mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllnstvirtes Sonntagsblatt.
JH 63
Ltertcl^ h-licher Bezugspreis: bei der Expaitio« 2 ML, bei all« Postämtern 2L5 ML (excl. Bestellgeld).
Marburg
jta»>ioPtz. Donnerstag, 5. März 1903.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgab«.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universität-«Buchdruckers Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Seltsame Geschichten.
Nicht viel mehr als ein einziges Jahr ist «st verstrichen, daß der Bruder des deutschen Kaisers, Prinz Heinrich von Preußen, Gast der «vrsamerikanis^n Union war, daß Präsident Roosevelt mit ihm herzliche Worte tauschte. In der Gesinnung des Oberhauptes der Vereinigten Staaten hat sich nicht das Geringste geändert, S.- aber die deutschfeindlichen Elemente, welche in jenen Wochen sich mehr in den Hintergrund hielten, treten neuerdings mit solcher Schärfe wieder auf, fangen dermaßen an, die öffentliche Meinung zu beherrschen, daß un« die Sache nicht mehr gleichgiltig bleiben kann. Solange eS sdh um vereinzelte Deutschhetzereien handelte, konnte man alles auf sich beruhen laffen; als während des Venezuela-Streites die Stimmung schon etwas wüst zu werden begann, konnte man hoffen, es werde nach der Schlichtung dieses Zwischenfalles anders werden. Sbet es wird nicht beffer, sondern schlimmer. Jede Geschichte, mag sie auch noch so kleinlich und seltsam fein, wird mit Behagen breit getreten und von der Bevölkerung trotz der augenscheinlichen Unrichtigkeit für baare Münze genommen. So ward in den letzten Tagen, wie bekannt, »zählt, unsere Seeleute hätten von einem der beschlagnahmten, inzwischen aber wieder zurück- tzegebenen venezolanischen Schiffe Wertsachen Pirückbehalten; wahrscheinlich, wenn etwas fehlte, hatten die venezolanischen Spitzbuben selbst gemaust, während von uns im Gegegenteil noch Reparaturkosten geleistet und große Kohlenmengen an Bord zurückgelaffen find. In den venezolanischen Zeitungen war daS aufgebracht, und überall hütete man fich, solche gemeinen Verdächtigungen weiter zu tragen. Die nord- amerikamschen Zeitungen tuen daS mit Wonne. Und wenn bei uns über viele von diesen Stücken weggesehen wird, alles und jedes kann man am Ende denn doch nicht gut unbeachtet laffen.
ES könnte erwidert werden, eS sei echt amerikanisch, denn einzelne Wenige kommen dabei, wie oben Wester auSgeführt, nicht mehr in Betracht. Auch in der Volksvertretung in Washington zeigt sich schon dieser Ton. Und wie sehr die Nörgelei auf Dinge eingeht, die mit Nationalitäten-Gegensatz oder Völker-Wettbewerb gar nichts zu tun haben, beweist die Fortdauer der Erörterungen über das Geschenk unseres Kaisers, der Statue deS großen Friedrich, über deren Wert und Zweck man sich nicht klar werden zu können scheint. Es wird ja behauptet, die Uebermittelung des Monumentes fei vertagt, und besondere Heißsporen drüben wünschen, sie möchte überhaupt nicht erfolgen. Man will angenscheinlich deutsche Liebenswürdigkeit nicht verstehen. Wenn Kaiser Wilhelm Ü. das Denkmal des größten Feldh^rrn seiner Zeit,
der für die junge nordamerikanische Freiheit lebhafte Shmpathieen empfand, den Bereinigten Staaten widmete, so sollte das doch eine Ehrung der lchteren bedeuten, nicht etwa eine solche Friedrich's des Großen. Gewiffe Leute drüben scheinen in dem Wahn zu leben, ein König könne überhaupt kein Gerne fein, deshalb dürfe auch sein Standbild nicht aufgestellt werden.
ES ist durchaus nicht zuviel gesagt, wenn ausgesprochen wird, die heutigen Amerikaner glauben sich alles erlauben zu dürfen. Herr Bowen, der nordamerikanische Gesandte in Caracas und Vertreter des Präsidenten Castro, hat während der Konferenz in Washington seinen fremden Kollegen doch reichlich viel zugemutet, und die nordamerikanische Negierung konnte dabei nichts tun. Gewiß, diese Sache ist vorbei, aber Herrn Bowen'S Auftreten wird Schule machen, darauf kann man sich verlaffen, Europa wird im Gefolge der bevorstehenden unvermeidlichen wirtschaftlichen Konkurrenz noch genug von drüben her einstecken muffen. Vor der Hand gelten die Schläge immer un8, aber wie lange, und die Anderen werden eS auch merken! Mit Petersburg bestand ja vor längerer Zeit bereits ein Zank, aber eS ließ sich die russische Regierung zum Glück nicht einschüchtern. Sollten die praktischen Amerikaner wirklich so unpraktisch sein, daS Ueberflüssige ihres Verhaltens gegen Deutschland nicht einzusehen? Soll man etwa auf den Gedanken kommen, daß ein „Trust", unter Mitwirkung gewisser europäischer Elemente, besteht, den Zwist mit Deutschland immer mehr zu vettiefen und zu verbittern?
Umschau.
DaS Krönunasjubiläum ^eS Papstes Leo XIII.
Papst Leo XIII. hat die Feier seines KrönungsjubllüumL am DienStag gut überstanden: die Natur des greisen Kirchenfürsten, der soeben in fein 94. Lebensjahr eintrat, hat fich wieder einmal als eine wahrhaft eiserne erwiesen. DaS Wetter ließ zu wünschen übrig, Regenmaffen gingen hernieder. Im alten Peters- dom in Rom herrschte ein Sprachengewirr wie beim Turmbau zu Babel, aber olles war nur von dem einen Gedanken beseelt, den Papst zu sehen. Die Basilika erstrahlte im höchsten FesteSprunk. Die Riesenpilaster unter der Kuppel schmücken von oben bis unten purpurne, goldverbrämte Damastverkleidungen, von den hohen Bogen hängen Seidenteppiche herab, unzählige Lampen bis hinauf in die Himmels- Höhe der Kuppel und Gewölbe leuchten wie Sterne vom ewigen Firmament. Aus dem ehrwürdigen PetruSgrab unter dem Bronze-
Baldachin steigen Ströme von Blumendüften empor. Da erscheinen die ersten Lanzen-Schweizer. „Der Papst! der Papst!" rufen die Nahestehenden. Fanfaren und Gesang ertönen — der Jubelgreis hält seinen feierlichen Einzug. Während der Papst, die neue Krone auf dem Haupte, in dem Dom getragen wird, bricht die Menge in brausenden Jubel au§. Wie elektrisiert und plötzlich neugekräftigt, hebt sich der greise Papst empor und spendet den Segen, während ein Lächeln um den Mund spielt. Seine Augen strahlen; nur die Wachsfarbe des Gesichts deutet auf die letzthin überstandene Krankheit hin. Je mehr der Zug fich dem Hochaltar nähert, desto stürmischer wird der Jubel. „Es lebe der Papst!" „Es lebe Leo XIH.!" Und immer wieder erhebt fich der Greis, um die Menge zu segnen. Die Luft war kaum zu atmen; standen doch an die hunderttausend Menschen in dem Raum. Inzwischen fingen sämtliche Glocken Roms zu läuten an, und die Prozession von 45 Kardinälen, 250 Bischöfen, zahllosen Priestern usw. folgte dem Papst. Die Truppen hatten neue Uniformen angelegt, die Schweizer Garde trug den Küraß. Unter den Fürstlichkeiten befanden fich die Kronprinzesfin von Schweden, Prinz Max von Baden und die Großherzogin - Witwe Pauline von Weimar. Das feierliche Hochamt verlief ohne jeden Zwischenfall. Auffallend, ja verblüffend war eS, mit wie starker Stimme der Papst erst vom Thron, dann vom Hochaltar aus den Segen spendete. Unter donnernden, nicht endenwollenden Evivas, während der Papst nach rechts und links den Segen erteilte, verließ der farben- schimmernde Zug wieder die Bafilika.
Am Abend erfolgte dann eine festliche Beleuchtung der Kirchen und kirchlichen Gebäude, sowie einer großen Anzahl von Häusern, namentlich in der Nähe des VattkanS. Am mehreren Stellen der Stadt wurden Feuerwerke abgebrannt. Bei dem Kardinal Rampolla war das diplomatische Korps zur Tafel geladen.
Prinzessin Luise.
Die Wahl deS jetzigen Aufenthaltsortes der Prinzessin Luise von Toskana in Lindau am Bodensee ist in einer Korrespondenz zwischen dem König von Sachsen und dem Großherzog von Toskana getroffen worden, welche der Prinzessin durch ihren Anwalt Lachenal unter gewiffen Kautelen die Rückkehr nach Oesterreich vorqeschlagen und ihr zunächst als Heim bis nach ihrer Niederkunft die „Villa ToSkana" in Lindau angeboten haben. Eine der unerläßlichsten Bedingungen war die endgiltige Lossagung von Giron. Der Aufenthalt der Großherzogin Alice in der „Villa Toskana" dürfte nicht von langer Dauer fein. — Welche Furcht man vor dem Einflüsse Girons auf die Prin
zessin hat, beweist die völlige Geheimhaltung deS Wohnungswechsels, sowie die Wahl des Beginns und des Endes der Reise, die beide auf die Nachtstunden fielen. — AuS Dresden wird immer bestimmter ehre weitere Skandalaffäre gemeldet, von der wir bisher keine Notigenommen haben und die wir lediglich regi» filieren, um einer journalistischen Pflicht zu genügen. Der Zahnarzt O'Brian soll auS Dresden ausgewiesen worden fein. Diese Ausweisung aus Dresden soll nicht mit Unrecht mit der Affaire der Prinzessin Luise von ToSkana, ehemaligen Kronprinzesfin von Sachsen in V t- bindung gebracht werden. Der bett. Zahnarzt hat, wie früher schon mitgeteilt, allein mit der Prinzesfin sehr ausgedehnte Radfahrtonren unternommen. Jetzt soll nun, wie der „Rat. Ztg." mehrfach behauptet wird, die Gattin O'BrianS dem Könige Georg Briefe übermittelt haben, auS denen hervorgehe, daß ihr Gatte zu der Prinzesfin intime Beziehungen unterhalten habe. Der Name O'BrianS, der in Dresden den Ruf eines großen und sehr erfolgreichen FrauenjägerS genoß, war schon früher wiederholt in Verbindung mit der Kronprinzesfin Luise gebracht worden, und als die ersten Nachrichten von ihrer Flucht nach der Schweiz auftauchten, glaubte man sogar in sächsischen Hofkreisen vielfach, daß Dr. O'Brian der Begleiter der Prinzesfin sei.
Die Kartell-Enquete
hat im ReichSamt des Innern ihren Anfang genommen. Die Verhandlungen find nicht ' öffentlich; doch soll unter Beseittgung der ausdrücklich als vertraulich gekennzeichneten Stellep das stenographische Protottrll im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. Da die verschiedenen Enquete-Teilnehmer erst das Stenogramm ihrer Aussagen zur Korrektur und zur Rücklieferung binnen drei Tagen zugesandt erhalten, dürste die Veröffentlichung etwas post festnm kommen. Die Verhandlungen werden in kontradiktorischer Form gepflogen, als Grundlage dienen umfassende Fragebogen, durch die aber die Fragestellung nicht grundsätzlich verschränkt werden soll. Man rechnet an sachkundiger Stelle mit einer mehrjährigen Dauer der Kartell-Enquete. Zunächst soll über folgende große industrielle Vereinigungen verhandelt werden: liebet das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat, die ober- schlesische Kohlenkonvention, das westfälische Koksshndikat und die Konvention der sächsisch- thüringischen Braunkohlenwerke. Hierauf find in Aussicht genommen: die hauptsächlichsten Kartelle der Eisenindustrie, der chemischen Industrie, der Papierindustrie, der Textilindustrie, der landwirtschaftlichen Gewerbe-, Nahrungs- und Genußmittelindustrieen und der Industrie der Steine und Erden. Die Zahl
2 (Nachdruck verboten.)
Briefträgers Hannchen.
Bon Georg Paulsen.
(Fortsetzung.)
Und als nun der hohe Herr noch einen -Weiten Krug bestellte, erschien die Frau Posthalterin sogar selbst im höchsten Sonntagsstaat und sprach von „der hohen Ehr'". Und wenn die Herren Zeit hätten, ein saftiger Rehbraten . . .
Nein, die Herren hatte« leider keine Zeit, und die Extrapost war auch zur Stelle. Die Hanni erhielt ein schönes Trinkgeld, und dem Posthalter reichte Excellenz freundlich die Hand. Und da fing der auch mit Bücklingen an, daß der Besuch auch machen mußte, daß er fort tarn, auf daß der Herr Posthatter fich nicht ganz das Kreuz verrenke . . .
Herr von Stephan war im Bad gewesen »nd nun wollte er einer Jagdeinladung einer thüringischen Hoheit entsprechen. Und da ließ er an diesem prächttgen Sommertage Eisenbahn Uisenbahn sein und fuhr mit bet Extrapost getabeB Wegs über Berg unb Tal dem Reiseziel entgegen, da und dort einmal mit kurzem, aber scharfem Blick ein ihm unterstelltes Postamt musternd.
Im Buchenwald ging er dahin, Helle Sonnen* * wogen fielen wie leuchtendes Gold durch daS Geäst auf daS MooS, und dehnte fich bann und wann eine GraS-Lichtung auS, so war daS wie röt stiller Friedentztempel in der lichten Sommer- Pracht. Dort trat ein Reh auS dem dichten Unterholz, dann Hang ein Knacken und Brechen, ein stattlicher Sechsender bahnte fich seinen Weg. Ein fürwitzigeS HäSlein zog mit geringer
Sorge feinen Pfad, Waldweben, Waldleben im Sommer, die Tage der Ruhe unb fteigenben Reife, der rastenden Sttlle.
Heinrich von Stephan hatte feinen schlichten grünen Jagdhut abgenommen. „Ein prächtiges Land und prächtige Menschen dazu. Wenn ich'S könnt', wie ich wollt — ach, die Leipziger Straße in Berlin lockt nicht sehr."
„Auch der Reichstag nicht?" fragte der Rat.
„Alles zu seiner Zeit," lächelte der General- Postmeister. „Aber sagen Sie selbst, ziehen Sie nicht eine Stunde in dieser Waldidylle der schönsten vierstündigen Parlamentssitzung vor? Und da schauen Sie nach linke: Wie dott die alte Beste Hohenstein zwischen den Woldbergen hervortritt! Das ist wundervoll! Ja, diese kleinen Staaten, eS gibt wohl nicht allzuviel zu regieren, aber eS läßt fich gut in ihnen leben. Es gibt da doch mal Tage, an welchen man nicht daran zu denken braucht: „WaS soll heute Neues herauSgesunden werden?"
„Excellenz würden das ja gar nicht auf die Dauer aushatten," warf der Rat mit leisem Humor ein. „AuS einem solchen großartigen Wirkungskreis ist kein Uebergang in engere Verhältnisse möglich!"
„Oho, mein Bester, wollen Sie mich mit Gewalt in den Sielen des Dienstes festhalten? Was hat man denn in diesem großen Berlin? Glauben Sie, daß ich mitunter ordentlich froh bin, wenn ich an nichts zu denken brauche, als daran: ob wohl die Weiße am Abend in der alten Berliner Kneipe so recht ist, wie fie sein soll?" .
„Excellenz belieben zu scherzen!"
„I wo, Verehrter, ein bißchen Vorliebe für Kleinstadtluft bleibt in dem gebotenen Kleinstädter immer stecken, und mag er «och so lange
Weltstadt-Pflaster treten. Aber wie lange haben wir noch bis Sonnenfeld?"
„Nur noch wenige Minuten, Excellenz."
Und da wurde gerade die Eisenbahn gekreuzt, und der Bahnwätter starrte mit offenem Munde dem Wagen nach. Dann kam die schattige Promenade, und dann klang die weiche, liebliche Stimme herüber, welche das alte Lied kunstlos unb doch so ergreifend vortrug. Unb in dem Augenblicke konnte auch der Schwager seinen musikalischen Eifer nicht mehr unterdrücken, mochte es gehen, wie es wollte; da hielt er sein Instrument bereits gefaßt, begleitete gedämpft das einfache Liebel und er- wattete dann still ergeben, was kommen werde.
Aber das gefürchtete Donnerwetter blieb aus, Herr von Stephan blickte vergnügt drein und hörte ebenso vergnügt zu. Und zum Schluß sagte er kräftig: „Bravo!"
Und jetzt hiett die Extrapost vor dem stattlichen, im thüringer Stil aus Fachwerk gebauten, sauber geputzten Postgebände. Eine schmetternde Fanfare deS Postillons! Aber die Wirkung war keine großartige: In der Straße öffneten fich kaum zwei, drei Fenster, um zu sehen, was es gäbe, und im Postamt gar blieb alles still. Nicht ein Laut mehr war zu hören.
Amüsiert schaute sich Heinrich von Stephan um.
„Na, gar keine Menschenseele zu Hause?"
Aber da rief auch schon eine helle Mädchenstimme: „Vaterle, 'S ftn zwei Herren gekommen." Und nun Hang ein Fenster im Postamt und eine hagere lange Gestalt im Post-Uniformrock schaute heraus.
Zu gleicher Zeit sprang aber auch von dem Kutscherbock eines der im Hofe stehenden Postwagen ein blauäugiges, goldblondes dreizehn- bis vierzehnjähriges Mädchen herab, eilte ge
schwind auf die beiden Herren zu und sagte wichtig unb freundlich zugleich: „DaS iS der Vater. Der paßt heut aus, daß nix gestohlen wird k"
„Hannchen, daß d' den Mund hältst!" sagte der Postmann am Fenster brummig.
„Ra, wer soll den Herren Bescheid sagen?" HangS lustig zurück.
„Nur Briefträger Hölder sein Hannchen." Ein zierlicher Knix, unb die Kleine turnte be* henb auf ihren früheren Sitz zurück.
*
Den Briefträger Hölder kannte die ganze Stadt und die Umgegend dazu. Er war Landbriesträger gewesen, und mancher Jahr hatte die überlange, dürre Gestalt mit den „Siebenmeilenstiefeln", wie die Leute sagen, denn Hölder nahm seinen Weg gehörig zwischen die Seine, die Berghöhen erklommen, auf bei da und dort im dichten Nadelwald versteckte Dörfer lagen, und war wieder in die Täler hinabgestiegen. Aller mit dem unzerstörbaren Ernst, der den Beamten von Anno dazumal ziette. Pünktlich war der Hölder auf die Minute, und der Oberförster auS Schwarzdorf, dem der Postmann jeden Morgen seine Zeitung au8 der Hauptstadt brachte, pflegte anerkennend zu sagen, er brauche seine Uhr, wenn er ja im Zweifel sei, Vormittags nur auf 9 Uhr 50 Minuten zu stellen, wenn Lebrecht Hölder au8 Sonnenfeld die Zeitung bringe. DaS stimme immer! Nun kam wohl für den wackeren Beamten in diesem Spezialfalle ein Heiner Nebenantrieb hinzu: Von drei- viertel zehn Uhr ab frühstückte der Herr Ober» förster und er leitete seine Mahlzeit regelmäßig mit einem Hein«, aber ausgezeichneten Korn» bianntoein ein.
(Fortsetzung folgt.)