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VenMela.
Die venezolanische Streitfrage, die nun endlich mit sicheren und festen Schritten ihrer Lösung zuschreitet, ist im Grunde genommen die Tinte nicht wert gewesen, die um sie der» schrieben worden ist. Die ganze Angelegenheit ist durch Uebertreibungen verunstaltet und durch Gehässigkeiten und Jntriguen vielleicht auch auf Augenblicke auf einen explosiven Boden hinüber- HeKrtet worden; in Wirklichkeit aber war nichts einfacher als diese venezolanische Frage. Wer sich der unterm 8. Dezember vorigen Jahres an den Reichstag gelangten Denkschrift des Reichskanzlers, Grafen v. Bülow, erinnert, der weiß, daß wir nicht nur ganz etwas Selbstverständliches, sondern auch ganz etwas Unerläßliches taten, als wir den faulen venezolanischen Schuldner beim Ohre zupften und ihm erklärten, daß auch im deutschen Reiche der Grundsatz herrsche: In Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf. Es läuft einem heute noch die Galle ins Blut, wenn man bedenkt, wie viele Weitläufigkeiten Deutschland gehabt hat, um diesem oberfaulen Venezuela gegenüber zu seinem Rechte zu gelangen. Aber Venezuela wußte, daß es sich schon etwas herausnehmen durste, da die nordamerikanische Union, in eifersüchtiger Wahrung der Monroedoktrin der südamerikanischen Republik jeden nur möglichen Vorschub leistete. Sobald die Unionregierung von der Willensmeinung des deutschen Reichskanzlers, die in der erwähnten Denkschrift an den Reichstag niedergelegt ist, Kenntnis erhalten hatte, ernannte sie, und zwar bereits am 12. Dezember, Bowen zum Bevollmächtigten Venezuelas. Indem die Negierung der Vereinigten Staaten einen Bürger des eigenen Landes mit der Vertretung des hartnäckigen Venezuela betraute, bewies sie schon, daß für sie die venezolanische Frage ein ganz besonderes Interesse besitze. Da es sich um nichts anderes als eine Schuldeintreibun i handelte, da England gerade so wie Deutschland, beide hatten schon im November eine gemeinsame Flottenkundgebung angedroht, ausdrücklich und feierlich erklärt hatten, sie wollten weder der Unabhängigkeit des Freistaats zu nahe treten, noch seine inneren Einrichtungen angreifen oder gar Gebietserwerbungen machen. Beide Mächte hatten im Gegenteil ausdrücklich und eindringlich erklärt, daß Venezuela so wenig wie möglich bedrängt werden solle, da man hoffte, Präsident Castro werde Einsicht genug besitzen, um auch auf einen gelinden Druck zu reagieren. Castro dachte aber garnicht daran, Vernunft anzunehmen. Auch das Bombardement von Puerto Cabello und die wenige Tage darauf, am 20. Dezember, beschlossene Blockade der venezolanischen Häfen durch englische und deutsche Kriegsschiffe dämpfte seinen Trotz und Hochmut nicht.
Im Mai dieses Jahres ist die Amtszeit Castros abgelaufen, ihn wiederzuwählen haben die Venezolaner keine Veranlassung. Hätte man mit der Schuldeintreibung bis zur Regierungs-
«Nachdruck verboten.)
Schloß Schönfeld.
Roman von B. C o r o n tz.
tFortsehnua.)
„Na, ja, schon wieder aus dem Häuschen. „Regen Sie sich nicht auf," das ist leicht gesagt. Wollten Sie mich nur auch belehren, wie man eS anfängt, sich nicht aufzuregen, wenn der Aerger garnicht abreißt. Ich bin nun einmal so ein unglücklicher Mensch, dem alles wider den Strich geht. Meine Kinder! — Keinen Funken von Liebe besitzen sie für ihren kranken, elenden Vater. Keine Stunde will mir der Martin opfern. Immer unterwegs, immer in lustiger Gesellschaft und immer daS Geld — mein sauer verdientes Geld — ausgestreut wie die Hobelspäne. Da bleibe ein anderer ruhig dabei? — Aber die sollen sich wundern! Ich hinterlaffe alles wohltätigen Stiftungen. Nicht einen Pfennig mehr als den Pflichtteil kriegen die Kinder. Morgen fahre ich nach O . . . zum Notar."
„Nun ja, Herr Oertel, das ist Ihre Sache. Aber Sie bereiten sich durch dieses Toben eine böse Nacht. Nehmen Sie etwas Beruhigendes und dann zu Bett gegangen! Es ist mir sehr unlieb, daß die Schwester weggeschickt wurde. Lassen Sie doch jemand im Nebenzimmer wachen."
„Ich brauche Keinen und kann das dumme, neugierige Anstarren nicht leiden. Die Dienstboten find alle bezahlte Feinde."
zeit des neuen Präsidenten gewartet, wäre man vielleicht auf geringeren Widerstand gestoßen, denn Castro persönlich war Hemmschuh und Hindernis einer glatten Abwickelung der Angelegenheit. Andererseits lag auch der Gedanke der Erhebung neuer Schwierigkeiten vor, wenn man die Schuldforderung bis zum nächsten Präsidentenwechsel hinausgeschoben hätte. Erklärte doch bereits Castro, daß er für die vor seiner Amtsperiode eingegangenen Verpflichtungen Venezuelas keinerlei Verantwortung übernehme, daß ihn diese Verpachtungen gar- nichts angingen. Schließlich wär.- es noch zum System der venezolanischen Republik geworden, Schulden durch den Präfidentenwechsel zu begleichen. Da war es tatsächlich ein Gebot der Selbstachtung, schleunigst zuzugreifen.
War die Aktion gegen Venezuela zur Schuldeintreibung nun auch weder ein Heldenstück noch eine Leistung, auf die unsere Marine irgendwelchen besonderen Wert legt, so berechtigte sie doch die Blockademächte, denen sich später noch Italien hinzugesellte, durchaus zur Geltendmachung von Vorrechtsforderungen, die allen drei zu gemeinsamer Aktion verbunden gewesenen Mächten ja auch zuerkannt worden sind. Aber wie lange hat es gedauert, bis diese fast selbstverständliche Zusicherung erfolgte.
Die Dauer der Aktion wird noch , eine Rolle bei dem Nachtragsetat spielen, der die Forderung zur Kostendeckung der venezolanischen Expedition enthält und dem Reichstage noch in dieser Session vorgelegt werden wird. Man darf aus die Höhe dieser Kosten gespannt sein, obschon bei der verhältnismäßigen Kürze der Expeditionszeit und der geringfügigen Anzahl der zur Verwendung gelangten Marinetruppen sie nicht besonders beträchtlich sein kann.
Umschau.
Preußisches Landesökonomiekollegium.
In Gegenwart des Landwirtschaftsministers v. Podbielski trat gestern in Berlin unter dem Vorsitze des Grafen Schwerin-Lowitz das Landes- ökonomie-Kollegium zu einer Tagung zusammen.
Minister v. Podbielski wies in seiner Ansprache auf die Notwendigkeit hin, daß die Landwirtschaft der Erteilung der Patente ihre Aufmerksamkeit zuwende, damit bei ungerechtfertigten Patenten, die den Landwirten sehr schaden können, rechtzeitig Einspruch erhoben wird. Weiter seien Einrichtungen nötig, um den kleinen Mann allenthalben von den Preisnotierungen für Getreide und Fleisch zu unterrichten. Das ländliche Schulwesen werde mit Recht als mangelhaft hingestellt. Das ganze landwirtschaftliche Schulwesen müsse einheitlich ausgebaut werden. Fortdauernd müsse an der Verbesserung der Beförderungsmittel gearbeitet und es dürfe dabei nicht zu ängstlich auf die Kosten gesehen werden. Zum Schluß betont der Minister die Wichtigkeit der Beschaff-
„Jch dachte, Jette wäre eine sehr ordentliche Person."
„Ordentlich? Wer ist denn das? Sind Sie vertrauensselig, Herr Doktor! Jeder macht lange Finger, wenn die Gelegenheit günstig ist, und hier liegt gar viel herum, was in alle Taschen paßt. Ueberdies schläft daö alte Murmeltier ein, wo es geht und steht. — Aber frisches Waffer kann sie mir bringen, wenn Sie's gütigst bestellen wollen."
Der Arzt nickte und entfernte sich. Jette brachte bald daraus das Verlangte und fragte, ob sie das Fenster schließen solle.
„Werd's schon selbst besorgen," erwiderte Oertel barsch. „Stell' das Glas dorthin!"
„Soll ich 25 Tropfen abzählen?"
„Nein, das tu’ ich allein. Ihr wüßtet mich ja doch alle lieber unter der Erde und könntet beim Zählen ausrutschen."
„Du Grundgütiger!"
„Hinaus!"
„Wer zwanzig Jahre treu gedient hat, Herr Oertel, braucht sich so was nicht sagen zu lasten."
„Hinaus, alte Plaudertasche, oder —" Erschrocken gehorchte sie. Die Türe wurde wie gewöhnlich hinter ihr abgesperrt. Der Schneidemüller setzte sich noch ans Fenster und blickte hinaus. Die Nacht war wunderschön. Lau und duftend kam die Luft gezogen.
Bei dem blassen Flimmern des Mondes war eS Oertel plötzlich, als sähe er jemand hinter eine Baumgruppe schlüpfen. Er neigte sich aus dem niedrig gelegenen Fenster und rief:
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
JE 48
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
Marburg
'^nsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Mittwoch, 18. Februar 1903, Rcelamen: dl« Zelle 25 Pfg. “e O
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Loh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg?
ung besten Saatguts, das sich meist besser bezahlt mache, als alle möglichen Meliorationen.
Es wurde darauf ein Antrag des Oekonomie- rats Ring-Düppel zur Beratung gestellt, in dem das Kollegium erklärt: 1. Der Erlaß vom 9. Juli 1900 über die Bildung von NotierungS- kommissionen für Schlachtvieh ist nicht geeignet gewesen, die Derhältniste im Notierungswesen an den Schlachtviehmärkten wesentlich zu verbessern. Der weitaus größte Teil der Preisnotierungen ist auch heute noch unzutreffend. 2. Eine genaue Preisnotierung ist nur möglich, wenn a) auf gesetzlichem Wege der Schlußnotenzwang und der Deklarationszwang auf den Viehhöfen eingeführt und b) entweder der Handel nach Lebendgewicht oder mindestens ein allgemeiner Wiegezwang gefetzlich vorgeschrieben wird. Korreferent Graf zu Rantzau-Rastorf stellte folgenden Zusatzantrag: Von dem Schlußnoten- und Deklarationszwang kann der zuständige Oberpräfident auf Antrag des Vorstandes der betr. Landwirtschaftskammer in geeigneten Fällen ausnahmsweise dispensieren. Beide Anträge zeitigten eine lebhafte Debatte, in der der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, Geheimer Oberregierungsrat Dr. Müller ausführte, daß die in dem Antrag ausgesprochenen Forderungen an sich durchaus berechtigt seien. Der Entwurf einer Mast- und Gewichtsordnung, der int Reichsamt des Innern vorbereitet wird, bestimmt, daß bestimmte Waren nur nach Gewicht verkauft werden dürfen.
Die Anträge werden angenommen. Nach einer Pause gelangt folgender Antrag der Landwirtschaftskammer Hannover zur Besprechung:
Die Staatsregierung ist zu ersuchen, die Vorlage eines das Fideikommißwesen neuregelnden Gesetzes tunlichst zu beschleunigen. Geh. Rat Dr. Stoltmann vom Landwirtschaftsministerium teilt mit, daß ein entsprechender Entwurf nahezu fertiggestellt sei. Prof. Sering-Berlin empfiehlt, bei der beabsichtigten Reform besonders darauf zu achten, daß die Fideikommißgesetzgebung nicht die Latifundienbildung begünstige. Außerdem dürfe das Land nicht nach irischem Muster Anlagewert für städtischen Reichtum werden. Der Antrag wurde gegen eine Stimm; angenommen.
Schließlich gelangt ein Antrag des Generalsekretärs Dr. Jürgens zur Annahme, in dem die Regierung ersucht wird, dahin zu wirken, daß diejenigen mit unseren Vertragsstaaten vereinbarten Ausnahmetarife aufgehoben werden, welche infolge Sondervergünstigungen einseitig die Getreideeinfuhr verbilligen, ohne dem inländischen Getreide zugute zu kommen.
Reichstagsdiäten.
Der Ruf nach Diäten wird im deutschen Reichstage immer dringender. Nach Erledigung der Zollverträge ist die Beschlußunfähigkeit im Reichstage zu einem so verhärteten chronischen Nebel geworden, daß für dessen Beseitigung von den Parteiführern vergeblich
„Bist Du es, Martin?"
Niemand antwortete. Nur ein großer Vogel flatterte aus dem Gezweig und mit schwerfälligem Flügelschlag nach dem Walde hinüber. Dann regte und rührte sich nichts mehr. Es mußte Einbildung gewesen sein.
Im Haus war alles zur Ruhe gegangen und Martin kam noch immer nicht. Den würde man wohl, wie immer, erst sehen, wenn die Sonne hoch am Himmel stand.
„Schon recht, schon ,recht!" murmelte bet Schneidemüller ingrimmig. „Da tu' nur einer was für feine Kinder! — Aber freut Euch! Es ist noch nicht aller Tage abend."
Er wischte sich mit der plumpen Hand über die Augen. Es war ihm wirklich furchtbar weh und bang um das sonst so gefühllose Herz. Wie jähe Todesahnung, wie das eisige Erschauern vor dem offenen Grabe kam es über ihn.
Aber Oertel war nicht der Mann, sich lange solchen Empfindungen hinzugeben. Er erhob drohend die Faust und rief, als könne ihn jemand hören:
„So weit sind wir noch lange nicht. Da könnt Ihr Euch nur aufs Warten verlegen.--
Aber ich muß schlafen — schlafen."
Sorgfältig zählte er fünfundzwanzig Tropfen ab und schüttete den Inhalt des Löffels weg, als etwas mehr ans dem Fläschchen herauS- floß. Von neuem begann das Zählen. — „So, jetzt!"
Das nun ganz vorschriftsmäßige Schlafmittel wurde eingenommen. Aber der Schneidemüller
angekämpft wird. Auch die eindringlichsten Mahnungen an die Mitglieder, namentlich bie ber süddeutschen Bundesstaaten, zahlreicher zu erscheinen, wenigstens aber zur Durchdringung eines Schlußantrags über die endlosen Debatten zum Etat des Reichsamts des Innern hilfreiche Hand zu bieten, sind bisher ergebnislos gewesen.' Es ist nicht ausgeschlossen, daß den ausge- toenbeten Bemühungen ber Lohn zu teil wird, daß am heutigen Dienstag die notwendigen 199 Abgeordneten zugegen find, um den Schluß der Debatten über das Reichsamt des Innern herbeizuführen. Das ist einmal aber noch nicht gewiß und umS andere würde der Zustand bet Beschlußfähigkeit tatsächlich auch noch nicht die Lebensdauer von 24 Stunden erreichen. ®te Herren, welche nur zur Abstimmung kamen, würden nach deren Erledigung alsbald wieder verschwinden, und sofort beim nächsten EtatS- abschnitt würde daS alte Lied nur in veränderter Tonlage aufs neue beginnen. Ja, die Gerüchte wollen nicht zum Schweigen kommen, daß die der Reichshauptstadt ferner wohnenden Abgeordneten geflissentlich auf die Teilnahme an den Verhandlungen verzichten, um durch ihre beständige Abwesenheit die Notwe'-''"keit der D'ätengewährung recht nadjbrüdhcy zu begründen. Wie man weiß, hält ber Reichskanzler Graf Bülow persönlich bie Forderung von Diäten für gerechtfertigt, auch eine Anzahl ber Bundesfürsten ist ber Forderung geneigt, bie Mehrheit ber letzteren aber trägt noch Bedenken, bie durch bie ungünstige Finanzlage des Reichs natürlich nicht gemildert, sondern nur noch verschärft werden. Auch als ein Hemmschuh für den Eintritt von Sozialdemokraten in den Reichstag hat sich die Diätenlosigkeit nicht erwiesen, ebenso kann sie in Zukunft als ein wirksames Mittel zur Eindämmung der sozialdemokratischen Nachflut nicht betrachtet werden. Dagegen hat die Diätenlosigkeit außer der chronischen Beschlußunfähigkeit noch ein anderes Leiden zur Folge, nämlich bas, baß viel zu viel Berufsparlamentarier und viel zu wenig Vertreter des werktätigen praktischen Lebens in den Reichstag eintreten. Auch würben bie Sessionen, wenn burch bie Diätengewährung Beschlußfähigkeit des Hauses gesichert würbe, in Zukunft einen wesentlich kürzeren Verlauf nehmen. Die gewaltige Ansbehnung ber Sessionen im letzten Jahrzehnt ist ein offenbarer Uebelstand. Das Gewicht ber Gründe, bie bie Diätengewährung an bie Reichßtagsmitglieber angezeigt, ja not* toenbig erscheinen lassen, ist jedenfalls ein b starkes, baß die Wahrscheinlichkeit, schon bie kommende Legislaturperiode werde bie Lösung ber Diätenfrage im positiven Sinne bringen, eine ziemlich große ist.
Prinzessin Luise.
In Sachen der sächsischen Ehescheidung be* (tätigt die „Köln. Volksztg." die Meldung de» „Fränkischen Kuriers", daß ber Kronprinz selbst sich nach der Vertagung vom 28. Januar entschlossen hat, die bürgerliche Ehescheidung und
fühfte eine seltsame Beängstigung. Deshalb legte er sich noch nicht hin, sondern blieb auf dem Stuhle fitzen und starrte die Uhr an.
„Ticktack — ticktack!" machte sie immer und der Zeiger rückte so langsam vorwärts. —1 Andern mochte die Zeit schon schneller vergehen. Der Martin spielte, lachte und trank jetzt wahrscheinlich. — Na — bas Lachen würde er wohl demnächst verlernen.
Im Walde drüben schrie ein Käuzchen und im Dorfe heulten die Hunde. Wie häßlich das klang! Oertel blickte sich scheu uw. In den Ecken schien sich die Dunkelheit zu verdichten und bestimmte Formen anzunehmen. Dem Schneidemüller kam es vor, als stehe in jedem Winkel eine schattenhafte Gestalt, als nickten ihm aus dem Spiegel höhnisch grinsende Fratzen zu.
ES war doch unheimlich so allein und er hätte am Ende die Schwester lieber behalten sollen.
Einen Augenblick kam ihm die Idee, Jette oder sonst jemand von der Dienerschaft zu rufen. Er gab aber den Gedanken gleich wieder auf. Die würben ja boch nur hier herumstöbern und morgen über den alten Narren lachen, der sich vor ber Finsternis fürchtete wie ein kleines Kmd.
Den Kopf in bie Hände gestützt blieb et sitzen, bis das Opiat zu wirken anfing, strelfte dann hastig die Kleiber ab und sank auf fein Lager. Die Lider wurden ihm so schwer, als drücke sie ein Bleigewicht zu.
(Fortsetzung folgt)