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für die Majestäten und die Prinzen und Prin­zessinnen, bestehend in Eiern und ausgezeichneter Wurst. Bei den fremden Botschaftern pflegt der Kaiser am Nachmittag des Neujahrstages persönlich vorzufahren, um seine Karten abgeben zu lassen, ebenso bei anderen, ihm nahestehen»

en Personen. Für einen möglichst ruhigen Verlauf des Neujahrstrubels hat auch diesmal die Berliner Polizei zu sorgen verstanden. Ohne einige hundert Sistierungen und folgen­den Bestrafungen geht es ja niemals ab, aber die Hauptsache, das immense Neujahrs-Geschrei, belästigt wohl die Ohren, tut aber sonst Nie­mand weh! Der Trubel der Sylvester­nacht in der Riesenstadt entsprach deren Dimen­sionen, aber durch geschickte Verkehrs^Regelung wußte die Polizei die Menschenströme sich harm­los verlaufen zu laflen. Stätten offizieller Neu­jahrsreden find eigentlich nur noch Paris, wo der Prästdent Loubet von dem päpstlichen Nun­tius im Namen des ganzen diplomatischen Corps beglückwünscht wurde und mit seinem Tank er­widerte, und Budapest, wo der Ministerpräsident von Szell zu seinen Getreuen spricht. Er hatte zu dieser Neujahrsfeier mehr Sorgen, als mancher seiner Kollegen, von denen freilich in jedem Staat Jeder merkt, daß die Rosen der Amt-Würde auf Dornen bergen.

Umjchau.

Die Tragödie im sächsischen Königshause.

König Georg von Sachsen hat trotz seiner schweren Erkakung, die leider noch immer recht ernste Besorgniffe rechtfertigt, in Sachen des Ehescheidundsverfahrens deS kronprinzlichen Paares alles Erforderliche persönlich angeordnet und am letzten Tage des verflofienen Jahres eine Verordnung über die Niedersetzung eines besonderen Gerichts erlassen und zu veröffent­lichen befohlen. Der Erlaß bestimmt, daß für daS Verfahren vor dem besonderen Gericht das Verfahren in Ehesachen nach den geltenden Vorschriften der Zivilprozeß-Ordnung und des Gerichtsverfassungsgesetzes nach dem Grundgesetz, welches zur Anwendung kommen wird, wenn die Eheirrungen in erster Instanz einem Land­gericht zugewicsen werden, maßgebend sein sollen; jedoch mit folgenden Abweichungen: die Oeffertiichkeit ist für alle Verhandlungen und Anträge ausgeschloffen. Eine Mitwirkung der Staatsanwaltschaft findet nicht statt. Die Verhand­lungen finden in den Räumen des Oberlandes­gerichts statt. Jede Partei hat sich durch einen bei diesem Gericht zugelaffenen Rechtsanwalt vertreten zu laffen. Zum persönlichen Er­scheinen vor dem Gerichte oder vor einem er-

68 gäbe einen Ausweg," begann sie zögernd, doch mein ganzes Empfinden, jeder Bluts­tropfen in mir empört sich dagegen, ihn einzu­schlagen. Und dennoch nichts Ungewöhn­liches, nichts, was nicht schon andere in gleicher Lage taten, würde damit geschehen."

Also? Warum hältst Du denn so lange zurück mit Deiner Erklärung?"

Weil ich es als eine Schmach und Demütigung betrackte, seinen Namen verkaufen zu müssen."

Das heißt?"

Widerwillig und sich ost unterbrechend wieder­holte Frau v. Meinau den ungefähren Inhalt ihres Gespräches mit dem Schneidemüller.

Röte und Bläffe wechselten auf Viktors Wangen, aber er stieß dennoch ein kurzes, barsches: Nein! hervor.

Dann weiß ich Dir und mir nicht zu helfen," seufzte Valeska und drückte das thränen- feuchte Taschentuch wieder an die überströmenden Augen.Laste mich jetzt allein. Ich fühle, daß ich fiebere. Solcken Aufregungen vermag meine erschütterte Gesundhest nicht Stand zu halten."

Finsteren Blickes ging er aus dem Gemach. Schlimme Stunden zogen an ihm vorbei und Ingrimm über die widerliche Gestaltung der Verhältnisse tobte in seiner Seele. Während zwischen einer Zukunft voll ernster Arbeit und peinlichen Einschränkungen, zwischen der Not­wendigkeit, sich eine neue Existenz zu gründen und zwischen dem verhaßtenMuß", eine Ehe zu schließen, an die er nur mit Abneigung -achte! Der Schwiegersohn des albernen, eingebildeten, ausdringlichen Oertel werden! Ein Mädchen heimführen, über daS er oft genug im Kreis übermütiger Gefährten gelacht und gespottet hatte! Welche Blamage! Und

suchten oder beaustragten Richter find bie Parteien nicht verpflichtet. Von einigen Be­stimmungen der Hausgesetze ist entsprechende Anwendung zu machen, dagegen finden die Vorschriften der Zivilprozeßordnung über die vorgängige Anberaumung eines Sühne­versuchs, über die Erlaffung einer einst­weiligen Verfügung und über die Mitteilung des Urteils an das Dormundschaftsgericht keine Anwendung. Die Einlaffungsstist muß mindestens zwei und soll höchstens vier Wochen betragen. Eine im Auslande zu bewirkende Zustellung er­folgt, soweit die Parteien noch nicht durch einen bei dem Oberlandesgericht zugelaffenen Rechts­anwalt vertrdten find, mittels Ersuchens des im fremden Staate refidierenden Consuls oder Gesandten des deutschen Reichs oder des König­reichs Sachsen. Rechtsmittel jeder Art, Berufung, Revision, Beschwerde, find ausgeschloffen; das vom Gericht beschloffene Endurteil ist dem Könige vor der Verkündigung vorzulegen. Mit der Verkündigung tritt es auch in Rechtskraft. Sollte eine öffentliche Zustellung notwendig werden, so find weitere Befehle einzuholen. Wir behalten uns im Uebrigen vor, im Falle des Bedarfs andere Weisungen über das Ver­fahren zu geben. Gegeben zu Dresden, 30. Dezember 1902. Georg. Dr. V. Alexander Otto. Der Aufhebung der ehelichen Ge­meinschaft wird jedenfalls die Ehescheidung folgen, da die Kronprinzesfin entschloffen ist, um ihre Verehelichung mit dem Herrn Girou zu erreichen, aus der katholischen Kirche aus» zuscheiden. ____________

Pfarrer Naumann über die Fleischnot.

DieD. A. 6." schreibt: Ende Oktober, als der Fleischnot-Rummel den Höhepunkt schon überschritten hatte, erschien schnell noch Herr Pfarrer a. D. Naumann auf dem Plan. Der Buchverlag derHilfe" sandte uns Naumanns Schrift mit der Bitte um Besprechung. Wir hatten im Interesse des Verfaffers geschwiegen, werden jetzt aber vom Verlage erneut ersucht, doch unserer kritischen Pflicht zu genügen. Wir konstatieren daher, daß Naumann's Schrift eine sehr fleißige Zusammenstellung aller Unrichtig­keiten ist, die man in jenen Monaten in der Händler - Preffe über diegroße Fleischnot" lesen konnte. Irgend eines neuen Gedankens^ Spur fanden wir darin ebensowenig, wie eine Andeutung der sachlichen Widerlegungen, die gegenüber jenen falschen Behauptungen der Händlerpreffe in den agrarischen Zeitungen zu lesen waren und die vom Herrn Pfarrer Nau­mann doch hätten gelesen werden müssen, wenn er ein Buch über diese Geschichte schrieb.

doch gab es keinen andern Ausweg aus diesem Wirrsal der Sorge.

Meinau mußte laut auflachen, aber eS klang, als verhöhne er fich selbst. Wenn es ihm bester gefiel, als Bettler von dem alte» Familiensitz zu scheiden, so stand dem ja nichts im Wege. Da konnte er nur schleunigst den Platz für einen Andern räumen, denn viel Zeit war nicht mehr zu verlieren.

DaS Lachen ließ förmlich einen bittere» Nachgeschmack auf Viktors Zunge zurück. Der mußte durch etwas Süßes, Feuriges hinunter­gespült werden. Der junge Meinau dachte an Gertrud. Daß er sie nicht heiraten konnte, stand fest, aber verlieren hätte er die Heimat­lose, das Kind des Volkes, doch nicht mögen, denn er fand sie ebenso reizend, wie Katharina unschön und abstoßend.

Wie langsam die Zeit vorwärts schlich! Endlich ertönten neun Glockenschläge vom nahe» Kirchturm.

Viktor ging in den Garten hinab und schlug die Richtung nach dem im Mondenlicht schimmernden Teich ein. Gertrud stand bereits da und blickte den Schwänen nach, welche ruhig und majestätisch dahingleitend, silberne Furchen hinter fich Herzogen. Jetzt wandte fie fich um und sah dem Nahenden entgegen.

Sie mußte auch nachgedacht haben, denn gleichsam ihren Reflexionen Ausdruck gebens sagte fie:Ich kann es kaum fasten, daß bie herrliche Besitzung der Familie Meinau ver­loren gehen soll. Tante Melanie würde auch nur mit größtem Schmerze von hier scheidend Ist denn gar keine Hoffnung mehr Vorhang ein Uebereinkommen zu erzielen?"

Nicht aus dem angebahnten Wege."

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Neujahr.

Die Neujahrsfeier hat schon seit manchem Jahr keinerlei besonderes Ereignis gebracht, ja, sie ist nicht einmal von irgend welchem außer­gewöhnlichen Vorkommnis begleitet gewesen. Die Reden von Monarchen und Staatsober­häuptern, welche der erste Tag des Jahres bringt, gehen nie über Wünsche allgemeiner Art hinaus, und diese Wünsche haben das mit denjenigen gewöhnlicher Sterblichen gemein, daß ein gut Teil von ihnen unerfüllt bleibt. Zu dieser Jahreswende haben wir unseren Blick mit besonderer Teilnahme nach der Hauptstadt des Königreiches Sachsen, gerichtet, wo König Georg schwer krank darniederliegt. Der greise König hat sich schon seit dem Tode seines Bruders und Vorgängers keiner besonders festen Gesundheit mehr erfreut, und ein neuerdings aufgetretenes Erkaltunpsletden mußte ver­schlimmert werden, durch die seelischen Er­regungen, welche der unglückliche Familienzwist im Hause Wättin dem betagten Herrn brachte. Die neue Liebes-Episode im Leben der Kron­prinzessin Louise gewinnt einen noch seltsameren Beigeschmack, wenn man an die Zeit denkt, in welche sie fiel. Das Weihnachtsfest war in Dresden trüb, die Jahreswende war es nicht minder. Die Neujahrsfeier am deutschen Kaiser­hofe hat ihren fest umgrenzten Verlauf ge­nommen, fie spielt fich im Wesentlichen inner­halb der Mauern des alten Hohenzollernschloffes an der Spree ab, und die Zeiten sind halb ver­gessen, in welchen Kaiser Wilhelm auch am ersten Tage des Jahres zu wiederholten Malen an das historische Eckfenster seines Erkerzimmers trat, die ihm zujauchzende Mengen zu grüßen. Damals hielten die stolzen Prunkkaroffen der Fürsten und Reichs- und Staatswürdenträger geraume Zeit vor dem Palais des alten Kaisers, daS in seinem beschränkten Hofraum den Wagen aller Art keinen Platz bot, heute rollen die Ge­fährte im Nu die Linden hinunter und ver­schwinden hinter den Schloß-Portalen. Es ist anders geworden, es mußte auch wohl anders

werden, aber gern denken die, welche sich lebhaft der früheren Tage erinnern, an diese zurück . . . T^n Neujahrsmorgen zogen die Musikkoips der einstigen Kaiser-Brigade, die Kaiser Wilhelm II. als Kronprinz geführt, vom Schlöffe bis zum Brandenburger Thor, das große Wecken abzu­halten, und die dauerhaftesten unter den Berliner Sylvesterschwärmern ließen es sich nicht nehmen, den Marsch mitzumachen. Die Auffahrt, der Teilnehmer an der Gratulation, Gottesdienst und großem Cour im Königlichen Schlöffe be­gann Vormittags von neun Uhr ab, sie fand wegen der Flüchtigkeit des Schauspiels verhält­nismäßig wenig Zuschauer, die erst zu Mittag, wenn der Kaiser mit seinen Söhnen und seinem Hauplquatier den Weg zur Rumeshalle, zur Beiwohnung der Parole-Ausgabe einschlug, sich in dichteren Schaaren einfanden. Die Wagen der Prinzen und Prinzessinnen, der Fürstlich­keiten, des Reichskanzlers, der Minister, Hohen Beamten rc. rollten dahin, und dann, als die Glocken der Berliner Türme schon den Ruf zu dem um 10 Uhr beginnenden Gottesdienst beginnnen ließen erschienen in vierspänniger Gala-Equipagen, mit reich geschmückten Kutschern und Vorreitern, zur Seite der Oberstallmeister zu Pferde, der Kaiser und die Kaiserin mit ihren Kindern und ihrer Umgebung. Es ist am NeujahrSmorgen in Potsdam also ein frühes Ausstehen! Der Gratulation der nächsten Anverwandten folgt der Gottesdienst in der Schloßkapelle und dann vor dem Kaiserpaare auf dem Throne die große Cour im Weißen Saale, die als erster Würdenträger des Reiches der Reichskanzler eröffnet. Eine lange Reihe von ordengeschmückten Herren, von in glänzen­den Roben gekleideten Damen schloß sich an. Der Weiße Saal, deffen neue künstlerische Aus­stattung soeben vollendet ist, erstrahlt jetzt in leuchtendem Gold und schimmerndem Weiß und geheimnisvolles elektrisches Licht, das aus der goldenen Decke hervorbricht, giebt dem wunder­vollen Raum den Charakter eines Märchen- SaaleS. Doch der Prunk ist nirgends derartig, daß die charakteristische Würde des Festsaales des deutschen Kaiserhauses gestört würde. In besonderer Audienz empfing der Kaiser dann die Botschafter der fremden Potentaten und die Generalität, deren Führer seit dem Tode deS Generalfeldmarschalls Grafen Blumenthal der Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen ist. Um 1 Uhr fand die Parole-Ausgabe in der Ruhmeshalle statt; den Weg dorthin über die Schloßbrücke legt der Kaiser mit seiner Be­gleitung stets zu Fuß zurück. Nur einmal war er, vor einigen Jahren, durch Heiserkeit verhindert, und in diesem Fall vertrat ihn der Kronprinz. Bei der Familientafel der kaiserlichen Familie überbrachten dieAbgesandten derHalloren ausHallea.S.ihreherkömmlichenNeujahrsgeschenke

18 (Nachdruck verboten.)

Schloß Schönfeld.

Roman von B. C o r o n y.

(Fortsetzung.)

Ich komme," erwiderte fie nach kurzem Zögern.Wenn Fräulein v. Sterneck das Abendbrot eingenommen hat, also um neun Uhr, werde ich im Garten sein, am Schwanenteich."

Dank, süße, liebe Gertrud, meine treue Freundin, die einzige, gegen welche ich ganz offen sein darf."

Er küßte ihre kleine, bebende Hand, begab sich zu Valeska und erwiderte auf deren dringende Fragen:

Ich habe leider nur über eine Reihe von Fehlschlägen zu berichten. Mama. Alle meine Versuche, genügend Geld aufzutreiben, oder eine Verlängerung zu bewirken, waren fruchtlos. Wir müffrn ernstlich überlegen, waS da zu tun ist. Ich weiß momentan keinen Rat."

O Gott, wie furchtbar Du mich erschreckst!" klagte Fran v. Meinau.Der Ruin, die Armut welch entsetzlicher Gedanke! Meine Schwester hat auch abgelehnt, uns zu helfen, obschon fie sehr wohl dazu im stände wäre. Alles, was fie mir bietet, ist ein bescheidenes Asyl."

In Tränen aufgelöst, warf fie fich auf das Sopha.

Viktors Egoismus trat jetzt scharf hervor. Der junge Mann- blickte finster und unfreund- Aich auf die Mutter und fc? kalt:Du {'ammerst und weinst, aber r.m ärgsten trifft

Mißgeschick doch mich. Ich wurde in dem Glauben erzogen, der Sohn reicher Eltern zu sein und finde mich nun in unentwirrbare Kalamitäten verstrickt. Diese Verlegenheiten

datieren nicht von heute, ihr Ursprung liegt weit zurück. Hätte man fie mir nicht ver­borgen, so würde ich ein anderer geworden sein. Jetzt nach des VaterS Tode wird plötzlich ver­langt, daß ich alle» schlichte und in Ordnung bringe. Wenn ich mich einer solchen Aufgabe nicht gewachsen fühle, so find diejenigen in höherem Grade dafür verantwortlich zu machen, welche mir die wahre Sachlage so lange verbargen."

Du sprichst da einen ungerechten Vorwurf aus. Ich selbst ahnte ja gar nicht, wie es um unsere Verrnögensverhältniffe stehe."

Verzeihe, doch als Gemahlin des Besitzers v. Schönfeld hättest Du ernsten Jntereffen nicht so fern stehen dürfen."

Besaß ich denn jemals sein Vertrauen? ES ist schlimm, wenn der Sohn die tiefbe­kümmerte Mutter anklagt, anstatt fie liebevoll aufzurichten."

Laffen wir alle gegenseitigen Beschuldig­ungen. DaS führt zu nichts. Heute gilt ledig­lich die Frage: Was ist zu tun? Wie retten wir uns vor dem Untergang? Weißt Du einen Ausweg?"

Lange saß Valeska den Kops in beide Hände gestützt, schweigend da. Ihre aufgeregten Ge­danken kehrten zu der Unterredung zurück, welche fie mit Oertel gehabt hatte. Eine reiche Heirat konnte alle Verlegenheiten bannen und eine neue Glanzperiode für Schönfeld herbei­führen. Aber in verwandtschaftliche Be­ziehungen zu diesem widerlichen. Menschen treten und ferner Tochter die Rechte der Gutherrin einräumen ?--

Stolz und Abneigung kämpften mit der Furcht vor dem unabwendbaren Schicksal und letztere war mächtiger.