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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt.

Atertelj».hrlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

^»sertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Ra«m 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Dienstag, 10. Februar 1903.

Erscheint täglich außer ox Sonn- und Feiertage». Sonnabends i» Morgen- und Abend-AuSgab«.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS - Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg«

Ländliche Fortbildungsschulen.

Bei der Fortsetzung der zweiten Beratung des Entwurfs des Staat shaushaltsetats für daS EtatSjahr 1908 im Abgeordnetenhause hielt Herr Landrat von Regelein folgende Rede:

v. Regelei«, Abgeordneter: Meine Herren, bei diesem Titel ist eS mit Freuden zu be­graben, der Gesamtzuschuß für die länd­lich«» Fortbildungsschulen wiederum in diesem Etat erhöht worden ist. Ich nehme daS als ein gute« Zeichen und gebe mich der Hoffnung hin, die Königliche StaatSregierung werde gern die Hand dazu bieten, zur Hebung der ländlichen Fortbildungsschulen nach jeder Richtung beizu­tragen, und zwar nicht bGß durch Zuwendung von Mitteln, sondern auch durch andere Maß­nahmen, welche geeignet find, den inneren Wert dieser Schulen und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern.

Schon ost und noch in den letzten Tagen wurde in diesem Hohen Hause betont, daß es notwendig ist, die Bildung der landwirtschaft­lichen Jugend zu heben, um ihr ein besseres Rüstzeug für den Kampf um« Dasein rnttzu- geben. Run, meine Herren, diese ländlichen Fortbildungsschulen, wenn sie auch nicht die Bedeutung landwirtschastliö^r Fachschulen haben, find sehr Wohl geeignet, die Bildung der Land­bevölkerung günstig zu beeinflussen; fie haben bisher ziemlich unbeachtet, wenn ich so sagen soll, ein Dasein im Verborgenen geführt; es find noch Keime, die aber zum Aufblühen und zu guten Erfolgen befähigt find, wenn fie nur recht gepflegt und gefördert werden, und so mögen diese Schulen des Hohen Hauses und der Königlichen Staatsregierung empfohlen fein. ES ist durchaus wünschenswert, die ländlichen Fortbildungsschulen zu unterstützen, da die meisten Landgemeinden, wo solche Schulen be­stehen, nicht in der Lage sind, fie aus eigener Kraft zu unterhalten.

In materieller Hinsicht ist nach dem jetzigen Stande der Schulen durch die Zuschüsie aus Staats- und anderen Mitteln genügend gesorgt; aber es ist noch an einem anderen Punkte ein- zusetzen, wenn diese Schulen beffer gedeihen und größere Leistungen aufweisen sollen. Ich habe bereits im vorigen Jahre von dieser Stelle aus auf die Entwicklung der ländlichen Fortbildungs­schulen hiugewiesen und ausgeführt, daß sie in­sofern noch eine unvollkommene Einrichtung find, als ihnen die gesetzliche Grundlage sehlt; infolgedeffen ist es nicht möglich, die jungen Leute in Betracht kommen alle, welche die Volksschule zurückgelegt haben zum Eintritt in die Fortbildungsschule zu nötigen und, wenn fie eingetreten find, zum regel­mäßigen Besuch der Schule anzuhaUeu. Alles

beruht bei den ländlichen Fortbildungsschulen noch auf Freiwilligkeit, während doch auch hier wie bei allen staatlichen und anderen Schul- einrichtungen ein wohltätiger Zwang am Platze wäre; der Zwang läßt sich aber nur einführen und erreichen durch gesetzliche Vorschrift Änlich wie bei den gewerblichen Fortbildungsschulen. Nach dem Vorbild dieser Gattung von Schulen sollte eS in die Hand und das Belieben der Gemeinden gelegt sein, ländliche Fortbildungs­schulen zu errichten und zu diesem Zwecke ein Statut zu beschließen, welches die Verpflichtung zum Besuch der Schule festsetzt und genau umgrenzt. Die Gemeinden zum Erlaß von Statuten unter Einhaltung gewiffer allgemeiner Gesichtspunkte zu ermächtigen, würde Aufgabe der Gesetzgebung fein.

Meine Herren, im vorigen Jahre habe ich schon erörtert, daß eS kaum möglich fein wird, ein Gesetz mit solchem Inhalt für den gefamten Umfang der Monarchie gleichzeitig in Kraft zu fetzen, tn Anbetracht der außerordentlichen Ver­schiedenheiten in den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen der einzelnen Landesteile. Ein äußeres Merkmal für diese Verschiedenheit läßt sich in der geographischen Verbreitung der länd­lichen Fortbildungsschulen erkennen. In der Provinz Heffen-Naffau sind die Schulen außer­ordentlich stark angewachsen; in einigen anderen Provinzen ist ihre Zahl nicht gerade unbe­deutend zu nennen; in vielen Landesteilen aber kommen sie nur ganz vereinzelt vor. Da, wo die Schulen zahlreich find wie in der Provinz Heffen-Naffau, besteht aber unzweifelhaft das Bedürfnis nach einer gesetzlichen Regelung. Den Wunsch danach hegen nicht nur die an den Schulen beteiligten Lehrer und Schulinspektoren; mit ihnen stimmen auch die Familienväter in den Gemeinden, wo eine solche Schule besteht, überein, ja auch in weiteren Kreisen regt sich ein lebhaftes Interesse. So will ich nicht unter- laffen, anzuführen, daß die Leiter und Lehrer der landwirtschaftlichen Winterschulen beobachtet haben, wir die jungen Leute, welche eine länd­liche Jwrtbildungsschule besucht haben, weit bessere Schüler und weit leichter vor­wärts zu bringen find als andere, die feit dem Verlassen der Volksschule eine große Pause im Lernen gemacht haben; so hat auch der Verband Raiffeisenscher länd­licher Genoffenschaften im Regierungsbezirk Kassel eine Resolution gefaßt und an zuständiger Stelle überreicht, welche aus eine gesetzliche Regelung des ländlichen Fortbildungsschulwesens abzielt. Daraufhin hat der Provinzialausschuß von Heffen-Naffau mit der Angelegenheit sich befaßt und beabsichtigt, demnächst an den Provinziallandtag mit einem Anträge heranzu- treten. Auch die Landwirtschaftskammern der Provinz find mit diesem Vorgehen einverstanden.

Soweit eS fich übersehen läßt, wird der Provinzial­landtag von Heffen-Naffau zustimmen und der Königlichen StaatSregierung eine entsprechende Vorlage unterbreiten. Sollte dieser Fall eintreten, so erlaube ich mir, die Bitte an den Herrn Minister auszusprechen, der Vorlage Wohlwollen entgegenzubringen und dahin wirken zu wollen, daß ein Gesetz über die ländlichen Fortbildungsschule« für den Umfang der Provinz Hessen - Nassau auf verfaffungsrnäßigern Wege zur Verabschiedung gebracht wird. Damit würde ein lebhafter, in dieser Provinz wett verbreiteter Wunsch erfüllt werden.

Umschau.

Die deutschen Landwirte in Berlin.

Der heutigen Generalversammlung de« Bundes der Landwirte in Berlin widmet die Dtsch. Tagesztg." einen Gruß, in dem eS u. a. heißt:Was daS letzte Jahr an Kämpfen und Entscheidungen unS und unserem Daterlaude, dem Bunde und der Landwirtschaft gebracht hat, das steht noch so lebendig vor den rück- schauenden Augen der Seele, daß es überflüsfig ist, nochmals einzelnes zu erwähnen. Es war im besonderen Sinne und im besonderen Maße ein Kampfjahr. War es dem Bunde der Land­wirte auch nicht beschieden, den Sieg an seine Fahnen zu heften, so hat er doch ehrlich ent­schieden, mutvoll und tapfer, nachdrücklich und zäh gekämpft bis zum äußersten. Er kann stolz sein auch auf dies Kampfjahr. Viel hat er geopfert, aber nicht feine Ueberjeugung. Sein Schild ist rein und blank, fein Kampfesmut ungeschwächt. Das neue Jahr bringt neue Kämpse, den Kampf um die Wahlen, den Kampf um die Handelsverträge. DaS ist der schwerste, der entscheidende Kampf. Zu ihm gilt's sich zu rüsten. Wie schwer er sein wird, das toiffen wir. Aber der deutsche Mann sreut fich des Kampfes. Wir toiffen, toie groß der Preis ist, um den gerungen wird. Möge die General­versammlung Zeugniß ablegen von dem ernsten, lebendigen, machtvollen Kampfeseifer, der im Bunde lebendig ist, von dem schönen, warmen, erhebenden Vertrauen, das alle seine Glieder umschließt und beseelt, von der ungebrochenen, wurzelechten, mannhaften Kraft, die ihn durch­dringt ; das hoffen wir, das toiffen wir. Wie uns unser Berliner Korrespondent meldet, waren schon vorgestern und gestern im Laufe des Tages zahlreiche Landwirte in Berlin eingetroffen. Er fügt dieser Nachricht hinzu: Im Vorjahre hatte man fich an all den Stätten, wo man fich in der Großstadt nicht langweilt, auf ein besonders gutes Geschäft gefaßt gemacht, sah fich aber arg enttäuscht, da die Landwirte andere und beffeie Gelegenheit, fich zu unterhalten, fanden. In

diesem Jahre scheint die Spekulatton auf diese Gäste ganz unterblieben zu sein, und daS ist vernünstig. Auf die Alfanzereien, mit welchen fich die Berliner mitunter vergnügen, fällt kein Außerhalbscher" so leicht mehr hinein.

Prinzessin Luise.

Wahrend in Dresden das Gerücht, die ehemalige Kronprinzessin von Sachsen habe vor einigen Tagen an dem Krankenbette ihres Sohnes gewellt, allgemein geglaubt wird, be­streitet man es offiziös. Zugleich giebt man folgende Darstellung der durch die Bitte der Prinzessin Luise, ihr Kind besuchen zu dürfen, hervorgerufene Lage: Durch den Kronprinzen Friedrich August wurde alsbald dem Könige Georg von dem Wunsche der Prinzeffsin Mtt- teilung gemacht. Obwohl derKönig die Freiheit der Entscheidung besitzt, berief König Georg ei« denkwürdiges Zeichen feiner Objektivität, sofort den Ministerrat zur Entscheidung bet Frage. Der Ministerrat lehnte das Gesuch ab. So tief man die unglückliche Frau, denn von einerUnglücklichen hat man jetzt zu sprechen beklagt, man sieht keine Möglichkeit, sie auch nur auf Stunden an den Platz zurückkehren zu laffen, den fie unter so peinlilchen Umständen verlassen hat. Außerdem könnte ein Besuch der Prinzessin in Dresden Anlaß zu einer Volkserregung geben, für deren Konsequenzen niemand die Verant- toortung übernehmen würde. Auch mit Rück­sicht aus die prinzlichen Kinder selbst, die fich gerade an die Abwesenheit der Mutter zu ge­wöhnen anfangen, kann eine Rückkehr auch nut auf Stunden nicht erlaubt werden. Die Ab­lehnung ihres Gesuchs soll auf die Prinzessin einen niederschmetternden Eindruck gemacht haben. Weiter wird halbamtlich mitgeteilt, daß die Trennung der Prinzessin von Giro« in der Rechtslage nichts ändere und auf den Prozeß keinen Einfluß auSübe. An eine Rück­kehr an den sächsischen Hof fei nicht zu denken, dagegen fei eine Aussöhnung mit ihrer eigenen Familie wahrscheinlich. Ob später einmal ein Wiedersehen mit ihren Kindern herbeigeführt wird, hängt ganz von der Entschließung de» Königs nach erfolgtem Urieilsspruch ab. Die ehemalige Kronprinzessin soll das telegraphische Ansuchen ihrer Anwälte an den Kronprinzen, ihr die Erlaubnis ^um Besuche ihres immer noch recht kranken Kindes zu erteilen, mit einem eigenhändigen Brief unterstützt haben, der sehr bußfertig gehalten sein und in reuevollem Tone von ihrem Fehltritt sprechen .soll. Ihre Bitte wurde, nach demLeipz. Tgbl., an den maß­gebenden Stellen mit Wehmut und Mitleid aufgenommen. Doch ist der Hof außer Stande, dem Gesuch zu willfahren. Verschiedentlich wird übrigens die Trennung der Prinzessin von Giron nur für ein Advokatenmanöver gehalten.

50 (Nachdruck verboten.)

Schloß Schönfeld.

Roman von B. Corony.

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(Fortsetzung.)

Die Spitzen wären zu teuer gekommen, deshalb häkelte fie die Rektorin, von fpinnetoebefeinem Garn, warf aber die Arbeit rasch mit zitternden Händen in einen Korb, wenn Olschrnann eintrat. Sie würbe fich toie eine entlarvte Verbrecherin vorgekommen fein, hätte er bieje zierlichen Jäckchen unb Häubchen gesehen, auf die so manche heiße Thräne inniger, sehnsuchtsvolle Mutterliebe fiel.

Oeffnen sich unter der Frühlingssonne warmem Kuß die ersten Knospen, sprießen zartgrüne Halme und bunte Blümchen aus dem Boden, fangen liebliche Vogelstimmen an, den Morgen zu grüßen, dann zieht auch die selige Hoffnung, es muffe anders und besser werden, in jede Menschenbrust ein. Je reiner unb harmloser ein Gemüt ist, desto fester glaubt es an einen allgütigen Vater, der teilnimmt an allen Schmerzen unb Sorgen unb fich liebevoll zu dem Bittenden neigt.

So betete denn auch Magdalene mit voller Inbrunst, ließ keinen Bettler unbefchenkt von der Türe geben unb legte fich in ihrer Frömmig­keit Opfer, meinenb der Allmächtige würde da­für das einzige gewähren, was fie erflehte: des Sohnes Wohl und die so dringend erbetene Ver­söhnung. Ein Tag nach dem andern verstrich, ohne diese glaubensseligen Voraussetzungen zu erfüllen, aber das treue Mutterherz gab sein stille« Hoffen nicht auf. Warum sollte denn Gott so heilige, selbstlose Wünsche nicht doch m>(6 segnen?

Im Dorfe und in dem nahen Städtchen O... wurde das schlimme Gerede immer ärger. Nicht daß Gertrud Anlaß dazu gegeben hätte. Man sah fie fast nie. Doch in Schönfeld sollten sich täglich schlimme Scenen gbspielen. Die Diener­schaft wußte davon zu erzählen, und wenn in Martins Gegenwart darüber gesprochen wurde, zuckte er nur hämisch lächelnd mit den Schultern, deutete nach der Försterei unb sagte:

Das hat seine guten Gründe. Ich hab' die Katharina gewarnt. Wer nicht hören will, muß fühlen."

Viktor v. Steinau führte wirklich ein trauriges Leben mit feiner jungen Frau. Geliebt hatte er sie ja nie, aber ihr herrsch­süchtiges , ungebildetes Wesen weckte einen Widerwillen in ihm, der zu Zeiten fast in Haß umzuschlagen drohte.

Dazu kam, daß feit dem vor wenigen Monaten erfolgten Tode der Gräfin von Löwen die finanzielle Lage der MeinauS eine gänzlich veränderte geworden war. DaS große Ver­mögen der kinderlos Verstorbenen fiel ihren nächsten Verwandten zu.

Jetzt hätte sich Viktor der drückenden Ver­pflichtungen Oeriels gegenüber entledigen können, aber der goldene Reif, den er am Finger trug, band ihn für alle Zeiten und Katharina machte die Fessel nicht leichter.

Als glückliches, geliebtes Weib wäre sie vielleicht lenksamer gewesen, denn mancher gute Keim schlummmerte in ihr, mußte aber ungeweckt verkümmern. Empfindlich und reizbar, von dem Gatten kalt, von der Schwiegermutter mit ironischer Geringschätzung behandelt, tarn fie fich im eigenen Haufe toie eine Fremde, Ausgestoßene vor und fühlte das Bedürfnis, sich für ihre verschmähte Zärtlichkeit, für all daS Weh,

welches ihr jede Stunde verbitterte, zu rächen. Keine Frau, die durch Würde und Selbst­bewußtsein Eindruck machen konnte, wohl aber die Erbin aller schroffen und abstoßenden Charaktereigenschaften des Vaters, wollte fie erzwingen, was ihr versagt blieb. Das schlug fehl. Machtlos einem unseligen Schicksal gegen­über, wütete sie, von Verzweiflung und Schmerz ersaßt, wider sich selbst und verlor auf diese Weise gänzlich den festen Boden, den letzten Halt. Es war eine beklagenswerte, elende Existenz, die Katharina in dem alten, nun wieder vorn Glanz des Reichtums überstrahlten Herrenhaus führte.

Mit der Verbitterung wuchs ihre stets durch Martin genährte Eifersucht auf Gertrud. Kein Tag verfloß, ohne daß es zu heftigen Auf­tritten zwischen den Gatten gekommen wäre.

Victor fuchte diesen Ausbrüchen entfeffeiter Leidenschaftlichkeit gewöhnlich mit frostiger Ueberlegenheit zu begegnen, obschon fein Blut kochte und er mit größter Gewalt an sich halten mußte. Aber der straff gespannte Geduldsfaden wurde doch immer stärker und mürber und riß endlich.

Da geschah es, daß Herr v. Meinau einst sagte:Katharina dieses Zusammenleben ist nichts mehr al» eine Hölle für uns beide. Machen wir ihm ein Ende."

Das sind die Worte, auf die ich schon längst wartete!" schrie fie aus.Die mußten kommen! Das habe ich vorausgesehen und jetzt find fie ja gefallen. Was ich für Dich tat, aus welcher unerträglichen Lage ich Dich befreite, daran denkst Du heute nicht mehr. DaS ist alles ausgewischt, bergeff en, keiner freundlichen Er­innerung würdig. Die Geldnot hat ja aufgehört." »Undankbar war ich niemals," unterbrach

er fie herb.Du weißt nicht, was Du sprichst, wenn Dich Deine brutale, rücksichtslose Heftigkeit ergreift."

Rücksichtslos? Diesen Vorwurf dürftest Du Dir ersparen. Wer begegnete mir jemals rücksichtsvoll?"

Du klagst immer nur andere an, nie Dich selbst. Wohl ist eS wahr, daß mich Dein Ver­mögen damals vor dem gänzlichen finanziellen Zufammeubruch bewahrte, aber ein Opfer, daS einem beständig vorgehalten wird, verliert feinen Wert. Fühltest Du denn nie das Unzarte, was in dieser ewigen, bei jeder Gelegenheit er­neuerten Mahnung lag ? Konntest Du Dir nie denken, daß sie mir zur Quelle des Mißmutes, zu einem quälenden, brennenden Stachel wurde? Daß ich endlich keinen glühenderen Wunsch empfand, als Dir nichts mehr zu schulden?"

Jetzt kann ich mir'S denken! Ich war Dir stets nur eine verhaßte' Last, die Du je eher je lieber abgeschüttelt hättest."

Nein. Ich hoffte, wir würden ruhig und friedlich neben einander hergehen können."

Meintest Du? Dazu wäre ja freilich nichts weiter nötig gewesen, als daß ich zu allem die Augen zugedrückt unb:Ja und Amen!' gesagt hätte. DaS war und bin ich allerdings nicht zu tun gesonnen, sondern werde ganz im Gegenteil scharf auf den Grund der Dinge blicken und fie offen beim rechten Namen nennen. Die Ursache des ewigen Unfriedens kenne ich wohl. Sie ist nicht in dem, was Du mit zum Vorwurf machst, sondern im Forsthause za suchen." _ .

DaS laste gut sein!" fuhr Meinau aüf. Törichte Aeußerungen einer ungerechtfertigt,« Eifersucht verdienen keine Antwort."

Fortsetzung folgt.)