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mit Vern Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: JUnstrirtes Sonntagsblatt.

«HL 77

Viertels hrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML, bet all« Postämter« 2,25 ML (excL Bestellgeld).

**«sertio«»gebühr: die gegoltene Zeile oder der« Ramn 10 Pfg.

Reclamm: di« Zeile 26 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 19. MSy 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Morgen» und Abend-AuSgabe.

Druck und Verlag: Zoh. Aug. Koch, UniversttätS - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

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^Ersparnisse" der Budgetkommisfion.

Nach der Berechnung der »Freisinnigen Leitung" hat die Budgetkommisfion, die ihre Beratungen über den Marineetat zu Ende ge­führt, im ganzen von den darin enthaltenen NuSgaben 12 874 000 Mark abgestrichen. Da auch vom Militäretat 9 Millionen Mark ab ge­strichen worden find und ebenso wie ReichSeisen- hahn-AuSgaben eine Abminderung von 680000 Mark erfahren haben, beziffern sich dieEr- fparnisse" der Budgetkommisfion insgesamt auf rund zweiundzwanzig und eine halbe Million. Bei den Plenarberatungen werden diese Herab­setzungen mit geringfügigen Aenderungen jeden­falls aufrecht erhalten werden, wie dies ja bereits im Militäretat der Fall war.

Es ist gewiß eine schöne Aufgabe der Budget- kommisfion, auf sparsames Haushalten im Reiche zu sehen. Der Umstand, daß daS Reich für feine Defizits nicht selbst aufkommt, sondern sie auf die breiten Schultern der Bundesstaaten abwälzt, läßt diese Aufgabe besonders dringend erscheinen. Aber einigermaßen wird man doch daran zweifeln können, daß gerade diejenigen Parteien, die besonders darauf erpicht sind, starke Abstriche am Budget zu machen, von der richtigen Sparsamkeit geleitet werden. So streichen zwar Freisinnige und Sozialdemokraten tapfer darauf los, wenn es sich um notwendige Ausgaben wie um die Erhöhung der Oberst­leutnantsgehälter handelt, wollen aber den Etat mn die dreifache Höhe diesesausgesparten" Betrages dadurch belasten, daß sie tausend neue Beamtenstellen schaffen, die von der Regierung ffir vollkommen unnötig gehalten werden.

Im allgemeinen wird man anerkennen müssen, daß, namentlich was die laufenden Reichs-Aus­gaben betrifft, der Etat mit großer Sparsamkeit aufgestellt ist. Dieser Umstand ergiebt sich schon daraus, daß die Budgetkommisfion von den gesamten laufenden Ausgaben noch nicht eine volle Million Mark abzustreichen vermochte. Dabei betrifft die Hälfte dieser Abstriche die schon erwähnten Oberstleutnantsgehälter und eine Anzahl neyt Stellen für höhere Marineoffiziere. Eine eigentliche Ersparnis wird also in diesen Abstrichen nicht zu erblicken sein, denn die be­treffenden Ausgaben sind nur aufgeschoben und zwar, was außerordentlich zu bedauern ist, aus Kosten von höheren Offizieren, die auf die ab­gestrichenen Bezüge unzweifelhaft Anspruch haben.

Auch die Abstriche, welche die einmaligen Ausgaben betreffen, stellen nicht wirlliche Er­sparnisse, sondern Aufschübe der Leistungen dar. Der Beweggrund, die Ausgaben möglichst zu vermindern, war und ist der, die Summe des Defizits und damit die der zur Deckung des­selben benötigten Zuschuß-Anleihe zu verringern. Die Zuschuß-Anleihe ist im ganzen auf 235 Millionen Mark veranschlagt, davon betreffen

18 (Nachdruck verboten.)

Briefträgers Hannchen.

Bon Georg Paulsen.

(Fortsetzung.)

Warum soll'S dem Hannchen net glücken?" Singen kann'S wie eine Nachtigall, hab's doch damals mit eignen Ohren gehört, wie Seine Exeellenz ..."

I was, der hohe Herr hätt was Gescheiteres tun können, als Euch beiden noch Raupen in den Kopf zu setzen I" meinte Frau Hölder mit geringem Respekt.

Da schlug Lebrecht aber mit der Faust auf den Tisch, daß eS krachte.Weib, mach keine Injurien, sieh' nach Deinen Worten! Wenn so ein Herr nix vom Gesang versteht, wer soll'S denn?"

Frau Hölder brummte einiges unverständlich, und Lebrecht sagte weiter:Und wenn« Mädele dann noch bester gelernt hat, dann kann'S ihr auch nimmer fehlen. Und daß's ein bildsauber Madel ist, wie'S zwanzig Meilen im Umkreis kein saubereres gibt, das kann ich doch wohl sagen. Denn ich bin der Vater!"

Und ich bin die Mutter," brach seine HauS- ehre los.Kannst denn gar nicht die Augen ausmachen, alter Peter Du, willst denn juste­ment bl-nb fein? Das Hannchen ist a ver­wegen Ding, so viel krause Haare auf dem Kopf, so viel Schelmenstück' stecken hinter den Haaren. Laß daS Mädele bloß in lustige Ge­sellschaft kommen, dann gibt'S all' den anderen waS zum Raten auf. Und wer weiß, wo'S dann mal singt und springt."

daS eigentliche Reichs-Defizit rund 140 Millionen. Trotz aller Abstriche also hat diese Summe bis jcht um nicht viel mehr als 15 Prozent er­mäßigt werden können. Dabei find, wie ge­sagt, Ausgaben gestrichen worden, die im nächsten Jahre wiederkehren muffen.

ES eröffnen fich daher recht trübe Aussichten auf die nächstjährigen Finanzverhältniffe im Reiche, da nicht nur diese Verschiebungen von notwendig zu befriedigenden Bedürfnissen, sondern die wachsenden Bedürfnisse an fich den nächsten Etat schwer belasten werden. Die jetzige Sparsamkeitstätigkeit der Budgetkommisfion ist also bloße Flickarbeit, die noch dazu nach außen nicht gerade einen imposanten Eindruck macht. Glücklicherweise ist wenigstens die fteifinnig- sozialdemokratische Absicht, die Ausführung des Flottenbauplans hinauszuschieben, verhindert worden. ES bleiben aber noch außerdem mancherlei Abstriche übrig, die möglicherweise ungünstig wirken werden, obwohl auch nicht zu verkennen ist, daß andererseits berechtigte Streichungen stattgefunden haben.

Mag es nun auch gelingen, durch Ver­minderung deS Ausgabenetats verbunden mit einer Erhöhung der Einnahme-Voranschläge den Fehlbetrag nicht unerheblich herunterzudrücken, so bleibt die Notwendigkeit doch bestehen, für spätere Etatsjahre für Erhöhung der Reichs­einnahmen Sorge zu tragen. Zunächst aber sollte es fich die Reichsleitung angelegen sein lassen, den neuen Zolltarif, der erhöhte Ein­nahmen ermöglicht, baldigst in Anwendung zu" bringen und durch Kündigung der alten Handels­verträge einen Druck auszuüben, um das Zustandekommen neuer Abmachungen zu beschleunigen.

Umschau.

Unser Kaiser beim Könige von Sachsen.

Kaiftr Wilhelm besuchte am Dienstag den König Georg von Sachsen in Dresden und be­glückwünschte ihn zu seiner Wiedergenesung von schwerer Krankheit. Der kaiserliche Hofzug traf bald nach 3 Uhr nachmittags auf dem Dresdener Hauptbahnhof ein, wo großer Empfang stattfand. Der Kaiser eilte sofort dem greisen König ent­gegen; beide Fürsten umarmten und küßten fich. Kronprinz Friedrich August hatte den Kaiser bereits in Elsterwerda begrüßt. Ferner waren auf dem Bahnsteig anwesend: Die Staatsminister, die Gesandten, die Generalität, und die Spitzen der Zivilbehörden. Nach dem Abschreiten der Front der Ehrenkompagnie fuhren der Kaiser und der König im offenen Wagen nach dem Refidenzschlosse, unterwegs von zahlreichem Publikum lebhaft begrüßt. Abends Vs 6 Uhr fand große Galatafel statt, bei der der Kaiser und König Georg fich zutranken. Um 8 Uhr reifte

Lebrecht Hölder machte große Augen.So denkst von Dein eigen Fleisch und Blut? Schäm Di waS!"

Ich kenn die Welt besser als Du!"

Aber mein Mädele kenn ich besser! Die hat Courage im Leib und Ehr' dazu. Weißt nimmer, wie fie vor ein paar Wochen dem Metzgerfritz hinter die Ohren geschlagen, als der fie im Dunkel auf der Gass' hat umfassen wollen?"

Das war bei dem Tropf! Andere Leut fangen's bei den jungen Mädele seiner und schlauer an, und da schlagen's net. Aber ich sag' Dir. . ."

Und ich sag', daß ich mich nicht ärgern will!" schrie Lebrecht, schlug aber ungeachtet dieser Versicherung mit beiden Händen auf den Tisch.Und das ist mein letztes Wort: Das Hannchen kommt zu mein' Christel-Schwester in die Stadt, soll da ordentlich fingen lernen, kann auch andere Ding' studieren, dann hab' ich meine Schuldigkeittan, dann muß der liebe Herrgott weiter helfen. Die Leut' sollen mal nicht sagen vom alten Lebrecht, daß er für sein einzi'pS Töchterle nicht getan hat, was er hat schaffen können. Un' nu muß ich in'n Dienst!"

Die brave Frau sah ihm bekümmert nach; ihr liebstes wäre es gewesen, daS Hannchen wäre in die Stadt gekommen, hätt' ein bißchen Benehmen und Wissen" noch gelernt, dann hätten fie, die Alten, fich mit LebrechtS Pension und den eigenen Ersparnissen zur Ruhe gesetzt, und 's Hannchen hätt' einen rechten Mann ge­heiratet: Nicht den PosthalterS-Hermann, nicht den Metzgerftitz, denn eine fr gute Schwieger­mutter fie selbst zu werden überzeugt war, von

der Kaiser nach Berlin zurück. Wie derErnpfang, so war auch der Abschied sehr herzlich. DaS amÜiche Dresdener Journal schreibt zu dem Besuch: Wir rufen ihm laut und Wendig Heil zu, dem hochgemuten kaiserlichen Herrn, der die ost bewährte und gepriesene Zollerntreue an unserem Könige bewähtt, wie er fie dem dahingeschiedenen Könige hielt bis zu dessen letztem Atemzuge; wir grüßen ihn dankerfüllt in Dresdens Mauern, denn wir erkennen in diesem Zuge den Fortbe­stand der alten, herzlichen Freundschaftsbe- ziehungen zwischen dem Zollern- und dem Wettinergeschlecht, zwischen dem Preußen- und dem Sachsenvolke.

Bei der heutigen Galatafel im Schlosse brachte der König von Sachsen einen Trink- spruch aus, in dem er dem Kaiser für daS Wohlwollen und die zumal während der letzten ernsten Zeit bewiesene herzliche Gefinnung dantte. Der Kaiser versicherte darauf dem König seiner tiefsten und innigsten Zuneigung und des Anteils, den die Hohenzvllern in Leid und Freud an dem Hause Wettin genommen hätten.

Ein Erlaß König Georgs.

DasDresd. Journal" veröffentlicht folgen­den Erlaß des Königs Georg:

An mein Volk!

Im Begriff, zur Erholung nach langer ernster Krankheit in den Süden zu reisen, drängt e8 mich, noch einmal allen Denen, welche bei Ge­legenheit des schweren Unglücks, welches über mich und meine Familie hereingebrochen ist, mir herzliche Beweise der Teilnahme gegeben haben, von ganzem Herzen zu danken. Mit diesem AuSruf des DankeS verbinde ich den Ausdruck der zuversichtlichen Hoffnung, daß die Unruhe und Aufregung, welche sich infolge der betrübenden Vorgänge des vergangenen Winters weiter Kreise der Bevölkerung be­mächtigt hat, endlich der Ruhe und dem früheren Vertrauen Platz machen wird. Glaubet nicht Denen, die Euch vorstellen, daß hinter all dem Unglücklichen, daS uns betroffen hat, nur geheimnisvoller Lug und Trug verborgen sei, sondern glaubet dem Worte Eures Königs, den Ihr nie als unwahr erkannt habt, daß dem unendlich Schmerzlichen, das über uns bereingebrochen ist, lediglich die ungebändigte Leidenschaft einer schon lange im Stillen tief gefallenen Frau zu gründe liegt. In der Ueberzeugung, daß mein Volk mir vertrauen und fich in meiner tiefen Bekümmernis immer mehr um mich scharen wird, trete ich, von zuversichtlicher Hoffnung er­füllt, meine Reise an. Georg."

AuS der Budgetkommisfion.

Die Budgetkommisfion des Reichstags be- schästigte fich gestern zunächst eingehend mit

den Müttern dieser beiden jungen Herren dachte fie das gerade Gegenteil. Man kannte fich.

Alles Protestieren, alles Lamentieren batten Hannchen Hölder nichts geholfen; die Eltern waren einig, daS große Wort war gesprochen. Sie hatte ein paar Male auf des Vaters Herz Sturm zu laufen versucht, der Alte hatte fich gewehrt und, war sein Widerstand doch ins Wanken geraten, gemacht, daß er fortgekommen war. Auch die Versicherungen seiner Tochter, daß sie doch am besten wissen müsse, was dem Vater Freude bereite, hatten nicht mehr ge­fruchtet.^ ES wurde genäht, eine Ausstattung für das junge Mädchen zurecht gemacht, dann ward gepackt, und ja, nun war eS so weit, nächsten Morgen sollte die Reise losgehen.

Hannchen hatte den Protest aufgegeben, als sie erkannt, daß alles Bitten nichts helfen werde. Und geweint hatte fie nicht, dazu besaß sie viel zu viel Lebenskraft und Tapferkeit. Angst vor der Fremde hatte fie ganz gewiß nicht, fie war kein Küchlein, daS fich nur unter den Flügeln der Mutter ficher fühlte, o nein, fie wollte fich schon behaupten. Und mit ihrer Stimme brauchte fie fich erst recht nicht zu genieren, da sollte nur einmal eine kommen, die es besser ver­stünde, als fie, aber warum sollte fie denn fort? Sie fühlte fich unterm Sonnenfelder Himmel so wohlgemut, hatte keine Sorgen, viä Lust, und fie wußte, die allermeisten, die fie kannte, hatten fie auch gern. Und bei dem Gedanken an dies Gernhaben ward ihr so recht warm umS Herz, das war die rechte Freude immer für fie gewesen. Fort aus der Heimatstadt, daS erschien ihr ungefähr so, al« wenn eine

der Beteiligung Deutschlands an der Weltaus­stellung in St. Louis. Für die Kosten diese« Beteiligung ist eine Summe von 3 Millionen Mark vorgesehen, von der als erste Rate 1 Vs Millionen gefordert werden. Staatssekretär Graf Posadowsky machte eine Reihe vertrau­licher Mitteilungen über die Absichten der Regierung aus diesem Anlaß. Die Ausfuhr Deutschlands nach Nordamerika, so fuhr er dann fort, sei der Ausdehnung nach sehr fähig und sei notwendig. Auch die internationale Kourtoifie verlange eine Beschickung der Aus­stellung. Der Kommissar für die Ausstellung» Geh. Rat Lewald, führte aus, daß fich bte deutsche Kunst und dar deutsche Kunstgewerbe im großen Umfange zur Beteiligung bereit erklärt habe. ES sei ihm, dem Kommissar, gelungen, bei seiner Anwesenheit in St. LouiS günstige Plätze für die deutsche Ausstellung und daS deutsche Haus zu gewinnen. Es werde in der deutschen Ausstellung daS Hauptgewicht auf neue und passende Gegenstände gelegt werden, z. B. auf die Leistungen des photomechanischen Gewerbes und in der heimischen Industrie auf die deutsche Apparat-Industrie ufto. Beteiligen wollen fich auch Maschinen-, Automobil- und Loko- motivfabriken,auchdieLandwirtschastseiinteresfirt. Von den Gegnern des Planes einer Beschickung der Ausstellung durch Deutschland wurde her­vorgehoben, daß Ausstellungen doch auch ihre Kehrseite hätten, indem andere Nationen davon lernten und ihre Betriebe vervollkommneten. Von konservativer Seite wurde empfohlen, auch unsere sazialpolitische Gesetzgebung und Für­sorge in St. LouiS zur Ausstellung zu bringen. Der Staatssekretär versicherte, daß dieser An­regung entsprochen werden möge. Darauf wurde die Forderung mit allen gegen 2 Stimmen, der des antisemitschen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und der eines Zentrumsabge­ordneten bewilligt. Daraus gelangte der Etat für die Expedition nach Dftaften zur Erörterung. Staatssekretär v. Richthosen machte zunächst eingehende Mitteilungen übet die Räumung Shanghais. Deutschland habe sich aber, so er­klärte der Staatssekretär weiter, durch Vertrag daS Recht Vorbehalten, sofort wieder eine Be­satzung nach Shanghai zu legen, wenn eine von den anderen Mächten dorthin wieder Truppen senden sollten. In der Provinz Tschili mußten vorläufig zum Schutze der Gesandtschaften noch Truppen verbleiben. Von den 1600 Mann deutscher Truppen stehen 300 Mann in Peking, 400 in Tientsin, der Rest an anderen Punkten TschiliS. Deutschland verfügt außer dem ge­nannten Bestände nur noch über 1700 Mann Truppen in Kiautschou. Um dies ungünstige Verhältnis einigermaßen auszugleichen, seien von den aus Tschili zurückgezogenen Truppe« noch 600 Mann in Kiautschou zurückvehalten worden. Trotzdem wurden an dem Etat, der eine Ausgabe von 15V, Millionen aufweist, 3

reizende Wiesenblume, die zwischen all dem Grün so frei und froh emporschoß, in einen steifen Park umgesetzt werden sollte, wo alle Augen­blicke die Schere des GüttnerS klapperte, und jeder sich hütete, von dem sorglich glatt ge­haltenen weißen Kieswege herunterzugehen. Ja. das alles mochte sehr, sehr schön fein, abet gewisser war, daß eS auch unausstehliche Lang­weiligkeit bedeutete. Indessen, wenn es denn fein mußte . . .

Na, da Hilst denn kein Mundspitzen, da muß 'S halt gepfiffen sein. Mein lieb'« gut Vaterle sollst drum doch bleiben!" rief fie mit wiedergewonnenem Jugendhumor und gab dem beglückten Vater einen herzhaften Kuß. Und Lebrecht mußte fich im Postamt noch die Augen reiben und fich gewaltig räuspern, als er di» Briefbeutel für den nächsten Postzug zu schließe» hatte. ES gab deswegen mancherlei Neckerei?« von feiten der Kollegen, aber der fönst so kurz abweisende Mann achtete heute nicht sehr daraus.

Und die Mutter, welche ihre feste Stimmnng nachgerade auch inS Schwanken geraten fühlte, faßte Hannchen wie ein kleines Kind rundum und flüsterte ihr inS OHr:Mädele, fei tapfer! Ich sorge schon dafür, daß D' net lang in bet Stadt bleibst. Und wenn D' heimkommst, dann--"

Na, Mutterle?" fragte Hannchen.

Dann wird eine andere Ausstattung fertig gemacht. Bist ja dann ein stolz' Mädele, da» fich sehen lasse» kann. Und heute schon schaust bald über mich weg. Sei ganz ruhig, i*o schon, daß '« aut wird."

(Fortsetzung