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mit dem Krcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt. »'M» - _ ............... IIWB

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämter» 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

^nsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rcrlamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Somtag, 11. Januar 1903.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Erstes Blatt.

Kriegs- oder Friedens-Sommer?

Recht im Gegensatz zum Vorjahr, das als rin Friedensjahr par excellence bezeichnet werden darf, will das neue Jahr vielen ernsten Politikern durchaus nicht friedlich erscheinen, soll vielmehr bereits die Keime kriegerischer Verwicklungen deutlich erkennen lassen. Berück­sichtigt man, daß außer den venezolanischen, den marokkanischen, den makedonischen Wirren nun auch der Dardanellenstreit aufs neue zum Ausbruch gekommen ist, so wird man aller­dings nicht leugnen können, daß der politische Himmel mit Wetterwolken reichlich genug be­hangen ist. Aber auch ein wolkenschwerer Himmel braucht noch lange nicht immer zu einem Gewitter zu führen, mitunter folgt auch nur ein erfrischender Landregen, ja in der Mehrzahl der Fülle werden die Wolken durch einen an der rechten Stelle einsetzenden Wind vertrieben und zerstreut, ohne überhaupt eine erkennbare Wirkung auSzuüben. Also die Wolken allein tun eS nicht; eS kommt immer auf die mitwirkenden Faktoren an. Die Rolle deS Windes, der die Wolken zerstreut, spielt die Diplomatie der Großmächte gegenüber den im Leben der Völker unvermeidlich eintretenden Konflikten. Und die Diplomatie arbeitet in jedem Falle um so ernster an einer friedlichen Beilegung entstandener Meinungsverschieden­heiten, weil ein Krieg heutzutage weit größere Opfer an Gut und Blut erfordert, als je zu­vor, und weil die kriegerische Verwickelung zweier Kulturstaaten bei der gegenwärtigen Lage und Art der politischen Beziehungen und Verhältnisse die gesamte Kulturwelt in Mit­leidenschaft ziehen würde.

DaS kleine Venezuela brauchte man er- fteulicherweise von dem Augenblick an nicht mehr als einen ernsten Erisapfel zu betrachten, als die Regierung der Bereinigten Staaten von Amerika ihre loyale Haltung in der venezo­lanischen Streitfrage erklärte.

Ebenso wie die venezolanische erscheint auch die marokkanische Frage nicht zu ernsten Be­sorgnissen wegen einer Störung des europäischen Friedens angetan. Der Sultan von Marokko ist dies Mal noch schnell genug Herr der Situation geworden; seine Aussöhnung mit dem verbannt gewesenen älteren Bruder bietet bis zu einer gewissen Grenze eine Garantie dafür, daß die Ruhe seines Landes einstweilen wenigstens gewahrt bleiben wird. Was in Zukunft geschehen wird, danach wollen wir nicht fragen. Sehr viel ernster als die beiden von uns im Vorstehenden gestreiften Fragen ist natürlich die makedonische, mit der man die Dardanellen»Frage verbinden kann. Was Frühling und Sommer auf dem Balkan bringen iwerden, ist noch vollkommen ungewiß. Graf Lamsdorff hat Sorge dafür getragen, daß von seinen Verhandlungen und Abmachungen in Sofia, Belgrad und Wien auch kein Sterbens­wörtchen in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Wären die bezüglich Makedoniens gehegten Plänen ganz so harmloser Natur, wie man sie Seitens der in Betracht kommenden amtlichen Stellen erscheinen zu lassen beliebt, dann wäre die Verschwiegenheit über den Effekt derLamS- dorffschen Reise ein unlösbares Rätsel. Man hat daher doch wohl mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß Rußland und Oesterreich eine sehr tief greifende Umgestaltung in Makedonien für geboten erachten. Es ftagt sich nur, welche Aenderungen geplant sind und auf welchem Wege sie durchgeführt werden sollen. Ein Blick auf daS bunte Durcheinander der Racen und Religionen in Makedonien zeigt, das auf güt­liche Wege nicht viel zu erreichen ist. ES würde die Ruhe und Sicherheit in den makedonischen Vilajets kaum wesentlich ver­mehren, wenn diejenigen Bezirke, in denen die christliche Bevölkerung dominiert, christliche Behörden erhielten.

Zu solcher Reform ist ja die Pforte selbst jeden Augenblick bereit. Makedonien die Unab­hängigkeit zu geben, werden sich die Mächte gleichfalls besinnen. Es würde innerhalb seiner Grenzen dadurch schwerlich etwas gebessert werden, und dann hat es die Pforte doch auch nicht so vollkommen an ihrer Pflicht und Schuldig­keit fehlen lassen, daß man ihr einfach ein aus­gedehntes Besitztum vor der Nase wegnehmen könnte. Den Zeitpunkt aber, den Islam voll­

ständig aus Europa zu verbannen und die euro­päische Türkei zu einem Anhängsel Rußlands zu machen, hält Kaiser Nikolaus II. doch wohl noch nicht für gekommen. Daher spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß man sich vorläufig noch damit begnügen wird, an Makedonien ober­flächlich herumzukurieren. In Deutschland sieht man der Entwickelung der makedonischen Frage mit Ruhe entgegen. Anders in England, wo man auch aus den russischen Kriegsschiffen Seitens der Pforte gewährten Freiheiten be­treffs der Dardanellen-Frage Verdacht schöpft, daß Rußland auf dem besten Wege ist, die Türkei zu verspeisen. Wir glauben auch, daß Rußland auf dem Wege ist und sich nicht auf­halten lassen wird. Aber Rußlands Politik besitzt die Tugend der Geduld. Warum große Opfer bringen, wenn einem die reifen Früchte ftüher oder später doch ohne jede Anstrengung in den Schoß fallen. Ueber das endliche Schicksal Makedoniens wie der Türkei kann gar kein Zweifel bestehen; den Frieden des kommenden Sommers aber wird Rußland wegen der macedonischen Frage deswegen vielleicht noch nicht stören.

Umjchau.

Der Rücktritt des deutschen Bot­schafters von Holleben.

Der deutsche Botschafter in Washington, Herr v. Holleben, wird, wie wir bereits meldeten, Amerika bereits in einigen Tagen verlassen, seine Vertretung ist, wie dieKöln. Ztg." bestätigen kann, dem Generalkonsul Frhrn. Speck von Sternburg übertragen worden. Dieser Herr gilt bekanntlich auch als der Nachfolger des Herrn v. Holleben. Zu dem bevorstehenden Rücktritt des Herrn v. Holleben bemerkt die Poff. Ztg." u. a.: Es kann sein, daß sich der Botschafter über die Bereitwilligkeit des Präsi­denten Roosevelt, das Schiedsrichteramt anzu­nehmen, gründlich getäuscht und daher irrige Berichte nach Berlin gesandt hat. Es ist nicht minder möglich, daß Herr v. Holleben über­haupt die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Venezuela wie gegenüber anderen Mächten unrichtig beurteilt und es daher an der Rechtfertigung der Erwartungen, die man auf ihn setzte, hat fehlen kaffen. Nicht ausge­schlossen erscheint ferner, daß er jetzt, und ver­mutlich nicht ohne Grund, für die unange­nehmen Erfahrungen verantwortlich gemacht wird, die dem Kaiser mit Rudyard Kipling be- schieden waren. Herr v. Holleben früher Garde- Husaren - Offizier, später Ministerresident in Argentinien und Gesandter in Japan, dann in Washington, wurde nach mehrjährioem Still­leben als Gesandter in Stuttgart 1897 Bot­schafter bei der Union. Es ist wahrscheinlich, daß er die Aufmerksamkeit deS Kaisers auf Rudyard Kipling lenkte und die Kundgebung vom 6. März 1899 an die Gattin des erkrankten Schriftstellers veranlaßte. Das damalige Tele­gramm des Kaisers lautete:Als ein enthusiastischer Verehrer der unvergleichlichen Werke Ihres ManneS erwarte ich mit Spannung Nachricht über sein Befinden. Gott gebe, daß er Ihnen und allen erhalten bleibe, die ihm für die herzerhebende Att dankbar sind, in der er die Taten unserer großen gemeinsamen Rasse besungen hat. Jetzt hat der Dichter, uneinge- denk dieser Teilnahme des deutschen Kaisers, die Taten der Deutschen in einer Weise be­sungen, daß er die gerechte Entrüstung aller gesund empfindenden Meirichen erntet. Mag sein, daß der Botschafter daran eigentlich un­schuldig ist. Konnte er eine solche Wendung voraussehen? Aber ein Diplomat, der durch den Erfolg oder vielmehr Mißerfolg widerlegt wird, muß sein Mißgeschick büßen. Das ist der natürliche Lauf der Dinge.

Die Kronprinzessin von Sachsen.

Kronprinzessin Luise sucht einzulenken, sofern die vorliegenden Nachrichten einen höheren Wert als den bloßer Fühler besitzen. Zwischen dem Anwalt der Kronprinzessin und dem Bevoll­mächtigten des Kronprinzen finden nach einer Genfer Meldung derFranks. Ztg." fortlaufend Verhandlungen statt, die in kürzester Zeit viel­leicht einen Viele überraschenden Abschluß finden werden. Die Abwesenheit Girons während der Verhandlungszeit wurde vom Dresdener Hofe als Vorbedingung verlangt. Die Prinzessin widersetzte sich diesem Verlangen zunächst, fügte sich aber auf den Rat ihres Anwalts und Girons. Eiron wohnt bereits in Lausanne und bleibt

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dort bis zum Schluß der Verhandlungen, während welcher der Erzherzog Joseph der Prinzessin Luise seinen Beistand leiht. Der Vertreter des sächsischen Hofes, Juftizrat Dr. Koerner, teilte dem Hofe in einem Telegramm mit, so wird dem ,B. T." aus Dresden ge­meldet, daß er der Kronprinzessin eine jährliche Rente von 30 000 Mk. und bei Ablehnung der­selben eine solche von 50 000 Mk. anbieten werde. Es sei jedoch Beschleunigung der An­gelegenheit geboten und zwar noch vor Eintreffen des Rechtsanwalts Zehme-Leipzig, dessen An­sprüche weit höher sein werden. Der genannte Leipziger Anwalt wird die Prinzessin vor dem vom Könige Georg eingesetzten Sondergericht vertreten. Noch inhaltsreicher, freilich auch verdächtiger lautet eine Wiener Meldung, wo­nach die Kronprinzessin in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag im strengsten Inkog­nito bei ihren Eltern in Salzburg gewesen und am Freitag früh wieder nach Genf zurück- gekehtt sei. _____________

Das Vorgehen gegen Venezuela.

Ein Urteil über Castro veröffentlicht die heutige Pariser Ausgabe deSNew Aork Herald" in einer Depesche des venezolanischen Jnsurgentenführers Generals Matos. Darin heißt es:

Das Unglück Venezulas muß Castro zuge­schrieben werden, der ein Mann ohne Moral und ohne Verwaltungsfähigkeit, mit einem Wotte, ein wahrer Wilder ist. Er hat alle, die er für seine Gegner hielt, unaufhörlich ver­folgt. Soldaten, Kaufleute und Bauern in un­gesunde Gefängnisse geworfen und in Ketten legen lassen. Zwei Jahre hindurch wurden den Arbeitern die Häuser, den Schiffern die Boote verbrannt; Städte, deren ganzes Ver­brechen darin bestand, daß sie von revolu­tionären Truppen besetzt worden waren wurden gebrandschatzt und bombardiert. Die willkürlichen Maßnahmen, die Castro gegen die Fremden traf, haben die gemeinsame Aktion der europäischen Mächte veranlaßt. Sobald Castro gestürzt ist, wird Venezuela seine Ruhe und seinen Kredit wiederfinden.

Das Vorgehen gegen Venezuela scheint baldigen Erfolg zu versprechen. In New- Aorker Regierungskreisen ist man der Ansicht, daß der Weg zur Regelung der venezolanischen Schwierigkeit jetzt frei wird, denn es zeigt sich, was bereits Depeschen aus Europa hätten an­nehmen lassen, daß eine ziemliche Ansicht be­steht, die Angelegenheit, ohne daß man sich an das Haager Schiedsgericht wendet, zum AuS- trag zu bringen. Castro bestellte Bowen end- giltig zu seinem Kommissar und wenn ein paar Punfte hinsichtlich der Beding­ungen, die einer Konferenz vorangehen müssen, freundschaftlich erledigt werden können, wird erwartet, daß England und Deutsch­land ihre Botschafter in Washington zu ihren Kommissaren ernannt werden. Wenn der Zusammentritt dieser Kommission erfolgt, wird dies mit Anweisungen an dieselbe ge­schehen, daß sie sich bemühe, den Streitfall end- giltig hier in Washington zu erledigen. Bowen scheint voll Zuversicht zu sein, daß er eine solche Beilegung wird zu Stande bringen können.

Deutsches Reich

Berlin, 10. Januar.

Der Kaiser, der tags vorher in Hannover ein­traf, jagte Freitag vormittag im Saupaik zu Springe. An der Jagd, die vom Wetter begünstigt wurde, nahmen auch Feldmarschall Graf Waldersee und Landwirtfchaftsminister v. Podbielsli teil. Nach­mittags speiste der Monarch beim Grafen Waldersee und abends besuchte er wieder das Hostheater. Am heutigen Sonnabend wollte Se. Majestät den Hannoverschen Männergesangverein hören und die Parade über die Garnison abnehmen. Die Schulen waren auf kaiserliche Anordnung geschloffen. Der Kaiser schoß 69 grobe Sauen.

Der Kaiser verlieh dem Professor von Esmarch anläßlich seines 80. Geburtstages den Kronenorden 1. Klasse.

Der konservative Abgeordnete Graf Kanitz legt in einem Briese, den dieKreuzztg' veröffent» licht, die Gründe dar, die ihn bewogen haben, für den Zolltarif zu stimmen.

Der deutsche Reichstag tritt am kommenden Dienstag, den 13 Januar, nachmittags 2 Uhr wieder zusammen, um sich zunächst mit den zum Zolltarif vorliegenden Petitionen zu beschäftigen. An dem­selben Tage und zu der gleichen Zeit nimmt bekannt­lich auch das preußische Abgeordnetenhaus seine Ar­beiten auf.

Das ReichsverficherungsaM (st fasst ,B. T." die grundsätzlich wichtige Entscheidung getroffen, daß Unfälle auf Reisen, die im Verfolg des Heilverfahrens voraenomrnen werde«, und Beschädigungen der Ge­

sundheit der Versicherten während des zum gleiche« Zwecke erfolgenden Aufenthalts in Krankenhäuser« der Entschädlgungspflicht der Berufsgenosscnschaste« nur unter besonderer Voraussetzung unterliegen.

Die Steinkohlengewinnung Deutschlands im Jahr 1902 wird auf 107 300000 Tonnen gegen 108417029 im Vorjahr geschätzt. Schon im Jahre 1901 betrug der Rückgang beim rheinisch-westfälische« Kohlensyndikat 1668972 Tonnen.

Der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding hat die in der Münchener Universitäts- Augenklimk an ihm vollzogene Staar-Operation aut überstanden, die Klinik im besten Befinden verlasse» und wird sich bereits in diesen Tagen nach Berlin begeben, um seine amtliche Tätigkeit im vollen Um­fange wieder aufzunehmen. Bei den Etatsverhand­lungen im Reichstag wird Herr Nieberding also di« fein Reflort betteffenden- Titel persönlich verirrte» können.

Eine Kügler-Stiftung zur Unterstützung er- krankter Dolksschullehrer gedenkt die preußische Lehrer­schaft zur bleibenden Ehrung des verstorbene» Ministerialdirektors Kügler ins Leben zu rufen. Die Mittel sollen gewonnen werden durch den Verttieb eines Kunstblattes, das ein lebenswahres Bild bei Verewigten giebt.

Zur Beteiligung des Reichs an der inter­nationalen Erforschung der nordischen Meere im Interesse der Seefischerei wird auch der neue Reichs- Haushalt wieder Mittel fordern. Deutschland hat die südlichen Teile der Nord- und Ostsee zu erforschen; das Reich ließ dafür einen besonderen Fischereidampfer Poseidon" bauen, der seine Probefahrten in bet Nordsee schon begonnen hat.

Ausland

Italien. Anläßlich der 25. Wiederkehr deS Todestages Victor Emanuels II. wall- fahrteten gestern viele Tausende auS Rom und ganz Italien zum Grabe desselben im Pantheon.

Schweiz. DieSchweizerische Depeschen­agentur" vernimmt aus sicherer Quelle, daß die in der Presse verbreiteten Nachrichten über eine der Kronprinzessin von Sachsen angebotene Jahresrente und eine Reise des Erzherzogs nach Genf reine Erfindungen sind. Die Verhand­lungen zwischen dem Justizrat Dr. Körner und dem Advokaten Lachenal dauern fort.

Frankreich. Der Senator Marcel Saint Germain, der daS algerische Departement Oran, das französische Grenzgebiet Marokkos vertritt, erörtert heute in benQuestions Diplomatiquea et Coloniales" die Interessen Frankreichs gegen­über den marokkanischev Unruhen; er geht dabei aus der Reserve heraus, welche die Tagesprefft bisher beobachtet, und verteidigt das Verlange« der französische Minister des Aeußeren möge darauf bedacht sein, Frankreich ein Sonderrecht auf die Protektion Marokko zu sichern. Bis zum Jahre 1880 habe Frank­reich tatsächlich eine bevorzugte Stellung ein­genommen, die es durch die Zustimmung zur Madrider Konvention aufgab. Diese Konvention stellte das europäische Eigentum in Marrokko unter den Schutz aller interessierten Mächte und gab der englischen Rivalität einen für Frankreich verhängnisvollen Vorsprung. Die Hebung del französischen Einflusses denkt sich Saint-Germai» so, daß zwar die Integrität Marokkos inter­national garantiert bleibt, daß aber die übrige» beteiligten Mächte Frankreich allein den Schutz und die Verteidigung dieser Integrität über­lassen sollen. Der Senator von Oran verlangt demnach, wie er sich ausdrückt, nicht einPro­tektorat", sondern eineProtektion" Frankreichs über Marokko. Er empfiehlt der Regierung im Falle einer Landung anderer Mächte auf der marokkanischen Küste, sofort von der Land­seite auf Fez loszumarschieren, sich aber auf keine internationale Intervention einzulaffen, welche der Aufteilung Marokkos gleichkäme und eine Erniedridung für Frankreich bedeuten würde.

England. Die Informationsreise des russischen Ministers des Auswärtigen Grafen Lambsdorff hat die englische Regierung veran­laßt, auch ihrerseits Erhebungen über die Lage in Macedonien einzuziehen. Sie beauftragte ihren Vertreter in Sofia, sich an den maß­gebenden Stellen genauesten« über die Greuel- taten in Macedonien zu informieren.

Südafrika. Chamberlains Verhalten de« Buren gegenüber findet in der ganzen zivili­sierten Welt fast einhellige Verurteilung. Be­sonders empörend erscheint die boshafte Art deS Chamberlainschen Auftretens, wenn man die loyale Haltung der Burenführer berück­sichtigt. In der Versammlung, welche den Text der bekannten Adresse an Chamberlain feststellte befanden sich auch einige von de« Buren-Ueberläufern, die mit den Engländern gegen ihr eigenes Volk kämpften. Der Vor­sitzende der Versammlung, Schalk Burger, duldete keine Verunglimpfung dieser Elenden. Desgleichen untersagte er jede England feind-