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Marburg
Wrfhnnrfi 95 STT?nri 1QAQ Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Umvechtäts-Buchdruckers JVIUUVUUJ, ÄJ. lyuo. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
DifferenzeinwMd und kaufmännische
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lNachdruck verboten.)
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Möchtest Du armen, braven
kommen.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertag«. Somiabeuds in Morgen- und Abend-Ausgabe.
38. Jahrg?
Theorie und Praxis.
Wenn früher gegenüber den Klagen, welche von freisinniger Seite über den auf unserem Erwerbsleben infolge der Nnsicher- hest der handelspolitischen Zukunst liegenden Druck erhoben wurden, auf die Notwendigkeit hingewiesen wurde, den Zolltarif sobald als möglich zu verabschieden, um so wenigstens zunächst eine sichere Grundlage für den Abschluß von Handelverträgen zu gewinnen, so pflegte von jener Seite stets mit Emphase geantwortet zu werden, daß im Gegenteil die Annahme der Zolltarifvorlage die Beunruhigung in Handel und Industrie nur steigern könnte, weil auf der Grundlage dieses autonomen Tarifs an den Abschluß von Handelsverträgen nicht zu denken sei. Jetzt aber begegnen wir in der freihändlerischen Presie und zwar auch in solchen Organen,
Der Leiter eine« industriellen Unternehmens hatte Spielgeschäste bei einer Bank in einem sein Bankdepot weit übersteigenden Maße getrieben und dann den Differenzeinwand erhoben. Er war daraufhin von den Mit» inhabern jenes industriellen Unternehmens seiner Stellung enthoben worden. Seine Entschädigungsklage ist in einem vom Reichsgericht jüngst bestätigten Urteil mit der Begründung abgewiesen worden, daß sein Verhalten bei jenen Börfendifferenzgeschästen mit kaufmännischer Ehre nicht verträglich sei, weshalb die Gesellschafter einen gesetzlichen Grund zu seiner entschädigungslosen Entlaffung besaßen.
Ein Teil der Börsenpreffe findet einen unvereinbaren Widerspruch zwischen dieser Entscheidung des Reichsgerichts und seiner bisherigen grundsätzlichen Stellung zur gesetzlichen Zulässigkeit und Wirksamkeit des Differenzein- wandeS. Man glaubt, es sei widersinnig, wenn dasselbe Gericht den Difierenzeinwand stets geschützt habe und rhn nun doch als Verstoß gegen die kaufmännische Ehre brandmarke; und man meint, aus diesem neuesten Erkenntnis auf die Einkehr „besserer Einsicht" beim Reichsgericht schließen zu dürfen.
Diese Meinung entbehrt jeder Begründung. Das Reichsgerichtsurteil sagt ausdrücklich: „Es kann sehr Wohl ein Entlassungsgrund sein, wenn der Leiter eines gewerblichen Unternehmens einen privaten Differenzhandel treibt, dessen Risiko sein Vermögen übersteigt, so, daß er schließlich zur Erhebung des Difierenzein- wandes genötigt ist. Ein solcher Mann ist als Verwalter eigenen wie fremden Vermögens minder zuverlässig. Wer in der Verwaltung seiner eigenen Angelegenheiten so wenig Selbstbeherrschung zeigt, daß er eines, — wenn auch gesetzlich zugelaffenen — Einwandes gegen die eingegangenen Verpflichtungen sich bedienen muß, der schädigt seine kaufmännische Ehre und das Verbleiben eines solchen ManneS an der Spitze eines gewerblichen Unternehmens ist auch dieses zu schädigen geeignet."
Jeder Einsichtige müßte doch erkennen, daß diese vernünftige und wohlbegründete Entscheidung absolut nichts mit der juristischen Stellung des Reichsgerichts zu dem gesetzlich zugelaffenen Differenzeinwand zu tun hat, daß hierin nicht der geringste Widerspruch liegt. Ein nicht berufsmäßig am Termingeschäft beteiligter Differenzspekulant ist schlimmer wie ein gewöhnlicher Spieler. Der gewöhnliche Hazardeur kennt den Einsatz genau, den er riskiert. Der Börsenspieler aber kann sein Risiko niemals vorher berechnen; erst die Ge-
„Das hast Du wirklich geträumt?" fragte Hannchen wieder, nachdenkend den blonden Kopf schüttelnd.
„So wahr wir hier sind. Ich trat mit zu den Krankenbetten heran, als die Tür zu dem Saal sich wieder öffnete. Aller Augen waren auf die eintretenden Personen gerichtet, die verwundeten Soldaten brachen in laute Zurufe aus. Die da kamen und von allen gegrüßt wurden, waren ein stattlicher Oifizier mit dunklem Vollbart, die Uniform war ganz einfach, ich kenne sie nicht, aber der Mann sah aus, als sei er zum Befehlen geboren. Und neben ihm gingst Du, Hannchen, eine schöne, ach so schöne, vornehme Dame, Ich fragte: „Wer ist das?" Und die Antwort lautete: „Unser Fürst und Fräulein Johanna . . ." Da erklang ein lauter Schrei und — ich erwachte! Das war der Traum. Und den wollte ich Dir erzählen, weil ich daraus gesehen, daß Hannchen Hölder und Hermann Grau wohl nimmer im Leben dieselbe Straße gehen werden."
„Ich glaubs nimmer net, daß das ein Traum war," sagte Hannchen. Aber sie war ziemlich still geworden. Gewiß, sie wurde sonst nicht leicht verlegen, aber diese Geschichte hatte es ihr doch etwas angetan. Hätte der Hermann nicht so gute, treuherzige Augen gemacht, sie hätt' ihm wohl handgreiflich bewiesen, daß sie sich nicht foppen lasse, aber so? Nein, der spaßte nicht, es war ihm ernst.
Da schlug die Uhr auf dem Kirchturm. Hastig sprang sie empor; Herrgott, wo war denn die Zeit geblieben. DaS würde zu Hause von Vater und Mutter noch eine schöne Epistel geben. Und zwar mit Recht, denn sie hatte doch hoch und heilig versprochen, pünktlich zu HauS zu sein. Und nun war es schon über die angesetzte Zeit und der Nachhauseweg erforderte
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Da die „Oberhesfische Zeitung" in ständiger Verbindung mit dem größten deutschen, aus amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Bureau steht und ein weitverzweigtes Retz von Korrespondenten in ihrem Verbreitungsbezirke und weit darüber hinaus unterhält, so ist sie in der Lage sicher für jedermann etwas zu bringen, was dessen Interesse besonders in Anspruch nimmt. Außerdem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten auS Stadt und Land zu vermehren, da der sich beständig vergrößernde Leserkreis der .Oberhesfischen Zeitung" dies erfordert und ermöglicht. Der Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Romane und Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen.
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Weniger von 2,8 Millionen Mk., die Reichs« stempäabgaben ein solches von 3,4 Millionen Mk. ergeben. Bei Post- und Eisenbahnverwaltung kommen nichl bloß die Einnahmen, sondern auch die Ausgaben in Betracht. Die Brennsteuer wird die Ergebniffe des Rechnungsjahres 1902 nur mit den vom Reiche früher für Ausfuhrvergütungen zuviel gezahlten und jetzt zurückzuerstattenden 3 Millionen Mk. aufbeffern, sonst kommt sie überhaupt für den Finalabschluß nicht in Betracht, da ihre Erträge zu besonderen Zwecken verwendet werden muffen.
Sieht man sich die obigen Zahlen an, so erhellt sofort, daß die der Reichskaffe selbst verbleibenden Einnahmen voraussichtlich weit schlechter abschneiden werden, als diejenigen, welche zu den Ueberweisungen an die Bundesstaaten verwendet werden. Was die letzteren angeht, so dürsten Brandweinverbrauchsabgabe und Reichsstempelabgaben zusammen einen Fehlbetrag vow rund 5 Millionen Mk. aufweisen. Demgegenüber würde das große Mehr von 15Va Millionen Mk. bei den Zöllen stehen, sodaß nock ein über die Etatsansätze hinaus- gehender Ueberschuß von 10 Millionen verbleiben würde. Wenn jedoch auch tatsächlich die Wirklichkeit dieser Schätzung entsprechen würde, so würde immer noch zu bedenken sein, daß die in den Etat für 1902 eingestellten Matrikular- beiträge bett Ansatz der Ueberweisungssteuern um 24 Millionen Mk. überstiegen, daß also dann immer noch etwa 14 Millionen Mark für 1802 von den Einzelstaaten mehr an das Reich gezahlt werden müßten, als sie von ihm zurückerhalten würden. Das Rechnungsjahr 1902 wird deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl für die Reichskaffe als für die Einzelstaaten schlecht abschneiden, für die erstere allerdings noch schlechter als für die letzteren. *——
staltung der Kurse am Stichtage diktiert ihm die Höhe der Verluftsumme. Er ist also unbedingt noch sehr viel leichtsinniger, als der gewöhnliche Hazardeur. Wenn es nun vernünfttg ist, daß da« Gesetz die Spielschulden für unklagbar erklärt, so wird eS erst recht vernünftig sein, daß Börsenspielschulden nicht klagbar find. Und wenn eS richtig ist, daß man einen notorischen Spieler als soliden und geeigneten Leiter eines gewerblichen Unternehmens nicht wird ansehen können, so wird man einem leichtsinnigen Börsenspieler erst recht diese Qualitäten absprechen müssen. Die gesetzlich angeordnete Unzulässigkeit der Klagbarkeit von Spiel- und Differenzschulden hat nicht daS Geringste mit der für jeden Vernünftigen feststehenden sittlichen und geschäftlichen Beurteilung eines wüsten Spielers zu tun.
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wiederum. Da sprang ich auf, öffnete das Fenster und fragte, wer draußen sei. Erst kam gar keine Antwort. Dann von weit her, von ganz weit her, leise, ganz leise fragtest Du: „Hermann, hast Du mich noch nicht vergessen ?" „Hannchen, liebes Hannchen!" schluchzte ich. Mir waren die Tränen in die Augen ge-
Umschau.
Reich sei nn ah men und Ueberweisungen an die Bundesstaaten.
Für die ersten elf Monate des laufenden Finanzjahres liegt jetzt der Ausweis über die Jsteinnahme an Zöllen und Verbrauchssteuern vor. Danach beläuft sich die bisherige Einnahme auf 745,8 Millionen Mk. oder 2,5 Millionen Mark weniger als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Bei den Zöllen ist ein Mehr von 2,7 Mill. Mk. zu verzeichnen gewesen, bei der Brennsteuer ein solches von 6,1 Millionen, bei der Schnumweinsteuer, die bekanntlich für 1902 zum ersten Male zur Erhebung kommt, von 2,7 Mill. Mk. Den Mehrerträgen stehen aber Minderergebnisse gegenüber bei der Zuckersteuer von 9,4 Millionen Mk., bei der Branntweinverbrauchsabgabe von 2,7 Millionen Mark und bei der Brausteuer von 1,8 Millionen Mk. Von den übrigen Einnahmezweigen des Reichs haben die Reichsstempelabgaben in den ersten elf Monaten ein Mehr von 7,4 Millionen Mk., die Post- und Telegraphenverwaltung von 20,5 Millionen, die Reichseisenbahnverwaltung von 5,2 Millionen Mk. ergeben.
Für den Finalabschluß der Reichshauvtkaffe kommt jedoch nicht ein Vergleich der Jstein- nahmen des laufenden Jahres mit denen des Vorjahres, sondern mit den Etatsansätzen in Betracht. Legt man die elfmonatigen Erträge einer Schätzung für das ganze Jahr zu gründe, so würden die Zölle am Ende des Rechnungsjahres 1902 gegen den Etat ein Mehr von 15,5 Millionen Mk., die Zuckersteuer ein Weniger von 18,9 Millionen Mk., die Salzsteuer ein solches von Vs Millionen Mk., die Branntweinverbrauchsabgabe ein solches von Vj4 Millionen Mark, die Schaumweinsteuer ein Mehr von 3 Millionen Mark, die Brausteuer ein
auch noch eine starke Viertelstunde. Wie Feuer überlief e8 sie, sie wurde dabei wieder ganz die Alte, die sich nicht so leicht inS Bosckshorn jagen und erst recht nicht zum Staunen hi«- reißen ließ. Nach Haus!
Sie trat zu dem jungen Mann heran, streckt« ihm beide Hände hin und sagte herzlich: „Also lieber Bursch', nun muß geschieden fein. Und wenn Du auch eine so großmächt'ge Geschichte geträumt hast, ich wein' doch, wir beiden bleiben die Alten. Wünsch's Dir von Herzen, daß Du ein angesehener Mann wirst, würd' mich freuen, wenn Du aus der alten, langweiligen Wirtschaft herauskönntst, aber ich will halt nimmer mit hohen Herren herumspazieren, sondern bleiben, waS ich bin, Briefträgers Hannchen."
„Ach, Hannchen, wenn alles immer so ging, wie wir das wünschten. Ich merkS wohl, Du lachst heimlich über das, waS ich Dir da erzählt. Ich hätt's, kannst rnir'S glauben, wahrhaftig nicht getan, wenn ich nicht alles so leibhaftig , erschaut ..."
„Laß sein, Hermann, setz' mir keine Wundergeschichten in meinen Krauskopf, Mutter sagte so schon, mit mit sei kein Auskommen mehr. Wir werden schon sehen, wer eS von uns zu etwa« bringt, und der andere wird sich darüber freuen. Das weiß ich und das sag ich. Und keiner wird dann auf den andern heruntersehen. Sieh mal, 's könnt doch sein, Hannchen Hölder ging später, wie heute, schlecht und recht mit dem Tragkorb zum Markte, und Du fährst an mir vorüber. Einsteigen will ich nicht, aussteigen brauchst Du nicht — aber" die helle Stimme bebte leise, „erleben möcht rch's doch nicht, wie Du dann den Kopf ob» wendetest, weil Du das armselige Briefträger« Hannchen nicht kennen möchtest k"
(Fortsetzung folgt.)
Briefträgers Hannchen,
Von Georg Paulsen.
«Fortsetzung.)
Du, erzähl'!" mahnte sie errötend. „Die Zeit vergeht, ich muß bald wieder zu Hause sein. 31fo was gab's?"
„Das war eine ganz merkwürdige Geschichte, Hannchen. Das war so, als hätte ich die Stimme der Mutter gehört, die mit mir nicht zufrieden war. Und nachher sprach sie deutlicher: „Mein Sohn, Dein Reiseleben muß ein Ende nehmen. Alle Welt sagt, Du verstehst etwas, Du kannst auch, wenn Du müßtest, Dein Brod sicher verdienen. Du bleibst hier in Sonnenfeld, ich, bau' Dir ein neues Haus und Du heiratest die Gertrud. Zeit wird's!" Ich wehrte mich, aber die Mutter sagte so bestimmt, wie ich sie nie gehört: „Du kennst meinen Willen. Ich will mich nicht vor Gertrud und ihren Eltern als Törin hinstellen. Acht Tage hast Du Bedenkzeit. Denkst Du etwa noch an die davongelaufene Hannchen Hölder? Von der Narretei sollst doch wohl geheilt fein."
„Was, ich davongelaufen?" fiel Hannchen heftig ein. „Das hat Deine Mutter gesagt? Leiden könnt sie freilich mich nie, aber so etwas? Oho!"
„Aber, Mädele, ich erzähl' ja doch nur einen Traum!" besänftigte er sie. „Wart nur, eS kommt ganz anders noch. Ich erzähle weiter: Ich zerbrach mir den Kopf, was geschehen sollt', und ich dacht dabei immer an Dich. Wo Du wohl wärst? Ich hatte Dich so lange nicht gesehen. Mit einem Male pochte eS anS Fenster. Ich lauschte und meinte, eS fei der Wind. Aber das Pochen folgte nochmals und
Leuten helfen?" fragte die Stimme weiter. — „So gern. Aber wo und was soll ich tun?" — „Leg Dich nieder und schlaf ein. Morgen früh wirst Du in meiner Nähe erwachen."
„Halt, Hermann!" sagte Hannchen ganz entschieden. „Das ist fein Traum, das hast' Dir aussimuliert, weil Du mit nachreisen willst. Nein, solche Dinge träumt man nicht. Aber 's nützt Dir nix, liebet Butsch'."
„Hör nur weiter, Hannchen, dann wirst's schon merken, daß ich mir'S net aussimuliert hab'! Ich fühlte nach Deinen letzten Worten eine gewaltige Müdigkeit im Körper, und da schlief ich auch schon. Und als ich wieder zu erwachen meint’, da befand ich mich in einem großen Raum, in dem viel Aechzen und Stöhnen erklang. Dann und wann ein Auijchrei dazwischen. Und Männer und Frauen in leinenen Kleidern eilten geschäftig hin und her, nickt selten war der weiße Stoff mit Blut befleckt. An den Wänden standen eiserne Betten, auf denen jammernde Menschen lagen. Zuweilen war auch nur Stroh mit einer Decke darüber aufgeschüttet, worauf ein Kranker wimmerte. Bevor ich Zeit hatte, mich zu besinnen, kam ein älterer Herr auf mich zu. „Willkommen im Feldlazarett, Herr Kollege!" sprach er mich an, „Dank, daß Sie dem Ruse Ihrer Landsmännin gefolgt find. Hilfe tut uns not, sehr not, die Schlacht hat schwere Opfer gefordett." Und ich schlug in die dargebotene Hand ein.
mit dem Krersblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Sonntagsbeilage: JÄnstrirtes Sonntagsblatt.
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