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lNachdruck verboten.)

brachte keine Kühlung. Während Martin weiter hastete, mußte er sich wiederholt die schweiß­bedeckte Stirn trocknen.

Da fiel sein Blick auf eine Holztafel mit der Aufschrift:Nach dem Lindenhof".

Wer bergab über einen schmalen Weg durch daS Kleefeld ging, konnte den rückwärtigen Eingang zur Wirtschaft benutzen.

So tat der Ermüdete und Durstige. Er setzte sich in eine der dicht am Felde stehenden Lauben und winkte dem kleinen Kellner ihm einen kühlen Trunk zu bringen.

Gäste waren nicht anwesend, denn aller wanderte nach G ... Martin wollte fich nicht übereilen. Der eigentliche Spaß ging ja doch erst später loS.

Bon der Dorfstraße aus trat jetzt jemand in das Gärtchen, ein nicht mehr junger Mann von robustem Körperbau und mit schon leicht er­grautem Haar und Bart.

Ohne Oertel zu bemerken, nahm er in der anstoßenden Laube Platz, die schwarze Leder­tasche und den auS Eichenholz geschnitzten Stock neben fich legend.

Wo habe ich wohl den schon gesehen?' dachte Martin und plötzlich fiel eS ihm ein. Das war ja der Mensch, welcher schon einmal, und zwar an Gertruds Hochzeitsmorgen, den Schneidemüller durch sein feindliches Anstarren erschreckte. Aermlich genug sah er aus, aber doch nicht wie ein Bettler oder wie ein Vagabund.

Der Fremde pochte auf den Tifch. Statt des Kellnerburschen, den man eben in einen ziemlich entfernten Laden geschickt hatte, kam der Wirt, erkundigte fich, was zu Diensten stehe und brachte dann einen Krug schäumenden Bieres.

befand, aber nicht im nüchternen Zustand. Die anderen trieben ihren Spott mit ihm und lachten als er hin und her schwankte, mit lallender Stimme sein schweres Geschick und des Schneidemüllers Hartherzigkeit und Geiz ver­wünschend.

Olschmann wandte fich voll Ekel ab und sagte:Ehrliche Arbeiter sollten sich schämen, den lüderlichen Menschen mit Branntwein trunken zu machen."

S' ist ein armer Kerl, Herr Förster. Da geben wir ihm eben ein Stück Brot und einen Schluck Schnaps und haben unseren Spaß an seinem dummen Geschwätz.'

Rohes Volk!" murmelte Kurt vor fich hin, während er tiefer in den Forst hineinschritt. Würziger Hauch stieg aus dem mit Tannen­nadeln besäten Boden auf. Der Anfang Juni hatte eine Glutatmosphäre mitgebracht, wie sie sonst nur dem August eigen zu sein pflegt.

Ein Mann kam des Wegs daher und grüßte den Förster mit höhnischer Unterwürfigkeit, trollte aber schleunigst weiter, als dieser stehen blieb und ihn scharf inS Auge faßte.

ES war Martin Oertel, erhitzt und ermüdet. Er wollte nach G. . . . hinüber, wo ein Volks­fest abgehalten wurde und wo q8 was zu lachen gab über aufgeputzte Bauerndirnen und die Bauernburschen, die fich einen ganzen Kram­laden bunter Bänder und Mützen an Schultern hingen.

Mit dem Alten daheim, der fich seit Wochen etwa- beffer fühlte, hatte es wieder einen harten Strauß gegeben. Die Erregung brannte dem Sohn des Schneidemüllers noch in allen Gliedern. Die Lust wehte auch so schwül, als ströme sie aus einem überheizten Backofen und der Abend

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage«. Sonnabends in Morgen- und Mend-AuSgabe. Druck und Berlag: Zoh. Aug. Loch, Univerfitäts - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Wie geht's, Herr Niederhofer?' fragte der Gast.Ich dächte, die Wirtschaft hätte früher mehr eingebracht und es wäre auch noch eia größeres Grundstück dabei gewesen.'

Allerdings. DaS ist verkauft.'

Verkauft?'

Ja, lieber Himmel, sehen Sie, die leidige Konkurrenz! Einer reißt dem andern das Brot vom Mund. Die Restaurants schießen wie die Pilze au8 der Erde hervor, und seit meine Frau tot ist, da fehlt's an der richtigen Aufsicht. Ja, die Babette, die hat ja gewußt, wie man seine paar Groschen zufammenhält. DaS muß ihr der ärgste Feind nachsagen. Eine sparsame Hausfrau war sie.'

DaS stimmt. Sie hätte keinem Verhungern­den ein Stück Brot abgeschnitten.'

Darüber gab's oft Streit und Zank zwischen unS. Aber am Ende hat sie recht gehabt, immer über meine dumme Gutmütigkeit zu schelten. Was hab' ich denn jetzt davon? Die Wirtschaft ist zurückgegangen, weil mir jeder auf der Nase herumtanzt. Ach, du Grund- gütiger, soll sich nur keiner einbilden, daß Wohltun Segen bringt.'

Nein. Habsucht und Herzlosigkeit bringen mehr ein. DaS sieht man ja bei dem Schneide­müller Oertel. Der hat wahrlich noch keinem Menschen wohlgetan, lebt aber im Sau» und BrauS.'

Soffen Sie'S gut sein! Er ist ein armer, elender totkranker Mann.'

So?"

Na, daS weiß doch jedes Kind. Er kann fich kaum rühren. Das rechte Bein will gar nicht mehr mit und die Lunge ist hin.

(Fortsetzung folgt.)

Marburg

Freitag, 13. Februar 1903.

Umschau.

DaS Ende der Eheirrung.

Wie wir gestern abend noch durch Extra­blatt mitteilen konnten, wurde um 425 Uhr durch königliche Ordre daS Urtel im sächsischen Eheirrungsprozeß veröffentlicht. Danach ist die Ehe des Kroprinzenpaares wegen Ehebruchs der bisherigen Kronprinzessin mit dem Sprachlehrer Giro» vom Bande, d. h. völlig geschieden und die Beklagte für den schuldigen Teil erklärt worden. In der zeitweiligen Trennung der Prinzessin von Giron sowie in der Aufnahme der Prinzessin in eine Nervenheilanstalt hat der Gerichtshof ein neues Faktum nicht zu erkennen vermocht, waS aus dem Umstande hervorgeht, daß er einen Vertagungsantrag der Anwälte der Prinzessin ablehnte und die Verhandlung vornahm. Bei dieser Stellungnahme deS Ge­richtshofes, die jeder Einsichtige als durchaus

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei oflen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

/*»fertionSgrbühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: di« Zeile 25 Pfg.

richtig ansehen wird, konnte über die Tendenz deS Urteils schlechterdings kein Zweifel obwalten. Der Gerichthof mußte auf Ehescheidung er­kennen.

Im Einzelnen wird folgendes mit «et eilt: Der Gerichtshof trat unter dem Vorsitz deS OberlandeSgerichtS - Präsidenten Lößnitzer um 10 Uhr vormittags zusammen. Die Oefientlichkeit war von Anfang an auSgefchlofien, da fich der Termin nur als eine Fortsetzung deS ersten dar­stellte. Bon Zeugen warm nur noch zwei ge­laden worden, nämlich der bereits früher ver­nommene Kriminalkommiffar Schwarz, der die Prinzessin während ihres Aufenthalte« in Genf beobachtet hatte, sowie ein Kammerdiener NamenS Ranitsch.

Um 12 Uhr zog fich der Gerichtshof zurück, um über den von den Anwälten der bisherigen Kronprinzessin gestellten VettagungSanttag Be­schluß zu faffen. Diese Beratung dauette drei viertel Stunden. Alsdann wurde eine Pause gemacht und die Beratung bald nach zwei Uhr wieder ausgenommen. Der BettagungSantrag war alsö" abgelehnt worden. Wozu hätte auch eine nochmalige Vettagung dienen sollen? Liegt eS doch im allseittgen Interesse der Beteiligten, daß daS traurige Drama recht schnell wenigstens seinen gerichtlichen Schluß findet. $tit der Prinzessin von Toskana wird fich das sächsische Volk leichter abfinden, nachdem diese nicht mehr die Gemahlin des sächfischen Kronprinzen ist. Der Anwalt der Prinzessin Dr. Zehme er- klätte einem Vertreter desWiener Fremdenbl.', daß die Prinzessin nach Ablehnung ihrer Bitte den erkrankten Prinzen Friedrich Christian zu sehen, den Beschluß faßte, daS Sanatorium dis Maierai" aufzusuchen, um Ruhe zu finden. Auch der Anwalt erklärte aufs bestimmteste, daß die Gerüchte, Giron sei durch eine namhafte Geldsumme Seitens des sächfischen Hofes ver­anlaßt worden, die Prinzessin zu beitaffen, vollkommen aus der Luft gegriffen sei. Wenn der Dresdener Gerichtshof gemäß dem Anträge der Beklagten auf völlige Scheidung, die Scheidung vom Bande, erkannt hat, so mag auf seine Erwägungen die Meldung nicht ohne Einfluß geblieben fein, daß Giron noch im Laufe des gestrigen Tages wieder nach Genf zurückgekehrt ist, um die an­geblich endgültig abgebrochenen Beziehungen mit der Prinzessin wieder neu zu knüpfen. Wenn irgend etwas, so beweist diese Nachricht die völlige Haltlosigkeit der unglücklichen Frau, die der gestrige Tag in die Reihen der De­klassierten gestellt hat. Daß Luise von Toskana auch innerlich, nicht bloß äußerlich, in jene Reihen herabzufinken fähig ist, wenn nicht stärkere Hände sie festhalten sollten, hat ihr und ihres Entführers Benehmen unter der internationalen Halbwelt von Mentone und Monte Carlo bewiesen. Der Urteilsspruch

Schloß Schönset».

Roman von B. Coronv.

-Fortsetzung.)

Du sehnst Dich dorthin, wo Dir um meinet­willen die Türe verschloffen wurde. Vielleicht täte ich beffer, Euch allen aus dem Wege zu gehen und Dich noch jetzt ftei zu geben. Schon oft'

Sie verstummte plötzlich als er aufsprang und ihr zurief:

Ja, daS ist'«! Du möchtest fort aus dieser Waldeinsamkeit und fort von mir, weil Dein Sinn nach Anderem steht, weil dak, wa« für immer und ewig abgetan sein mußte, wieder neue Gewalt über Dich erlangt hat.'

Vergebens erhob sie abwehrend die Hand und wollte sprechen. Von Argwohn und Eifer­sucht beherrscht, ließ er sie nicht zu Wotte kommen. WaS sie geäußert hatte, schien ihm eine Bestättgung seiner schlimmsten Befürcht­ungen. Der Zorn, die zügellose Heftigkeit trieben ihn dazu, Gertrud mit Vorwürfen zu überhäufen und ihr die kränkendsten Anklagen in« Gesicht zu schleudern, bis fich ein Schrei grenzenloser Empörung ihren Lippen entrang, bis sie selbst mit höchster Leidenschaftlichkeit und Entrüstung wider den auftrotzte, der sie ohne Recht verdächtigte und beschimpfte.

Im Nebenzimmer stand Christine, die zittern­den Hände zusammenschlagend und drückte fich scheu hinter den großen Schrank in die Ecke, als der Förster jetzt die Türe aufriß, dröhnend Hinter sich zuwars und fotteilte.

Im Walde kam Kutt an einer Gruppe von Holzfällern vorbei, bei denen fich auch Ruppert

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.

halten haben, aber unter welche« Mühsalen, unter welchen Opfern an Geld und Leuten? Wie sehr ihnen daran lag, den Feldzug zu Ende zu bringen, ging au« der Mühe hervor, die Lord Kitchener fich gab, die Buren zur An­nahme des Frieden« zu bewegen. Und wie ein Ruf der Erleichterung Lang es auS allen Londoner Zeitungen, al« eS nun wirklich hieß: Hahn in Ruh'!" In der ersten Herzensfreude hätte man den bisherigen Gegnern um den HalS fallen mögen, dann aber kam die altbe­bekannte Krämer - Gefinnug wieder auf. Man machte die Versprechungen mit allerlei Redens­arten ab, legte den Buren neue und große Lasten aus und verlangte obendrein noch einen Handkuß.

DaS tomc rin zu starkes Stück, und Christia» Dewet hat nur ausgesprochen, WaS mit den Buren die gesamte Welt fühlle. WaS ver­sprochen ist» ward nicht gehalten, obendrein kommen noch finanzielle Lasten und hinterher der Vorwurf der Undankbarkeit! Nicht mit solchen Empfindungen, wie: Dankbarkeit und Anerkennung, haben die Buren in erster Reihe zu rechnen, obwohl sie wahrlich damit nicht gekargt haben würden, wenn alles gekommen wäre, wie es hätte kommen sollen, sie hatten ein Recht zu fordern! Und sie halten dies Recht und diese Forderungen unbedingt aufrecht, denn ihre Ehre ist dabei verpfändet.

Durch ganz Süd - Afrika aber wird jetzt der Ruf nach der Sicherung und der Verwirk­lichung der versprochenen Vorrechte erschallen, kein Gewehr soll von neuem geschultert werden, aber die Forderungen werden dröhnend an die britischen Ohren klingen. Es ist niemand ge­geben, in die Zukunst zu schauen, aber es ist auch nicht verwehrt, vieles für möglich zu halten.

Dewet's Reönnche.

Gr ist bekannt, wie der englische Kolonilck- Winister Chamberlain auf seiner südafrikanischen Rundreise in der Hauptstadt de« ehemaligen Vranjesreistaates, in Bloemfontein, mit dem ^»pulärsten, tatkräftigsten und erfolgreichsten chller früheren Burengenerale, mit Christian Dewet, einen heftigen Zusammenstoß gehabt MI "Mr schwarze Christian hat einen Epilog, em Nachwort zum Burenkriege, gegeben, das für ihn eine volle Revanche für die tm vorigen Frühjahr erfolgte Waffenstreckung, für den Allfieger" Chamberlain aber eine bittere Nieder­lage bedeutet. Christian Dewet hat drein ge­schlagen, als noch die Zeit de« Kampfes war, daß die Funken sprühten, er hat jetzt geredet, daß Herrn Chamberlain die Augen übergingen, daß chm nur Verlegenheitsworte in den Mund kamen. Und in London ist man auch verlegen geworden! Mit britischem Eigendünkel wird versucht, den überkommenen Eindruck zu ver­wischen, aber daS geht nicht so schnell, die Ent- nüchterung war zu groß gewesen!

E« wird in der nächsten Zeit nicht an Stimmen fehlen, die wiederholen, was Chamber- lein dem wackeren Vertreter des Burenvolkes gesagt, nämlich, daß die Buren undankbar seien. Aber diese matte Ausrede kann nicht stichhaltig genannt werden, vor allem war eS Dewet, der «in volles, ungeschminktes und nicht zu schmälerndes Recht hatte, so zu reden, wie er eS getan hat. Warum, woher er dies Recht hatte? DaS ist außerordentlich einfach. Christian Dewet ist s. Zt. nicht für den Friedensschluß gewesen, er hat bei den Friedens-Verhandlungen ausdrück­lich und zu wiederholten Malen erklärt, daß er recht wohl im Stande fei, den Feldzug mindestens noch drei viertel Jahre fortzusetzen, und er hat nur deshalb der Waffenstreckung zugestimmt, weil Louis Botha die Verhältniffe im Transvaal­lande unhaltbar nannte. Alle Buren-Vertreter waren für den Frieden aber nicht wegen der geschriebenen Friedensbedingungen, sondern wegen der ungeschriebenen Versicherungen, die Lord Kitchener machte. Diese Versicherungen deS Generals hat Chamberlein nicht eingehalten, er ging mit der kurzen Bemerkung darüber fort, daß die Zeiten nicht so seien, diese gemachten Erleichterungs-Versprechungen zu verwirklichen. Später könne es ja vielleicht geschehen. Wenn die Buren-Vertreter vor Friedensschluß diese Sprache gehört hätten, wer weiß, ob dann nicht die kampflustigen Elemente, mit Dewet an der Spitze, die Oberhand behalten hätten.

Chamberlain sprach von Undankbarkeit der Buren. Kann er nicht ebenso gut von Un- nkbarkeit der Engländer reden, muß er nicht .jyn reden? Die Briten würden wohl den diiieg noch weitere dreiviertel Jahre ausge-

wurde der Prinzessin, da Anwalt Lachenal einer GroßratSfitzung beiwohnte, durch Leopold Wölfling übermittelt, den Giron begleitet hat. Die Prinzessin hatte Giron telegraphisch zu fich berufen, angeblich auS Erregung darüber, daß daS Verlangen der Direttion der Anstalt um Ueberfendung der für den Aufenthalt der Prinzessin nötigen Papiere von Wien auS ab­gewiesen wurde. Die Prinzessin, die ihre Niederkunst in La Metairie abwatten will, soll den Urteilsspruch gefaßt entgegengenommen haben. DaS wundett uns nicht bei einer Frau, die so wenig ihre Schuld fühlt, daß sie angesichts deS über sie stattfindenden Gerichte« eine so erbärmliche Komödie wie die Trennung von Giron in Szene fetten konnte.

Sozialpolitischer Wettbewerb.

Wie alljährlich bei den Beratungen befl Etats des Reichsamts des Innern find auch diesmal die sozial-politischen Spezialisten de« Reichstages mit der Sozialdemokratie in einen unfruchtbaren Wettbewerb eingetreten. Es liegen von einzelnen Mitgliedern deS Zentrums und der Nationalliberalen, sowie von den, auS dem ödesten Manchestettume zu radikalsten Sozial­reformern gemauserten Wadelftrümpflern Anträge auf Festsetzung eines Maximalarbeitstages und auf Anerkennung der Berufsvereine bezw. un­beschränktes Koalitionsrecht der Arbeiter vor. Die Sozialdemokraten beeilten fich, in diese« Wettbewerb die Spitze zu nehmen und bean­tragten den allgemeinen Zehnstundentag, der in gesetzlich bestimmten Fristen auf den neun- bi« zum ersehnten achtstündigen Maximalarbeitstag hinauslanfen soll. Daß die ganze sozialpolitische Aktion ohne irgendwelches positives Ergebnis bleiben werde, konnten deren Unternehmer wohl vorauSsehen. ES wird nichts weiter erzielt werden, als eine Reihe langer Auseinander­setzungen über die Grenzen derwahren' Sozial­reform, und daß dabei die Sozialdemokraten alle übrigen Patteien überbieten werden, kann man schon jetzt als feststehend erachten. Läßt man sich erst auf einen Wettbewerb in. der Arbeiterfreundlichkeit' ein, so ist es ganz klar, daß schließlich immer die Sozialdemokraten in der Pose der einzigenentschiedenen" Arbeiter- freunde stehen; denn sie glänzen mit Forder­ungen, die niemals erfüllt werden können, mit denen fie aber bei dem Arbeiter bedenkliche Illusionen erwecken. Die Etatsberatungen, die durch jene Erörterungen sozialpolitischer Streit­fragen ganz unnötig belastet werden, dürsten diesmal noch langsamer fottschreiten als sonst. ES find nur roch etwa sieben Wochen zur Ver­fügung, um den Etat unter Dach zu bringen. Daß bei dem jetzigen Verhandlungstempo diese Zeit genügen werde, wird heute schon in allen parlamentarischen Kreisen bezweifelt.