mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jüuftr'rrtes Sonntagsblatt.
Marburg
M 100
^sertionsg-büh^di-gch^«ZeU^^dere« R-u» 10 Pfg. SoNNllbeNd, 11. ApÜl 1903.
Ltertcft! h.licher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 ML (erd. Bestellgeld).
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage«. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, Universttäts-Buchdruckerei Ma.burg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Mittag-AiMave.
Öfter».
Sei mir gegrüßt, du gold'ner Oftertag, Der du erschienst, das Tote zu beleben! Dein Morgen weckt, was ties im Schlummer lag. Was unS entschwand, willst du uns wiedergeben. Die Sonne strahlt, die Frühlingswinde weh'» Und seine Schrecken hat der Tod verloren.
68 welkt und es zerfällt, was staubaeboren, Doch über Gräbern braust es: .Aufersteh'n!'
Dunkel war es und still. Kein Vogel sang »ehr in den entlaubten Zweigen und kein Mensch betrat das schwarze, tote Land der verödeten Muren. Wie ein schmerzliches Seufzen klang sS, wenn der Wind darüber hinfuhr. Es war aber ein kalter, schneidender Wind, und unter feinem Hauche erstarrte die schwarze Erde, daß sie hart wurde wie Stein. Früh sank die Nacht hernieder auf Dorf und Stadt, die lange Nacht, der spät der trübe Morgen folgte. Und wieder »ar der Tag kurz und dunkel, und wieder dunkel war die lange Nacht. Den Himmel be- deekten schwere Wolken und die Sterne erloschen, tote au?geblasen von dem Sturme, der über die Gefilde jagte. Der Sturm aber war angetan mit einem weißen Gewände. Das legte er über die schlummernde Erde, bevor er weiterzog. Und als er vorüber war, da wagten fich die Sterne wieder hervor, einzeln, schüchtern und immer mutiger dann, bis sie freudig leuchtend flimmerten und tröstlich verkündeten einen hellen, sonnigen Tag. — Der Tag kam auch, sonnig und schön. Doch er war kalt und keine Blüte lächelte ihm entgegen. Nein, die Strahlen der Sonne weckten die schlummernden Halme nicht zu neuem Leben. Sie erfreuten das Herz, <cher sie erwärmten es nicht.
DaS ist der Winter.
Wohl spendet er seine Freuden und Genüsse. Hallten nicht die Nächte von den Klängen der Freude? Traten fich nicht die Menschen näher, sich vereinend zu den Festen fröhlicher Geselligkeit? O, wohl erträgt der Beglückte des Winters Last, die ihm des Winters Lust versüßt.
Aber jene, die in Entbehrung und Sorge fich beugen unter ihrer Last, sie freuen sich nicht des tiefen Schnees und der spiegelnden Eisbahn, sondern sie ersehnen den Tag, der sie befreien soll von des Winters Not.
Und abermals brauste der Sturm daher. Nicht weiß war sein Gewand, sondern dunkel, wie die Wolke des Himmels. Doch fein Odem wehte lind und lau, daß der Schnee hinweg» schmolz in einer Nacht. Da brachen berstend auch die Spiegel der erstarrten Seen und Flüsie, und die befreiten Bäche stürzten mit brausendem
Eine Nacht in türkischer Gefangenschaft
(Schluß.)
Hier waren nun wieder alle vertreten, die tn Priboj und der ganzen Umgegend zu der befieren Gesellschaft gehören, sowohl Serben wie Mohamedaner und unsere Offiziere, sowie die von den benachbarten kleineren Stationen, auch der Aerotinnauderit und die Geistlichkeit aus der Nachbarschaft. Der Herr Pro'effor äußerte sich wiederholt, auch in einer schönen taugen Rede, in welcher er uns viel Inter- efsantes erzählte, daß er nun zwar Bosnien und die Herzegowina ganz durchreist habe und gut kenne, daß er aber nicht gedacht habe, daß über der Grenze derselben, im Sandschak, so ein äußerst gemütliches Zusammen eben solcher so sehr verschiedener Nationalitäten, wie Türken und Serben (die sich sonst nirgends vertragen) und der österreichisch-ungarischen Besatzung bestehe! Er hat sich auch später von der Reise und noch von Graz aus mehreremale freundschaftlichst per Karte unserer erinnert und fich wiederholt für den angenehmen Aufenthalt in Priboj bedankt.
Biel habe ich schon erzählt, aber der türkischen Frauen und Mädchen habe ich noch nicht gedacht. Einzelnes kann ich darüber aus eigener Erfahrung erzählen, aber den eingehenderen Stoff dazu kann ich nur au8 den Erzählungen meiner Tochter schöpfen, die die besser situierten Frauen, hauptsächlich auch die der türkischen Offiziere und Beamten, hier besucht hat und mit einzelnen öfter zusammengekommen ist. Auf der Straße sieht man dieselben nur gespenster- hast umherschleichen, immer nur, eine tote die
Gesang hernieder ins Tal. Meder leuchteten die Sterne in der milderen Nacht und am Tage spielten die Sonnenstrahlen kosend mit den Wellen. Der Mnd aber flüsterte leise zu den Knospen an Strauch und Baum, daß die jungen Blättchen sich reckten und dehnten in ihren Hüllen, wie die Kinder, wenn sie am Morgen erwachen nach erquickendem Schlaf. Nun aber ist eS Ostern geworden! Der Lenz ist erwacht und mit ihm die Natur, die ihn grüßt mit der stillen Freude des neuen Lebens.
Ach, es ist doch etwas ScköneS und Großes, dieses Erwachen! Wie ein Heiligtum umfängt unS der stille, sprießende Wald, und so schön und fromm dünkt unS die Welt, wenn wir die weite Flur durchwandern und wenn aus blauer Höhe dann das jubelnde Lied der ersten Lerche zu unS herniedertönt. — Es ist ja Ostern! — Auf den Feldern grünt das junge Korn fteudig der Sonne entgegen und die ganze weite Welt atmet Hoffnung und Frieden. — Ostern!
Ist eS denn nicht, als müßte in jedem Herzen dies Wort ein jubelndes Echo wecken? Wird denn nicht mit der Natur auch unsere Seele wieder erweckt zu einem neuen Leben nach tiefem Schlafe? Oder sind wir so ganz in Anspruch genommen von dem schweren Kamps um das Dasein, von der Jagd nach Gewinn, von den materiellen Interessen der Zeit, daß wir keinen Augenblick mehr übrig haben für daS, waS unsere Herzen erheben sollte über die Mühsal deS Tages und die selbstgeschaffene Not?
Auch unsere Zeit wird durchtost von den Stürmen, die an Fenstern und Türen rütteln. Sind es die Stürme des Winters, von denen wir nichts gutes zu erwarten haben? Oder sind es die F (ihltngsstürme, die eine neue, schönere Zeit verkünden wollen? Die Wirrnis ist groß, denn die Elemente messen ihre Kräfte im heißen Kampf. Noch fern scheint der Morgen zu sein, der Ostermorgen, der uns enthüllen soll, was verborgen ist, der uns durch den Glauben zum Wissen führt. Ja, durch den Glauben zum Wissen! — Das Osterfest ist ja das Fest des Glaubens, de8 triumvhieren- ben Glaubens, der Auferstehung und des Bebens. Nicht die Vernichtung ist Ziel und Zweck deS Lebens, das Ende aller Dinge. Wenn schon der Stoff nur der Umwandlung unterworfen ist, dann sollte der so viel höhere Geist vergehen und verwesen wie ein Glockenschlag in stiller Nacht? „Sein wder Nlchtftin — das ist hier die Frage," die große Frage, die an jeden herantritt und an die jeder herantreten muß, er mag wollen ober nicht. Und Aber des Rätsels Lösung ist ein dunkler Schleier gebreitet, so dunkel, wie die Winternacht. Und weil niemand ihn lüften kann, kommen die klugen Leute und sagen: „Es ist nichts darunter." Sie glauben eS selber nicht, aber sie hoffen, daß es andere
andere, zung oder alt, sodaß man dieselben gar nicht, auch nicht ihr Alter, unterscheiden kann, in langen schwarzen, bis beinahe zur Erde gehenden Tuchmänteln, die keine Form des Körpers erkennen lassen, plmnpsn. hohen, gelben Lederstiefeln und den Kops mit weißen Tüchern derart umkleidet, daß sie eben nur mit Mühe herausblicken können. Es läßt sich nie eine, selbst nicht die ärmste ober älteste, aus der Straße unverschleiert blicken, nur allerdings mit Ausnahme der türkischen Zigeunerinnen, die auch mohamedanischen Glaubens, aber doch mit unbedecktem Antlitz gehen. Dennoch hatte ich die Gelegenheit, öfter einmal Türkinnen überraschend von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Schreitet man schnellen Schrittes hinter ihnen her, so bleiben sie am Rande des Weges stehen, den Rücken nach dem Vorübergehenden gewendet und lassen passieren, doch find sie dann so unvorsichtig, so neugierig zu fein, den Schleier zu lüften, um dem Vorübergehenden nachzublicken; diesen Moment muß man benutzen, um selbst zurückzublicken. Viel Schönes habe ich zwar auf diese Weise nicht gesehen, doch in Bosnien, wo fich das weibliche Element schon etwas freier bewegen kann, hatte ich Gelegenheit, die als die allbekannt schönsten Mädchen von Visegrad geltenden, die unsere Nachbarinnen waren, öfter in ihrem elterlichen Garten zu beobachten, eine derselben selbst, wie sie fich mit ihrem Liebhaber, über einige Gartenzäune hinaus telegraphierend, unterhielt. Sie war dann immer in ihrem größten türkischen Staat und Cigaretten rauchend. Einmal muß sie aber den Lauscher bemerkt haben oder man hatte ihr von anderer Seite ein Zeichen gegeben, sie wendete sich nach mir hin, warf mir einen grimmigen Blick zu und verschwand.
glauben werden, die bann stolz darauf sind, daß sie nicht glauben. Wie viele brüsten sich mit ihrem Unglauben, als wenn es eine Großtat wäre ober eine befonbere Kunst. — Und sie wissen nicht, daß eS gar keinen Unglauben giebt, sondern nur den rechten oder den falschen Glauben. — „Was find uns Moses und die Propheten und einen Gott brauchen wir nicht!" — Aber sie haben nur einen andern Moses, andere Propheten und einen andern Gott. — Wer kennt nicht daS häßliche Wort von dem „Autoritäten-Schwindel", und doch sieht man die Massen, die eS anwenden, ihren Autoritäten blindlings folgen. — Auf den Geistern lag lange die kalte, finstere Winternacht. Wohl ging die Sonne der Wissenschaft strahlend auf und ihr weißes Licht beleuchtete die Art der Tinge. Es leuchtet hinein in das Gehirn und unter ihrem Strahl wächst und blüht der Baum der Erkenntnis. Wohin dies Licht aber nicht bringt, ba$ finb die verschleierten Rätsel vom Anfang und Ende — vom Leben und Sterben. Sie erhellt ben Verstand, aber sie erwärmt nicht bas Herz, weil sie fich nicht an das Gemüt wendet und wenden kann. Und da das Herz in feiner Zweifel Not keine beftiedigende Antwort von ihr auf feine bangen Fragen erhält, so blickt das Auge hilfesuchend umher, bis eS, vielleicht von Wolken verhüllt, den Stern erspäht, der ihm ben Trost giebt, der nirgend sonst zu. finden war: den Trost deS Glaubens, der unS erhebt über die Zweifel deS grübelnden Verstandes, heraus aus der Oede einer toten, winterlichen Flur. Denn „der Glaube ist die gewisse Zuversicht deß, daS man hofft und nicht zweifelt an dem, daS man nicht sieht."
Wenn es nun aber keinen Unglauben, sondern nur rechten und falschen Glauben giebt — welches ist bann der rechte? Das ist her Glaube, btt Wahrheit am nächsten kommt.
Und was ist Wahrheit?
Nun, das ist das, was dich innerlich still und zufrieden macht, was dir die Kraft giebt, trotz beS Dunkels und der Länge dos WinterS geduldig und ergeben des Frühlings zu harren, das Leid zu ertragen und selbst dem Ende freudig entgegen zu sehen. DaS ist die Gewißheit des hoffenden Glaubens, den man deshalb nicht gering achten soll. Denn er ist eine Macht, die Berge versetzt, die „nie das Böse will und stets das Gute schafft". Eine solche Macht kann nur dem Guten entstammen. Und da das Gute auch daS Wahre fein muß, so kann dieser Glaube auch der Wahrheit nicht fernstehen.
So ist denn Ostern das Fest deS überwindenden, siegenden Glaubens, der tröstlichsten Hoffnnnz.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben!" Dies Osterwort klingt wie eine Siegessan sare hinaus in die eelt, wie einst die Bot-
Diese und ihre ziemlich gleichalterige Schwester waren wirkliche Schönheiten. Die kleineren Geschwister, mit welchen meine Enkel täglich auf her Straße spielten, versprachen einmal ebenso schöue erwachsene Mädchen zu werden. Zu Hause find die Mädchen und Frauen in weiten Pumphosen von rot m oder bunt ge- blüntem oder mit türkischen Mustern versehenem Kattun, in kleinen niedlichen Schühchen, sehr kleidsamen, mit Gold bestickten, meistens einfarbig buntseidenen Westcheu, worunter ein Blousenhemd von feinem weißen bosnischen oder türkischen Stoff, der Kops ist wie bei den Männern durch einen Fez bedeckt
Gemeinsam haben die türkischen Frauen alle eins und das ist die „Zimmerfarbe", bleiche, welke Gesichter, selbst bei noch jungen Frauen. Die türkischen Frauen, zumal die der ärmeren Bevölkerung, stehen im allgemeinen noch auf tiefem geistigen Standpunkt. Sie kommen aus ihrer engen Sphäre nicht heraus, wissen nicht und ahnen gewissermaßen nur, daß es außerhalb ihrer vier Wände noch eine Welt gibt. Darum finb sie auch außerorbentlich neugierig unb sehen gern den Besuch von europäischen Frauen und fragten dieselben bis auf§ äußerste über alles aus. Meine Tochter geht immer in Begleitung einer jungen Serbin, die auch deutsch und türkisch spricht und die ihr somit als Dolmetscherin dient unb konnte nicht genug auf alle Fragen antworten. Es wurde ihr ein türkischer Schemel als Sitz hergeholt, oder sie nahm auf einem türkischen Divan Platz, während die Türkinnen auf ihren Teppichen, auf einer fußhohen Erhöhung deS Fußbodens, nach türkischer Weise hockten, anhaltend Cigaretten rauchend, die die Kinder ihnen drehten, schwarzen Kaffee trinkend und
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schäft der Engel zur Weihnachtszeit. Gegenüber diesem verheißungsvollen Anfänge: „Siehe, ich verkündige euch große, die allem Volk widerfahren soll," folgte als letztes — und doch nicht als letztes — daS Wort der Erlösung: „Es ist vollbracht", — dar Opfer des Sterbens; vollbracht ist aber erst am Tage der Auferstehung der Sieg des Lebens über ben Tod und seine Schrecken. Darum wollen wir unS freuen des wiederkehrenben Lebens.
Und wir werden eS können, wenn wir wieder lernen, den Blick mehr nach oben als nach unten zu richten, unS frei zu machen von den Beschwerden der Erde, ihre Güter nach ihrem Werte zu taxieren unb ben Geist über die Materie zu stellen. Heule ist ia Ostern! Der frische Odem dieses Tages weht unS an mit behebender, heiligender Kraft, liebet grünenden Gräbern trillert die Lerche ihr jubelndes Lieb und die Glocken läuten: „Auferstehen!"
Seiliges Oftennorgenrot, cheuche du die Schatten, Die unS in des Winters Not Ganz umsponnen hatten! tiab* uns Lenzesblüten schau'n. Mach', bas Herz uns offen: Sieb unS wieder bas Vertrau'» Unb ein eläubia Hoffen i —
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Umschau.
Zu den Wahlen empfehlen wir die bekannte instruktive Schrift: „Die Ungilttgkeit von Reichstagsmandaten unb beren Verhütung". Ein Ratgeber bei bei Abhaltung von Wahlversammsimaen unb • für ben Reichstag.
Das Büchlein bringt eine uverfichruu-, fammenstellung unb Erläuterung der Vorschriften über die Vorbereitung der Wahlen, einen Auszug aus dem Wahlgesetz vom 31. Mai 1869 und dem Wahlreglement vom 28. Mai 1870 mit Kommentar und alles Wiffenswette in Bezug auf Wahlproteste. Die Verbreitung dieser Schrift ist sehr wichtig, unsere Parteimitglieder sollten sie fich angelegen fein lassen, um die Kenntnis auch der Auffassung deS Reichstags bei Wahlprüfungen in möglichst weiteste Kreise zu bringen. Den sogenannten Wahlbeeinfluflungen und der bisherigen Stellungnahme des Reichstags hierzu ist in der Broschüre ein breiter Raum gewidmet. Das Schristchen (40 Seiten stark) kann zum Preise von j« 0,25 Pfg. — in größerer Anzahl i 0,15 Pfg. — vom Bureau des Hauptvereins der Deutschen Konservativen, Berlin W. 9, Köthenerstr. 3, unter Einsendung des Betrages ober gegen Nachnahme bezogen werben.
Süßigkeiten dazu naschend. Daß meine Tochter nicht rauchen wollte, entschuldigten fie schließlich, nachdem ihnen versichert worden war, daß dies in Europa nicht Sitte sei, darum nicht gut bekommen würde, dem Kaffee unb ben Süßigkeiten mußte sie aber zusprechen, sonst würde sie dir Türkinnen sehr beleidigt haben! Auch die Türken bieten ihrem Gast immer gleich Cigaretten und schwarzen Kaffee an und darf man dies nicht ausschlagen, der Türke würde dies sehr übel nehmen. — Wie nach dem Orient hin überhaupt, so z. B. auch in Ungarn, spielt die Schminke bei ben türkischen Frauen eine große Rolle. Meine Tochter würbe mehreremale von denselben gebeten, ihnen von der Schminke zu besorgen, die sie benutze und dieselben waren verwundert, zu hören, daß ihre schönen roten Backen nur durch die herrliche frische Luft, die aus dem Balkon weht, so frisch erhalten würden. — Ich entschuldige die türkischen Frauen, deren Wangen etwas der Nachhülfe in dieser Beziehung bedürfen unb die nichts viel Besseres zu tun haben, als fich für ihre Männer zu schmücken unb zu schminken, aber wie z. B. ein großer Teil bet gebildeten Ungarinnen und die übrige besser situierte Frauenwelt des Orients dazu kommt, zu glauben, geschminkt seien sie schöner, das begreife ich nicht! Man schminkt daselbst nicht nur mit rot und weiß, sondern oft mit allen Regenbogenfarben und zwar vielfach so dick aufgetragen, daß man eS schon von der Ferne auS bemerkt, men bars ihnen nicht zu nahe kommen, ohne sich zu bestäuben. Ich saß schon einmal neben einet Dame unb konnte nicht umhin, soweit eS dsS weitausgeschnittene Kleid betfelben erlaubte, biefelbe in ihrer geschminkten Farbenpracht zu bewundern, so daß ich beinahe natürlich rot