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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnstrietes Sonntagsblatt.

jn 9($

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk-, bei allen Postämtern 2I5 Mk. (egcL Bestellgeld).

^nfertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rrelanren: di« Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 7. April 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn, und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck und Berlag: Joh. Aug. Koch, Umverfitats - Buchdruckern Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahr,.

Bestellungen

fit das zweite Quartal 1903 auf die

D6er|efHf<6e Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain mck Reustadt, sowie von allen Post- «rstalten und Landbriesträgern entgegen­genommen.

Arbeiterfürsorge und Mittelstand. Auszug au« dem Referat an den konservativen Delegiertentag, erstattet von

Freiherrn von Richthosen-Mertschütz.

Meine Herren! Ich will versuchen, Ihnen ein skizzenartiges Bild der jetzt im Brennpunkt der Interesse« stehenden Fragen für Arbeiter­fürsorge und Mittelstand zu zeichnen. ES fragt sich nur: was ist unter diesem Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung zu verstehen? Ist darunter nur die einseitige Ausbildung der sozialen Gesetzgebung im Interesse derLohn­arbeiter* zu verstehen, oder soll die Fürsorge für die wirtschaftlich Schwachen auf die Kreise des mittleren und kleinen Besitzes, auf das Handwerk und das Kleingewerbe, kurz gesagt au? den Mittelstand, der in Stadt und Land auf daS Schwerste zu kämpfen hat, ausgedehnt werden?

Meine Herren, gegenüber der Entwickelung diesesfreien Spiels der Kräfte* die zur Auf­saugung des Mittelstandes und Kleingewerbes führt, hat Kaiser Wilhem I. jene gewaltige Botschaft an unfern deutschen Reichstag erlassen, aufgrund deren die heute geltende soziale Gesetz­gebung aufgebaut ist. Auf dieser Grundlage hat sich die ganze Arbeiterschutzgesetz­gebung entwickelt: Das Arbeiterschuhgesetz von 1891 mit der Fürsorge für die jugendlichen Arbeiter, mit der Sonntagsruhe der Arbeiter, mit den Schutzbestimmungen gegen die Gefahren in wirtschaftlichen Betrieben aller Art. Es ist weiter auf der Grundlage dieser Botschaft die große Organisation der Arbeiterversicherungen entstanden. Während die Freisinnigen und die Sozialdemokraten gegen diese Gesetzgebung gestimmt haben, kann die Konservative Partei auch heute noch für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, an diesem gewaltigen Reformwerke eifrig und er­folgreich mitgearbeitet zu haben.

Ebenso hat auch die konservative Partei in der letzten Legislaturperiode des Reichstags seit 1898 in dieser Beziehung eifrig weiter ge­arbeitet. Im Jahre 1900 ist ein Gesetz zustande gekommen, worin die grundlegenden Bestimmungen für den Neunuhr-Ladenschluß

39 «Nachdruck verboten.)

Briefträgers Hannchen.

Von Georg Paulsen.

kFortsehung.)

Das ließ sich schwer beschreiben; man konnte nicht sagen was und wie es war, eS schien so, als spräche Hannchen Hölder leise und ruhig: Ich bin kein Kind mehr, ich hab' meine Erfahrungen auf meinem jungen Kopf.*

Briefträgers Hannchen schaut anders drein* odersieht anders, älter aus!* daS sagten alle, die sie sahen. Aber derer waren nicht zuviel. Die Mutter nahm ihr mit stillschweigendem Einverständnis die meisten Gänge ab, sie war im Hause tätig, arbeitete still für sich, oder laS dem Vater vor.

Ein paarmal hatte Lebrecht Hölder gesagt: Mädele, fing ein lustig' Lied!* Da hatte fie ihn mit demneuen Blick" angeschaut und seit­dem sagte er nichts mehr. Er war zufrieden, daß fie doch hinzugefügt:Später, Vaterle, später.*

Von dem flüchtigen Schorsch war nichts Sicheres mehr in Erfahrung zu bringen ge­wesen. Aus einer der nächsten Eisenbahn­stationen war gemeldet, man habe den von der Polizei dringend Gesuchten gesehen, wie er im ersten Morgengrauen ein Eisenbahnbillet nach der böhmischen Grenze gelöst habe. Und drüben war er trotz des hinter ihm erlassenen Steck­briefes verschwunden.

Der Posthalter Grau sagte:DaS Tschechen­volk versteht ja kein Deutsch und fängt auch keinen, der von der deutschen Grenze her kommt!* aber der in der Genesung begriffene Hermann

gegeben find, ferner Bestimmungen für die Sonntagsruhe und für die Arbeiterpansen, 1901 das Gesetz über die Einiqungsämter, Lohnbücher usw. Erst gestern hat der Reichstag mit Zustimmung der konservativen Fraktion die Vorlage über den Kinderschutz in gewerblichen Betrieben angenommen.

Ebenso ist auf dem Gebiete der Arbeiter- Versicherung erhebliches in der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode geleistet worden. Sie wissen, daß bereits 1902 eine Revision der Unfallversicherung Sgesetzgebung zustande gekommen. Es ist dar sog. Haupt­oder Mantelgesetz vom 30. Juni 1900 ange­nommen worden, und daneben find fünf be­sondere Gesetze für die verschiedenen Gebiete der Unfallversicherung in Kraft getreten. Alle diese Gesetze sind im Interesse der Arbeiterschaft erlassen worden. Die Lasten, die dadurch für die Arbeitgeber entstehen, sind außerordentlich hohe geworden. Wir wissen z. B., daß die Lasten, die allein auf Grund der landwirtschaftlichen Nnfallverficherungsgesetz- gebung entstanden find, nicht mehr weit davon sein werden, daß fie die Höhe der ehemaligen Grundsteuer erreichen! (Sehr wahr!) Gegen­wärtig beschäftigt sich der Reichstag mit einer weiteren Nov-lle zum Krankenverficherungsaesetz, dem die Konservativen ebenfalls prinzipiell zu- stimmen. Dadurch soll die Krankenversicherung von 13 auf 26 Wochen und die Wöchnerinnen- Unterstützung von 4 auf 6 Wochen ausgedehnt werden. Schon im Jahre 1899 ist jene um­fassende Umänderung der Alters- undJnvalü itäts- versicherung, ebenfalls im Interesse der Arbeiter perfekt geworden, wonach die Berechtigung auf Invalidenversicherung jetzt nach einer halb­jährigen Arbeitsunfähigkeit beginnt, während diese Berechtigung nach dem ursprünglichen Gesetz von 1889 erst nach 52 Wochen eintrat. Im Dezember vorigen Jahres ist ferner der § 15 des neuen Zolltarifgesetzes angenommen worden, worin die Grundlage vereinbart worden ist für eine künftige Witwen- und Waisenver- sorgung der Arbeiter. Für diesen Paragraphen hat ein Teil der konservativen Partei im Reichs­tage gestimmt, der andere Teil hat durch seinen Wortführer erklärt, lediglich deswegen nicht dafür zu stimmen, weildas Fell des Bären nicht vor seiner Erlegung verteilt werden könne.* Im Prinzip aber stehen alle Mitglieder der konservativen Fraktion des Reichstages dem Plane der Witwen- und Waisenversorgung der Arbeiter durchaus sympathisch gegenüber.

Freilich, das sozial-politische Wettrennen, welches mehr als acht Tage lang von den Sozialdemokraten, den Freisinnigen und auch einem Teil der Nationalliberalen und dem Zentrum in Szene gesetzt wurde, mitzumachen, war die konservative Fraktion deS Reichstages nicht in der Lage. (Bravo!) Was wurde dabei nicht alles gefordert? Die Arbeitslosenver­

meinte:Laßt ihn doch laufen, Vater! Wir waren beid' in Heller Wut, ich kann's heut' noch nicht recht verstehn, wie alles kam. Und eine große Gerichtsverhandlung, zu der das Hannchen wieder als Zeuge müßt'? Ich wünscht's schon, daß der Schorsch verschwindet.* Und so war'S gekommen.

Ein Mal, ein einziges Mal war Hannchen Hölder seit jenem Abend in der Posthalterei gewesen. DaS war, al« der Verwundete wieder zum Bewußtsein gekommen war; er hatte daS junge Mädchen sehen wollen und als seine Mutter ihm sagte, Hannchen sei abgereist, hatte er heftig gerufen, er glaube nicht daran. Sie habe ihm immer die Stirn mit Wasser während der Fieber-Phantasien gekühlt, sie sei hier. Vergeblich versuchte die selbst erregte Posthalterin ihn zu beruhigen, vergeblich er­zählte die Krankenschwester, daß fie unausgesetzt die Pflegerin gewesen, er wollte Hannchen sehen. DaS Begehren steigerte das Fieber von neuem, und al« gerade der Doktor zu dieser Szene hinzukam, sah er schweigend, aber bedeut­sam die strenge Mutter an. Sie senkte die Augen:Es soll zu HölderS geschickt werden!* sagte fie leise.

HölderS sahen ihre Tochter unruhig an, als die Botschaft kam.Der Hermann ist wieder sehr krank?"Er tobt und schilt, daß man es in der ganzen Posthalterei hört," war die Antwort.Gut. Ich komme in einer Viertelstunde.*

Sie nahm einen Schleier vor den Hut und machte sich auf den Weg. Der alte Posthalter stand im gewölbten Haustor.Mein liebes Mädele, herzlich Willkomm' l* sagte et seufzend

ficherung. Recht auf Arbeit, der NormalarbeitS- tag nicht nur für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern allgemein, 10 Stunden vom Zentrum, 8 Stunden von den Sozial­demokraten. Ja, es wurde auch die Einricht­ung einer Zentralauffichtsinstanz von der Sozialdemokratie beantragt, wonach eine Behörde geschaffen werden soll auS Vertretern der Arbeiter nicht der Arbeitgeber mit Zwangsbefugnissen zur Ueberwachung sämtlicher Betriebe im Gewerbe, in der Landwirtschaft, im Forstbetriebe, in der Fischerei. Aber auch daS Zentrum hat beantragt dieser Antrag ist gestern angenommen worden den Gewerk- schastsvereinen, den Berufsvereinen, den Arbeiter­organisationen die Rechtsfähigkeit zu verleihen. Wir glauben, daß schwerlich das alles gehalten werden kann, was jetzt wieder vor den Wahlen in etwa« zu überstürzter Arbeiterfteundlich- feit von manchen Parteien versprochen wird. (Sehr wahr!)

Das können wir Konservativen, wie gesagt, nicht mitmachen; wir können keine uferlose Sozialpolitik mitmachen; wir müssen uns auch sehr überlegen, wie die immer mehr steigenden Lasten weiter getragen werden sollen.

Aeh'-lich steht es mit der Arbeitslosen-Ver­sicherung. Sie werden wissen, daß der Reichs­tag schon im April des vorigen Jahres eine Resolution angenommen hat, wonach ein Beirat für Arbeiterstatistik eingerichtet werden soll, um gerade die Frage der Arbeitslosen-Verficherung zu prüfen. Aber, meine Herren, wohin soll das führen, wenn die Arbeitslosen-Verficherung bei uns Gesetz werden würde. Die bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiete in der Schweiz und in Dänemark find bereits so ziemlich fehl- geschlagen. Ein bekannter Sozialpolitiker, der übrigens selbst der Arbeitslosen - Verficherung das Wort redet, Herr Dr. Zacher, giebt zu, daß die Arbeitslosen-Verficherung nur wirklich durchführbar sei. falls damit eine durchgreifende Regelung der Produktion verbunden werde. Außerdem müßten die Arbeitsnachweisstellen ver­staatlicht werden, und es sei ein Zwang zu etablieren, wonach diejenigen, die Arbeit haben wollen, gezwungen werden, dahin zu gehen, wo ihnen der staatliche Arbeitsnachweis Arbeit zu- weiss. Ja, meine Herren, das heißt doch, dem sozialdemokratischen Staate Tor und Tür öffnen, und das kann die konservative Partei in der Tat nicht mitmachen.

Weiter, meine Herren, und hiermit komme ich eigentlich auf die Ouinteffenz des Referate«, welches ich Ihnen heute zu erstatten habe: Wie soll Deutschland überhaupt in der Lage bleiben, alles daS zu tragen und zu leisten, wenn nicht alles geschieht, waS nur möglich erscheint, um gerade den Stand, der für unser deutsches Vaterland von der allergrößten Wichtigkeit ist, den Mittelstand in Stadt und Land, zu erhalten und zu sanieren! (Bravo!) Meine Herren,

und bot ihr die Hand.Hast ein schmale« Gesichtchen bekommen," fuhr er fort, als sie den Schleier zurückschlug. Sie lächelte, tat ihr das Herz auch weh, denn die Anzeichen des Verfalls, die bei dem wackeren Herrn Grau sich schon längst geltend gemacht, waren plötzlich in den Sorgentagen mit auffallender Schärfe in die Erscheinung getreten.

Ein weiteres Wort war unmöglich, Frau Grau trat heran. Nach einem kurzenGuten Tag!" sagte fie kalt:Bitte!* Hannchen hob dabei den Kopf, und die Blicke der beiden Frauengestalten trafen fest aufeinander. Und die stolze Frau wendete den Kopf seitwärts, sie dachte an die Worte ihres Mannes:Wenn Du das Weibsbild, wie Du sie nennst, nur nicht noch einmal um etwas bitten mußt!" und wie fie darauf geantwortet:Das kommt nimmer vor!" Jetzt war'S so weit gewesen. Aber Hannchen hatte nicht triumphiert, stille Sicherheit hatte in den braunen Augen sich gespiegelt.

Bitte!" sagte Frau Grau noch einmal. Aber es klang, als versage die Stimme.

Die junge Besucherin hielt sich zurück; die Hausfrau mußte daher voran gehen und fie tat es auch Wohl gern, um fernere Auseinander­setzungen zu verhüten, die nicht angebracht und vor der Tür de« Schwerkranken um so pein­licher waren.

Jetzt standen sie beide in dem freundlichen Krankenzimmer; die Schwester saß, mit einer Handarbeit beschäftigt, im Hintergrund, die fiebernden Augen des Patienten suchten unab­läßlich die Tüv

da müssen doch überlegende Sozialpolitiker sich fragen: ist e« nicht jetzt die allerhöchste Zeit, auch einmal nun im Reichstage auf das ein­gehendste zu überlegen, wie wir für den Mittel­stand, für daS Handwerk mehr, als in letzter Zeit, tun können?

Sie wissen, daß .der Handwerkerstand auf das bedenklichste in vielen Bezirken und Ge­bieten gefährdet ist. Wenn z. B. ein Waren­haus entsteht, da gehen in der betreffenden Straße nach und nach die kleinen Handwerks- Werkstätten, die kleinen Kaufleute zurück. Und was das für ein Elend bedeutet, wenn erst die Handwerks- und kleinen Betriebs­stände dadurch in einem ganzen Stadtteil sozu­sagen ausgestorben sind, das kennen gewiß viele von uns aus eigenster Erfahrung. Oder wa« es bedeutet, wenn ein kleiner Müller nach dem andern brotlos wird durch die großkapitalistischen Mühlen an den durch staatliche Mittel regu­lierten Strömen, darüber ließe sich eine ganze Leidensgeschichte schreiben. Da muffen wir un» also sagen: soll hier nicht halt gemacht werden; soll jetzt nicht gerade baS Hauptgewicht darauf gelegt werden, daß der Mittelstand in Stadt und Land erhalten wird? (Bravo!) Dabei scheint eS allerdings leider so, als ob es der Reichsregierung gegenwärtig an dem völligen Verständnis für diese große Notlage mangelt. Herr Graf Posadowskh hat, wie Sie wissen, erst im Februar d. I. gesagt:WaS nicht mehr zu beleben ist, daS kann nicht mehr belebt werden; man kann z. B. nicht den Befähigungs­nachweis einführen, da dieser jetzt mit unserer ganzen wirtschaftlichen Entwickelung nicht mehr vereinbar ist". Herr Gras Posadowskh hat zur Begründung dieser seiner Ausführungen dann in einer zweiten Rede bemerkt:daß t» ja gar nicht so schlimm mit dem Mittel­stände stehe, denn die Statistik der preußischen Einkommensteuer - Gesetzgebung be­weise, daß die Steuerstufen zwischen 900 und 1200 und zwischen 1200 und 1500 Mark jetzt erheblich mehr Zenfiten enthalten, wie in früheren Jahren." Dieser Beweisführung gegen­über dürsten aber die Fragen sehr berechttgt fein: ja, WaS find denn jetzt alle für Leute in den Stufen zwischen 900 und 1500 Mark? Sind es nur Handwerker und Bauern, oder find nicht gerade Arbeiter darunter, die jetzt bessere Löhne haben wie früher? Ist es nicht andererseits notwendig geworden, Stellenbefitzer, Handwerker und andere bisher selbständige Unternehmer steuerfrei zu stellen, und find nicht viele schon sogar der Armenunterstützung anheim gefallen? Der Abeiterstand ist doch durch die erhöhte Arbeiter-Verficherung in einem gewissen Umfange geschützt. Aber der Handwerker, der Stellenbefitzer steht den Gefahren deS wirt­schaftlichen Lebens noch immer schutzlos, gegen­über! Freilich, freifinnige Sozialpolitiker sagen; eS ist doch besser, an die Stelle eines schlecht

Hannchen!" Es war nur ein einzige» Wort. Aber so viel wehmutsvolle Freude lag in dem Tone seiner Stimme, eine solche Zärt­lichkeit strahlten mit einem Male die dunklen Augen aus, daß seine Mutter, die den Sohn doch aus ihre Weise liebte und es nach ihrer Ueberzeugung am besten meinte, dachte, das Herz krampfe sich ihr im wilden Schmerz zu­sammen, und der Pulsschlag setze aus.

Sie war es gewesen, welche den Knaben aufgezogen, welche für den Jüngling zu jeder Stunde gesorgt hatte; und für all' ihr Sorgen und Schaffen hatte fie einen solchen Blick, einen solchen innigen Blick und Wort klang niemals von ihm empfangen.

Heiß stieg eS in ihr empor, ihre Lippen zuckten, als ihr ein letzter Gedanke kam, unter allen der schwerste, die fie in diesen Minuten gemartert: Hast du seine wahre Zuneigung denn je gesucht? Hast du dem weichherzigen Knaben nicht immer befohlen, hat er nicht widerspruchslos zu jeder Stunde gehorchen müssen?

Es war so! Und unter der Wucht dieser quälenden Selbstanklagen neigte sich die stolze Stirn, die noch keine Falte auftoieS, über der sich ober während dieser letzten Wochen in dem schwarzen Haar weiße Fäden gezeigt hatten.

Hannchen war leise an daS Krankenbett herangeschritten, einige schlichte Blumen, die fie mitgebracht, legte fie auf die Decke. Au? ihren herzlichen Gruß ergriff er ihre beiden Hände, während er ihr voll in die Augen sah.

Ich dank Dir, Hannchen, Du bist gut! Wieder jener weiche Ton in seiner Stimme.

Fortsetzung folgt.»