Salttaten, die gegen deutsche Staatsange- Söttge in Venezuela begangen wurden. Für -ese Gewalttaten war keinerleiAbhilse ^n der venezolanischen Regierung zu erlangen, & diese sich rundweg weigerte, die Frage durch diplomatische Verhandlungen zu regeln. Jn- ftlgedeffen war die kaiserliche Regierung zu ihrem äußersten Bedauern gezwungen, die Angelegenheit in ihre eigenen Hände zu nehmen. Der erste als Zwangsnahme gegen Venezuela getanene Schritt war die Beschlagnahme seiner Kriegsschiffe. Da diese Maßnahme keine mnnittelbare Wirkung hatte, planen wir nunmehr die Blockade der venezolanischen Häfen. Diese Blockade wird den Charakter einer Kriegsblockade haben. Jndesienbeabsichtigen wir nicht, eine formelle Kriegserklärung zu er- laffen. Natürlich haben wir nicht die ge- ringsteAbsicht,irgendwelcheGebietS- erwerbungen inVenezuela zu machen. In dieser Beziehung hat die Regierung der Vereinigten Staaten bereits vor Monaten von uns Erklärungen bestimmter Art erhalten. Wir sind der Regierung der Vereinigten Staaten für die Mühe dankbar, die sie aufwendet, um eine Beilegung durch Schiedsspruch zustandezu- bringen. Wir denken, daß man auf diesem Wege zu einer billigen Vereinbarung kommen dürfte."
Auf die Bitte des venezolanischen Präsidenten Castro hin, so schreibt die „Post" halbamtlich, die zwischen Venezuela und den europäischen Mächten schwebenden Streitfragen durch einen Schiedsgerichtsspruch zu lösen, find Deutschland und England ihrerseits mit dem Vorschläge hervorgetreten, Präfident Roosevelt solle als Schiedsrichter entscheiden. Präfident Roosevelt stimmt principiell dem Vorschläge zu. Wie die „Rat. Ztg." erfährt, wurden den Botschaftern der Vereinigten Staaten in Berlin und London am Montag ausführlichere Noten über die Stellung Deutschlands und Englands gegenüber der Schiedsgerichtsangelegenheit überreicht. Diese Noten äußern fich eingehender -ber die von den beiden Regierungen, also Zicht etwa nur von der deutschen, sondern ebenso auch von der englischen, gemachten Vorbehalte hinfichtlich des Schiedsspruchs und find tzrrher von diesen Regierungen vereinbart Horden, so daß fie im wesentlichen durchaus äbereinstimmen.
Danach find die Hetz-Nachrichten der Jingo- Lrefse, daß England und Italien die Erledigung 5er Venezuela-Affaire durch den Haager Schieds- zerichtshof vorzögen, während Deutschland den Präsidenten Roosevelt als Schiedsrichter haben möchte^ — daß die Verbündeten also uneinig feien — als Lügen gekennzeichnet. — In Port of Spain auf Trinidad sind 4 amerikanische Schiffe vor Anker gegangen; diese befinden fich also in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der gegen Venezuela gerichteten Vorgänge. Jedoch erklärte der amerikanische Kommodore dem britischen Kommandanten gegenüber, daß der Besuch des amerikanischen Geschwaders einen Teil des regelmäßigen Reiseplanes deS- felben bilde. —
Rach Newhorker Meldungen wurden die Matrosen deS englischen Dampfers „Topez", deren Verhaftung durch venezolanische Truppen erfolgt war, mißhandelt. Sie wurden halbnackt durch eine Reihe von Bajonetten getrieben und vom Volk verhöhnt. — Die Ankündigung der Blockade hat, wie aus Caracas gemeldet wird, eine Krifis herbeigeführt. Der Wechseldiskont ist um 5 Proz. gestiegen. Die Blockade wird aber unterdeffen energisch weitergeführt. Nach einer amerikanischen Meldung, die mit Vorficht stufzunehmen ist, stünde zur wirksamen Durchführung derselben ein Kampf zwischen dem Kanonenboot „Panther" und den venezolanischen Forts in der Nähe von Maracaibo bevor. Die dortige Fahrtstraße ist mit Minen versehen und daS venezolanische Kanonenboot „Miranda" dort stationiert. — Zur weiteren Kennzeichnung deS Märchens von der Un- einigkeit der Verbündeten sei noch mitgeteilt, baß nach einer offiziösen römischen AuSlaffung die Antwort der italienischen Regierung bett, jten Schiedsspruch des Präsidenten Roosevelt, die gleichlautend mit der Antwort Deutschlands und Englands ist, heute dem Botschafter der Vereinigten Staaten über- Hkben werden wird.
Eine Probe englischer Liebenswürdigkeit deünent schließlich noch Erwähnung: Der viel genannte englische Dichter Rudgard Kißling, der schon während des Burenkrieges heftig gegen Deutschland gehetzt hatte, veröffentlicht jetzt ein Gedicht, in dem gegen das englisch- deutsche Zusammenwirken geschürt wird. Dieses Zusammenwirken wird charafterifiert als heim- «cher Bund mit einem offenen Feinde, mit einer Brut, die England drei Jahre lang das schwerste Unrecht zugefügt. Gebe es, so fragt Kißling, auf der ganzen Welt keinen anderen Bundesgenoffen, als gerade diesen? Mußten wir uns den Schlimmsten auSsuchen, uns mit den Goten und schamlosen Hunnen Husammenthun? So geht e8 weiter, daß eS getoifc der deutschsrefferischen „Times" zu viel
Deutsches Reich
»erlitt, 23. Dezember.
— Der kaiserliche Hofhalt wird gleich nach Neu- mc von Potsdam nach Berlin verlegt. Das Krömmgs- und Ordeusfest kann diesmal am Sonntag, den 18. Januar, dem Tage der Stiftung des höchsten preußischen (Schwaben Adler)» Ordens, ob» stebalteu werden. Hosbälle finden vier statt.
— Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich find gestern auf der Nstldparkstation eingetroffen und haben fich nach dem Neuen Palais begeben.
— Im Bundesrat ist die Annahme des Zoll» tarifgesetzes nebst Zolltarif in der vom Reichstage beschloss neu Gestalt mit allen Stimmen gegen die der drei freien- und Hansastädte Hamburg, Bremen und Lübeck beschlossen worden. So meldet die .Angsb. Abendzig.', der wir die Verantwortung für ihre Mitteilung überlassen muffen.
— In der Diätenfrage wird in nächster Zeit etwas o^chehen, so versichert auch die „Post", fügt jedoch jtoigu, daß sich der Bundesrat nicht mit der eins« -en Zustimmung zur Resolution des Reichstags beqnsizen werde, durch welche 20 Mk. pro Tag für je> Reichstagsabgeordneten an Tagegeldern gefordert wer^n.
— Im .Deutschen Reichsanzeiger' werden die von der englischen Regierung getroffenen Bestimmungen über Einwanderung nach der Transvaal- und der Oranjeflutz-siolonie veröffentlicht. Personen, die dahin reffen wollet haben sich bekanntlich vor der Abreise einen Erlaubnisschein zu beschaffen, da ihnen ohne solchen schein nicht gestaltet wird, in den südafrikanischen Häsen an Land zu gehen. Deutschen Reichsangehörigen, so teilt der .Reichsanz.' noch mit, steht es frei, zur Erwirkung der Erlaubnisscheine die Vermittelung der für den Landungshasen in Südafirka zuständigen kaiserlichen Konsularbehörden in Anspruch zu nehwrn.
— Dem .Reichsanz.' zufolge ist der 'Lyegouver- »eur des Schutzgebiets der Karolinen, Palau- und Marianen inseln, Hahn, zum Gouverneur von Deutsch-Neu Guinea und der Kanzler beim Gouvernement v»n Togo, Horn, zum Gouverneur von Togo ernannt.
— Das mit der Kurie getroffene Abkommen wegen Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät bei der Universität Straßburg ist in Rom in Straßburg veröffentlicht worden. Es ergiebt sich daraus, nach dem beigegebenen offiziösen Kon».zentar, daß die Stellung der Fakultät im wesentlichen die Sleiche sein wird, wie die der katholisch-theologischen akultäten in Preußen.
— Der preußische Landtag wird fich wied^«rt dem Gesetzentwurf zur Regelung der Vorbildung der Verwaltungsbeamten zu beschäftigen haben. Dagegen ist laut .Nat-Ztg.' nicht zu erwarten, daß der Ge- setzentwurf zur Regelung der juristischen Vorarbeit, der in der Kommission des Abgeordnetenhauses stecke« blieb, jetzt nochmals an das Haus kommen wird. Gegen die Verlängerung des Studiums von sechs auf sieben Semester war bekanntlich vielfacher Widerspruch laut geworden.
— lieber die Bevölkerungsbewegung in Deutschland im letzten Jahre teilt das statistische Amt mit: Die Eheschließungen übertrafen im Vergleich znr Gesamtbevölkerung den Durschnitt des letzten Jahrzehnts nur noch um ein ganz Geringes; gegenüber den wirtschaftlich günstigsten Vorjahren ist ein bemerkbarer Rückgang eingetreten. Der Geburtenüberschuß bezifferte fich auf rund 858 000 Köpfe, das ist 15,1 auf lOtO Personen der Gesamtbevöllerung gegen 15,6 im Jahre 1898 und 14 im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts. Als erfreulich ist ein andauernd fast gleichSrnäßiges Sinken der unehelichen Geburten zu verzeichnen, deren Zahl allerdings noch immer fast 180000 im Jahr beträgt. Sehr günstig stellt sich die Sterbeziffer, ein gutes Zeichen für die Wirksamkeit der modernen sozialpolitischen und volksgesundheitlichen Fürsorge. Mit 21,8 Todesfällen auf 1000 Einwohner hat das Berichtsjahr wieder den bisher günstigsten Stand, den vorn Jahre 1898, erreicht.
— Die .Times' melden aus Shanghai: Ein Teil der deutfchen Besatzung hat die Stadt am 20. ds. geräumt. Ein britisches Regiment hat gestern, am 22., Shanghai verlassen. Die Zurückziehung der französischen Truppen wird für den 26. d. M. erwartet.
Ausland
Oesterreich-Ungar«. Die Herstellung des österreichisch-ungarischen Ausgleichs macht den beiderseitigen Ministerpräsidenten ganz unsägliche Schwierigkeiten. Szell und Koerber erschienen, nachdem fie trotz stundenlanger Konferenzen zu keiner Verständigung gelangt waren, zu einer gemeinsamen Audienz beim Kaiser, wobei der ungarische Ministerpräsident v. Szell sein Portefeuille zur Verfügung stellte. Der Monarch lehnte jedoch das Abschiedsgesuch ab und wies beide Premiers an, von neuem zu beraten. — Die italienische Weinzollklausel soll in eine neue für alle Staaten gültige Bestimmung umgewandelt werden.
Englkttd-. Der Oberkommiffar für Südafrika Lord Milner wird, laut einer Meldung des „Daily Expreß" aus Durban, wahrscheinlich im April nach England zurückkehren und dann zum Gouvernsur von Australien ernannt werden. — Also abgohalftert!
Balkattstaate«. Die Aufrollung derBalkan- ftage durch Rußland und Oesterreich - Ungarn hat am Goldenen Horn recht peinliche Gefühle des Schuldbewußtseins erweckt. Der Sultan erließ az die Behörden Makedoniens den ge- meffenen. Befehl, die Ruhe aufrechtzuerhalten und jeden Anlaß zu Klagen der Bevölkerung zu vermeiden. Zuwiderhandlungen gegen diesen Befehl wSrden auf das schwerste geahndet werden. Und doch wird Graf Lambsdorff genug und übergenug zu hören bekommen. Sagte doch der deutsche Reichskanzler als damaliger Staatssekretär des Auswärtigen, von Bülow, im Dezember 1898: Die Lösung der makedonischen Frage ist eine Aufgabe, die mit der Quadratur deS Zirkels auf einer Stufe steht.
Bttlgarie«. Beim letzten Frühstück im ruffifchen Konsulat aus Anlaß des Namensfestes des Zaren wurden zwischen dem ruffifchen diplomatischen Agenten Bachmetjew und dem Fürsten Ferdinand bedeutungsvolle Trinksprüche ausgetauscht. Bachmetjew nannte den Fürsten den getreuesten und bewährtesten Freund des Zaren und des ruffifchen Volkes. Den bevorstehenden Besuch des Grafen Lamsdorff erwähnend, sagte Bachmetjew, Graf Lamsdorff wolle fich in der Nähe über die unglückliche Lage der Macedonier unterrichten. Fütft Ferdinand erwähnte in seiner Ansprache den auSzeichnenden Empfang, der ihm bei seiner letzten Anweftkhttt in Petersburg zu Teil geworden ist.
Marburg und Umgegend
Marburg 23. Dezember.
* Der Weihnachtszaudcr hält Zuug und Alt iw Banden. Morgen, Kinder, wird's was geben; morgen werden wir uns freuen! Welche Wonne, welches Leben, wird in unserm Hause sein! So klingt es den Alten noch heute aus den Tagen der Kindheit ins Ohr, so fingen es nun wieder die Mütter ihren Kindern. Und alles fteut fich und jauchzt dem herrlichen Weihnachtsabend entgegen. Es giebt keinen Tag im ganzen langen Jahr, der so von Poesie umwoben wäre, wie der Weihnachtstag. Es giebt kein christliches Fest im Kirchenjahr, das so wie Weihnachten gebunden wäre an die Geschichte feines Ursprungs. Wohl wissen wir, daß der Weihnachtstag vom streng historischen Standpunkt auS betrachtet, nicht der Geburtstag des Christkindes ist, sondern daß aus Zweckmäßigkeits- gründen der Geburtstag des lichtspendenden Christentums verlegt ward auf das Fest der ^idnischen Wintersonnenwende. Aber wir sind uns garnicht bewußt des zwiefachen Charakters des Festes. Daß die Sonne nun wieder höher und höher am Horizonte emporstrebt, daß die Tage wieder länger und heller werden, und daß mit diesem Weihnachtstage diese Wandelung eintritt, ist gewiß etwas Schönes und Erfreuliches. Aber diejenigen, denen das herrliche Fest doch zu meist gilt, unsere Kinder denken absolut nicht an die Sonnenwende. Sie rechnen nicht mit dem Historiker, fie find ganz Gefühl rab Begeisterung. Sie leben und schweben in der Weihnachtsbotschaft, wie sie uns Lucas erzählt; fie find erfüllt von dem herrlichen Bilde, das uns diese wunderbare Geschichte enthüllt. Die Krippe in Bethlehems Stall, die Hirten auf dem Felde und die Menge der himmlischen Heerschaaren, über den Wolken schwebend, ihr Lobgesang: Ehre sei Gott in
1 der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Das alles ist ihnen so gegenwärtig, als seien fie selbst Zeugen von Christi Geburt. Das ist auch eine Geschichte für Kinderherzen wie keine andere. Das geht direkt zu Herzen und bleibt darin zum Eigentum fürs ganze Leben.
§ Weihuachtsverkehr. Der Paketverkehr auf dem hiesigen Postamt ist diesmal wieder ein sehr starker. Es mußten verschiedene Hülfs- kräfte engagiert werden, um die Arbeit alle bewältigen zu können. Die Pakete werden in großen Kastenwagen transportiert.
* Bo« der Rrichspost. Die Post bittet, den Einkauf der Wertzeichen für den Neujabrsver- kehr nicht bis zum Sylvester zu lasten, da dann die Schalterräume über die Maßen überfüllt würden. Jedenfalls tut das Publikum gut, diesen Rat zu beherzigen. Die Drängelei ist nicht schön.
* Zahnheilkundr. Die Vorbildung für das Studium der Zahnheilkunde soll dem eigenen Wunsche der Interessenten gemäß erhöht werden, um das Studium selbst zu vertiefen. Bisher wurde nur das Primaner-Zeugnis gefordert, jetzt soll, der „Berl. Tgl. Rundschau" zufolge das Reifezeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums gefordert werden.
§ Zum Rathansumba«. Bei der Submission zur Vergebung der Arbeiten zum Umbau des Rathauses wurde folgenden Submittenden der Zuschlag erteilt: Mülich, Putzarbeiten, Brauer, Anstreicher- arbeiten, Metzler, Langenbeck, Rohleder und Schäfer, Schreinerarbeiten, Gustav Laubscheer, Schlosierarbeiten, Schippel, Elaserarbeiten. Die einzelnen Angebote waren wie folgt ausgestellt: Putzarbeiten: Aug. Becht 791,55 Mk., Karl Mülich 853,88, Kuschmann 989,93, M. Boes 1009,75, H. Obermann 1040,78, H. Knoch 1053,33, Gg. Braun 1069,57, Rahenbrock 1328.03, V. Knoch 1538,59, Fritz Wick 2327,40 Mk. Schreiner- arbeiten: a) Parquettböd en: Gail Ww., Biebrich 1748,14 Mk., W. Metzler 1781,75, Aug. Wick (i. F. Hillebrandt) 2017,08, Brust 2073,00, W. Sangen- deck 2689,44, I Rohleder 2711,85 Mk.; b) Fenster: Langenbeck 385,28 Mk., Rohleder 394,24, Metzler 430,08, A. Schäfer 465,92 A. Wick 483,84 Mk.; °) Türen und Toren: Metzler 105100 Mk., A. Schäfer 1072,00, A. Wick 1109,00, Langenbeck 1347,00, Rohleder 1434,00 Mk.; d) Täfelung: Rohleder 2217,26 Mk., Langenbeck 2303 99, A. Schäfer 3394,86, A. Wick 3821,34, Metzler 4608,20 Mk.; e) Möbel: A. Schäfer 2099 Mk, Rohleder 2150, Langenbeck 2182, A. Wick 2739, Metzler 2760 Mk
Schlosferar beiten: Gustav Laubscheer 3326,40 Mk., D. Salowski 3527. Ferd. Laubscheer 3817,60, P. Sann-Weitershain 3829, Jacob Cramerding 3977,60, Gustav Fischer 4022,20, Justus Fischer 4075,20 Mk.
An st reicherarbeiten: Aug. Becht 241,11 Mark, Kuschmann 243,17. K. Mülich 270,10, H Ober- mann 340,26, A. Deinert 360,88, Gg. Brauer 372,24, M Boß 395,44, V. Knoch 418,60, Th. Keil 418,85, Rahenbrock 434,48, Fritz Wick 558,18 Mk., H. Knoch 741,50 Mk.
Glaser ar beit en: Fried. Schippel 645 Mk., K. I. Schultz Söhne 851,40, W. Bamberger 860 Mk., Bitter 924,50 Mk.
§ Nachweis der BevölkerungSvorgäuge in der Stadt Marburg vom Monat November: Lebend- geboren 19 männlich, 27 weibliche, insgesamt 46. Todtgeb. 3 männlich, 1 weiblich, insgesamt 4. Gestorben (ausschließlich Todtgeb.) 13 männlich, 10 weiblich, insgesamt 23. Darunter Kinder im Älter bis zu 1 Jahr 4 ehelich geboren. Von den Geburtsfällen kommen auf hiesige Einwohner 26, auf Aus- wärtige 20; von den Sterbefällen auf hiesige Ein- wohner 15, auf Auswärtige 8. Die Todesursachen betrafen akute Darmkrankheiten, einschl. Brechdurchfall, 1, Kindbettfieber 1, Lungenschwindsucht 3, akute Erkrankungen der Atmungsorgane 1, alle sonstige Krankheiten 18, Tod aus unbekannter Ursache 1.
8 Viehzählung. Bei der am 1. Dezember vorgenommenen Viehzählung waren im Kreise Marburg vorhanden: 3432 Pferde (gegen 3382 im Jahre 1900), 24031 Stück Rindvieh (25425), 16 712 Schafe (21194), 23239 Schweine (22220). Auf die Stadt Marburg entfielen diesmal wie schon einmal mitgeteilt 366 Pferde, 188 Stück Rindvieh, 242 Schaft und 499 Schweine. Wie überall im Deutschen Reiche f» ist auch die Schafzucht im hiefigen Kreise
ganz rapid zurückgegangen, dafür hat die Schweinezucht einen Aufschwung genommen. Bei der ersten Viehzählung im Jahre 1892 waren im Kreise noch 23956 Schafe vorhanden, da» dagegen zählte man nur 15 731 Schweine.
* Biehseridungen. Zur tunlichsten Verhütung von Beschwerden über die Stellung ungeeigneter Wagen für Viehsendungen hat der Minister der öffentlichen Arbeiten neue Bestimmungen zur Anwendung bringen lasten. Auch sollen die Stationen und Abfertigungsstellen angewiesen werden, die bebeckiea Wagen mit Lüftungsvorrichtungen in den Stirnwänden vorzugsweise zur Viehbeförderung zu benutzen.
~ Betziesdorf, 22. Dez. Die seit Jahren im Gange befindliche Verkoppelung unserer Gemarkung ist jetzt soweit gediehen, daß den Beteiligten demnächst ihre neuen Pläne überwiesen werden können.
* * Frankenau, 21. Dez. Die Scharlach-Epidemie hat in unserem Stadrchen eine größere Ausdehnung gewonnen; 14 Kinder liegen gegenwärtig krank darnieder, ein Kind ist bis jetzt gestorben.
+ Vöhl, 22. Dez. Eine leider zu geringe Geldstrafe erhielt vom hiefigen Schöffengericht ein wegen Tierquälerei Angeklagter. Derselbe halte eine heiße Hündin im Walde angebunden und 8 Tage lang hungern lasten, nachdem er dos arme Tier vorher unmenschlich mißhandelt hatte. Durch den Gendarmen wurde der Hund aus seiner Lage befreit und Anzeige erstattet.
+ Vöhl, 22. Dez. Eine Diebesgeschichte, die des Humors nicht entbehrt, ereignete sich hier vor einiger Zeit. Entsteht da eines Tages im Hause eines Handelsmannes ein unheimliches Geräusch, das auf Einbrecher deutet. Die ganze Familie gerät in Aufregung und aus Leibeskräften wird Hülfe gerufen. Mit einem langen Mester bewaffnet, tritt der Hans- • Herr endlich auf den Flur und ganz erschrocken ergreifen die beiden Eindringlinge in Gestalt von zwei Ratten die Flucht.
* ** Oberwerba, 22. Dez. Die Zentral-Ein- und Verkaufsgenostenfchaft für Waldeck und Pyrmont hat nun auch das Feld ihrer Tätigkeit nach uns erweitert. Auf Veranlassung des Rendanten Schnaar in Vöhl traten nach einem Vortrage eines Beamten der Ge» noffenschaft sämtliche Landwirte der Genossenschaft bei.
V Marienhagen, 22. T 3. Der in diesem Jahre auftretende Wastermangel macht fich in unserer Gemeinde besonders bemerkbar. Das Wasser zum Tränken des Viehs muß weither geholt werden. Man beabsichtigt daher eine Wasserleitung zu bauen- und mit diesem Plane haben sich sämtliche Bewohnt einverstanden erklärt. Hoffentlich gelingt es bei ist hohen Lage unseres Ortes reichlich Wasser zu haben. Mit der Ausarbeitung eines Entwurfes soll im Frühjahr begonnen werden.
(C Treysa, 22 Dez. In Gegenwart ihrer Eltern und Verwandten wurde den die hiesige Kleinkinderschule besuchenden Kindern, deren Zahl etwa 60 beträgt, gestern abend im Wettlauferschen Saale die diesjährige Weihnachtsbescheerung überreicht. Nach dem von den Kindern gesungenen Liede: ,O du fröhliche k.' fragte die Schulschwefter die Weihnachtsgeschichte ab, deren Beantwortung durch passende Liederverfe unterbrochen wurde und überraschend schnell und korrekt erfolgte. Nach einer Ansprache des Begründers der Kleinkinderschule, des Herrn Metropolitan Brand, und nach dem Vortrage mehrerer Gedichte erhielten die Kinder ihre Geschenke. Mit einem gemeinsamen Liede fand die Feier einen würdigen Abschluß
Hessen-Nassau und Nachbavgebiete
Homberg, 22. Dez. Dem früheren Besitzer und Redakteur des hiesigen Kreisblattes, Herrn Friedr. Reucker, ist von Sr. Majestät dem König der Kronenorden IV. Klaffe Allerhöchst verliehen und sind ihm die Ordensinsignien heute durch Herrn Landrat von Gehren feier» lichst überreicht worden.
Efchwege, 21. Dez. Das hierhergekommene Kommando des Pionierbataillons No. 11 hat die umfangreichen Eisversetzungen in der Werra zwischen Wanfried und hier heute nachmittag gegen 1 Uhr gesprengt. Die ausgeuferten Wassermassen find in das Flußbett zurückgekehrt. Die Gefahr für die Ortschaften Rheda, Schwebda und Aue ist beseitigt. Auf den Feldern ist durch Auswaschen der Saaten vielfach Schade» angerichtet worden.
Niederbiel, 20. Dez. Vor einigen Tagen starb Hierselbst ein 15jähriger Präparand, der die Präparandenschule in Wetzlar besuchte, an Blutvergiftung. Derselbe hatte fich, wie wir dem „Gieß. Anz." entnehmen, beim Schlittschuhlaufen eine kleine Verletzung am Fuße zugezogen, woraus fich durch da8 Tragen tot« gefärbter Strümpfe, und weil die Wunde anfangs nicht beachtet wurde, trotz später zugezogener ärztlicher Hilfe die tölich verlaufene Entzündung entwickelte.
Beiseförth, 22. Dez. Der frühere Pächter der Bahnhofswirtschaft, Gastwirt W., sollte sich dieser Tage in Elberfeld, wo er jetzt seinen Wohnsitz hatte, wegen Sittlichkeitsverbrechen verantworten. In dem Augenblick seiner Verhaftung erschoß fich der Unglückliche vor den Augen des Schutzmannes.
Wiesbaden, 22. Dez. Die Entscheidung über den Rücktritt des Berliner Generalintendanten Grafen Hochberg und die Ernennung des Wiesbadener Hoftheaterintendanten v. Hülsen zu deffen Nachfolger wird hier von eingeweihter Seite als unmittelbar bevorstehend bezeichnet.
Frattkfttrt a. M., 22. Dez. Weihnachten im Panoptikum. In die richtige Weihnachtsstimmung werden die Besucher von Castan'L in Frankfurt a. M. versetzt, wo das schöne Fest durch reizende Weihnachtsgruppen in finniger und künstlerisch-schöner Weise gefeiert wird. Wer in diesen Tagen Frankfurt besucht, möge schon deshalb nicht versäumen, das reichhaltige Etabliffement zu besichtigen.
Bad Nattheim, 20. Dez. Gestern vormittag ereignete fich in einer Sandkaute in der Rödger Gemarkung ein schreckliches Unglück. Ein alter Arbeiter aus Schwalheim, welcher daselbst beschäftigt war, wurde von den nachstürzenden Sandmaffen verschüttet und könnt* bis jetzt noch nicht ausgefunden werden.