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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Sonntagsbeilage: Mustvirtes Sonntagsblatt.

JV« 82

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (ercl. Bestellgeld).

^nsertionsgebiihr: die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg.

Reclameu: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 24. März 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck und Bering: Joh. Aug. Koch, Universität»-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Reichstags-Abschied.

Ein paar Tage noch, und die Mitglieder des deutschen Reichstages werden Berlin verlassen und sich der Ruhe der Osterferien erfreuen. Cs find nicht immer allzu viele der gesetzgebenden Herren im großen Reichshause versammelt ge» Wesen, aber die Arbeiten find doch im wesent­lichen beendet und es ist gelungen, das Reichs- Finanzbild in einer Weise zu gestalten, die viel weniger unfreundlich auSfieht, als sie vor Wochen erscheinen mochte. Um 60 Mill. Mark ist daS ursprünglich recht arge Defizit vermindert worden, der geängstigte Wähler kann also aufatmen und braucht sich seine Stimme nicht mehr ver­gällen zu lassen. Nach dem Osterfest werden nur noch wenige Sitzungen abgehalten werden; zu stürmischeren Debatten könnte es nur über den Gesetzentwurf wegen Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes kommen. Die Vorlage wegen der Erhöhung des Wahlgeheimnisses und die über die Regelung der Kinderarbeit sind grund­sätzlich bereits erledigt, und ihre Annahme wird keinen großen Hindernissen mehr begegnen. So kann man jetzt bereits die Aufgabe dieses Reichs­tages als abgeschlossen erachten; hat es in ihm manchen Sturm- und Drang Tag gegeben, zog sich durch die Sessionen die Frage der Wirtschafts- Politik wie ein roter Faden hindurch, im großen und ganzen ist doch der Bau des deutschen Reiches gefestigt, und es sind alle Schritte ver­mieden, welche imstande sind, uns in der inneren wie in der äußeren Politik auf eine abschüssige Bahn zu führen. An Schwarz­malereien hat e§ nie gefehlt; erfüllt hat sich von allen düsteren Schilderungen nichts. Denn die Wendung in der wirtschaftlichen Hoch- Konjunktur fällt nicht der Reichspolitik zur Last, sie ist durch ein Ueberspannen des gescheidten und vorsichtigen industriellen Wagemutes herbei­geführt worden. Graf Bülow, der Reichs­kanzler, hat mit Ruhe und Besonnenheit die Zügel unserer Politik in Händen gehalten; unsere Beziehungen zu anderen Staaten sind blank und klar, in den chinesischen und venezo­lanischen Verwicklungen ist eine jede Hitze ver­mieden, und mehr ein Zug persönlicher Emp­findung, als eine tiefgehende Meinungsver­schiedenheit war es, die dem deutschen, Volke während des Burenkrieges andere Worte in den Mund legt, wie dem leitenden Staatsmann.

So heftig dieser letzte Abschnitt der Reichs­tags-Session vor Weihnachten einsetzte, zu so unerhörten Szenen es kam, so ruhig ist e§ beim Nachhausegehen! Wir wissen ja noch nicht, was bei den Handelsverträgen, die aufgrund des neuen Zolltarifs abgeschlossen werden, herauskommen wird, ober wir wissen genau, daß trotz aller unliebsamen Erfahrungen der deutsche Nationalwohlstand in seinen Grund­vesten nicht erschüttert ist, und wir es aushalten können, wenn ein anderer Staat glaubt, uns hochnehmen zu können. Die allgemeine Emp-

17 «Nachdruck verboten.)

Briefträgers Hannchen.

Von Georg Paulsen.

" «Fortsetzung.)

Sie sah ihn von der Seite an, ließ ihm aber ihre Hand. Sie fürchtete den guten Jungen nicht, aber wenn sie hätte denken können, hier follt's am Ende gar eine feierliche Liebes-Er­klärung geben, dann wäre sie doch wohl nicht hergekommen. Und die Einleitung schien doch darnach.

Sie eilte, wieder ins Freie zu kommen und stieg an seiner Hand hastig die Steinstufen der Treppe empor.Vorsicht!" rief Hermann, als man ziemlich oben war, dann löschte er die Laterne, und Hannchen stand tief aufathmend still.

Da, mit einem Male, als sie das Oeffnen des Plattform-Verschlusses erwartete, fühlte sie sich umfaßt, heiße Lippen preßten sich auf die ihrigen. Sie stand wie erstarrt.

Du, Du, schämst Du Dich nicht!" stieß sie mühsam hervor.

Hannchen, sei nicht bös, ich hab' Dich ja so lieb, und ich will'S nie wieder tun, wenn * stammelte er.

Sogleich mach' die Luke auf," befahl sie, sich sammelnd, daß ich Licht seh'. Und dann geht's wieder nach unten. Du, Du schlechter Mensch Du!"

Aber, Hannchen..."

Ach was, weißt doch, wie ich neulich dem Metzgerfritz hinter die Ohren geschlagen hab', weil der mich hat umfassen wollen. Und jetzt kommst mir selbst so ? SchämDich.pfui schämDich!"

findung in Deutschland ist, daß andere Staaten, z. B. die nordamerikanische Union, von uns zuviel, wir von jenen aber zu wenig gehabt haben, und daß hierin eine Aenderung eintreten muß. Zwischen der Produktion aufgrund von Riesenkapitalien in Nord-Amerika, welche am liebsten die ganze Welt sich dienstbar machen möchte, und unserer deutschen bürgerlichen Tätigkeit muß je früher, um so besser, ein Ausgleich erfolgen, nicht durch einen Kampf, sondern um einen Kampf zu verhüten! Wird den Anmaßungen gewisser Amerikaner immer blind nachgegeben, dann wissen sie schließlich selbst nicht mehr, was sie sich erlauben sollen. Ueber das Auftreten der Herrn Bowen, des Mentors des Präsidenten Castro von Venezuela, haben schon reichlich viel Leute den Kopf ge­schüttelt. Solche Praktiken waren bisher gänz­lich unbekannt und dürfen auch künftig nicht ge­bräuchlich werden.

Vor allem haben aber die vorjährigen Spek­takel - Szenen im Reichstage absolut nicht den Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen, welchen die Arrangeure jenes Trubels erwarteten. Die Stimmung gegen diese Reichstags-Herren ist keine freundliche, unliebsam hat der Deutsche empfunden, daß die ernste und würdevolle Reichs­tags-Arbeit in eine Poste auszuarbeiten drohte. Es ist damals von einer Beeinträchtigung der ReichZtagsrechte gesprochen und geschrieben, es find auch Protestversammlungen gegen die Aen­derung der Geschäftsordnung abgehalten, aber wie tief die angebliche Volks-Bewegung darüber war, das ist im neuen Jahr erkannt. Beinahe kein Mensch hat sich mehr um den gekränkten Reichstag bekümmert. Daß es so gekommen ist, ist bedauerlich-, aber die Gleichgiltigkeit war die Folge des Vorangegangenen. Und wenn nun die ^Wähler erkennen, daß in diesem Frühling die Sonne gerade so scheint, wie sonst auch, wenn sie bemerken, wie von dem angekündigten Graulichen gar nichts kommen will, wie das Geschäftsleben sich aus der frischen Volkskraft heraus wieder zu regen und zu bewegen be­ginnt, bann werden sie auch mit frischen und tapferen Gedanken den Wahlen näher treten. Die, welche sich die besten Wahrer der Volks­wohlfahrt nennen, haben nichts tun können, die schlimme Krisis zu verhüten, sie haben durch Schürung des Bürgerzwistes die Besserung aus­halten wollen. Was halfen alle großen Worte gegenüber diesen Tatsachen? Im Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts ist dem Deutschen nicht mit Schlagworten gedient, sondern mit Geld in der Tasche, mit genügendem Verdienst. Dahin müssen wir.

Umschau.

Freiherr von Heeremann t-

Ein Telegramm meldet: Berlin 23. März. 10.26 vorm. Der erste Vizepräsident des Ab­geordnetenhauses, Freiherr von Heeremann ist

Aber ich bin doch der Metzgerfritz nicht, und.ich hab' Dich doch lieb, Hannchen,, und ich hab' doch immer gedacht, Du sollst meine Frau werden. Hannchen!"

Sie war indessen noch lange nicht versöhnt; mein Gott, ein Kuß von dem alten Spiel­kameraden und Jugendfreund und noch dazu zum Abschied, das war keine Sünde, der war am End' sogar selbstverständlich, aber sie über­fallen im Dunkeln? Nein.

Ach was, solche Rederei laß! Ich Deine Frau werden? Nimmer! Daß die Leut' sagen, Hölder'S Hannchen habe sich von Jung an auf s Männerfängen gelegt. Mach' mir nix draus aus dem Gered', aber bei Dir ist'S was Anderes. Und ist doch schon weit genug mit Euch sacker- mentischeu Mannsleut gekommen: Erft der Metzgerfritz, vorhin der Schorsch aus der Post­halterei, und jetzt Du. I dank' für solch' Ge­schichten. Ihr seid mir Kerl's, pfui nochmal!"

Der Schorsch hat Dich auch geküßt?" fragte Hermann schier atemlos vor Ausregung.

Der Lump hätt'S wagen sollen; aber er wollt's! Und Du bist nimmer, besser, als er."

Aber, Hannchen, ich hab' doch immer dacht, Du hättst mich ein Wenig lieb?"

Hab' ich auch. Aber weil Du ein braver, lieber Bursch gewesen bist bis heute. Sonst wär's anders, längst aus mit uns gewesen! Und Dein Frau werd' ich amal net. Punktum. Da tveißt'S. lind nun schaff Licht!" .

Er stieß die Turmluke aus, gewandt fchlüpste Hannchen hinaus, der tief erblaßte junge Mann folgte. Draußen ward sie ruhiger; in wunder­vollem Schimmer lag die reizvolle Landschaft

heute vormittag 8% Uhr gestorben. Clemens August von Zuhdwik ist am 26. August 1832 - zu Surenburg in Westfalen geboren. Nachdem er das Gymnasium absolviert, studierte er Jura in Bonn, Heidelberg, Berlin und erwarb den Doktortitel. Später fand er Anstellung am Kriegsgericht, dann beim Regierungskollegium zu Atünster. 1874 wurde er Regierungsrat und Mitglied des Regierungskollegiums in Merseburg, aber schon ein Jahr später schied er aus dem Staasdienst aus. v. Heeremann ist seit 1870 Mitglied des preußischen Abgeordneten­hauses, zu dessen ersten Vizepräsidenten er im Jahre 1882 gewählt wurde. Diese Würde be­kleidete er seitdem ununterbrochen zur allgemeinsten Zufriedenheit. 1871, wurde er auch Reichstagsabgeordneter, hier trat er aber weniger hervor, der Schwerpunkt seiner verdienstvollen Tätigkeit lag im Abgeordneten­hause. Politisch zählte Freiherr v. Heeremann zum Zentrum. Erwähnt sei noch, daß er auch als Kunstschriststeller tätig war.

Das Nachspiel zur Eheirrung.'

Ueber die Prinzessin Luise von Toskana, ihre Angehörigen, den sächsischen und den Wiener Hof wird neuerdings eine wahre Flut von Nach­richten verbreitet, die cs fast unmöglich machen, eine den Tatsachen entsprechendes Bild zu ge­winnen. Die neueren Meldungen unterscheiden zwischen drei Parteien. Auf der einen Seite steht der König Georg und der Kaiser Franz Joseph, auf der anderen Luise von Toskana und das grvßherzoglich toskanische Paar, zwischen beiden, eine vermittelnde Position einnehmend, der Kronprinz Friedrich August. Die Spannung zwischen dem Könige und dem Kronprinzen soll eine derartig scharfe geworden sein, daß sich der König zu seinem bekannten Erlaß entschloß. Der König soll auch für den Fall, seines Todes Bestimmungen getroffen haben, die dem Kron­prinzen jede Möglichkeit nehmen, anders zu handeln, als sein Vater bestimmt, und das Volk durch den Erlaß erfahren hat., Was an dieser Darstellung wahr ist, muß die Zukunft lehren. Bis auf weiteres glauben wir nicht an eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Könige und dem Kronprinzen in dieser traurigen Angelegenheit. Die Prinzessin Luise von Toskana soll unter dem Eindruck des ver­nichtenden Erlasses König Georg's völlig zu­sammengebrochen sein; ihr Zustand wurde be­denklich, als man ihr erklärte, daß es für sie keine Möglichkeit gebe, den Erlaß durch eine öffentliche Erklärung zu beantworten. Bei dem gegenwärtigen Zustande der Prinzessin halten die Aerzte folgenschwere Komplikationen nicht für ausgeschlossen. Mit der früheren Lebens- sreudigkeit der Prinzessin soll eS vollkommen aus und sie eine stille Frau, ja geradezu menschenscheu geworden sein. Das ist nur natürlich. Denn Giron war der erste nicht.

vor ihr, das sunkelnde Himmelsgewölbe sandte einen magischen Schein zur schweigenden Erde hernieder. In der Stadt schlug es zehn Uhr. Seitwärts vom Turm trat ein klarer Gebirgs­bach hervor, wie Silber rannen die Wasser zur Tiefe. Leise ging die Lust, würzig wehte es um den blonden Krauskopf Hannchens.

Sie atmete tief; am Ende war er doch ein hunger, unüberlegter Bursch. Die Wahrheit hatte sie ihm gründlich gesagt, also mocht es nun gut sein. Sie drehte sich zu ihm um.

Laß gut sein, Hermann. Vergeben, ver­gessen! Du kennst mich jetzt, wenn Du mich noch nicht richtig kannt hast. Und net wahr, von dem Gered, daß ich einmal Deine Frau werden solltst, sagst nix wieder. Will mich net auslachen lassen." Damit reichte sie ihm freund­lich die Hand, und er behielt sie einen kurzen Augenblick zu kräftigem Druck in seiner Rechten.

Dank Dir, Hannchen, daß Du mir die alte Freundschaft bewahren willst. Vorhin kams auch so über mich. Gewünscht, von ganzem Herzen, ersehnt und erhofft hab's ich freilich, Du möchtest mal mein lieb-?. HeinS Fraule werden, aber ich glaub's net m hr,, daß es so wird, sticht erst seit vorhin, «eit dieser Nacht schon net mehr, und darum wollt' ich noch mal reden mit Dir!"

So, Du glaubst net dran; weißt, daß es da aber sehr überflüssig war, wa» Du mir da angetan hast?" antwortete Hannchen spitz.

Da kam's ja über mich, der Schmerz und die Trauer, daß alles net so werden sollt, wie ich's mir gedacht hab'. Darum nur!" Er ließ sich auf die Steinbank nieder und seufzte.

Warnung vor dem österreichischen Taler.

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 13 März 1903 auf Grund des § 1 des Gesetzes, betreffend die Vereinstaler österreichischen Ge­präges, vom 28. Februar 1892 (Reichs-Gesetz­blatt S. 315) in Verbindung mit Artikel 7 der Reichsverfaffung die Bestimmung getroffen, daß die bei den Reichs- und den Landkaffen noch eingehenden Vereinstaler österreichischen Gepräges durch Zerschlagen oder Einfchneiden für den Um­lauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben sind. Ferner hat der Bundesrat sich damit einverstanden erklärt, daß in gleicher Weise die Reichsbankkaffen mit diesen Talern verfahren. Da hiernach den Beamten den Gemeindekaffen die Befugnis zum Zerschlagen und Einschneiden österreichischer Taler nicht zu­steht, so ist es nicht ausgeschlossen, daß häufiger versucht werden wird, bei diesen Kaffen jene Taler zum Nennwert unterzubringen, obwohl sie nach ihrer sowohl im Deutschen Reich als in Oesterreich erfolgten Außerkurssetzung nur noch den um fast Vs geringeren Silberwert besitzen. Der gleichen Gefahr unterliegen die Kaffen größerer Privatgeschäfte. Um die Kaffenbe- diensteten wie das Publikum überhaupt vor Schaden zu bewahren, kann daher nur empfohlen werden, bei der Vereinnahmung von Talern dem Gepräge eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die österreichischen Taler tragen auf der Aversseite das Bildnis des Kaisers, Franz Joseph und auf der Reversseite den österreichischen Doppeladler.

Deutsches Reich

Berlin, 23. März.

Der Kaiser machte Sonnabend morgen mit dem Prinzen Adalbert einen Spaziergang im Tier­garten. Dann besuchte der Monarch den Reichskanzler; ins Schloß zurückgekehrt, hörte er Marinevorträge.

Kronprinz Wilhelm und Prinz Eitel-Friedrich ftnb von ihrer Masernkrankheit vollständig wieder hergestellt. Sie unternahmen bereits kleinere Ausflüge.

Der Reichskanzler Graf Bülow, der von den Bromberger städtischen Behörden zum Ehrenbürger ernannt worden ist, hat denselben telegraphisch seinen Dank ausgesprochen Er wünscht darin, daß sich die anungen im reichen Umfange erfüllen möchten, he sich an die Maßregeln zur Erhaltung und Förderung deutscher Kultur und Sitte im Osten knüpfen. Ferner haben die Universitätsstudenten in Budapest an den Kanzler für seine jüngste ungar- freundliche Rede eine warm gehaltene Begrüßungs­depesche gerichtet. Menn Graf Bülow nicht gleich­zeitig in den Zeitungen von den Pester Studenten» kravällen hätte lesen müßen, würde ihn das Telegramm wohl noch mehr als sonst erfreut haben.

Von schwarzen Husaren hat der Domprobst Dr. Berlage bei dem Festmahle gesprochen, das nach der Inthronisation des neuen Erzbischofs von Köln stattfand: .Ich denke mir das große deutsche Reich beschützt von verschiedenen Regimentern, die verschiedene Farben tragen. Jedes der Regimenter hat Treue gelobt und wird sie halten. Eines dieser Regimenter führt unser Herr Erzbischof. Wenn es gilt, dann werden die schwarzen Husaren ihm zur Seite stehen und kämpfen

Schau net gar so erbärmlich drein," munterte Hannchen ihn auf,Deine Mutter hat Dir 's Fräulein Gertrud aus der Residenz­stadt bestimmt--"

Die nehm' ich nie!" fuhr er dazwischen.

Kommt Zeit, kommt Rat!" mahnte sie, und wann net, so giebt's noch manch's anderes Mädele. Mußt den Kopf hoch halten, wie ich!"

Ja, wie Du? Wer das immer so fertig brächt! Dir steckt's im Blut drin, wirst's halt zu Großem noch bringen!"

Na, na!" Jetzt konnte sie wieder lächeln.

Also hör', Hannchen, was ich erzählen wollt! Ist gar bald geschehen. Siehst, mein Wunsch war immer, ich wollt'studieren und mal Doktorwerden."

Gescheidt von Dir; blos in die Bücher was neinschreiber, oder mal das Posthorn blasen, dafür bist zu gut!" warf sie lobend ein.

Und da halt' ich eben gedacht, Du würdest meine Frau Doktorin mal werden und auf den Händen hätt' ich Dich getragen. Ja, ja, ich schweig ja schon davon. Aber jetzt sollst Du hören, was ich zur Nacht geträumt hab; so leibhaftig, wie ich Dich vor Augen hier schau, hab' ich's gesehen und gehört."

Eie sah ihn erwartungsvoll an; um die linde Nachtluft besser genießen zu können, hatte Hannchen Holder das verhüllende Tuch von dem krausen Blondhaar entfernt. Eben ging der Mond auf, und wie feine ersten Strahlen das Antlitz des jungen Mädchens überfluteten, da sah sie nicht allein anmutig, da sah sie wie eine wirkliche Schönheit au?. Hermann Grau schaute traurig, aber bewundernd auf sie. Sie merkte es. (Fortsetzung folgt.)