teetm der Verkehr in ganz Holland längere Zeit hindurch lahm liegen sollte, läßt sich noch garnicht abseben, feststeht nur soviel, daß eine derartige Katastrophe ihre Wirkungen nicht aus Holland beschränken, sondern auch alle diejenigen Länder betreffen würde, die mit den Niederlanden in Handelsverbindungen u. s. w. stehen. Für unS Deutsche vielleicht im günstigen Sinne, denn es wäre denkbar, daß der rheinische Verkehr sich nach den deutschen Nordseehäsen ablenkte, anstatt über Rotterdam und Amsterdam zu gehen. DaS wäre für unS ein kostbarer Gewinn auS dem Streike.
Deutsches »eich
Berlin 7. »peil.
— Die Kaiferjacht .Hohenzollern' mit dem Kaiser an Bord ist gestern nachmittag gegen 4 Uhr, gefolgt vom Leinen Kreuzer .Nymphe' und dem Depeschen- boot .Eleipner', in Kiel eingetroffen. Beim Passiere« der Schiffe be8 1. Geschwaders paradierten die Mannschaften dieser Schiffe und brachten Hurras aus. — Der Kaiser, welcher gestern abend bei dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich das Diner eingenommen hat, gedenkt bis morgen mittag an Bord der „Hohen- zollern' in Kiel zu verbleiben
— Das erste heimische Geschwader unter dem Befehl des Prinzen Heinrich von Preußen ist von seiner kurze« Ostsee » Uebungsfahrt nach Kiel Mrülkgekehrt.
— Die Mitglieder deS deutschen SchulschiffS» vereias waren dieser Tage in Hamburg versammelt. Die Seldverhältniffe des Vereins find nach dem Geschäftsbericht durchaus befriedigend.
— Mtt dem am 2. Mai von Bremerhaven ab- ««henden Ablösungsdampfer .Main' für unser Kreuzergeschwader in Ostafien können Privatpackete für die Marineangehörigrn befördert werden, wenn sie vom 22 bis 28. April bei der Speditionsfirma Rhode und Törgens in Bremen angeliesert find.
— Feldgeschütze, die zum Rohrrücklauf umgeändert und mit Schutzschilden versehen find, soll — Wie eS heißt — demnächst eine Abteilung der Gardefeldartillerie in Berlin versuchsweise erhalten.
— Gegen die leider immer noch vorkommenden Soldatenmißhandlungen wendet fich der kommandierende General des 6. sschlesischen) Armeekorps Erbprinz Bernhard von Meiningen, bekanntlich ein Schwager des Kaisers, in einem Erlaß.
Eine statistische Nachweisung des im Ertrag stehenden Reblandes und eine Schätzung der Weinmost, ernte des Reichs im Jahre 1902 wird amtlicherseits veröffentlicht. Die gesamten im Ertrag stehenden 119 922 Hektar deutschen Reblandes haben danach einen Mostertrag von 2475 699 Hektolitern nnd einen Erlös von 80243129 Mark gebracht.
— Der Bau der deutschen Schantungbahn im Hinterlande von Kiautschau macht gute Fortschritte. Die Bahn dürfte schon in nächster Zeit die 284 Kilometer von Tsingtau entfernt liegende Stadt Tschangtim erreichen, jenen Punkt, von dem eine Zweigbahn in das reiche Steinkohlengebiet Poschan führen wird.
— Pariser Blätter hatten behauptet, Deutschland habe dem Sultan seine Intervention in der mace- donischen Frage angeboten. Die.Post' giebt fich die Mühe, diesen selbstverständlichen Unfinn ausdrücklich und offiziell für solchen zu erklären.
— Der Pfälzische Winzerbund richtete an den Bundesrat eine Eingabe, worin er um Einführung einer gleichmäßigen Handhabung des Weingesetzes im ganzen Reiche, innerhalb wie außerhalb der Weinbau- gebiete bittet. Bei Abschluß der Handelsverträge möge der Zoll auf frische Trauben entsprechend erhöht und ein Verbot des Verschnitts von inländischem mit ausländischem Rotwein verfügt werden.
— In das Herrenhaus berufen ist Herzog Engelbert zu Areuderg. Diese Stimme hat seit 28 Jahren Kyt Damals (28. März 1875) starb der Vater des
en Herzogs, gleichfalls Engelbert mit Vornamen. Der Sohn, der erst am 10. August 1872 geboren war, hat nunmehr das zum Eintritt in das Herrenhaus erforderliche Alter erreicht und um Einladung zur Einnahme von Sitz und Stimme im Herrenhause er» sucht. Die Berechtigung ist erblich.
— Wie der .Berliner Morgenpost' auf das Be- ftimmtene mitgeteilt wird, stehen die Verhandlungen zur Neugründung deS Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikates, die hinter den Kulissen schon seit Langem gepflogen wurden, ganz nahe vor dem Abschluß. Die Nachricht klingt zunächst deshalb nicht ganz wahrscheinlich, weil die Syndikats - Verträge ;a noch bis Ende des Jahres 1934 laufen. Jedoch soll beabfichtigt fein, das Syndikat schon am L Juli aufzulösen und vom selben Tage ab auf vollständig neuer Organisation mit zehnjähriger Giltigkeit ein neues Syndikat au errichten. Die durchreisende Organisations» Aenderung ist dadurch notwendig geworden, daß e8 «unmehr tatsächlich gelungen sein soll, die sämtlichen größeren außenstehenden Zechen tn das Syndikat zu bringen.
— Eine Konferenz über die zur Bekämpfung der Wurmkrankheit im Oberbergamtsbezirk Dortmund zu treffenden Maßnahmen fand soeben in Berlin
Passtonsmusik.
(Von «. Fr. Händel.)
Ein Großer im Reiche der Töne wird am Nachmittage des Karfreitag in der luth. Pfarrkirche vom Leiden und Sterben des Heilande« predigen. Händels Passionsmusik nach Brockes, ein fast gänzlich unbekannt gebliebenes Werk deS großen Meisters, wird vom luth. Kirchenchor aufgeführt werden. Damit tritt ein Werk an die Oeffentlichkeit, welches mehr wert ist, als in den Bibliotheken zu verstauben oder höchstens dem einsamen Mufikforscher Freude «nd Erbauung zu bereiten, welches aber bisher die verdiente Beachtung in der musikalischen Welt nicht gefunden hat.
Und doch stammt dies Werk aus einer Zeit, (1716) in welcher der noch jugendliche Meister fein herrliches „Utrechter Tedeum' und „Jubilate' (100. Psalm) längst vollendet und damit unvergängliche Meisterwerke echt kirchlicher Kunst der Welt geschenkt hatte. Der größte Meister der Kirchenmusik, Joh. Seb. Bach, hat es der eigenhändigen Abschrift und jedenfalls der Aufführung gewürdigt, und das Urteil des höchst verdienstvollen Händel-Biographen und Herausgebers, des vor kurzem verstorbenen Prof. Dr. Fr. Chrysander lautet dahin, daß diese Passion .deutsche Frömmigkeit, italienische Feinheit und englische Objektivität vereine.'
Wenn trotz dieser anerkennenden Urteile der berufensten Kenner in unserer Zeit, in welcher der herrliche Meister wieder auflebt, feine Pasfionsmusik eS zur Aufführung nicht gebracht hat. so standen einer solchen besondere
unter van Vorsitz veS Handels- tnro «ewerve- Ministers Möller statt. Die Verhandlungen, an denen außer Kommiffaren des Handels- und des Kultusministers eine größere Anzahl von Medizinal- und Bergbeamten, Aerzten, Bergwerksbefihern, Bergleuten usw teitnahm, waren sehr eingehend. Eie werden voraussichtlich zu einer Reibe behördlicher und sonstiger Maßregeln Anlaß geben, die als geeignet zur wirksamen Bekämpfung der Krankheit erscheinen.
— Neber die Beteiligung an der Weltausstellung in St Louis fand im Ministerium deS Innern z« München eine Besprechung von Vertretern deS bayerischen Kunstgewerbe» statt. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die zusammen mit dem Kunstgewerbeverein sofott die Vorbereitungen zu einer lebhaften Beteiligung des bayerischen Kunstgewerbes an der Ausstellung treffen soll.
Ausland
Niederlande. In Amsterdam wird im Anschluß an den Streik der Transport- auch ein solcher der Gemeindearbeiter befürchtet. — Einige Blätter heben hervor, daß die holländischen Truppen zum großen Teil mit den Streikenden sympathisieren, daß sich die Regierung daher auf die Truppen nickt verlosten könne und auS diesem Grunde auf der sofortigen Erledigung des Antistreikgesetzes bestanden habe, das bester nach erzielter Verständigung zwischen den Transportgesellschaften und ihrer Angestellten eingebracht worden wäre.
— Die Königin Wilhelmina hat die Absicht kundgegeben, nach dem Haag zurückzukehren, sowie die Staatsgeschäfte eS erfordern. In Regierungskreisen betrachtet man den AuSstand nicht als besorgniserregend angesichts der getroffenen Vorsichtsmaßregeln. Heute traten der Kammerpräsident und der Ministerpräsident zu einer Beratung zusammen. Alle sozialistischen Abgeordneten find im Haag anwesend. — Das .HandelSblad' meldet: Gestern nachmittag kam es in Amsterdam zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und der Menge, wobei eine Person durch einen Säbelhieb verletzt wurde.
Frattkreich. Die gestern begonnene Debatte über die Wahl deS Nationalisten Sypeton gestaltete fich sehr erregt. Jauräs, welcher sofort nach dem Berichterstatter das Wort ergriff, wies auf die zur Zeit des DreifuShandels im Generalstabe unter BoiSdeffres begangenen Fälschungen hin, und sagte: Die Nationalisten wagen es uns als eine Partei deS Auslandes zu bezeichnen, die Nationalisten, welche fich während des Dreh^ushandels auf einen gefälschten Brief mit der gefälschten Unterschrift Kaiser Wilhelm? berufen haben. Jaurös führt zum Beweise dafür, daß fich dieser gefälschte Bries in den Akten des Generalstabes befunden habe, ein Schreiben des Generals Pellieux an, in welchem dieser nach der Aussage des Fälscher« Henry seine Demisfion gab und fich scharf gegen die Urheber der verschiedenen Fälschungen wandte. Briffon erhebt sich bei diesen Worten und erklärt unter dem Beifalle der Radikalen, daß Cavaignac, der damalige Kriegsminister seines Kabinetts, ihm diesen Brief niemals zur Kenntnis gebracht habe. Briffon wendet sich zu Eavaignac und ruft: „Sie verdienen, in den Anklagezustand versetzt zu werden! Sie gehören nicht mehr der Republik an!' Eavaignac erwiderte erregt, er habe damals seine Pflicht getan, ernster als Briffon zur Zeit der Panama- skandal«. Auf Ersuchen Jaurö«, welcher ermüdet ist, wird sodann die Sitzung vertagt.
SstaRieir Die Unruhen in Madrid, welche durch das Vorgehen der Polizei gegen die Studenten, besonders die in Salamanka hervorgerufen waren, beginnen allmählich abzuflauen. Die Polizei hält strenge Wacht und mit den Soldaten mögen die Demonstranten erst reckt nichts zu tun bekommen. I« einiget anderen Universitätsstädten geht e« dagegen noch immer recht lebhaft zu. Die Studenten bringen Vivat» auf die Rebuplik Spanten au», al» ob Alfonso garnicht auf dem Throne säße.
Portttgal. Bei dem Galadiner, welche» gestern abend im königlichen Schlöffe stattfand, brachte König Carlos einen Trinkspruch auf König Eduard aus, in dem er den König als
Schwierigkeiten entgegen. Von diesen seien hervorzuheben der Mangel an breit ausgeführten lyrischen Chören und der BrockeS'sche Text. Diesen Mängeln mußte nach Möglichkeit abgeholfen werden, sollte das Werk in unserer Zeit Anerkennung finden. Es war für den Bearbeiter nicht schwer, paffende große Chöre zu finden, welche mit geänderiern Text daS Werk vervollständigen konnten. Die.Begräbnisöde', welche schon zu Anfang de» vorigen Jahrhundert» zu einem Pasfionsoratorium — texlich nicht sonderlich glücklich — unter dem Titel „Empfindungen am Grabe JEsu' bearbeitet worden ist, hat eine Fülle höchst stimmungsvoller Musik. Sie hat ihre kurze, aber vielsagende Einleitung hergeliehen und zwei prächttge Chöre, welche zu Anfang und Ende des Werkes erklirren. AuS einem der Chandos- Anthem» wurde ein Chor genommen, zu dem der Blitz- und Donnerchor der Bach'schen MatthSuspaffion zum Vorbild diente und dessen Text im Sinne der alten PasfionSdichtungen in freier Anlehnung an das Original gebildet ist.
Die Berechtigung dieser Entlehnungen mit oder ohne Tex^esänderung, liegt in dem Vorgang de« Meisters selbst, welcher dergleichen, wie auS jeder Händel-Biographie ersichtlich ist, sehr ost vorgenommen hat. So ist z. B. der bekannte Chor „Seht, er kommt, mit Preis gekrönt' aus dem .Josua' in den „Judas Maccabäus' gewandert, das.Krönungs-Anthem' in die .Esther', in welch letztere» Oratorium auch mehrere Arien unserer Passion übergegangen find, nachdem der Meister daran verzweifelte. da» deutsch geschriebene Kirckenftück
„seinen sehr teuren Allierten" anredete und auf die warme althergebrachte Allianz zwischen Großbritannien und Pottugal hin wies und erklärte, da» portugiesische Volk wiffe sehr wohl, ein wie ein großer und loyaler Freund König Eduard stet» für dasselbe gewesen sei. König Eduard erwiderte mit gleicher Herzlichkeit und sagte, die bewährte Allianz, die seit Jahrhunderten zwischen den beiden Ländern bestehe, werde für alle Zeit dauern.
Türkei. Am Sonntag mittag trafen der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich unter dem Salut der Geschütze in den Dardanellen ein und wurden dort im Namen de» Sultans vom Zecewonienmeister, vom türkischen Ehrendienst unter Führung Turkhan Pascha» und vom kaiserlichen Geschäftsträger Frhrn. von Wangenheim begrüßt. Gestern morgen 10 Uhr trafen die kaiserlichen Prinzen vor Dolma Bagdscha ein. Sie wurden durch den Prinzen Burhaneddin Effendi an Bord willkommen geheißen. Sodann empfing der Sultan im Aildiz-Palai» den Besuch der kaiserlichen Prinzen und erwiderte ihn alsbald im Marasfim- Kiosk, wo die Prinzen mit ihrem Gefolge Wohnung genommen haben. Der Sultan begrüßte bte hohen Gäste auf da» liebenswürdigste und verweilte längere Zeit bei ihnen in angeregtem Gespräch. ES folgte ein Frühstück bei den kaiserlichen Prinzen, an dem außer dem Gefolge und dem türkischen Ehrendienst auch die Mitglieder der kaiserlichen Botschaft teilnahmen.
Marburg und Umgegend
Marburg 7. April.
8 GrüsdorlUkrstag. Am Gründonnerstag ist die Arbeit auch in den Vormittagsstunden freigegeben. E» soll nur dafür Sorge getragen werden, daß den Gottesdiensten, gleichviel wann fie stattfinden, der örtliche Schutz des § 15 der Polizeiveiordnung vom 31. Dezember 1896 zu Teil wird.
* Milttirisches. Im „Reichsanz.' befindet sich folgende Bekanntmachung des Kriegsministers: ES wird hiermit erneut zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften dienstlich verboten ist, fich auf Veranlassung von Zivilpersonen mit dem Vertrieb von Druckwerken und Waren innerhalb von Truppenteilen oder Behörden — seien dies nun ihre eigenen oder ftemde — zu befaffen. Den Unteroffizieren und Mannschaften ist zugleich befohlen, von jeder seitens einer Zivilperson an fie ergehenden Aufforderung zum Vertrieb von Druckwerken oder Waren ihren Vorgesetzten Meldung zu machen.
* portofreie Drucksache« a« Soldaten. Wie Briefe und Postkarten, so werden künftig nach einer von der „StaatSb.-Ztg.'mitgeteilten Verfügung de« Reichspostamts auch Drucksachen an Soldaten portofrei befördett werden. Das Meistgewicht dieser Drucksachen beträgt wie bei Briefen 60 Gramm; auch muffen fie den Vermerk tragen: „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit deS Empfängers.'
8 Die Friihj>hrS-Ka«trallverfa«M«»ge« nehmen am Festsonnabend, einem für viele recht ungünstig gewählten Tag, ihren Anfang. An diesem Tage haben fich zu den bereits mehrmals int Kreisblatt veröffentlichten Zeiten die Mannschaften au« der Stadt Marburg auf dem Kämpftasen zu melden. Am dritten Feiertag nehmen die Kontrollversammlungen ebenfalls hier für die Mannfckasten einer Reihe umliegender Ortschaften ihren Fortgang. Ferner finden die Kontrollversammlungen im Kreise wie folgt statt: am Mittwoch den 15. April, vormittags in Caldern und nachmittags in Schönstadt; am Donnerstag den 16. April, vormittags in Münchhausen und nachmittags in Wetter; am Freitag den 17. April, vormittags und nachmittags in Ebsdorf; am Sonnabend den 18. April, vormittags in Fron- Hausen und nachmittags in Lohra; am Montag den 20. April, vormittags in Elnhausen. Be
in England, woselbst er bekanntlich die längste Zeit seines Lebens wirkte, z«r Aufführung zu bringen.
Die Schwierigkeiten, welche aber der Originaltext dem Bearbeiter bereiteten, waren viel schwerer zu überwinden.
Der Originaltext ist von ermüdendster Breite und wahrhaft abschreckendstem Schwulste. Die an die Leidensgeschichte sich anschließenden Betrachtungen füllen ganze Partiturseiten, im Secco Recitativ komponiert; der Evangelist, welcher durch feine Erzählung das Ganze zu- sammenhält, singt in Seifen; ebenso Christus und die anderen mithandelnden Personen. Hier ist in der Weise abgeholfen worden, daß die langatmigen Betrachtungen fast ganz weggefallen oder auf da« notwendigste zusammengestrichen sind, und daß bett redenden Personen das Wort der heiligen Schrift in den Mund geegt worden ist. Nachdem einmal die Erkenntnis )urchgedrungen ist, daß für kirchliche Werke das Bibelwott — neben dem Choral — die einzig richttge TexteSunterlage in der Hauptsache bilden muß, vettragen wir „schön gereimte Kantaten' nicht mehr. Nach vielen mühseligen Versuchen ist e» dem Bearbeiter gelungen, auf den Rat und unter der fvrdernsten Beihilfe de« höchst bedeutenden Händel-Biographen und Dirigenten, Professor 5k. Fritz Volbach in Mainz, der einmal vorhandenen Mufik biblische Texte unterzulegen, bei welchen sich Wort und Ton decken.
Die Texte der zu Gehör zu bringenden Einzelgesänge, in welchen fich die Empfindungen der Personen, Tochter Zion und Gläubige Seele,
I merkt fei, daß Gesuche um Befreiung von de» I Kontrollversammlung nicht an daS Bezirks^ I kommando, sondern an daS Hauptmeldeamt I oder an den Bezirksfeldwebel zu richten find. I Da? Nähere ist aus den KreiSblättern ersichtliche
§ Zur Reichstagswahl. Auch die Zentrums» Wähler des Wahlkreises Marburg-Kirchhain« Frankenberg-Vöhl haben nunmehr zu de« bevorstehenden Reichstagswahlen durch die Aufstellung eine« eigenen Kandidaten Stellung genommen. Es ist dies der schon bei frühere« Wahlen aufgestellte Herr Reichstagsabgeordnet« Richard Müller-Fulda, der bei der letzte« Reichstagswahl eS auf über 1800 Stimme« brachte.
* Eise«h>h»refar»e«. Die Dächer vo« Personenwagen der prenßischen StaatSbahne« sollen diesen Sommer weiß angestrichen werden, um zu erproben, ob die Temperatur im Inner« fich dadurch ermäßigt. Es sollte aber auch darauf gesehen werden, daß die Wagen vo« ihrer Einstellung nicht der Sonnenglut ausgesetzt find. Ferner empfiehlt fich vielleicht Begießen der Dächer mit Wasser. — Zum erleichterten Oeffnen der Wagenturen hat Minister Budde die Direktion angewiesen, die Anbringung von Türfchlöffern mit inneren Türgriffen btt den A bteilpersonenwagen mit tunlichster Beschleunigung durchzuführen.
* Vorsicht. Für unsere Landwitte ist nun bU Zeit gekommen, wo tagtäglich Kartoffeln zum Bestellen bet Aecker geschnitten werden müssen. Eine ernste Mahnung zur Vorsicht ist bahr« umsomehr am Platze, als gar viele Leute nicht wissen, ein welch gefährliche» Gift die jetzt zu« Vorschein kommenden Kattoffelkeime enthalte«. Die« Gift kann, wenn e« in eine Wunde a» Finger einbringt, ben Tob zur Folge haben, wie ein in letzter Woche erst vorgekommene» Fall beweist. In einem Dörfchen bei Lichten- fei« am Main beschäftigte fich eine jungt 30 jährige Frau mit Kartoffelschneiden. Hierbei geriet von dem Saft jener Keime in ihre aufgesprungenen Finger. Da fie bald heftige Schmerzen verspürte, schickte fie rasch zum Arzte. Dieser konstatierte Blutvergiftung und nach 48 Stunden war die gesunde und kräftige Fra« eine Leicke.
* Tas Kellnerzesetz hat bas Berliner Land» gerickt als Berufungs-Instanz beschäftigt. DaS Schöffengericht hatte einen Gastwirt freigesprochen, weil dieser einen Kellner, der in der Ruhezeit arbeiten wollte, gewähren ließ. Da» Landgericht erkannte auf 5 Mark Strafe und sprach aus: Der Kellner müffe in der Ruhezeit feiern, der Wirt dürfe auch ein freiwillige« Arbeiten nicht dulden.
* Ei« «eitet Gebittreatatif für gerichtliche Zeugen und Sachverständige ist im Bezirk bei OberlanbeSgerichtS Kassel ausgegeben worbe«. Die Sätze haben, entsprechend ben veränderten Lebensbebingungen, eine Erhöhung erfahren. Damit ist einem fett lange empfundenen Nebel» stände obgebolfen.
§ Turnerisches. Am Sonntag, den 7. Juni, findet nach Lollar die diesjährige Gauturnfahrt der Turnvereine deS Gaues Hessen statt. Auch die hiesigen Turnvereine werden fich beteiligen.
§ Gefährliches Spielzeug. Heute morgen vergnügte fich ein Schulknabe damit, mit eine» in seinem Besitz befindlichen Pistole mit erbsengroßen Kugeln zu schießen. Ein vorübergehender junger Mann nahm dem ersteren die Waffe ab und brachte fie zur Polizei. Es wäre wünschen, wenn die Eltern darauf achteten, daß die Kinder nicht im Besitz solch gefährlichen Spielzeugs find. klebrigen« ist es auch nicht zulässig, den Kindern solche Sachen z» verkaufen. Gleichzeitig sei auch erwähnt, baß mit bem Ballschlagen in den Straßen Unfälle verursacht werden können. So wurde gestern einem Jungen beim Ballspiel beinahe das Auge aus dem Kopfe geschlagen. Beim BallspÄ verweise man die Jungen auf größere freie Plätze.
8 Freiwillige Feuerwehr. I« bet gestern abenb abgehaltenen Mo Versammlung sprach
aussprechen, ftftb meist ungeändert geblieben; hier findet ja der Dichter ost warme Herzens» töne, denen auch die Mufik vollauf gerecht wird." Mehr als die Hälfte der Arien find weggefallen, weil deren teils trockener, teils unglaublich schwülstiger Text den Meister zu keiner hervor» ragenden Mufik anregte.
In den stehen gebliebenen Arien wird na« aber Perlen voll unvergänglicher Schönheit und tief ft et Empfindung vorfinden. Der Choral kommt im Original nur viermal zum Worte; in bet Bearbeitung erklingt er an paffende« Stellen noch einigemal, natürlich unter der butd) die Pietät gebotenen Beibehaltung bei Händel'schen Satze«.
Auch die Begleitung mußte einer Bearbeitung unterzogen werden, indem eine Klavier- und Orgelstimme nach der Gewohnheit der Entstehungszeit zur Orginalpariitur hinzutrete« mußte. Diese Begleitftimmen find von Herrn Hermann Inders« in Köln — welcher auch de« Klavierpart spielen wird — in dankenswerteste« Weise ausgearbeitet worden. Den Orchesterinstrumenten ist nichts hinzugefügt und an ihne« ist nichts geändert worden, fie erklingen ganz so, we der Meister fie geschrieben hat.
Der Bearbeiter giebt fich der Hoffnung hin, die nötige Pietät gegen den Meister und Dichter mit den Forderungen, die nufere Zett an eine Pasfionsmusik zu stellen berechtigt ist, wenigstens einigermaßen in Einklang gebracht zu habe« und ferner, daß ein größerer'Zuhörerkreis <m bem Werke ebensoviel Freude und Erbauung finden möge, als er selbst für fich ost genug cm ihm gesunden hat.