JUL 81
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Erscheint täglich außer an Soun- und Feiertagen. Sonnabends in Rtorgen- und Abend-AuSgabe. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universität-»Bnchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 22. März 1903.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtrs Sonntagsblatt.
f' .-I
Frühlings-Anfang.
Heut' ist der Tag, an dem auch der schäbigste Kalender zu Ehren kommt, denn heute wünscht «änniglich auS ihm zu konstatieren, daß endlich der Frühling gekommen ist. Bon heute an sind wir gesetzlich berechtigt, unsere Brust mit den überschwänglichsten Hochgefühlen zu füllen nnd diese gereimt und ungereimt zum Besten |u geben, wenigstens soweit man dafür Hörer »nd Leser findet. Die Zahl der letzteren freilich hat bedenklich abgenommen, seitdem auch der ärmste Geisterprolet sich für wenige Groschen eine Reitinstruktion für den Pegasus bei den hiesigen tit. Buchhandlungen erstehen kann samt einem Anhang mit männlichen und weiblichen Reimen. Für den Hausbedarf der neuesten Frühlingsdichter erübrigt sich heute indessen, wie wir als genaue Chronisten vermelden wüsten, selbst jene kleine Ausgabe. Denn wer, wie wir, Gelegenheit hat, die vulgäre Frühlings- Poesie unserer Tage zu prüfen, dem wird e8 zur unumstößlichen Gewißheit, daß eS auch auf dem Gebiete der Reimschmiedekunst eine erbliche Belastung giebt. Wer damit behaftet ist, der kann vielleicht 9 Monate in jedem Jahre dieser perversen Anlage Herr werden, im Frühjahre aber, wenn die ersten Knospen schwellen, kommt die Krankheit sicher zum AuSbruch. Dann ergreift er in seiner Gefühle dunklem Drange die Feder und mühelos stellen sich all die Reime ein, die schon Urahne, Großvater, Mutter und Vater in ähnlichen Situationen verwendet haben: wie Liebe, Triebe, Hiebe u, s. f.
DaS ist die Krankheit de« Frühlings, die Dichteritis. Im Gegensatz zu jenen der Winters schadet sie im allgemeinen weniger ihrem Träger als ganz unbeteiligten dritten Personen, die sich zufällig in der Nähe des Kranken aufhalten. Ja schlimmer noch I, sie vermag sogar seit der großartigen Ausgestaltung der Kaiserlichen ReichSpost Leuten schädlich zu werden, die viele 100 km von dem Herde der Epidemie entfernt wohnen k Zum Segen aber für die übrige Menschheit ist eS in der Hauptsache nur ein Beruf, der unter den Folgen der Dichteritis zu leiden hat, und das find die Redakteure! Und denen kann fie zum Glück nicht viel anhaben, da fie im Befitze eines allopathischen Mittels, eines Serums, find, das, stets zu dieser Zeit prophylaktisch gebraucht, von ganz hervorragender, totficherer Wirkung ist. Den Erfinder diese« Serums nennt leider keine Enzyklopädie. Weder Brockhaus noch Meyer führt ihn an, in keinem wistenschaftlichen Werke ist sein Name zu finden! Und doch, welch ein Wohltäter der Menschheit war der geniale Kopf, der den Redaktions-Papierkorb erfand! Jenen Korb, verschwiegener wie das Grab, tiefer wie das Meer, da es am tiefsten ist! Ihn, den Korb aller Körbe, in den um die Zeit der Frühjahrssonnenwende tagtäglich ungezählte
16 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Bon Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
Vielleicht hatte vor vielen Jahrhunderten an derselben Stelle, wo nunmehr sich der Turm erhob, das weniger liebliche, als interestante Geschlecht der Saurier im Schein der ewigen Sonne seine Mittagsruhe gehalten, und andere nicht minder seltsame Zeitgenoffen hatten durch merkwürdige Pflanzen und Sträucher sich einen Weg gebahnt. Solcherlei und vieles andere wußten die gelehrten Herren aus dem heutigen Stande des Erdbodens und den geheimnisvollen Schätzen in seinem Innern zu lesen, aber es muß leider gesagt werden, daß das junge lebende Geschlecht für die bemerkenswerten Zeugen einer interessanten Vergangenheit keinen besonder» Sinn hatte, um so mehr aber für die eigenen Zeitgenoffen. Hermann Grau hätte sonst schwerlich Hannchen Hölder nach dem alten Bauwerk bestellt; Geologie und andere Studien wollten die beiden im Dunkel der anbrechenden Nacht doch ganz gewiß nicht treiben.
Die Beherrscher der Posthalterei waren mit den Jahren auch die deö Heidenturmes geworden. Was hatte das alte Gemäuer nicht durchgemacht? Ursprünglich hatte eS wohl ein Grenzgras des Frankenreichs erbauen laffen, der die über den Rennweg vordringenden heidnischen Scharen rechtzeitig beobachten wollte, um wirksame Abwehrmaßregeln treffen zu können. Svater mochte sich ein wuchtiger, starker Herren»
Frühlingsgedichte auf Nimmerwiedersehen verschwinden? Du zweifelst, viellieber Leser, du glaubst ich rühme vielleicht pro domo! Doch ich will dich überzeugen! Nicht dadurch, daß ich eine Probe aus der unendlichen Zahl der sehnsüchtigen Liebeslieder hieicher setze, die du auS eigener Erfahrung kennst und die mit geringen Abweichungen in jedem Jahre neu von denen verbrochen werden, die schon zu alt find, um noch Räuber und Gendarm zu spielen und noch zu jung, um schon zu dichten. An einem wenige Tage alten Werk eines ernsten ManneS will ich die ruhmvolle Tüchtigkeit des Papier- korbs beweisen und die Schrecknisse jener Krankheit, die man Dichteritis heißt!
An de« LahnstromS kühlem Strande.
(Rach der Melodie: An der Saale kühlem Strande.)
An des LahnüromS kühlem Strande» Steht die Nehmühl' stolz und kühn Ja ihre Mauern fie find erneuert, Ein jedes Herz fich drüber freuert Drum hoch die Nehmühl, dreimal hoch. An des Lahnstroms kühlen Strands Steht die Nehmühl stolz und kühn Den gelben Weizen kann fie fein mahle« Man braucht auch nicht viel Malier zu zahlen Weil fie Tags hundert Zentner mahlt.
An des Lahnstroms kühlem Strande, Steht die Nehmühl' stolz und kühn Und an des Waldes schattigem Rand« Sie blickt hinauf, hinab dem Strande Versorgt gern Alle groß und klein. An des Lahnstroms kühlem Strand« Steht die Nehmühl stolz und kühn Nicht weit davon die Nehbrücke lieget Die beiden ba'n mir mein Herz besieget So lang ich an dies Plätzchen denk. An des Lahnstroms kühlem Strande Steht die Nehmühl stolz und kühn Gegrüßet seist du Du, neue Alte Am Strand der Lahn am schattigen Walde Gegrüßet seist du immerdar!
An des Lahnstroms kühlem Strande Steht die Nehmühl stolz und kühn Ja ich muß scheiden, muß euch verlaßen, Kann Euch Ihr Liehen nicht stets umfasst«, Nicht stets in Eurer Mitte sein.
An des Lahnftroms kühlem Strande Steht die Nehmühl stolz und kühn, Drum kehr o Wandrer, hörst Du die Säge In diese Mühl' ein, auf deinem Wege Erquickt wirst Du von dannen zieh».
An des Lahnstroms kühlem Strande Steht die Nehmühl' stolz und kühn, Herr Gott beschütze die lieben Leute Auf dieser Mühle noch lang wie heute Laß Deinen Segen auf Ihn ruhn.
An des Lahnstroms kühlem Strande Steht die Nehmühl' stolz und kühn Ja ihre Räder fie find erneuert Ein jedes Herz fich drüber fteuert Drum hoch die Nehmühl, dreimal hoch!
Ein Freund des herrlichen LahntalS.
Und nun stelle dir vor, geliebter Leser, du solltest 2—3 Monate lang tagtäglich 2—17 solcher, wahrlich gutgemeinte, von Heimatsgefühl überströmender Gedichte in deiner Zeitung lesen! Die Folgen würden gräßlich sein. Und deshalb
fitz daran geschloffen haben, und die wehrhafte Burg hatte in mancher Fehde dem andringenden Gegner erfolgreich widerstanden. Dann hatte der Bau als Verließ gedient, zuerst deS Landesherrn, dann al« Gewahrsam der städtischen Verwaltung, und am Ende war er unter die Hand der Posthalter-Tynastie gekommen. ES Üang ja komisch geradezu nach dieser großen Vergangenheit, aber eS stimmte nun einmal, und die einstige Trutzwehr war heute — ja, eS muß gesagt werden, ein Bierkeller geworden, in dessen mächtigem Kellergewölbe die Füffer aufgespeichert lagen, die mit dem guten ,Posthalterstoff" gefüllt waren. Denn zur Posthalterei gehörte außer dem stattlichen landwirtschaftlichen Betrieb auch eine ansehnliche Brauerei, aus welcher eine ganze Reihe größerer und Reinerer Gastwirtschaften ihren Bedarf entnahmen. Es war ein einträgliches Anwesen, die große Posthalterei, und das Vermögen der gescheiten, sparsamen und nüchternen Inhaber hatte eine sehr beträchtliche Höhe erreicht. Witzbolde hatten mehr als einmal — int Hinblick auf den Spandauer Festungsturm, in dem der deutsche Reichskriegsschatz geborgen liegt, angeregt, ob der Posthalter von Sonnenfeld den Heidenturm fich nicht zu feinem Privat- Juliusturm ausbauen laffen wolle . . . . Und Sebastian Grau, der sonst nicht gerade zu allerlei Späßen neigte, hatte dazu bloß leicht gelacht. Der tüchtige Mann war nur darauf sein Lebtag stolz gewesen, daß er der eignen Arbeitskraft und Schaffenskraft so viel verdankte.
Den Gipfel des Turmes umlief eine hohe Brustwehr au« massivem Gestein. Im Schatten der Gemäuer» liegt eine Steinbank r man konnte
sage ich, dem Manne, der da« Dichtrritis- Serum, den Papierkorb erfand, gebührt ein Platz int modernenPrythaneion, dem Journalisten- Spital, oder, sollte er in diesen Tagen zufällig verewigt sein, ein Begräbnis I. Klaffe auf Staatsunkosten.
So, damit hätte ich das eine Zeichen benähenden Frühlings genügend erörtert und kann mich den übrigen zuwenden. Leider verbietet mir die Zeit, dieselben je nach ihrer Bedeutung in ebensolcher bezw. noch größerer epischer Breite zu behandeln, da bei ihrer großen Menge eS sicher Herbst werden würde, ehe ich ?u Ende käme. Denn wa« könnte man alle« agen über den 1. Maikäfer, den man un« am 16. Februar auf die Redaktion brachte, und erst über de» 2., der am 18. eintraf! Welch farbenglühende Apotheose könnte ich schreiben über den 1. Schmetterling, den un« ein prächtiger Dreikäsehoch am 19. 2. d. I. um 12.03 Uhr nachm. in einer Streichholzschachtel überreichte und der trotz sorgsamster Pflege nicht leben tonnte und um 1.05 nachm. durch den Tod abging! Und was würden all diese Schildereien überhaupt besagen wollen, gegenüber jenem dickleibigen Bande in Folioformat, den ich über jene am 12. März geschaffene erste Schnepfe, die man nicht auf unsere Redaktion geschickt sondern schnöde samt dem ttt Schnepfendrecke selbst verspeist hat, schreiben würde! Und über den 1. Storch! Und das Salvatorbier! Und den Standort der verstecktesten Bänke auf dem DammelSberge! Und über die Wahlen, die vor der Thür stehen, und die einem jede Freude an dem kommenden Frühling schon im voraus vergällen ! Und über da« große Meteor, daS Krieg und teure Zeit verkündet und hoffentlich ebenso durch die Ereigniffe widerlegt wird, wie Herr Falb und die anderen Wettermacher t — Ich begnüge mich daher, aus den Anzeichen des nahenden Frühling« nur einige wenige, dafür aber desto untrüglichere zu vermerken: Am- 29. Februar begannen die Kätzchen auf den Bäumen zu wachsen, entgegen der sonstigen natürlichen Gepflogenheit. Am 3. März wurde in Jena der letzte Winter-Ueberzieher versetzt. Am 6. März wurden in Marburg die letzten Fahrräder auf der Pfandleihe eingelöst. Am 10. wurde das erste Kind überfahren. Am 16. annoncierte Heineberg die Eröffnung der Frühjahrsmodelldamenhüteausstellung. Am 20. schrieb ich diesen Frühjahrsattikel. Und heute steht eS im Kalender, daß der Frühling da ist. — Wer es aber trotz alledem nicht glauben will, dem ist auf dieser Welt nicht mehr zu helfen. W.
Umschau.
Der Hirtenbrief deS Erzbischofs von Köln.
Erzbischof Dr. Fischer hat heute den ersten Hirtenbrief erlaffen. Der Erzbischof sagt in
da oben in allem Frieden sitzen, ohne irgendwie gestört oder auch gesehen zu werden. In jüngeren Jahren hatte daS Posthalterspaar an manchem A^end dort verweilt, denn fie hatten „auch ihre Stunden gehabt," aber seit langem war die Plattform von ihnen nicht wieder betreten. Die Treppe nach oben war wenig bequem und dem ergrauten Manne, der sonst einen tiefen Sinn für die Natur hatte, „ging dabei die Luft aus". Die Frau Posthalterin meinte freilich, man hätte Wichtigeres zu tun, als da oben dem Raubzeug zuzuschauen, da« über dem Bergwald kreiste.
ES war schön dort oben; die blauen Berge mit den sanften Kuppeln im Hintergründe, zu Füßen dunkle Waldungen und weite grüne Matten, dazwischen die roten Dächer von Sonnenfeld. Ein helles Stück wohligen Friedens in dieser unruhigen Welt, deren Künder, die schnaubenden Eisenbahnzüge, nur durch einen schwachen Rauchstreifen in der Ferne fich verrieten.
Die Nacht war bereits hereingebrochen, als sich Hannchen Hölder, dicht vermummt, der mit Eisen beschlagenen festen Turmtür näherte. Rund herum war kein Laut hörbar, nur von der Stadt herüber klang dann und wann Geräusch. Die Luft war mild, der Mond unsichtbar, aber die Sterne funkelten in der reinen, Raren Luft wie Silber. DaS junge Mädchen hatte noch im letzten Augenblick geschwankt, ob fie den Weg unternehmen sollte; so viel war ganz gewiß, kam dieses Rendezvous den Leuten zu Ohren, dann hätten die Sonnenfelder so bald nicht wieder auf, davon zu erzählen. Und wenn fie noch darüber fottkam, aber wa« würde der Vater für Augen machen? Sie sGvankte!
demselben zunächst, als Erzbischof von Köln, der altehrwürdigen deutschen Stadt an den Ufern des Rheins, sei und bleibe er deutscher Bischof, der mit der Liebe zu Ehttsto, dem Herrn seiner heiligen Kirche, die Liebe zu seinem Volke und feinem Baterlande zu verbinden wiffen werde. Wir deutschen Katholiken, fe heißt e« weiter, lieben Rom und lieben den Papst, aber tont lieben auch unser Vaterland und unser Volk und protestieren laut dagegen, wenn hier und da ht Unverstand oder Leidenschaft versucht wird, zwischen dem Katholizismus und dem deutschen Volkstum einen Grenzwall aufzurichten. Der Erzbischof betont bann, daß er stets in unentwegter Treue zu seinem Herrscher stehen werde, der von Gottes Gnaden die Geschicke deS neuen deutschen Reiches zu lenken berufen ist, und daß er immerbar baS Wort predigen werde: fürchte Gott und ehret den König. Der Erzbischof ermahnt die Erz- diözesanen, die andersgläubigen Mitbürger nicht nur zu dulden, sondern zu lieben und für fie zu beten. ES wäre geradezu ein an dem deutschen Volke begangenes Verbrechen, wenn man durch gewissenlose Aufreizungen den ton» fesfionellen Haß schüren und den einen Volk»- teil wider den andern verbittern und verhetze« und dadurch den einmal bestehenden Zwiespalt noch vergrößern und verschärfen würde. Der Hittenbttef schließt mit der nochmaligen Aufforderung an die Erzdiözesanen, bei aller unentwegten katholischen GlaubenStreue stet» liebevoll und verträglich gegen die andersgläubig« Mitbürger zu bleiben.
Eine offizöse Kritik deS Völkerkonzertes.
Der „Köln. Ztg." wird auS Berlin geschrieben: Bettchten auS Mazedonien zufolge führt der Generalinspektor Hilmi-Pascha da» Reformwerk mit großer Geschicklichkeit und Thatkraft durch. Die Vorlage eines Reglement» betr. die Einkünsterhebung durch die Ottoman- bank an die Botschafter Oesterreichs und Rußlands steht bevor. ES gelang auch Hilmi- Pascha, die Albanesen zu beschwichtigen. Rur das Bandenunwesen dauett fort, nach türkischer Behauptung durch Zuzug aus Bulgarien. Alle Mächte, auch Rußland, scheinen einig, bet Türkei in ber schonungslosen Unterdrückung be8 Bandenunwesens freie Hand zu laffen. Hingegen hetzen franzöfische Blätter gegen die Türkei und das Reformprogramm, so der „TempS", welcher Gttechenland riet, mit den flavischen Völkern Mazedoniens gemeinsam gegen die Türkei Front zu machen. Diese, daS Friedenswerk nicht fördernden Ratschläge stehen in nicht uninter- esfiertem Gegensätze zur russischen Politik und zu DelcafstS amtlichen Billigung der russischen Reformpläne.
Aber fie hatte es nun einmal versprochen, und so entfernte fie fich von Hause unter dem Vorwande, eine kranke Pate noch einmal besuchen zu wollen.
„Daß Du aber nicht in die Nacht hineinbleibst!' warnte die Mutter. Hannchen versprach es, ganz gewiß, fie wollte nicht länger, als ein kleines Stündchen fern sein.
Hermann Grau saß auf den Stufen vor dem Turm. „Sei ganz ruhig, Hannchen," mit den Worten empfing er fie, „niemand zu sehen und zu hören. Komm' schnell!"
„Aber nicht länger, als eine halbe Stunde!" bedang fie fich aus. Er nickte. Er war so bewegt, daß ihm die Sprache einen Augenblick versagte.
Geräuschlos öffnete bet junge Mann bi« schwere Tür, bie beiden schlüpften hinein, uni ohne einen Baut fiel die Tür ins Schloß zurück. Tiefe Dunkelheit umgab bie Jugendgespielen, fie meinten, daS Pochen ihrer Herzen zu hören.
„Ich möchte doch lieber wieder gehen--,*
begann Hannchen scheu, aber ba nahm ihr Begleiter schon eine kleine Laterne auS ber Tasche. „Sei ohne Furcht, Mädele!" bat er mit seiner weichen Stimme, „ich bin ja bei Dir?" Und als fie fich nun in bie verhüllten Gesichtet schauten, ba brach ber Jugend-Humor wieder durch. , e
„Gar zu geheimnisvoll schauen wir drein, lachte Hannchen, „bald wie ein paar Spitzbuben oder ein paar Schatzgräber!"
„Bist auch ein Schah, kostbarer, al« Gold," sagte er innig. „Liebs Hannchen!" Und damit faßte et ihre Rechte.
(Fortsetzung folgt./