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für alle Zeiten seitens der Polizsi «ntersagt würde. Da er erkannt ist, so dürfte eine gerechte Sühne nicht ausbleiben.
Da- Ende des Exner-Pro zesleS.
Rach vierstündiger Beratung verneinten die Geschworenen die auf betrügerischen Bankerott gestellte Schuldfrage und die Frage auf mildernde Umstände gegen Exner, bejahten dagegen die Frage wegen Verschleierung und wegen versuchtem Betrug. Da« Gericht verurteilte darauf den Angeklagten wegen Verschleierung und Betrugsversuch zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 20,000 Mark Geldstrafe. 15 Monate Untersuchung werden auf die Strafe angerechnet.
fähiger Stärke vorhanden ist. Ob das t«| Laufe der gegenwärtigen Session und Legislaturperiode aber noch einmal gescheh«! wird, ist keineswegs mit Sicherheit Vorauszusagen. Den Gegnern deS neuen Gesetzes kann man eS natürlich nicht verdenken, wenn sie dessen Verabschiedung nur durch ein beschlußfähiges Haus zulaffen. _____________
Marburg und Umgegend
Marburg, 11. März.
* Zritimßsbkßeilmlg. Auf Wunsch der Postbehörde weisen wir unsere Abonnenten bei dem bevorstehenden QuartalSwechsel wiederum auf die seit einiger Zeit bestehende Einrichtung hi«, daß die Zeitungsgelder von den Briefträgern, welche zur rechtSgrltigen Quittungsleistung berechtigt find, eingezogen werden könne«. Eine
weitere Bequemlichkeit für daS Publikum liegt darin, daß man die Einziehung der Zeitungsgelder bei Neubestellungen schriftlich beantragen kann. Man wirft nur einen Benachrichtigungszettel in den nächsten Briefkasten, und am nächsten Tage erscheint der Briefträger zur Empfangnahme der Bestellung und Abholung deS Geldes. Kosten entstehen durch dieses Verfahren nicht.
* Pefialischrs. Befördert wurden Briefträger Kett zum Oberbrieftröger, Postschaffner Becker I. zum Oberp o fisch a ff n-r.
* Patrntawtliches. Dem Herrn I. Meiners in Bremen, Inhaber einer Fabrik chirurgischer Artikel, welcher früher lange Jahre in der hiesigen Firma Gebrüder Seidel tätig war und manchem Marburger bekannt sein dürste, ist auf einem Jrigatvr da? D. R. ®. M. Nr. 198 378 erteilt worden.
* Hanselskammer z« Kassel. Heute Mittwoch den 11. b. Mts., nachmittags 8 Uhr, findet die zweite diesjährige öffentliche Gesawtfitzung der Handelskammer unter dem Vorsitz des Herrn Kommerzienrat Pfeiffer statt.
8 Der »tdlirrtr Zimmerherr. Heimlich entfernt hat sich gestern ein junger Mann. Wie, man hört, soll bei feinem LogiSwirt sowohl wie auch bei verschiedenen anderen Leuten nicht unerhebliche Schulden hinterlaffen haben.
* Fürsarsr-Srziehmß. Das neue preußische Gesetz über die Fürsorge - Erziehung Minderjähriger ist nun halb IV, Jahre in Kraft. Es ist erfreulich, die gute Wirkung zu beobachten, die das tteffliche Gesetz zeitigt, daß so manches junge Menschenkind, daS in seiner früheren Umgebung körperlich und sittlich verkümmerte, nunmehr in der freundlichen Zucht einer christlichen Familie oder einer Erziehungsanstalt wieder aufblüht und sich nach Leib und Seele prächtig entwickelt. Auch die andern deutschen Staaten, sowett sie keine ähnliche Gesetzgebung besaßen, haben ein entsprechendes Gesetz bereits ausgearbeitet und veröffentlicht oder bereiten ein solches vor. Leider aber muß man vielfach die traurige Erfahrung machen, daß manchen Leuten das Verständnis für die Wichtigkeit der Fürsorge-Erziehung vollständig fehlt. Da gibt es Eltern und Vormünder, welche die Unterbringung des Kindes in einer Familie oder ein RettungShaus nicht als Segen, sondern qls eine Schande für das Kind betrachten, die man mit allen Kräften abwehren muß; auch an Behörden fehlt es nicht, die bei offenkundiger sittlicher Gefährdung noch allzu sehr zögern, statt daS gefährdete Kind sofort einer guten Erziehung zu überweisen. Man möchte, wo ein Kind verwahrlost oder sittlich gefährdet ist, nicht lange zögern und schwanken, sondern das wahre Wohl des KindeS bedenken und ihm sobald wie möglich den großen Segen einer guten Umgebung und einer geregelten Erziehung zu teil werden lassen! Man ahnt es garnicht, welche große, für daS ganze Leben geltende Wohltat man damit solch einem armen Kinde erweist!
* Gesuudheitspflese auf de« Laude. In dem Dörfchen Alt im Oberwesterwald ist auf Ver- anlaffung des Landrates eine vortreffliche Einrichtung zur Gesundheitspflege geschaffen, die besonders für die kommenden Arbeitszeiten im Sommer wichtig ist. Ein warmes Reinigungsbad nach der schweren Arbeit in Acker und Feld, im Stall und auf den Waldplätzen, wie wohltuend, gesund und erfrischend ist das! Wer es einmal kennen gelernt hat, der mag es nicht mehr entbehren! Die Gemeinde hatte 1899 ein neue» Backhaus erbaut, in dem natürlich ein großer Teil der starken und beständigen Ofenwärme, der nicht zum Backen des Brotes nötig ist, eigentlich unausgenützt verloren u«d verschwendet wird. Der Landrat machte den Dorfbewohnern nun klar, daß eine solche Verschwendung des Heizmaterials, das zum Backen doch nun einmal gebraucht werden müßte, doch ganz unvernünfttg sei; er schlug ihnen vor, ein kleines BadehauS zu errichten und mit dem Backhaus zu verbinden, sodaß die Hitze deS Backofens auch zum Heizen des Badewaffers verwendet werden könnte. Der Vorschlag gefiel den Dorfleuten von Alt; eine billige Badeeinrichtung mit fieben Wannenbädern wurde hergestellt und in diesem Jahre eröffnet. Da die bei jedem Backen erzeugte Hitze auch für Warmwaffer von sieben Wannenbädern genügt, so ist der Betrieb sehr billig. Die Kosten der Anlage find durch eine geringe Bad bald gedeckt. Die Bäder werden eifrig besucht, und ganz Alt lernt nach und nach die Wobltat deS Warmbades kennen.
* Eine gemeine Handlung. Heute morgen ereignete fich ein Akt bedauerlicher Rohheit. Auf dem Wege zwischen Gisselberg und Marburg erhielt eine Frau aus Niederwalgern, die einen Korb Eier nach Marburg zum Verkaufe bringen wollte, von rückwätts einen solchen Stoß, daß, fie zu Boden stürzte und mit ihr ihre leicht zerbrechliche Ware. Als fie fich von ihrem ersten Schrecken erholt hatte und fich nach der Ursache ihre« Sturzes umsah, bemerkte fie einen Radfahrer, der sich eben wieder auf sein Rad schwang. Die schwer an Gesundheit und Vermögen geschädigte Frau rief ihm zu, er möchte ihr doch wenigstens den Schaden ersetzen, den fie durch seine Schuld erlitten. Der Radler schien noch stolz auf seine Heldentat zu fein, denn er rief der Frau zu: Seien Sie froh, das Sie nicht dar Genick gebrochen haben! — sprachs und fuhr davon. Diese Gemeinheit der Gefimwng verdient eine ganz exemplarische Strafe und es wäre wünschenswert, daß außerdem solchen rüde« Bursche« die Benutzung eines Fahrrades
Ausland
Niederlande. In der holländischen Abgeordnetenkammer hat am Dienstag die Beratung der Etreikvorlagen begonnen. Die sozialdemo- krattsche Pattei ist bemüht, die Verhandlungen zu verschleppen, was die Mehrheit zu Tegen- maßregeln veranlassen dürste. — Der Zentralausschuß der Arbeiter soll nach Rundfragen zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß es jetzt keine geeignete Zeit zur Inszenierung eines GeneralauSstandes sei und daß man eS höchstens mit einem Eisenbahnerstreik versuchen könne. Sein Erfolg ist aber auch nicht sicher.
— Ministerpräsident Kuhper legte in der Kammer dar, daß zusammen im ganzen Lande nicht 26 000, wie bchauptrt, sondern nur 13000 Mann aufgeboten waren. Ein Truppsnaus- gebot sei nötig, um Konflisten und Bedrohungen vorzubeugen. Es fei nicht angängig, jetzt schon die Beratung des Gesetzentwurfs zu verschieben bis nach Abschluß der Enquete. Neber daS Schicksal der Streiknovelle will fich Kuhper weiter nicht ausl<ffsen. Trotzdem keine bestimmte Erklärung in der Sitzung abgegeben wurde, ist der Eindruck doch der, daß durch Verschiebung der Behandlung der Gesetzentwurf unschädlich und damit der drohende Streik vermieden wirb.
England. Anläßlich des 40. Hochzeitstages de« Königspaares fand im Buckingham- Palast gestern abend ein Festmahl und darnach Tanzqeselltchaft statt.
Rnmärtie*. Der 70. Geburtstag des Ministerpräsidenten und Führers der national- liberalen Partei, Demeter Sturdza, wurde heute von der liberalen Partei und der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung festlich begangen. Die Presse feiert Sturdzas Verdienste um Rumänien in begeisterten Artikeln.
Ber. Staate» va« Amerika. Rach einer Depesche aus Caracas bestimmt der kürzlich ergangene Erlaß Castros, welcher die erneute Blockade des Orinoco und der Häfen von Guanta und Carupano vom 7. März ab an- erbnet, daß Schiffe nur noch binnen folgender Zeiträume nacb Mitteilung des Erlaffes an die verschiedenen Regierun en ein geloffen werden sollen: Aus Europa Dampfer binnen eines Monats, Segler binnen zwei Monaten, aus ben Ver. Staat-u Dampfer binnen 15 Tagen, Segler binnen eines Monats.
SAdWeftüfrika. Dor einiger Zeit hieß es, daß seitens des Gouvernements von Deutsch- Südweftafrika die Erlaubnis erteilt worden fei, Eingeborene aus dem Schutzgebiet al« Arbeiter für die Johannesburger Bergwerke nach Südafrika auszuführen. Ein Vertreter der Randminen traf auch tatsächlich in Swakopmund ein, die Anwerbung von Eingeborenen ist aber nicht zustande gekommen. Es wäre auch unverständlich, bei dem Mangel an Arbeitskräften in unseren eigenen Kolonieen den Engländern die Werbung derselben für ihre Goldminen zu gestatten.
Parlamentarisches.
Reichst«,.
Berlin, 10. März ,
Die chronische Befchlußfähipkeit des Hauses hatte auch am Dienstag zwei Sitzungen zur Folge. In der erste« sprach man vornehmlich für und gegen die Gehaltserhöhung der 180 ältesten Oberstleutnants. Die Budgetkommisfion schlägt bekanntlich Ablehnung vor; ein Antrag der Konservativen, Freikonservativen nnb Nationalliberalen aber wollte die Mehrforderung dewilliaen. ÄI8 Präsident Graf Ballestrem den Be
tt- Cölbe, 10. März. In den 90er Jahren verschwand hier plötzlich ein verheirateter Mann. Als er nichts mehr von fich hören ließ, wurde er schließlich für tot erklärt und die Frau ging eine andere Ehe ein. Jetzt ist plötzlich der vermißte Ehemann wiedergekommen.
. 8 Wetter, 10. März. Das alle 7 Jahr» wiederkehrende Grenzbegangsfest wird hier a« 10., 11. und 12. Juli b. IS. gefeiert. Der Festausschuß ist bereit« mit den Vorarbeiten hierzu beschäftigt
X Großseelheim, 11. März. Zu meinem Berichte vom 8. d. M., der selbstverständlich genau den Tatsachen entsprach, muß ich noch nachholen, daß eS 2 kleine Kuh- Bauern waren, die dem Herrn Baron von Gerlach entgegentraten, feine Ausführungen als falsch widerlegten, ' und jene von mir angeführte Bemerkung machten, die in bet »Hess. Ldsztg." für erlogen erklärt wird» wie ja jebe anbere Tatsache, bie Ihm Zeitung berichtet, und die jenen Herren nicht angenehm ist und ihnen bei bei Bauern schaden könnte. Daß ich in meinem Artikel dem Herrn von Gerlach den chm zustehende« BaronStitel gab, ist nur recht. Denn Ehre, wem Ehre gebührt! Außerdem halte ich eS für meine Pflicht, einen politischen Gegner in gleicher Weise höflich zu behandeln, wie es die Gewohnheit der »Hess. Ldszig. ist, ihn mit den gröbsten Schimpfworte« zu fchmähen und zu beleidigen.
Kirchham, 10. Marz Die Stadtverordnetenversammlung erledigte den Rest der vorliegenden Tagesordnung wie folgt. Dem Herrn Bäckermeister Maus und Bauunternehmer Bieker sollen kleinere städtische Grundflächen abgetreten werden und wurde der Magistrat um Festsetzung des Preises rc ersucht. An dem .Hangelbergswe^' sollen Obstbaume gepflanzt werden. Dies wurde genehmigt, nur soll auf möglichste Entfernung von den anliegenden Prioatgrund- stncken Rücksicht genommen werden. Neber den weiteren Punkt, .Neubau der Markthalle' wurde die endgültige Beschlußfassung ausgesetzt
)( Schweinsberg, 10. März Heute abend sand im Siebett'schen Saale eine abermalige gutbesuchte Versammlung betreffs der Errichtung einer Molkerei an hiesigem Platze statt. Die Versammlung nahm einen günstigen Verlauf, sodatz durch dieselbe das Projekt seiner Ausführung wesentlich näher gerückt worden ist.
Röddenau, (ftr. Manknvera- 10. März, Im hiesigen Otte ist kürzlich der Tod eines Menschen durch Milzbrand herbeigeführt worden. Einem hiesige« Besitzer war plötzlich eine Kuh verendet, derselbe nahm an, die Kuh habe das Genick gebrochen und verscharrte dieselbe ohne den Kreistierarzt zuzuziehen. Ein im hiesigen Orte wohnhafter Taubstummer namens Marx holte sich von dem Fleisch der gefallenen Kuh für seine Hunde. Die beiden Hunde verendeten nach kurzer Zeit. Auch Marx welcher fich an der Hand eine kleine Verwundung zugezogen hatte und die Wunde durch die Hunde belecken liefe, erkrankte plötzlich und wurde so ort auf Veranlassung des Herr« Kreistierarztes Medizinalrat Dr. Heinemann z« Frankenberg in die Klinik nach Marburg überführt. Rach kurzer Anwesenheit in der Klinik starb dettelbe und zwar wie sestgestellt wurde an Milzbrand, welcher durch das Belecken der verwundeten Hand durch die Hunde herbeigesührt worden war. Es ist daher bei allen Erkrankungen und Verenden von Vieh die größte Vorsicht zu gebrauchen. Nicht allein daß durch das einfache Verscharren, ohne Untersuchung durch den Kreistterarzt großes Unheil herbeigeführt werden kann, kommt auch in finanzieller Hinsicht der Besitzer solchen Viehes in Schaden, da auch bei Milzbrand */» des Wertes des verendeten Tieres durch die Provinzialkaffe in Kaffel versetzt wird.
schlutz der Hauses herbeifllhreu wome, zweifelte Abg. Singer <Soz.) die Beschlußfähigkeit mit Erfolg an. Die Auszählung ergab die Anwesenheit von nur 172 Mitgliedern. Da e8 erst 3 Ubr war, beraumte der Präsident die nächste Sitzung auf M Uhr nachmittags an. Die Beratung des Militäretats wurde dann bei einem anderen Titel for'gesetzt. Die von der Kommission gestrichene Forderung snr eine neue militärtechnische Hochschule ging an die Kommission zur nochmaligen Prüfung zurück. Abg. Bebel «Soz i fragte, ob eine illeubewaffnung der Arttllette geplant sei. Kriegsminister v. Soßler erwiderte, ein neues , Geschütz komme überhaupt nicht in Frage. Mehr könne er vor der O-ffentlichkeit nicht mitteilen. Wenn Herr Bebel der Firma Krupp vorgeworsen habe, sie hätte den Staat um Millionen übervotteilt, so sei das eine ganz ungerechtfertigte Beschuldigung, bie auf den Ankläger zurück falle. Der Minister betont schließ, lich die Verdienste der Firma um unsere Wehrkraft; hätten wir Kruvp nicht gehabt, bann hätten wir den letzten Krieg vielleicht verloren. Rach Auseinandersetzungen mit dem Abg. Singer tSoz > wurde das Kapitel .Artillerie- und Waffenwesen' angenommen. Weiterberatung Mittwoch. Schluß >/«7 Uhr.
UHgeorvueteustuuS.
Die allgemeine Besprechung des KultusetotS wurde am Dr-nstag beendet und der Ministergehalt bewilligt. Abg. v. Zedlitz (srkons.s führte noch aus. daß die evangelische Bevölkerung beunruhigt sei, well Preußen im Bundesrat für die Abhebung des § 2 des Jesuitengesetzes stimmen wolle, llebergriffe der Kirche aus dem Gebiete der Schule müßten abgewehrt werden. Abg. Furke (frf. Vp.s war für paritätische Schulen und nannte die katholische wie die evangelische Orthodoxie einen Feind der freien Wissenschaft Auf Antrag der Budgetkommisfion wurde der Titel .Generalinspektor der Reformschulen im Nebenamt' gestrichen. Statt besten bewilligte das Haus 3000 Mk für einen sachverständigen Beirat bei der Inspektion der Reformschulen. Abg. Schall lkons.) wünschte Besserstellung der Geistlichen, wobei er darauf verwies, biß bie Zahl der Theologie-Studierenden immer mehr zurück- acht. Abg. Hackenberg (ntl.) bemerkte, bie Abnahme sei nur eine natürliche Folge der früheren liebet- süllung. Die Geistlichen müßten fich vor allem ben Idealismus bewahren und auch bei geringer Besol» düng mit Freude und Liebe ihres Amtes walten. Die Vorträge übet Bibel und Babel hätten nicht solches Aufsehen hervorgerufen, wenn die höchst«! Herrschaften nicht zugegen gewesen. DaS Kapftel Evangelische Geistliche und Kirchen wird genehmigt. Auf eine Anfrage des Abg. v. Eynatten lZtr.) aut- wartet Minister Studt, daß bie Regierung nicht in der Lage sei, in der Frage der rheinischen Kirchhöfe den Wünschen des Zentrums entgegenzukommen. Fortsetzung Mittwock, vorher Lotterietat
Heffen-Naffair und Nachvargebiete
Ne»tersha«fe«, 9. März. Nicht wett von Richelsdorf, bei ber fog. Roterainsmühle, fiel ein Fuhrmann von einem schwer belabenen Wagen. Er geriet unter bie Räder, bie über ihn hiniveggingen. Der Verunglückte gab kurz barauf seinen Geist auf.
Friedewald, 9. März. Der aus der Untersuchungshaft Hierselbst entwichene Wagner Adam Koch auS Heringen hat fich in Kostet dem Gericht freiwillig gestellt.
Rotertbrtrg, 9. März. Gestern brach dahier in einer Scheune Feuer aus, daS rasch um sich griff und zwei Besitzungen in Asche legte. Man vermutet Brandstiftung.
FraNksart a. M., 11. März. Der erste Kongreß der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten sand eben in Frankfurt am Main statt. Man hielt fast durchweg die vorgeschlagenen gesetzlichen Bestimmungen für zu weitgehend. Viel bemerkt wurden bie Ausführungen beS Assessors ClauS» mann-Köln, bet bie bisherigen Verhandlungen für fruchtlos erklärte. Mau müffe sich mit der Reglementierung der Prostitution befaflen, daS sei daS einzig Richttge. Oberlandesgerichtsrat Schmölder-Hamm verlangte einen Gesundheitsattestzwang für Heiratskandidaten. Geh. Medizinalrat Kirchner-Berlin sprach als Vertreter des preußischen KultusmirnsteriumS. Während der Referent Oberlandesoerichtsrat Schmölder für neue Strafgesetzbuch "Paragraphen eintritt, findet er bei den späteren Rednern teilweise Widerspruch, die entweder von einer schärfer» Anwendung der schon bestehenden Körperverletzungsparagraphen oder von bet Belehrung beL Volkes Abhülfe erwarteten.
Mücke, 9. März. Unser Mücke ist kein Dorf, sonbern n«r ein Wohnplatz. Es will aber gern ei« Dorf werden, waS indeffe« wohl mit Schwierigkeiten verknüpft sein dürste, da Mücke ui den Gemarkungen Merlau uud Flensungen liegt. Mücke besteht au« dem Bahnhofs- und Postgebäude, ber Oberhesfische« Holzindustrie, einer llnterförstereittohnuna, einer Bäckerei, drei Privathäusern und fünf Wirtschaften. Run soll noch eine sechste Wirtschaft
Deutsches Reich
Berlin, 11. März.
— Der Kaiser, ber am Montag ben Präsidenten der Weltausstellung in Et. Louis empfing, unterhielt sich mit diesem einf ehenv über amerikanische Verhältnisse unb über bie Ausstellung, für bie er das lebhafteste Jutereffe bekundete und eine würdige Vertretung Deutschlands in Ausficht stellte. Zum Andenken verehrte der Kaiser Herrn Francis das Werk .Die vrundlagen deS 19. Jahrhunderts' mit eigenhändiger Widmung
— Beide Majestäten, bie am Todestage Kaiser Wilhelm I. bas Charlottenburger Mausoleum besuchten, «Nichten am Dienstag ihren gewohnten Spaziergang im Tiergarten. Später fuhr ber Kaiser bei bem Reichskanzler vor.
- Prinz Adalbert, ber britte Sohn be8 Kaiser- Paares, bestand in Kiel bie Hauptprüfung als See- Offizier. Er zählt 18 Jahre.
- Prinzregent Luitpold von Badern vollendet em Donnerstag sein 82. Lebensjahr. Der Tag wirb, wie üblich, in München burch Festgottesbienst unb «ne Parade ber Garnison begangen,
— Der neue Kölner Erzbischof Dr. Fischer ist in Berlin eingetroffen , um ben Eid vor bem Kaiser zu leisten.
— Oberleutnant v. ©rattert, der den Rechtsan. walt Ahe im Ztteikampf erschoß unb bie ihm zuerkannte 2 jährige Festungshaft vor kurzer Zeit antrat, ist nach ber ,Tgl. Rdsch.' begnadigt worden.
— Dem Abgeordnetenhause ist ein Antrag ber konservativen Abg. v. Wentzel-Belenzin u. Gen. Angegangen, bei ber Einkommensteuer abzugsfähig zu erklären bie Ausgaben für die Landwirtschaftskammern, die ^Beiträge für Meliorationen und die Tilgungsquoten für landwirtschaftliche Schulden.
— Der sozialistische Provinzialparteitag der Provinz Posen hat eine vollstänbige Einigung erzielt. Deutsche Kandidaten werden in zehn, polnische in fünf Reichs- tagswahlkreisen aufgestellt.
— Die Schutzleute haben nach Berliner Blättern die Anordnung erhalten, die an den Bürgersteigen stehenden Zuschauer bei der Annäherung des Kaiser- Paares stets daraus hinzuweisen, daß mit Taschentüchern nicht gewinkt werden soll, um die Werb? nicht scheu zu machen
— Das Urteil im Ehestreit des sächsischen Kronprinzen soll nicht veröffentlicht werden. So hat nach einer Meldung aus Dresden der Ministerrat beschlossen Prinzessin Lmse hatte offiziell Protest gegen die Be- lanntgabe eingelegt
— Die Beiträge ber Einzelßaaten zu ben Ausgaben bes Reichs belaufen fich in diesem Jahre nach einer dem Reichstag unterbreiteten Berechnung auf 665 856234 Mk. gegen 580632 702 Mk. im Jahre 1902. Davon entfallen auf Preußen 346,8 Mill., auf Bayern 60,9, ans Sachsen 42,2, auf Württemberg 21,7 Mill Mark. Den geringsten Beittag zahlt Schaumburg Lippe mit 433825 Mark.
— Das Oberkriegsgericht zu Wilhelmshaven, be- schätz, wie berichtigend zu melden ist, ben wegen Mordes zum Tode verurteil!en Matrosen Kohler zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Irrenanstalt zu über weifen.
— Die sächsische Eifenbahntarifteform ist nach der .Dtsch. Tgsztg." doch nicht ausgegeben. Es handle sich lediglich um ben Zeitpunkt, an bem die Reform in Kraft treten soll
Die Sanierung der Finanzlage im Königreich Sachsen.
Infolge der ungünstigen Finanzlage im Königreich Sachsen beschloß einer Londoner Meldung der ,Post' zufolge ein unter dem persönlichen Vorsitze der Könige abgehaltener Minlsterrat, für 1904 06 keinerlei Mittel für GehaitSaufbefferung, Neuaustellung und Beförderung im Staatshaushaltsetat vorzufehen. In den nächsten beiden Jahren wird also im Königreich Sachsen keine Gehaltsaufbesserung erfolgen, es rückt niemand in höhere Stellen auf, und eS wird kein Staatsdiener neu angestellt. Diese Maßnahme bezieht sich auf die Beamten aller Ressorts. Von lern Gesamtministerium sind bereits sämtliche Staatsbehörden in Sachsen dahin verständigt worden, daß für die Etatsperiode 1904/05 infolge der ungünstigen Finanzlage Vorschläge zur Anstellung und Beförderung deö Personals, soweit pe besondere Genehmigung bedürfen, zu unterbleiben haben. Die Uiffache hierzu entspringt der Tatsache, daß für die erwähnte Etatsperiode im Staatshaushalt noch ein größeres Defizit zu decken ist. Insoweit nicht schon Verfügungen betroffen find, haben die Behörden bereits von letzt ab mit dieser Gesamtministerialverordnung |u rechnen. ____________
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