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und Kirchhain

Fjbei allen Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). NrwwwvWy

^tlsertionSgebüh^: die gesMem Zeik^o^r deren Raum 10 Pfg. 22. AONlllk 1903«

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck urü» Verlag: Joh. Aug. Koch, Umversitäts»Buchdruckerei Marburg, Mark 2L Telephon 55.

38. Jahrg.

Nochmals das Interesse des mittlere« mrd kleine« bäuerliche» Besitzes a« Sr- tteidezSlle« im Lichis der im Grotzherzog- t«m Bade« veranstaltete« Erhebung.

Die badische Regierung hat im Frühjahre 1902 durch ihre Arr'svorstände in allen Ge­meinden einschl. der Städte des Großherzogtums eine Erhebung über die Beteiligung der ge­samten Bevölkerung, auch soweit sie nicht Landwirtschaft betreibt, über deren Beteiligung am Broigetreideverkauf veranstaltet. Die in- tereffanten Ergebnisse dieser Erhebung find in einer von Dr. M. Hecht, Regierungsaffeffor beim badischen Stal. Landesamte, verfaßten, fleißigen und beachtenswerten sozialpolitischen Studie, die sich die Darstellung der Badischen Landwirtschaft am Anfänge des 20. Jahrhunderts zur Aufgabe gestellt hat, unter Mitteilung der ermittelten Zahlen niedergelegt; doch bildet die Verwertung dieser Ergebnisse nur einen Teil der viel umfassenden Studie.

Die landwirtschastsfeindliche Presse hat den Anschein zu erwecken versucht, als ob aus den Ergebnissen dieser Erhebung hervorginge, daß der Bauernstand an Getreidezöllen kein oder nur ein verschwendend geringes Interesse habe. Auch das gleich seinem Herrn und Meiller, dem angeblichgenialen' Pfarrer a. D. Naumann, in den falschen volkswirtschaft­lichen Vorstellungen des Handelsvertragsvereins befangene hiesige nationalsoziale Blatt hat in einem in seiner Nro. 16 enthaltenen Leitartikel von den fürunsere Agrarier'niederschmettern­den' Ergebnissen dieser Erhebung reden zu müssen geglaubt und fich dabei zu der Behaupt­ung verstiegen: diese Ergebnisse ständen in schneidendem' Gegensätze zu dem, was von feiten der verbündeten Regierungen und unseren hochschutzzöllnerischen Agrariern von der Solidarität der landwirtschaftlichen Interessen bei Begründung deS Zolltarifs gesagt worden sei.

Der grobe Mißbrauch der zur Stützung der gegnerischen Behauptungen aus dem Hechtschen Werke witgeteilten Zahlen liegt teils in der Unterdrückung für die Beurteilung wichtiger Ergebnisse, teils darin, daß die betreffenden Zahlen ohne die zum richtigen Verständniffe dringend notwendigen Erläuterungen deren sie im Zusammenhänge der Hechtschen Schrift allerdings nicht bedürfen abgedruckt werden.

Bevor wir aber auf die Erhebung selbst kommen und zeigen, für wen jene Ergebnisse in Wirklichkeit .niederschmetternd' find: ob für die Agrarier oder für die mehr oder weniger .genialen' Gelehrten des Handelsvertragsvereines und Vertreter des national­sozialen Bereines, deffen Führer Pfarrer a. D. Nau­mann seiner Zeit behauptet hat, daß nut die land­wirtschaftlichen Betriebe über 20 ha (84 Kasseler Acker) an höheren Getreide preisen Interesse hätten, muß zum befferen Verständniffe auf die eigenartigen landwirtschaftlichen Verhältnisse in Bade« kurz eingegangen werden.

Zuvörderst ist Baden bas .typische' Land deS kleinen und mittleren bäuerlichen Be- fihes: von 236 159 landwirtschaftlichen Betrieben lHaupt» und Nebenbetrieben) haben rund 128 000 Betriebe (= 54,20 Proz. aller Betriebe), also «ehr als die Hälfte einen Umfang unter ß ha; 68554 Betriebe ( 29 Proz.) besitzen einen solchen von 2 ha bis unter 5 ha, 36004 Betriebe <= 15,5 Proz.) einen solchen von 5 ha bis unter

61 (Nachdruck verboten!

Schloß Schönfeld.

Roman von B. E o r o n y.

(Fortsetzung.)

Aber man kann fich irren!" rief die junge Frau, deren Augen zu flammen begannen.Ich habe keinen Grund, den Rektor Olschmann zu lieben, doch offen und vor aller Welt wollte ich für ihn eintreten, wenn jemand in meiner Gegenwart wagen würde, ihn einer Ehrlofigkeit anzuklagen.'

Das könnte auch nur ein ganz gemeiner Wicht tun, denn mein Vater steht zu unantast­bar da in seiner strengen Rechtschaffenheit."

Und ein gemeiner Wicht ist es auch, der die Beschuldigung wider den meinigen erhob. Martin hat mich immer verfolgt. Schon als Kind war er mein Teufel. Sein ganzes Wesen ist nur Lüge und Gemeinheit, sein Lebenszweck, Unheil zu stiften. Wenn etwas auf der Welt mir Zweifel an der Schuld des Vaters erregen kann, so ist es gerade der Umstand, daß Oettel als Ankläger auftritt.'

Wo willst Du hin?" fragte Kurt, als fie zur Türe eilte.

Aufs Rathaus ins Gefängnis, mit eigenen Augen sehen, mit eigenen Ohren hören. Mich, die Tochter des so schwer Bezichtigten, muß man zu ihm lassen. Mir soll er Rede stehen!"

20 ba, 2834 Betriebe ( 1,20 Prozü einen solchen von 20 ha bis unter 100 ha und nur 117 Betriebe k 0,1 Proz.) einen Umfang von 100 ha und darüber. Von der landwirtschaftlichen Fläche befinden fich 13 Proz. im Besitze der Betriebe unter 2 ha, 29,4 Proz. in feem der Betriebe von 25 ha, 12,5 Proz. in dem der B-ttiebe von 20 ha bis unter 100 ha und 3,1 Proz. im Besitze der Betriebe von 100 ha und mehr. Hiernach besteht in Baden, wenn auch der mittlere Befitz von 520 ha. c.i. 40 Proz. der Fläche umsaßt eine sehr weitgehende Besitzzersplitterung. Diese nötigt, wo es die Verhältnisse irgend gestatten, behufs Er- nährung der Familie zu größtmöglichster Ausnutzung des Bodens und daher zu intenfivster landwirtschaft­licher Kultur. In dem größten Teile Badens er­möglichen nun die besonders günstigen klimatische« Boden- und Absatzverhältniffe einen solchen intenfiven Betrieb. ES tritt deshalb der Getreidebau, wie die Statistik ergibt und Dr. Hecht noch ausdrück­lich hervorhebt, in Baden gegenüber den anderen Teilen des deutschen Reiches stark zurück und dafür der Obst- und Weinbau sowie der Anbau von Handels- und Futtergewächse« (Viehzucht) mehr in den Vordergrund. Zwar nimmt auch in Baden der Getreideanbau an Fläche noch 53 Proz. des Acker­feldes ein, und der Zahl nach ist die überwiegende Masse aller landwirtschaftlichen Betriebe Badens am Getreideanbau beteiligt, zumal auch die kleinen Betriebe, die vorwiegend Kartoffeln, Tabak, Futter oder Gemüse erzeugen, Getreide als Wechselfrucht zu bauen pflegen; aber die Menge des erzeugten Ge­treides wird durch die Flächen, welche der Futter­anbau und in den kleineren Betrieben namentlich die Handelsgewächse einnehmen, nicht unerheblich beein- ttächtigt. Während auf Baden von der Anbaufläche des deutschen Reiches 2,4 Proz. entfallen, beträgt der Anteil Badens an der Getreideanbaufläche des Reiches nur 1,88 Proz., an der Tabaksanbaufläche des Reiches aber 42 Proz., an der Cichorieanbaufläche 10 Proz., an der Maisanbaufläche 10 Proz., an der Weinanbaufläche 15 Proz. Trotzdem die Wiesen fast ein Viettel der gesamten landwirtsckaftlichen Fläche einnehmen, werden, um den Bedarf von Viehfutter zu decken, noch 10 Proz. des Ackerlandes zum Futteranbau verwendet! So­dann haben von den 236159 badischen landw. Be­trieben rund 128000 Betriebe eine Betriebs­fläche an Aeckern, Gärten, Wiesen, Weiden, Wein­bergen, Baumstücken zusammen, Mtter 2 ha. Diese kommen, wenn auch noch sür den Getreideanbau, doch sür den Getreide v e r k a u f von ver­einzelten Fällen abgesehen nicht mehr in Be­tracht; kein Agarier hat jemals behauptet, daß solche Zwergbetriebe durchschnittlich oder auch nur in nennenswerter Zahl am Getreideder. kaufe und damit direkt an Getreidezöllen interesfiert seien. Diese kleinen Betriebe stellen nur ausnahmsweise einen selbständigen landwirtschaftlichen Betrieb dar. Äon ihren Inhabern gehören 86500 Familien einem anderen als dem landwirschastlichen Berufe an: nämlich 55545 den Kreisen der Industrie­arbeiter, 13 042 den Kreisen des Handels, 17 SCO sonstigen nicht landwirtschaftlichen Lernisarte«, den Rest wird man unbedenklich den landwirtschastlichen Taglöhnern zurechnen müssen Hecht sagt daher auch von diesen 128000 Bettieben zutreffend, daß fienur ausnahmsweise selbständige' Betriebe wären, unddie meisten von ihnen fich im Besitze von Leibgedingern, Fabrikarbeitern, Beamten, Geistlichen, Lehrern usw.' befänden. Diese 128 000 Betriebe scheiden daher bei der Feststellung des direkte» Interesses der bäuerlich«« Kreise in Baden an den Getreidezöllen überhaupt aus.

Hiernach liegen die landwirtschastlichen VerMt- nifle in Baden so eigenartig, daß, selbst wenn der badische Bauernstand am Getreide v er kaufe und damit an Getreidezöllen direkt nicht interesfiert sein sollte, damit noch nicht erwiesen wäre, daß auch der Bauernstand i« den übrigen 35/36 teln von Deutsch­land ein solches direktes Interesse nicht hätte.

Nun beweisen aber die Ergebnisse jener Erhebung nicht nur nichts gegen das Interesse des badischen Bauernstandes an Getreidezölle«, sondern fie setzen in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Betriebsstatistik und mit der Anbaustatistik von 1900

Keinen Schritt gehst Du auS dem Hause!" tief Olschmann.

.Ich gehe!"

Nein, sage ich! Meinst Du, ich dulde es, daß die Gassenjungen meinem Weib nachschreien und hinterherlaufen? Jst'S etwa noch nicht genug der Schande?"

Wenn Du tpnen andern Namen für daS über mich hereingebrochene Unglück findest, so will ich Dich und Euch alle von der Schande meiner Gegenwart befreien. Bin ich fort, dann ist ja Dein Haus wieder rein."

Das fieht Dir gleich und stimmt mit dem überein, waS Du heimlich schon längst be­schlossen hast. Aber glaube nur nicht, daß Dein hartnäckiger Kopf stärker ist als mein Wille. Du bleibst und müßte ich Dich einschließen.'

Ich bleibe nicht!"

Hüte Dich, mich rasend zu machen!"

Er faßte die Erregte bei den Handgelenken und stieß sie ins Zimmer zurück.

Mit einem Schrei der Entrüstung schob sie den Aermel aufwärts und deutete auf die durch den eisernen Griff verursachten roten Flecken. Das ist daS Siegel unter alles, was mir seit Monaten zugesügt wurde. Jetzt hält mich nichts mehr zurück!"

Eins muß Dich zurückhalten: Der Gedanke an Dein Kind," flüsterte Fräulein v. Sterneck der Fassungslosen zu.Du bist nicht allein

jenes Interesse und namentlich die Solidarität der landwirtschaftlichen Interessen ge- radezu in das rechte Licht. Freilich bei der Methode, in der die gegnerische Presse die Feller der Enquete mitteilt, kann dies nicht hervortreten. Bei der Wiedergabe verfährt z. B. das hiefige landwirtschast. feindliche Organ so, daß e8 zunächst auS der Hecht'sche« Schrift einen Sah des Inhaltes abdruckt: daß die Ansicht, wonach jeder Landwirt auch über- flüsfiges Brotgetteide verkaufen körne, unrichtig sei, und daß die Zahl der Brotfrucht verkaufenden land- wtttschaftlichen Familien nur 24 Proz. aller landwirt­schaftlichen Bettiebe (236159) ausmache. Im unmittel­baren Anschlüsse daran fährt etwa das Blattt wörtlich mit Dr. Hecht fort:

Ueberfieht man den Prozentsatz der Familien überhaupt, die ein Interesse an Getreide zölleu haben, so ergiebt sich:

Kein Interesse an Getreidezölle« habe« (weil den Bedarf srtbst deckend) 14,6 Proz. aller Familien,

ein geringes Interesse haben (da der Verkauf unter 20 Gentner bleibt) 7,9 Proz. aller Familien,

ein mäßiges Interesse haben (da der Verkauf 20 biS 100 Gentner beträgt) 6,2 Proz. aller Familien,

ein erhebliches Interesse haben (da der Verkauf 100 Gentner übersteigt) 0,6 Proz. aller Familien,

gegenteiliges Interesse haben, (weil fie keine ober nicht genügende Brotsrucht bauen) 70,7 Proz. aller Familien.

Dazu hebt das Blatt etwa feinerfefts nochmals hervor:Also nur 14,7 Proz. der 387 403 Familien können überschüssiges Getteide verkaufen.'

Zunächst fehlt in dem betreffenden Artikel jeder Hinweis darauf, daß fich die mitgeteilten Zahlen was im Zusammenhänge des H e ch t' s ch e n Werkes ohne Weiteres klar ist «nr auf Brot­getreide, nicht aber, wie der Leser annehmen muß, auf Getreide überhaupt beziehen. Denn die Er- Hebung aus dem Frühjahre 1902 erstreckte fich aus- schließlich darauf, zu ermitteln, welche Mengen Brot­getreide, und zwar Weizen, Roggen, Spelz und für die Mehrzahl der Bezirke Gerste, die badische Land­wirtschaft über ihren Bedarf hinaus zum Verkauf bringe. Ausgeschlossen von derErhebung war aber ü b e r- a l l der H a f e r, ja in einer kleinen Anzahl von Be- zirken, wo die Gerste meist als Brotfrucht gilt, sogar auch diese noch. Der H a s e r gehört nun aber doch auch wohl zu dem zollgeschützten Getreide. Und nicht bloß das! er stellt in dem nicht Pferde haltenden bäuerlichen Wirtschaften gerade die- jenige Getreidegattung dar, die zum Verkauf an­gebaut wird und das Geld in die Wirtschaft bringen muß! Dies gilt besonders sür die in Bade« fast 99 Proz. aller Betriebe ausmachenden kleineren und mittleren landwirtschaftlichen Bettiebe unter 20 ha (darunter die selbständigen bäuer­lichen Bettiebe von 2 ha bis unter 20 ha mit 44,5 Proz.!) wo als Gespannvieh, Ochsen und Kühe ge­halten werden, und trifft insonderheit etwa zu, wenn der Hafer wie schon seit Jahren relativ bessere Preise aufweist als Weizen und Roggen. Da­zu kommt aber weiter, daß in Baden der Hafer­anbau rund ein Viertel der ganzen Getreide­anbaufläche, soviel wie dort Weizen und Roggen zusammengenommen, einnimmt! Sodann weiter, in denjenigen Bezirken, in den infolge ungünstiger Anbauverhältnisse der Anbau von Brot­getreide stark unter den Durchschnitt heruntergeht, und deshalb die Z a h l der Brot getteide verkaufenden Betriebe sehr gering ist, tote z. B. in dem ein Viertel des ganzen Landes einnehmenden Schwarz­walde, indem von 56 000 Familien nur 3000 über­schüssiges Brot getteide verkaufen, erhebt fich der Hafer anbau erheblich über den Durchschnitt der Anbaufläche: er nimmt im südlichen Schwarzwald 36,8 Prvz., im mittleren und nördlichen Schwarz­walde 35,2 Proz., im Odenwald (mit */*> der Fläche des Landes) 38 Proz. der Getreide-Anbaufläche ein. Es liegt daher auf der Hand, daß durch die Ein­beziehung des Hafers in die Erhebung nicht nur die Mengen des zum Verkaufe kommenden Getreides, sondern auch die Zahl der am Getreide- verkause interesfierten Betriebe eine erhebliche

für Dein eigenes, sondern auch für sein Wohl verantwortlich."

Schweigend trat Gertrud von der Türe weg.

Sagen Sie ihr ein gutes, freundliches Wort,' wandte sich Melanie mit leiser Stimme an Kurt.

Er stand immer noch auf der Schwelle, offenbar von den widerstreitendsten Empfindungen beherrscht, stieß aber nach Minuten langem, stummen Ringen rauh hervor:Ich kann nicht!"

Dann verhallten seine Schritte auf der Treppe.

Die alte Dame streichelte sanft über der Försterin gesenktes Haupt.

Gertrud, sieh, Du mußt Geduld haben. Er meint es nicht böse, aber es stürmt ja auch so viel auf ihn ein. Er liebt Dich doch."

Nein, er liebt mich längst nicht mehr. Wie ganz anders würde ich mich im gleichen Falle gegen ihn benommen haben! Lasse nur Du meinst es gut, aber wozu sich selbst betrügen? Es hilft ja doch nichts. Alles ist aus alles vorbei. Ich bitte Dich, geh."In dieser Ge­mütsverfassung verlasse ich Dich nicht."

Tue es nur ruhig, da Du mich rechtzeitig an meine heiligsten Pflichten erinnert hast. Jetzt fühle ich nur das Bedürfnis, allein zu fein.'

Aber'

Fürchte doch nichts, Tante Melanie. Ich gebe Dir mein Ehrenwort, daß ich bleiben und keinen Fuß vor die Türe setzen werde. Genügt Dir daS nicht?'

Steigerung erfahren haben würde. Die Ergebnisse der Erhebung geben bah« wie beim Bild von bem Getr eibeverkau se überhaupt, so auch kein zutreffendes Bild von bem Interesse des bäuerlichen Besitzes an den Getreidezöllen. Hi« bedarf die Enquete erst nach trer imngenb erwünschten Er­gänzung. >

Die Erhebung will vielmehr nur ein Bild vo« bem Interesse b« landwirtschaftliche« Bevölkerung amBrot getteibeverkaus, nicht auch am G e t r e i b e- verkauf überhaupt geben. Hierfür ist es nun aber offenfichttich bedeutungslos, wie fich die Zahl der überschüssiges Brotgetteide v«kaufenden land- wirtschaftlichen Familien zu allen Familien des Landes, einerlei welchem Berufe fie angehören, ver­hält, es kommt vielmehr nur darauf an, in welchem Verhältnisse diese Brotftucht verkaufenden Betriebe zu den landwirtschaftlichen Betrieben stehen. Um ein zutreffendes Bild von bem Interesse der bäuerliche«, d. h. der selbständigen landwirt­schaftlichen Betriebe am Brotgetreideverkause zu ge­winnen, genügt auch das nicht, vielmehr ist erforder­lich, die Zahl der Brotgetreide verkaufenden Betrieb« zu den selbständigen landwirtschaftlichen Be­trieben ins Verhältnis zu setzen. Tut man dies aber, so steigt der Prozentsatz d« interesfierten bäuer-, l i ch e n Betriebe von 24 Proz. auf 53 Proz. all« Betriebe. Die oben mitgeteilten Zahlen, wonach nur 7,9 Proz. + 6,2 Proz. + 0,6 Proz. = 14,70 Proz. der Bevölkerung überschüssiges Brotgetteide verkaufen, beziehen fich wie bem«kt aus das Verhältnis dieser Familie« zu alle« Familien des Landes. Im Verhältnis zu den (selbständig oder unselbständig) Landwirtschaft treibenden Betrieben machen die über­schüssiges Brotgetreide verlausenden Betriebe 24 Proz. aus, im Verhältnis zu den selbständigen bäuerlichen landwirtschaftlichen Bettiebe« aber 5 3 P r o z. Denn von den 236159 landwirtschaft­lichen Betrieben scheiden als u n s e l b st ä « d i g aus den oben entwickelten Gründen die 128000 Familien mit ein« Bettiebsflüche unter 2 ha aus, sodaß rund 108000 selbständige - fast ausschließlich bäuerliche landwirtschaftliche Betriebe übrig bleiben. Nach der angestellten Erhebung verkaufe« 57 000 Betriebe, die im großen und ganzen z« de«, selbständigen Betrieben zu rechnen sind (54000 Betriebe von über 5 ha!) überschüssiges Brotgetreide, sodaß 53 Proz. aller selbständigen Bettiebe mehr oder weniger an den Brotgetreidezöllen direkt interessiert find. (Unter den 57 000 Brotgetreide ver­kaufenden Familien befinden fich zwar vereinzelt in den günstigen Landesteilen auch Bettiebe unter 2 ha Bettiebsflüche und zwar find ausnahms­weise auch selbständige Betriebe darunter: deren Zahl kann aber bei Zählung d« selbständigen ganz außer Betracht bleiben, da fie nur gering ist und mehr als ausgewogen wird durch die Zahl der unselbständige« landwirtschaftlichen Betriebe von 2 ha und darüber in den weniger begünstigten Teilen des Landes, die hier als selbständig' gezählt find.) Die Zahl d« am Brot getteide verkauf interessierten bäuerlichen Betriebe würde öbev. voraussichtlich noch mehr als 53 Proz ausmachen, wenn nicht heute, wie in Deutsch­land überhaupt so auch namentlich in dem viehreiche« Baden, große Mengen gerade des Brotgetreides in­folge der ungenügenden Preise in den Viehstall ge­drängt würden anstatt zur menschlichen Nahrung auf den Markt gebracht zu werden. Wenn man diese Mengen für Deutschland auf rund 50 Mill. Zentner au Roggen und Weizen allein schätzt, so ist diese Schätzung eher zu niedrig als zu hoch gegriffen.

Welche Steigerung die Mengen des Verkaufs- getreides und die Zahl d« am Getreide^ verkauf über diese 53 Proz. hinaus am Brot­getreideverkauf int«efsierten bäuerlichen Wirte er­fahren würde, wenn man auch die zum Verkaufe ge­langenden Hasermengen mit einbeziehe« würde, läßt sich mangels eines statistischen Nachweises zahlen­mäßig nicht angeben; sie muß aber im Hinblicke darauf, daß der Haf« ein Viertel der Getreideanbau« fläche überhaupt einnimmt und von ihm die über­wiegende Masse im bäuerlichen Bettiebe zum Ankäufe gebracht wird, sehr erheblich fein.

Auf die .viel umstrittene' Frage, welchen Um­fang ein landwirtschaftlich« Betrieb haben muß,

Ja", sagte Fräulein v. Sterneck.Aber waS auch kommen möge, denke daran, daß Du stets eine Heimat bei mir findest, daß ich Dir zu jeder Zeit und unter allen Umständen gern die Arme öffnen werde, wenn ich auch innigst wünsche: was Gott zusammengefügt hat, möge niemals getrennt werden."

Gertrud blieb allein den Kopf in die Hänie gestützt, finnend und grübelnd, bis ins Innerste verbittert. Es kam ihr vor, als habe die ver­flossene Stunde jede Weichheit auf immer aus ihrer Seele gerissen, da selbst daS sanfte, gütige Zureden der mütterlichen Freundin eindrucksloS verklingen konnte.

Vom Hose herauf drangen die murmelnden Stimmen der beiden Mägde und deS KnechteS an ihr Ohr. Vermutlich sprachen fie über den entsetzlichen Vorfall und deuteten nach dem Fenster, hinter welchem die Tochter des Mörders saß. Des Raubmörders! Ah wie weh es tat, fich das sagen zu müssen! Ändern gegen­über würde Gertrud den Angeklagten, der ja das Verbrechen leugnete, mit aller Energie ver­teidigt haben, aber ihr eigener Glaube stand auf schwachen Füßen. Was hals es, daß fie immer wieder mit heißen, trockenen Lippen flüsterte:Er ist unschuldig, er hat es mcht getan," wenn dennoch der Zweifel nicht schwieg, wenn er ihr mit grellen brennenden Farben auSmalte, wie alles gekommen war. (Forts, f.)