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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntiiflöbeilafle: Jlluftrirtes Tonnt«,»blatt.

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»terteljLhrlicher Bezugspreis: bei der Expedttion 2 Mk., bei all« Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

^«sertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder der« Raum 10 Pfg.

Reclame»: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 6. Februar 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage«. Sonnabends in Marge«- und Abend-AuSgabe.

Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverMtS-Buchdruckers Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Erpressung und Selbsthilfe.

Bon unser« juristische« Mitarbeiter.

DaS bürgerliche Gesetzbuch hat den Begriff her Selbsthilfe in das System des Zivilrechte« endgiltig eingeführt, und die Selbsthilfe als ein selbständiges Rechtsinstitut bezeichnet. Deshalb ist z. B. die Beschädigung oder Zerstörung einer fremde» Sache, um dadurch eine drohende Ge­fahr von sich oder einem andern abzuwenden, mcht widerrechtlich. 68 begeht ferner derjenige keine widerrechtliche Handlung, welcher zum Zwecke der Selbsthilfe eine fremde Sache weg- «immt, zerstört und beschädigt, oder wer zum Zwecke der Selbsthilfe einen Verpflichteten, 'Welcher fluchtverdächtig ist, festnimmt oder den Widerstand des Verpflichteten gegen eine Hand­lung, die er zu dulden verpflichtet ist, beseitigt. Der Ausübung der Selbsthilfe sind aber be­stimmte Grenzen gesetzt, um einen Mißbrauch derselben zu verhüten.

Das bürgerliche Gesetzbuch erwähnt jedoch nicht eine im praktischen Leben besonders be­liebte Art der Selbsthilfe, nämlich diejenige der Androhung einer Klage, sei es einer Zivilklage, fei es einer Strafklage.

68 kann keinem Zweifel unterliegen, daß Sin Geschäftsmann seinem säumigen Kunden, den er wiederholt wegen Zahlung längst fälliger Beträge gemahnt hat, schließlich die Eröffnung machen darf, er werde, falls nicht innerhalb einer bestimmten, kurzen Frist an ihn Zahlung geleistet wird, den Rechtsweg beschreiten und ihn wegen Zahlung de§ schuldigen Betrages gerichtlich belangen.

Häufig find aber zivilrechtliche Ersatzver- Vflichtungen aus strafbaren Handlungen ent­standen, beispielsweise ans Betrug, Diebstahl, Sachbeschädigung, Meineid. Wenn z. B. ein Kaufmann zur Gewährung von Kredit an einen andern durch die Vorspiegelung der falschen Tatsache bewogen worden ist, daß dem Kredit- fuchenden eine wertvolle Wohnungseinrichtung Schöre, und sich nachträglich herausstellt, daß ese Einrichtung nur leihweise in den Besitz trs Kreditsuchenden gelangt ist, so wird häufig der Kreditgewährer den anderen Teil nicht blos ernstlich zur Zahlung ermahnen, sondern ihm auch eine Strafanzeige wegen Betrugs eventuell in Aussicht stellen. Es fragt sich nun, ob eine derartige Androhung gesetzlich zulässig ist oder picht. Die Beantwortung dieser Frage ergiebt sich aus den entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuchs, welche von Nötigung und Erpressung handeln. Danach wird derjenige, welcher, um sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensanteil zu verschaffen, einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wegen Erpressung bestraft, und es wird ferner derjenige, welcher widerrechtlich einen

47 (Nachdruck verboten.)

Schlsß Schönfeld.

Roman von B. Corony.

(Sortierung.)

Was? Das hat man Dir gegenüber getan and Du wiesest die Verleumder nicht sofort in hie gebührenden Schranken?"

ES ist natürlich geschehen. Aber Tatsachen kaffen sich nicht widerlegen und Du hättest Dich schon aus Rücksicht für mich hüten sollen, Anlaß iu boshaften Bemerkungen zu geben. Was soll man wohl von diesen Begegnungen in einem hätten Hause denken?"

In dem Hause meiner Pflegemutter, die der allgemeinsten Achtung genießt und Meinaus nächste Verwandte ist?"

'Das schützt Dich nicht vor niederen Ver­dächtigungen."

Die nur der verächtlichsten Gemeinheit entspringen können."

Sei dem, wie ihm wolle! Du trägst meinen ehrlichen Namen und hast ihn so rein und flecken­los zu erhalten, wie er Dir anvertraut wurde."

In Gettruds Augen begann es zu funkeln und zu blitzen.Diese Worte scheinen einen bitteren und unverdienten Vorwurf auszudrücken. Deine Ehre ist mir so heilig, wie die meinige."

Dann solltest Du sie besser zu wahren wissen."

Kurt!" schrie sie auf.Das find harte, ungerechte Worte, die mich bis ins Innerste 'verletzen. Ueberlege Dir, was Du sprichst."

Uebettege Deinerseits, was Du tust!"

Ich tat nichts, was ich nicht vor Gott, vor Dir und vor der ganzen Welt verantworten könnte."

anderen durch Gewalt oder Bedrohung mit einem Verbrechen oder Vergehen zu einer Hand­lung, Duldung oder Unterlaffung nötigt, wegen Nötigung bestraft.

Der Unterschied zwischen Erpreffung und Nötigung besteht nach dem Wottlaut der vor­stehend wiedergegebenen Bestimmungen des ReichSstrasgesetzbuchs dann, daß der Erpresser durch seine Handlung einen Vermögensvorteil erstrebt, während mit der Nötigung überhaupt nur eine Handlung, Duldung oder Unterlassung eines anderen widerrechtlich erzwungen werden soll, gleichviel ob dadurch der Täter einen DermögenSvorteil erstrebt oder nicht.

In dem obigen Beispiele, in welchem der Lieferant dem Käufer mit der Denunziation wegen Betruges bedroht, weil er ihn zur Kreditgewährung durch die Vorspiegelung der unwahren Tatsache verleitet hatte, daß er Eigentümer der Wohnungseinrichtung fei, er­strebt der Verkäufer keinen rechtswidrigen Ver­mögensvorteil. Er stellt auch nicht dem Schuldner die Vornahme einer strafbaren Handlung durch ihn den Gläubiger in Aussicht, sondern er droht ihm nur, event. gegen ihn die Straf­verfolgung wegen Betruges zu veranlassen. Dies ist aber das gute Recht des Verkäufers. Denn es ist das durch die Verfassung garantiette Recht jedes Staatsbürgers, strafbare Handlungen, welche ihm auf irgend eine Weise bekannt ge­worden find, zur Anzeige zu hängen.

Aus den vorstehenden Erörterungen folgt, daß die Bedrohung eines Schuldners mit einer Strafanzeige als ein Mittel zur Selbsthilfe zu­lässig ist, wenn der Drohende tatsächlich eine Forderung gegen den Bedrohten besitzt, und dieser sich tatsächlich auch einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hat. ES braucht dabei nicht die strafbare Handlung in ursäch­licher Beziehung zu der Forderung des Be­drohenden zu stehen.

Umschau.

Prinzessin Luise.

Die frühere Kronprinzessin von Sachsen und Giron find gestern Vormittag in Genf einge­troffen und wurden am Bahnhofe von Leopold Wölfling begrüßt, der seine Schwester umarmte und Giron die Hand schüttelte. Alle drei be­gaben sich nach dem Hotel Schweizerhof. Die Prinzessin begibt sich angeblich demnächst allein nach Salzburg. Die Erlaubnis dazu soll sie nun doch, entgegen anders lautenden Nachrichten, erhalten haben. Angeblich will sie mit ihrem Vater, dem Großherzog von Toskana die Frage wegen Führung ihres Familiennamens be­sprechen, sowie sich informieren, ob überhaupt, wann und unter welchen Bedingungen sie in Zukunft ihre Kinder sehen dürfe. Die Angabe derChemn. Allg. Ztg.", daß der Kronpänz

Vor Gott ? Das will ich hoffen und glauben. Vor mir das mag dahingestellt bleiben. Vor der ganzen Welt? Da sage ich: nein! Nicht einmal vor den Bewohnern unseres arm­seligen F... kannst Du Deine, gelinde benannt, törichte Handlungsweise rechtfertigen. Ich bekam heute giftige Spöttereien zu hören, auf die ich allerdings derbe Antwort gab. Aber was ist damit gewonnen? Was man vor mir vielleicht nicht wiederholt, wird in andere Ohren gezischelt werden und auch seinen Weg ins Rektorhaus finden. Das hättest Du mir ersparen sollen und müssen, denn ich brachte Dir kein kleines Opfer, als ich um Deinetwillen mit dem Vater brach."

Gertrud blieb stehen und preßte die Hand auf ihr wildschlagendes Herz. Sie empfand ein fast körperliches Schmerzgefühl.

Wer von Opfern spricht, wer überhaupt weiß, daß er solche brachte, der bereut sie auch," rang es sich in halberstickten Tönen von ihren erblaßten Lippen.Du hast viel aufgegeben für mich, aber ich meinte, Du müßtest es tun, wie man atmen muß, um zu leben. War es so, dann gehorchtest Du einfach einer Notwendigkeit und hast mich nicht daran zu mahnen, war es nicht so--dann wollte ich, Du hättest dieses

Opfer" niemals gebracht. Dann kann es Dir und mir nicht zum Segen gereichen."

Du scheinst mich nicht begreifen und ver­stehen zu wollen."

Ich fürchte, daß ich Dich nur zu gut verstehe."

Suche meinen Worten feine falsche Aus­legung und unferm Gespräch keine mir ganz fernliegende Deutung zu geben. Ich handelte nach meinem freien Willen, nach meinem Herzen

Friedrich August bei seinem jüngsten Jcgdauf- enthalte eine schwere Gehirnerschütterung erlitten habe, die ernste Bedenken in Bezug auf die Thronfolge verursache, ist hoffentlich nicht ernst gu nehmen. AuS Genf wird weiter gemeldet: Unmittelbar nach der Ankunst in Gens hatte die Kronprinzessin von Sachsen eine Unter­redung mit dem Rechtsanwalt Lachenal. Letzterer erklärt, der Reise dec Kronpänzesfin nach Genf komme durchaus nicht diejenige Bedeutung zu, welche ihr von der Presse beigemeffen werde. (?) Der Aufenthalt in Gens wird voraussichtlich eine Woche dauern. Giron toeigert sich, irgend jemand zu empfangen.

Die deutsche Kolonialabteilung und die Buren.

Gegenüber äner Auslaffung derTgl.Rdsch." zu der Beurlaubung des stellvertretenden Gouverneurs von DeutschSüdwestafrika Major v. Estorff kann dieNordd. Allg. Ztg." mit­teilen, daß eine Aenderung der bisheägen wohlwollenden Stellung der Kolnialverwaltung zu der Bureneinwanderung nach Südwestafäka in feiner Weise eingetreten ist. Die Abmachung, die Major von Estorff mit leitenden Buren wegen Einwanderung in das Schutzgebiet ge­troffen hatte, geben viel weniger in den Punkten, die eine Regelung kirchlicher Beziehnngen be­zwecken, als um deswillen Anlaß zu Bedenken, weil sie den Buren in anderer Hinsicht, nament­lich auf dem Gebiet der Schule, Sonderrechte einräumten, die selbst Reichsangehörigen nicht zugestanden werden können. Es ist anzunehmen, daß eine Wiederaufnahme der Verhandlungen in kurzer Zeit zu einem beide Teile befriedigenden Abschluß führen wird.

Das Vorgehen gegen Venezuela.

Die zur Beilegung der venezolanischen Streitfrage in Washington geführten Verhand­lungen rücken, trotz der wiederholten Versicher­ungen, daß alles im besten Gange sei, nicht in der erwünschten Weise vorwääs. Es gewinnt vielmehr nachgerade den Anschein, als ob die Ablehnung der Forderung der Mächte auf rin Vorrecht bei der Begleichung ihrer Schuld­forderungen an Venezuela durch den amerika­nischen Gesandten in Caracas, Bowen, weniger auf ein Verlangen Castros als auf ein solches der Vereinigten Staaten selbst zurückgeführt werden müßte. Bowen erklärt zwar offiziell stets, daß er der von der Unionregierung ganz unabhängige Vertreterund Vermittler Venezuelas sei. Dieser Versicherung steht jedoch die Tat­sache entgegen, daß Bowen fast täglich mit dem amerikanischen Staatssekretär deö Auswärtigen, Hay, Konferenzen abhält. Der ganze Ton, den Bowen bei den jüngsten Verhandlungen mit den Veäretern der vereinigten Mächte ange­schlagen hat, deutet auf eine gewisse Gereiztheit

und meiner Ueberzeugung, als ich Dich wählte und legte Dir sowohl meine Familienverhältnisse, als auch meine Anschauungen offen dar."

Du wirst mich des Mangels an gleicher Aufrichtigkeit nicht beschuldigen können."

Nein; aber weil Du mir nichts verschwiegst, durste ich voraussetzen und als selbstverständlich annehmen, daß Du keine erneute Annäherung unsers jetzigen Gutsherrn gestatten würdest."

Annäherung? Er ist Fräulein v. Stern­ecks Neffe und kommt von Zeit zu Zeit, um nach ihrem Befinden zu fragen, wie es sich einer älteren und kränklichen Verwandten gegenüber geziemt. Bin ich zufällig anwesend, so begrüßen wir uns kühl und höflich wie Fremde. Sein Kommen und Gehen läßt mich gleichgültig und scheint mir keiner Beachtung wert."

Es ist eine schöne Sache um die Ruhe des guten Gewissens, aber man hat auch den Schein jeder Ungehörigkeit zu meiden," fuhr Kuä immer noch mit herb tadelndem Ton fort.Ich mache fein Hehl daraus, daß es mir durchaus nicht gleichgültig ist, wie und was die Leute von Dir reden und wünsche, daß die täglichen Besuche bei Fräulein v. Sterneck künftig unterbleiben."

Sie find ihr und mit zur lieben Gewohn­heit geworden. Du weißt, wie viel ich meiner Wohltäterin und zweiten Mutter schulde."

Auch mir schuldest Du etwas, sollte ich meinen: Rücksicht und Gehorsam. Das scheinst Du verzeihe meine Offenheit wenig zu bedenken. Ich bitte, und wenn es fein muß verlange ich, daß Du jeder Gelegenheit, mit Herrn v. Mrinau zusammenzutreffen, künftig aus dem Weg gehst. Meine Wünsche dürften doch auch wohl ins Gewicht fallen."

und Verstimmung und eS scheint beinahe so, als sei dem Unterhändler eine Uneinigkeit zwischen Deutschland und England garnicht un­willkommen. ES scheint so, als wollte Bowen England für seinen Vorschlag gewinnen und Deutschland isolieren. Jedenfalls ist die Lage heute ernster als je zuvor und es bleibt abzu- Watten, wie und wann die Diplomaten aus der Sackgafseherauskommen werden, inwelchefiedurch die Washingtoner Verhandlungen geraten find. Nach den heutigen Erfahrungen neigt man jedenfalls allgemein der Ansicht zu, es wäre besser gewesen nach der Proklamirung bet Blockade die ganze Streitfrage dem neutralen Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, als sich auf dem doch unter keinen Umständen unpar­teiischen Boden Washington» mit der Regelung der Streitfrage abzuquälem Treffen die Nach­richten aus Caracas zu, dann haben die Truppen des Präsidenten Castro die Aufständischen untet MatoS vollkommen geschlagen und der ganzen AufstandLbewegung durch einen entscheidenden Sieg bei Camatagua ein Ende gemacht. Droht dem ehrenwetten Castro aber im eigenen Lande keine Gefahr mehr, dann wird er nach außen noch protziger und herausfordernder auftreten. Da hat es mit der Lösung des Konflikts mög­licherweise noch recht gute Wege.

Deutsches Reich <

Berlin, 5. Februar.

Der Kaiser, der DienStag Nachmittag einen Spaziergang mit seiner Gemahlin machte, hatte mn Mittwoch eine Besprechung mit dem Reichskanzler.

Kronprinz Wilhelm wird während seines be­vorstehenden Besuchs in Griechenland die wichtigeren Stätten der altgriechischen Kunst, besonders auch Olympia, besuchen. Sehr gern würde man eS in Athen auch sehen, wenn der Prinz einen Abstecher nach Kreta machen wollte.

Der deutsche Gesandte in Athen Graf Plessen wurde von diesem Posten behufS anderweiter dienst­licher Verwendung abberufen.

Der Baubericht der preußischen Staatsbahnen für 1901/02 ging dem Landtage zu. Danach hatte aus Kreditgesetzen usw. die Eisenbahnverwaltung am 1. Oktober v. I. noch 447 Mill. Mk. zur Verfügung, während im letzten Jahre 187 Mill. Mk. Ausgaben verrechnet worden waren.

Graf Häseler tritt nach derT. R." zurück. Statt seiner werde General v. Langenbeck das 16. Korps erhalten, und dieser soll durch General von Gilgeuheim in der Führung des 2. Korps ersetzt werden. Für den General v. Herwarth dürste General v. Perbandt da8 15. Korps übernehmen.

Die württembergische Abgeordnetenkammer nahm eine Volksschulnovelle an, die die geistliche OrtSschulaufficht beibehält. Abänderungsanträg» wurden verworfen.

Meisterpiüfunge« für alle Provinzen zur Hebung des Kleinhandwerks einzuführen, beantragt die sreifiunige Volkspartei im preußischen Abgeord­netenhause.

Die Gewerbeauffichtsbeamten haben es nach einer Verfügung des Gewerbeministers Möller zn vermeiden, den Gefängnisverwaltungen bei der Ver­gebung der Arbeitskräfte der Gefangenen an gewerb­liche Unternehmer behilflich zu sein. Die Gefangenen ii 1

Sie hatten das Forsthaus erreicht und traten zum ersten Male uneinS miteinander über die Schwelle. Gertruds innerstes Wesen bäumte sich dagegen aus, daß Kurt in barschem, herrischem Ton zu ihr sprach. Er war gereizt worden, durfte er das aber sie entgelten kaffen, sie tadeln und ihr mit schroffen Worten verbieten, waS sie ohne jeden strafbaren Nebengedanken, nur von dem Gefühle dankbarer Anhänglichkeit ge­leitet, tat?

Stumm und grübelnd saß sie da und legte, als daS Abendbrot gebracht wurde, gewohnheits­mäßig vor, aber der Förster schob Glas und Teller unwillig zurück, denn daS Schweige« der jungen Frau verdroß ihn, weil ereSfür Trotz hielt.

Hätte er nur in ihre Seele blicken können, die voll Unruhe, voll Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung war!

Gertrud wäre ihm gern an die Brust ge­sunken, dazu hätte es nur freundliche«, ein« lenkenden Zuspruches bedurft, allein der kam nicht über Olschmanns Lippen.

Als Kurt ausstand und mit kurzem:Gute Nacht!" ohne sie zu küssen oder ihr die Hand zu reichen aus dem Zimmer ging, da legte sich plötzlich etwas Eisiges um ihr Herz. Sie er­widerte den Gruß ebenso kalt, denn jede Un­gerechtigkeit wandelte ihr verwundetes Selbst­gefühl zu starrer Unbeugsamfeit.

Da waren wieder zwei schroffe Charaktere in Konflikt miteinander geraten. Gertrud lernte jene vermittelnde Weichheit nicht finden, welche auch den Hartnäckigsten versöhnlich und nachgiebig stimmt. Sogar in ihrer Art und Weise, Kurts Wünsche zu erfüllen, lag etwas Trotziges. (Fortsetzung folgt.)