mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
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Sonntagsbeilage: Allufteirtes Sonntagsblatt.
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Mertelt^hrlicher BezugSpretS: bet der Expedition 2 Mk., bet alle» Postämter» 2,25 Mk. (etcL Bestellgeld).
Marburg
-b-»,:»- iow Donnerstag, 16. April 1903.
Erscheint täglich außer an Soun- und Feiertage». Sonnabends in Morgen« und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jtlhrg?
König Eduard VII. imb Präsident Loubet.
Der König von England und der Präsident der Republik Frankreich haben das Mittelmeer und seine Küstenländer zum Ziele ihrer Frühjahrsreisen auSersehen. Und wenn auch harmlose Gründe für diese Fahrten angegeben Werden, toton sich die Franzosen anscheinend aufrichtig freuen, daß Eduard VII. nach Paris kommen wird, — daß beide Staatsoberhäupter ihre Personen in diesen Gebieten zeigen, ist in seinem ersten Anlaß durchaus keine Harmlosigkeit, sondern hat seine wahlberechtigte Ursache. England will geigen, daß eS trotz seiner bitteren Erfahrungen im Buren - Kriege absolut nicht daran denkt, auf feine Positionen und seinen Einfluß im Mittelmeer, das die hochwichtige Straße nach Britifch-Jndien bedeute^ irgendwie zu verzichten, und die Pariser Regierung will trotz ihrer Liebenswürdigkeiten für König Eduard persönlich dokumentieren, daß sie darauf besteht, im Mittelmeer diejenigen Rechte zu behaupten, welche ihr als hervorragendste Seemacht zukommen. Man will augenblicklich keine neuen Eifersüchteleien heraufbeschwören, aber von der Autorität, welche jedes Land in diesem Machtgebiet zu besitzen glaubt, soll auch nicht ein Pfifferling ausgegeben werden, die Bewohner der Küstenländer sollen sehen, daß Präsident Loubet auch kann, was der König von England vermag, und — für spätere Möglichkeiten toetben die Stützpunkte beider Staaten an geeigneten Plätzen verstärkt und vermehrt. England hat mit seinen Stationen Gibraltar, Malta und Chpern eine hervorragende Position, aber Frankreich vermag von Toulon, Korsika, Algier und Tunis aus manchen ihm bedrohlich erscheinenden Schachzug zu verhindern. Die gewaltige Verstärkung, welche der französische Hafen Mserta in Nordasrika erhalten hat, ist von den Briten nicht unbemerkt geblieben, und sie haben darauf mit Rüstungen auf Malta geantwortet. Doch die Möglichkeiten, für welche alle diese Anstrengungen gemacht wurden, gehören keiner nahen Zukunft an. Wie oft sind sich Franzosen und Engländer in die Haare geraten, es sei nur an den Faschoda-Handel erinnert, aber immer gaben die Franzosen im letzten Moment nach. Nicht aus Furcht vor England, aber im Hinblick auf Deutschland. Denn in den Augen eines jeden echten französischen Patrioten bleibt die starke militärische Rüstung der Republik für den „siegreichen Revanche-Zukunftskrieg" bewahrt. Darum will man jedwede Erschütterung vermieden sehen.
Mit einigermaßen gemischten Empfindungen wird in Rom diese Demonstration^ - Reise der Oberhäupter der beiden „eng befreundeten" Staaten verfolgt. Die italienischen Politiker hüten sich, ihren wahren Gedanken Raum zu geben, aber im tiefsten Innern denken sie sicherlich : „Möchten Frankreich und England sich alle
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M (Nachdruck verboten.)
"-Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
lSortletzuug.)
Von Hannchen traf jeden Montag Vormittag ein Brief ein, der in heiterem Tone dem Vater alles mitteilte, was ihr das Leben gebracht. Und jede Lobeserhebung ihrer Lehrer machte den wackeren Alten stolzer, wie das eigene Kind. Schüttelte Frau Elise zum Neber- maß seiner Wotte den Kopf, dann begann die altbekannte Stretterei über Hannchen'S Zukunft von Neuem.
„Un dann lebt's Mädele in Saus und Braus, bis 's a Mal alt un 's Geld all' iS. Die Komödiantengeschicht kenn i." Das war der Refrain von Frau HölderS Reden. Und ihr stilles Gedanken-Resumee ging dahin: „Wann's Hannchen wieder zu Haus iS, dann macht'S a gute Partie; das will i un dafür sorg' i!"
„Verstehst davon nix," schnaubte der Gatte sie dann an, nahm die Mütze vom Nagel, rannte in den „Hirschen" und erzählte als Neuestes, daß sogar der Herr Hostheater- Jntendant seinem Mädele zu ihrer schönen Stimme gratuliert hatte. Ein paarmal hatte die Base geschrieben. Und als die über die eindrückliche Rücksprache mit Hannchen wegen des Hermann Grau berichtet und auch gemeint hatte, e- — ute Versorgung im heiligen Ehestand fei oas allerbeste für's Mädele, worauf Frau Holder triumphierend ries: „Da hast's,
beide auffressen, damit wir in unserem Meere die Rolle spielen können, die unS allein zukommt und die jene uns entrißen haben!" ES ist richttg, Italien wird von dem reichen Frankreich an Macht-Entfaltung unb wirtschaftlicher Tätigkeit weit übertroffen und ebenso von England, obwohl der Unterschied in der BevölkerungSzahl nicht so erheblich ist, aber Italien ist arm und wird sich, menschlichem Ermeffen nach, nie mit Frankreich messen können. Aber ebenso richtig ist auch, daß die vornehmsten italienischen Interessen im Mittelmeere fußen, daß kein Staat ein so hohes Recht darauf hat, als Italien, das Mtttelwehr „fein Meer" nennen zu können, welches die weite italienische Küste bespült. Darum war s. Z. auch der Grimm über Frankreich so groß, welches Tunis, das die Italiener längst cllS ihr künftiges Eigentum angesehen hatten, kurzer Hand annektterte und seinem schwächeren Rivalen das Nachsehen ließ. Um wenigstens etwas für sich herauszuschlagen, ließen sich die Italiener zu den Händeln mit Abesshnien verleiten, die in der schweren Niederlage deS italienischen Generals Baratieri bei Adua gipfelten. Diese herbe Lehre hat in Rom vorsichtiger gemacht; sonst wäre der Wunsch, das letzte noch einigermaßen freie Stück von Nord- Afrika, daS heute noch türkische Tripolis, zu besetzen, wohl längst der Erfüllung näher geführt worden.
Italien ist lange mit England recht gut Freund gewesen, auch seine Beziehungen zu Frankreich haben sich wieder gebessert, derart, daß der deutsche Kanzler im Reichstage mit Humor von der französisch-italienischen Extratour reden konnte. Aber alle Freundschaft, wirkliche oder sogenannte, kann doch die Tatsachen nicht verschieben. Faktisch spielt im Mittelmeere heute England die erste Rolle, Frankreich die zweite, Italien die dritte, und von den beiden letzteren Staaten möchte in Wahrheit doch ein jeder obenan stehen. Alle Freundschaftsbeteuerungen, alle Trinksprüche, die bei den bevorstehenden Begegnungen und Galatafeln werden gehalten werden, können das nicht aus der Welt räumen, und daß dem so ist, ist eigentlich kein Unheil. Damit behält der Dreibund für Italien feinen Wert, dadurch wird England verhindert, sich gar zu mausig zu machen. Frankreich hat feine Zukunst in einem etwaigen Doppel - Konflikt zu bedenken. Das Geschick sorgt eben dafür, daß nirgendwo die Bäume gar zu schnell in den Himmel wachsen.
Umschau.
Das Gesetz zur Sicherung des Wahlgeheimnisses.
Der alte Reichstag, beffen Scheibestunde näher und näher rückt, wird am kommenden Dienstag noch einmal zusammentreten, um neben anderen Vorlagen auch die über die Sicherung des Wahlgeheimnisses zu erledigen. Halte man bisher vielfach angenommen, daß die Verab-
Du alter Peter!" da war Lebrecht zwar stillschweigend hinausgegangen, um die Sache sich reiflich zu überlegen, aber dann hatte er der Base kurz und kräftig geschrieben: „Liebe Bai'! 's Hannchen is a gescheit's Mädele un Du bis halt die gut, brav' Christel. So dank ich für Deine Lieb' zu ihr. Aber 's Hannchen soll gehen, wie 's will un purzelt's a weng 'mal auf de Nasen, wird's schon wieder aufstehen. Grüß Gott, Bas'! Lebrecht Hölder."
Und Tags drauf war dann der große Augenblick gekommen, daß derHölder wenigstens in einem Punkt seiner Frau gegenüber Recht gab. Zum Postamt war er zitiert, und da hatte ihm der Herr Postmeister gesagt, es sei ihm in Anerkennung feiner langen unb getreuen Dienste das Ehrenzeichen verliehen. Und dann hatten sie alle gratuliert. Unb jeden, der gerade keinen Dienst hatte, hatte Holder mit in den „Hirschen" genommen, und da war's hoch hergegangen. Unb als Frau Elise, unruhig über das Fernbleiben, sich auf die Suche machte, hörte sie aus dem offenen Fenster die Stimme ihres Mannes, der anhnb: „Mr sitzen so fröhlich beisammen unb haben einanber so lieb!"
Es klang, na ja, es klang so, baß die wackere Hausfrau die Hände überm Kopfe zu- sammenschlug und ausrief: „Verrückt ist er geworben, verrückt!"
Hineinstüczte sie und kam gerade zurecht, um den überglücklichen Lebrecht zwischen ein paar Schluck Bier stammeln zu hören: „'S Singen will heut' nich' mehr so, aber zu seiner Zeit . . .! Leut', Leut', glaubt's, der Hölder
schiÄmng dieser Vorlage ohne Debatte durch eine einzige Abstimmung erfolgen würde, so ist man jetzt eines anderen belehrt. Ls wird über diese Bekanntmachung gründlich debattiert werden, es können wie bei jeder anderen Vorlage Zusatz- und AbänderungSanträge gestellt werden. Ueber das Schicksal der Vorlage kann gleichwohl ein ernsthafter Zweifel nicht bestehen. ES ist sicher, daß das „ausschlaggebende" Zentrum iu dieser Frage mit den Freifinnigen und Sozialdemokraten stimmen wird. Allerdings ist sogar die solchergestalt zustande gekommene Mehrheit deS HauseS über die Einzelheiten der Vorlage recht verschiedener Meinung. Zu wünschen ist vor allen Dingen, daß die Auslegungsfähigkeit des neuen Gesetzes auf ein Minimum beschränkt wird, da sonst die Wahl- prüfungskommisfion deS Reichstags noch sehr viel mehr Wahlproteste zu erledigen haben würde, als es bisher schon der Fall war.
Deutsch-nationaler Handlungs- Gehülfentag in Köln.
Der erste Deutsch - nationale Handlungs- gehülfentag fand eben zu Köln statt. AuS seinen Beschlußanträgen heben wir hervor: Die Kaufmannsgerichte müffen überall zwangsweise eingerichtet werden; ihre Wirksamkeit muß auf alle HandlungSgehülfen und Lehrlinge ohne Unterschied des Gehalts erstreckt werden; für Streitigkeiten aus Konkurrenzklauseln und Konventionalstrafen müffen die Kaufmannsgerichte zuständig werden; den Kaufmanns» gerichten muß die Befugnis erteilt werden, auch als Einigungsamt zu wirken. Die Schaffung einer Handelsaufsichtsbehörde wird für dringend notwendig gehalten. Mit Bedauern nimmt der Handlungsgehülfentag davon Kenntnis, daß die Reichsregierung in die Novelle zum Krankenverficherungsgesetz die Ausdehnung des Versicherungszwangs auf die Handlungsgehilfen und Lehrlinge mit weniger als 2000 Mk. Gehalt nicht ausgenommen hat. Ueber die Arbeitszeit in den Kontoren wurden weitere Erhebungen gewünscht.
Deutsches Reich
Berlin, 15. April.
— Der Kaiser machte am Dienstag einen Spaziergang im Tiergarten, hatte dann im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär von Richthofen und hörte nach der Rückkehr ins Schloß Militär- und Marinevorträge.
— Kronprinz August von Sachsen traf in Rom ein, nachdem er die jüngste Zeit in Neapel verlebt hatte.
— An den Reichstag richtet der Zentralverband zur Bekämpfung des Alkoholismus die Bitte, bei der bevorstehenden Abänderung des Krankenversicherungs- gesehes auch Trunksüchtige als Kranke zu bezeichnen und damit auch ihnen die Wohltat einer Heilbehandlung zugänglich zu machen
— Eine Eingabe um Beseitigung des Gemeindesteuerrechts der Staatsbeamten, Geistlichen und Lehrer soll nach dem Vorschlag der Gemeindekommisfion des
Lebrecht könnt' was! Da sperrt all'Welt Ras' und Mund auf. Ja, da lacht die Bagasch'! Von wem soll denn 's Hannchen ihre Stimm' haben? He? Da gibt's nix zum Lachen. Wenn ich net gewesen wär, 's Mädele hätt' nimmer fingen könnt, denn mein' Elise iS a braves Weib, aber zum Singen paßt die, wie unser dick' Hirschwirtin zum Seiltanzen!"
Jauchzendes Halloh folgte, die Krüge klappten aneinander, als ob sie bersten sollten. Aber bann mit einem Male ward es still, denn vor ihrem Eheherrn stand Frau Elise Hölder unb hinter ihr als Hilfstruppe im Corps der Rache die „dicke" Hirschwirtin. „SelbigeS sich sagen zu laffen? Da möcht' man lieber gleich als a Hexen zum Blocksberg fahren."
„Da trink', mei' Altchen!" stotterte Lebrecht Hölder mit etwas sinkendem Mute, denn Frau Elises Augen blinkten, unb die prallen Backen zeigten das heiße Rot, bas sonst bloß bei hochwichtigen Küchengeschästen zu Tage trat. Aber das bedeutete bieSmal auch bloß Oel ins Feuer gegossen, Frau Hölder, die zwei Jahrzehnte jünger war, als ihr Mann, wollte noch lange keine Alte und kein Altchen fein. Gut war sie, aber ihre empfindlichen Stellen hatte sie recht.
So wies fie denn den bargebotenen Maßkrug kurzer Hand ab unb ein bissiges „Schäm' Di, Lebrecht!" war der Bescheid. Aber damit kam fie doch an den Unrechten. Diesmal wenigstens!
Auf sprang er und schlug auf die Tischplatte, daß die Hirschwirtin einen Angstruf wegen ihres Möbelstückes ansstieß, und bann stellte er
preußischen Abgeordnetenhauses der Regierung zur Erwägung überwiesen werden, ebenso eine Petition um Abzugsfähigkeit der Hypothelenzinsen sür die dem Gewerbetreibenden gehörenden Grundstücke, in denen er seine Geschäftsräume hat. Beide Eingaben wurden von de« Regierungsvertrrtern bekämpft.
— Die Ergebnifse der diesjährigen Einkommen» steuerveranlaguna in Preußen find, laut .Boss. Ztg.", überall, soweit bisher Nachrichten vorliegen, hinter ben vorjährige« zurückgeblieben, sodaß Erhöhungen der Gemeindesteuern in vielen Städten unausbleiblich find.
— Die Lage des deutschen Arbeitsmarktes hat eine weitere Besserung erfahren. Normal ist fie aber auch jetzt noch nicht.
— Eine Reichsschlachtviehversicherung steht in Sicht. Auf die Resolution deS preußischen Abgeordnetenhauses, iu Preußen die staatliche Schlacht-» viehversicherung einzuführen, hatte der Reichskanzler Gras v. Bülow eine allgemeine Umfrage an die Bundesregierungen gerichtet, wie fie sich zu einer für das Reichsgebiet gleichmäßigen obligatorischen Schlachtviehverfichernng stellen, Nach der .Allg. Fleischerztg." nimmt der größte Teil der deutschen Bundesstaaten dazu eine ablehnende Haltung ein.
— Dem Internationalen Landwirtschaftskongreß zu Rom war seitens des deutschen Laudwirtschafts- rats, des Grafen v. Schwerin-Loewitz, ein Antrag auf Bildung einc§ handelspolitischen Kartells der europäischen Staaten mit der Spitze gegen Amerika unterbreitet worden. Dieser Antrag wurde als noch nicht genügend reif von der Tagesordnung abgesetzt, er soll erst dem nächsten, in einigen Jahren stattfindenden Kongreß vorgelegt tverden. Die Beratung dieses Antrags würde jedenfalls wertvolles zu Tage gefördert haben, und schon aus diesem Grunde ist seine Zurückstellung bedauerlich.
— Zum Schutze der Erns-Mündung wird jetzt mit einer Befestigung der Insel Borkum vorgegangen. In diesen Tagen find in Emden 18 moderne Haubitzen eingetroffen, die zur Armierung der Strandbatteri« auf Borkum verwendet werden sollen.
— In Bremen wird heute der 9. international« Kongreß gegen den Alkoholismus eröffnet, zu dem zahlreiche Teilnehmer eingetroffen sind.
Ausland
Niederlande. Da hier Ruhe herrscht, werben die Königin unb Prinz Heinrich bet Nieberlanbe morgen nach Schloß Loo zurückkehren. Die Königin hatte heute eine Besprechung mit dem KriegSminifter.
Frankreich. Ein politischer Skanbal ersten Ranges ist wieder einmal in Frankreich in Sicht. Ein Pariser Blatt behauptet, der Sohn beS Ministerpräsidenten, der Generalsekretär im Ministerium beS Innern, Ebgar CombeS, habe die Aeußerung getan, er könne den Karthäuser Mönchen für eine Million Francs bie Genehmigung der Regierung verschaffen. Diese Anklage ist um so sonderbarer, als gerade der Kabinettschef CombeS bie Seele ber gegen bie Kongregationen gerichteten Bewegung ist.
Algier. Nachdem gestern das russische Geschwader hier eingetroffen ist, sind heute auch baS italienische unb baS englische Geschwaber in ben hiesigen Hafen eingelaufen.
Marokkv. In Marokko würbe ber 'S- herige Sultan Abbul Haziz baS Spiel vollständig verloren haben, wenn sich bie während ber letzten Tage eingetroffenen Meldungen bestätigen sollten. DaS braucht aber natürlich
sich in eine großartige Positur, ber infolge beS nicht mehr recht bekömmlichen Gerstensaftes nut bie feste Grundlage fehlte. Aber vor ber Hand genügte eS. Unb auf bie mit bem Ehrenzeichen geschmückte Brustfelle beutend, krähte er hervor, eS ging nicht mehr anders, bie Freude war zu groß gewesen: „So willst mi kommen, so? Oho! Da —, estimier' mi! Willst wohl! Siehst, was Dein Schwätzen bebeut’t hat? Seine Excellenz hat an ben Lebrecht Hölder 'dacht, fönst hätt' ich baS nicht 'kriegt," unb damit strich er zärtlich über bie blitzende Ehrung, „unb baß Du'S weißt, g'rab reif' ich nu nach Berlin unb bedank' mich bei bem hohen Herrn. Gar nix hast zu sagen, Weib; Leut', laßt Eure Krüg' voll machen unb stoßt an mit ’m alten Hölder, grient net so, meinst- wegen sagt Humpel-Hölder, in dieser Stund' estimiert Ihr mich doch; Seine Excellenz ber Herr von Stephan, ber fein' Leut'n kennt und sie lieb hat, soll leben un alle Postleut' daneben ! Hoch!"
ES ward ein furchtbar Getöse, Frau Elise wußte nicht, wo ihr der Kopf stand, alle Welt kam auf sie zu, nachdem man mit dem Lebrecht angestoßen hatte. BiS die Hirschwirtin mit einem Male sagte: „Nachbarin, schau Dein'« Leorecht an, er bekommt so a weiß' Nasenspitz!" Und da wankte die lange Gestalt schon: „'s hat ihn übernommen, die Freud' unb die Ehr'," sagten sie alle. Lebrecht Hölder war ohnmächtig geworden .... r, 1X
(Fortsetzung folgt).