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«achte ich bei einem Stamm, so stellen die Massais mir eine .Speerwache' vor mein gelt, so daß meine eigenen Leute ruhen tonnen. Nach etwas über einem Jahr seit dem ersten Fang im vorigen Jahr (ich fing über 600 Zebras, konnte aber leider nur 30 unter» bringen und verpflegen; nach einiaen Monaten sing ich 150, beh.elt davon 60, ist hier ein voll­kommen eingerichtetes Gestüt fertig mit gesunden, luftigen Stallungen für ca. 50 Zebras, zwei soliden großen Kraals mit schöner Umzäunung von je ca. 500 Meter Umkreis, mehrere Kraals, Gänge, Läufe, Boxen, Fangbox mit Falltüren und allen möglichen Einrichtungen, um die frisch gefangenen Zebras ganz allmählich .hemm» zukriegen'. Wir betrieben außerdem Straußen» zücht, welche in diesem Jahre einen ganz be­deutenden Aufschwung nimmt, und liefern wert­volle Tiere an Hagenbeck.

Die Kronprinzessin von Sachsen.

AuS München wird gemeldet: Auf dem jüngsten Hofballe bildeten die Eheaffären der Kronprinzession von Sachsen und des Grafen und der Gräfin Lonhah das allgemeine Gesprächs­thema. Wohlinformierte Personen aus den Hofkreisen vertraten bestimmt die Ansicht, daß eine Wiedervereinigung des sächsischen Kron- prinzenpaareS wegen der großen Sehnsucht deS Kronprinzen nach seiner Gemahlin stattfinden werde. Dagegen sei eine Trennung der Ehe des Grafen Lonhah längst erwartet worden.

Deutsches Reich

Berlin, 17 Januar.

Die Genesung deS Königs von Sachsen kann tI8 eine vollständige gelten, wenn derselbe auch wegen bet rauhen Witterung sich noch an daS Zimmer ge­fesselt sieht Er gedenkt etwa Mitte nächsten Monats an der Riviera Aufenthalt zu nehmen, um die ihm dringend nötige Erholung zu suchen. Der Kräftezu­stand ist schon jetzt wieder ein ziemlich normaler, da der Appetit sich stetig Hestert Die Teilnahme deS Monarchen an allen Vorgängen, namentlich, soweit sie die Flucht der Kronprinzessin betreffen, ist eine äußerst rege Die Erledigung der Regierunqsgeschäste nimmt ihren gewöhnlichen Fortgang; ganz unter­brochen war sie auch während der Krankheit des Königs nicht. Dem konservativen Verein für den Bez>rk Großenhain bat der König mitteilen lasten, die mit dem Reujabrsgruß verbundene Versicherung treuer Gesinnung sei ihm in den jetzigen schweren Tagen besonders wertvoll gewesen.

Bei dem Reichskanzler Grafen Bülow wird am 21. Januar em parlamentarischer Abend stattfinden, zu dem zahlreiche Einladungen er­gangen find.

Die Städtekonserenz zum Zolltarif soll im September gklegentlich der »Deutschen Städte-Aus- stellung' in Dresden veranstaltet werden Es sollen die durch § 10 des Zolltarifgesetzes «Aufhebung des Oktrois! berührten städtischen Interessen erörtert werden. Der Oberbürgermeister von Dresden hat an die in Frage kommenden Städte bereits Einladungen ergehen lasten.

Die badische Handelskammer beschäftigte sich in ihrer ersten Plenarsitzung mit der Frage der Er- richtung eines Groß'chiff^brtsweges aus dem Neckar. Die Kammer verhält fick zwar nicht ablehnend gegen drs Projelt, hat ober schwere Bedenken wegen der mit der Ausführung verknüpften äußerst hohen finan­ziellen Belastung Badens, ter gegenüber in absehbarer Seit kein Aussicht aus eine entsprechende Rente oder Kgendwelche wesentliche wirtschaftliche Vorteile bestehe.

Die Hamburg - Amerika - Linie (Hamburger Packetfahrtl Akt.-Ges. verteilt 41«. *k (i. $. 6«.) Divi­dende. Der Reingewinn beträgt rund 16 Mill. Mk. gegen 19344 521 Mk. im Vorjahr.

Ausland

Belgier» Nack einet Meldung aus Caracas hat der belgische Geschäftsträger von Castro daS Zugeständnis einer Regelung, der belgischen Forderungen durch eine Kommission erlangte, die auS einem Belgier, einem Venezolaner und einem von Beiden gewählten dritten Mitgliede bestehen soll

Rußland. Pünktlich um 10 Uhr vor­mittags lief der kaiserliche Hofzug mit dem deutschen Kronprinzen in den Zarskoje Sseloer Bahnhof ein. Hier waren anwesend als Ver­treter deS Kaisers der Großfürst-Thronfolger Michael Alexandrowitsch, sowie sämtliche an­wesende Großfürsten, welche sämtlich die Uni­form ihrer preußischen Regimenter angelegt hatten, ferner das kaiserliche Gefolge u. s. w. Beim Einlaufen des Zuges stimmte die Kapelle des Leibgarderegiments die deutsche National­hymne an. Der Kronprinz, der die Uniform des Petersburger Leibgarderegiment »König Friedrich Wilhelm III." trug, stand am Fenster deS Wagens und salutierte. Der deutsche Bot­schafter war mit dem Botschaftsrat Frhr. v. Rom­berg dem Kronprinzen bis Gatschina entgegenge­fahren. AlS derZug hielt, schritt der Kronprinz auf den ihm entgegenkommenden Großfürsten Thron­folger zu. Bei der Abfahrt vom Bahnhose und in den Straßen wurden der Kronprinz und der Großfürst-Thronfolger von der zahlreich versammelten Menge enthusiastisch begrüßt.

Brirezael«. Präsident Castro hat ein Dekret erlassen, durch welches Puerto Billamisar *n der kolumbischen Grenze für die Durchfuhr von Kaffee und anderen Waren durch Mara- caibo eröffnet wird. ES wird somit möglich fein, für Millionen Dollars kolumbischen Kaffee durch Maracaibo auszuführen.

Marburg und Umgegend

Marburg, 16. Januar.

Studtdrrvrdueteufitzuus vo« 16. Ja« »ar 1903.

Die Sitzung wurde um 5 Uhr durch den tztatstverordnetenvorsteher Juftizrat Dörffler er­öffnet. Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme zirkulierten zunächst die üblichen Kaffenüber- sichten.

Es folgte die definitive Anstellung der Polizei- serqeanten Schönewald und Dietrick, deren Probe­zeit abgklavfen ist. Mit der Abtretung einer der Stadt gehörigen, zum Zugangswege deS Fußgängertunnels auf dem hiesigen Bahnhof erforderlichen Fläche, gegen ein gleiches Stück vor Weidenhausen, daS der Eisenbahn gehört, war man ebenso wie mit einem Vertrage, bett. Erwerb des zur Eisenstraße nötigen Geländes einverstanden.

Für eine erkrankte Lehrerin waren nach­träglich die Vertretungskosten zu bewilligen. Dem bett. Anträge stimmte man zu. Die auf dem Grundstücke des SeminariumS am Plan stehende Gaslaterne muß etwas versetzt werden. Dagegen war nichts einwenden.

Am jetzigen Spritzenhause vor dem Bar- füßertor find einige Arbeiten ausgeführt worden. Die Kosten hierzu wurden bewilligt. Stadtv. Heuser fragt an, ob fich nicht andere UisterkunstSräume für die Feuerlöschgeräte finden ließen. Die jetzigen Räume seien nicht genügend. Die Hauptsache sei doch, daß die Feuerwehr bei einem Unglücke schnell am Platze sei. Der Oberbürgermeister erwähnte hierzu, daß er gern Vorschläge für paffendere Plätze für die Feuerlöschgeräte entgegennehme.

Bei dem folgenden Punkte handelte eS fich um einen Nachtrag zum Ortsstatut vom 4. De­zember 1884 und des Nachtrages vorn 24. April 1897. Die Vorlage wurde genehmigt.

Zu dem weiteren Punkte der Tagesordnung fanden fich auch im Zuhörerraume einige Per­sonen ein. ES handelte fich wieder einmal um die Herstellung einer Straßenbahn, zu der der Magistrat ein Projekt vorgelegt hatte. Der Stadtverordneten-Vorsteher teilte zunächst die in der Frage, der Stadt eine Etraßenbahnverbindung zu geben, getonenen Schritte mit. Die Kommission habe in der Sitzung vom 28. November beschlossen, Er­kundigungen in Stadthagen bei Bückeburg, wo man eine Pferdebahn angelegt hätte, einzu­ziehen. Fuhrunternehmer Deckmann sei bann felbft dagewesen und habe an Ort und Stelle Erkundigungen eingezogen. Dieselben seien die besten gewesen, denn die Bahn rentiere fich, trotzdem Stadthagen eine kleinere Stadt wie Marburg sei, recht gut. Der Magistrat habe nunbeschloffen, damit die Klagen über mangelnde Verkehtsverhältniffe in unserer Stadt endlich verstummten, auch hier eine solche Pferdebahn zu bauen und den Betrieb derselben dem Fuhr­unternehmer Deckmann zu übertragen. AuS dem nunmehr zur Verlesung gebrachten Ver­trage ist zu erwähnen, daß b'e Verbindung zwischen Nordbahn Hof und Friedrichstraße zu­nächst ins Auge gefaßt werden soll. In Betracht kommt also dabei die Bahnhof- und Elisabethstraße, Pilgrimstein, RudolphSplatz, Fronhof, UnivetsitätSstraße. Bis Wilhelmsplatz soll nicht gefahren werden, weil durch die Steigung schon ein Pferd mehr gebraucht würde. Die Anlage koste 45 000 Mk. Die Stadt bewillige den seitherigen Zuschuß und habe Anteil am Gewinn. Es sollen jeden Tag 15 Fahrten hin und ebensoviel zurück gemacht werden und zwar von 7 Uhr morgens bis 1/210 Uhr abends. Die Preise find 10 Pfg. sür Erwachsene und 5 Pfg. sür Kinder, 10 Pfg. für kleines und 20 Pfg. für großes Gepäck.

An der nun folgenden Debatte beteiligten fich eine ganze Anzahl Stadtverordneter.

Zunächst ergriff Stadtv. Storck das Wort. Er war der Ansicht, daß der Omnibusverkehr vorläufig für den geringen Verkehr in den Straßen, durch welche die Pferdebahn gehen solle, genüge. Er glaube kaum, daß oben au8 der Stadt die Bahn viel frequentiert würde. Eine Ren­tabilität sei gar nicht möglich, denn es müßten fortwährend bei jeder Fahrt etwa 9 Personen in dem Wagen sitzen, wenn die Kosten heraus- kommen sollten. DaS Ende sei, daß der Unter­nehmer, wenn er nicht auf seine Kosten komme, der Stadt die Bahn zur Verfügung stelle. Er bitte im Namen vieler Mitbürger, die Vorlage abzulehnen.

Stadtv. Hering begrüßt die Vorlage, man müsse nur daran denken, auch die Bahn event. in die Stadt hineinführen zu können. Schon im Interesse der alten und kranken Leute, die schlecht weite Weoe machen könnten, sei es gut, wenn das Projekt zu Stande käme. Redner machte den Vorschlag, dem Antrag bezüglich der An­lage einer Pferdebahn zuzustimmen und den Vertrag mit Deckmann bann noch einmal gründlich zu erwägen.

Der Stadtverordneten-Vorsteher warf hier­gegen ein, daß das schlecht ginge, weil man bann vielleicht eine Bahn bekäme, aber niemand dazu, der sie übernehme.

Der Oberbürgermeister hielt e6 nicht für richtig, wenn man noch weitere Einwendungen gegen das Projekt mache. Deckmann habe die ganzen Jahre Opfer gebracht und nun müsse man dies auch würdigen. Ob fich die Sache rentiere, fei Deckmanns Sacke, der Mann fei doch volljährig und müsse wissen, wie weit er zu gehen habe.

Tas Transportmittel, per Chaise nach dem Bahnhof für 3 50 Mk. zu fahren und für eben­soviel Geld toieoer zurück, fei den Leuten zu teuer. Er habe garnicht daran gedacht, daß Jemand Einwendungen machen würde. Wenn erst der EbSdorfer Bahnbau im Gang fei. könne man ja auch die Bahn zum Eüdbahnhof werter führen. Jedenfalls gewinne die Alt- stadt nichts damit, wenn fie die Pferdebahn be­kämpfe, weil fie eben vorläufig nicht dorthin geführt werden könne.

Stadtv. Seebinger trat ebenfalls für die Vorlage ein, well feiner Meinung nach an eine elektrische Bahn, die man schon mehrfach wieder

erwähnt habe, nicht zu denken sei. Von den Herziehenden sowohl wie auch von den Wegziehenden würden stets die schlechten Verkebrsvechältniffe erwähnt. Er bitte, der Vorlage zuzustimmen. Stadtv. Schäfer wäre auch lieber mit einer elektrischen Bahn gefahren. Weil das nun nicht möglich sei, müsse man damit vorlieb nehmen, waS gemacht werden könne. Bessere Verkehrsverhältnifle zu schaffen, liege im Interesse der ganzen Stadt.

Stadtv. Gleim trat dafür ein, daß eine Pferdebahn angelegt würde. Sie müsse aber durch« Biegenviertel gehen, denn da würde fortwährend gebaut, WaS am Pilgrimstein nicht der Fall sei. Marburg mache eben jetzt den Anfang, eine Großstadt zu werden und da müsse man aber in Bezug auf Verkehrsange­legenheit etwas bieten.

Stadtverordneter Schaaf verwunderte fich schr, daß die Cache auf einmal so eilig fei. Man habe sich ja garnicht informieren können. Die Rentabilität bezweifle er sehr, denn der Hauptverkehr liege doch in der Altstadt. Die Gesellschaft, welche im vorigen Jahre die elek­trische Bahn hätte übernehmen wollen, habe z. B. nur mit der Altstadt und nicht mit dem neuen Viertel gerechnet. Ein Elektrizitätswerk müsse ja doch so wie so noch einmal gebaut werden, denn eines Tages käme die Bahn oder die Universität und stellt das Verlangen wegen elektrrschem Licht. Gegen besseren Verkehrs­mittel sei wohl Niemand, man möge aber mit dem vorgeschlagenen Projekt noch warten. Stadt­verordneter Engel betont, daß Marburgs Ver­kehrs Verhältnisse stets ein wunder Punkt seien. Ein Anfang zur Besserung müsse gemacht werden und das fei die Pferdebahn. Er bitte die Vor­lage zu genehmigen und dabei im Auge zu be­halten, daß später die Linie verlängert würde.

Stadtv. v. Lengerke hebt hervor, daß die Stadt die Verpflichtung habe, für bessere Ver­kehrsverhältnifle zu sorgen, lieber die Ren­tabilität müsse man eben Erfahrungen sammeln. Die elektrische Bahn möge man doch gar nicht mehr erwähnen, denn große Städte z. B. Kassel machten damit kein Geschäft. Er bitte der Magistratsvorlage zuzustimmen.

Stadtv. EtroinSky wies darauf hin, daß Verkehrserleichterungen geschaffen werden müßten. Er fände es nur nicht am Platze, daß man bei so einer Sache, bei der es fich um Tausende handle, nur mit einem Unternehmer verhandele. Kleinere Arbeiten würden submisfionSweise ver­geben und hier mache man eine Ausnahme. Man möge sich auch einmal wegen der Frage mit Herrn Heppe in Verbindung setzen. Viel­leicht sei es auch möglich, die Bahn, bis zum Wilhelmsplatz zu führen. Redner erwähnte dann noch, daß man eventuell in anderen Städten, in denen die Pferdebahn abgeschafft würde, gut erhaltenes und billiges Wagen- material erwerben können. Er bitte, der Vor­lage im Prinzip zuzustimmen, das Weitere aber zurückzustellen.

Nach kurzen Bemerkungen des LPerbürger- meisterS und der Stadtv. Storck und Hering meinte Stadtv. Heuser, daß cS eigentlich reckt schwer sei, fich ein richtiges Bild von der Sache zu machen. Auch das ElektriziiätSwerk sei nicht so ganz von bet Hand zu weisen, daS komme eher wie man glaube. Um zu ver­meiden, daß der Magistratsantrag abgelehnt würde, möge man beu Beschluß aussetzen. Wenn man Zeit gewinne, fei es möglich, ein klares Bild zu bekommen.

Die nun folgende Diskussion trug teilweise amüsanten Charakter, denn Stadtv. Schäfer verwahrte sich dagegen, daß man altes ver­brauchtes Material von anderen Städten kaufe, um eS hier zur Pferdebahn zu verwenden. Ihm wurde bedeutet, daß man auch nicht beab- fichtige, altes Gerümpel zu kaufen. Es gebe gebrauchte Pferdebahnwagen, die noch völlig neu feien.

Stadtv. Seebinger meinte, daß Heppe sich hätte melden können. Zeit genug fei gewesen. An einen elektrischen Betrieb sei vorläufig gar nickt zu denken. Stadtverordneten-Vorsteher Dörffler bedauerte lebhaft, daß die Kommission nicht noch einmal getagt hätte. Da sei vielleicht noch Manches vorher geklärt worden. Wenn die Angaben DeikmannS bezüglich der Kosten der Weiterführung der Bahn bis zum Wilhelms­platz bezw. bi« zum Heumarkt richtig feien, dann müßten die heute vorgetragenen Exempel bezüglich der Rentabilität der Bahn falsch sein. ES wäre gleichgültig, welcher Unternehmer die Bahn bekomme, die Hauptsache wäre die Sicher­stellung der Stadt. Denn wenn die Bahn vielleicht 2 Jahre im Betrieb fei, würde sie plötzlich der Stadt zurückqegeben und dann säße man da mit 45 000 Mk. Unkosten. Also vor allen Dingen Wunsche er erhöhte Garantie. Der Platz an der Kasernenstraße für eine Remise sage chm auch nicht ganz zu.

Es wurden nun verschiedene Anträge gestellt und einzeln abgestimmt. Der Antrag des Stadtv. Heuser, um Vertagung wurde schließlich mit großer Mehrheit angenommen.

Man tret nunmehr in eine vertrauliche Sitzung ein.

8 DeSmftttare»«Schule. Wie gelegentlich einer Stadtverordneten fitzung im vorigen Jahre mitgeteilt wurde, soll hier eine Desinfektoren» schule ins Leben gerufen werden. DaS Nähere Aber diese Einrichtung haben unsere Leser wohl auS der amtlichen Bekanntmachung im Diens­tags-Kreisblatt ersehen. Anmeldungen zur Teilnahme müssen bei den Landratsämtern er­folgen.

* Kleiukiuderschule». In einer anläßlich eine« SverialsolleS erlassenen Verfügung siebt der

Kultusminister davon ab, in der Bestimmung, wonach die Erlaubnis zur Errichtung von Warte­schulen (Kleinkinderschulen) von den Ortsbehörden zu erteilen ist, eine Aenderung darin herbei­zuführen, daß dieses Recht auf die Regierungen übertragen wird. Die OrtSfchulbehörden handeln bei der Ausübung dieses Rechtes al« staatliche AuffichtSorgane. ES ist daher die Regierung als die den Ortsschulbehörden übergeordnete Aufsichts­behörde schon jetzt befugt, die OrtSfchulbehörden mit Anweisungen für die bei der Einrichtung von Warteschulen (Kleinkinderschulen) zu stellen­den Forderungen zu versehen. Die Regierung ist insbesondere auch berechtigt, die OrtSschul- behöN i anzuweisen, daß sie vor der Erteilung der Erlaubnis zur Erichtung einer Warteschule (Kleinkinderschule) an die Regierung darüber be­richten. Wenn in einem Orte die konfesfionellen Schulen besonderen OrtSfchulbehörden unter­stellt find, so wird, sofern es sich nicht um die Einrichtung einer konfessionellen Wartefchule handelt, die Regierung diejenige OrtSschulbe- hörde zu bestimmen haben, welche die Erlaubnis zur Einrichtung der Warteschule zu erteilen hat.

* Liederabend ne« Mareelli Preßt. Auf daS Konzert der berühmten Sängerin, die im vorigen Winter einen so starken Eindruck auf unser Publikum gemacht hat, sei hier nur kurz hin­gewiesen. Ihre geistreiche, graziöse, temperament­volle Gesangeskunst hat so viele Herzen erobert, daß wir ihrem Liederabend wohl einen starke» Besuch prophezeien dürfen. Es wird daran erinnert, daß für die Inhaber der Saalplätze auf den letzten zehn Reihen die Garderobe vo» der Universitätsstraße aus zu erreicken ist.

* Für juuze Lehrer. Wichttge Bestimmungen über den einjährig - freiwilligen Militärdienst der DolkSschullehrer haben nach der .Post' die zuständigen preußischen Minister erlassen. ES heißt darin: .Die Kandidaten deS Dolksschul» amt8, welche die Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Militärdienst nachzusuchen beab» sichttgen, aber das wissenschaftliche BesahigungS- zeugnis nicht rechtzeitig erlangen, können etwa drei Monate vor Ablegung der Lehrerprüfung bei der Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillige ordnungsmäßig die Erteilung deS Berechtigungsscheins beantragen. Dem Gesuch ist eine Bescheinigung des Seminardirektors dahin beizufügen, daß der Bewerber zur nächsten Lehrerprüfung zugelaflen und daS Befähigungs­zeugnis im Falle des Bestehens der Prüfung nachfolgen wird.' Die anderen Bundesstaate» find um gleiche Einführung ersucht worden.

* Ministeriulvcrsüguug. Die Leichen vo« Personen, oie unbekannt beerdigt werden müssen, werden nach einer von Berliner Blättern mit« geteilten preußischen Ministerialversügung von jetzt ab photographiert. Die Bilder sollen zn einer etwaigen nachträglichen Feststellung bei der Polizeibehörde des Orts, in dem die Be­erdigung statt findet, aufbewahrt werden. Ferner soll dem Se^Teib von Personen, die als ver­mißt am werden, schärfer als bisher nadjgegangt . erden.

* Kriegsmmißer ««6 Subwisfien Von der Vergebung von Arbeiten an bie Mindest­fordernden will laut .StaatSb. Ztg.' da« preußische Kriegsministerium künsttg in ein­zelnen Fällen absehen. Bestimmend für diesen Entschluß find verschiedene Vorgänge gewesen, bie fich in der Militäreffektenbranche zugetragen haben. In dieser find von den Arbeitern schon seit geraumer Zeit Klagen über Lohndrückerei erhoben worden. Tatsache ist, daß zum Beispiel verschiedene Fabrikanten in Berlin Arbeiten, wie die Anfertigung von Helmen, Tornistern, Patronentaschen usw. erhe stich billiger über­nehmen als die Artilleriewerkstatt in Spandau selbst an ihre Arbeiter (Sattler) dafür zahlt. Ob die übrigen Staatsminister ihrem Kollegen folgen werden ? Es wäre zu wünschen!

* Die preußische Gerichts»,llzieherettmuug ist in einigen Punkten geändert worden. Nament­lich werden die Anteile der Gerichtsvollzieher an den Gebühren aus Parteiaufträgen erhöht. Ferner wird dafür gesorgt, daß in schleunig«» Fällen auch immer ein Gerichtsvollzieher zur Hand ist. Für die Benutzung des Fahrrads, dessen ausgiebige Verwendung im dienstliche» Interesse liegt, können die Gerichtsvollzieher die der Verzinsung deS Anschaffungspreises und her regelmäßigen Benutzung entsprechenden Bei­träge als Dienstaufwand einstellen.

* Zur Warnung. Die in Hagen in W. er­scheinende .Westdeutsche Ztg.' warnt vor einem Schwindler, der auch unserer Stadt vielleicht einen Besuch zugedacht hat. Wir geben des­halb die Warnung des genannten Blattes wieder: »Zur Warnung für die hiesigen Geschäftsleute teilen wir mit, daß ein gewisser R. Löffler, der fich für den Inhaber eines Reklamegeschäftes ausgibt, in Wirklichkeit aber ohne festen Auf­enthalt ist, fich zur Zeit hier nm Anzeigen für eine Kalenderreklame bemüht, welche in alle» Wirtschaften, Barbierstuben und Zigarren­geschäften angeblich ausgehängt werden sollen. Der Mann verlangt bei der Bestellung eins Abschlagszahlung, welche in der Regel auch geleistet wird. In Hagen gemache Erfahrungen berechtigen uns zu der Mahnung an bie Geschäftsleute, fich mit dem sehr sicher aus­tretenden Herrn nicht einzulaffen, da er die gemachten Versprechungen nicht allein nicht innehielt, sondern auch die Gelegenheit benutzt, allerlei Waren zu entnehmen, für welche Zahl­ung kaum zu erlangen sein wird.'

+ Bracht, 15. Jan. Dem Rechnungs­führer Schmidt dahier wurde von Er. Majestät dem Kaiser daS Allgemeine Ehrenzeichen ver­lieben und durch Herrn Landrat v. Neaeiein