Kopf auf.'
(Fortsetzung folgt.)
schäften/ wie Hannchen begann, machten, nach ihren später» Aeußecungen, Gesichter, als wolle die Sonne auS dem blauen Firmament auf de« Sonnenfelder Schützenplatz herabpurzeln.
Das »kecke Ding" hatte aber eine recht ernste Miene aufgesetzt und ließ sich in ihrem Konzept auch nicht im allergeringsten stören. Ihren Hellen Sonnenschirm wie einen Taktstock gebrauchend, bald hier hin, bald dahin deutend und so das Publikum gewissermaßen animierend, sprach sie folgendermaßen, kurz, entschieden und mit dem neckischen Humor, den sie nie verleugnen konnte:
»Verehrte Herrschaften! DaS ist eine alt« Bekannte, die mir vor vier, fünf Jahren da» Bärenführen gelehrt hat. Eine Lieb' ist der andern wert, und da'S Vater und Mutter erlauben, net wahr, Vaterle und Mutterle, e» gibt keine Schläg' deswegen? — möcht ich den armen hungrigen Leut'n die Sach von dazumal vergelten. Werd a paar Lieble fingen, wie mir der Schnabel gewachsen is, und wer Hölder« Hannchen hören will und gehört hat, soll nimmer davonlaufen, wenn'S ans Bezahlen geht! Und damit geht'S loS, verehrte Herrschaften!"
Und wirklich; es half alles nichts, daß Lebrecht Hölder mit Händen und Füßen zappelte seine Frau die Hände zu Fäusten ballte, ’nem Briefträger Hölder sein Hannchen setzte wieder, wie die Mütter »besser erzogener Töchter" m« einem Anflug von Hohnlachen bemerkten, »chra«
Viertelst hrlicher Bezug-preiS: bei der Expedition 2 Mt, bei all« Postämter« 2,26 Mk. (excl. Bestellgeld).
'buserttouS gebühr: die gespaltene Zeile oder der« Ramn 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 26 Pfg.
Aufmerksamkeit des vom Ausrufer der nächsten Kasperl-Theater-Bude .verehrungswürdig" genannten Publikums titulierte.
„Nach HauS kommst mit!" konnte Lebrecht Hölder endlich nachsprechen. Aber eS klang heiser, sodaß niemand auf ihn achtete. Die Entscheidung lag bei seinem Mädele.
»Uns helfen gar kein Geld, großen Hunger!" bettelte abermals das Zigeunermädchen.
»Willste weg, Bagage!" schalt Frau Hölder da erbittert. »Stöhnen könnt Ihr Gesindel ausgezeichnet, aber da» Stehlen versteht Ihr noch besser!"
Das braune Mädchen ließ HannchenS Hand loS, kein Wort kam mehr über die erblaßten Lippen. Aber aus den so flammenden dunklen Augen drang ein Bick to e das eines totwunden ReheS.
»Bitt, nix mehr schelten," sagte nun auch die Zigeunerftau, »wir armen Leut' können auch sterben."
Niemand konnte sich dem Eindruck der Seinen dramatischen Szene entziehen; jeder erkannte, daß man um einiger Strolche und Vagabunden willen doch noch nicht jeden guS dieser vater- landSlosen Schar verurteilen dürfe. Es waren vielleicht nur einige wenige, die eine solche größere Teilnahme verdienten, immerhin waren sie doch vorhanden.
»Aber Frau!" meinte der mitleidige Hölder.
Indessen Frau Elise konnte sich wohl einige Augenblicke geniert fühlen, aber sie war keine von den schwachmütigen Naturen, die über ein beftemdlicheS Anstaunen der lieben Nachbarschaft die Haltung verlieren. »Ach was," rief
11 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Von Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
»Daß Du Dich nicht mit der wieder ein- läßt!" rief Hölder mit großer Bestimmtheit, während Frau Elise Hölder es doch etwas auffallend von dem „hergelaufenen" Dinge fand, sich gerade an ihre Tochter zu wenden.
„Ach bitt', bitt', Helf Sie unS!" bat da« arme Ding wieder. Und dann erzählte sie hastig im gebrochenen Deutsch von dem Unglück. Und wie der Hunger so groß, und wie fast gar kein Geld da sei.
„Und Mademoisell' hat Eourasch', hat große Lourafch, Mademoisell' weiß, wie Geld verdient wird. Hat Mademoisell' gezeigt bei Sultan. Hunger tut zu weh!"
ES war still geworden; ein dichter KreiS hatte sich um die Gruppe gebildet, zahlreiche Augen schauten auf die Weinende, aber noch mehr auf HölderS. Hannchen hatte der Zigeunerin ihre Rechte, die jene ergriffen, unwillkürlich gelassen, während Vater Hölder mit großen, runden Augen, dem Zeichen seiner totalen Rat- und Sprachlosigkeit, vor sich hinschaute, und seine Frau ihre einzige energisch »am Bündel" nahm, das heißt an der rosa breiten Schleife, die de« Mädchens weißes Kleid schmückte.
»Nach Haus kommst mit!" sagte Frau Elise ta einem Ton, der eigentlich keinen Widerspruch duldete, höchlichst erbittert über die .Gafferei", wie sie im stillen die neugierige
mit dem Kreisblatt für bie Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: JUnftrirtes Sonntagsblatt.
sie unwirsch, »die Redensarten kennen wir. Papperlapapp. Ueber Nacht mausen die beim nächsten Bauer ein Huhn und laffen fichs bester gehen, als eS mancher hat, der kein solch' Tunichtgut ist!"
Das braune junge Mädchen hatte sich bei diesen Worten umgedreht; und als die letzte herbe Aeußerung fiel, schoß sie wie eine Tigerkatze auf die stattliche Frau, die so rücksichtslos den Stab über sie und ihre Geschlechtsgenossen gebrochen, zu, fast, als wollte sie ihr die Augen auS dem Gesicht kratzen.
Die nächsten prallten unwillkürlich zurück, aber Hannchen ft eilte sich, schnell entschlossen, vor die Mutter, hin.
»Schäm Dich, Du!" rief sie zornig der Zigeunerin zu; »wie kann man so heftig sein? Mutter hat es nicht so gemeint. Und es gibt doch unter Euch manche. . ."
„Nicht böse sein!" stammelte die Zigeunerin, »heißes Blut schuld haben. Aber weh tut'S, hören zu wüsten, weh tut'S, recht sehr weh."
„Alter, gib dm Leuten ein paar Groschen," sagte Frau Hölder zu ihrem Mann, währmd Hannchen noch mit dem braunen Mädchen sprach.
Lebrecht Hölder suchte eben auS seinem postalischen Riesen-Portemonnaie einige Nickel zusammen, als seine Tochter, die ihre Unterhaltung mit der Zigeunerin bemdete, den Strohhut mit einem raschen Griff aus ihrer Stirn etwas in den Nacken schob und — eine öffentliche Ansprache begann. Vater Hölder hätte fast seinen Geldbehülter zur Erde fallen lasten. Seine Frau wußte nicht, ob sie wachte oder träumte, und die übrige« »veehrtm Herr-
Mehrkosten sollen ebenfalls bezahlt und davon ei« Rabatt von 10 «h beansprucht werden.
Punkt 5 betras die Beschlußfassung über eine« mit dem Vorstand der LaudwrrtschastSkammer hinsichtlich der landwirtschaftlichen Winterschule in Marburg vereinbarten Vertrag.
Die Verhältnisse der landwirtschafttichen Winter« schulm im Regierungsbezirk find einer Neuordnung unterzogen worden. Wie schon früher die Marburger Schule wurden auch die übrigen der LandwirtschastS» kammer unterstellt.
Damit diese Reuordu ulg und überhaupt der Bestand der landwirtschafttichen Winterschulen gesichert we- de, hat die Landwirtschaftskammer an oie beteiligten Kreisausschüsse das Ersuchen gerichtet, bie bewilligten Zuschüsse für immer, also aus die Dauer, zu übernehmen. Der Zuschuß des Kreises Marburg für die hiesige Winterschule beträgt 2500 Mk. und ist in dieser Höhe seit einigen Jahren regelmäßig in den Kreishaushaltetat eingestellt worden. Der KreisauS- schuß hat Anstand genommen, dem Kreistage btt bauernde Uebernahme dieses Betrages Vorzuschlage«, vielmehr mit dem Vorstand der LandwirtschastS- kammer sich dahin geeinigt, daß die Verpstichtung zunächst auf 10 Jahre übernommen und für die nachfolgende Zeit der Kündigung unterworfen sein soll.
Kreistagsmitglied Klingelhöfer« Fortbach stellte nach längerer Begründung den Antrag zu beschließe«, daß der Zuschuß dauernd bewilligt würde. Mit Rücksicht darauf, daß die Stadt einmal in absehbarer Zeit einen Stadtkreis für sich bilde und unter Berücksichtigung, daß der Minister vielleicht den Staatsbeitrag einmal abschneiden könnte, sei es besser fichergestellt zu sein. Es wurde demgegenüber b.-tont, daß die Stadt Marburg Interesse an der Landwirtschaft^ schule habe und später ebenso wie heute, einen Zuschuß bewilligen würde. Der Antrag wurde darauf zurückgezogen, und der Vertrag, wie er vorlag, genehmigt.
Nachdem die Prüfung des Landwegebaurats für 1903 genehmigt und gut geheißen war, erörterte mau Punkt 7, nämlich anderweite Klassifikation der Wegebauprojekte. Der Herr Landeshauptmann hat eine neue Klassikation der Landwegebauten in Anregung gebracht, der Krersausschuß schlägt vor, die bevorstehenden Neubauten, wie folgt zu ordnen, 1. Dringend notwendig: a. Lahnbrücke bei Caldern, b. Landweg Rodeuhaüsen—Gladenbach, o. Landweg Bürgeln- Ginseldorf. 2. Notwendig: a Landweg Wettershausen - Sinkershausen, b. Landweg Schröck — Marburg, c. Landwegstrecke Flöße-Niederasphe. 3. Wünschenswert: a. Wegeverlegung im Dorfe Cappel, h. Landweg Ober—Mittel—Untersimtshausen.
Kreistagsmitglied Berdux wies auf die Dringlichkeit der Verletzung des Weges bei« Schröcker - Brunnen hin und stellte den Antrag, ihn unter die dringend notwendigen Projekte z» stellen. Damit war man einverstanden. Kreistags, Mitglied Scherer-Dagobettshausen trat für Die Herstellung des Landweges Weitershausen-Sinkershause« ein. <S8 wurde betont, daß deshalb schon Verhandlungen stattgefunden, aber ohne Erfolg gewesen seien. Kreistagsmitglied Rauch »Wittelsberg wies auf di« schlechte Beschaffenheit des Landweges Wittelsberg- Dreihausen hin, worauf Kreistagsmitglied Klingelböser meinte, daß man diesen Anttag ganz verschwinde« lassen möchte, der Weg wäre gar nicht nötig, den« e» sei ja eine sehr gute Chaussee vorhanden. Sein Vorredner trat ihm entgegen, worauf erwähnt wurdL daß bie Gemeinde Heskem wohl da mit Wandel schaffen müßte. Kreistagsmitglied Pitz-Schönstadt er« mnerte an die staatlichen Beihülfen, welche arme Gemeinden bei Wegebauten unter die Arme griffe«, Hierzu sprach auch Kreistagsmitglied Siebert-Marburg, der daran erinnerte, daß int Kommunallandtag davon die Rede gewesen sei. ES wäre Aufgabe der Kreise sich bei Vergebung der Dotationen zu melden.
Der 8. Puntt betraf Vorlage deS Projetts zu« Ausbau einer Wegestrecke im Dors Niederasphe alS Landweg. Beschlußfassung über die Aufnahme der
Bemerkt fei, daß die Einnahme« 145719,69 Ml., die Ausgaben 137097,20 Mk. betrugen. Kassenbestand 8622,49 Mk.
Es folgte die Feststellung des Voranschlags der Einnahmen und Ausgaben des KreishauShalteS für das Rechnungsjahr 1903. Herr Landrat v. Regelei« brachte die einzelnen Bosten zur Verlesung und gab auch gab auch dazu eingehende Erläuterungen. Wir haben die einzelnen Positionen kürzlich in unserem Bericht über den Voranschlag erwähnt.
Betreffs der Beihülse zum Wegebau von Roden- Hausen nach Gladenbach, bie schon lauge verlangt wird, wurde beschlossen, das Geld für nächstes Jahr einzustellen, da der Weg in diesem Jahre doch nicht mehr gemacht wird. Zu Titel Umlagen und Verwaltungskosten der Sektion Marburg bet Hefsen- Naflauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft wurde bemängelt, daß statt 40000 Mk. jetzt 50000 Mk. eingestellt seien. Man führte an. daß daS Verfahren bei der Genehmigung der Unfallrente doch etwas strenger gehandhabt werden müsse und führte auch Beispiele an, in welcher Weise da manchmal Mißbrauch getrieben wird. Demgegenüber wurde betont, daß ja nicht alle Anttäge genehmigt würden, es solle aber in Zukunst jeder einzelne Fall eingehend untersucht werden. Daß sich die Summe von Jahr zu Jahr vermehre, wäre deshalb doch nicht zu vermeide«.
Nachdem man noch kurz über die Kosten der Unterhaltung der Landwege gesprochen, wurde der ©tot in Einnahme und Ausgabe mit 1142293 Mk. genehmigt. Die Kreissteuern wurden aus 6> •/« und die Bezirksabgabe auf 6>/< •#. der Real- und Einkommensteuer festgesetzt.
Zu Punkt 4 bet Tagesordnung stand die Erhöhung des Beitrags des KreifeS zu den Kosten der Unterhaltung der Nahrungsmittel - Untersuchungs- Anstalt in Marburg. Hierzu ist folgendes zu bemerken:
Der Vorstand der Landwirtfchaftskammer für bea Regierungsbezirk Cassel hat schon vor einigen Jahren geltend gemacht, daß die von den einzelnen Kreisen geleisteten Zuschüsse zur Unterhaltung der amtlichen Stelle für Nahrungsmitteluntersuchungen in Marburg zu den seitens der Kreise und Gemeinden an bie Untersuchungsstelle gerichteten Anforderungen auf Untersuchung von Nahrungsmitteln und Wasserproben in immer steigendem Mißverhältnisse stehen. Die am stärksten beteiligten Kreise haben hierauf vom 1. April 1897 ab ihren Paufchalbeitrag erheblich erhöht (Marburg auf 533 Mk.).
Inzwischen ist jedoch die Zahl der auf behördliches Ersuchen vorgenommenen Untersuchungen wieder stark gestiegen, sodaß wieder das gleiche Mißverhältnis zwischen Leistung und Entschädigung besteht. Der Vorstand hat sich daher genötigt gesehen, auf eine anderweitige Regelung der Entschädigung zu dringe«, indem er dem Herrn Regierungs-Präsidenten folgende« Vorschlag machte:
„Die Kreise enttichten alljährlich wie bisher einen bestimmten Beitrag an die Kasse der Land- wirtschastskammer zur Bestreitung der Unkosten, welche der Versuchsstation Marburg durch die Aus- sührung der von den Kreisen beanspruchten Untersuchungen von Lebensmitteln usw. erwachsen. Die Gebühren sür die ausgeführten Untersuchungen werden nach dem der Königlichen Regierung unterbreiteten Tarif berechnet. Ueberschreitet die Jahres» summe der Gebühren daS jährliche Aversum, so zahlt der Kreis den überschießenden Bettag der Gebühren am Schluffe des Betriebsjahres an bie Kasse der Versuchsstation sofort nach Rechnungszustellung.'
Der Herr Regierungs-Präsident hat nun durch Verfügung vom 13. Oktober 1902 A II 10893 an die Landräte die Aufforderung gerichtet, bei den KreiS- vertretungen darauf hinzuwirken, diesen Vorschlag anzunehme« oder aber den Pauschalbeitrag entsprechend zu erhöhen.
Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, den Pauschalpreis von 533 Mk beizubehalten. Die etwaigen
Kreistag des Kreises Marburg.
8 Marburg, 14. März 1903.
Im Landratsamtgebä' de tagte heute mittag unter dem Vorsitz des Herrn Landrats von Regelet« ernt Mtzung des Kreistags für de« Kreis Marburg.
Eröffnet wurde dieselbe gegen **1 Uhr und erfolgte zunächst die Erledigung der üblichen Geschäfts« formtalrtäten.
Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Beschlußfassung über die anteilige Uebernahme der Kosten der vom Kreise zu erbauenden Eisenbahn stwrmalspurigen Bahn) von Marburg (Süd) »uch Drethausen und die Aufnahme eine# »arlehns für Rechnung des Kreises zur Bestreitung der auf den Kreis entfallenden Ban- und Grunderwerbskosten. Hierzu dienen folgende Erläuterungen:
Der Kreistag hat am 16. Dezember 1899 beschlossen, eine normalspurige Kleinbahn von Marburg (60b) nach Dreihausen als Kreisbahn zu bauen unter der Voraussetzung, daß der Staat mit */» der Baukosten lohne Grunderwerb) am Unternehmen sich beteilige und der Bezirks verband ein Darlehn dem kreise ebenfalls in Höhe von */« der Baukosten lohne Grunderwerb) zu 19» Proz. jährlichen Zinsen und % Proz. jährlichen Abtrag als Unterstützung gewähre.
Die Beihülfen de8 Staates und des Bezirks- verbandeS find durch vorläufige Erklärungen des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten und deS LandeSausschusses in Aussicht gestellt worden, bevor mit den Vorarbeiten begonnen wurde.
Auf Grund eines allgemeinen Vorprojettes, daS aus Veranlassung deS KreiSausschuffes auSgearbeftet War, beschloß dann der Kreistag am 1. September 1900 einstimmig folgendes:
1. Der »ireiätag bewilligt zum Bau einer normal- spurigen Kleinbahn von Marburg nach Dreihausen eine Summe von 450 000 Mk. und ermächtigt den Kreisausschuß, zur Ausführung des Baues dieser Bahn zunächst die Mittel aus dem vorhandenen Kretsvetmögen im Wege eines Lombarddarlehens zu entnehmen
Der Kreistag ermächttgt den Ureisausschuß einen Vertrag zur Aufnahme einer Kreisanleihe in er- forderlicher Höhe vorzubereiten und dem Kreistag demnächst zur Genehmigung vorzulegen; er ermächtigt den Kreisausschuß ferner, vom Bezirks« verband ein Darlehen in Höhe von */• der Sau- und Betriebskosten außer dem Grunderwerb aufzunehmen und jährlich mit 1»/» Proz. zu verzinsen und mit i/i Proz. abzutragen
2. Die jährlichen Leistungen für Verzinsung und Abtrag der aufgenommenen Kapitalien find, soweit nicht bie Ueberschüsse der Betriebseinnahmen über bie Betriebsausgaben der Bahn zureichen, durch Kreissteuern auszubringen und int Kreishaushaltsetat nachznweise«.
8. Die Bork Zeitung und Leitung des BahnboueS, sowie d<e vorbereitenden Verhandlungen zur Einrichtung des Bettiebes werden einer Kommission von 4 Mitgliedern außer dem Vorsitzenden über- »en, mit der Befugnis, alle den Bau betreten Angelegenheiten zu ordnen, die erforderlichen Verträge jedoch dem Kreisausschuß zur Genehmigung vorzulegen.
t. Der Kreisausschuß wird ermächtigt, alle den Bau betreffenden Verträge abzuschließen und mit der Staats- und Bezirks - Kommunalverwaltung die Bedingungen festzustellen, welche für die Bewil- liflung und Auszahlung der in Aussicht gestellten Beihülfen und die demnächstige Staatsaufsicht über die Bahn maßgebend sein werden. Heber bie Einnahmen und Ausgaben bei dem Bau und Betriebe der Bahn hat der Kreisausschuß dem Kreistag jährlich Rechnung zu legen.
Zu dem Betriebsübernahme-Vertrag ist die Genehmigung des Kreistages einzuholen.
Den Kostenaufschlag hat der Herr Regierungs- Präsident aus 1700000 Mk. vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung des Herrn Ministers fest- seht. Hiervon entfallen 240000 Mk. auf den Grund- erwerb, den der KreiS ganz auS eigenen Mitteln zu bestretten bat. Bon den eigentliche« Baukosten hat der Kreis ’/» — 486 667 M. zu übernehmen; demnach hat der Kreis eine Summe von 726667 Mk. ober rund 730 000 Mk. selbst aufzubringen. Der Herr Regierungs-Präsident hat die Absicht zu erlernten gegeben, die endgültige Bewilligung bet Staatsbeihilse bei dem Herrn Minister, so bald alS möglich zu beantragen; dies kann aber erst geschehen, nachdem der KreiS den auf ihn entfallenden Bettag der Kosten übernommen und auch der LandeSauSschuß das von ihm in Aussicht gestellte Darlehen von */» der Kosten — 486667 endgiltig genehmigt hat.
Der KreiSausschuß ist mit der Leitung der Mar- bürget städtischen Sparkasse und Leihbank wegen Aufnahme eines DatlehnS in Höhe des nach dem Kostenanschläge auf den KreiS entfallenden Betrages in Verbindung getteten. Die Sparkasse ist bereit, das Darlehen unter den Bedingungen zu gewähren, welcher in den bekannt gegebenen Schrtststücken — Verhandlung vom 12. Februar nebst Einwurf zur Schuldurkunde — enthalten find. Der Kreisausschuß glaubt bei diesen, dem heutigen Stande des Geldmartts entsprechenden Bedingungen, das Interesse des Kreises genügend gewahrt zu haben.
Der Kreisausschuß stellt hiernach folgende Anttäge:
Der Kreistag wolle beschließen:
a) Der Kreis Marburg übernimmt von den Kosten der vom Kreise zu erbauenden Eisenbahn Marburg (Süd)— Dreihausen:
1. sämtliche Kosten des GrundetwerbS,
2. von dem übrigen Anlagekapital den dritten Teil.
b) Der Kreisausschuß wird ermächtigt, von der Sparkasse und Leihbank der Stadt . Marburg ein Dar- lehn von 730000 Mk. für Rechnung des Kreises zu den Bedingungen auszunehmen, welche in dem ' als Anlage dem Protokoll des Kreistages einher» leibten Entwurf zu einer Schuldurkunde enthalten find.
Herr Landrat von Regelein nahm auf Vorstehendes Bezug und fügte noch hinzu, daß bezüglich des Bahnbaues in der Presse sowohl wie auch durch Aeußerungen der Meinung öfters Ausdruck gegeben worden sei, daß die Sache viel zu langsam vor sich gegangen. Um irrigen Meinungen entgegenzutreten, wolle er darauf Hinweisen, daß es nicht anders hätte gehen können. Käme nur ebenes Terrain in Frage, so wäre es natürlich leichter. So habe man doch das erste Projekt, das der Ingenieur ausgearbeitet, mit Rücksicht auf die Steigung (sog. Wasserscheide) bei Ebsdorf, wieder fallen lassen müssen, denn die vorgesetzte Behörde habe Ausstellungen gemacht und nach einer Umarbeitung deS Projekts hätte fick die Sache um 50 000 Mk. verbillgt. Es sei zu wünschen, daß der Kreistag nunmehr den gestellten Anträgen bezüglich des BeittageS zum Bahnbau zustimme, denn gestern sei auch der Beschluß des Landesausschusses bezüglich der Bewilligung seines Drittels in Höhe von 486667 Mk in bejahendem Sinne eingetroffen.
Kr-istaosmitglied Dörffler-Marburg fragte an, ob in der Anleihe von 730000 Mk. auch die Rest- schuld der Haltestelle Marburg-Süd-Jnteressenten entfallen sei und ob diese 15000 Mk. damit abgelöst sei. Dies wurde vom Herrn Landrat in bejahendem Sinne beantwortet.
Daraufhin wurden die Anträge einstimmig angenommen. Betreffs der Anleihe gabs ein Debatte.
Kreistagsmitglied Bücking erstattete nunmehr Bericht über die Prüfung der KreiSkommunalkassen- rechnung 1901. Dieselbe paßt sich im Wesentlichen dem Voranschlag an und gab Referent am Schluffe seiner Ausführungen seinem Beifall über die vorzügliche Rechnungslegung seitens der Rendanten Ausdruck.
Erscheint täglich außer <m Sonn- und Feiertag«. Sonnabends in Marge»- und Abend-AuSgabe.
Dienstag, 17. Müq 1903, •"* “* ’ÄÄÄ’- wS’’*'“