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Sonntagsbeilage:

M 328

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Marburg

Sonntag. 28. Dezember 1902.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-AnSgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch. UniversttätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

37. Jahrg.

3er

Rußland an der Arbeit.

Der russische Leiter der Auswärtigen Politik Ist, wie bekannt, in Wien aus Belgrad und Sofia eiugetroffen, um über notwendige Reformen für die macedonischen Christen zu verhandeln, welche von der türkischen Regierung eingeführt werden sollen, und zugleich den Agitationen ein Ende zu machen, welche schon feit Monaten den Frieden im Orient bedrohen. ES ist ganz Btoetfdfos, daß im Orient sehr viel im argen liegt, aber nicht bloS in der Türkei, sondern auch in den christlichen Staaten. Die türkische Wirtschaft bedarf in manchem der Reform, aber die serbische, bulgarische und griechische Parteiwirtschast, die sich nicht selten zu Blut­vergießen steigert und zu Morden auf offener Straße geführt hat, ist durchaus nicht so, daß fie Blätter der Zierde im Buche der Kultur bildeten, denn es ist sehr die Frage, ob unter der gesamten Bevölkerung des Orients nicht der Muselmann ehrlicher ist, als mancher, der fich Christ nennt, dem aber kein Verbrechen unbekannt ist. Geldgier und Bereicherungssucht ist bei den türkischen Beamten nicht größer, wie bei den christlichen Politikern und einen ärgeren Staatsbankerott, wie Griechenland, hat die Türkei auch kaum begangen. Was unter wirklich einsichtiger Verwaltung von Türk.n, wie von Christen im Orient geleistet werden kann, das zeigt sich in Bosnien und in der Herzegowina, die beide unter österreichisch­ungarischer Verwaltung stehen; das Land ist heute nach zwei Jahrzehnten nicht wieder zu kennen gegen früher, die österreichisch-ungarische Regierung ist mit den Muhamedanern nicht weniger zufrieden, wie mit den Christen. So ist es denn eine Thatsache, daß wenn einmal tot Orient mit eisernen Besen gekehrt werden soll, gleich eine Arbeit im Großen gemacht, be­sonders den von politischen Leidenschaften durch­wühlten Raubstaaten Serbien und Bulgarien zu Gemüte geführt wird, daß die Türkei nicht dazu da ist, um als Blitzableiter für eigene, innere Verlegenheiten zu dienen. Der Sultan braucht alle diese kleinen Potentaten nicht zu fürchten, das hat der Feldzug gegen die von feigen und unfähigen Offizieren kommandierten Griechen gezeigt. Rußland denkt bei seinem Schritt auch wohl weniger an die Christen in Macedonien, als an die Stärkung des eigenen Einflusses im Orient. Daß über die schweben­den Fragen auch mit der Wiener Regierung verhandelt werden soll, entspricht ganz der be­deutsamen Vorsicht der ruffichen Diplomatie, die sich seit der Konferenz im Haag mehr denn je als Schirmer des Friedens und Kulturträger präsentiert, die aber trotz allen Erklärens: Ich will gar nichts Anderes, als das Beste der Menschheit!" immer das errang, was ihrem eigenen Besten diente. Und so wird's auch dies­mal am Ende kommen, wenngleich man in

Petersburg es nicht so weit treiben wird, Oesterreich-Ungarn ganz von der orientalischen Schüffel zu verdrängen. Die habsburgische Monarchie hat dort noch Platz genug, wer aber vom Tische fortgedrängt ist, das ist England. Es ist noch gar nicht lange her, daß auf der Balkanhalbinfel nicht das Mindeste ohne eng­lische Zustimmung geschah, heute spricht dort niemand mehr vom stolzen Albion. Rußlands diplomatisches Geschick muß anerkannt werden; es läßt sich in allem Zeit, faßt stets jede Sache am rechten Ende an, erreicht seinen Zweck und verdirbt es mit den Meistbeteiligten nicht. Das hat sich in China gezeigt, wo trotz des russischen Feldzuges in der Mandschurei die Regentin und ihre Ratgeber dem Zaren wohlbefreundet blieben, das wird auch hier so kommen. Der Sultan wird wieder Zugeständnisse machen muffen, aber er wird fein säuberlich behandelt werden und zugleich einen wirksamen Schutz gegen die kleinen nachbarlichen Kläffer erhalten. Am Ende muß er dem Zaren sogar dankbar sein, daß der ihm die Regierunissorgen er­leichtert. Rußland ruht nicht im Orient; jeder Schritt aber bringt es dem ersehnten Haupt­ziele entgegen, der Erreichung der unbedingten Vorherrschaft in Asien, wo für das Zarenreich die größten Schätze lagern.

Umschau.

Die Tragödie im sächsischen Königshause.

Das WienerFremdenblatt" meldet: Gleich­zeitig mit der Abreise der Kronprinzessin von Sachsen wird nunmehr bekannt, daß der Erz­herzog Leopold Ferdinand an den Kaiser das Ersuchen richtete, aus der kaiserlichen'Familie ausscheiden zu dürfen. Mehrere Blätter be­richten, der Erzherzog sandte feine Ehrenzeichen an die betreffenden Höfe ab und gab den Aus­tritt aus der Armee bekannt. Dies hängt mit feiner Absicht zusammen, die Ehe mit einer Schauspielerin zu fchließen. Der Erzherzog war der Oberst des 81. Infanterie - Regiments und seit längerer Zeit beurlaubt. Die Schauspielerin, welche er zu ehelichen gedenkt, heißt Adamowitz; sie ist die Tochter eines Postbeamten in Jglau, 28 Jahre alt und hat eine Schwester in Graz verheiratet, die fich ebenfalls der Bühne widmet. Der Erzherzog verkehrt in Bühnenkreisen stets unter dem Namen Wölfling. Aus Salz­burg schreibt dasNeue Wiener Tageblatt": Heute wird bekannt, daß von der Kronprinzessin von Sachsen, sowie von ihrem Bruder Erzherzog Leopold Ferdinand bei der Abreise Briefe zurückgeblieben find, in denen fie ihr Vorgehen motivieren. In dem Briefe der Prinzessin kommt ein Paffus vor, in dem sie die Er­klärung abgiebt, daß fie unter keinen Um­ständen zu ihrem Gatten zurnckzukehren gedenke.

Der Erzherzog gibt die Erklärung ab, daß er mit dem Vorgehen seiner Schwester einver­standen ist und fügt hinzu, daß er solange auf alle Titel und Würden verzichte, als die Ange­legenheit nicht in der von der Schwester ge- wünfchten Weise erledigt sei. Ueber die Flucht selbst wird bekannt, daß der Erzherzog und die Prinzessin mit einem zweispännigen Miets- Wagen nach Hallein fuhren. Es hatte den An- fchein eines Ausfluges zur Jagd. In Hallein wurde der Wagen zurückgeschickt und das Ge- schwisterpaar bestieg einen Eilzug.

Ueber die direkte Veranlassung zur Flucht heißt es:Der entlassene Sprachlehrer Giron hatte sich verpflichtet, alle Beziehungen zu dem fürstlichen Hause abzubrechen und Sachsen zu verlassen. Letzteres geschah Wohl, indem Giron sich nach Bayern begab, die Beziehungen zur Kronprinzessin aber brach er nicht ab, sondern blieb mit derselben in Korrespondenz. Diese Schriftstücke wurden aufgefangen. Der Inhalt soll auf den Kronprinzen einen geradezu ver­nichtenden Eindruck gemacht haben, eine heftige Szene folgte, nach welcher die Kronprinzessin abreifte, indem sie nur die notigsten Sachen, dazu ihren wertvollen Schmuck mitnahm. Ein fozialdemokratisches Dresdener Blatt behauptet, was entschieden nicht zu glauben ist, es sei ihr die Wahl zwischen dem Eintritt in ein Kloster oder in eine Nervenheilanstalt gelassen. Eine weitere Angabe behauptet, die Prinzessin sei nicht freiwillig aus Dresden fortgegangen, son­dern in Begleitung des Hosmarschalls von Tümpling zu ihren Eltern nach Salzburg ge­sandt. Dort traf fie mit Giron zusammen, und nach dieser Begegnung wollte ihr Vater sie nicht mehr in seinem Palais wissen, sie follte in eine Heilanstalt gehen. Ihr Bruder, Erzherzog Leopold Ferdinand, widersetzte sich dem und entfloh mit seiner Schwester. Die Prinzessin ließ einen Brief zurück, in welchem sie ein rückhaltloses Geständnis ihrer Beziehungen zu dem um 8 Jahre jüngeren Giron ablegt und jede Rückkehr nach Dresden ablehnt."

Das Vorgehen gegen Venezuela.

Von fetten des deutschen und des englischen Geschwader-Kommandanten find jetzt alle An­ordnungen getroffen, vom 30. Dezember ab die Blockade der venezolanischen Häfen mit aller Strenge durchzuführen. Die Schiffsagenten in Caracas sind verständigt, daß vom 30. De­zember ab keinem fremden Dampfer mehr die Einfahrt in venezolanische Häfen gestattet werden würde. Man wird ja sehen, wie eS dann mit der Widerstandslust des Präsidenten Castro bestellt sein wird, wenn ihm und seinen Leuten das Feuer so recht auf den Nägeln brennen wird. Dazu ist auch der Waffenstillstand zwischen den Regierungstruppen und den Auf­ständischen zu Ende, die letzteren haben den Vormarsch wieder begonnen, und der Präsident

selbst muß versuchen ihnen den Weg zu ver­legen. An der Küste geht es ziemlich still zu, ein englisches Kriegsschiff hat wieder zwei venezolanische Fahrzeuge aufgebracht. Präsi­dent Roosevelt in Wafhington ist im Prinzip zur Uebernahme des Schiedsrichteramtes bereit, obwohl seine Minister nicht recht etwas davon wiffen wollen. Die Herren nehmen die Sache augenscheinlich etwas zu tragisch, s. Z. bei Cuba, bei den Philippinen besann man sich schneller. Es handelt fich vor allem auch darum, daß bei der Einsetzung des Schiedsgerichts die venezo­lanische Regierung die ersten Raten der ge­forderten Entschädigungen zahlt und damit ihr Unrecht anerkennt.

Hierzu wird aus Washington untern 26. gemeldet: Präfident Roofevelt und Staats­sekretär Hah hatten heute eine Besprechung be­züglich der Schiedsgerichtsvorschläge. Man glaubt, daß die Annahme oder Abnahme der­selben von beu Natur der von den Verbündeten hinsichtlich des Schiedsspruchs auferlegten Be­schränkungen abhängt. Aus Kreisen des Staats­departements verlautet, daß Präsioent Roosevelt am heutigen Tage noch zu keinem Entschlüsse gekommen ist und möglicherweise auch vor Ab­lauf mehrerer Tage ein folcher Entschluß nicht erfolgt.

Deutsches Reich

Berlin, 27. Dezember.

Am deutschen Kaiserhofe ist das Weihnacht?» fest in üblicher Weise begangen. Der Kaiser unter­nahm, wie gewohnt, seinen Spaziergang im Parke von Sanssoucie, sprach ihm begegnende Parkarbeiter und andere Personen an und überreichte ihnen je em Zwanzigmarkstück irisch von der Münze. Dan« wohnte der hohe Herr der Weihnachtsbescheerung beim ersten Earderegiment z. F. bei und bescheerte hieraus selbst den Hosstaaten und seiner Familie im Neuen Palais. In den Feiertagen widmeten fich die Majestäten ihrer Familie und empfingen eine Anzahl hochgestellter Personen, die ihren Dank für die über­mittelten Weihnachtsgeschenke aussprachen.

Es stimmte nicht, nämlich mit der Nachricht, dah die Reichstags-Abaeordneten von der nächste« Session an Diäten erhalten sollen. Die Erwägungen über diese Frage, so heiht es. dauern im Bundesrat fort, es bleibt also, mit anderen Worten gesagt, vor der Hand alles beim Alten. Dem Reichstage wird noch vor feinem Wiederzusammentritt der neue Reichshaushalt unterbreitet werden.

Der russische Minister des Auswärtigen Gras Lambsdorff ist auf seiner Informationsreise nach bet Balkanhalbinsel über Belgrad, wo er schon feierlich empfangen wurde, beim Könige Alexander und Frau Draga von Serbien in Risch in Süd> Serbien onge- kommen, wo ihm zu Ehre« verschiedene Festlichkeiten abgehalten wurden. Aus Risch bezieht sich der Mi­nister zum Fürsten Ferdinand vo' Bulgarien nach Sofia. Richt nur mit Orden, hoffentlich auch mit Erfolgen beladen, wird der Leiter der rnsfischen aus­wärtigen Politik dann nach Wien Weiterreisen könne«. Für diesmal dürsten also die serbischen und bulgari­schen Agitationen gegen die Türkei die Ruhe von Europa nicht stören.

Der fiebente polnisch-sozialistische Parteitag fand während der Weihnachtsfeiertage in Berlin statt.

14 (Nachdruck verboten.)

Schloß Schönfeld.

Roma« von B. Corony.

(Fortsetzung.)

Ein trauriger Charafter, dieser arme Viktor", seufzte Fräulein v. Sterneck eines Tages, aber noch wollte Gertrud, was sie selbst dachte, andern gegenüber nicht zugeben und rief eifrig:

Du tust ihm Unrecht, Tante Melanie. Es ist fchwer sich in eine gänzlich veränderte Lebenslage zu finden. Man muß ihm Zeit gönnen, fich mit den neuen Verhältnissen ver­traut zu machen. Ist das erst geschehen, so wird er schon den rechten Weg einschlagen."

Wie erregt Du bist, mein Kind!" sagte die alte Dame mit ernstem, forschenden Blick, unter dem glühendes Rot des Mädchens Wangen färbte.

Erregt? Du kennst ja mein lebhaftes Temperament. Ich verdanke dem Verstorbenen viel. Er rettete wich vor dem Elend viel­leicht vor noch Aergerem es wäre undankbar, wenn ich mich nicht auf die Seite der Meinaus stellen wollte."

Du hast Recht. Aber ich glaube, daß Du mir ebenfalls Aufrichtigkeit und Vertrauen schuldest.

Dir? Ach, Du ersetzest mir die Mutter!"

Damit warf sich Gertrud neben Fräulein v. Sterneck auf die Kniee und küßte zärtlich das graue, von einem schlichten Häubchen um= Eene Haar.Du warst die treue, gütige

rrin meiner Kindheft und ließest mich

nie zu dem traurigen Bewußtsein kommen, daß ich eine Waise bin."

Melanie streichelt ihr die heißen Wangen. Deshalb sei nur immer wahr und offen gegen mich. Du bist jung und unerfahren, ich habe Welt und Menfchen kennen gelernt. Giebt es nichts, was Du mir zu vertrauen hättest?Bitte*

Ich erzwinge keine Mitteilungen, zu denen Dein eignes Herz Dich nicht drängt. Aber hoffen will ich, daß Du meiner mütter­lichen Freundschaft wert bist und bleibst."

Das Recht, Dir ftei ins Auge zu sehen, verwirke ich sicher niemals".

Dieses Versprechens eingedenk vermied Gertrud jedes Alleinsein mit Herrn v. Meinau, so sehr er sie auch schriftlich darum bestürmte, und gelang es ihm doch, sie ohne Zeugen im Hause oder im Garten zu treffen, so blieb ihr einziges Bestreben darauf gerichtet, seinen Mut und seine Energie zu wecken, und ihm die un- beweislichen Pflichten vor Augen zu sühren, denen er sich immer noch entzog.

Lag doch Alles noch ebenso im Argen, wie damals, als Viktor das Erbe antret. Nichts geschah, um dem unvermeidlichen Ruin zu steuern. Die übergroße Zahl der Diener war nicht verringert worden, der Haushalt wurde auf gleich verschwenderischem Fuß fsrtgeführt und der neue Besitzer von Schönfeld fuhr nach wie vor nach bet' Residenz und verausgabte dort Summen von beträchtlicher Höhe.

Es kann nicht lange mehr so fortgehen," hftß es in den Kreisen der Eingeweihten.

Ihr jagt ja mit sehenden Augen dem Ab­grund zu," mahnte Melanie.Gedenkt doch der neuen Zahlungstermine."

Du siehst viel zu schwarz," erwiderte Victor unmutig.Sollen wir die Leute durch ein öffentliches Zurschautragen unterer momentanen Verlegenheit mißtrauisch machen? Das hieße doch unfern Kredit selbst untergraben."

Er steht bereits auf sehr schwankenden Füßen."

Da irrst Du. Es ist ohnedem meine Absicht, einige Tage in der Stadt zuzubringen. Bei dieser Gelegenheit wird sich leicht ein Auf­schub bewirken lassen."

Das bezweifle ich. Wäre es aber so, dann würde damit nur eine kurze Frist gewonnen sein. Höre doch auf Braun und auf mich, die wir es gut mit Dir meinen. Es ist die höchste Zeit, ernste Maßregeln zu ergreifen."

Ja, ja, das wird schon geschehen. So Plötz lich und unvermittelt kann man ja auch nicht vorgehen. Ich bitte Dich, Tante, mache der Mama den Kops nicht heiß mit jochen Reden. Das sonst so heitere Schönfeld ist ohnedem schon ein ganz unleidlicher Aufenthalt geworden. Wenn ich zurückkomme, sprechen wir weiter über alles."

Seufzend wandte sich Melanie ab. Walter hatte seinem Sohn ein trauriges Erbe hinter­lassen: den Leichtsinn. Aber wenn dieser fich bei dem Verstorbenen mit Güte und Großmut paarte, so zeigte Victor die Herzensarmut und den Egoismus der Mutter.

Zwei Tage später erhielt Valeska einen Brief aus der Residenz, der sie in heftigste Aufregung versetzte. Alle bisher zum Zwecke einer Verlängerung der Wechselfristen unter­nommenen Schritte des jungen Meinau waren ersolaloS geblieben.

Ich werde natürlich weitere Versuche machen, von denen ich mir ein besseres Resultat verspreche," schrieb Victor.Immerhin scheint mir die Sache aber bedenklich. Wir müffen ein größeres Darlehen aus Jahre hinaus ausnehmen. Dann ließe fich alles arrangieren. Ich glaube, Derlei wäre gerne bereit, eine entsprechende Summe vorzustrecken. Der eitle Narr ist in aufdringlichster Weise bemüht, einen Verkehr anzubahnen und wird es sich, wie ich ihn kenne, zur Ehre schätzen, uns gefällig zu fein. Ist das Gut auch arg belastet, so bieten der Wald, die Ländereien und das lebende Inventar doch immer noch genügende Sicherheit. Wenn wir nicht mit peinlichen Kalamitäten zu rechnen haben, wird sich mit der Zeit alles ausgleichen lassen, ohne daß wir zu unerträglichen Opfern und damit gewissermaßen zu einer Jnsolvenz- erklärung gezwungen find. Wohl weiß ich, wie unsympathisch Dir der plumpe» bei jeder Ge­legenheit auf seine Eeldsäcke anfpielende Mensch ist, ich teile diese Abneigung, aber die Klugheit gebietet uns jetzt, sie ihm nicht allzu unverhüllt zu zeigen."

Wie versteinert saß Frau v. Meinau da, daS offene Schreiben in der Hand'

Sie hatte sich immer geflissentlich über den Ernst der Situation hinwegzutäuschen gesucht, aber nun tauchte das häßliche Phantom bet Armut und der Entbehrungen wieder vor ihr auf. Welch trostloses Zukunftsbild! Wie schwach und ratlos fühlte sie sich ihm gegenüber. Und nun auch die schwere Aufgabe, diesem gesell­schaftlich so tief unter ihr stehenden Mann Zugeständnisse zu machen, ihn wie ihresgleichen iu behandeln l ^Fortsetzung folgt.)