicht wesentlich von dem der Marburger Rede Herrn von Pappenheims verschieden sein konnte. Aber war auch der Stoff im großen ganzen derselbe, so war doch die Form, in die er ihn gegossen, völlig anders, neu und von fesselnder Schönheit, verriet die. Weise seiner Behandlung den welt- und lebenserfahrenen, aus der umfassenden Fülle des Könnens heraus gestaltenden Meister.

Einige Punkte aber von hohem Jnteresie, die Herr von Pappenheim in Marburg nur gestreift, be­handelte er in Kirchhain ausführlich und mit mutiger, männlicher Deutlichkeit. Nachdem er betont hatte, daß Evangelische und Katholiken unter dem Kreuze alsZeichen des Friedens einträchtig nebeneinander wohnen könnte», dieKonservativen als strengmonarchisch «Männer einen starken Kaiser mit kräftigen Machtbefugnissen auf dem Throne erhalten wissen wollten, kam er aus­führlich auf die Ehrenpflicht des deutschen Reiches zu sprechen, den Veteranen aus den verschiedenen Kriegen, die zur Errichtung des Reichs ge­führt hätten, einen Ehrensold zu bewilligen, der ihre alten Tage vor Not beschütze. Er schilderte so­dann ausführlich die Notwendigkeit, den inner« Frieden zu wahren, was am besten geschehen würde durch gleichmäßige Berücksichtigung der Interessen aller Berufe nnd Stände und so muffe jetzt nach der Periode der ausschließlichen Begünstigung von Industrie und Handel einmal ernstlich an die Förderung derLandwirtschaft gedacht werden. Und nur, wenn die neuen Handelsverträge nach dieser Richtung hin genügten, dürfe man denselben zustimmen. Die Forderung nach lohnender Arbeit in der Landnirt- schaft sei reine Forderung aus agrarischem Interesse sondern eine Forderung der Gerechtigkeit. Und dasselbe gelle vom Handwerk. Er hoffe, daß nie und nimmer es professionellen Hetzern gelingen werde, den Frieden zwischen Landwirten und Hand­werkern zu stören. Herr v. Pappenheim fuhr fort:

«0 (Nachdruck verboten.)

-Briefträgers Hannchen.

Bon Georg Paulsen.

«Fortsetzung.»

Verzeihung, Fräulein Hölder," wehrte der Beamte ihrem Abschied,es wird besser sein, ich laffe für Sie eine Droschke holen. Sie möchten sich vor Menschen nicht retten können, wenn Sie mit der Zigeunerin so über die Straße gehen.

Sie nahm eS dankbar an, und bald rollten sie dahin. Hannchen überlegte, und Aluscha saß still ihr gegenüber.

Die Christel-Base! O je, die würde Augen machen, wenn ihr da noch ein Gast ins Haus gebracht würde! Jndeffen die Christel hatte ein goldenes Herz, und meinte es die Aluscha wirklich recht, dann konnte sie im Haushalte doch von einigem Nutzen werden.

Nur später die Mutter. Ja, daS war sicher, die würde über den braunen Fremdling wieder anders, ganz, ganz anders denken, als Hannchen. Eie mußte da sehen, daß sie ihr nun einmal gegebenes Wort halten konnte; denn ohne weiteres daS Zigeunermädchen fortschicken, daS ging unmöglich an.

Jetzt hielt die Droschke vor dem Hause der Lase, die Insassen stiegen auS und traten, um allen neugierigen Blicken zu entgehen, schnell ins Haus.

Die Base, die schon herbeigeeilt kam, blieb mit erhobenen Händen stehen. Sie wußte

Ich bin auf die Haudwerkerfrage bisher nicht ms speziellere eingegangen, weil ich glaube, daß es mit dem, was ich vorher gesagt habe, genüge, daß eben durch die gerechte, fördernde Unterstützung Ihrer berechtigten Wünsche auch dem Handwerk wieder der goldene Bode« verschafft wird, den es ehemalS gehabt hat. Wir müssen von der Regierung verlangen, daß sie in dieser Beziehung andere Gesetze verfaßt, beson­ders um den Befähigungsnachweis sicher zu stellen und das Jnnungs- und Genossenschaftswesen der Handwerker fördernd zu unterstützen. Ich hoffe, daß es dann auch gelingen wird, dem Handwerk die ihm gebührende Stellung zu verschaffen. Es ist un­zweifelhaft, daß mit dem Untergang des ehrlichen Handwerks eine schwere Schädigung des Vaterlandes herbeigeführt wird, ebenso wie durch den Untergang der Landwirtschaft. Beide bilden das Rück­grat des Staates. Sie geben dem Heere die besten Rekruten u«d geben damit die größte Sicherheit gegen den Feind «ach außen. Und wenn wir beide Stände wieder zur alten Zufriedenheit zurück- führen können, dann, denke ich, werden sie auch die beste Grundlage fein, um dem verderblichen Uebel, daß durch die Sozialdemokratie in uufer Volk hinein­getragen ist, zu steuern. Ich hoffe, daß dann Ruhe und Frieden emtreten wird, wenn in dieser Beziehung die berechtigten Forderungen von Land­wirtschaft und Handwerkerstand erfüllt werden.

Meine Herren! Ich bin ausgegangen von dem Wunsch, daß das Zeichen des Friedens, das Kreuz, das Gebäude de« deutschen Reiche» krönen möge. Ich hoffe und wünsche, daß unser Frieden uns im Aenßeren und Inneren erhalten bleibft Ich hoffe und wünsche, daß, wenn ich berufen werde, Sie zu vertreten, ich auch an meinem Teile daran mitwirken kann, diesen Frieden zu sichern. Es müssen natürlich Recht und Gerechtigkeit auch in dieser Richtung hin ab« gewogen werde«, und da komme ich auch zu einer anderen Frage.

Es muß in diesem großen deutschen Hause allen Hausbewohnern mit der gleichen Fürsorge, mit der gleichen Liebe und mit dem gleichen Wohlwollen von oben herunter begegnet werden. Auch den Fremden gegenüber, die in dem Hause verkehren und vielleicht vorübergehend wohnen. Ich deute damit hin auf die Gesetzgebung, die uns schützen soll vor einem über­mäßigen Einfluß der Semllen. Ich halte eS für dringend notwendig, daß in dieser Beziehung eine scharfe Grenze gezogen wird für das, was wir ihnen im deutschen Vaterlande schuldig sind, was wir ihnen gewähren können und was wir ihnen geben wollen. Weiter aber nichts! Meine Herren! Ich halte es für unberechtigt und für ein unbescheidenes Verlangen und für durchaus verkehrt, wenn man von einem christlichen Untertanen verlangt, daß er in die Hand eines jüdischen Richters einen Eid schwören, daß er vor einem Juden seinen Gott zum Zeugen der Wahrheit anrufen soll, feinen Gott, seinen Heiland, der von den Juden nicht als dieser anerkannt ist und der für sie nicht die Heiligkeit hat, wie für ihn. Wir sind Deutsche, und wollen von Deutschen regiert sein, und deshalb gehört der Jude, wenn er uns auch als Gast willkommen ist, nichtinunfere Regierung hinein. Wir wollen ihn dulden, wenn er seine Pflichten gegen den Staat erfüllt, es kommt ihm aber nicht zu, daß er uns regiert und über uns Recht spricht, denn seine Be­griffe sind nicht unsere Begriffe. Wir von unserem christlichen Standpunkte beurteilen die Fragen eben ganz ander? und er kann sich unsere Meinung nicht zueignen. Ich bin also in beschränktem Maße Anti­semit, aber meine Herren, e8 wäre ungerecht, wollte man jede einzelne Frage von diesem einseitigen Stand- punkt aus beurteilen, das geht nicht und das würde zu Ungerechtigkeiten führen. Es ist anzuerkennen, daß, wenn der Jude feine 'Pflichten erfüllt, feiner Militärdienstzeit genügt und feine Steuern bezahlt, wenn er von feiner Hände Arbeit lebt und feinem ehrlichen Lebensunterhalt gewisfen-

augenscheinlich nicht recht, was sie sagen sollte. Dann, gerade als Hannchen eine Erklärung beabsichtigte, stieß sie hervor:Aber Kind, das geht denn doch net, daß Du eine Landstreicherin mitbringst!"

Aluscha stand dabei und hatte still den schwarzen Kops geneigt.

Hannchen richtete sich hoch aus. Hell und fest klang es, als sie sagte:Safe, sei so gut, ja? Schau, 'S ist ein arm' Menschenkind, schlimmer dran fast wie ein Hund. Unb ist ein treu, anhänglich Ding. Der liebe Gott wird Dir'S lohnen, wenn die Aluscha hier bleiben lann."

Ja, Hannchen, toenns auf mich allein an- käm . . . Aber, ach Gott, wirst ja selbst hören, die Mutter..."

Das hört'S Hannchen am besten unter vier Augen!" sprach da eine andere Stimme, unb mit einem herzlichenMutterle, Mutterle!" flog Hannchen, bet so überraschend erschienenen Mutter, um den Hals.Mutterle, lieb's Mutterle!"Freu mich, wie wohl Du bist, Mädele. Aber nun kommst heim zu mir, kommst halt gern, net?"

Ja, Mutterle!"

Aber die Braune da kannst net mit nach Sonnenfeld nehmen, daS wär' ja, als kam a Affen- und Bärengesellschaft!"

Mutterle, 's arm' Mädele hat kein Vater und keine Mutter mehr. Und ich hab' Dich doch. Denk' daran!"

Kann net sein!" klang die bestimmte Ant­wort zurück

haft nachgeht, auch ihm jeder Schutz ge» währtwerdenmnß. Dagegen kann allen ferne« ungerechtfertigten Anforderungen nicht scharf genug entgegeugetreten werden. In dieser Beziehung müffen Garantien geschaffen werden, daß dem Deutsche» in feinem Vaterlande nach Recht und Gesetz die Sicherheit verschafft wird, die er von einer weisen und vorsichtigen Regierung verlangen kann. Und in dieser Beziehung gehe ich noch weiter: ein Auswuchs dieser Art von Handel und dieser Art von Geschäftsbetrieb, wie er jetzt bei uns durch die Juden eingeführt ist. ist uns höchst verderblich! Das ist die Ansammlung großerKapitalien i» wenigen Händen, das ist der Handel, wie er jetzt an der Börse usw betrieben wird durch mächtige kapitalkräftige Hände. ES ist nicht nur ein Verderb, eine Gefahr an sich, diese Ansammlung großer Kapftalsmaffe«, sondern eS ist eine Gefahr für die anderen Erwerbsstände, denen da­durch die Lebens Möglichkeit unter­graben wird. Wir würde», wenn das frevel­hafte Börfensviel mit den Preifen de« Getreide» nicht wäre, viel besser dastehen. Die Schwankungen an her Börse werden zum großen Teil nur hervorgerufen durch diese großen Kapital­kräfte, die nichts weiter hn Sinne habe», al8 ihren eigenen Vorteil, und keine Rücksicht nehmen darauf, wieder arme Mann im Schweiße feines Angesichtes fein »rot erwerbe» muß. Meine Herren! Wir müffen mit allen Kräften unser deutsches Volk davor zu bewahre« suche«, daß e8 in diesen Taumel hinein gertffen wird. Ebenso verderblich ist auch ein anderes Erzeug­nis dieser Art des Handels: DaS find die großen Warenbäufer, die Zusammenschlüsse zu großen Aktienfabriken. Ich will noch einmal darauf Bintoeife«, daß in solchen großen und mächtigen Fabriken Fabrikate hergestellt werden zu billigsten Preise« - und bann natürlich aus entsprechend schlechtem Material, und daß die großkapitalistische« Warenhäuser, die mit jenen Fabriken verbunden find, den soliden kleinen Handwerker durch ihre über- mächtige Konkurrenz ruinieren. Hier müsse« neben der Warenhaussteuer und de« Befähigungs­nachweis noch andere Mittel gefunden werde«, um den Handwerker und ben Gewerbe- treibenben wieder konkurrenzfähig zu machen.

In bet später folgenden Debatte erklärte Herr von Pappenheim die Einführung der von anderer Seite angeregten Reichseinkommen- und Reichsrrb- fchaftssteuer für unmöglich aus Dersaffungs- und technischen Gründen unb verwahrte fich dagegen, baß er bie Bier- unb Tabaksteuer b i t e 11 empfohlen habe. Deutschen Tabak z. B. beule gar niemanb zu besteuern unb bie Biersteuer könnte so eingerichtet werden, daß fie bie Großbrauereien von ihren un­geheuren Dividenden bezahlen müßten. De« Keinen Brauereien solle nach Möglichkeit entgegen­gekommen werden, um fie gegenüber der Konkurrenz der kapitalkräftigen Großbrauereien existenzfähig zu erhalten. Den« nur diese übermächtige Konkurrenz sei es, die den Rui« der kleinen Brauer herbeigeführt habe und nicht die sog. BiersteuerRach einige« wirre« Auseinandersetzungen eines jugendliche« Gegners äußerte sich sodann Herr von Pappenheim über seine Stellung zur Aufhebung des § 2 des J'suitengesetzes. Seine Aushebung halte er an fich für unwesentlich, da er schon seit Jahrzehnten nicht mehr augewendet werd:. Auch nach seiner Auf­hebung wurden auslänbifche Jesuiten, die fich gegen die Gesetze vergehen, als lästige Ausländer aus­gewiesen werden können. Inländische Jesrnten könnten aber auch heute, bei Bestehen des 8 2 de8 Jesuitengesehes, nicht auS dem Reiche ausge­wiesen werden, sondern höchstens in ihrem Aufent­halte an bestimmte Orte gebunden werden. Von dieser Befugnis sei aber, wie gesagt, feit geraumer Zeit überhaupt kein Gebrauch gemacht worben. Deshalb halte er bie Frage bet Aufhebung des § 2 für recht bebeutungsloS. So hätte auch

Hannchen erwiderte nichts, aber die um­florten Augen hoben sich mit einem Male klar und forschend zum Angesicht der Mutter.

Mutterle, hast mir noch etwas zu sagen?"

Ja, Hannchen. Selbiges braucht kein Mensch hier weiter zu vernehmen. J8 gar a ernste Sach'. Komm beifeit mit."

Aluscha, wart' einen Augenblick, gleich bin ich wieder da!"

Und nun waren fie beide allein. Hannchen bemerkte jetzt erst, daß die Mutter die Trauer­kleider, die fie selbst noch immer trug, abgelegt hatte, überhaupt sorgfältiger gekleidet war, al« eS fönst ihre Gewohnheit. Und Frau Elise Holder betrachtete ihre Tochter ebenso genau, wenn auch verstohlen, und bei jedem Blick ward eS ihr schwerer, daS, was fie auf dem Herzen hatte, zu sagen. 'S Hannchen war denn doch wirklich gar nicht mehr daS Hannchen von einstmals.

Und so platzte fie denn mit einem Male, wie, um sich die Last mit kräftigem Entschlüsse rasch vom Halse zu schaffen, heraus:Der Metzgerfritz will Dich heiraten!"

Unb Du hast für mich ja gesagt, Mutterle, net?" Hannchen antwortete ruhig, aber fie war erblaßt bis in die Lippen.

Hab' ich g'fagt, hast Dir ganz richttg 'dacht!'

Hannchen trat näher und ergriff ihre beiden Hände:Hast net an unfern guten Vater 'dacht, Mutterle? Weißt, waS der drüber gesagt hat?"

Frau Hölder war rot geworden. Aber fie hatte noch mehr zu sagen. Und so kam e« denn ziemlich hastig heran«:Laffet die Tot«

früher die überwiegende Mehrheit des Reichstag« bet Aufhebung zugestimmt, so die Nationalliberalen von Bennigsen und Bafsermamr. Trotzdem fei er heute entschieden gegen die Aushebung deS 8 2 des Jesuiten« aesetzeS, da er ein Freund des inneren Friedens fei Denn nach Anschauung Wetter« evangelischer Kreise würde heute diese Aufhebung al« ein Zugeständnis an bie Katholiken angesehen, dem leicht «och weitere schwerwiegende Zugeständnisse zum Schaden der evangelischen Kirche folge» könnte«. Und dies rufe lebhafte Beunruhigung hervor, die ge­eignet fei, mit der Zeit ben inneren Frieden zu stören. Diesen zu erhalten sei aber heute in Hinblick auf bei Wohl deS gesamten Vaterlanbes vor allem eine Pflicht jedes Volksvertreters und deshalb fei er zur Zeit gegen die Aufhebung deS 8 2 des JefuitengesetzeS.

Wir haben bereits gestern hervorgehoben, daß die Ausführungen unseres Kandidaten, Herrn von Pappenheim stets von begeistertem, langanhaltendem Beifall von mindestens Vs bet Anwesenden begleitet waren im Gegensatz zu den Expektorationen der Gegner, die zeitweilig noch nicht einmal von den paar durch den Saal verstreuten Angehörigen der linksstehenden Parteien, die beileibe nicht alle Nationalsoziale waren, mit Beifall bedacht wurden. Di« Versammlung in Kirchhain wa^ d emnach ein voller, unbestrittener Erfolg unseres Kandidaten Herrn von Pappen» heim und der von ihm verfochtenen Sache.

Umschau.

Der Kehrau« im Reichstag.

Der Reichstag hat heute Nachmittag 2 Uhr seine Beratungen wieder ausgenommen. Aus der Tagesordnung stehen: die Beamtengesetz» Novelle, die Vorlage zur Sicherung des Wahl» geheimniffes und der Entwurf über die Phosphor­zündhölzer. Ob der Reichskanzler Graf von Bülow gelegentlich der Kehrausdebatten einmal das Wort ergreifen wird? Es hat fich doch seit dem 24. März, dem Tage, an welchem dev Reichstag die Osterferien angetreten hat, mancherlei ereignet, worüber das deutsche Volk und seine Vertretung recht gern noch eine Er­klärung von amtlicher Stelle entgegengenommen hätten. Wir denken da besonders an die merk­würdigen Maßnahmen der amerikanischen Marineverwaltung sowie an die seitens Kanadas erfolgte Erklärung des Zollkrieges an Deutschland. Die letzte öffentlich bekannt gewordene Aeußer» ung des deutschen Reichskanzlers war ein Hym­nus auf die friedliche und freundliche Welt­lage, der in die Parabel von dem. und Schnee aushaltenden Regenschirm ausiief. Eine jeder Mißdeutung unzugängliche Erklärung de« deutschen Reichskanzlers, die besonders auch dem Ausland verständlich wäre, könnte daher nur erwünscht sein. Deutschland hat es nicht nötig und ist auch nicht gewillt, sich von irgendwem einen Eierkuchen auf der Nase backen zu lassen. So wenig wir jemandem zu nah« treten, brauchen wir es zu dulden, daß un« jemand an den Wagen fährt. DaS vielfach im Auslande fich unverhüllt bemerkbar machende

ruhen, steht geschrieben. Wir haben uns di« Sach' überlegt"

Wir, Mutterle?" warf Hannchen mit bebenden Lippen ein.Du und die Bas'?"

Ach geh mit der Bas'! Der Vater vom Metzgerfritz und ich. Wer denn sonst!"

Hannchen wußte nicht, was fie antworten sollte. Und ihre Mutter mochte es nun auch wohl für das Beste halten, mit einem Male klaren Wein einzuschenken.

Wann D' net immer dazwischen sprächst, hälfst gleich alles zu wissen bekommen. Weißt doch, der Metzger ist seit Jahr und Tag Witt­man«, un da, da will er mich heiraten, und wenn Du und der Fritz Mann und Frau seid, sollt Ihr beid 's Geschäft führen, und wir setzen uns zur Ruh. Kommst in a feines Hau«, Hannchen, kannst Dein'm Herrgott danken . . . Aber, Mädele, waS hast denn?"

Hannchen hatte sich vor dem alten Sopha auf die Knie geworfen, das Gesicht in di« Polster gepreßt unb schluchzte bitterlich.

3a aber, Mädele, was hast denn?" Fra« Hölder versuchte, das tränenüberströmte Gesicht ihrer Tochter von den bergenden Händen zu lösen, aber es gelang nicht.

Mädele, Kreuzitürken noch amal, sei kein Kind!" rief fie jetzt energisch.

Da richtete fich Hannchen auf. Sie kämpft« die strömenden Tränen nieder und fragte leise: Mutterle, hast Dich vorm Vaterle fein Bild daheim hin stellt und alles laut gesagt, wie'« werden soll?"

(Fortsetzung folgte