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mi dem Kreisblatt für die Kreise Marlmrg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jilnsteirtes Sonntagsblatt.
Utertelj^hrlicher Bez«g-pre<4: bei der Expedition 2 ML, Jt» 79 .. bei alten Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
**»sertio»Sgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.
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Marburg
Sonnabend, 21. März 1903.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. JaW
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Da die »Oberhesfische Zeitung' in ständiger Verbindung mit dem größten deutschen, auS amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Bureau steht und «n weitverzweigtes Reh von Korrespondenten in ihrem Verbreitungsbezirke und weit darüber hinaus unterhält, so ist fie in der Lage sicher für jedermann etwas zu bringen, was deffen Interesse besonders in Anspruch nimmt. Außerdem ist fie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten aus Stadt und Land zu vermehren, da der fich beständig vergrößernde Leserkreis der »Oberhesfische» Zestuug' dieS erfordert und ermöglicht. Der Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Romane und Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkest widmen.
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Redaktion und Verlag er „Oberhesfische« Zeit««g".
16 -Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
lFortsetzung.)
Hermann Grau wollte antworten, aber der Prstillon war schon zu nah, so drückte er nur die weiche Hand und entfernte fich schleunigst.
Der Postillon, ein junger, stattlicher Mann, blieb stehen.
.Hannchen!' sagte er verlangend.
»Ra Schorsch?" war die heitere Antwort.
.Den Posthalterssohn bekommst nimmer, Wie wärs, Hannchen?' sagte er halb stotternd, halb vertraulich.
»Wie meinst die Sach', Schorsch?' Hannchen sah den Mann mit ihren großen klaren Augen, aus denen mit einem Male alle Schelmereien verschwunden waren, durchdringend an.
„Wirst mich doch verstehen, MädÄe?' platzte der vor ihr Stehende heraus.
.Versteh Dich nimmer, Schorsch!' wK die ruhige Antwort.
„Ich mein, ich denk, ach was, Du weißt :anz genau, waS ich will!'
„Rein!" sagte fie einfach.
.Dich!" Und dabei machte er einen etwas unbeholfenen Versuch, Hannchen um die Taille zu fasten. „Denk doch, daß BrieftrügerStochter und Postillon net schlecht zusammen paffen.' Dabei trat er etwa« näher, da das Mädchen fich bei der ersten Handbewegung etwas fett« tvärtS gewendet. Aber nur ein Schritt geschah, »in einziger: der gar zu zuverfichtlichr Schorsch «hielt von den festen Frngern d« begehrten Schönen einen so kräftigen Schlag auf seine Hand, daß fie rot anlief, und « mit einem unterdrückten Schrei zurückprallte.
Bon der Bagdadbahn.
In der gesamten liberalen Welthandels- und großkapitalistischen Preffe begegnete man neuerdings folgender für ihre Klientel hochersreulichm Kunde:
„Hebet den Bau der Bagdadbahn von Konia bis Eregli ist bekanntlich jüngst in Konstaninopel ein Vertrag unterzeichnet worden. Die neue Strecke, welche das erste Glied der Bagdadbahn bildet, ist 187 Kilometer lang, geht vom bisherigen Endpunkt Konia (45 000 Einwohner) aus und berührt die größeren Orte Jsmil und Karabunar. Der Endpunkt Eregli (Heraklea) dürste an 60 000 Einwohn« haben. Die Gegend exportiert Getreide, namentlich größere Quantitäten G«ste, f«ner Wolle, Ziegenfelle und Teppiche.'
Da, wie verlautet, das in Betracht kommende Terrain dem Bau nirgends größere Schwierigkeiten in den Weg stellt, dürste derselbe sehr bequem zu dem in Aussicht genommenen Termin, d. h. in zwei Jahren, betriebsfertig ausgeführt sein. In Rußland ist man wütend über diesen Eisenbahnbau, den man sowohl wegen der damit v«knüpsten Stärkung der türkischen Machtmittel, als wegen d« spät« zu erwartenden überreichen Getreidezufuhren von den durch die neue Bahn erschlossenen Gebieten nach den europäischen Märkten, als für die russischen Jntereflen sehr schädlich anfieht. Die russische Preffe machte darauf aufmerksam, daß der Bahnvertrag mit den deutschen Bauunternehmern vom Sultan gerade am 25 jährigen Gedenftage des Friedens von St. Stefano unterzeichnet worden sei, an welchem Tag fich für Rußland ohnedies schmerzliche Erinnerungen über enttäuschte Hoffnungen knüpften, und es werden von den bedeutendsten russischen Blättern Hetz' und Brandartikel gegen Deutschland vom Stapel gelassen, das auch hier durch diesen Bahnbau wieder seine gegen Rußland feindselige Gesinnung dokumentiere.
Diese Drohungen, welche in Rußland durch das Unternehmen deutscher Großkapitalisten gegen uns erweckt worden ist, läßt unsere liberale Presse merkwürdig kühl, während dieselbe sonst bei jedem russischen Stirnrunzeln über Zollforde- rungen der deutschen Agrarier, diese als Störenstiede hinstellt, welche um ihres materiellen Vorteils willen die Sicherheit unseres Vaterlandes auf das Spiel setzten.
Wie große Befürchtungen fich für unsere deutschen Landwirte an jene Erschließung der weiten vorderasiatischen Ländergebiete durch Eisenbahnbauten knüpfen, daS haben wir schon östn hervorgehoben. Die jetzt schon vorhandene Getreideexportfähigftit jener fruchtbaren Landstriche mit einer ganz ungemein genügsamen
„Aber Mädele!" begehrte er auf.
„Willst noch etwas Schorsch? Nimm Di bloß vor HölderS Hannchen in acht. Wenn Du kindische Geschichten treiben willst, wirst just wie ein Bub behandelt. Merk Dir's! Und damit hätten wir alles, was nötig, gesagt.'
Die Augen des jungen Mannes nahmen einen wilden Ausdruck an. Aber er bezwang fich noch einmal.
„Hör bloß noch ein Wort, Hannchen! Die Frau Posthalterin hat g'sagt..."
Das Mädchen hemmte seine Schritte. Die Frau Posthalterin, die Mutter des guten Hermann, hatte etwas gesagt? DaS interessierte fie doch, weniger d« eigenen Person, als des alten Spielkameraden wegen.
„Was hat die Frau gesagt? Von mit etwas? Red, Schorsch, das muß ich wissen."
„Gemeint hat die Frau Posthalterin, 's würb ihr auf 'ne Hand voll harter Taler, 's können auch a paar Goldfüchs' dabei sein, net ankommen, wenn Du meine Braut würd'st!'
„So, das hat die Frau g'sagt!" In Hann- chens Stimme lag ein ganz eigenartiger Klang.
Ja, da» hat fie g'sagt. Und ich sollt' später auf der Posthalterei Jnspettor werden, eine hübsche Wohnung sollt' ich haben, bloß mein Franke müßtest Du werd'n. ftnd ich denk' doch, wir beiden könnten vor den Leuten uns seh'« lassen. Ra willst, Hannchen?"
Sie sah ihn mit funkelnden Augen an.
„Rein! Will Dich nicht, gar niemals. Pfui schäm Dich, Schorsch l Läßt Dich von der Frau so beschwätzen? Schäm Dich! Mag Dich nicht und nähm' Dich nicht, und wenn Du d« einzige Mann auf d« Erde wärst! Nun weißt's!" Sie drehte fich um! In dem Burschen loderte ab« die Leidenschaft gewaltig aus. So behandelt zu w«den? Und « war doch ein
Bevölkerung wird mit Vollendung der Eisenbahn eine rapide Steigerung «fahren und wir werden wohl sicher nach drei bis vier Jahren schon anatolischeS Getreide, namentlich Gerste, in großen Mengen auf unseren Märkten «scheinen sehen. Dann können die deutschen Sauern den Gerstenbau aufgeben und sich der Federviehzucht und dem Geschäfte des Eierlegens widmen.
Umschau.
Eine mutige Prinzessin.
Die Affäre d« verurteilten StiftSoberin v. HeuSler in München, die nun doch Revision einlegen ließ, hat dazu geführt, daß gegen den bayrischen Minister des Innern v. Feilitzsch Angriffe gerichtet worden find, weil daS Maximilian-Waisenstist sein« Aufficht unterstand. Nachdem nun Versuche unternommen worden find, die Angelegenheit polttisch gegen den Minist« auszunutzen, hatte angeblich die Prinzessin Ludwig Ferbinand fich zu der öffentlichen Erklärung in d« Preffe entschloffen, nur fie trage die Verantwortung und die Schuld daran, daß auf ihre besondere Bitte die Oberin so lange in ihrem Amt belassen worden sei, auS welchem das Ministerium fie längst habe entfernen wollen. Auf Veranlassung von maßgebender Stelle sei diese Veröffentlichung unterblieben, doch nimmt nach einer Mitteilung aus der Jsarstadt die Prinzessin jede Gelegenheit wahr, ihrem Inhalt mündliche Verbreitung zu verschaffen und damit den Minister vor ungerechtfertigten Vorwürfen zu schützen.
Reform des Hebammenwesens.
D« Kultusminister hat schon in einer d« letzten Abgeordnetenhausfitzungen Mitteilung davon gemacht, daß er fich mit dem Reichskanzler zur Sicherstellung der Hebammen für den Fall des Atters und der Invalidität ins Benehmen gesetzt habe. Der Reichskanzler hat deswegen Verhandlungen zwischen den Einzelregierungen herbeigeführt, die all«dings noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Des Fsrn«en find zur Befferung der Lage d« Hebammen die Heb- ammentaxen überall einer Prüfung unterzogen und bort, wo sie hinter den Anforderungen d« Neuzeit geblieben waren, entsprechend erhöht worden. Auch haben über die Mängel des Hebammenwesens und über die Mittel zur Abstellung derselben Verhandlungen der «weiterten wiffenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen stattgefunden. Die Beratungen erstreckten fich auf das gesamte Gebiet deS Hebammen- wesenS, auf die Auswahl und Vorbildung d«- jenigen Personen, welche zu den Hebammenlehranstalten und zu dem Hebammenunterricht
stattlicher Mensch, Haus und Garten hatten die Eltern, ein Mann von Amt und Würden sollt' er auf der Posthalterei auch noch werden, und fich so behandeln zu lasten. Dem wilden Ding steckte bloß der Hermann im Kopfe, die Post- halterin hatte da so ein paar Anspielungen gemacht. Und mit einem Male hörte er die herrschsüchtige Frau wieder sprechen und er schrie eS fast nach: „Also die Liebelei mit dem Posthalterssohn behagt Dir bester? Darum willst auf einen ehrlichen Antrag nicht antworten? O Du, Du! Aber ich komm Euch allen beiden. Wartet Ihr, wartet!"
Schorsch brauchte nicht erst lange zu warten; Hannchen Hölder war «blaßt, wie eine weiße Rose. Sie stand regungslos, aber fie zitterte von Kopf bis zum Fuß. Doch nur einen Augenblick währte 's, im nächsten Augenblick klatschten die fünf Finger ihrer Rechten auf des Zornigen Wange: „Da, Du Schandmaul! Und bestell' der Frau Posthalterin einen schönen Gruß!"
Der Geschlagene taumelte zurück; dann stand er wieder fest, die sehnigen Glieder dehnten fich wie zum Sprunge. Da klang aus dem Garten heraus des alten Hölder Stimme: Hannchen, wo steckst' denn, Hannchen?"
„Da, Vat«le!' war die helle Antwort. Mit einem bösen Austachen zog fich Schorsch zurück, aber nicht, ohne vorher drohend die Faust erhoben zu haben: „Wir rechnen ab miteinander, Du Stolze!"
„Wer war da, Hannchen, fragte Lebrecht Hölder, etwas erstaunt in das noch immer aufgeregte Antlitz seines Töchterleins schauend.
D« Schorsch au8 der Posthalterei, $atedel* antwortete das Mädchen, mühsam die Erregung zu bezwingen suchend.
„So, so! Was hatt'st denn mit dem zu schaffen?' fragte Lebrecht bedächtig
zugelasten werden wollen, auf die Art und Dauer! deS Unterrichts der Hebammenschülerinnen, auH deren Prüfung, auf die Hebammenlehranstalte^ und Hebammenlehrer, auf die Ausübung bet Hebammentätigkeit sowie die Rechte und Pflichte^ der Hebammen, auf deren Fortbildung und Be- ausfichttgung, auf alle sonstigen wichtigen Punkt« des HebammenwesenS, besond«S ober auf di« materielle Lage und die Sicherstellung d« Hebammen. Dabei hat die erweiterte Wissenschaft« liche Deputatton für das Medizinalwesen aner». kannt, daß daS Hebammenwesen in den meistes dieser Punfte reformbedürftig sei, am meiste« aber bezüglich der Auswahl der Anwärterinnen auf den Hebammenberuf^ bezüglich der Art und Dauer bei Unterrichts der Hebammenschülerinnen und bezüglich der materielle« Stellung der Hebammen. Unmittelba^ int Anschluß an diese Verhandlungen hat bet Kultusminister eine Neubearbeitung des Hebammenlehrbuchs angeordnet und in Angriff nehmen lassen. Dasselbe dient nicht nur all Lehrbuch für den Unterricht der Hebammen^ sondern auch als Hebammengesetzbuch, all eine Zusammenstellung aller Pflichten, welche vo« den Hebammen bei der Ausübung ihrer Berufstätigkeit beamtet werden müssen. Mit Rücksicht darauf, daß eine Reform des HebammenwesetH in bezug auf Art und Dauer des Unterricht! für die Provinzialverwaltungen von Bedeutung ist, daß ferner eine Aufbesserung der Eiw^ kommensverhSltnisse der Hebammen die Gemeinden und Kreise in hohem Maße interessier^ erschien eS zweckentsprechend und unerläßlich, diesen beteiligten Stellen Gelegenheit zu gebe«, zu den betreffenden Beschlüssen der erweiterte« wiffenschaftlichen Deputation für das Medizinal» wesen Stellung zu nehmen. Diese find deshalb» den Oberpräfidenten zugesandt worden mit bei Weisung, darüber mit den Regierungspräsidenten und Landesdirektoren in Verhandlung zu treten^ Schließlich ist erst kürzlich angeordnet tootben, das Einkommen amtlich festzustellen, das jebe Hebamme innerhalb eines bestimmten Zeitt abschnttteS aus ihrer Hebammentätigkeit gehabt hat. Man will damit eine ziffernmäßig« Unterlage für die Reform bezüglich bei materiellen Lage bet Hebammen gewinnen. Jedenfalls werden noch umfangreiche Vorarbeite« bewältigt werden müssen, ehe die zur Reform! der Hebammenverhältnisse erforderlichen Hut«» lagen erbracht fein werden.
Die Jnbustriezölle im neuen Generaltarif.
Der Ausschuß deS Zentralverbandes Deutsch« Jndriell« hat in seiner Sitzung am Dienstag
„Hab ihm einen schönen Gruß zum Abschied an die Frau Posthalterin bestellt," war di« Antwort. (
„Hast brav gemacht, Mädele! Wann man Lebwohl sagt, soll's man mit ganzem Herze« tun!"
„Ein bitt«es Lächeln umkräufelte Hannchenl Lippen, alS fie nun zusammen ins Haus gingen.
D« Heidenturm von Sonnenfeld!
Es war ein gewaltiges, uraltes Bauwerk, üb« die tausend Jahre alt, und doch war brae ab unb zu etwas zu flicken nur gewesen, doch zu richtig« Ausbefferungs-Arbeit hatte eS noch nie zu kommen brauchen. Daher stammte di« Rede bei den Sonnenfelder Bürgern, wenn fte von den Maurern von heute irgend ein Bauwerk aufführen ließen: „Macht Eure Sach', wie die Alten es beim Heidenturm getan. Die hatte» keinen Zement und's Mauerwerk hält noch!'
Der ungeschlachte, plumpe Turm lag vor der Stadt auf der Höhe, von wo fich ein weit« Ausblick auf die Umgebung gewinnen ließ. Wellenförmig zogen fich die Hänge del Thüringer Waldes von bet Höhe intz Tal, und bie gelehrten Herren wußten vortrefflich z« demonstrieren an dem Geschiebe der Erdoberfläche, wie es kunterbunt in d« grauen Vorzeit hierorts zugegangen fei. Und das mochte schon stimmen, denn nicht eben weit von Sonnenfeld hatte man aus der Tiefe d« Erde bei bet Ausbeutung von Steinbrüchen bie Ueberbleibsel von allerlei wunberbaren, komisch-fettfame« vorsündflutlichen Geschöpfen ans Tageslicht ge- förbert.
(Fortsetzung folgt.)