mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
Sonntagsbeilage: Jlluftrtrtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Sonnabend, 10. Januar 1903.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerei > Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jayrg.
Mittag-Ausgabe.
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Kinderschutz.
Wir dürfen im allgemeinen mit den im deutschen Reiche getroffenen Maßnahmen zum Schutze der Kinder zufrieden sein. Die Fürsorge gegen Verwahrlosung der Jugend entspricht den Anforderungen, die gestellt werden muffen, ein Gesetz, das die gewerbliche Ausbeutung der Schulkinder verhindert, wird noch in dieser Session zur Verabschiedung gelangen. Der Hebung der Schulen wird unausgesetzte, liebevolle Sorgfalt gewidmet. Alles das wird man mit Genugtuung konstatieren, ohne daß man deshalb die Mängel zu übersehen braucht, die dem Kinderschutze immerhin noch anhaften, diese Mängel find freilich nicht so geartet, daß man ihnen mit den Paragraphen eines Staatsgesetzes zu Leibe gehen könnte. Die Mängel des Kinderschutzes, die wir hier im Auge haben, lasten sich vielmehr nur durch die Kontrolle der Oeffentlichkeit abstellen, ihre Beseitigung bedarf der Liebe und des Taktes in gleich hohem Maße. Es find die Fälle gar zu häufig, in denen Kinder von ihren leiblichen Eltern nicht nur nicht geschätzt, sondern entweder geradezu zu Verbrechen angehalten oder aber mißhandelt werden, bis zum Krüppel, nicht selten gar bis zum Tode. In der diesjährigen ersten Berliner Schwurgerichtsperiode wird erst wieder ein Fall zur Verhandlung gelangen, daß Eltern ihr eigenes Kind zu Tode prügelten. Wir meinen, so grauenvollen Ereigniffen, die vom moralischen Standpunkte aus betrachtet, noch weit scheußlicher find, als der nichtswürdigste Raubmord, müßte vorgebeugt werden können, wenn die öffentliche Kontrolle ihre Schuldigkeit täte. Nachbarn und Hausgenosten können doch derartige Vorgänge unmöglich gänzlich verborgen bleiben, fie werden, ohne aufdringlich zu sein, bei gutem Willen auch leicht feststellen können, ob es fich in dem einzelnen Falle um die berechtigte, in den erlaubten Grenzen gehaltenen Züchtigung, oder ob es fich um methodische Mißhandlung handelt. So viel Interesse an dem Schicksal der ihm räumlich nahe Stehenden, soviel Menschenliebe muß jeder rechtschaffene Mann, jede mitfühlende Frau besitzen, daß fie da ausklärend und helfend einwirken, wo Licht und Hülfe not tun. Ein wenig Anteilnahme an dem Schicksal schutzloser Kinder ist doch unbedingt Menschenpflicht. Deutschlands Volk ist noch immer ein kinderreiches; aber die Zeiten können fich ändern, und fast will es scheinen, daß Frankreichs Beispiel auch schon diesseits der Vogesen Eingang gefunden habe. Seine Kinder find seine Zukunft, es geschieht der Kraft deS ganzen Volkes Abbruch, wenn auch nur eines der Unmündigen in gewiffenloser Weise geopfert wird. Drum fordern wir mehr Interests an den Schicksalen
Kommunale Chronik vom Jahr 1902.
(Fortfehung.)
Der Wagen selbst blieb an den Akazienbäumen hangen, die meisten Möbel waren zertrümmert. Vor 70 Jahren war an dieser Stelle ein Maulesel mit dem Bierwagen des Bierbrauers Lederer heruntergestürzt, seitdem nannte man diesen bei der Kanalisation beseitigten Tiefkanalgraben Eselsloch Die Spritzen- Mannschaft, welche die Landspritze bedient streikt, weil die Stadt die Mittel dafür verweigert hat um die Spritzenproben auf den Ortschaften abhalten zu können, und die Spritze mit den Mannschaften wird auf städtische Kosten mittelst Wagen dahin befördert. Die vor einigen Jahren neu angelegte Dampfheizung in dem Rathaus wird umgebaut. Es sind Gasöfen im Rathaus aufgestellt worden. Zur Erweiterung des Todtenhoss wurde ein Grundstück für 4700 Mk. angekauft. Der Fuhrwerksbesitzer Deckmann ist bei der Stadt um einen Zuschuß eingekommen, da er sonst die Omnibusfahrt vom Süden nach Norden einstellen müsse. Jetzt hat fich auch der frühere Unternehmer erboten, wenn er eine städtische Beihülfe erhalte, das Unternehmen mit neuen Straßenwagen wieder aufzunehmen. Der städtische Kohlwald soll mit dem Staat nach voraus- »egangener Taxation gegen die Kirchspitze und den Dammelsberg ausgetauscht werden. Auf Betreiben des Kurators der Universität, sollte die Stadt ein Elektrizitätswerk anlegen. Dieses Anfinnen ist von dem Minister, angefichts der Finanzlage des Staates abgelehnt worden. Auch der Stadt werden große Ausgaben erspart bleiben, z. B. die Zukunftsmusik mit der elektrischen Bahn. Zur Feier des dreißig- lahrigen Bestehens des Krieger- und Landwehrverems, hatte der Verein im Mnseumssaale Kriegsfestspiele veranstaltet. Am 18. Oktober sand ein Kommers und am 19. Oktober fanden im Museumssaale die Kriegs- fistspiele, bestehend aus lebenden Bildest aus 1870/71, dkrn fich ein Ball anschloß statt. Um dem Publikum Meä auch zugänglich zu machen, batte man am 17.,
fder schutzlosen Kinder, drum machen wir die ganze Gemeinde, von ihrem Oberhaupte bis zu ihrem letzten Glieds verantwortlich für jeden Fall tätlich verlaufender Kindermißhandlung. Die Oeffentlichkeit ist in der Lage, so grauenvolle Fälle von Kinderhinmordung zu verhüten, wie wir fie leider innerhalb des Deutschen Reiches noch immer viel zu oft zu beklagen haben, wenn sie nur den ernsten Willen dazu hat. Wer eS an ihm fehlen läßt, läd schwere Schuld auf fich. Daß die kommende Generation fich gesund entwickele in körperlicher wie in geistiger und moralischer Beziehung ist die unverbrüchliche Pflicht der gegenwärtigen. Laßt uns unsere Schuldigkeit tun!
Umschau.
Die Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung in St. Louis.
Ueber die Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung in St. Louis, die im April 1904 eröffnet werden soll, heißt es in einer dem Reichstag Angegangenen Denkschrift des Reichsamts des Innern, es gebiete dies nicht allein die Rücksicht auf unsere freundschaftlichen Beziehungen Zu Nordamerika, sondern es sprächen hierfür in noch erhöhtem Maße auch Gründe rein geschäftlicher Art. Die Vereinigten Staaten stehen in der deutschen Ausfuhr an dritter und im ganzen deutschen Außenhandel an zweiter Stelle. Die deutsche Ausstellung soll aber im wesentlichen auf die Gruppen der bildenden Künste, des Kunstgewerbes (einschließlich Spielwaren), des Erziehungs- und Unterrichtswesens (unter Einbeziehung gewisser Zweige des Buchgewerbes) und der wissenschaftlichen Apparate aller Art beschränkt werden. Seit längerer Zeit ist die deutsche bildende Kunst, insbesondere die Malerei, mehr und mehr in Amerika zurückgedrängt. Inzwischen ist mit dem außerordent- lichen Anwachsen des Reichtums in Amerika das Bedürfnis nach künstlerischem Schmucke des Hauses in solchem Maße gewachsen, daß gegenwärtig für die deutsche Kunst die besten Aussichten bestehen, dort wieder festen Boden zu gewinnen. Es soll daher gerade auf die eindrucksvolle Ausgestaltung der deutschen Kunstabteilung besondere Sorgfalt verwendet werden. Für das Kunstgewerbe kommen ähnliche Gesichtspunkte in Betracht. — Auf eine Vorführung des deutschen Unterrichtswesens wird von der nordamerikanischen Regierung besonderer Wert gelegt, weshalb geplant ist, in St. Louis vorzugsweise die Einrichtungen unserer Hochschulen zu veranschaulichen. Im Rahmen dieser Unterrichtsausstellung können die Erzeugnisse unserer feinmechanischen und optischen Industrie, die auch in Amerika immer mehr an Boden gewinnt, ferner der an Umfang und Bedeutung von keiner anderen Nation auch nur annähernd erreichten wissenschaftlichen Litteratur, endlich als Lehrmittel dienende Mustersammlungen landwirtschaftlicher und gewerblicher Erzeugniffe
23. und 26. Oktober Ex.ra - Vorstellungen gegen ein Eintrittsgeld veranstaltet, die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Der Wassergang vom Rudolfs- Platz zur Lahn wurde beseitigt und ausgefüllt. Der Obermeister der Schneider • Zwangsinnung hat dieses Amt und seine anderen Nebenämter niedergelegt. Eingeschrieben wurden 245 Konfirmanden und zwar 35 Knaben und 38 Mädchen in der luth. Kirche, 45 Knaben und 31 Mädchen in der Elisabeihkirche, 30 Knaben und 44 Mädchen in der reformierten Kirche, weiter 15 Knaben und 7 Mädchen lluth.) aus Ockershausen. Die Füuf-Millionen-Anleihe ist vom Minister noch nicht genehmigt, vorerst sind noch aller- Hand Förmlichkeiten zu erledigen. Die Sunfen- und Deutschhausftrage wurden wegen Neudeckung und Befahren mit der Dampfwalze gesperrt. Neben der Ober-Realschule und an anderen Orten soll man schon über 3 Jahre ein ganzes Lager Basattsteine ange sammelt haben, die auf Verarbeitung warten, obgleich das ganze Straßenpflaster in der Stadt fich in einem schauderhaften Zustande befindet. In einem, einer Universitätsstadt unwürdigen Zustand find verschiebt ne chauffierte Straßen, die Schulstraße und andere, sie gleichen eher einem schlechten gewöhnlichen Landweg als einer Straße, wofür die Anlieger ihren Straßen- beitrag lange schon gezahlt haben. Bei trockenem Wetter kann man vor Staub kein Fenster öffnen und bei Regenwetter kann man dort Schlammbäder nehmen. Die Zahl der immatrikulierten Studenten im Wintersemester 1902/03 beträgt 1083. Bei der Legung der Wasferleitungsröhren vom Weidenhäulertor nach der Cappele^strasie fand man bei der Aushebung des Grabens, den man an der Ecke vom Siechengarten angelegt hatte, in einer Tiefe von 1 Meter eine Anzahl Totengebeine und Schädel. Demnach ist anzunehmen, daß, ehe diese Straße angelegt wurde, der Weidenhäuser Totenhof über die Straße gegangen ist und der gegenüberliegende Siechengarten auch noch dazu gehörte. Der Landesausschuß des Regierungsbezirks Cassel hat ein Statut über eine Ruhegehalts- kasie für die Kommunalbeamten und deren Witwen
in besonders wirksamer Weise zur Geltung gebracht werden. Den drei Hauptgruppen werden fich voraussichtlich Ausstellungen auf dem Gebiete der Elektrotechnik und des Ingenieur- Wesens anreihen. Die bereitzustellenden Reichsmittel — im Ganzen etwa 2 % bis 3 Mill. Mark — werden dazu beitragen, wichtigen Zweigen der deutschen Erwerbstätigkeit, die besonders unter der Ungunst der Verhältniffe leiden, neue Absatzgebiete zu eröffnen und so ihre Widerstandsfähigkeit im wirtschaftlichen Kampfe zu stärken.
DaS Vordringen der Polen in Schlesien.
Noch vor einigen Jahrzehnten lebten in Schlesien Polen und Deutsche in vollkommener Eintracht. Polnische Preßorgane gab eS dort so gut wie gar nicht; gehässiger Nationalitätenstreit war nicht bemerkbar. Als aber die großpolnische Bewegung fich auch auf Schlesien zu erstrecken begann, änderte fich das friedliche Bild, und bald bildeten die Polen nicht nur eine den Deutschen schroff gegenüberstehende nationale Phalanx, sondern sie drängten direkt vorwärts und polonifierten auch ehedem deutsche Orte und Landschaften. Jetzt hat sich auch in Schlesien ein besonderer polnischer Wahlverein aufgetan und ihr Programm veröffentlicht, auS deffen Einleitung intereffante Streiflichter auf hie polnischen Aspirationen und auf die bisherige Entwickelung des Polentums in Schlesien geworfen werden. Es heißt, wie wir der.Köln. Volkszeitung" entnehmen, in diesem Programm: Schlesien fei vor Jahrhunderten von dem Mutterstamm abgeschnitten worden; alle diejenigen, welche seine Anführer sein sollten, wären ins deutsche Lager übergegangen, und nur das Volk sei seiner Mutersprache und seinen Traditionen treu geblieben. Endlich habe auch daS von seinen Herrn als Spielball behandelte Volk sich aufgerüttelt und sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß eS mit den Polen von Posen, Warschau und Krakau eins sei. Da hätten nun angesichts seiner Machtlosigkeit einzelne intelligente Persönlichkeiten seine Führung übernommen und die ganze Sache so geleitet, wie es ihnen gut schien. „Dies sind die Redakteure einiger weniger polnischer Blätter gewesen, welche in Schlesien erschienen. Jedermann muß zugeben, daß die Früchte ihrer mühseligen Arbeit wahrhaft große sind und die Gegenwart wie die Zukunft der Polen ihnen dafür Dank zollen wird. Indessen ist unsere nationale Bewegung mit der Zeit so gewachsen, daß kein einzelnes Individuum, so hervorragend es auch fein möge, mehr im stände ist, sie zu soffen. Unser Volk hat in den letzten Jahrzehnten eine gewisse politische Uebung erlangt und ist in bürgerlicher Beziehung emporgekommen. Die Zahl der Jntellegenz wächst unerwartet."
Es könnte fast scheinen, als fei das „polnische Volk" Schlesiens infolge der „Bemühungen" der erwähnten Redakteure in die Höhe gekommen und habe sich Dank ihnen zu einer unerwarteten
den Gemeindebehörden vorgelegt. Zur Prüfung dieses Statuts und Stellungnahme hierzu hat der Vorsitzende des hessischen Städtetages eine außerordentliche Sitzung am 15. November nach Cassel anberaumt, wozu der Oberbürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher deputiert wurden. Der von einer Maschinenbaugesell- schast in Köln angefertigte Gasbehälter ist fertig gestellt und ragt nun in seinem Hintergründe Über alle Gebäulichkeiten hervor, obgleich man ihn vor den Augen des die Brücke passierenden Publikums verstecken wollte und dieserhalb mehrere Grundstücke ankaufte Mit den Erweiterungsbauten am Bahnhof wird durch Abgrabeu und Aufschütten der Erde begonnen. Der alte Steg, der nach Spiegelslust vom Krummbogen dorthin führte, wurde für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Am 12. November gegen Abend entstand im Küpper'schen Atelier in der Kasernenstraße ein Brand, der jedoch bald gelöscht wurde. Das ganze Glasdach ist zertrümmert.
Die Universitäts- und Haspelstraße und sogar den alten Kirchhainerweg hat die Dampfwalze befahren, nur die anderen im Südviertel gelegenen Straßen warten mit großer Sehnsucht auf eine Verbesserung ihres notdürftigen Daseins. Am 17. November hatten wie 5° R. und am 18. und 19. November bei Sturmwind von Nordost 8° R. Kälte. Die Lahn ist zugefroren. Der Unterricht in der Knabenvolksschule mußte ausfallen, weil die Heizungsanlage defekt war. Warum man diese Anlage in den Schulferien oder im Sommer nicht in Ordnung bringt, bleibt unverständlich. Die Kommisfionsmitglieder des Städtebundtheaters hatten mit der Gießener Kommission eine gemeinschaftliche Sitzung. Aus den Beratungen ging hervor, daß die Ausführung des Projektes nicht von den Städten, sondern von Theatervereinen geschehen solle und daß die Städte um einen jährlichen Zuschuß angegangen werden sollen. Im Jahr 1876 wurde einer Privatgesellschaft die frühere Reitbahn auf 25 Jahre überlasten, und jtetrt jw Zweck« eines Umbaues in einen Saalbau. Das nötige Geld zu diesem Unternehmen wurde durch Zeichnen von Attien
Intelligenz entwickelt. Diese günstigen Zustände aber verdanken die Polen der Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche, insonderheit zu Preußen. Nicht den Agitatoren, siie diese günstige Entwickelung höchstens stören, verdanken die Pole» ihr Emporkommen, sondern den preußische» Königen und deren landesväterlicher Für» sorge. Statt dies dankbar anzuerkennen und sich als treue Staatsbürger zu erweisen, lasse» die Polen fich durch gewiffenlose Agitatore» - verleiten, geradezu hochverräterischen Pläne» anzuhängen und ihre unwiderrufliche Zugehörigkeiten zur preußischen Monarchie in Frage z» stellen. Man kann eine solche zersetzende Agitation nur auf das schärfste verurteilen und erwarten, daß ihr sehr entschieden und konsequent entgegengetreten werde.
Die landwirtschaftliche Bedeutung Sibiriens.
Der Wettbewerb Sibiriens auf dem Markte für landwirtschaftliche Erzeugniffe ist erst ganz neuerdings dem Gesichtsfeld näher gerückt. Sehr zur rechten Zeit für die Beantwortung dadurch rege gewordener Fragen ist nun soeben durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ein Bericht deS Landwirtschaftlichen Sachverständigen für Sibirien, Profeffor Dr. Auhagen, über die Besiedelung Sibiriens veröffentlicht, in dem eine Reihe für die Kolonisierung Sibiriens wichtiger Fragen behandelt werden.
Mit der Eröffnung der Großen Sibirischen Eisenbahn ist in der Bewertung Sibiriens eine gründliche Aenderung eingetreten. Ueberwiegend findet man heute in der fibirischen Geschäftswelt in Beamtenkreisen, in der örtlichen Presse die Meinung verbreitet, daß Sibirien in nicht ferner Zukunft in der Lage sein werde, ein reiches wirtschaftliches Leben in seinen Grenzen zu entfalten, gegründet auf inneren Güteraustausch, aber auch auf umfangreiche Versorgung Europas mitErzeugnissen namentlich der fibirischen Landwirtschaft. Und in Wirklichkeit kann diese Meinung sich schon jetzt auf Tatsachen berufen, die wenige Jahre zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Am erstaunlichsten in dieser Beziehung ist daS schnelle Wachstum der Produktion von Rahmbutter.
Das im allgemeinen wichtigste Absatzgut Sibiriens, Getreide, hat allerdings an dieser ständigen Aufwärtsbewegung nicht teilgenommen. Die Mißernten der Jahre 1900 und 1901 haben gegenwärtig Sibirien zu einem der Getreideeinfuhr bedürftigen Lande gemacht, und ihre verheerende Wirkung wird sich mindestens noch zwei Jahre aufs schwerste fühlbar machen; immerhin aber können sie nur vorübergehend die Zunahme der Getreideproduktion hemmen. Eine überraschende Erscheinung ist ferner, daß sich das fast ausschließlich von Bauern besiedelte Sibirien plötzlich als sehr aufnahmefähiger Markt nicht nur für Pflüge, sondern auch für größere landwirtschaftliche Maschinen, namentlich Gras- und Getreide-
aufge6rad;t. 1877 wurde dieser Saal zu akademischen als öffentlichen Festlichkeiten verwendet urb in dem ehemaligen Pserdestall war eine Wirtschaft eingerichtet worben. Nach Ablauf bieser Konzession wurde ber Saalbau mit Wirtschaft für ben öffentlichen Verkehr geschlossen und, nachbern er restauriert, bem Akabemischen Turnverein übergeben. Von ben Saalbauaktien wurden keine Zinsen bezahlt und da die Gesellschaft liquidiert hat, werden die Inhaber mit ungefähr einem Drittel des Nennwertes ab- gesunden.
Arn 10. Januar 1881 richtete der Nordverein eint mit 425 Unterschriften versehene Eingabe an den Stadtrat um Verlegung des Wochenmarktes auf die Ketzer- bach. Heute am 20. November zirkuliert abermals eine Liste zum Unterzeichnen auf ber Ketzerbach an den Magistrat, worin um Verlegung bes Wochen- marktes auf bie Ketzerdach petitioniert wirb. Die Bewohner des Südviertels wollen ebenfalls einen Wochenmarkt haben, damit sie nicht bei Glatteis und Sonnenhitze ben Berg zu steigen brauchen und die Marktbesucher wegen des weiten Wegs zum Marktplatz ben richtigen Zuganschluß am Bahnhof Süd bekommen. Der Friebrichsplatz würbe fich ganz gut zu einem Marktplatz eignen. Die ©tabtoerorbneien bereinigten einen jährlichen Zuschuß zum Stäbtebunb- tbeater und einen monatlichen Zuschuß von 80 Marl bis zum Monat Mai 1903 an Fuhrwerksbesitzer Deckmann zur Unterhaltung ber Straßenbahn. 12. Nov. Das Eis auf ber Lahn ist 12 em stark; auf ber Lahn wird schon Eisschuh gelaufen Der Turnverein beabsichtigt am östlichen Eingang bes TurnergartenS eine Turnhalle zu erbauen, hiergegen wurden seitens ber Stabt Einwendungen erhoben, da ein Fluchtlinienplan besteht, ber zwar schon durch den Neubau einer Billa im Nachbargarten unterbrochen Würbe. Um nun den Stabtverorbneten ben Standpunkt klar zu machen, fand eine Lokalbesichtigung statt, wo die zu erbauende Turnhalle mit Stangen markiert würbe.
(Fortsetzung folgt.)