Man hat nur zu sehr außer Acht gelassen, daß ein großer Hafen nur als gewerblicher und Handelsmittelpunkt zur Entwicklung gelangen kann, und man hat sich zum Schaden der großen Häfen zu sehr der kleinen angenommen, die doch niemals zu irgendwelcher Bedeutung gelangen können und lediglich den wirklich wichtigen Häfen Abbruch tun. Nur die letzteren sollten um ihre Lage und ihre« GeschäftSumfangeS willen von Recht« wegen die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich lenten. In allen diesen Häfen belaufen sich die eingehenden Hafenabgaben auf 7% Millionen Franks fürs Jahr, und davon bringen ihrer zwei, Havre und Marseille, allein 3,4 Millionen auf, und Havre, Mareile, Rouen, Bordeaux und Dünkirchen allein zusammen über 5 Millionen .... Die anderen Nationen haben den groben Fehler, die Zahl ihrer Häfen, unnütz zu vermehren, glücklich vermieden .... Deutschland besitzt nur Hamburg und Bremen. .... Auf die großen Häfen verwenden jene Völker ihre ganze Kraft, indem sie sie unablässig und mit vorauSschauendem Blick zu ver- beffern trachten.'
Für die Erkenntnis von Frankreichs wirtschaftlicher Lage find diese Betrachtungen zweifellos sehr interessant, wenngleich eS scheint, als ob nun die Reaktion in Verbesserung gemachter Fehler über da« Ziel hinausschießen will. WaS in Frankreich schädlich war, ist natürlich die schematische Gleichbehandlung der größeren und der kleineren, der mehr und der minder entwicklungsfähigen Häfen, der Mangel an Unterscheidung, daß jeder Hafen, seinen speziellen Aufgaben entsprechend, für den Ozean- oder den europäischen oder den Küstenverkehr auszugestalten sei, die mangelnde Einficht, daß einige Häfen mit vollem Bewußtsein über die anderen hinaus zu erstklassigen würdigen Repräsentanten des französischen Anteils am Weltverkehr entwickelt werden müßten. Die Pflege auch der mittleren und kleineren Häfen für ihre speziellen Aufgaben, wie sie bei uns die Sorge der Regierungen ist, oder die bewußte Entwicklung eines einzelnen neuen Welthafens für ein vorhandenes großes Hinterland, das nur zur Zeit nach fremden Häfen inkliniert, wie in Emden, ist natürlich mit dem Streben nach Konzentration des Weltverkehrs wohl vereinbar und sogar eine notwendige Ergänzung dazu.
gegenwärtig so viele Vermutungen und Betrachtungen angestellt, daß eS eigentlich ganz selbstverständlich ist, wenn da auch mancherlei Unzutreffende« mit unterfließt. Sek w« z. B. von dem „Leipz. Tgdl.' behauptet wordov daß die Aufhebung d«S erwähnten § 2 /ine AkeSwrung der Reichs Verfassung bedeuten und daher nur erfolgen könnte, wenn sich im BnndeSrat eine drei Viertel-Mehrheit dafür fände. Da eine ganze Reihe von Einzelstaaten sich bereits ^egea die Aufhebung de« 8 2 im BundeSrat entschieden haben, so wäre für den Fall, daß eS sich bei dieser katholikenfreundlichen Maßnahme Preußens um eine Aenderung der Reichsverfaffung handelte, die Ablehnung des preußischen Antrages gewiß. DaS Jesuitengesetz ist indessen niemals zu einem Bestandteil der VerfaffungS- urkunde ausdrücklich gemacht worden, die Aufhebung einzelner Bestimmungen de« Gesetzes ist daher auch keine Aenderung der Reichsver- fasiung, es ist also zur Vornahme dieser Aenderung keine drei Mertel - Mehrheck erforderlich, also darf die Aufhebung des § 2 bei Jesuitengesetzes als gesichert angesehen werden, wenn sie vielleicht auch nur mit schwacher Majorität erfolgt.
sein würdiges bartloses Gesicht einen recht höhnischen Zug annehmen. Und er wachte allerlei Worte, die nicht nach Höflichkeit schmeckten. War die jeweilige Schmeichelkatze ein „Mädchen auS dem Volke,' dann lautete die stechende Antwort: „Du Grasaff', wenn Du meine wärst, Dir wollt ich die LiebeSgedanken austreiben. Da, geh ausiS Feld und schass!' Und steckte die Erbitterte ihm die Zunge als Dank für das Kompliment heraus und rief: „Alter Grobian!" dann machte der Gescholtene ein Gesicht, als sei ihm die größte Liebenswürdigkeit gesagt. „Du wirst mir nicht wieder kommen!" Damit zog er ab. Mancher meinte: Wenn für den Hölder einst nicht seine Mutter gesorgt, er wäre sein Lebtag nicht zu einer Frau gekommen! Und im Stillen dachte Frau Elise Hölder wohl dasselbe, wenn ihr Lebrecht mehr knurrte als freundlich war. Aber sie war nachgerade dran gewöhnt. Ein weibliches Wesen gab eS allein, daß den Sonderling um den Finger wickeln konnte: sein Hannchen. Die lachte über sein Gebrumm und konnte ihn selbst zum Lachen bringen.
Von seinem Dienst hielt Hölder außerordentlich viel; etwas Wichtigeres und Verantwortlicheres, als die Post, gab es.in seinen Augen überhaupt nicht, und diejenigen Räder in der großen Maschinerie, auf die eS nach seiner Ueberzeugung am meisten ankam, waren die Briefträger. Denn der Herr Postmeister und die noch höheren Herren, na ja, allen Respekt, aber waS nützten alle Briefe und andern Sachen, wenn sie nicht auSgetragen würden? Also! Und von den Sonnenfelder Briefträgern war er Lebrecht Hölder doch unbedingt ganz gewiß der Erste! Webe, wen» ein jwnfler Kollege
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Die Häfen in Frankreich und Deutschland.
In früheren Zeiten war eS ein Lehrsatz der Wirtfchastskunde, daß eine reiche Küstenentwicklung und eine Vielheit von Häfen für ein Land ein großer volkswirtschaftlicher Vorteil sei, und im geographischen Unterricht wurde nie verfehft, <mf den großen natürlichen Vorsprung, den Frankreich in dieser Hinsicht genieße, aufmerksam zu machen. DaS war richtig für die Zeiten primitiver VerkehrSeinrichtung und einfacher Hafen anlagm, kleiner Schiffe und mangelhaster Landanschlüsse. Gegenwärtig haben sich die Verhältnisse geradezu umgedreht. Im Vorteil find jetzt diejenigen Länder, die einige wenige Häfen für den transozeanischen Verkehr stark entwickelt haben, in ihnen mit gesammelten Kräften und Mitten große technische Hafenanlagen geschaffen, große Unternehmungen gebildet, auf ihre Bedürfnisse die Richtung der Verkehrswege des Binnenlandes zugeschnitten haben., In solchen großen Häfen konnten die technisch vollkommensten Schiffe volle Beschästig- ung finden, von ihnen konnten regelmäßige und häufige Linien nach allen Weltrichtungen gehen, und der immer breiten Beförderungsgelegenheit folgte gern der Zustrom der Waren. Diese Veränderung der DerkehrSverhältnisse erkannten am schärfsten die Franzosen, die den Schaden davon halten.
Im vorigen Jahre hat ein französischer Nationalökonom Paul de Roufie« ein Buch geschrieben „Hambourg et FAllemagne eontem= poraine“, worin er einen großen Teil deS deutschen Wirtschaftslebens von deffenBeziehungen zu Hamburg aus zu betrachten bestrebt ist. Hier hebt er den Vorteil, den Hamburg alS der größte deutsche Haftn au« der Konzentration deS Verkehrs und der für Hafenbau aufgewandten Mittel schöpft, als einen Hauptfaktor für das wirtschaftliche Gedeihen Deutschlands hervor und stellt eS in Gegensatz zu der Vielheit der französischen Hafen, die alle als erstklassig angesehen zu werden beanspruchen, daher die für die Schiffahrt in Betracht kommenden Staatsmittel und die wirtschaftlichen Kräfte des Landes zersplittern und nirgendwo ein kraftvolle« blühendes Gedeihen aufkommen ließen.
In genau dem gleichen Sinne finden wir in dem eben herausgegebenen Bande deS Vereins für Sozialpolitik über die Lage der in der Seeschiffahrt beschäftigte Arbeiter eine Abhandlung des französischen Sozialpolitikers Löon de Seilhac über „die Lage der sranzöfischen Handelsflotte'. Seilhac sieht die Lage der französischen Rhederei sehr düster an und führt an der Spitze als Hauptgrund die folgende Betrachtung an: .Frankreich zählt nicht weniger als 69 Häfen. Aber diese Fülle birgt eine Gefahr in sich.
Marburg
Freitag, 6. März 1903,
Umichau.
Die Kommission zur Vorberatung der Novelle zum Krankenversicherungs- Gesetz,
welche dieser Tage ihre Arbeiten aufnimmt, wird den Gesetzentwurf voraussichtlich in wenigen Sitzungen erledigen und an das Plenum zurück erstatten können. Die erste Plenarlesung hat all
gemeine Zustimmung zu dem Entwurf der Regierung ergeben und den einhelligen Wunsch nach Verabschiedung der Vorlage nod) in dieser Session zum Ausdruck gebracht, daß man eigentlich auf eine Kommissionsberatung hätte verzichten können. Die Ausdehnung der Krankenversicherung auf 20 Wochen, der Fürsorge für Wöchnerinnen von 4 auf 6 Wochen und die Einbeziehung auch geschlechtskranker Personen in das Gesetz hat, abgesehen von dem Einspruch des Zentrums gegen die letzte Bestimmung deS Reformenbruchs der Regierung, die Zustimmung aller Parteien des Reichstags gefunden. Ebenso einmütig war man darüber, daß die Aerzte- und Apothekenfrage nicht in den Entwurf einbezogen werden dürfe, wenn dieser noch vor dem Schluß ier Tagung verabschiedet werden solle, lieber diese letzteren Fragen gehen die Meinungen noch zu weit auseinander. Will die Kommission also nicht als Hemmschuh wirken, was sie doch unmöglich als ihre Aufgabe betrachten kann, so wird auch sie nun den drei klaren und vom Plenum beifällig aufgenommenen Reformbestimmungen des Regierungsentwurfs beitreten können. Wir hoffen daher zuversichtlich auf schnelle Kommis fionserledigung der Vorlage und auf deren endgültige Annahme noch in dieser Session. '
Bischof Korum und der Vatikan.
Der römische Mitarbeiter der „Köln. Ztg.' meldet, das Vorgehen des Bischofs von Trier habe in vatikanischen Kreisen sehr unliebsames Aussehen erregt. Sehr maßgebende kirchliche Persönlichkeiten sprachen ihr Befremden darüber aus, daß Korum gerade diesen Augenblick zu einem Vorstoß für geeignet gehalten habe, in dem feie deutsche Regierung erst die Straßburger Verhandlungen mit her Kurie zu beiderseitig befriedigendem Ende geführt habe und sich anschickle, den wichtigsten Paragraphen des Jesuitengesetzes fallen zu lassen. Jedenfalls finde Bischof KorumS Vorgehen in Rom gar keinen Beifall, noch weniger Anerkennung und Dank. — Auch dem „B. L. A." wird berichtet: Der heilige Stuhl steht in dieser Angelegenheit völlig auf feiten der, (preußischen) Regierung, von der er überzeugt ist, daß sie die gerechten Wünsche der Katholiken auch in Schulangelegenheiten gern erfüllt, wobei der hl. Stuhl sich wohl üwußt ist, daß die Schulgewalt deS Staates in Preußen bedingt, daß jeder andere Weg zur Erlangung von Vorteilen als der auf gegenseitigem Vertrauen beruhende verfehlt sein würde. Der Bericht des Fürstbischofs Kopp (Breslau) über die Angelegenheit hat auf daS Verhalten der Kurie bestimmend eingewirkt.
8 2 des Jesuitengesetze«.
Hebet die Aussichten der Aufhebung des § 2 deS Jesuitengesetzes im BundeSrat werden
ihm zuzurufen wagte: „Du, Hölder!" Dann kam mit der knarrenden Stimme die feierliche Frage: »Herr Kollege, waS wünschen Sie? Unterricht in der Wohlanständigkeit?' Und er setzte durch, daß man ihn estirnierte.
„Estirnieren" war überhaupt fein LieblingS- wort; „wer nicht aufs Estirniertwerden sieht, wird ein Lump." DaS war fein Prinzip. Und gegen diesen ehernen Wall von LebenSanschauung kam keine Ulkerei, kein noch so derber Spaßversuch auf. Lebrecht Hölder blieb Lebrecht Hölder, der sein seelisches Gleichgewicht keinen Augenblick verlor.
Und die Erfahrung hatte er für sich. Er war schon ein großer Mensch gewesen, al« noch die Turn- und Taxis'sche Postverwaltung in Sonnenfeld bestand. „Und wissen S', wie'S da war?' pflegte er zu erzählen; „da iS da« Mädele vom Herrn Postverwalter mit ’nen kleinen Körbele einmal 's Vormittags und einmal 's Nachmittags durch die Stadt gangen un hat die paar Bries' auStragen. Un die Spielkamerad'n haben geholfen. Sind die aber gar zu eifrig bei ihrer Sach' gewesen, dann ist das Briefkörbele so lang auf'S Straßenpfiaster gestellt; und habe« die Leut' ihre Brief habe« wollen, dann haben'« schon selbst kommen und nachsehen müssen. Und dann und wann haben die kleinen Ludersch auch die säubern Postsachen in'n Straßenschmutz fallen lassen, und die Aufschriften find verwischt. Da hat'S denn eine Portion ungebrannter Asch' gegeben, und dann war's wieder so. D je, döS war ne Zeit!"
Der Hölder hätte längst Briefträger in Sonnenfeld selbst fein können, der Dienst war da viel leichter, als bei dem Rennen über'« Land. Ader er hatte sich lange gesträubt. Und
Erscheint täglich außer au Sonn» und Feiertag«.
Sonnabeud« in Morgen- und Abend-Ausgobe. ZV
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniterfitötS• Buchdruckerei * tr
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: JUnftrirtes Sonntagsblatt.
Deutsches Keich
Berlin, 5 März.
— lieber die Ansprache des Kaisers an die neuvereidigten Marinerekrul en in Wilhelmshaven berichtet die „Post': Der Kaiser sagte, er erwarte von de« Rekruten, daß sie mit Leib und Leben für die Flagge, und wenn sie auch nur noch aus einem Fetzen bestehen sollte, einträten, damit fie dereinst, wenn bei der Außerdienststellung Flagge und Wimpel niedergeholt würden, sich vor ihrem Gewissen sagen könnten: .Du bist deinem Eide treu geblieben und hast die Flagge rein, makellos und in Ehren gehalten bi« zum letzten Augenblick.' Der Kaiser verwies dabei aus manches nachahmenswerte Beispiel, so auf de« .Iltis'. Er erwarte, daß fie, die Vereidigten, e« jenen nachtun an Entschlofienheit und Tapferkeit.
— Um das Andenken des Königs Albert vo« Sachsen zu ehren, soll eine König Albert-Gedächnis» Stiftung errichtet und am 19. Juni (bem Todestage) der Köniain-Wittwe zur freien Verfügung zu gunsten der von ihr begründeten Liebeswerke überreicht werden. Es hat fich zu diesem Zweck ein Landesausschuß gebildet. Die sächfifche Bank mit ihren Zweigstelle« hat sich bereit erklärt, als Hauptsammelstelle für die zu diesem Zweck gespendeten Beiträge tätig zu sein.
— Es heißt, daß mehrere preußische Eisenbahn- direktionspräfidenten ihre Versetzung in den Ruhestand nachgesucht hätten, weil fie sich der Kontrolle durch die vom Minister Budde für die Prüfung der Stenn« einteilungs- und Wohlfahrtseinrichtungen eingesetzten Kommission nicht unterwerfen wollten. Diese Nachricht entbehrt laut .Nord. Allg. Ztg.', soweit fie fich auf die Ursache des Abgangs der Beamten bezieht, jeder Begründung.
— In der Angelege, yeit Oer Penstousverpcherung der Privatbeamten wurde der vorbereitende Ausschuß im Reichsamt des Innern empfangen. Den Herren wurde laut Frks. Zt. eröffnet, daß die Regierung der Sache sympatisch gegenüberstehe, zunächst aber wünsche: 1, eine Aeußerung darüber, wer als Privatbeamter dies Sträuben hing nun alleweil nicht mit dem Postdienst zusammen. Den« neben der Beamtenwürde hatt' er noch einen anderen Ehrgeiz, der steckte in dem Ruf als Viehzüchter. Bei allen Metzgern in der Umgegend war es bekannt, daß der Hölder das beste Vieh aufziehe, daS heißt, er hatte die Leitung, und feine Frau besorgte daS weitere. Und das brachte Jahr für Jahr ein schöne« Stück Geld ei«. Auch da» eigene HauS war mittlerweile dabei herausge» kornrnen, wenn e« auch noch nicht ganz schuldenfrei war. Und bei den Wegen auf« Land hinaus ließ fich mancherlei einhandeln und einkaufen ; ob daS nun der strenge« Dienstvorschrift entsprach, konnte am Ende etwas zweifelhaft fein, aber jedenfalls litt der Menst darunter nicht im mindesten.
DaS war Ledrecht Hölder! Und man nahm ihn mit allen feinen Eigenheiten, weil er ein streng zuverlässiger und in feiner Art auch liebenswürdiger Beamter, ein Mann von manchem praktischen Wissen und vom alten Schlag« war. Aber wie war denn zu den alten Hölder», und namentlich zu dem steifleinene« Vater die» quecksilberne, ausgelassene Töchterchen gekommen?
Die ehrbare«, auf Ruhe und Gemessenheit achtenden Leute in Sonnenfeld pflegten zn äußern: Man müsse den lieben Gott danken, daß Hannchen Hölder kein klunge fei. Denn dann müsse für den misdesten« ein eigener Polizist angestellt werden. viel Unfug werd« der treiben, indem das Hannchen {■» w®n genug, mehr wie genug anstiftete.
(Fortsetzung folgt.)
8 (Nachdruck verbalem)
Briefträgers Hannchen.
Bo« Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
Und Lebrecht Hölder hatte in langer Erfahrung festgestellt, daß so ein kleiner Schnaps das beste Vorbeugungsmittel gegen eine Magenerkältung fei, die man fich bei dem angestrengten Wandern natürlich leicht zuziehen konnte.
Trat er in das Jägergemach ein, dann standen schon zwei kleine Gläser bereit, und während Hölder die Tageszeit bot und seine Postsachen auskramte, sagte der Oberförster schon jovial: „Prost, Hölder!" „Danke, Herr Oberförster. Auf das geehrte Wohlbefinden!" DieS „geehrte" fehtte nie, denn Lebrecht Hölder war nicht bloß ein Mann von Amt und Würden, sondern auch von Lebensart, und, waS für viele Leute erst recht etwas gilt, auch von einigem Vermögen. Darum war er wohl gern gefällig, aber „zum Traktieren gehören zwei,' pflegte er zu sagen. „Der Lebrecht Hölder kann allein befahlen, was er verzehrt." Daß dann und wann bei seiner Frau zu Hause ein paar Pfund Butter, eine Wurst, auch mal ein GlaS Honig und AehnlicheS von erkenntlichen Leuten abgegeben wurden, ging ihm nichts an. „Was die Weibersleut' zu schwatzen haben, will ich nicht wiffen!' Und er drehte dem Frager den Rücken.
Hölder war nie ein Verehrer de« schönen Geschlechts gewesen, er machte auch kein Hehl daran«. Und wenn ihn ja mal em hübsches Mädel bat, er möchte ihr doch einen gewissen Brief von da und daher allein zustecken, damtt «s bei Leibe die Eltern nickt sähe«, bann konnte