Dar Dorgehen gegen Venezuela.
Die venezolanische Frage ist nun auch noch ln das neue Jahr mit hineingeschleppt worden und es steht beinahe so aus, als ob fie noch einen ganz erheblichen Teil desselben in Anspruch nehmen sollte. Präsident Castro ist zwar aus La Victoria nach Caracas zurückgekehrt und hat dort aus der Hand des amerikanischen Botschafters Bowen die Bedingungen entgegen- genommen, die die vereinigten Mächte an die Unterweisung der Streitfrage an das Haager Schiedsgericht knüpfen. Aber Herr Castro ist noch immer nicht mürbe geworden. Die kleinen Erfolge der Regierungstruppen am Schluffe des vergangenen Jahres, die ihm sogar die Möglichkeit verschafften, aus der freiwilligen Verbannung nach der Hauptstadt zurückzukehren, haben sein bereits ins Wanken geratenes Selbst- dewußtsein wieder gestärkt und gehoben.
Von der Gewissenlosigkeit des Präfidenten Castro kann man sich einen Begriff machen, wenn man hört, was ein Berichterstatter des „B. L.-A.", der den Präfidenten in La Victoria aufsuchte, von diesem Besuche zu erzählen hat. Castro befand sich als Gast des Generals Alkan- tara aus deffen Landfitz bei La Victoria. Es war um die Mittagsstunde, Castro befand fich bei Tanz und Frühstück im Garten in lustiger Gesellschaft. Der Ankömmling wünschte dem Präfidenten vorgestellt zu werden. General Alkantara wehrte aber ab mit dem Bemerken, er fürchte den Präfidenten mit einer Vorstellung zn stören. Dabei zeigte er auf ein Bündel Staatsdepeschen, die eingegangen, dem Präst» denten aber noch nicht vorgelegt worden waren, da dieser in seinem Vergnügen nicht gestört sein wollte. Als der Korrespondent schließlich doch vorgelaffen wurde, fragte, er den seelenvergnügten Castro, ob er denn schon wiffe, daß die Streitfrage dem Haager Schiedsgericht vorgelegt werden würde. Castro bejahete. »Sie mußten mir ja kommen!" fügte er mit Selbstgefühl hinzu. Ob er Abbitte leisten wolle? lautete eine andere Frage. »Ich bin der Beleidigte", erklärte Castro, „brauche und werde also niemandem Satisfaktion geben." Bei Wein und Weibern setzte der ehrenwerte Präsident alsdann sein Vergnügen fort! Wann und wie unter der Herrschaft dieses Präfidenten die Streitfrage mit den bisher angewendeten Mitteln in befriedigender Weise gelöst werden wird, das wissen bie Götter.
Aus Willemstadt ist Londoner Blättern gemeldet worden, der Postmeister von Maracaibo halte verschiedene Briefschaften deutscher Kaufleute zurück, und der deutsche Kreuzer „Falke" drohe infolgedessen die Stadt zu beschießen.
„Weil zu lange gezögert wurde, ihn einzn- schlagen."
„Das mag ja sein —'
Gertruds feines Gesicht bekam einen ganz andern, beinahe strengen Ausdruck. Sie fühlte in sich selbst zu viel Energie und Thatkraft, vm Viktors Saumseligkeit und Schlaffheit nicht AU verurteilen.
„Das ist ja schlimm, Herr v. Meinau, und kann Sie kaum schmerzlicher treffen als mich. Ihr Vater war mein Wohltäter. Deshalb läßt mich nichts gleichgiltig, was die Besitzer von Schönfeld angeht. Vermöchte ich dem Unheil entgegenzuarbeiten, so geschähe es und müßte ich diese schwachen Hände rühren wie «ne Taglöhnerin."
„Das weiß ich. Bei Ihnen ist nur warmes Mitgefühl zu finden."
„36, so gewiß ein Gott im Himmel ist! Aber auch Aufrichtigkeit. Sie thaten nicht, was Ihre Pflicht gewesen wäre. Der letzte Wunsch des Sterbenden hätte Ihnen heilig sein Müssen. War das der Fall? — nein!"
„Gertrud!" brauste Meinau aus und fügte bann ruhiger hinzu: Aus Ihrem Munde hätte Ich etwas anderes als nutzlose Vorwürfe er- jpartet Ich glaubte mich geliebt."
VortsetzunL folgtJ
Deutsches Reich
Berlin, 2. Januar.
— Beide Majestäten und die drei ältesten Prinzen nahmen am Sylvester-Morgen das heilige Abendmahl. Zur Abendtafel gab es Karpfen in Bier mit Pfefferkuchen und starken Gewürzen, Pfannkuchen und Punsch aus feinstem Rheinwein. Um 12 Uhr begrüßte der Kaiser das neue Jahr, worauf die gegenseitige Beglückwünschung folgte. Die Christbäume erstrahlten noch einmal im vollem Glanze, und der Monarch machte bei dem ruhigen, trockenen Wetter einen Spaziergang. Am Neujahrstage kam die kaiserliche Familie von Potsdam nach Berlin. Gegen 10 Uhr ging der Festgottesdienst in der Schloßkapelle vor sich, an den fich die Eratulationskour im Weißen Saale reihte. Mittags gab der Kaiser im Zeughause die Parole „Berlin-Königsberg" aus.
— Das Kaiserboot „Sleipner" erhielt Befehl, im Februar eine Fahrt nach Helgoland anzutreten. Der Kaiser gedenkt alsdann dott einzutreffen und das Hochseetorpedoboot zu benutzen. Seine Dacht „Hohen- zollern", die fich sür die Jtalienerreise rüstet, ist im Februar noch nicht verwendungsbereit. Beide Fahrzeuge treten am 1. April die Fahrt nach dem Mittelmeer an.
— Nicht nur den Briefträgern, sondern auch den Forstbeamten ist neuerdings eine Auszeichnung durch den Kaiser geworden. Durch einen Königlichen Erlaß ist folgendes bestimmt worden: „Aelteren verdienten Förstern der Kommunalverbände und öffentlichen Anstalten, deren Waldungen unter Staatsaufficht stehen, soweit fie zum Tragen der Walduniform nach dem Muster der Uniform der Königl. Förster mit den dorgeschriebenen unterscheidenden Merkmalen befugt sind, kann das Recht verliehen werden, zur Uniform ein goldenes Portepee am Hirschfänger zu tragen, wie es von den Königlichen Förstern getragen wird.
— Auf der in diesem Jahre stattfindenden deutschen Städteausstellung in Dresden dürfte die Abteilung „Schulwesen" in hervorragender Weise beschickt
werden. Nach dem Programm für diese Abteilung soll die Verwaltung, Einrichtung, Ausstattung und der Unterrichtsbetrieb der städtischen Schulen aller Gattungen, der Kindergärten, zur Anschauung gebracht werden, desgleichen die Einrichtungen und Fortschritte auf dem Gebiet der Schulpesundheitspffege. Das Bildungswesen der Erwachsenen wird in besonderer Weise zur Darstellung gelangen.
— Wit dem neuen Jahre werden alle Werke derjenigen Autoren frei, die 1872 gestorben find. Der bedeutendste deutsche Dichter, der nunmehr für die Volkausgaben feiner Schriften freigeworden, ist Franz Grillparzer.
— Das Zolltarifgefeh ist noch im alten Jahre amtlich veröffentlicht worden. Im Reichstage würde es an einem Sonntag-Morgen verabschiedet. Vom Kaiser ist es am 1. Weihnachtsseiertage vollzogen worden.
— In einer Versammlung zu Perleberg in der Westpriegnitz erklärte aus eine Frage des Äbg. von Kröcher der Bundesdirektor Dr. Hahn, daß es zwischen Konservativen und den Bund der Landwirte zu keinen Rümpfen kommen könnte.
— Der englisch-nordamerikanische .Tabakring" hat einen großen Plan: er will fich den deutschen Markt erobern. Um die deutschen Raucher zu ködern, setzt er Prämien aus, vom Pfropfenzieher bis zum Automobil. Eine deutsche Zigarettenfabrik wurde von ihm bereits erworben, die von Jasmatzi in Dresden, wenn der „B. L.-A." recht unterrichtet, ist.
— Nach den neuesten Dresdener Meldungen hat daS Allgemeinbefinden des Königs fich gebeffert Die Nachtruhe war verhältnismäßig gut. Schonung des Kranken ist dringend notwendig, da der Katarrh anhält. Die Neujahrsvifite des Hofstaates wurde abgesagt.
— Die Reichseinnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern haben den ersten acht Monaten des laufenden Rechnungsjahres 516,1 Mill. Mark ober 1,9 Mill, weniger als im Jahre vorher betragen. Die Zuckersteuer weist ein Weniger von 5,7 Mill. Mk. auf. Die Zölle find hinter dem Voranschlag noch um 10 Mill, zurück, die Post- und Telegraphenverwaltung mit 8 Mill., die Zuckersteuer aar mit 20 Mill. Mark. Es find aber Einnahmebeflerungen zu erwarten, so besonders bei der Post.
— Die Wiederaufnahme der Reichstagsverhand» fangen im neuen Jahre ist absichtlich für einen etwas späteren Termin anberaumt worden, weil man besorgte, die Ausstellung des Etats nicht früher fertig zu bringen. Diese Sorge ist grundlos gewesen. Militär- und Marineetat liegen dem Bundesrat schon seit mehreren Tagen vor und werden möglicherweise noch in dieser Weise veröffentlicht werden.
Ausland -W-
Oesterreich - Ungarn Dem russischen Minister des Auswärtigen, Grasen Lamsdorff, find in Wien die ausgesuchtesten Ehrungen zu teil geworden. Kaiser Franz überreichte dem leitenden russischen Staatsmanne eigenhändig die Insignien des Großkreuzes des Stephans- ordens. Mit dem Grafen Eoluchowski hatte der russische Minister eine fast zweistündige Konferenz, der auch der russische Botschafter in Wien, Graf Kapuist, sowie der russische Botschaftssekretär in Konstantinopel Schoschchatzki beiwohnte. Jedenfalls hat Graf Lamsdorff sehr freundliche Erinnerungen von den Wiener Tagen mit nach Petersburg genommen. Sachliche Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung des mazedonischen Fragen bestehen zwischen Wien und Petersburg überhaupt nicht.
— In letzter Stunde ist der österreichischungarische Ausgleich perfekt geworden! Das endliche Zustandekommen des Ausgleichs zwischen den beiden Regierungen wird allseits in beiden Staaten begrüßt, weil der dadurch unhaltbar gewordenen wirtschaftlichen Situation wenigstens ein vorläufiges Ende bereitet ist. Allgemein wird die plötzliche Eintracht auf den Willen des Monarchen und die Intervention des Thronfolgers zurückgefühtt. Die Anfichten der Zeitungen find geteilt. Gegenüber dem aufdringlichen Jubel der Regierungsorgane bezeichnen die Organe der Oppofition, darunter der „Egyetertes" und der „Pesti Hirlap", die Schlußszenen der Verhandlung als abgekartete Komödie. In informierten Kreisen wird angenommen, daß die Vereinbarungen noch lange nicht perfekt seien, sondern daß fie nach wie vor fortgesetzt werden.
Italien. Bei dem Empfange im Ouirinal verlasen die Präfidenten des Senats und der Kammer Adressen. In derjenigen der Kammer spricht sich die Kammer glücklich über die gegen« wärtige Lage, die im Lande erwachendeBetätigung seiner Kräfte, den Frieden, der im Innern herrsche und den hohen Rang, den das Land billiger Weise im Auslande einnehme, aus. Die weise Fürsorge und tiefe Liebe, die der König dem Lande widme, das Vertrauen, welches die Nation zu ihrem Könige habe, und der Patriotismus des italienischen Volkes seien ein sicheres Unterpfand für die Zukunft des Landes.
Frankreich. Aus Anlaß des Jahresfestes empfing Präsident Loubet mehrere Telegramme von Staatsoberhäuptern, darunter ein solches von dem Kaiser von Rußland, dem König der Belgier und von dem König von Griechenland. Am Nachmittag empfing Loubet das diplomatische Corps. In dessen Namen gab Nuntius Lorenzelli der hohen Achtung vor dem ersten Beamten der Republik und der Sympathie der ganzen Welt für Frankreich Ausdruck. Diese Sympathie könne der Präsident u. a. in der lebhaften überall verbreiteten Anteilnahme finden, welche sämtliche Nationen bei dem schrecklichen Unglück aus Martinique bewiesen Hütten.
Marokko. Da die Truppen de« Prätendenten denen des Sultans ums Vierfache überlegen find, die Regierungsarmee auch durch die schwere Niederlage vor einigen Tagen überdies fast völlig vernichtet ist und der Prätendent sich auf dem Marsche gegen Fez befindet, so steht in Marokko heute alles auf dem Spiele. Wahrscheinlich ist zur Stunde bereits der Sultan samt seiner Hauptstadt Fez und seiner Regierung in den Händen des Präten
Marburg und Umgegend
Marburg, 2. Januar.
* Z« «tut# Jahre. So fängt also das alte Lied mit seinen 12 Versen, dem Januar und Februar usw. wieder von vorne an. In den Fabriken und in den Comtoirs ist das Werktätige Leben, das fich in dem gewohnten Geleise bewegt, mit dem neuen Jahre wieder mit neuem Eifer aufgenommen worden, wenn ja auch wegen des vielen Neujahr - Punsches der Wille zur Arbeit mehr zu loben sein mag, als das, was schließlich geleistet worden ist. In den Schulen wird wieder geschrieben und gelesen, nach neuer Orthographie, aber nach dem alten Concept. Bald treten auch die Parlamente wieder zusammen, um zu diskutieren und zu raisonnieren und am Ende doch alles das zu bewilligen, was nicht abzulehnen ist. Ob mit, ob ohne uns, es vollendet fich auch der Kreislauf des neuen Jahres in derselben Monotonie, in der die Jahrtausende vorher abgelaufen find und die folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte ablaufen werden.
* Konzert der Jägerkapelle. Das kunstverständig gewählte Programm des gestrigen Abends hatte eine solche starke Anziehungskraft ausgeübt, daß sowohl der große wie auch der angrenzende kleine Museums-Saal sehr gut besetzt waren. Die Leistungen unserer Jäger- kapelle rechtfertigten aber diesen starken Besuch auch im vollsten Maße. Unter der energischen, sicheren Leitung des Herrn Mufikdirigenten Schonert erledigte fie das Programm in wirklich mustergiltiger Weise. Ganz besonderen Beifall fanden u. a. die Fantasie a. d. Op. „Lohengrün", das Divertissement a. d. Op. „Die Meistersinger von Nürnberg", sowie „Volksliedchen und Märchen von Komzak", das mit seinem traumhaften Pianisfimo das Auditorium völlig gefangen nahm und zu wahren Beifallsstürmen hinriß. Aber auch sonst drückte das Publikum seine Anerkennung mit den vorzüglichen Leistungen der Jägerkapelle stürmisch und anhaltend nach jedem einzelnen Musikstücke aus, so daß Herr Schonert, um seine Zuhörer zu befriedigen, nicht umhin konnte, eine ganze Reihe Zugaben einzuschieben. Zum Schluffe möchten wir noch der Herren Lehrke und Wilke gedenken, die als Solisten noch besondere Proben ihres Könnens ablegten. Der letztere zumal erweckte mit seiner wahrhaft staunenswerten Technik das lebhafteste Interesse.
* Postalisches. Vorn 1. Januar 1903 ab find Postanweisungen nach den französischen Kolonien Dahomey, Elfenbeinküste, Guinea, Kongogebiet, Ober-Senegal und Senegal bis zu 500 Franken zulässig. Das vom Absender zu entrichtende Franko ist das gleiche wie für Postanweisungen nach Frankreich selbst, doch erstreckt fich die Frankierung nur bis Paris, während für die weitere Uebermittelung eine Gebühr von i/, Prozent für die ersten 100 Franken und von y4 Prozent für die überschießenden Beträge von dem Einzahlungsbetrage in Abzug gebracht wird. Zu schriftlichen Mitteilungen dürfen die Abschnitte der Postanweisungen nicht benutzt werden. Uebet die sonstigen Bedingungen erteilen die Postanstalten auf Erfordern Auskunft.
* LaudeSkreLitkaffru-Obligatioue«. Die am 1. März 1903 fälligen Zinsscheine von Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse werden schon vom 10. Februar d. I. ab bei den Landes-Rentereien eingelöst; der Verkausskurs der 3 y8 %igen Landeskreditkassen-Obligationen beträgt 100 V. °/0. 3 V, %ige und 4 7,ige
Obligationen können auch bei den Landes- Rentereien gekauft werden.
• TaS Zittr 1903 ist ein Gemeinjahr von 365 Tagen. Das Hauptfest, nach welchem die kalendarische Einteilung des ganzen Jahres vorgenommen wird, nämlich Ostern, fällt diesmal auf den 12. April. Das Jahr gleicht daher dem Jahre 1900. Pfingsten fällt Anfang Juni, und der Fasching, dieser fröhliche Zeitraum der tanzlustigen Welt, währt diesmal sieben Wochen. Im Jahre 1903 werden je zwei Sonnen- und Mondfinsternisse stattsinden, von denen nur die letzteren in unserer Gegend teilweise sichtbar, Hub,
denten. Unsicherheit herrscht im ganzen Lande. Die im Innern weilenden Europäer wurden aufgefordert, fich schleunigst in Hafenstädten in Sicherheit zu bringen. Ein englischer Untertan wurde in der Nähe von Tetuan ermordet. Soll nicht völlige Anarchie eintreten, so werden die an Marokko unmittelbar beteiligten Mächte doch wohl energisch zugreifen müssen, wenn auch keine einzige von ihnen Verlangen trägt, die gegenwärtigen Wirren zur Aufrollung der schwierigen marokkanischen Frage zu benützen.
Rumänien. Die im Auftrage des ersten rumänischen Agrarierkongresses an den Domänenminister errichtete Adresse betont die Wichtigkeit der Landwittschast für Rumänien, spricht fich anläßlich der Erneuerung für Handelsverträge gegen industrielle Hochschutzzölle aus und verlangt tunlichsten Schutz der agrikolen Interessen.
China. lieber die Weigerung Chinas, die Entschädigungen auf der GsldbafiS zu zahlen, wurde von den Gesandten, die darüber auch ihren Regierungen telegraphisch berichten, gemeinschaftlich beraten. Es wurde die Frage bar Überreichung einer gemeinschaftlichen ober identischen Note erwogen, in der China darauf hingewiesen wird, daß das Protokoll ausdrücklich die Zahlung auf der Goldbafis vorfieht. Sollte China seinen Verpflichtungen nicht Nachkommen, so würde das ernste Folgen nach fich ziehen. Die amerikanische Politik ist das hauptsächlichste Hindernis, das einer gemeinschaftlichen Note entgegensteht.
* Die NeujahrsxaHt nahm hier ihren übliche« Verlauf. Während viele die letzten Stunden des alten und die ersten des neuen Jahres in« trauten Famlienkreise zubrachten, ging es auch in den Wirtschaften, in den Tanzlokalen usw. bei lustigem Gläserklingen hoch her. Mit dem Glockenschlage 12 ertönte feierliches ©lockenge- läute und überall wünschte fich Alt und Jung ein fröhliches neue« Jahr. In den Straßen war um diese Zett überall reges Leben, an manchen Stellen nahm der Spektakel sogar überhand. So konnte es denn auch nicht aus» bleiben, daß es hier und da zu Raufereien kam. Leider spielte auch dabei das Messer wieder eine Hauptrolle, denn bei Zusammenstößen in der Wilhelmsstraße, in der Barfüßerstraße und am Steinweg erhielten Beteiligte solche Verletzungen, daß fie ärztliche Hülfe iu Anspruch nehmen mußten. Die bett. Uebeltüter find bereits soweit ermittelt und dürfte die Neujahrsnacht deshalb ein unangenehmes Nachspiü für fie haben. Es ist eben traurig, daß es immer noch Leute giebt, die trotz der strengen Bestrafungen, welche die notwendige Folge find,' fich nicht amüsieren können, ohne dabei aus^ fahrend zu werden und andere Personen aa Leben und Gesundheit zu schädigen.
* Lerutthrte Anstellung von Lehrerin««. De« infolge der Einführung des einjährigen Militär- diensteS für Volksschullehrer und der steigende« Ausdehnung des Volksschulwesens eingetretene Lehrermangel bildet fortgesetzt den ©egenftanb eingehender Erwägungen der preußischen Unterrichtsverwaltung. Da vorläufig auf die Gewinnung einer ausreichenden Zahl männlicher Lehrkräfte nicht gerechnet werden kann, so habe« laut „Post' mehrere Bezirksregierungen bereitst auf die vermehrte Anstellung weiblicher Lehrkräfte Bedacht genommen.
* Erledigte Stelle». Die neugegründete 2. Lehrerstelle an der evangelischen Volksschule z« Oberrosphe soll demnächst besetzt werden. — Die neugegründete Lehrerstelle an der evangrl,' Volksschule zu Treisbach soll demnächst besetzt werden.
* Beamtrnpersonal - Nachrichten. Ernannt', der Regierungsrat Rötger zu Cassel zum stellvertretenden Vorfitzenden der Schiedsgericht« für Arbeiterverficherung an Stelle des von diesem Amte entbundenen Regierungsrat» von Eschwege, der Referendar Wiegand zum Gerichtsassessor, der Rechtskandidat Dr. Pacz- cowski zum Referendar, der Referendar Moll zum Regierungs-Referendar. — Bestellt: bei Pfarrer extr. Schick zum Gehülfen beS Metropolitans Klein zu Rauschenberg im Pfarramts; — Beauftragt: ber Katasterkontrolleur Sua> bebißen mit der Verwaltung des Katasteramtes in Ziegenhain vom 1. Januar 1903 ab. — Versetzt: bie Gerichtsvollzieher Klermund in Vöhl an bas Amtsgericht in Grebenstein, ©er» harbt in Friedewald an bas Amtsgericht ir Vöhl.
* Neue Arzneitare. Mit bem 1. Januar 1903 trat bie nach ben Einkaufspreisen mehrerer Arzneimittel veränderte preußische Arzneitaxe in Kraft. Die Arzneitaxe ist im Verlage von R. Gärtner (Hermann Hayfelder) erschienen.
* Die einheitliche Rechtschreibung. Nachdem die deutschen Bundesregierungen die Einführung einer einheitlichen Rechtschreibung vereinbart haben, hat das preußische Staatsministecium, nach der „Köln. Ztg.", beschlossen, daß für die Schreibweise in dem amtlichen Verkehr der Behörden vom 1. Januar ab die im Weidmannschen Verlage zu Berlin erschienenen „Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis", maßgebend sein sollen. Die vereinbarte, auch von Oesterreich und der Schweiz gutgeheißen» Rechtschreibung wird also fortan in allen Rein- schriften und Veröffentlichungen der staatlichen Behörden angewendet, und man hofft, daß auch die Gemeinde- und fonstigen staatlichen Behörden fich ihr in dem vorbezeichneten Umfange bedienen werden. Die in dem Wörterverzeichnisse vorgesehenen Doppel» schreibungen lassen sür örtliche Eigentümlichkeiten de» bisherigen Gebrauchs hinlänglichen Spielraum, um ein Fortschreiten in der Vereinheitlichung der Schreibweise auf Grund freier Entwicklung zu ermöglichen.
* Strafkammer. Wegen einer hier nicht näher zu bezeichnenden Angelegenheit, die auch zum Teu hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, stand die Anna Wendtland aus Gießen und der Wirt Wilhelm Neber aus Monsheim unter Anklage. Während die erstere zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, erzielte Neber Freisprechung. — Di« folgende Sache entbehrte nicht ganz des HumorS, denn als Angeklagte wegen Körperverletzung erschien eine Frau, nämlich die Ehefrau des Taglöhner» Wilhelm aus Schröck. Am 16. September v. I. machte fich deren 7 Jahre alter Junge an den Aepfeln eines Nachbars zu schaffen. Als der DttSbiener und Feldhüter Müller dazulam, jagte er den Jungen nach Hause. Kurze Zeit darauf war der letztere schon wieder an den Aepfeln. Der Feldhüt» entfernte ihn nochmals und ging dann die Dorsstratze entlang. Plötzlich erschien die Wilhelm, eine junge, kräftig« ctrntt mit einer Buchenstange und prügelte den Orts, diener damit durch. Dabei rief fie fortwährend: Du Goßselder L....... mach, daß Du nach Goß
felden kommst!" Der Ortsdiener, ein alter Mann, konnte fich nicht wehren und zog fich zurück. Da8 Schöffengericht, welches fich schon mit der Angelegenheit befaßte, hatte die Frau zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In der heutigen Berufungsinstanz gab die Angeklagte an, der alte Mann fei auf ihren Hof gekommen und habe fie dort bedroht. Sie fei m Notwehr gewesen und habe fich nicht anders Helses können. Um festzustellen, ob fich dies so Verhalts, wurde ein anderer Termin angesetzt.
§ U»f«ll. Arn Steinweg stürzte vorgestern ein fremder Mann, ber vom Markte kam und zum Bahnhof wollte, so unglücklich zu Boden, daß man ihn in die Klinik bringen mußte.
‘ kttatzenbeleuchtung für den Monat Jarman Datum Abendlaternen RichtungSlaterne, 1-6 5-11 Uhr 5-7"/. Uhr
7.-13. 5-8>|. . 5-7'/. .
14. 5—10 , 5—7*ji ,
15.-31. 5 11 , S-7*N ,
4- Dilfchhanfe«, 1. Jan. Der vor einige« Zett verschwundene Landwirt H. hat bis jetzt noch nichts wieder von fich hören lasse»