■ . Ä-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
.HL 41
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 ML. bei all« Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
Marburg
10 *■ Mittwoch, 11. Februar 1903.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Marge»- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UniversitätS - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Die Heerschau des Bundes der Landwirte.
Der Bund der Landwirte hat gestern für seine Generalversammlung schlechter Wetter gehabt. Auf den Straßen Schmutz und Waffer- lachen, von den Wolken hernieder unaufhörlicher rieselnder Regen. Ganz Berlin steckte unter dem Regenschirm. Der Dersammlungstag der BllWler, bet sonst den dem Circus Busch, dem brkannt««-i»Kersammlungslokal, benachbarten Straßen sein eigenartiges Gepräge verleiht, entbehrte gestern dieses Eindrucks nach außen hin. Der Regenschirm verhüllte und verdeckte die charakteristischen Merkmale des Tages. Die S»bräunten, wetterfesten Gesichter der Landwirte, ,te markigen und kernigen Gestalten traten weniger in die Erscheinung, der Unterschied zwischen ihnen und den Großstädtern fiel nicht so in die Augen, wie gewöhnlich. Wenn aber infolge deS ungünstigen Wetters die zehnte Generalversammlung deS Bundes der Landwirte weniger stark nach außen hin bemerkbar ward, so steht die gestrige Kundgebung deS Bundes doch keiner der vorausgegangenen an Bedeutung nach. Im Gegenteil, der Verlauf der Versammlung entsprach durchaus nur den schon an sie geknüpften Erwartungen. Der Bund der Landwirte ist in der kurzen, erst zehnjährigen Zeit seines Bestehens zu einem Faktor in unfern politischen und wirtschaftlichen Leben geworden, mit dem die Parteien und die Regierungen gleichermaßen zu rechnen haben. Dieses Bewußtsein der Bundesmitglieder kam auch gestern wieder in der zehnten Generalversammlung deS Bundes der Landwirte zum Ausdruck, über die im Einzelnen daS Folgende mitzuteilen ist: Dieselbe war außerordentlich stark besucht. ES nahmen etwa 8000 Mitglieder des Bundes an den Verhandlungen teil. Damen waren diesmal nicht zugegen. Der erste Vorsitzende deS Bundes Reichs- und preußischer Landtagsabgeordneter Frhr. v. Wangenheim begrüßte die Erschienenen mit dem Hinweis auf den zehnjährigen Bestand deS Bundes. Redner warnt alsdann die Mitglieder des Bunde« vor der Anwendung allzufcharfer Worte in ihren Ausführungen und verheißt auch den Gegnern des Bundes Gehör, wenn solche sich zum Worte melden sollten. Die zehn Jahre, die der Bund nunmehr zurückgelegt habe, seien reich an Mühe und Arbeit gewesen. Im Laufe dieser Zeit hat eS der Bund erreicht, daß die wirtschaftspolitischen Fragen im Vordergründe jeder politischen Erörterung überhaupt stehen. DaS ist ein großer Erfolg, wenn der Bund in der Wirtschaftspolitik auch in Einzelheiten noch bei weitem nicht erreicht hat, was er erreichen muß und wird. Redner wendet sich dann der Zolltariffrage deS Genaueren zu und erklärt unter
61 «Nachdruck verboten.)
Schlsß Schönfeld.
Roman von B. Corony.
-Si «Fortsetzung.)
»Du hast ja eben ausgesprochen, daß ich hier zu viel bin, daß ich fort soll."
„So wie bisher weiter zu leben — ja, das scheint mir ausgeschloffen. Wir täuschten unS beide, Du, indem Du das Glück an meiner Seite zu finden glaubtest, ich — indem ich eine erträgliche Gestaltung der Derhältniffe für möglich hielt."
„Ah? — Da kann ich ja zu meinem Vater zurückkehren."
Katharina stieß diese Worte mit spöttischem Lachen hervor, aber ihr Herz krampfte sich zusammen, daß der Atem stockte.
. .Ich meine, es wird für mich daS beste sein, wenn wir unS ruhig und ohne Feindschaft trennen."
Sie lachte wieder schneidend auf, trat vor den Spiegel und zupfte mit nervös zitternden Fingern an ihrem rotblonden Haar herum. „Natürlich, Du hast ja geerbt und kannst Schönfeld frei machen. Nicht wahr, jetzt möchtest Du am liebsten mir und dem Vater jeden Pfennig vor die Füße werfen? Das ist unser Dank! — Aber —" das hohnvolle Lächeln wich einem Ausdruck unbezähmbaren Zornes, „aber Dir, Deiner Mutter, Euch allen zum Trotz bleibe ich, was ich bin: Die Gutsherrin von Schönfeld» die Baronin v. Meinau. Von mir wirst Du Dich eben so wenig befreien, wie von Deinem Schatten. Ich wollte, daß ich Dir niemals vor den Altar gefolgt wäre, aber es A mm einmal geschehen und jetzt verlaffe ich
dem lebhaften Beifall der Versammelten die Annahme des Antrags Kardorff durch den Reichstag für ein nationales Unglück. Die deutsche Landwirtschaft hatte ihr Ziel erreicht, wenn sie vielfach nicht doch lau und lässig gewesen wäre. Die verbündeten Regierungen fördern die großkapitalistischen Unternehmungen in Handel und Industrie und widmen der Arbeiterschaft, speziell der industriellen Arbeiterschaft weitgehende Fürsorge. Sie vernachlässigen darüber den Mittelstand, der auf der Landwirtschaft beruht. Wir glaubten, das würde anders werden, wir glaubten dem Worte des Reichskanzlers: „Wir werden, muffen und wollen der deutschen Landwirtschaft helfen," vertrauen zu dürfen. Und jetzt?
Graf Posadowskh erklärte dieser Tage erst im Reichstag, die deutsche Landwirtschaft sei numerisch so stark zurückgegangen, daß sie nicht mehr den Anspruch erheben könne, daß ihre Interessen besonders kräftig berücksichtigt würden. Deutsch sein, heißt Charakter haben und die Wahrheit sprechen. So muffen wir denn sagen, daß wir jetzt kein Vertrauen mehr zu der Regierung haben. Die deutsche Landwirtschaft macht unbestritten Fortschritte wie in keinem anderen Lande. Es giebt aber auch hier eine Grenze. Die deutsche Landwirtschaft kann nur im staatserhaltenden Sinne arbeiten, sie müßte zur politischen Lüge werden, wollte sie jemals anders handeln. Aber dasselbe Recht wie jedem anderen Stande, die jeweilige Regierung in ihren Anschauungen und Forderungen zu bekämpfen, steht auch dem Bunde der Landwirte zu. Mit einem Hoch auf den Kaiser schließt Redner seine vom lebhaftesten Beifall aufgenommene Rede. Darauf ergriff der zweite Vorsitzende des Bundes Dr. Roeficke das Wort. Er wendet sich nach einem Rückblick auf die Aera Caprivi - Hohenlohe - Miquel gegen den Reichskanzler Grafen Bülow. Graf Bülow fei nicht der Prinz geworden, der die deutsche Landwirtschaft in den Ballsaal geführt habe. Mit Bülow find wir angelangt beim § 11: Die Handelsverträge werden weiter fortgesetzt. Redner gedenkt des Fürsten Bismarck, der zwar dem Bunde nicht angehört habe, gleichwohl aber das Größte für die Landwirtschaft geleistet habe. Auch anderer Förderer der Landwirtschaft, des alten Ploetz und des kleinen Ruprecht- Rensen gedenkt er. Die nächsten Reichstagswahlen würden zeigen, daß der Bund der Landwirte seine Kraft kennt, sie sollen zeigen, daß sich die Bündler aller ihrer Kraft bewußt find und zielbewußt dahin streben, eine genügende Zahl solcher Vertreter in die Parlamente zu bekommen, die bereit find, auS rein fachlicher Ueberzeugung für das einzutreten, was sie als daS Richtige erkannt haben. Wer so arbeitet, arbeitet nicht materiell, sondern ideal;
dieses Haus nicht, man müßte mich denn im Sarge, unter einer wappengeschmückten Decke hinaustragen. So — da hast Du meine Antwort ! Und noch eins! Ich gebe es nicht länger zu, daß man mich wie bisher bei Seite schiebt. Du hättest mit wohl mehr Ansehen Deinen StandeSgenoffen gegenüber verschaffen können, wäre eS nur Dein fester Wille gewesen. Allein Du und meine Schwiegermutter, Ihr suchtet förmlich etwas darin, jedem zu zeigen: „Sie ist uns unwillkommen. Sie paßt nicht zu uns." Gut! Ich bin dieser Zurücksetzungen überdrüssig geworden. Vor der HerzenSeinsamkeit kann ich mich nicht retten, will mich aber wenigstens bemühen, sie zu vergessen und nicht mehr die geduldige, vernachlässigte Frau spielen."
„Was verstehst Du darunter?"
„Daß ich den fast gänzlich abgebrochenen Verkehr mit meinen Penfionsfreundinnen und deren Angehörigen erneuern werde. Du brauchst nicht so verächtlich mit den Achseln zu zucken. Viele darunter führen weit vornehmere Namen, als der ganze bornierte Landadel von F... und O... aufzuweifen hat. In g«ßen Städten herrscht überhaupt gar kein so kleinlicher Kastengeist. Ich werde reisen, Gäste empfangen, Feste geben und —"
„Tue, was Dir beliebt," unterbrach er sie mit frostiger Gleichgültigkeit. „Der rechte Flügel deS Herrenhauses steht Dir zu Deiner Verfügung. Aber beachte genau die Grenze, die Dir mS meiner Gemahlin gezogen ist, denn ich würde auch den geringsten Uebergriff nicht dulden."
„Die Warnung ist unnötig. Ich weiß ja, wie willkommen Dir jeder Vorwand wärt die Unbequeme abzuschütteln."
denn daS höchste Gut ist die Erhaltung des Vaterlands. Darauf erstattet Abgeordneter Dr. Diedrich Hahn, der DireÜor des Bundes der Landwirte, den Geschäftsbericht. Einen Mgliederzuwuchs hat der Bund im Berichtsjahre nicht erfahren, er zählt wie im Vorjahre rund 250 000 Mtglieder. Da der Jahresbeitrag verdoppelt wurde, wird die Er» Haltung deS alten Bestandes jedoch schon als etwas Erfreuliches angesehen. Von den 25 000 Großgrundbesitzern gehören dem Bunde nur 8 % an. Von den Bundesmitgliedern wohnen östlich der Elbe 111500, westlich der Elbe 138500. Etwa 50 Wanderredner haben im Verlauf des Jahres 6217 Versammlungen abgehalten. Seinen Zahlenangaben fügte Redner noch einige temparamentvolle politisch- Aeußerungen hinzu. Redner verwechselt im Eingang seiner Bemerkungen Bülow wiederholt mit Caprivi und entschuldigt diese Verwechselungen damit, daß sich beide Kanzler immer ähnlicher würden. Geben Sie Ihr Bot um hier ab über den Antrag Kardorff. Alle Anwesende rufen: .Dagem",dafür erhoben sichnur 6 Herren. Wir müsse' -matpolitik treiben, erklärt Redner, denn bic hgierung tut es nicht, sie sorgt mehr für den Srport als für den Jn- landsabsatz. Graf Bülow und seine Minister trieben unsere Politik auf ben Erdemund herum bis in alle Sackgaflen. Da die Minister bei den erforderlichen Maßnahmen versagten, so müfle der Bund schärfere Politik treiben, um dem Vaterlande die Monarchie zu erhalten. Nach dem Hurra! auf den Bund der Landwirte referierte Herr Stauffer-Obersülzen und v. Oldenburg Januschau über ben Zolltarif. An der Diskussion beteiligten sich die Herrn v. Bodelfchwingh, Wundt und b, Kroecher. Nachdem noch die zahlreich eingelaufenen Begrüßungstelegramme verlesen worden waren, schloß Frhr. v. Wangenheim die Sitzung mit einem Hoch auf den Bund der Landwirte.
Umschau.
Prinzessin Luise.
Die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen ist auf dem besten Wege, das Maß von Mitleid, das man bisher mit der von der Leidenschaft auf die schiefe Ebene gedrängten Fran noch hier und da haben mochte, auf ein Minimum zu reduzieren. Wie der „Dresdener Anz." schreibt, ist es nach Ansicht maßgebender Kreise offenbar, daß die letzten Schritte der Kronprinzessin nur unternommen wurden, um dem Hofe Verlegenheiten zu bereiten und den Gang deS bevorstehenden Prozesses zu beeinflußen. Man ist sich an maßgebender Stelle recht wohl bewußt, daß die Rechtslage durch nichts mehr
„Ein Wortkampf mit Frauen deinesgleichen führt nie zur Verständigung. Suchen wir uns also beide mit den Verhältnissen abzufinden, so gut eS eben geht. Deine Gemächer habe ich heute zum letzten Male betreten."
Jäher Schmerz und die Furcht zu weit gegangen zu fein, übermannten Katharina. Wie einst in der Villa des Vaters, so eilte sie auch jetzt Victor nach und rief ihn mit neu ausbrechender Zärtlichkeit und liebender Angst. Doch er überhörte den Ruf, oder wollte ihn überhören.
Da kehrte sie schwankend in ihr luxuriöses Boudoir zurück und stöhnte, die Hände in dem üppigen Haar vergrabend: „O Gott, wie elend, wie namenlos elend bin ich!"
16.
Herr und Frau von Meinau gingen von nun an ihre gesonderten Wege. Blieben die Verhältnisse auch nach außen hin unverändert, so war es doch bald niemand ein Geheimnis mehr, daß der innere Zwiespalt seinen Höhepunkt erreicht hatte, daß nur die Form noch aufrecht erhalten wurde.
Victor vermied eS, feiner Gemahlin zu begegnen, und als Valeska, des steten Zwistes müde und nicht mehr durch pekuniäre Verlegenheiten beeinflußt, Schönfeld verließ, um die Sommermonate in einem fashionsblen Bade zu verleben, da hielt er sogar die übliche Stunde des Diners nicht mehr ein.
Anfänglich wartete Katharina mit klopfendem Herzen, die Sekunden zählend, welche der Zeiger beschrieb, dann schämte fie sich vor den lauerndm Blicken der Dienerschaft und befahl, daß ihr in dem eigenen Speisezimmer serviert werde.
ui verschieben ist. Für den sächsischen Hof sind alle Beziehungen zur ehemaligen Kron- Prinzessin aufgehoben, müssen es um der Ehre des Hauses willen fein, und Se. Kgl. Höhnt der Kronprinz weiß recht wohl, daß er nur die eine Pflicht zu üben hat: seine Kinder vor den Einflüssen einer Fran zu schützen, die nicht mehr wert ist, die Rechte einer Mutter auszuüben. Nach einer anderweiten Information an maßgebender Stelle erscheint eine Rückkehr der Prinzessin Luise an de» sächsischen Hof für alle Zeiten als ausgeschlossen. Vielmehr betrachtet nach ben Vorgängen bet letzten Wochen der sächsische Hof und auch die kronprinzliche Familie die Prinzessin als nicht mehr unter den Lebenden weilend. Aus diesen Gesichtspunkten heraus glaubt man auch, daß von toskanischer Seite der schwergeprüften Frau nur infoweit wieder nahe getreten und die Hand der Versöhnung gereicht werde, um fie seelisch zu retten. Von anderer Seite wird abermals daran erinnert, daß schon vor mehreren Wochen Garantien in feierlicher Form errichtet find, die die Wiederherstellung eines persönlichen Verhältnisses zwischen der Prinzessin und ihrer hiesigen Familie für alle Zeit unmöglich machen. — Ans Genf wird gemeldet:
Die Kronprinzessin hat vor ihrer Abreise nach dem Sanatorium La Metairie de BoiS Bougy bei Rhon am Genfersee (Kanton Waadt); wie mir ihr Anwalt Lachenal mitteilte, nicht auf das Verlangen der Scheidung verzichtet und will dies auch ferner nicht tun. Bei dem Termin am 11. Februar dürfte, wenn nicht die Scheidung selbst, so doch die Trennung der Ehe ausgesprochen werden, in einem späteren Zeitpunkte jedoch die Scheidmrg selbst. Die Prinzessin dürfte im Sanatorium ihre Niederkunft abtoarten. Der Plan, dies im toskanische« Familienkreise zu tun, mußte fallen gelassen werden, da unerfüllbare Bedingungen daran geknüpft wurden. (Wahrscheinlich die, sich definitiv von Giro» zu trennen.) Dr. Zehme ist wieder abgereift. — Die Kronprinzessin von Sachsen war bei ihrer Ankunft im Sanatorium La Metairie von Lachenal, einem Arzt und ihrem Bruder begleitet. Sie wurde am Bahnhof vom Direktor des Sanatoriums, Martin, und dem bekannten Psychiater August Forel erwartet. Der Bruder der Prinzesfin setzte hie Reise nach Montreux fort.
Daß die Beziehungen der Prinzessin ; Giron nicht völlig abgebrochen find und eS sich nur um ein verächtliches Täuschungs-Manöver handelt, beweist folgende Nachricht aus Wien: Eine Brüsseler Depesche des „Fremdenblattes" meldet: Giro« erhielt gestern nachstehende Depesche der Kronprinzessin Louise: „Je suis trös dSsespSree entrS Sanatorium Flore.“
-----—==»
Je unerträglicher sich Meinaus Häuslichkeit gestaltete, desto mehr erwachte neuerdings seine nur mühsam unterdrückte Leidenschaft für Gertrud. Ein Gefühl unüberwindlicher Sehnsucht zwang ihn, oft an dem ForsthanS herüber* zureiten, weil er die junge Frau nicht mehr bei Fräulein von Sterneck traf.
Zuweilen sah er sie an dem von Kletterrosen umrankten Fenster sitzen, emsig mit einer Handarbeit beschäftigt. DaS feine Gesicht war blässer und ernster geworden.
Sie erwiderte seinen Gruß stets höflich aber mit kalter Zurückhaltung, und Viktor meinte zu bemerken, daß Kummer und Schwermut aus ihren Augen sprachen.
Mehrmals fand er so Gelegenheit, fie von ferne zu beobachten, bann erschien die Försterin nicht mehr am Fenster unb vermied eS, sich dem suchenden Blicke des Reiters zu zeigen, wohl begreifend, daß ihn nicht der Zufall hierher führte.
Meinau ging mit dem Gedanken um, einen Teil deS dem Rittergutsbesitzer Frank gehörenden Forstes anzukaufen, wünschte jedoch einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen, da hinsichtlich des geforderten Preises Differenzen bestanden. Freilich hätte er ja Förster Olschmann zu sich bescheiden können, aber der heimliche Wunsch Gertrud zu sehen, veranlaßte ihn, selbst im Forsthause vorzusprechen.
In trauriges Sinnen versunken saß die junge Frau an ihrem Nähtischchen. Ihre Lippen versuchten zuweilen ein Gebet zu murmeln, eine inbrünstige Bitte, der Allmächtige möge sich ihrer annehmen unb Alles zum Guten lenken; aber mitten unter bem frommen Stammeln brach sie toieber ab, übermannt von tiefer Hotz- nungSlofigkeit (Fortsetzung folgt)