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durchaus nicht der Fall zu sein. Es sind auch internationale Verwickelungen denkbar, wenn es sich bewahrheiten sollte, daß die Besatzung deS Forts Fraaana, daS von den,Aufständischen in die Luft gesprengt worden sein soll, soweit sie nicht ein Opfer der Explosion wurde, Auf­nahme bei den Spaniern in Melilla fanden. Bei der bekannten Unzuverlässigkeit der marokkanischen Berichterstattung blerben indessen, wie gesagt, weitere Meldungen abzuwarten.

— Depeschen aus Melilla melden, daß 17 aufrührerische Kabhlenstämme von Tazza auf­gebrochen find, um Fez anzugreifen. Der Auf­stand nimmt zu. Die Lage ist sehr ernst.

Türkei. Auf dem Balkan ist Rußland der Herr, ihm legen sich die kriegslustigen Völker der Halbinsel gehorsam zu Füßen. Bulgarien hatte seinen Ruffel bekommen, weil es den mazedonischen Banden zu viel Spielraum ge­währte. Fürst Ferdinand hat nichts Eiligeres zu tun, als einen besonderen Gesandten nach Petersburg zu senden, der dort seine Unter­tänigkeit zum Ausdruck bringen und jeden Schatten russischer Ungnade verscheuchen soll. Die Pforte hatte den albanefischen Soldaten Ibrahim, der dem russischen Konsul in Mitrovitza Schtscherbina die tätliche Wunde beigebracht hatte, zu einer schweren Kerkerstrafe verurteilt. Zu dem in Konstantinopel abgehaltenen Reqiem für Schtscherbina hatten die Vertreter der Pforte seitens Rußlands keine Einladung er­halten. Dieser geringe Tadel genüpte zur Aufhebung des gegen Ibrahim ergangenen Urteils und zur Verhängung der Todesstrafe über ihn.

China. Eine der ebenso unliebsamen wie unausbleiblichen Soldatenschlägereien hat wieder einmal in Peking stattgefunden. Besonders be­dauerlich ist der Umstand, daß es sich diesmal um deutsche und österreichische Soldaten handelt, die nach einem Wirtshausstreit auf der Straße zu Tätlichkeiten gegen einander übergingen. Die angetrunkenen Soldaten bearbeiteten sich gegenseitig mit Steinen, Knüppeln und Mesiern und konnten erst von einander getrennt weroen, als eine Kompagnie deutscher und eine Ab» telluug österreichischer Soldaten auf dem Platze erschienen. 9fuf beiden Seiten gab eS nach der Schlägerei Verwundete, von denen einige sogar so schwere Verletzungen erlitten hatten, daß sie in das Lazarett geschafft werden mußten. Jntereffant ist eS übrigens, daß der Rauferei zahlreiche Chinesen zuschauten, daß diele aber nicht wagten, die Kämpfenden auseinander zu treiben. Die schuldigen Soldaten beider Kon- tinaente wurden mit mehrwöchigem strengen Kasernenarrest bestraft. Damit ist die Ange­legenheit erledigt.

Marburg und Umgegeud

Marburg, 15. April.

* Universität. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der außerordentliche Professor Dr. Eugen Kühnemann zu Marburg ist in gleicher Eigen­schaft in die philosophische Fakultät der Uni­versität zu Bonn versetzt worden.

* Mnjeumslonzert. Einen schönen, voll be­friedigenden Verlauf nahm das gestrige Museums­konzert, zu dem Herr Kgl. Mufikdirigent Schauert ein reichhaltiges und vielseitiges Programm aufgestellt hatte. Trotz des dritten Feiertags hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft einge­funden, die mit Aufmerksamkeit dem mehr als dreistündigen Konzert bis zum Schluß folgte. Eingeleitet wurde der Abend durch Noacks Frühlingsgruß, auS dem es klang wie Knospen- fpringen und Lerchenschlag. Mit hinreißender Kraft und Klarheit wurde Siegmunds Liebes­lied gespielt, durch das er die holde Schwester zur Braut sich gewann. Besonders reicher Beifall wurde Herrn Schwarz für den Trom- petensolo zuteil, dessen Töne goldklar durch den Saal klangen. Sonnige, tanzfrohe Lust grüßte auS dem Adam-Walzer von Zeller und Eilen- bergS Plappermäulchen fand den lebhastesten Beifall. Lustige Jagdwsisen beschloffen den genußreichen Abend, Hörnerklänge und das schöne Lied des rauhen Jägermannes, dem zwei dunkeltiefe Augen ins warme Herz geschaut und der nun einsam träumend durch Hag und Haide irrt.

* Keine Verteuerung der Lebensmittel. Nach der neuesten amtlichen Zusammenstellung der Lebensmitelpreise zeigen im Durchschnitt die Getreidepreise nur geringe Veränderungen, ebenso die Preise für Eßkartoffeln und Rind­fleisch. DaS Schweinefleisch hat seinen Durch­schnittspreis weiter um 3 Pfg. ermäßigt und ist besonders in den östlichen Marktorten billiger geworden, ferner Speck, Butter und Eier, während Hammelfleisch und Schweineschmalz ihre Preise erhöhten. — Also trotz der Annahme des Zolltarifs gehen die Preise der wichtigsten Lebensmittel zurück oder bleiben mindestens auf derselben Höhe stehen. Dies ist ein Beweis, daß man auch von Seiten der Händler selbst nicht an die Brot- und Fleisch verteuernde Wirkung des Tarifs glaubt, wie die liberalen Blätter immer ihren Lesern erzählen. Unsere Beamten dürften daraus die nötigen Schluß­folgerungen ziehen.

* O. H. T. B. 8. Programmtour am Öfter» montag, den 13. April 1903. Grüne Weltmächten, weiße Ostern ist sprichwörtlich seit alten Zeiten. Beim Erwachen um 5 Ute früh fanden wir die alles deckende weiße Hülle und auf dem Wege zum Bahn­höfe zählte ich in Gedanken alle diejenigen auf, welche unter diesen Umständen an der Tour teilnehmen würden; doch hatte ich mich sehr getäuscht, denn die stattliche Zahl von 24 Herren und 3 Damen fand sich ein und fuhren froh und guter Dinge gen Brungershausen, wo wir gegen 7 Uhr ausstiegen. Unsere Führer glänzten durch Abwesenheit und unter Leituna eines alten Touristen fetzte sich die Schar

«ach dem Forsthau« Hauwald zu i« Bewegung, doch bogen wir ab aus den am Homberg sich auswärts schlängelnden Serpentinenweg, wunderbare Fels» formationen pasfierend, und genoflen reizende Aus­blicke auf die unter der Schneehülle im Sonnenglanze funkelnden Wiesen, Wälder und Höhen. Als wir die Höhe erklommen und die letzte Wegbiegung um- schritten, kam ein fürchterliches Schneegestöber, welches jeden Ausblick auf 100 Schritte verhinderte, lodaß wir nicht im Stande waren, die Richtung nach der „Ebenheit" einzulchlagen. An einem Felsen fanden wir ein blaues Kreuz und nahmen wir den diesem Zeichen gegenüber abwärts führenden Weg, welcher uns zu Tal und nach etwa 20 Minuten nach Warzen­bach brachte, wo bald alles beim Frühstück saß und nach den ausgestandcnen Strapazen den inneren Menschen stärkte. Um 9 Uhr brachen wir aus und schlugen den Feldweg, an der Wüstung „Bambach" vorüber, an der Koppe empor sührend, wo wir halb „Hollende" passierten und um 10 Uhr auf der „Eben­heit" anlangten. Von hier, dem blauen Strich folgend, kamen wir bald zu dem schönen Aussichts­punkt und kletterte» an der nächsten Wegvregung empor zur Höhr. Hier standen wir nun an 8 Wegen und da ein Zeichen nickt zu fehen war, nahmen wir den mittleren Weg, welcher bald talabwärts führte. Ein Teilnehmer war jedoch zurückgeblieben, sondierte die anderen beiden Wege, und fand auch nach einigem Suchen wieder das Zeichen, kam uns nachgerannt und brachte uns nach einer Viertelstunde wieder auf den Weg. Run folgten wir neben dem Zeichen auch der alten hessischen Landesgrenze und fanden uns bald an dem Forstgarten „Weingarten". Von hier aus, wo der Weg um die vielen Schluchten und Einschnitte daS "Schwankst" sich herumschlängelt setzte der ärgste Sturm des Tages und das empfindlichste Schneege- stöber, welches wir feit Jahren milgemacht, ein, sodaß die ganze Schar „Schneemänner" gleich, oussah. Endlich gegen 11'N Uhr erreichten wir die Treffstätte, „Landgrafenbuche", wo uns unsere Biedenköpfer Freunde erwarten sollten; doch das Unwetter hatte selbst diese wetterfesten Hinterländer verdrossen und einen Zettel hinterlassend „Wir erwarten Euch mit Trunk und Jnbiß aus dem Johannislops" waren die­selben schon vor 11 Uhr abgezogen. Leider war keiner unter uns der den Weg nach dem Johanniskopf an­geben konnte, auch die nachgeschlagenen Wegebüchlein und Karten gaben uns keinen Anhalt und so mar­schierten wir dem blauen Strich folgend nach Bieden­kopf, unterwegs noch den „Fließbachkops" besteigend, den wir für den Johannis köpf ansahen und langten um 1.30 Uhr bei Weitzel in Biedenkopf an. Der häufig 5—6 cm hoch liegende Schnee hatte uniere Fußbekleidung tüchtig durchnäßt und erzielten zwei Geschäfte auf dem dortigen Mar kl Platz durch den Ver­kauf von Strümpfen und Sandalen an die Touristen eine gute Einnahme. Bald langten auch die vom .Johanniskopf' yeimkehrenden Biedenkopfer an und ein gegenseitiger Austanfch der Erlednisfe brachte schnell Klarheit in die von der Umbill des Wellers hervorgibrachten Wirrniffe. Unser alter Koch Weitzel hatte auch heute für ein gutes Mahl gesorgt und unter Toasten und Reden verlies dasselbe in an­genehmer Weife. Bald fanden fick Herren und Damen der Sektion Biedenkopf ein. Das arme Hirtenmädchen wurde von hervorragenden Künstler unserer Sektion aufgeführt, während die Künstler einer dort weilenden Schau fpielerlruppe sich zur Äufführung eines groß­artigen Schwanks von Pohle rüsteten. Die Vor­stellung verlief in bester Weise und von dem Erlös erhielt die Kasse unseres Vereins noch ein schönes Scherf lern. Unter fröhlichen Gesängen und Reden tarn die Scheidestunde viel zu schnell herbei. Gegen 7 Uhr marschierten wir, von unseren Biedenköpfer ssreunden begleitet, zur Bahn und langten glücklich gegen 8 30 wieder in der Heimat an mit dem Be­wußtsein, trotz aller Strapazen, einen sehr genuß­reichen Tag verlebt zu haben.

* Baterta»iiischrr Fraucu-Vereiri. Die dies­jährige Mitglieder Versammlung deS Vater­ländischen Franen-Vereins (Hauptvereins) findet Donnerstag den 30. April, vormittags 11 Uhr, in der Singakademie zu Berlin statt.

§ Gesellen Prüfung. Gestern fand hier eine Prüfung von vier Buchbinderlehrlingen statt. Drei von ihnen bestanden die Gesellenprüfung, einer trat zurück.

* FenerWehrkurfnS. Das große Interesse, das man infolge der großen Wichtigkeit der Feuerwehr für die Allgemeinheit allen sie angehenden Fragen entgegenbringt und das erst gestern zu dem stark besuchten Delegiertentag in Ockersbausen führte, hat in Erfurt ein beachtens- und anerkennungswertes Unternehmen gezeitigt. Dort ist nämlich ein sog. Feuerwehrkursus eingerichtet worden, der von 80 jungen Leuten aus Erfurt und Umgegend besucht wird. Die Bekucher erhallen Uniformen und werden unter Leitung des Kreisbranddirektors Ludwig-Erfurt theoretisch und praktisch soweit ausgebildet, daß fie zur selbständigen Leitung einer Feuerwehr befähigt sind

§ Herdbuch - Gesellschaft. Im Restaurant Schweinsöerg tagte gestern vormittag unter dem Vorsitze des Herrn Landrat von Negelein die General-Versammlung der Herdbuch-Gesell­schaft für das Vogelsberger Rind. Herr Holly erstattete zunächst die Rechnungslegung vom vergangenen Jahre. Die Einnahmen betrugen 528 78 Mk., die Ausgaben 334 79 Mk., mit- hin verbleibt ein Kaffenbestand von 193 99 Mk. Die hohen Einnahmen begründen sich durch die von der Sparkaffe erfolgte Abhebung von 200 Mark, welche als Prämie zu der vorjährigen Ausstellung vom 18. Juli zur Verfügung ge­stellt worden waren. Wei! nicht genügend Tiere vertreten waren, konnten 212,18 Mk. der Kasse wieder zurückgegeben werden. Da§ Gesamt- vermögen stellt sich aus 457,99 Mk. — Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die Bewilligung eines Geldbetrages für die im September 1903 stattfindende Gießener Ver- bandsauSstellung. Da bei der vorigen großen Verbandsausftellung in Marburg der Kaffe einen Ueberschuß von 464 Mk. überwiesen werden konnte, so gab man seitens der Ver­bandsleitung der Hoffnung Ausdruck, daß zu der Gießener Ausstellung ein Zuschuß von 400 Mark gegeben würde. Man war damit ein­verstanden und verband Herr Landrat von Negelein damit den Wunsch, daß der Kreis- auSschuß einen Ehrenpreis bewilligt und auch wie bei früheren Gelegenheiten die Transportkosten für das Vieh nach der Ausstellung übernimmt. Die Sckaukommisfion wird wie üblich vorher die auszustellenden Tiere besichtigen, doch glaubt man, daß immerhin eine Kollektion von etwa 20 Stück Rindvieh zusammenkommt. ES schloß sich hieran eine Besprechung der Satzungen im Allgemeinen, damit die Bedingungen der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft für An­erkennung von Rindviehzüchter - Vereinigungen

erfüllt werden können. Es ist dies nötig, weil bei Nichtanpaffung der Satzungen zu den ge­gebenen Vorschriften die Herdbuchgesellschaft der staatlichen Anterstützäng eventuell verlustig gehen kann. Die Satzungen wurden deshalb mit den vorliegenden Bestimmungen verglichen und dielen angepaßt. Die Ausarbeitung soll dem Vor­stande überlaffen bleiben. Es wurde hierbei bewerft, daß die Satzungen ja nun vorhanden und auch ganz gut seien. , Leider würden sie von den Mitgliedern in vieler Beziehung nur zu wenig befolgt, deshalb wäre es auch so schwer, ein vorschriftsmäßiges Herdbuch auf­stellen zu können. Um diesem Mißstand zu begegnen, wurden die verschiedensten Anreg­ungen gegeben und machte Herr Landrat v. Regelein den Vorschlag, das VertrauenS- männersystem einzuführen, er werde sein mög­lichstes tun, um die Angelegenheit zu fördern. Wege» dieses Punktes und der Statuten­änderung soll am Sonnabend, den 16. Mai, nachmittags 4 Uhr eine wettere Generalver­sammlung stattfinden.

* Beginn M Reichstagswahlrechts. Nach § 187 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird bei Berechnung einer Frist, für deren Anfang der Beginn eines Tages der maßgebende Zeitpunkt ist, dieser Tag mitgerechnet. Dies gilt auch bei der Berechnung des Lebensalters vom Tage der Geburt. TaS Lebensjahr ist also mit dem Ablaufe des dem Geburtstage vorhergehenden Tages als vollendet anzusehen. Danach ist es nicht zweifelhaft, daß die am 16. Juni 1878 geborenen Personen bei den bevorstehenden Wahlen wahlberechtigt find und in die Wähler­listen ausgenommen werden müffen.

§ Schlagerei. Dor einer Wirtschaft in Weidenhausen kam es gestern in später Nach- mittagSstunde zwischen Kontrollversammlungs­besuchern aus Bauerbach und Schröck zu einer argen Schlägerei. Als Polizeibeamte einschritten, fetzte man ihnen Widerstand entgegen und ver­suchte sogar, einen Verhafteten zu befreien. Es entstand ein großer Tumult, bis es schließlich gelang, die Ruhe wieder herzustellen. Auch in der betreffenden Wirtschaft soll mancherlei demoliert worden fein.

§ Ockersh imferr, 14. April. Ein arger Schabernack wurde einem hiesigen Kaufmann gespielt. Unnütze Hände bewarfen zur Nacht­zeit dessen geschmackvoll angestrichenes Haus mit schmutzigen Farben. Wie man hört, find die Täter erkannt.

** ELnhaufe«, 14. April. Zwei Knaben von hier gerieten, als sie mit ihren Kameraden im Wald spielten, in Streit. Der eine, ein roher 13jähriger Junge, zog das Messer und traf den Arm feines Spielgenossen, der 12-13 cm. lang aufgerissen wurde. Diese Gewalttätigkeit beweist wieder den Mangel an Sorgfalt in der Erziehung der Kinder, dessen sich manche Eltern fchuldia machen.

+ Cölbe, 14 April. Heule sand im Kranzfchen Saale dahier eine Versammlung des Gewerbevereins Marburg-Nord statt, welche leider sehr schwach be­sucht war, was dem Umstande zuzisschreiden sein dürfte, daß die Gewerbetreibenden über Zweck und Ziele des Gewerbevereins nicht die nötige Aufklärung besitzen. In der Versammlung war nun die beste Gelegenheit, sich auftlären zu lassen, durch die An­wesenheit des Schrifttührers des Geweroevereins Marburg-Dreihaufen. Herrn Wege ans Dreihausen, geboten, der in einfacher und leichlverständlicher Weise den Wert und Zweck eines Gewerbevereins kennzeichnete. Nachdem der bisherige Vorstand durch Akklamation wiedergewählt und der Ausschuß durch zwei neue Mitglieder ergänzt war, wurde beschlossen, an einem Sonnabend anfangs Mai er. eine General­versammlung der Mitglieder des Gewerbevereins ab­zuhatten und vorher bei den Mitgliedern durch be­lehrende Artikel in den beiden Marburger Zeitungen sowohl, als auch durch Vorträge seitens eines Vor­standsmitgliedes in verschiedenen größeren Ortschaften des nördlichen Teiles unseres Kreises Verständnis und Interesse für den Gewerbeverein bei feinen Mit­gliedern zu erwecken.

(?) Revdetzause«, 14. April. Eine unangenehme Ueberraschung brachte der Karsamstag den kuchen­backenden Hausfrauen; in der letzten Nacht war der Gemeindebackofen nämlich eingeworfen. Viele wittern einen lustigen Streich junger Burschen. Hoffentlich wird der Schaden in kürzester Zeit beseitigt.

§ MÄnchhSvseU, 13. April. Am 2. und 3. Pfingftseiertaq findet hier ein Kriegerfest statt.

r. Kirchhain, 14. April. Die gestrige Theater- Vorstellung des hiesigen Turnvereins war so außer­ordentlich zahlreich besucht, daß kein Sitz- oder Steh­platz mehr zu bekommen war Die Darsteller brachten die einzelnen Rollen sehr geschickt zur Darstellung und lohnte am Schluffe jeden Aktes reicher Beifall die Mitwirkenden. Auf vielseitigen Wunsch wird voraus- sichtlick eine 2. Ausführung zu Wohltätigkeitszwecken veranstaltet werden.

-I- Kirchhai«, 15. April. Die für gestern abend avberaumte Sitzung der Stadtverordneten mußte auf nächsten Freitag verlegt werden. — Heule wird auf dem Viehmarktplatz mit den Arbeiten zum Wieder­aufbau der Markthalle begonnen. — Ein hiesiger Gastwirt erhielt statt eines Talers eine größere Denkmünze als Zahlung Da der Zahler die Rück­nahme der Münze verweigert, wird es wohl zu einem Prozeß kommen.

HefferEsffau und NachbargebreLe

< Kassel, 14. April. Am Sonnabend starb Professor Karl Wagner, einer der geachtetstcn und beliebtesten Perfönlichkeiten unserer Stadt. Ec ge- l orte als Oberlehrer dem Kgl. Wilhelmsgymnafiurn seit dessen Gründung art und war früher Lehrer am Friedrichsgymnasium Er hatte in Marburg klassische Philologie und Geschichte studiert und war bei der „Teutonia" aktiv. Im Jahre 1867/68 diente er bei den Marburger Jägern und machte als Reserve- unterosfizier den französischen Feldzug mit. Bei Wörth verwundet, nahm er später an der Belagerung von Paris teil. Wagner hinterläßt neben einer zahl­reichen Schülerfchar, die den Heimgegangenen be­trauert, eine hochbetagte Mutter urd mehrere Schwestern.

Brotterode, 11. April. Nach langem Krankenlager ist gestern, wie der „Th. Hssd." schreibt, einer unserer populärsten und belieb­testen Mitbürger, Herr Forstmeister Bickel, im 67. Lebensjahre gestorben. Der Dahinge­gangene war am 16. Mai 1836 zu Rauschenberg in Hessen als Sohn des Königlichen Ober­

försters Bickel geboren. Bo« 1861—62 absob» vierte er die Forstlehrauftalt in Melsungen und wurde am 1. Juli 1876 als Oberförster nach Brotterode berufen. Diß hiesige Oberförsterei hat der Verstorbene also beinahe 27 Iah« verwaltet.

Haua», 14. April. In hilfloser Lage ließ am Samstag mittag eine sich hier unterstandL« loS befindliche Frauensperson ihr 14 Monate altes Kind in einem Kinderwagen im Hofraum eines Hauses der Steinstraße zurück. Auf Ver­anlassung eines Schutzmannes wurde das Kind am Abend einer städtischen Wartefrau übergeben.

Dieb«rg in Hefte», 11. April. Aus der gegenwärtig sehr hochgehenden Gersprenz wurde am Montag die Leiche deS 18 jährigen Pflasterers Müller aus Expertshausen geländet. Jetzt zeigt eS sich, daß ein Verbrechen zugrunde liegt, indem der Genannte, wie die Untersuchung ev- geben hat, nach einem Streit, der in einer Wirtschaft zu Münster bei Dieburg entstand, auS dem Lokale gedrängt und in das vorbei­fließende Gewässer gestoßen wurde, in dem et feinen Tod fand. Ein Eisengießer Franz Braun aus Münster, der an dem Streite her­vorragend beteiligt war, ist bereits verhaftet worden. Weitere Verhaftungen werden noch erfolgen.

Er»dtebr»ck» 14. April. Durch die bei der Sparkasse zu Laasphe verübte Unterschlag­ung ist auch ein hiefiger Einwohner in Mit­leidenschaft gezogen worden. Wenn er auch vielleicht keinen Verlust zu erleiden braucht, so entstehen chm zweifellos eine Menge Schere­reien und Verdrießlichkeiten.

Delegiertentag des Kreisfeuerwehr-Verbandes.

Ockershaufen, 14. April.

Anläßlich des heute hier abgebaltenen fünften Delegiertentages des Kreisfenerwehr Verbandes konnte sich die hiesige Feuerwehr in wirtlich mustergittiger Weise den fremden Gästen in völlig neuer Uni­formierung , genau tote die Marburger freiwillige Feuerwehr, präsentieren. Es hatte zwar etwas Mühe gekostet, aber dasür war der Ersolg auch um fo über­raschender. Als die hiesigen Mannschaften die Mar­burger Feuerwehr, welche mit Musik an der Spitze um 3 Uhr in unseren Ort einrückte, in Empfang ge­nommen halten, gings zunächst auf die hinter der Nuppersberg'schen Wirtschaft unterhalb der Dreyers- queüe gelegene Wiese. Die dort von den hiesige« Feuerwehrleuten vorgeführten Exerzitien klappte« vorzüglich. Von hier ans begab man sich teilweise im Sturmschritt nach der sog. „Gladenbach", w» einige Häuser die Brandstätte markieren mußte»; e8 dauerte auch nicht lange, bis die Spritzen in voller Tätigkeit waren. Auch die Mannschasten der Hk ar­teigen Landspritze legten hier ganz vorzügliche Be­weise ihres Könnens ab. Leiden waren die Schläuche etwas defekt Als die Uebung beendet war, begann m den Sälen des Restaurants Prediger die Delegiertenverfammlung. Die Lokalitäten Ware« fo dicht besetzt, daß fast kein Plätzchen mehr leer blieb. Nachdem Herr Earl Heuser die Verfammlung eröffnet; hatte, begrüßte Herr Landrat von Negelein die AmG wesenden und gab seiner Freude über den überaus zahlreichen Besuch Ausdruck Es sei erfreulich, daß im Kreisfeuerwehrverband fo ein echtes Gefühl der Karnerad'chastlichkeit herrsche, durch die gegenieitige Aussprache würden die einzelnen Feuerwehren i« ihrem Können gefördert und die Tüchtigkeit erhöht. Er wünfche, daß die heutigen Verhandlungen dem Kreisfeuerwehrvcnbande zum Segen gereichten. Der Herr Redner gedachte bann noch des großen Interesses, welches Kaisen Wilhelm den Feuerwehren und ihre« Bestrebungen entgegenbringe und endete mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf Se. Maj. Nach Abfingen der Nationalhymne trat man bann in die Verhandlungen ein. Die Feststellung den Präsenzliste engab, daß die Feueiwehnen von 22 Gemeinden, die einzeln aufzufühnen sich wohl erübrigen dürfte, verriete« waren. Der von Herrn Heufcr erstattete Jahresbericht ergab, daß 76 Feuerwehren vom Kresse dem Verbände angehören, 13 stehen mit ihrer Anmeldung noch zurück, doch steht zu hoffen, daß auch deren Anschluß in Kürze erfolgt. Nennenswerte Brände sind im vergangenen Jahre nicht vorgekomnien, wo ein Brand ausbrach, gelang es dem tatkräftigen Eingreifen der Feuer­wehren alsbald, ihn zu ersticken. ES wurde hierbei bemerkt, daß die hessische Brandverficherungskafle den­jenigen Feuerwehren, die bei einem Brande in einem Nachbarorte zuerst an Ort und Stelle sind, eine Be­lohnung siebt. Die eingeführten Feuerwehrabzeiche« tragen eigentümlicherweise nur die ländlichen Feuer­wehrleute. Der Redner erinnerte ferner an den Brand in Niederklein in unserem Nachbarkresse Kirchhain, und ersuchte bei einem ausbrechenden Brande sofort dem Brandmeister Kenntnis zu geben. Was be« glaub der Feuerlöschgeräte anbelangt, so ist dies« im Kreise ein vorzüglicher. Es sind vorhanden 38 Saug- und Drnckipritzen, 40 Druckfpnitzen, 19 Hand« druckfpritzen, 88 Leitern und 492'5 Meter Schlauche, außerdem noch eine Menge Leitern und Feuerhaken. Außer der Stadt Marburg zählt man 4000 Feuer­wehrleute.

Der weitere Punkt der Tagesordnung betraf den in den Tagen des 4., 5. und 6. Juli in Schmal« kalben stattfindenden hessischen Feuerwehrtag. Die Versammlung gemhmigte die von der Marburg« freiwilligen Feuerwehr hiezu gestellten Anträge, welche Regelung der Feuerlöfch.Dienstpflicht bezw. Festsetzung einer bestimmt en Altersgrenze, Verbot der Stellver- tretung, einheitliche Benennung der Führer und Kontrolle der für diese Stellungen vorgeschriebene« Abzeichen, Neubearbeitung des Schriftchens für das Feuerlöschwesen im Regierungsbezirk Kassel, Haftpflicht der Gemeinden wegen etwa vorkommender Unglücks» fälle, Beschädigungen ic. bei Bränden und Hebungen betrafen. Die einzelnen Punkte fanden eine sehr ein­gehende Erörterung. Der alte Vorstand wurde so­dann einstimmig wiedergewähtt; ferner bestimmte man als nächstjährigen Versammlungsort unsere« Nachbarort Wehrda. Unter Verschiedenem nahm matt einstimmig Ellnhausen in den Verband auf und be­sprach bann nock einige Angelegenheiten betreffs ter hessischen Brandversicherungsansiali.

Wie wir gelegentlich bis letzten Kreistags, fitznngsberickts schon mitteüen konnten, sind Anfrage« ergangen, ob in der Brandkasse eine andere Klaffen- emteitung erwünscht fei. Auch hi« tourte diese Frage angeregt und eingehend besprochen Nachdem die Herren Klingelhöser-Wetter, Schaaf-Marburg, Ruth» Bellnhaufen u a. ihre Ansicht geäußert, wies Herr Landrat v. Negelein auf den seinerzeit von uns mit» geteilten Kreistagsbeschluß in dieser Sache hin. Ein anderer Redner konnte sich überhaupt Nicht mit ter hessischen Brandkasse befreunden und meinte, eS fei besser, wenn sick jeder Hausbesitzer versichern komie, wo er wolle. Die Herren Schaaf und Heuser wiesen nun «och auf das vortreffliche Gelingen der Uebuee