mit dem .Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt
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Marburg
Donnerstag, 9. April 1903.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage».
Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. \
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitats - Buchdruckers '>
Marburg, Markt 2L — Telephon 55. "
38. Jahrg.'
Erstes Blatt.
Die südafrikanische Zollunion.
Als mnnittelbaren Erfolg der Reife Chamberlains «ach Südafrika meldet der Draht aus Kapstadt bett Zusammenschluß der südafrikanischen Kolonien Englands: Kapland, Natal, LranSvaal, Oranjekolonie und Süd-Rhodesia zu einer Zollunion, durch die dem britischen Mutterlande Borzugszölle eingeräumt werden. „@8 ist sehr bedeutsam", schreibt die manchester- liberale „Weser-Ztg." dazu, „daß damit eine dritte Gruppe englischer Kolonien dem Gedanken der Gleichberechtigung des Auslandes untreu Wird und dem Mutterlands Vorzugszölle eiu- rüumen will, ohne Gegenleistung zu verlangen. Wiederholt haben wir unser Befremden darüber ausgesprochen, daß deutsche Schutzzöllner über die Entwickelung der Wirtschaftspolitik in dieser Richtung entzückt sind. Lediglich in dem theoretischen Interesse an einem Umsichgreifen der Schutzzollpolitik begrüßen sie einen Gang der Dinge, der der deutschen Ausfuhr nachteilig fein muß, nachteilig nicht nur vom freihändlerischen, sondern auch vom schutzzöllnerischen Standpunkt aus. Denn eine Schädigung der deutschen Ausfuhr sehen wir doch alle als eine Schädigung Deutschlands an." — Sehr richtig. ES ist den Schutzzöllnern auch niemals eingefallen über eine derartige Entwickelung in Entzücken zu geraten. Die Schutzzöllner haben immer nur darauf hingewiesen, daß die weltwirtschaftliche Entwickelung ihnen und nicht den Freihändlern recht gebe. England konnte sich den Luxus des Freihandels gestatten, solange eS die dominierende Stellung als konkurrenzloser Jndustriestaar in der Welt einnahm. Jetzt, wo fast alle Kultur- ftaaten erfolgreich bemüht find, ihre eigene Industrie im Lande zu entwickeln, wodurch sie nicht nur als industrielle Absatzgebiete verloren gehen, sondern auch als Konkurrenten auf ftttnben Märkten aufzutreten beginnen, sieht auch England, diese bisherige Hochburg deS Freihandels, sich genötigt, wenn auch vorerst nur schrittweise, mit der Einführung eines Zollschutzes vorzugehen. Der erste Schritt dazu geschah bekanntlich schon 1897 als Kanada mit Zustimmung' des Mutterlandes den Waren britischer Provenienz in den kanadischen Häfen Vorzugszölle von durchschrittlich 30 pCt. ein» räumte. Dann folgte die Einführung von Zöllen auf Kohle, Zucker — (wovon namentlich die deutsche Zuckerindustrie schwer betroffen wurde) —, Mehl und Getreide unter dem Vorwande, damit einen Teil der südafrikanischen Kriegskosten zu decken. Jetzt ist die britisch- südafrikanische Zollunion geschloffen worden, die ihre Spitze auch direkt gegen Deutschland richtet.
31 lNachdruck verboten!
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
Il"1-........' Fortsetzung.«
Man sah sich an, aber man lachte nicht mehr: Alle Wetter, wo hatte diese Kleinstädterin mit einem Male die Sicherheit und Gewandtheit des Auftretens herbekommen? Und als nun gar der angesehenste Professor der Schule hinzukam mit der humoristischen Bitte, ihn doch auch an dem berühmten Klöße» Effen teilnehmen zu lassen, als er nun gar kräftig speiste und herzlich lobte, da war de« Jubels kein Ende. Und gar ein Hoch wurde auf Hannchen Hölder ausgebracht, daß die stille Base, die mit so vielen Menschen lieber nichts zu tun haben wollte, ganz erschrocken herbeigelaufen kam.
Seit diesem frohen Tage hatte Hannchen ihre feste Position; der Respekt war da, er war nicht mehr zu beeinträchtigen. Ihre Stimme war Gold wert, aber bald meinten Verehrer unter den jungen Kameraden, Hannchen Hölder selbst sei noch viel mehr wett, sie sei der reine Edelstein. »Mit Klöße - Garnierung", ant- wottete sie spottend. Die Anbeter hatten kein Glück bei ihr; sie ist ein Edelstein, schworen jene, aber sie ist auch kalt und hatt, wie ein Edelstein. Sie lachte darüber. Einzelne waren Wohl zu allettei Sticheleien geneigt, aber das ungezwungene, jeden fesselnde Wesen deS jungen Mädchens entwaffnete. Und auch die Freundschaft mit den Geschlechtsgenossinnen blieb ungetrübt; fie, vermied es auf das Sorgfältigste, nch irgendwie in den Vordergrund zu drängen, das eiaeue Können genügte. Selten sang sie
Deutschland ist an der Ausfuhr nach Südasttka wesentlich interessiert. Unsere Ausfuhr betrug in Mllionen Mark nach
Britisch. Südafttka
Transvaal und Oranje-Freistaat
Zusammen
1896
15,5
13,9
26,6
1897
13,5
12,3
25,8
1898
14,6
9,3
23,9
1899
11,3
11,8
28,1
1900
12F
—
12,5
1901
20,0
—
26,0
Die Einfuhr aus Südafttka betrug 1896 21,1, 1897 17,4, 1898 19.8 und 1899 30 Mill. Mark und zwar in der Hauptsache Schafwolle für 19,8—16,1—17,9—27,8 Millionen Mark. .Schaftvolle" schreibt die „Weser-Ztg.", .ist also der entscheidende Faktor, derjenige, um den sich eine Abwehraktion Deutschlands drehen würde. Die Einfuhr aus Kanada und Barbados nach Deutschland ist, da wir unS eine ungünstigere Behandlung al« England nicht gefallen lassen wollten, mit Kampfzöllen belegt. Diese machen sich wenig fühlbar, weil die Einfuhr dorther sehr unbedeutend ist. Kampfzölle auf Kapwolle würden viel einschneidender sei», sowohl für Südafttka al» auch für uns selbst Wir versagen e» uns, schon jetzt in solche Eventualitäten tiefet einzu- dttngen. Noch dürfen wir hoffen, daß sie beide« beteiligten Parteien erspart bleiben."
Man höre! Die .Weser-Ztg.", die sich immer mit solcher Erbitterung gegen diejenigen gewandt hat, die gegenüber der amerikanischen Differenzierung unserer Waren Represfivmaß- nahmen von unserer Seite verlangt hatten, ruft plötzlich selbst nach einet .Abwehraktion Deutschlands" gegenüber dem btttisch-südafttkani- schen Zollverein, anstatt durch „Vorstellungen und Nachgeben" von unserer ©eite irgend welche Zugeständnisse zu erlangen! Eine derartige Mauserung des waschechtesten Manchesterblattes erscheint uns äußerst bedeutungsvoll. ES wäre ja auch allerdings eine mehr als unbegreifliche Kurzfichtigkttt, wenn auch der ver- bohtteste Freihändler angesichts der Tatsachen, die die Freihandelstheorie ad absurdum führen, nicht allmählich zu der Einsicht käme, daß wir den Schwerpunkt unseres wirtschaftlichen Lebens nicht auf bett Export, auf ben jederzeit verschließbaren AuSlanbsmarkt, sonbern auf ben sicheren von uns regulierbaren JnlanbSmarkt verlegen müssen.
Umschau.
Militarismus unb Wahlagitation.
In bem Wahlprogramm der Sozialdemokraten und eines Teiles der Freisinnigen steht an erster Stelle die Behauptung, der deutsche RttchSbürger müsse dem Militarismus unb MariniSmuS unerschwingliche Opfer bringen; trotz bet btückenben Steuerlast bliebe aber für bie Kulturaufgaben nichts übrig. Gegen biefe
vor einer größeren Corona, außer wenn es auf Anwttsung eine« Lehrers geschah. So war auch ihr Name streng, ihrem Wunsch gemäß, geheim gehalten, al» sie in einem lustigen Liederspiel am Hostheater eine erkrankte Sängerin vertrat. Ettchttnung, Stimme unb Spiel hatten in gleicher Weise hingerissen, eine Zeitung schtteb von einem neuen Stern am Theaterhimmel. Unb ba ihr Name durch Bekannte am Ende doch genannt war, hatte sie eine« Tages sogar einen Zeitungs-Kritiker im Heim bei der Base erscheinen sehen, ber Näheres über ihre ZukuuftS- pläne zu wiffen wünschte unb ben nahen Besuch eines Theater-Agenten in Aussicht stellte.
Die Base fiel beinahe in Ohnmacht, als sie mit eigenen Ohren bie Zumutung vernahm,. Hannchen sollte nun ganz unb gar eine „Theater- pttnzesfin", wie fie eS nannte, werben. Eie hielt große Stücke auf ihren jugenblichen Schützling, ober Hannchen für immer zum Theater? Nttn, ganz gewiß nicht, bazu war bie Familie Hölder denn doch zu reputierlich.
Das junge Mädchen lächelte über das Angstgesicht der Base, fie war längst keine „Landpomeranze" mehr, wie sie sich ausdrückte, richtiger, sie war eS wohl nie gewesen, und wußte ganz genau, was sie zu sagen hatte.
„Uebet mich wollen's was in die Zeitung schrttben?"
„Ja, man interessiert sich allgemein für Sie!" „Schön, dank recht für bie freundliche Gesinnung. Was wollen's denn schreiben?"
„Ja, das sollen Sie doch eben sagen, Fräulein Hannchen."
„Ich heiß' Hölder, daß es der Herr weiß! Also schreiben'- nur, Johanna Hölder könnt' net wieder auf bem Theater singen."
durch nichts begründete Behauptung wendet sich die sreikonservative „Post" in einem sehr entschiedenen Attikel, dem wir das folgende entnehmen: So sorgsam bei uns auch bie Wehrkraft zu Lande und zu Waffer gepflegt wird, so ist doch trotz der zentralen Lage Deutschlands und der daraus folgenden Notwendigkeit stärkerer Rüstung der Aufwand für diese Zwecke bei unS geringer, al« in den anderen westeuropäischen Großstaaten. In runder Summe, einschließlich der Mllitärpenstonen usw. erforderte nach bem Etat von 1902 bie Heeresverwaltung 780 Millionen Mk., bie Verwaltung bet Flotte rund 224 Mllionen Mk. Das macht im ganze« 1004 Millionen Mk. ober bei einer Betwlkerung von 571/, Mllionen 17,6 Mk. auf ben Kopf, wobei zu beachten ist, baß bie Ausgaben des JnvalidenfondL mit 47 Millionen die Bevölkerung nicht belasten und daß auch die Ausgaben deS außerordentlichen Etats mit rund 80 Mill. Mark, weil fie aus Anleihen bestritten werden, nicht eine entsprechende Belastung der Steuerzahler darstellen. Zieht man beide Posten ab, so gelangt man für da« deutsche Reich zu einer Belastung von rund IS1/» Mk. auf den Kchrf für Heeres- und Flottenzwecke. — In Frank- rttch betrug in demselben Jahre 1902 der Gesamtaufwand für Heer und Flotte 928 Mll. Mark, d. h. bei einer Bevölkerung von 39 Millionen 23,8 Mllionen Mk. auf ben Kopf. — In England betrug ber Gesamtaufwand für Heer und Flotte in bet gleichen Zeit 2470 Mllionen Mk., also bei einer Bevölkerung von 41,6 Mllionen nahezu 60 Mk. auf ben Kopf ober fast annähernd das Vierfache ber Belastung bes deutschen Steuerzahler« für Heeres- und Flottenzwecke. Zu bemerken ist allerdings, daß in den England betreffenden Ansätzen die Ktteg»- kosten de« Jahres für Südafrika enthalten find. Aber nach dem Voranschlag für 1903 erfordert der englische Gesamtbedarf für Heer und Flotte glttch wohl 140 Millionen Mk., so daß auf den Kopf der Bevölkerung 34 Mark entfallen.
Der Streik in Holland.
ES wird weiter gestreikt, und wenn e« auch den Anschein hat, als ob die Streiket sich von Exzessen fern hielten, so kann doch jeder Tag bem Bilde ein ander Gesicht geben. Unterdessen bemüh* man sich in der Kammer durch Annahme des Antistreikgesetzes der Regierung eine wirksame Waffe gegen die allzulange Dauer und dem allzugroßen Umfang des Streikes in die Hand zu drücken. Denn gutwillig werden die Streiter nicht nachgeben, da fie bereits zahlreiche Agenten ins Ausland geschickt haben, um Gelder zu sammeln. In der 2. Kammer erläuterte gestern der Justizministet den Zweck ber bie AuSstänbe betreffenden Vorlage. Die Ausstände beruhten auf einem Zustande ber Gesetzlosigkeit. Es sei Pflicht deS Gesetzgebers, bie persönliche Freiheit --- ! ' " .....TU
„Aber warum denn nicht?"
„Weil nächste Wach' in Sonnenselb 's Schweineschlachten beginnt, unb Vater und Mutter haben geschtteben, ich sollt' kommen, beim Wursten zu helfen unb was sonst dabei zu tun ist. Und da fahr' ich gewiß hin!"
„Aber, Fräulttn Hölder, eine Künstlerin, wie Sie!"
„Haben's schon 'mal so a recht feine selbstgemachte Sonnen selber Wurst gegessen, Herr Doktor?"
„Nem, Fräulttn Hölber!"
„Also, bann essen 'S einmal erst bie, unb bann reben 'S unb bann schreiben 'S. Unb net wahr, nix für ungut, Sie lassen mich au» Ihrer Zeitung fort. Mir liegt gar nix btan unb wenn's mein Mutterle lesen sollt ..."
„Na unb?"
„Dann mär’« mit ’m ganzen Singenlerne« vorbei."
„Aber..."
„Aber 'S Hannchen hat Recht, gar sehr Recht," rief bie Base dazwischen, „soll kein' Komödiantin werden."
Hannchen lächelte und reichte dem Besucher freundlich die Hand. „Da sehen Sie'S! Also, bitte, nicht wahr, Sie schweigen mich ganz tot So ein Briesträgermädele, wie ich, bleibt am besten von bem Theat r fort."
Das war ihr letztes Wort gewesen: fie hatte gelacht, als ber Herr von ber Zeitung geantwortet : „Sie kommen doch zum Theater, denn Sie haben Theoterblut in den Adern. Denken Sie an mich!"
Unb zur Base hatte sie gemeint, als sie wieder allein waren: „Wenn bie Leut' mich doch bei ihren Prophezeiungen aus dem Spiel
zu gewährleisten. Die Rechte unb bie ge mäßigte Linke sehen von einer Besprechung der Vottage ab, während bie Sozialisten lebhaft widersprechen. RamenS der Demokraten erklärt Drucker, ber jetzige Ausstand sei durchaus un» gerechtfettigt unb trage ben Charakter des politischen Anarchismus. Die GeneraldiSkusfion wird hierauf geschloffen. Morgen findet die Einzelberatung statt.
Aus Amsterbam wirb von gestern gemeldet, daß von allen Arbettsrnber holländischen Eisenbahn 20 Prozent streiken. Die größere Hälft« ifer Maschinisten tut wieder Dienst. Arbeiter, bie heute früh nicht zur Arbeit kamen, werde« entlassen. Um dennoch den Verkehr geregelt burchzuftchren, werden Lokomotivführerkanditutten zu Lokomotivführern befördert. Man befürchtet, daß es durch bie brotlos Gewordenen z« Unruhen kommt. In den Brotfabriken streiken die Bäcker; bei bett kleineren Betrieben geht bie Arbeit fort. Außer ben Eisenbahnern ftnb morgen etwa 1000t Transportarbeiter, 800 Bäcker, 8 bis 4000 Metallarbeiter ohne Arbeit. Die Presse vernttttlt ttnstimmig ben Streik. Das „HandelSblad" nennt ihn ärger als eine Missetat, nämlich eine Dummheit. Auch heute abend begnügt sich bas sozialdemokratische „Het Bolk" lediglich den Streit und dessen Ausbreitung zu konstatieren. Ans der Staatseisenbahn wird ebenfalls der Bettteb immer mehr geregelt. Alle internationalen Züge fuhren regelmäßig.
Da» Ende eine» Antisemiten.
Der nationalsoziale Schriftsteller und Agitator ErbmannSdörffer, ber in Wilhelmshaven ein nationalfoziale» Blättchen rebigiett, soll, wie baS „Berl. Tagebl." wiffen will, für den Wahlkreis Auttch - Wilhelmshaven al» Kandidat ausgestellt fein „ von Vertrauensmännern aller freisinnigen Richtungen". — Daß die Freisinnige Volkspartei bei dieser Aufstellung beteiligt ist, davon ist unS nicht das mindeste bekannt, bemerkt dazu die „Freis. Zeitung" Eugen Richters. Danach wäre ErdmannSdörffer allein von bet Freis. Vereinigung unb ben sonstigen Blutsbrüdern vom £ anbei 8 6 er trag Stier» ein aufgestellt worben. DieS bedeutet einen weiteren Schritt in ber politischen Wandlung diese« nationalsozialen Führers. Al» Verfaffer der Broschüre: „Cholera und Juden" anläßlich der Hamburger Choleraepidemie al» ein Vorkämpfer de» Antisemitismus und al« Judenhaffer bekannt, ist er jetzt als Kandidat der Liberalen vom Bekenntnis des Handelsvertrag»- verein« auf genaubem entgegengesetzte« Stanbpunkt angelangt. Dies ist ein äußerst interessanter Mauserungsprozeß! . .
lassen wollten. Der Hermann Grau war der Erste, und wa» ist seitdem nicht alle» schon gesagt? Ich tonnt* dem ja gar nicht nachkommen." „SelbigeS denk' ich," meinte die Christel-
Base ernsthaft. „Darum mttn' ich, da» beste ist . . ."
.Ich geh wieder nach Sonnenseld und heirat ba einen braven Mann, mach' ihm sttne Klöß' unb brat ihm sttn'n Braten unb koch ihm sttne Suppen. Ja, ba« weiß ich alle»," lachte Hannchen herzlich.
„Na, ist ba» etwa eine Schaub? Ist's nicht besser, al» bie „brotlosen Künst'" vom Theater?" lautete bie herbe Gegenfrage der bejahrten Frau.
Da» Mädchen neigte neckisch den blonden Kopf. „Aber die Stimme ist auch ttne Gottes
gabe!"
.Mag'» auch bleiben. Sing' zu Hau» für Deinen Mann und Seine Kinder!"
„Oh, Bas', Du rechnest a wen'g gar zu fix!" lachte Hannchen lustig.
„Nimm amal Vernunft an, Mädele unb denk. Dein Mutterle säß hier. Hast Dich ast die Zeit hier brav und wacker gehalten, wist davon nix sagen. Unb all' haben Dich gern!*
„Na siehst!"
„Ja, Kind, dabei kann'S aber net bleiben. Wen zuerst all' gern haben, ohne daß'» Mädel« ttnen gern hat, die sitzt hinterher al» alt’ grau gfingferie hinterm Ofen. So, al» wie ich!"
„Bas’ Christel Du? Geh, red' net solche Sachen, bist zu mir doch grab so gut, toi« mein Mutterle!"
„Unb hab' Dich auch so lieb, mei' Möbelet Aber, wa» haft wahr ist, selbige» muß auch
wahr bleiben I*
(Fortsetzung folgt.)