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Bedeutung ist. die Eisenbahnverwaltnng selbst «n einer 6oifi*tiaen Veranlagung ih-er Ein- «ahmen interessiert, weil davon baupt'äcklich mit die Erzielung der Ueberschüsse adhängt, aus denen der AusgleichswndS gebildet wird. Auch bei einer Folge von reichen Jahren, in welchen man erfahrungsgemäß nur zu leicht zu einer sehr optimistischen Aufs ffnnq über die Gestaltung des Verkehrs gelangt, w rd dieses Interesse ein wirksames Gegengewicht gegen die Eirwirkung einer solchen auf die V ranschlagung der Einnahmen bilden. So wird der AuSaleichS- fondS auch nach dieser Richtung fH’ als ein wirksames Mittel zur Durchführung der M quet­schen Finanzpolitik erweisen.

Erntestatistik.

Eine ausführliche Bearbeitung der Ernte­statistik de« Reichs für das Jahr 1902 der- öffentlich! das Kaiserliche Statistische Amt im 1. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reich« 1903.

Die Zahl der Berichterstatter über Saaten« stand und Ernte betrug wie im Vorjahr 7481.

ES wurden im Reich geerntet Tonnen 11000 ker):

M

Roggen Winter- u. Sommer-

qun (<uunuag n

"Skpm

Gerste (Sommer-!

Haser

Kar­toffel«

1902

9494150

4383517

3100227

7465250

43 462 393

1901

8162660

2931041

3321102

7050153

48317261

1900

8550659

4307 512

3002182

7091930

40585317

1899

8675792

43-3542

2983876

6882687

8486 202

18 8

9032175

4121761

2829112

6 754 12.

36720609

1«97

8 170511

3725755

2 546439

5718644

43 776060

18 6

8534087

8845167

2727105

5969465

32329 046

1895

7724902

36425'0

2793 974

6244473

37786006

1894

8343033

3 875991

2849118

658010

33608894

1893

8941914

3942528

8359722

4180457

40 724886

Eine Berechnung der im Reich an Getreide and Kartoffeln verfügbaren Mengen unter Berücksichtigung der Ernte, der Aussaat, der Ein» und Ausfuhr und unter Umrechnung der ein» und ausgeführten Mehlmengen auf Getreide ergiebt für daS Erntejahr 1. Juli 1901 bi« SO. Juni 1902, daß für menschliche und tierische Ernährung und gewerbliche Zwecke zur Ver­fügung standen auf den Kopf der Bevölkerung an Roggen 137,7, an Weizen 78 5 an Spelz 6,5, an Gerste 72,1, an Hafer 112,8 und an Kartoffeln 732 4 kg.

In dem Abschnitt, welcher »die Borhersaae der Ernte" behandelt, wird für die Jahre 1893 bis 1902 die letzte Note vor der Ernte mit dem ErnteauSfall verglichen. Fast zwei Drittel der Saatenstandsurterle dürfen ohne weiteres als zutreffend gelten.

Judica!

Unter biestm Titel veröffentlicht die ,Schles. Ztg." einen sehr scharfen und beachtenswerten Artikel, der stch mit den Entlassungen und Ver­setzungen höherer Derwaltungsbeamten befaßt. Wir entnehmen den Darlegungen des genannten Blattes folgende markannten Sätze:

„Sei den überraschenden Personalveränder­ungen, welche die neueste Phase der Tätigkeit im Ministerium des Innern kennzeichnen, forscht mau umsonst nach ernsten und sachlichen Gründen. Keiner der hohen Beamten hat fich, soweit be­kannt geworden, etwas zuschulden kommen lassen, waS ihn als Vertreter der königlich preußischen Politik ungeeignet erscheinen lassen könnte. Wir wüßten nüht, daß zum Beispiel in Hannover einer der politischen Beamten neuerdings den immer noch regen separatistischen Gelüsten Vor­schub geleistet und etwa auS Rücksicht auf welfische Verwandte, die er zu Gaste zu haben wünschte, das Hoch auf den König und Kaiser unterlassen hätte. Unbestimmte Gerüchte, Jn- triguen — das ist alles, was man statt der Gründe zu hören bekommt. Da« Recht der Krone, die zu ihren Zielen tauglichen Versönlichkeüen zu wählen, ist unbeschränkt. Diesen Zielen aber wirkt es

war ein sehr animiertes Fest 1 So vergeht hier ein Tag nach dem anderen. Durchreisenden Besuch haben wir fast täglich, der auch immer hier übernachtet, denn Weiterreisen kann man nach beiden Seiten nur früh, entweder nach Bosnien mit der Militärpost oder weiter in die Türkei, nur zu Pferd, unter dem Schutze der Brrespost-Bedeckung. Von den hin- und herreisenden Offizieren bringen auch öfters welche, hauptsächlich in der besseren Jahreszeit, ihre Frauen mit. Vom Zivil besuchen uns manchmal die bosnischen Beamten, die auf Jn- spektrons- oder sonstigen amtlichen Reisen in die Nähe der Grenze kommen und diese Gelegenheit benutzen, um einmal in die Türkei zu schauen und da« als gastfreundschastlich bekannte Militär­lager von Priboj aufzusuchen. Von weiter her stehen aber die Besuche sehr vereinzelt da. Es besuchte un« nur, wie ich schon meldete, mein Bruder, der alljährlich größere Reisen unternimmt und ein junger Rechtsanwalt aus Hamburg, ein schon viel und weit gereister Herr, wie auS seinen Erzählungen hervorging, der die große Tour von Serajevo über Sorazda in der Sandshak, dann über Plevelje und Priepolje nach hier gemacht hatte und nun über Lisegrad nach Serajevo zurückreiste. Er wollte eigentlich die hiesige Militärstation, da« heißt den Verkehr mit den O fizieren, umgehen, wie er dies auch schon in den früheren Stationen gemacht hatte (denn ohne seine Papiere vvrzu- legen, konnte er ja nicht durchreisen) doch wurde er hier ouf« freundlichste eingeladen, Gaß des Kasinos zu sein und auch sein primitives Nacht­lager in einer hiesigen Kneipe, gegen ein Offiziers Fremdenzimmer zu vertauschen. Nach- tem er nun schon den ganzen occuvierten

zuwider, wenn der Mtnrzrer ves Innern vurcy Veränderungen, die den Eindruck der Willkür macken, ein Strebertum begünstigt, daS nur den eigenen Zwecken dient und zu ersolgbringender Wirksamkeit im Dienste der königliche» Politik schon dadurch ungeeignet ist, daß eS von vorn­herein auf das Mißtrauen der zu verwaltenden Bezirke stößt. Wer als Vorsitzender von Selbst- verwaltungSkörpern mit richterlichen Funktionen walten soll, bedarf der moralischen Autorität. Vertrauen zu den autzführenden Organen der königlichen Politik ist die erste Vorbedingung, wenn die Absichten deS Monarchen begriffen und befolgt werden sollen. . . . Wir schreiben heute den Sonntag Judica. Urteilen möge die bö uste Stelle, wie weit das Verfahren beS Ministers des Innern diejenigen Traditionen durchbricht, durch welche Preußen groß geworden ist. Richten mögen sie, wohin dieses Verfahren führt, auf das nicht die reinsten, edelsten Ab­sichten deS obersten Richters unserer Politik durchkreuzt werden durch ungeschicktes Nach- ricktertum."

Sandshak mit der überall täglich verkehrenden Briefpost Bedeckung durchreist hatte, denn ohne dieselbe ist es einem Europäer weder gestattet noch möglich hier zu reisen, lernte er erst hier in Priboj, eine Stunde vor der bosnischen Grenze, aus der Rückreise, die eigentlichen Ver­hältnisse des Landes noch kennen, und bedauerte nun sehr, auf allen kleineren und größeren Militärftationen, die er auf seiner Tour passiert hatte, der Verkehr mit den Offizieren umgangen zu haben. Gern würde er nun hier bei un« noch länger geblieben sein, aber fein Urlaub lief so dringend zu Ende, daß er fich nirgend« mehr aushalten konnte. Wie wir später hörten, batte sein reserviertes Verhalten auf den übrigen Stationen überall den Verdacht hervorgerufen, daß er ein Spion sei.

Eine« Morgen« wurde un8 der Besuch eines Grazer Professors, in Begleitung der pensio­nierten Exzellenz, Feldzeugmeister Ritter von Samonigg, von Vifegrad aus telephonrfch an­gemeldet. Der Herr Professor ist ein bekannter Geoaraph, der sich mit geographischen Studien im Occupations-Gebiete beschäftigt und bis jetzt nur Bosnien und die Herzegowina zu diesem Zwecke bereist hatte! Er kam nun, begleitet von seinem Freunde, auch nach dem Sandshak und zuerst nach Priboj. Wir hatten gerade an diesem Tage wieder ein größeres Fest mitzu- machen und luden die beiden Herren ein, das­selbe mit ihrer Gegenwart zu beehren. Der Pribojaner Armee Lieferant, ein wohlhabender Serbe, feierte nämlich ein doppeltes Fest, denn an dem Festtage seines Schutz- und HauS- PatroneS, auf welchen die Serben einen hohen Wert legen, wurde auch sei» neuerbautes Hau« eingewetht! — (Schluß folgt.)

Ausland

Niederlande. Soeben erläßt die Ver­einigung der Arbeitgeber deS Hafenbetriebs ein Manifest, in dem sie die Arbeiter auffvrdert, die bereits früher vorgeschlagene kleine Lohn­erhöhung bis spätestens Montag anzunehmen. Die Arbeiter haben diese Lohnerhöhung bereits früher zurückgewiesen; verweigern sie wieder die Annahme, so wird voraussichtlich der ganze Transport stillfteben. Für China bestimmte Schienen und Kohlen des deutschen Syndikats werden bereits statt in Amsterdam in Emden verfrachtet.

Frankreich. Der Deputierte Berry hat an Detcaffd ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn benachrichtigt, daß er angesichts der Ver­schlimmerung der Lage in Mazedonien ihn be­fragen werde, ob die Reoierung die Absicht habe, der Ausrottung der Christen im Orient untätig zuzusehen.

Deutsches Reich

Berlin, 4 April.

— Eine Dertügung de« Ministers des Innern will im dienstlichen Interesse zu DistriktSkommissaren in Posen tüchtige Subalternbeamte herangezogen wißen. Da die Provinz selbst den Bedarf nicht decken kann, sollen auch tüchtige und selbstverständlich nur durch gute Führung ausgezeichnete Beamte auS anderen Landesteilen der Monarchie in Betracht kommen Die Probezeit soll Jahr betragen, Kenntnis der pol­nischen Sprache ist nur für einzelne Bezirke erforderlich. Zum erftenmale sollen zum 1. April jüngere Sub­alternbeamte für solche Posten in Vorschlag kommen.

— Der Rücktritt des Statthallers von Etsaß- Lothringen. des Fürsten Hohenlohe-Langeuberg, wird von der .Straßburger Bürgerztg * für das nächste Jahr augekündlgt. Die Frage des Rücktritts des reichsländischen Statthalters werde anläßlich der dies­jährigen Nordlandsreise des Kaisers, woran der Fürst teilnehme, zum Austrag kommen. Als Nachfolger des Fürsten sei der Schwager des Kaisers, Fürst Schaum» burg-Li-pe, in Aussicht genommen.

— Verschiedene Oberbürgermeister sind am Diens­tagabend im Herren Hause nach Schluß der Plenar­sitzung zusammengetrelen. In der Besprechung dürste es sich um kommunalpolitische Fragen gehandelt haben.

Nach Mit-eilungen an die R chnnngskommisston des Abgeordnelenbauses find in Preußen als Ent­schädigungen an ihm Wiederansnahmeverjahrea frei­gesprochene Personen im Jahre 1901 im Ganzen in zehn Fällen zusammen 6176 Mark bewilligt worden. Als sonstige, Beschuldigten gewährte Vergütungen für die ihnen ohne ihr Verschulden aus dem Strafver­fahren erwachsenen Nachteile find in dem gerannten Etatsjahre in 17 Fällen zusammen 1737 Mark be- willigt worden.

— Auf den 8. September d. I. ist die Zwangs­versteigerung der der .Liudi-Hinterland-Gesellschaft' gehörigen Grundstücke im Gebäude des Kaiserlichen Bezirksgerichts in Dar-es-Salam anberaumt. Die Besitzungen umfassen d e Plantage Kitunda in Ngambo am tiututebiftufie nebst mehreren Baulichkeiten und die Faktorei am Lindi Der Antrag auf das Ver­fahren der Zwangsversteiqernng geht von dem Ritter- gutsbesitze! von Osterath in Koblenz aus. der Forderungen in Höhe von 70 000 Mk. an die Gesell­schaft hat.

Rotationsdruck

an, weiche Vandwerker-Korporationen in dieser B» ziehnng geäußert hätten. Es wäre zu wünschen, daß einige Punkte in dem Statut, die beanstandet worden seien, auch noch genehmigt würden. Bei der nunmehr folgenden Beratung des Entwurfs kam man z» Meinungsverschiedenheiten und deshalb fand auch der Antrag Annahme, den Entwurf zur nochmalige» Prüfung an die Kommission zurückzuweisen. Der letzte Punkt der Tagesordnung, Abhör der Rechnungen der Sparkasse pro 1898 und 1899, wurde in vertrau­licher Sitzung behandelt

* Gk«ei»drbeamtt«- Kerbmtd. Der Zentral- verband der Gemeindebeamlen in Preußen wird im Monat August d. Js. in der Stadt Kastel seine diesjährige Hauptversammlung abhalten.

§ Strafkammer. Wegen einer Mefferaffäre hatte stch in gestriger Sitzung der Strafkammer ferner bet 47 Jahre alte Arbeiter Georg Peter Naumauu, woh» haft hier, zu verantworten. Am Sylvester-Abend, gegen %8 Uhr, geriet der Mann mit einem junge» Hausburschen aus Ockershausen in Streit, wobei et diesem mst einem Messer eine 10 Zentimenter lange Wunde in den Arm beibrachte. Das Schöffengericht, welches fich zunächst mit der Angelegenheit befaßte, hatte den Naumann zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Er legte Berufung ein und versicherte gestern, daß et in Notwehr gehandelt habe Das Gericht ermäßigte d,e Strafe, nachd m eine ganze Reihe von Zeugen vernommen waren, auf 6 Monate

Beginn». 5Dte .Times' schildert den Ein­zug de« Könige Eduard in Lissabon und führt dann aus, daß alle einflußreichen Kreise in Portugal jetzt anglophiel seien, weil sie sähen, daß dre alte Allianz mit England Portugals Kolonialbesitz garantiere und denselben vor der Begierde einer anderen Macht, die diesen Kolonialbesitz erben wolle, schütze. Portugal fürchte Deutschland ebenfo, wie gewisse süd- amerilanische Staaten e« täten. — Wer lacht da?! England al« Beschützer fremder Kolonial­reiche, ist nut!

Bereinigte Staaten von Nordamerika. Präsident Roosevelt hielt in Chicago eine Rede über die Monroe-Doktrin. Er erklärte, die Mächte, speziell auch Deutschland, haben in der venezolanischen Affäre durchaus korrekt Ver­fahren. Er zitierte amtliche Schriftstücke, die beweisen, daß Treu und Glauben nicht verletzt Word«, seien. Roosevelt legte ein kräftiges Wort für daS Haager Tribunal ein. Zum Schluß versetzte der Präsident dem Admiral Deweh eine scharfe Zurechtweisung, indem er wörtlich folgende« sagte: »Großsprecherei und Prahlerei sind ebenso ungehörig unter Nationen wie unter Individuen und Männer, welche im öffentlichen Leben einer Nation stehen, sollten soviele nationale Selbstachtung besitzen, daß sie von auswärtigen Mächten in höflicher Weise sprechen, ebenso tote jeder gewöhnliche Mann, der Selbstachtung besitzt, andere Leute höflich behandelt. Prahlen ist vom Hebel, grundlose Beleidigung eines andern noch schlimmer/

Türkei Wiewohl die allgemeine Situation noch immer sehr ernst aufgefaßt wird, kann eS doch als sicher gelten, daß Rußland die durch do« feige Attentat aus seinen Konsul in Mitrvwitza geschaffene Lage nicht dazu benutzen wird, dem Sultan Verlegenheiten zu bereiten, dem nichts ungelegener kam als da« Attentat und der e« aufrichtig bedauert. Rußland dürste vielmehr dem Sultan den größten Spielraum zur Bekämpfung und Niederwerfung der Albanesen gewähren.

— In den albanefischen Zentren von Ipek und Djakovar wird auf da« eifrigste gerüstet. G^gen 15 000 Albanesen bereiten sich auf einen Marsch gegen Mitrowttza vor. Eine au« fünf albanefischen einflußreichen Staatsbeamten zu­sammengesetzte Kommisfion ist heute nach Albanien gereist, um einen letzten friedlichen Versuch zu unternehmen und die Albanesen zur Niederlegung der Waffen aufzufordern.

Verantwortlich für die Redaktion: Frhr, d. WanLeahei» w Mord«»

Neueste TeLeavEme

Berlin, 4. April. Das ,Berl. Tgbl.' teilt mit: Gelegentlich einer un oberen Lichtwale der Phil­harmonie abgehaltenen Sitzung der Gesellfchast vom roten Kreuze stürzte ein Mitglied in einen offenen Kellerhals und brach beide Beine. An seinem Auf­kommen wird gezweifelt.

Hannover, 4 April. Der durch fein Duell mit dem Landrai von Bennigsen bekannte Domänenpächter von Falkenbagen ist auf 4 Wichen aus seiner Haft in Weichfelmünde beurlaubt und weilt gegen« toärtia in Hannover

München, 4. April. Es steht nunmehr, wie die .Morgenpost' meldet, fest, daß der Minister von Feilitzsch nach den Wahlen seinen Posten ver­lassen wird.

Wie«, 4. Äpril. Nachrichten aus Mitrvwitza zu­folge, ist der Zustand des verwundeten russische« Konsuls äußerst besorgniserregend — Eine für einen friedlichen Sommer recht betrübenswerte Nachricht.

Paris, 3. April. Das. Journal des Döbats* erklärt in betreff der von der.Nowoje Wremja' gegen den Minister des Aeußern, Delcasse, er­hobenen Angriffe, dieselben seien vollständig unbegründet und eine unrichtige Behauptung. Die französische Diplomatie habe niemals ihre Politik in der Frage der mazedonischen Reformen übertreiben wollen. Es sei ein Irrtum, wenn das Organ hervorhebe, daß fich Delcassä eine überwiegende Rolle bettneffe. Wir waren nur überrascht, fährt das „Journal deS TöbatS" fort, wenn Graf Lamsdorff und Graf Goluchowski die Auffassung der „Nowoje SBremja' teilten und sagen tollten, daß Delcaffü versucht habe, sie in den Schatten zu stellen. Der Vergleich zwischen der Entsendung bei französischen Geschwaders in den Orient anläßlich bet Affäre TubirwLorando und der hypothetischen Entscheidung eines Geschwaders zur Unterstützung der Macedonier sei unverständlich. Delcaffs habe noch jüngst in der Kammer ausdrücklich einen Unterschied gemacht zwischen der lediglich franzöfischen Angelegenheit Tubini Lorando, bi^ Frankreich gestattete, selbständig vorzugehen, unb; der internationalen makedonischen Frage, welche nur durch das Einvernehmen der Mächte gelöst werden könnte. Die von der .Nowoje Wremia* gegen die französische Presse ge­richteten Vorwürfe seien allerdings teilweise berechtigt, nur müsse man auch unterscheiden und fich vor Augen halten, daß z. B. ein Blatt, welche« im Auslande für officiö« gehalten werde, in der auswärtigen Politik nur die Meinung der exaltiertesten Sozialisten wiedergebe.

Madrid, 4. April. In Barcelona fanden ebenfe wie in Salamanca Kundgebungen der Studenten statt. Die Universität wurde gleichfalls geschlossen.

Kouftantinoprl, 4. April. Ter Sultan empfing den österreichtsch-ungarischen Botschafter Baron Calice und den ruffischen Botschaften Sinowjew in Audienz.

Marburg uuo Umgegend

ytatbetg, 4. April.

Stadtveror»«ete«fitz««g »em 3. Avril 1903.

Der erste Punkt der Tagesordnung betraf Mit­teilungen zur Kenntnisnahme. Es zirku- lierten tote Üblich die Abrechnungen der Stadthaupt­kasse uiro, ferner wurde die Einladung zur Prüfung der Fortbildungsschule bekannt gegeben. Weiter kam betreffs des Antrags der Stadtverordneten Über die Bewilligung eines Ruhegehalts für die alten Nacht­wächter ein längeres Schreiben des Magistrats zur Berlelung. Aus diesem war ersichtlich, daß die Be­willigung eines GnadengehaltS vom 'JJiagiftrat abge­lehnt wurde. Die früheren Nachtwächter waren wie jeder städtische Arbeiter in der Alters- und Invaliden- lasse versichert gewesen und erhielten jetzt zum Teil auch Rente. $ie Bewilligung des Antrages hätte zu unliebsamen Konsequenzen gesührt, denn mit dem­selben Recht könne jeder städtische Arbeiter dasselbe verlangen. Die Stadtverordneten Koburger, Hering und Heuser hielten es für richtig, daß man wenigstens den älteren Leuten, die so lange der Stadt gedient, etwas gebe, trüber seien auch solche Ausnahmen gemacht worden

Der Mühlenbefitzer Fendt beabsichtigt feinen zur Mühle gehörigen Untergraben in Ordnung setzen zu lassen. Da nun der Graben nach seiner Behauptung beim Bau der Weioenhäuser Brücke im Jahre 1891 und auch sonst durch die früheren alten städtischen Kanäle arg Der- un einigt wurde, ersucht Herr Fendt um eine Bei- hülfe von 200 Mk. zu den 600 Mk. bi tragenden Kosten. Der Oberbürgermeister betonte hierbei die Notwendig­keit der Instandsetzung des Grabens und erwähnte auch gaß man Herrn Fendt eine kleine Beihülfe dazu geben müsse Die Versammlung stimmte darauf dem antrage zu Ebenso erfolgte auch ohne jeden Ein- spruch die N a ch d e w i 11 i g u n g des Beitrags zur Ruhegehaltskasse für Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen und in die Elementar- Alterszulagekasse. .

Herr Bierbrauereibefitzer Bopp hat um Genehmig­ung zur Anlage einer elektrischen Leitung von der Brauerei nach der Mälzerei über den Pilgrimstein nachgesucht Als ein Stadtverordneter Einwendungen unter Anführung verschiedene Gründe machen wollte, wurde ihm von anderer Seite bedeutet, daß die An­lage ja bereits ausgeführt sei. Es erfolgte deshalb die nachträgliche Genehmigung hierzu F^ner ge­nehmigte man die Magistratsanträge betreffs Ver­tretungen erkrankter Lehrer und definitive An­stellung von Poliieifergeanten, sowie einen Antrag betreffs Abänderung der Baufluchtlinie der Schwanallee und Abschluß eires Vertrag« mit Herrn Rentner Roth hier.

Bei der Wasserkraft in Wehrda tft die Aufstellung einer neuen Maschine notwendig. Der Magistrat hat nach eingehender Sachlage be- schlossen, einer Campound - Maschine anzuschaffen. Man war damit einverstanden.

Ebenso ist auch in Wehrda die Anlage eines fünften Brunnens erforderlich. Nachdem den Stadtverordneten über die Anlage, wie dieselbe gedacht ist, eingehend Bericht erstattet war, erklärte der Oberbürgermeister, daß die Untersuchungen, welche von maßgebender Seite gemacht worden seien, ein gutes Eraebnis bezüglich de« Wassers ergeben hätten. Da der Brunnen auf der entgegengesetzten Seite der Labu angelegt werden soll, muß eine Leitung gelegt werden. Von verschiedenen Seiten wurde betont, daß man zunächst erst einmal Bohrungen machen soll, damit keine unnötige Arbeit gemacht würde. Mit' dem Zusatz in diesem Sinne wurde der Magistrats­antrag angenommen.

Ein wichtiger Punkt war die Regelung des städtischen Snbmissionswesens. Der Re­ferent Etadtv. Seebinger betonte in seiner Einleitung, daß es nun endlich, nachdem vor 6 Jahren schon die Regelung des städtischen Submisfionswesens angeregt worden sei, Dank der Tätigkeit der Kommisfion und der Zustimmung des Magistrats zu einem Resultat gekommen sei. Der neue Entwurf der Submission«, vestimnumaen passe fich in der Hauptfach« den Wünsche»

(8> Amöneburg, 4. April. Herr Kapla» Echleichert von hier tft nach HilderS und Herr Kavla« Günther von Fulda an die hiesige Rettoratsschnl« verseht worden.

(§) Amöneburg, 4. April Der Metzger Heinrich Ruhl wird auf seinem Grundftück «Untergaffe) et» Schlachthaus errichten, um auch Großvieh schlachte» zu können, denn seither mußte da« Fleisch solcher Tiere von auswärts eingebracht werden. Ruhl will nun diesem Uebelftanb abhelfen, zur Freude bflVi hiesigen Einwohner.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete

Kaffel, 3. April. Der Bau einer Industrie­bahn im Ahnatals bei Kassel ist nunmehr ge­sichert, da der erforderliche Garanttefond« fast vollständig gezeichnet ist.

Witze»ha«fe«, 3. April. Medizinalrat Dr. Eichenberg ist al« Kreisarzt nach Hana« versetzt worden.

Le«n, 3. April. Der auf der Oberndorfer Hütte beschäftigt gewesene Wagner AmbrofiuS von Oberndorf, gebürtig von BiSkirchen, wurde im hiesigen Gesiteindewald erhängt aufgefunden.

Lvttdorf, 3. April. Die Wasserleitung«» arbeiten in hiesiger Gemeinde schreiten rüstig vorwärts. — Ter hiesige Gesangverein .Froh­sinn' hat beschlossen, sich an dem am 5. Juli d. IS. zu Bad Nauheim stattfindenden großen nationalen Gesangswettstreite zu beteiligen und diesmal in einer höheren Abteilung wie bei früheren Wett­streiten zu fingen.

Krofdorf, 2. März. Nach einer soeben vom hiesigen Bürgermeisteramt bekanntgegebene« Polizeiverordnung dürfen in sämtlichen Ort» schäften der vereinigten Bürgermeisterei Atzbach» Launtzbach Personen unter 16 Jahren dis Wirtshäuser für die Folge nicht mehr besuchen.