mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
JVi 91
Diertel^ hrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Ml. (excl. Bestellgeld).
^nserttonsgebühr: die gespalten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamcn: dir Zelle 25 Psg.
Marburg
DormersLag, 2. April 1903.
Erscheint täglich außer au Sonn- und Feiertage«. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llniversitäts-Buchdrnckrrei Marburg, Markt 21. — Telephon 5*
38. Jahrg.
Deutsche Niger-Benus-Tschadsee- Expedition.
Die Expedition de» Deutschen Niger-Benue- Tsch<chsee - Komitee» hat, wie die Deutsche Kolonialgesellschaft mitteilt, nun den zweiten Lei! ihrer Aufgabe, nämlich Bereisung und Erforschung der Gegenden um dm oberen Venne, erfüllt.
Die ans 90 Trägern bestehende Karawane setzte sich Anfang September in Garua in Bewegung und verfolgte ihren Weg unter Benutzung deS Paffargeschen ItinerarS zunächst Aber $6 und Adumö, beides bedeutende Fulbe- städte mit größeren Märkten. Bon da wurde eine neue, weiter östlich gelegene Route einge- fchlagm, und nach Ueberschreiten des nicht un- bedeutendm, für kleine Dampfböte schiffbaren Mao Shinna gelangte man nach Dyirom, jenem Vorort von Rei Buba, wo seinerzeit durch dm König von Bubandhidda dem weiteren Vor- dringm der deutschen Kamerunexpedition ein Siel gesetzt wurde. In Rei Buba fand die Expedition eine unerwartet freundliche und gastliche Aufnahme durch dm König Buba Chamaa. Selbst der so kriegerische und stolze vubandyiddaner bmgt jetzt den Nacken vor der Macht des weißen Manne». Rei Buba zählt etwa 4000 Einwohner. Fünf Tore vermitteln den Zugang zu der Stadt, die, inmitten sumpfiger Niederungen gelegen und zudem durch Wall enb Graben wirksam befestigt, einst eine Hochburg der Fulbeherrschaft bildete, zu jener Zeit nämlich, al« der Bater des jetzigen Königs begann, sich die umwohnenden Heiden zu unterwerfen. Die KönigSburg ist wohl da« impo- nierendste Bauwerk in ganz Deutsch-Adam aua, sie besteht aus einer großen Zahl von Höfen und Häusem und ist durch eine 5—6 m hohe Mauer umgeben. Der kriegerische Sinn deS Fnlbe ist nirgends so entwickelt wie in Buban- dhidda; niemals verläßt der Bubandhiddasulbe sein HauS, ohne sich mit Schwert und Pfeil und Bogen oder mit dem Wurfspeer bewaffnet zu haben.
ES gelang der Expedition, von Rei Buba auS ostwärts in die Gebiete der Heiden an der deutsch -französischen Grenze vorzudringen, die noch nie zuvor der Fuß eines Weißen betreten hatte. Die Bewohner jener Gegendm waren harmlose Leute, die beim Nahen der Karawane meist ängstlich in die Berge flohen. Sie gehören zu den Stämmen der Laka und Mbene und find teils dem König von Bubandhidda, teil» dem von Ngaündere tributär. Die Bildungsstufe jener Heiden ist eine niedere; fie hatten von all den politischen Umwälzungen Adamauas in den letzten Jahren noch keine Ahnung, weder von dem Sturze des EmirS von Pola noch von der Errichtung deutscher Stationen war ihnen etwa» bekannt. Die Botschaft, die Zeit der SKavenjagden sei nun vorüber, der weiße Mann wünsche, daß jeder in Ruhe und
S6 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
„Hm! Es ist mitunter doch gut, wenn man Vicht gar so kurz angebunden gewesen ist. DaS sehen Sie jetzt. Aber was versäumt ist, das ist nicht zu ändern. Wa» ist der Schorsch für ein Mensch?"
»Ein Bursch, dem's Blut leicht zu Kopf steigt!"
»Sie meinen, er sei jähzornig?"
„Da» ist er!"
.Und wie!" fiel Hölder ein; »Hütt doch einmal net viel fehlt, und er hätt mich mit der Peitsch' traktiert, weil ich den Wagen ihm net schnell genug abschloß!"
.Gut! Also — — doch da« ist für Sie nichts, Fräulein Hannchen. Sie wollen morgen früh reifen ? Nun da Sie keine Aussagen zur Cache selbst machen können, steht dem nichts entgegen. Schlimmstenfalls werden Sie noch einmal hierher geladen werden. Die zehn Meilen, die Sonnenfeld von Ihrem neuen Aufenthaltsort trennen, find ja bald zurückgelegt. Leben Sie wohl und viel Glück in der Welt!"
.Herzlichen Dank, Herr Kommiffar."
.Das Mädele freut' sich, daß jeder ihr so gute Wünsch' mit auf den Weg gibt!" sagte Lebrecht Hölder, seine Mütze zwischen den Fingern drehend, während seine Tochter bereits tzer Tür zuschritt.
.Und das Hannchen verdientS sucht" lautete
Frieden sein Durrhafeld bestelle, erweckte überall lebhafte Begeisterung und Freude; denn leider ist die Bevölkerungszahl jenes deutsch - französischen Grenzgebietes durch die Sklavenjagden vergangener Jahrzehnte stark reduziert wmwen. In orvgraphrscher Hinsicht bietet sich jene» Gebiet als ein durch tiefe, wenig breite Täler durchfruchteS GebirgSland dar, dessen Oede durch zahlreiche, reißend dahinfließende Flüßchen unterbrochen wird, die Quellflüsse des Mao Shuffi. Im Hoffore NgLn Yängo erreicht das Gebirge feine höchsten Erhebungen in zwei 1200 m hohen Granitklippen. Pässe von 1000 m Höhe mußten öfters erklommen und überschritten werden. Ueberhaupt bot die Durchquerung jener Gegenden, insbesondere wegen der schwachen Bevölkerung einige Schwierigkeiten. Die geologischen Verhältnisse waren ziemlich einfach. Die krhstalliuen Schiefer und Gneiße treten bei der Ausdehnung und Häufigkeit der Granit- masfive ganz in den Hiudergrund.
Am 5. November erreichte die Expedition die gut bevölkerte und an Vieh so überaus reiche Hochebene von Ngaumdere und wenige Tage später Ngaumdere selbst.
Ngaumdere ist die bedeutendste Stadt in Deutsch-Adamaua und besitzt ca. 10 000 Einwohner. Der jetzige Suftan ist ein der deutschen Regierung wohlgesinnter Mann von vornehmer Gesinnung und überaus einnehmendem Wesen. Gegen Mitte November wandte sich die Expedition, reich beschenkt vom König und von diesem und den Großen seines Reiches begleitet, wieder nach Norden, Garua zu. Man gelangte in die Nähe der SenuequeÖen, die nun kartographisch festgeletzt sind. Der Senne setzt sich aus 2 kleinen Quellflüßchen zusammen, die sich sehr bald vereinigen. Schon einige Stunden weiter ist der Benne ein selbst in der Trockenheit nicht unansehnliches Flüßchen von 5 bis 10 m Breite. Die Szenerie am oberen Benutz ist nicht ohne Reiz.
Mitte Dezember traf die Expedition, ohne wesentliche Zwischenfälle gehabt zu haben, in Garua wieder ein, indem fie die folgenden teils schon bekannten, teils bisher unbekannten Ortschaften berührte: Lsadje, Gunna, Jffabälda, Vubao, Biberg, Djirnm, Lagdo, Duli, Garua.
Garua ist ein aufstrebender Ort von 2500 Einwohnern, der dereinst, in hoffentlich nicht mehr ferner Zeit, berufen sein dürste, Zola den Rang abzulaufen, das schon jetzt bedeutend verloren hat, feit es seiner politischen Bedeutung für Adamaua entkleidet worden ist.
Die Erfolge der Expedition liegen in der Hauptsache auf geographischem Gebiete: eS wurde eine bis dahin als weißer Fleck auf der deutschen Kamerunkarte gekennzeichnete unbekannte Gegend durckquert, ein neuer nicht unbedeutender Nebenfluß des Benue, der Mao Shusfi, entdeckt und der Benue selbst in seinem Oberlauf al» bedeutend weiter westlich laufend befunden, als aus den bisherigen Karten angegeben war.
die freundliche Antwort. „Wenn Sie's nur nicht mal bereuen, daS Mädchen in die Fremde geschickt zu haben."
Mit ein paar Schritten seiner langen Beine war Hölder zum Tisch de» Beamten zurück: „Wenn's net Ihr Glück fein tät, hält' ich das Mädele auch, weiß Gott, in Sonnenfeld behalten."
„Wenn's mit dem Glücke bloß stimmt!"
Hölder nickte siegeLgewiß und dann folgte er eilig feiner schmucken Tochter, die mit ihrer hellen Stimme schon mahnte: „Aber Vater!"
Eben waren fie hinaus, als der Kommiffar fchellte und dem eintretenden Polizeibeamten befahl, den Postillon Schorsch morgen mit dem frühesten zur Vernehmung vorzuführen.
ES schlug gerade Mitternacht vorn Turm, als Hannchen und ihr Vater wieder zu Hause ankamen. Frau Elise Hölder saß am Tische strickend bei der Lampe, die stählernen Nadeln klirrten nur so, so aufgeregt war die würdige Frau. Natürlich hatte sie die Zitierung ihrer Tochter zum Sonnenfelder Rathause nicht für sich behalten können, mit einer Nachbarin zur Rechten und zur Linken hatte sie etn paar Worte darüber gewechselt, die von neugierigen Ohren, die hinter leise geöffneten Fenstern lauschten, vernommen und schnell weiter verbreitet wurden. So war es denn nicht auffällig, wenn trotz der späten Stunde sich noch Licht hinter den Fenstern zeigte, und leichte Bewegungen der Gardinen und Vorhänge verrieten, daß spähende Augen dahinter sich zu überzeugen trachteten, ob man Hölder» nicht
Umschau.
Unser Kaiser in Dänemark.
Heute, am Geburtstage Bismarck», hat unser Kaiser seine Reise nach Kopenhagen angetreten, um den ihm im Oktober vor. Jahre» vorn Kronprinzen von Dänemark ab gestatteten Besuch zu erwidern. Es hat lange genug gebauert, ehe dieser Besuchsaustausch möglich wurde, mit um so größerer Genugtuung darf mau daher aber auch die Tatsache konstatieren, daß er nunmehr stattfinden konnte. Kaiser Wilhelm ist in Kopenhagen desselben sympathischen Empfanges gewiß, den vor einem halben Jahre Kronprinz Friedrich in Berlin gefunden hat. Daß bei den Dänen nunmehr auch der letzte Rest von Bitterkett über die Ereignisse deS Jahre» 1864 scheiden werde, und daß insonderheit der greise König Christian, die Seele der anttdeutfchen Bewegung in Dänemark während mehr als eine« vollen Menschenalters, noch in seinen alten Tagen eine so vollkommene Wandlung durchwachen werde, um sich zu einem ausrichtigen Freunde Deutschlands zu bekennen, daS kann und wird niemand erwarten. Es genügt aber auch die Tatsache vollkommen, daß in Dänemark nunmehr endlich die Ueberzeugung durchdringen konnte, daß die Interessen deS Landes eine freundschaftliche Annäherung an Deutschland geradezu zur Notwendigkeit machen. Dieser gebietenden Macht hat sich auch der König unterworfen, der während seiner 40 jährigen Regierung nach dem Verlust der deutschen Provinzen die schwersten inneren Kämpfe nicht scheute, um Kopenhagen zu befestigen und die Wehrkraft Dänemarks zu einer resvektablen Höhe zu erheben. Noch da» Jahr 1879 brachte deutschfeindliche Kundgebungen deS dänischen Hofes anläßlich der Vermählung der jüngsten Tochter deS KönigS- paareS, der Prinzessin Thhra, mit dem hannoverschen Prätendenten, dem Herzog von Eumberland. Bismarck beantwortete diese Unfreundlichkeit mit der Aufhebung der Klausel, wonach die nördlichen Distrifte Schleswigs unter gewissen Umständen einmal an Dänemark hätten zurücklallen können. Seit jener Zeit herrschte ein neutrales Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern, bis die immer gebieterischen auftretenden wirtschaftlichen Interessen Dänemark« die Annäherung herbei- sührten, in deren Erfolge sich auch die Aussöhnung der Dynastien vollzog.
Zur Revision der Börsengesetzgebuug.
Als ein Beweis für die üble Wirkung, die angeblich die Dörfenreform auf da» legitime Börsengeschäft auSgeübt haben soll, wird unter anderem auch der Umstand ins Feld geführt, daß die Erträge der Börsensteuer trotz deren Erhöhung gesunken seien. Es ist richtig, daß die Börsensteuererträge, wie alle übrigen Verkehrseinnahmen infolge des geschäftlichen Nieder
gleich oben in Nummer Sicher behalten habe. Denn in Sonnenfeld war, wie in mancher kleinen Stadt, nicht allein die Antipathie gegen eine jede „Geschäftsverbindung" mit der Polizei sehr groß, man glaubte auch mit behaglichem Gruseln, daß die meisten, die vor den strengen Herrn Kommiffar geladen würden, gleich dort bleiben müßten.
Unb nun besonders, wenn eS sich um eine solche schwere Sache unb ein Zeugen-Verhör in halber Nacht hanbelt!
Hannchen hatte gleichmütig ihre Beobachtungen gemacht, aber bas seelische Gleichgewicht ihres Vaters war boch ein paar Minuten lang recht bedenklich in« Schwanken geraten, als der Spitzfindige au« dem „Hirschen" ihnen beiden begegnete und die „harmlose" Frage stellte: „Na, auch ein bißchen spazieren gewesen?"
Hätte Hannchen den erbitterten Vater nicht fest am Arm gehalten, es hätte trotz de» gerade mahnenden Nachtwächters in den idyllischen Sonnenfelder Straßen noch eine Rauferei gegeben. So wurde die Gegnerschaft mit der Zungenspitze auSgefochten.
„So find die Leut'!' sagte Hölder mit bebender Stimme. „Siehst, Hannchen, waS heut alles gekommen ist!"
Sie nickte! Der Zufall hat wirklich merkwürdig sein Spiel getrieben....
Frau Elise Holder hatte nun endlich den wahrheitsgetreuen Bericht über die Vernehmung Hannchens von Mann und Tochter zweimal vernommen, unb babei mit aller Entschiedenheit sich gegen die mögliche Annahme gewehrt, daß
ganzes gesunken find; aber im laufenden Rech« nungsjahr hat fich bereit» wieder eine ansehnliche Steigerung, unb zwar in ben ersten elf Monaten um acht Millionen ober 33V, Proz. bemerkbar gemacht. Wie aber die „Kölnisch« Volkszeitung" hervorhebt, gewinnt diese Sache jetzt noch ein weitere» Interesse, nachdem die Ergebnisse der Stempelrevifion in den deutschen Bankgeschäften auS dem Jahre 1901 bekannt geworden find. Daraus erfahren wir nämlich 1. wie wenig energisch da» RevifionSrecht feiten» der Steuerbehörden bei den sogenannten Privat- bankier» auSgeübt worden ist, und 2. tote geradezu erschreckend groß die Zahl der Defraudationen sich bei diesen herauSstellt.
In Preußen wurden 2 556 revifionspflichtigen Bankier« im Jahre 1901 nur 523 revidiert, wobei sich 1365 Defraudationen ober Kontraventionen herauSstellten, in Bayern von 461 Bankier» 199 revibiert mit 6826 Defraudationsund KontraventionSfällen, in Mecklenburg- Schwerin von 18 Bankiers 17 revidiert mit • 1162 Fällen. In Hamburg wurden von 713 Bankiers nur 9 revidiert; dort scheint also daS RevifionSrecht fast gar nicht auSgeübt zu werden. In Württemberg hat überhaupt keine Revision stattgefunden! Trotz der vieltausendfacheu Stempelhinterziehung ist nur in ganz wenigen Fällen Strafantrag gestellt worden, in allen übrigen Fällen hat man fich, wie eS scheint, mit der Nacherhebung des Stempel» begnügt. Damit blieb natürlich die Reichskaffe geschädigt in allen den Fällen von Stempelhinterziehungen, die man nicht entdeckt hat, weil man nicht revidiert hat. Die ReichShauShaltkorninisfion hat deshalb am 20. d. eine Resolution beschlossen, worin der Reichskanzler oufgeforbert wird, für eine strenge und gleichmäßigere Handhabung des RevifionSrechtS Sorge zu tragen. Zweifellos steht schon jetzt fest, daß die Stempelhinterziehungen einen geradezu ungeheueren Umfang erreicht haben, und daß aus diese Weise die Reichsfinanzen außerordentlich geschädigt ftnb! Es scheint also, daß die Bank- und Börseninteressenten auch hinsichtlich der Börsensteuer sich übet das Gesetz stellen und durch passiven Widerstand fich eine Revision zu ihren Gunsten erzwingen wollen.
Die Vertilgung der Forstschädlinge.
Bekanntlich gibt der preußische Staat beträchtliche Summen für die Vertilgung der den Forsten schädlichen Tiere aus. In einem Jahre war der dafür ausgewotsene Posten durch die Kosten für die Bertilgungsmaßregeln gegen die Nonne in Ostpreußen und den Kiefernspinner in Westpreußen und dem Regierungsbezirk Bromberg sogar um nahezu 300 000 Mk. überschritten worden. Die Vettilgungsmaßnahmen gegen die Nonne haben keinen durchschlagenden Erfolg gehabt. ES steht indessen zu hoffen, daß die Kalamität namentlich infolge der bet Entwicklung deS Insekt« ungünstigen Witterung de« verflossenen SommerS im wesentlichen nun»
der Schorsch, der zu ihrer „seligen Pat' Freundschaft" gehörte, etwas mit der Geschichte zu tun haben könne, als der alte Lebrecht mit einem kräftigen Kennwort erklärte, er könne nicht mehr die Augen aufhalten, und morgen müsse er schon um fünf in den Dienst, weil er nachher eine Stunde frei habe, um Hannchen zur Eisenbahn bringen zu können.
Da endlich trennte man fich, ohne viele Worte, auch kaum zärtlicher als sonst. Die Aufregung hatte von dem Trennungsschmerz schon zuviel fortgeschwemmt. „Hannchen, um 6 bist Du wach!" erinnerte Frau Hölder. „Ja Mutterle I" war die bestimmte Antwort. „ Könnt' die ganze Nacht durch wachen." — „Sollst aber net," murrte die umsichtige Frau, „wenn wir zur Christel-Base nach der großen Stadt kommen und Du machst bann ein verschlafen' Gesicht, WaS soll'» bie Leut' denken."
„Die Leut' in bet großen Stadt würben sich wohl gar nicht um fie junges Ding kümmern!" buchte Hannchen bei fich» aber warum sollte fie e8 sagen? Dazu paßte bie Zeit nicht mehr.
So ging sie zur Tür. Mit einem Male gab'S einen hellen Klang. Sie beugte fich schnell zu ben weißgescheuerten Dielen, da lag ein Stück de» dünnen golbnen Halskettchen», das sie trug. Sie hielt eS empor, bie ©lieber hatten fich gelöst.
„Was da« nun wieder bedeutet? meinte die Mutter. .Wenn'» bloß erst morgen war I
(Fortsetzung folg!)