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♦ntt dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain.

Somr.agsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

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Marburg Mittwoch, 1. Aprll 1903.

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Ltertcl^h-licher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk..

.HL 90 » bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

^»sertionSgebühr: die gespallsn- Zeile oder deren Rmnu 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 26 Psg.

Erscheint täglich außer an Soun- und Feiertage».

Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe. QQ

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei *

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Kreistag für den Kreis Kirchhain.

8 Kirchhain, 80. März 1903.

Im KreiShause tagte heute eine Sitzung deS Kreistages für den Kreis Kirchhain. Dieselbe wurde wm 9»< Uhr vormittags durch Herrn Landrat Frhrn. Gchenck zu Schweinsberg eröffnet.

Der erste Punkt der Tagesordnung betraf We Wahl eines Schiedsmanns und eines Stell­vertreters für den vereinigten SchiedsmannSbezirk Wohra mit Gutsbezirk Bracht. Gewählt wurde Kornhändler Friedrich Herbst und als deflen Stellvertreter Gemeinderechner Weber. Für den Be­zirk Wolferode wählte man als Schiedsmann-Stell­vertreter Wiegand Göttig.

Die Vorlage der Kostenanschläge für Unterhaltung be>. Landwege für 1903 gab Anlatz zu längerer Debatte. In den Etat eingestellt find hierfür 30105 Mark. Der in der Sitzung anwesende Herr Kreis- vauinspektor wies darauf hin, daß man event. Sicher» sbeitsvorrichtungeu später anzulegen in Betracht liehen muffe. Ferner wurde erwähnt, ob man nicht die KreiSsteuer etwas erhöhen solle, damit für bessere Wege Sorge getragen werden könne. Demgegenüber wurde betont, daß bei Einrichtung des Güterverkehrs «nf Bahnhof AIkendorf durch direkte Beförderung des Schottermaterials an diese Stelle viel Geld ge» aart werden könne, auf diese Weise würde man mn für bessere Wegeherstellung und event. anzu­legende SicherheitsvorriLtungen soviel Geld übrig hehalten, daß der Etat nicht höher belastet zu werden brauchte. Ferner wurde angeregt, ob der Bezug von Schottermaterial aus den Öhmtalbasaltwerken nicht billiger sei, wie das Zerkleinern der Sterne an den Chausseen. Der Herr Landrat bemerkte im Lause der Diskuffion, daß es sehr gut sei, daß der Kreis die Unterhaltung der Landwege übernommen habe, da fprrnge wenigstens etwas aus dem Dotationsfonds 1tir den Kreis und die bedürftigen Gemeinden heraus, er schätze es auf etwa 7V00 Mk. Man beschloß schließ­lich, es bei den 80100 Mk. zu belasten.

Herr Landrat Frhr. Schenck zu Schweinsberg er­stattete nunmehr den Bericht des Kreisausschustes über die Verwaltung und den Stand der Kreis-Kommunal» Lngelegenheiten im Rechnungsjahr 1902.

Die Ortskrankenkasse für den Kreis mit Ausnahme von Neustadt und Momberg schließt wie folgt ab: Witqliederstand 961, Einnahmen 15 740 Mk, Aus- M> 591,18 Mk, Kastenbestand 248.88 Mk, Gesamt- vermögen 10065,66 Mk. Die Ortskrankenkasse Neu- stadt Momberg schließt wie folgt ab: Mitgliederstand 233, Einnahmen 3500,92 Mk., Ausgaben 3228,13 Mk, Bestand 272,79 Mk, Gesamtvermögen 5305,54 Ml. .Der landwirtschaftliche Kreisverein zählt zur Zeit 139 Mitglieder. Die Zahl der Aerzte im Kreise beträgt zur Zeit 8 gegen 12 im Vorjahr. Im abgelaufenen Jahr find 9095 Schweine untersucht und sämtlich trichinenfrei besunden worden Die VerZiegungsstation wurde von 5452 Reisenden berührt, gegen 5222 im Vorjahr. älu Titel Militärverhältniste fei erwähnt, daß von 28 Gestellungspflichtigen 53 ausgehoben wurden. In Halsdorf und Kleinseelheim find Schulhäuser ge­baut und in Holzhausen ein solches im Bau begriffen. Die Gütertransporte aus der Ohmtalbahn haben fich so vermehrt, daß schon eine Einnahme in den Etat' eingestellt werden kann. Die Einführung der Bahn in den Hauptbahnhof ist bis zum Herbst fertig. Bei Titel Landwege wird besonders der Ausbau des Land­weges WohraHertingshausen erwähnt. Die Ver­anlagung zur Einkommensteuer für 1902 hat ein Er- aebms von 40515 Mk. geliefert gegen 37193 Mk. im Vorjahr. In einer Gemeinde wurden 250350 und in einer anderen 300450 Prozent Gemeindesteuer bei doppelter Veranlagung zur Einkommensteuer er- hobest.

Auf eine Anfrage erwähnt der Herr Landrat, daß der Prozeß den der Kreis mit dem Bauunternehmer Hahn-Berlin wegen der Ohmtabahn hätte, wie wir dies auch damals in der »Oberhesfischen Zeitung' be­richtet«,, für den Kreis gewonnen sei. Hahn habe aber Berufung eingelegt. Eine weitere Anfrage be­traf die Herstellung deS Weges WohraHertings­hausen. Der Herr Landrat versprach, das Erforder- Uche veranlassen zu ivollen, damit dem dringenden Bedürfnis bald abqeholsen würde, ohne daß diese wirtschaftlich schwachen Gemeinden belastet würden. Ferner wurde angeregt, ob es nicht möglich fei, die »veite Spezial-Kommisfion von Marburg nach Kirch- Hain zu verlegen. Es wäre doch den Kreiseingesesteneu viel leichter gemacht und die Stadt Kirchhain habe Vorteil davon. Der früher gemachte Einwand, es kehle in Kirchhain an Wohnungen, sei doch längst hinfällig. Die in dieser Angelegenheit bereits getönenen Schritte sollen wieder eingeleitet werden.

Es folgte die Etatsberatung. Der Etat enthält tn der Hauptsache folgende Ziffern:

A. Einnahmen:

Aus nutzbarem Kreisvermögen zusammen 950 Mk. Sinnahmen aus Verkehrsanlagen zusammen 930 Mk. Einnahmen aus gemeinnützigen Einrichtungen und Anstalten zusammen 700 Alk. Dem Kreise über- wie fine Gebühren zusammen 1260 Mk. Dotationen zusammen 13513 Mk. Kreissteuern zusammen 63400 Mark. Beiträge der Gemeinden für die nach dem Gesetz vom 11. Juni 1891 untergebrachten Geistes­kranken pp. zusammen 1793,33 Mk. Rückerstattung »er nach Titel X der Ausgaben vorgelegten Kosten zur Unterstützung von Familien der zu Friedens- Übungen einberufenen Mannschaften des Beurlaubten» standes 400 Mk. Einnahmen aus dem Betriebe der Ohmtalbahn 1000 Mk Insgemein und zur Ab- «lndung zusammen 453,67 Mark. Summa aller Einnahmen 84400,00 Mk.

_ .(50 -fr Kreisstcuern von dem geschätzten Gesamt- Kreissteuersoll von 116000 Mk. In den Kreis- Heuern find 6-fr i. Bezirkssteuern enthalten, so daß ®te eigentlichen KreiSfteuern fich nur auf 43»/< »fr

Probenummer kommen.

Baukapital zurückgezogen. Betrübten Herzens Probenummer kommen. _ .

begab sich das Pärchen in die Wohnung nach -

bem Schutzenhause zuruck. Unterwegs wurden Monat April schon eine ganze Reihe von Arbeite« sie von Schulknaben mit faustgroßen Sternen -NuefcUn, die unser in »orten und Hof warte«.

Vermischtes

Gustav Nagel will auswanver«. Ter viel­genannte NaturavostelGustav Nagel' hat in seiner Heimat Arendsee Anfechtungen zu er­dulden und will deshalb mit feiner Braut Fräu­lein Konhäuser nach Posetano in Italien auS- wandern. TerAltmärkischen Ztg." wird dar­über geschrieben:Nagel und seine Braut sind durch die ihnen widerfahrenen Vorgänge sehr mißgestimmt. Letzter Tage wurde das ihm von einem nahen Verwandten in Aussicht gestellte

geworfen. Gustav, der das Prinzip hatte und stets ausführte, Kinder zu lieben, zog es vor, wie ein Reb zu entfliehen. Seine Lebens­gefährtin versuchte, die Jungen durch Ermahn­ungen zurückzuhalten, wurde aber stark bedrängt und mit Stücken bearbeitet, auch von einem Buben in den Haaren gezaust. Bei der Behörde wurde Bestrafung der Jungen beantragt. Fräulein Konhäuser mußte auf Gustavs Wunsch sofort nach Budapest an den Naturapostel Jannasch telegraphieren, mit den beiden Kinderchen ihrer Schwester nicht nach Arendsee abzureisen, da sie Arendsee auf das Nimmer­wiedersehen verlassen würden. Inzwischen wurde Nagel daL Baukapital anderweit zur Verfüg­ung gestelst, ihm die wärmste Sympathie und der Schutz der gesamten Bürgerschaft und Be­hörden zugefichett, und hofft man, daß daS harmlose Pärchen Arendsee erhalten bleibt!"

A«S de« gelobte« Lande. Zu Nazareth in Palästina wurde bei dem deutschen Gastwirt Heselschwerdt schon einige male nachts einge­brochen und gestohlen, und der Dieb soll in Verbindung mit der Polizei stehen. H. machte Anzeige, aber erfolglos. Einige Tage später lauerte der Dieb in einer engen Gaffe dem Gastwirt auf und stürzte fich mit gezücktem Messer auf ihn. H. bekam drei Stiche in die Schenkel. Der Täter war zunächst entflohen, stellte sich aber, als er erfuhr, daß Hessel- schwerdt nicht tot sei, dem Gericht und wurde zu 30 Tagen Arrest verurteilt. Diese geringe Strafe ist um so verwunderlicher, als sämtliche Europäer in Nazareth um strenge Bestrafung des Missetäters gebeten hatten.

Kleine Nachrichten. Ein Liebespaar von 18 und 17 Jahren sprang in Kaiserslautern, au einem Arm zusammengebunden, in das Wasser und ertrank. Die Eltern hatten das Verhältnis nicht dulden wollen.

Pech.Da soll doch gleich das Donner­wetter d'reinschlagen! Gestern meld'ich meinen Konkurs an und heute brennt mir mein Kassierer mit dem Geld durch!"

R Ausgaben:

Betriebsfond 2200 Mk. Kosten der Vermögens- Verwaltung 68 Mk. Verzinsung und Tilgung der Pasfiva zusammen 4146,08 Mk. Kosten der Kreisver- Wallung zusammen 6893,50 Mk. Ausgaben für daS Impfwesen zusammen 810 Mk. Kosten der technischen Maß- und Gewichtsrevifion 300 Mk. Leistungen an den Bezirksverband 7500 Mk. Ausgaben für Ver­kehrsanlagen zusammen 30235 Mk. Ausgaben zu wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken zusammen 9465 Mk. Unterstützungen der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften des Beurlaubtenstandes 400 Mk. Ausgaben für die Kleinbahn zusammen 21290,55 Mk. Insgemein zur Verfügung des Kreis- ausschuffes und zur Abrunduug 1094,87 Mk. Summa aller Ausgaben 84400,00 Mk.

Bei Titel Herberge zur Heimat bemängelte Herr Ric. Prediger-Krrchham die schlechte Verfassung und Beschränktheit der Herberge. Ihm wurde entgegnet, daß Abhülfe geschaffen würde, wenn auch die Stadt Kirchhain dazu euren Beitrag leiste. Dies ist in Aus- ficht gestellt und beschloß man deshalb, die nötigen Arbeiten dann vornehmen zu lassen. Herr Huber- Neustadt beklagte fich über den großen Zustrom der Wanderer aus der Richtung von Kirchhain nach Neu­stadt. Auch hier soll Abhülfe dadurch geschaffen werden, daß die Verpflegung nehmenden Reisenden in Kirchhain früher zur Entlassung kommen. ®ne längere Diskussion entspann fich bei Titel landwirt­schaftliche Ausstellungen rc. Herr Prediger hielt es nicht für recht, daß man nur sür die Vogelsberger Raffe etwas tue; auch die Simmentaler müßten berück- fichtigt werden. Ihm wurde erwidert, daß das früher genug geschehen fei. Die Herdbuch-Gesellschasten müßten zusammen eine größere Kollektion Vogelsberger Vieh nach Hannover und nach Gießen senden und zu dm Prämien rc. müffe auch jeder Kreis dann das f einige beitragen. Die Einführung der Ohmtalbahn in den Haupibahnhof kostet bekanntlich 51000 Mk., zu je */ trägt dies der Staat, Bezirksverband und der Kreis. Nachdem dies erwähnt, beantragte Herr Prediger, eine Kommisfion zu bilden, welche mit dem Staat wegen Verkaufs der Kleinbahn in Unterhandlungen tritt. Man möge die Besitzer der Ohmtal. Basaltwerke mit in die Kommission wählen, denn diese Leute sprächen doch ein gewichtiges Wort mit. Der Herr Landrat betonte hierzu, daß die Verhandlungen ja schon im Gange feien- Schuldirektor Dietz-Speüswinkel erzählte, daß er in Berlin dieser Tage bei Beratung der Klein­bahnvorlage im Abgeordnekenhause gewesen sei. Der Minister zeige große Geneigtheit für Erwerb der Kleinbahnen durch den Staat. Nachdem eine ganze Anzahl Redner hierzu ihre Ansicht geäußert, lehnte man den Antrag Prediger ab und beschloß, die Vollendung der Einführung der Ohmtakbohn in die Staatsbahn abzuwarten und dann im Herbst die An­gelegenheit auf die Tagesordnung zu setzen. Der Etat wurde hierauf dem Voranschläge gemäß genehmgt.

* Der Veräußerung bezw Rückauflaffung von 9 Grundstücksparzellen, welche seinerzeit von der Stadt Amöneburg für den Kreis zum Zwecke des Baues. der Kleinbahn erworben, jedoch zu Bahnzwecken nicht benutzt sind, an die Gemeinde Amöneburg wurde zugestimmt.

Der folgende Punkt betraf einen Antrag des Neuwieder Verbandes der Raiffeisenkassen auf Abgabe von Gelände pp. am jetzigen Kleinbahnhofe zur Er­richtung eines Kornhauses. Der Kreisausschuß hat hierzu beschlossen, das Gelände, ca. 30 ar, zum Selbst­kostenpreis abzugeben, da die Errichtung des Korn- Hauses doch dem ganzen Kreis zum Segen gereichen dürfte. Man war damit einverstanden.

Ebenso genehmigte man auch die anderen Beträge betr. Neuklassifikation der auszubauenden Landwege und Brücken unter Berücksichttgung des Gesuchs der Einwohner der Wambacher Höfe bei Ernsthausen um AuSbau eines Zufuhrweges.

Begutachtung des abgeänderten und nunmehr landespolizeilich genehmigten Projekts zum Ausbau eines Landweges von Rauschenberg nach HimmelSberg.

Begutachtung des landespolizeilich genehmigten Projekts zum Umbau der Ohmbrücke bei Anzefahr.

Begutachtung des Projekts zum Bau eines Land­wegs von Wohra nach Hertingshausen.

Die Eingabe des KreiStierarzteS Stamm um onderweite Regelung des Körwesens wurde abgelehnt, weil man das erst vor 10 Jahren eingesührt habe Herr Prediger bemerkte, daß diejenigen Tiere, die beim Ankauf durch Kirchhain transportirt würden, doch der Bequemlichkeit halber gleich gekört werden könnten.

Der letzte Punkt betraf die Beantragung von Beihülsen der Königlicher Regierung und beim Be- zirksverbande zu den die anschlagsmäßige Höhe von 564 000 Mk. überschreitenden Mehrkosten für den Bau und die betriebsfähige Einrichtung der Ohmtalbahn einschl. Nebenanlagen von je ein Drittel dieser Summe, wie solche nach Feststellung der Baurechnung fich ergeben wird. Es wurde mitgeteilt, daß der Betrag um 66,777 Mk. überschritten fei. Man nahm daran Kenntnis, daß die nötigen Schritte getan werden, um diese Summe durch Veihülfen vom Staat und Bezirksverband zu decken.

Landwirtschaftliches.

Hinaus i« Garte« und Hof.

Der Sommer naht heran und mahnt unS an manche liebe Beschäftigung im Garten und Hof, die wir im Winter nur ungern entbehrten. Was gibt es anck Schöneres, als seinen eigenen Garten bestelle« und pflegen zu können oder auf dem Geflügelhofe neues Leben und Treiben zu beobachten, kurz mit der neu erwachenden Natur sich an seinen Lieblingen auS der Garten» und Tierwelt zu erfreuen!

Freilich, will man diese Freude voll genießen, so muß man auch alles, was man in Garten und Sos unternimmt, mit etwas Verständnis und Geschick an­greifen, denn fatal ists, wenn nicht alles gelingt, wen« man sich durch Mißerfolge enttäuscht sieht. Aber wer hätte Lust, nun sich erst hinzusetzen und zu studieren, wie das Gartenland vorzubereiten ist, wie das Säen, Pflanzen, Beschneiden, Veredeln geschehen muß, waS man über Hunde-Aufzucht und -Erziehung, WaS mau überHühner-, Tauben-, Enten-, Kaninchenpflege, Bienen- und Fischzucht usw. usw. alles wissen muß. Ganz anders, wenn man hierin nebenbei Unterweisung er­halten könnte, wenn man alles spielend lernen und sich durch Unterhaltungslektüre auf dem Lausende« zu halten vermöchte!

Nicht Übel! Ja und weißt Du, lieber Leser, daß daS sehr gut möglich ist? Stelle die Bücher ruhig in den Schrank, bis Du mal Zeit und Lust hast, ein Kapitel daraus durchzulesen, halte Dir aber vor allen Dingen eine gut redigierte Fachzeitschrift, d. h. bei­leibe keine, die schon von weitem trocken und lang- »eilig erscheint und einem sehr bald die Lektüre wieder leid werden läßt, denn bann wäre der Zweck gerade verfehlt. Eine geschickt redigierte Zeitschrift soll von der ersten bis zur letzten Seite das Interesse fesseln, weil ihr Inhalt und Bilderschmuck der Jahres- zeit, der augenblicklichen Beschäftigung entspricht, sie muß jedesmal mit Ungeduld erwartet werden AIS ein Ideal nach unserem Geschmack kann die Zeitschrift .Der Lehrmeister im Garten und Kleintierhos' (Ver­lag von Hochmeister u Thal in Leipzig, Georgenstr. 44) gelten. Denn diese Zeitschrift bringt eben alles, WaS sowohl den Gartenfreund wie den Tierftennd intet- esfiert, sie ist vorzüglich redigiert und reich illustriert, und vor allem: ihr Inhalt wird in so ansprechender, fesselnder Form gegeben, die Sprache ihres Textes ist eine fo interessant plaudernde, daß man die praktischen Unterweisungen und Ratschläge wie bei einem an­regenden Demonstrations - Vorträge entgegennimmt AIS weiteren Vorzug hat diese empfehlenswerte Zeitung den der Billigkeit, sie kostet pro Vierteljahr nur 1 Mart Mit dieser Zeitung, die auch in der Ausstattung unseren ersten FamilienblSttern gleich­kommt, geb? id) doppelt so gern an die Frühjahrs­arbeiten i .i und Hof heran, und wer den .ßefcrmeiL nicht kennt, der abonniere für 1 Mark bei der nächsten Postanstalt oder bei seinem Buchhändler ober lasse fich vom .Verlag des Lehr­meisters im Garten und Kleintierhos in Leipzig" eine

Nun im März

Hoff' mein Herz!

Horch! eS regt fich in bett Säften, Und ein ahuungsreiches Düsten Weht im Garten.

Kaum erwarten

Kann ich, was die Tage bringen.

Hörst du nicht? Die Lerchen finger

Junges Blühn!

Frühes Grün!

Ueberall ein keimend Regen,

StilleS. heimliches Bewegen, Säfte quellen, Knospen schwellen.

Nur ein wenig stilles Warten Und die Veilchen blühn im Garten.

(Heinrich Seidel in .Neues Glockenspiel.'!

Neueste Telegramme

Berlin, 31. März. Das Befinden der Kaiserin ist gut.

Berli« 31. März. Die Budgetkommisfion des Abgeordnetenhauses nahm die Sekundär­bahn-Vorlage unverändert nach der Regierungs- Vorlage an.

Berli«, 31. März. DerLokalanzeiger' meldet ans Paris: Heute trifft der Goldschmied RachmorSki aus Odessa hier ein, um vor de« RegierungSkommissar zu erklären, wie er die Tiara des CaitapherneS anfertigte.

Bromberg, 31. März. Die feit 14 Tagen streikenden Maurer und Zimmerleute verübte» große Ausschreitungen. Von auswärts ringe» tioffene Arbeitswillige wurden nebst Polizei­beamte von den Streikenden mit Steinen be­worfen. Zuletzt entstand eine Schlägerei, die das requirierte Militär beendigte. Ein aus­wärtiger Maurer wurde schwer verletzt. In den nächsten Tagen treffen mehrere hundert italienische Bauarbeiter zum Ersatz der Streiken­den hier ein.

Köln, 31. Marz. Ein hiesiger Schuhmacher bedrohte in einer Eifersuchtssache seine Frau mit einem Messer und wurde deswegen Polizei- iich feftgenommen. Nach seiner Freilassung wiederholte er den Angriff. Die Frau floh, der Mann durchschnitt fich selbst den Hals.

MNnche«, 31. März. Nach einer Privat­meldung brach vergangene Nacht in der Remise der 4. Batterie des 3. Feld-Art.-Regts. Feuer aus. 6 Geschütze wurden schwer beschädigt. Die anstoßenden Gebäude konnten gerettet werden.

München, 81. März. Das Befinden der Prin» zesfin Luise ist der .Augsburger Abendzeitung' zu­folge fortgesetzt gut. Sie hört jeden Morgen die Messe und fährt am Nachmittag in offenem Wagen spazieren. In den letzten Tagen hielt fich Kapuziner- pater aus Salzburg in der Villa Toscana als Gast auf.

Madrid, 30. März. Nachrichten aus Melilla bestätigen, daß der Prätendent 80 Kilometer von Melilla entfernt steht. Die Unruhen im Norden halten noch immer an. Die Mehrheit des Stammes der Mazuza-Kabylen, der bisher dem Sultan treu war, erklärte sich für den Prätendenten.

Madrid, 31. März. Der Rest der Schatzgräber- bände wurde verhaftet, darunter der Rädelsführer. Die Korrespondenz ergiebt, daß Schweizer unterwegs find, die den Gaunern einige tausend Franken bringe« wollten nm die Schätze heben zu dürfen.

Aopenhsge«, 31. März. Die schwedische geographische Gesellschaft beschloß, dem Polar­forscher Andr« ein Denkmal zu errichten. 1

Salon« (Griechenland), 31. März. Von Fischern wurde eine ziemlich gut erhaltene Statue aus dem Meere gezogen, die eine männliche Person darstellt.

Rew-Hork, 30. März. Nach einer Meld­ung aus Kap Hahti fand am letzten Sonntag auf San Domingo ein Gefecht statt. Die Regierungstruppen verloren 27 Tote und 43 Verwundete. Auf Seiten der Aufständischen gab es 5 Tote und 11 Verwundete. Die Regierungstruppen rücken vor. i

Osterzrit Eierzeit. Alljährlich mit bem ev- wachenden Frühling beschert unS Mutter Natur eine ihrer wertvollsten Gaben in besonderer Fülle und Güte: das Ei. Wer, wie die meisten Städter, ba» frische Trinkei den langen Winter über entbehre« mußte, freut sich auf das .Osterei' nicht minder aw unsere Kleinen. Eierspeisen jeder Art stehen jetzt auf der Tagesordnung. ES fei deshalb bemerkt, daß der Vielen etwaS zu weichliche Geschmack von Rühre«, Setzei. Omeletten usw. durch einen kleinen Zusatz von Maggi's Suppen- und Speifen-Würze bedeutend ver­feinert und gekräftigt wird: man nehme aber mflt mehr als 2 Tropfen pro Ei.

Rotationsdruck.

Verantwortlich für Oie IHebattion:

. Frhr. v. Wangenhsim « Marbm»