Taxwertes zu gewähren und einem tunlichst «roßen Teil dieser Bestände in landschaftlichen Pfandbriefen anzulegen.
* Salvatorbier-Kneipe findet heute abend bei Münchener Biermusik im Museum patt. Allerlei originelle Ueberraschungen sollen, wie 0118 dem Inserate in der heutigen Nummer unserer Zeitung ersichtlich ist, dazu vorbereitet sein.
Münchhausen, 2. Febr. H. vonGerlach schickt uns nachstehende .Berichtigung' zu:
Berlin S.W., den 28. Februar 1908. Bernburgerstraße 3 n.
#n die
Redaktion der .Oberhesfischeu Zeitung' Marburg.
Die verehrliche Redaktion
ersuche ich ergebenst auf Grund des 5 11 des Preß- gesetzes um Aufnahme nachstehender Berichtigung:
1. Es ist unwahr, daß ich in Münchhausen behauptet habe, nur Bauern mit mehr als 20 ha oder 80 Acker Land könnten Brotgetreide der- kaufen.
2. Es ist unwahr, daß die Nationalsozialen prinzipielle Gegner jedes landwirtfchastkchen Echutz- zolles find.
8. Es ist unwahr, daß Herr Wolf in Münchhausen gesagt hat, daß das wahre Interesse der Land- Wirtschaft in der Beseitigung jeglichen Zollschutzes für landwirtschaftliche und industrielle Erzeugnifie bestehe.
4. Es ist unwahr, daß der größere Teil der Versammlung fich vor meinem Schlußwort entfernt haben soll. Es waren vielmehr, wie ich durch Zählung feftgestellt habe, noch erheblich mehr als die Hälfte der ursprünglichen Teilnehmer zugegen.
H. v. Gerlach.
Mit dieser Ausnahme find wir den Vorschriften des Preßgesetzes nachgekommen.
Doch hat diese .Berichtigung' des H. von Gerlach für uns keinerlei beweisenden Wert. Wir behaupten auf gründ unseres sofort abgefaßten Berichtes nach wie vor, daß H. von Gerlach den unter 1. von ihm als unwahr bezeichneten Ausspruch vielleicht nicht genau in der in unserem 1 Artikel gewählten Form, wohl aber dem Sinne nach so getan hat, wie er dort von «ns wiedergegeben worden ist und dasselbe gilt von Punkt 3! — Wir bemerken zu Punkt 2, daß H. von Gerlach mit diesem Ausspruch die Lehre des Führers deS national- IozialenVereins , Herrn Naumann, deren g n e t. — Zu Punkt 4 aber konstatieren wir einen unlösbaren Widerspruch zwischen den Angaben unseres Korrespondenten und jenen von Gerlachs. Da aber unser Korrespondent sich nachträglich nicht dazu verstehen kann, zu behaupten, er habe die Besucher derMünchhausener Versammlung ebenfalls nachgezählt, so stellen wir es in das individuelle Belieben eines jeden unserer Leser, welcher von beiden Angaben er glauben will.
< Mmtshattseit, 1. März. Em segr starkes Es -kanattigem Sturm hat unserem
Do^. Schaden zugesügt. Fast auf
jedem Haus ist das Dach mehr oder weniger stark beschädigt, Bäume find umgebrochen u. s. f.
— Kirchham, 2. März Vorige Woche fand im Hotel Moseback lSchades eine Kreisversammlung der Herdbuchgesellschaft für das Vogelsberger Rind statt, in i er beschlossen wurde, die Wanderausstellung in Hannover mit 2 Bullen, 4 Kühen rind 2 Rindern zu befänden. Die Auswahl dieser Tiere wird nächstens durch Herrn Landrat Schenck zu Schweinsberg und Kreistierarzt Stamm getroffen werden.
- I- K rchhain, 28. Februar. Der Mittagszug der Ohmtalbahn mußte auf der Strecke Nieder- gemünden—Kirchhain die Fahrt unterbrechen, da durch den Sturmwind ein Baum umgeweht und das Geleise versperre war. Erst nach Beseitigung des Hindernisses tonnte die Fahrt fortgesetzt werden.
O Kirchhai«, 2. Febr. Gestern abend gegen 9 Uhr brach auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise in der Scheune des Gastwirts 6. Riehl in Stausebach Feuer aus und vernichtete das anstoßende Saalqebäude sowie die Nachbarsscheunen und Stallgebäude. Obschon die Hilfe wohl etwas spät kam, so konnte doch das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Spritzen von außerhalb waren erschienen aus Himmelsberg, Niederwald, Großseelheim, Anzefahr und Kirchhain.
wählen, was jedenfalls mit einer erheblichen Einbuße für die Eisenbahn verknüpft ist.
Aus alledem erhellt, daß fich die Einführung eines Frühzuges Treysa - Marburg und die Durchführung deS Zuges 793 über Marburg bis Treysa im Jntereffe aller Teile, sowohl der Eisenbahn und der Fahrgäste wie der Stadt Marburg, als unbedingte Notwendigkeit erweist. Ich unterbreite deshalb meine Vorschläge der Handelskammer mit der Bitte, die Gründe zu prüfen und ein erneutes in meinem Sinne »bgefaßtes Gesuch an die Eisenbahndirektion staffel zu richten.
Hierzu nehmen der Herr Vorsitzende, der Syndikus und die Herren Dr. Freiherr Waitz von Eschen, Plaut, Eisenberg und Lang das Wort. Es wird betont, daß die Herren Schäfer vnd Helmerich, die von bett Vorschlägen des Berichterstatters abweichende Wünsche früher geltend gemacht hätten, nicht anwesend wären und daß es daher bedenklich sei, einen Beschluß im Sinne des Herrn Berdux zu faffen, ohne daß jene fich dazu äußern könnten. Neberdies hätte die Kammer den Antrag auf Durchführung der Züge 790 807 in mehreren Eingaben vertreten, und es muffe als unzulässig erscheinen, gleichzeitig für dieselbe Strecke mehrere verschiedene Anträge zu stellen, denn dadurch würde jeder Erfolg gefährdet. UeberdieS fei es nicht ausgeschloffen, daß im nächsten Sommer- fahrplan Verbesserungen für die fragliche Strecke vorgesehen werden würden; das möge man zunächst abwarten. Herr Berdux weist demgegenüber wiederholt darauf hin, daß die von ihm vertretenen Verkehrsinterffen die weitaus dringenderen wären und an ^ster Stelle Berücksichtigung verlangten. Da die sachliche Berechtigung und Begründung feiner Vorschläge übrigens auch allgemein an- vkannt wird, fo wird endlich der GeschäftS- führende Ausschuß beauftragt, diesesben in geeigneter Weise bei der Königlichen Eifenbahn- Direktion zu Kaffe! zu vertreten.
• I» rimsnevnrq, 1. März. Durch den Sturm in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist in dem Park des Rittergutes Hof Plausdorf großer Schaden verursacht. Große Bäume, die im vergangenen Herbst und Winter erst mit großen Kosten »eugesetzt wurden, waren umgeweht.
Echweiusberg, 1. März. Das gestrige Unwetter hat auch hier heftig getobt und teilweise nicht unerheblichen Schaden angerichtet. So wurden viele Bäume arg beschädigt und zahlreiche Ziegeln von den Dächern geschleudert. Um 3 Uhr nachmittags zog in nördlicher Richtung ein Gewitter, verbunden mit heftigem Donner, vorbei.
— Neustadt, 2. März. Die gestrige Feier des 25jährigen Pontifikats des Papstes Leo XII f. wurde hier in wahrhaft großartiger Weise begangen, sowohl kirchlich als weltlich. Am Abend bewegte fich unter Mufikbegleitung ein solenner Fackelzug, worin sämtlich« Vereine vertreten, durch die überaus prächtig illuminirten Straßen der Stadt nach dem Marktplatz. Hier feierte Stadtkavlan Kramm Se. Heiligkeit als dm sozialen Arbeiterpapst. In das Hoch stimmte die zahllose Menge begeistert ein. Chöre trugen PapMeder vor. Am Rathaus prangten die päpstlichen Insignien und .Heil Leo Dir' in prachtvollem Feuerwerkverkörpert. Hieran schloß fich ein Kommers im geräumigen Echützmhof. Festredner Pfarrer Gruß von Allmdorf schildert« in begeisterten Worten die großen Vorzüge des Papstkönigs als Gelehrten und Diplomaten. Den Kaisertoast brachte Amtsgerichtssekretär Florian aus. In begeisterter Stimmung blieben die Festteilnehmer bis zu später Stunde zusammen
1 Rosenthal, 1. März. Der Zimmermann Ludwig R. von hier, hat fich vor circa drei Wochen, nach einem Streit mit seinen Angehörigen, aus der eitet- lichen Wohnung in feinem Arbeitsanzuge entfernt und ist bisher noch nicht zurückgekehrt. Da auch alle Ermittelungen bei feinen früheren Arbeitgebern in dm benachbarten Ortschaften zu einem Resultat nicht geführt habm, so nimmt man hier allgemein an, daß sich derselbe wohl ein Leid angethan habm könnte.
-r. Gladenbach, 1. März. Gestern nachmittag ging ein Gewitter über Gladenbach nieder. Nach mehrmaligem Blitzen und Donnern wütete ein mächtiger Sturm bis spät in die Nacht hinein. In dem Kirchberg, ganz nahe bei Gladenbach gelegen, wurden nicht nur Bäume entwurzelt, sondern auch der 18 Meter hohe AusfichtSturm umgerissen und zertrümmert. Wäre der Turm nicht nur ans einem Mauerwerk aufgestellt, sondern noch festgeankert gewesen, so hätte er sicherlich Trotz bieten können.
HeffLu-N.-ilfau mrd Nachbargebiete
n. Kassel, 1. März. In der vor kurzem stattgehabten Sitzung des Vorstandes der Landwirtschafskammer für den Reg.-Bezirk Raffel nahm dieser u. a. auch Stellung zu dem von dem Grafen v. Mirbach ausgearbeiten und im Landtage eingebrachten Gesetzentwurf betr. Abänderung des Ergänzungssteuer- Gesetzes. Man sprach fich dahin aus, daß die schwere Belastung der Landwirtschaft seit der Reform der direkten Steuern in Preußen nicht von der Er- gänzungssteuer herrühre, sondern von der ungeheuren Steigerung der kommunalen Steuern. Der Grundsatz, die Grundbesitzer stärker heranzuziehen, sei auf dem Lande verkehrt, da bei vielen Landgemeinden die Urfache der hohen Steuern in den Ausgaben für die Schulen zu suchen fei. Es wurde schließlich beschlossen, fich beim Finanzminister gegen den Gesetz- enttouif auszusprechen. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die Vieh-Verficherung. Hierbei wurde allseits die Lösung der Frage der Organisation der Rückversicherung der einzelnen Viehverfichernngs Vereine als notwendige Vorbedingung für die planmäßige Einrichtung berfeiben angesehen. Zur Bildung des notigei. DeckungSsonds sollen, so wurde beschloffen, Mittel vom Staate, vom Bezirksverband, von der Landwirtschaftskammer sowie von dem Raiffeisen- Verband gefordert werden, von deren Gewährung das Zustandekommen des Verbandes abhängig gemacht werden muß. In der letzten General-Konferenz der Eisenbahnen war einer allgemeinen Ermäßigung der Fracht für sämtliches Zuchtvieh und außerdem für Weidetiere zugestimmt werden. Unter Bezugnahme aus diesen Beschluß teilte der als Vertreter der hiesigen Eisenbahndirektion anwesende Regierungsrat Kindermann mit, daß gegen die Beschlüsse der Generalkonferenz bereits von einzelnen Stellen Widerfpruch erhoben worden fei. Sollten auf diesem Wege die Befchlüffe zu Fall gebracht werden, so würden jedenfalls die preußischen Bahnen auf dem Wege der Ausnahmetarifierung Erleichterungen schaffen, insbesondere für den Versand von Weidevieh. Eine derartige Maßnahme werde dann auch dem von der Kammer vor längerer Zeit gestellten Antrag, die Weidefohlen billiger zu verfrachten, entsprech«!. Die von den Städten Marburg und Wetter beantragte Vermehrung ihre Biehmärkte wurde mit der Begründung abgelehnt, daß von der Einführung neuer Märkte so lange Abstand genommen werden soll, bis die Entwickelung ber Märkte sich übersehen läßt.
Schwurgericht.
Marburg, 2. Mürz.
1. Verhandlungstag.
Im großen Saal des LandgettchtSgebäudes nahm heute die diesjährige erste Schwurgerichtsperiode ihren Anfang. Am Gerichtstisch faßen folgende Herren: Landgerichtsrat Droste, Vorsitzender, LandgerichtSräte Klingenbiel und HeeS, Beisitzer. Die öffentliche Anklage vertrat Herr Erster Staatsanwalt Savels, die Vetteidigung führte Herr Justizrat Handschuh.
Die Geschwornenbank setzte fich wie folgt zusammen:
Landwirt Ferdinand Georg Stamm-Schweinsberg, Fabrikant Heinrich Süß-Neustadt,
Freiherr Albert von Breidenbach, Gntsbefitzer in
Breidenstein,
Rentner Theodor Braun-Biedenkopf,
Bürgermeister Georg Wagner-Fellingshausen, Ackermann Helwig Schlemmer Il.-Niedergrenzebach, Bürgermeister Ludwig Velte-Allendors bei Gladenbach, Rentner Louis Matthäi-Marburg, Müller Friedrich Sack-Momberg, Gutspächter Lüttich in Reptich.
Ackermann Konrad Sttunpf-Treysa,
Oberstleutnant a. D. Rudolph von Dobbeler-Marburg,
ES handelte fich heute zunächst um eine Anklage gegen den Schuhmacher Joh. Heinr. Noll aus Ernsthausen (Kreis Frankenberg) wegen Körperverletzung mit tötlichem Erfolg.
Der Zeugenaufruf ergab 21 Namen, außerdem wohnte noch als ärztlicher Sachverständiger Herr Professor Dr. Hildebrand der Verhandlung bei. Der Zuschauerraum war dicht besetzt, besonders zahlreich toatcn die Einwohner von Ernsthauseu erschienen.
Der Angeklagte, Echuhmachermeister Johann Heinrich Noll, ist im Jahre 1851 in Ernst- Hausen geboren und nur toegen Beleidigung gering vorbestraft. Nach dem zur Vorlesung gebrachten Eröffnungsbeschluß wurde ihm zur Last gelegt, am Abend des 18. Oktober v. Js. in Ernsthausen den Schreiner Konrad Kronau mit einem Steinkrug vorsätzlich mißhandelt zu haben, indem er ihm damit so auf den Kopf schlug, daß der Tod des letzteren eintrat.
Noll, der einen ganz guten Eindruck macht, gab zu seiner Verteidigung an, daß es nicht seine Absicht gewesen sei, den Kronau zu verletzen; er habe lediglich nur aus Notwehr gehandelt.
An dem fraglichen Abend sei er eigentlich nur deshalb von zu Hause weggegangen, um in daS Nachbarhaus der Hirth'schen Wirtschaft ein paar Schuhe zu bringen. Bei der Geleger heft sei er auch in die Wirtschaft gegangen, um einen Krug Schnaps mitzunehmen. Dort hätte der Bürgermeister und noch einige Gäste cit= festen und diesen habe er sich beigesellt. Später wäre auch der Kronau hinzugekommen und habe auch nach kurzer Zeit schon dadurch Streit angefangen, daß er sich über seinen (des Angeklagten) Sohn, der zum Milttär kommen sollte, lustig gemacht hätte. Bei der Gelegenheit habe er schließlich auch drohende und beleidigende Wotte gegen ihn auSgestoßen. Dann habe Kronau infolge Ausgebots des MttS daS Lokal verlosten und einige Zeit später hätte er auch den Heimweg angetreten. Plötzlich fei ihm Kronau entgegengekommen und sei gegen ihn gerannt. In der Bestürzung habe er von unten herauf ihm den Krug entgegengehalten, eS hätte Rauch und Dampf gegeben und Kronau sei zu Boden gestürzt. WaS da eigentlich pasfiett sei, wiffe er nicht, seiner Ansicht nach müsse der Letztere eine Schußwaffe bei fich geführt haben. Er sei dann sofort zum Bürgermeister gegangen und habe diesem die Geschichte mitgeteilt. Der ärztliche Sachverständige gab nun Mitteilungen über den Settionsbesund. Zunächst habe man eine ganz kleine, unbedeutende Wunde über dem linken Auge bemerkt, bei näherer Untersuchung hätte fich eine eiterige Entzündung der Hirnhäute gefunden, welche durch einen Schädelbruch auf der linken Seite herbeigeführt worden sei. Dre Wunde wäre auf einen Schlag und nicht auf einen Schuß oder Sturz herbeizuführen. Der Angeklagte blieb bei seiner Behauptung, daß er den Kronau nur vdn unten gestoßen habe.
Man trat nunmehr in die Zeugenvernehmung ein. Als erste Zeuge erschien der Gastwitt Hirth. Er schilderte daS Zusammensein der Gäste an dem fraglichen Abend in seiner Wirtschaft. Der erste Streit sei dadurch entstanden, daß fich Noll von Kronau nicht als „Poch- fchuster' bezeichnen lassen wollte. Kronau habe dies eigentümlich gefunden und ihm versichert, daß dies doch keine Beleidigung sei, denn das ganze Dorf spreche doch so. Schließlich sei Kronau fottgegangen. Seiner Ansicht nach seien beide nicht angetrunken gewesen. Ob noch sonstige gegenseitige Stichelreden gefallen seien, wiffe er nicht. Als Noll weggegangen sei, hätte er annehmen können, daß Kronau zu Hause wäre. Einige Zeit später habe ihm (den Witt) Kronau's Frau gerufen. Er sei in dessen Wohnung gegangen und habe nun dott den Kronau als Verwundeten angettoffen. Er habe fich mit kaltem Wasser die Wunde gekühlt und ihm dabei erzählt, der Noll hätte ihm den Krug an den Kopf geschlagen. Auf die Frage, was denn eigentlich pasfiett sei, habe ihm Kronau noch mitgeteilt, daß er unterwegs mit Noll, trotzdem er Umwege gemacht hätte, zusammengeraten fei. Dann hat der Zeuge in Gemeinschaft mit der Frau den Verwundeten, den plötzlich heftiger Schüttelfrost befallen, inS Bett gebracht. Der Bürgermeister Engel, der an dem Abend auch in der Wirtschaft war, fchildette ebenfalls die Vor- kommniffe des Abends. Noll habe ihm gesagt, daß Kronau eine Schußwaffe gehabt hätte. Es handelt fich nun hauptsächlich darum, festzustellen, ob Kronau dem Noll aufgepaßt, ob er ihm ausgewichen, oder zufällig tftit ihm zusammengekommen sei. Dies konnte auch der Bürgermeister, der die Oettlichkeiten und die Zustreckswege genau kennt, nicht aufklären. Nach den Leumund der beiden Hauptbeteiligten bes.ag!, meinte der Bürgermeister, daß Kronau eigentlich gerade nicht als händelsüchtig bekannt gewesen sei. lieber den Angeklagten wußte er auch nichts Nennenswertes zu sagen, als daß er fich manchmal mit einigen Personen gezankt habe. Der Verteidiger bemerkte hierzu, daß es fich um einen Mann namens Tripp handele, mit dem der Angeklagte eine Anzahl Zivilprozeffe geführt habe.
Zwei weitere Zeugen, die Landwitte Hachenbach und Hirth, die ebenfalls in der Wirtschaft waren, schilderten die Vorkommniffe ähnlich wie der Wirt. Letzterer betonte besonders, daß fich Noll nicht von Kronau hätte als »Schuster' bezeichnen laffen wollen. Kronau habe gesagt: »Du bist doch der Schuster, da kannst Du mich nicht drüber verklagen, ich bin Schreiner und muß mir gefallen lassen, daß ich „Kesselkonrad' genannt werde k' Seiner Anficht (des Zeugen) nach seien beide im Dorf etwas als zankfüchtig bekannt gewesen.
Der Nachtwächter erzählte, daß ihm in der Nacht erst die Frau Kronau gesagt habe, daß ihr Mann blutend nach Hause gekommen sei. Später wäre ihm Noll begegnet und habe ihn gefragt, „ob er nichts gehört hätte!' Der Angeklagte bestritt diese Frage. Als er ihm gesagt, daß er gar nichts wisse, habe ihm Noll erzählt, daß Kronau ihn hätte schießen wollen, er habe ihm aber abgewehtt. Der Schuß sei
an dem Kruge abgeprallt und dem Kronau in» Gesicht gegangen. Ferner bekundete der Nachtwächter, daß er die Nacht die Gaffen durchwandert, aber nichts von einem Schuß gehört habe. Noll hätte noch gesagt: „Wenn ich so was gewußt hätte, wäre ich einen anderen Weg gegangen !' Die Witwe des Kronau, welche nunmehr vernommen wurde, gab an, daß ihr Mann damals kurz nach 12 Uhr in einer Todesangst bi« Treppe heraufgekommen fei mit dem Rufe: „Ich bin von Noll mit der 'Summe' (dem Krug) geschlagen worden, ich bin verloren!' Ihr Mann habe ihr dann auch noch erzählt, daß Noll nicht hatte „Schuster' genannt fein wollen, darüber sei der Streit gekommen. Eine Schußwaffe habe ihr Mann niemals gehabt. (Schluß folgt.)
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Neueste Ketege«mme
Berlin, 2. März. Der Kaiser empfing am Sonntag den sächsischen Kriegsminister, den Gesandten von Chile sowie den italienische« Militärattache. Die Herren waren auch zur Mittagstafel geladen. An der Abendtafel nähme» die beiden ältesten Pttnzen teil, welche später vom Kaiserpaar zum Bahnhofe geleitet wurden, von wo sie die Orientreise antraten.
Breslau 2. März. Wie der „Gen.-Anz." aus Drachenberg meldet, brach in der Nacht zum 1. März im Gemeindehanse Feuer aus, durch daS dieses, sowie ein Nachbargebäude zerstvtt wurde. Bier Frauen kamen in den Flammen um.
Koblenz, 1. März. Zur Papstfeier in der städtischen Festhalle warm über 3000Personm erschienen.
München, 2. März. Der deutsche Kronprinz und Pttnz Eitel Friedttch passierten mit dem Nord - Süd - Expreßzug auf der Reise nach dem Süden den hiesigen Zentralbahnhof. Der grmßische Gesandte war zur Begrüßung dort anwesend.
München, 2. März. Die Papstfeier im Odeon fand unter Anwesenheit des Prinzregenten, der Pttnzen, aller Minister, des Nuntius rc. statt.
Lindau, 1. März. Prinzessin Luise von Toskana wurde bei der Ankunft von ihrer Mutter empfangen und nahm in einer Villa, welche dem Erzherzog Ferdinand gehört, Wohnung. In Begleitung der Pttnzesfin befand sich der Schwiegersohn des Advokaten Lachenal, Advokat Marc Peter.
Amsterdam, 1. März. Große Arbeiter- Versammlungen in Utrecht und Nymwegm nahmm heute Resoluttonen an, die aufs stärkste gegen die Streikgesetze protestieren. Die anti- sozialdemokratischen Arbeitervereine z« Haarlem und Utrecht dankten in Resolutionen der Regierung für die Gesetzentwürfe, die die willigen Arbeiter beschütze. DaS Zentralagitationskomitee hat beschloffen, den Generalstreik nicht zu verkünden. In parlamentattschm Kreisen ist man der Meinung, daß die Regierungsmehrheit in der zweiten Kammer die Gesetzentwürfe zur Annahme bringe, daß diese jedoch an der liberalen Mehrheit in der ersten Kammer scheitern dürften. (?)
Budapest, 1. März. Heute fand hier eine von etwa zehntausend Bürgern besuchte Protest- Versammlung gegen die Wehrvorlagen statt. Gleichzeitig wurde auch eine Resolution für daS allgemeine Stimmrecht angenommen.
Rom, 2. März. Der Leibarzt Lapponi verordnete dem Papste nach dem gestrigen Empfange der Kardinäle strengste Ruhe, um ihm die Teilnahme an der Jubiläumszeremonie am Dienstag in der Ptterskirche zu ermöglichen. In der Stadt find alarmierende Gerüchte über die Gesundheit des Papstes verbreitet.
Madrid, 2. März. Einem Telegramm deS „Heraldo' aus Melilla zufolge hält sich der Prätendent mit einer kleinen Anzahl Anhänger verborgen. Er ist umzingelt. Menebhi erklärt, er könne ihn durch Jnbrandsetzen des Gehölzes, in das er sich geflüchtet, umkommen loffen, ziehe aber vor, ihn lebendig gefangen zu nehmen.
Washington 1. März. Im Laufe der gestrigen Senatssitzung erklärte der Republikaner Aldttch, seine Partei werde in der nächstm Session, wenn der Staatsschatz einen Ueberschuß aufweise, auf eine Verringerung der Einnahmen hinwirken._____________________________________
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Verantwortlich für die Redaktion: Frhr. v. Wanaenbeim « Warbrma.