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ersucht, von dem Vorfall vorläufig keine Notiz zu nehmen und zu warten, bis die offizielle Verständigung erfolgen würde. Man hat offen­bar geglaubt, daß man die Kronprinzessin zur Rückkehr nach Dresden oder Salzburg würde bewegen und eine Bekanntgabe der mißlichen Angelegenheit vermeiden können. Das ist offen­bar mißlungen. Die Eltern der Kronprinzessin, bei denen sie in Salzburg Rat gesucht hatte, sollen sich die verdenkliche Mühe gegeben haben, jeden Eklat zu vermeiden und ihre Tochter zur schleunigen Rückkehr nach Dresden zu bewegen. Ihr Bruder, Erzherzog Leopold, habe sich jedoch auf die Seite seiner Schwester gestellt uud eS soll zu heftigen Szenen gekommen sein, welche schließlich dahin führten, daß die Kronprinzessin und der Erzherzog Salzburg heimlich verließen.

Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertage». Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Umversitäts-Buchdruckers

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

flüsterte Dr. Weiß.

Ehren Sie seinen letzten Wunsch!" sagte Olschmann und führte die von Weinkrämpfen Befallene hinaus.

Die andern Anwesenden folgten. Melanie trat an das Lager des Schwerverletzten und fragte mit jener milden Ruhe, die sie stets zu

Keine Verteuerung der Lebens­haltung.

Die Familie Humbert bewohnt in dem spanischen Gefängnis recht elegante Räume und wird aus einem feinen Restaurant beköstigt. Auch empfängt sie fort­gesetzt Besuche spanischer und französischer Journalisten, denen gegenüber sie sich in allerlei dunklen Zornausbrücken gegen hochgestellte fran­zösische Beamte ergehen, die sie als Betrüger und Schwindler bezeichnen. Der Bruder der Frau Humbert richtet die heftigsten Anklage» gegen denWucherer" Cattani und deffen Schwiegersohn Reutlinger, die beide für das Unglück der Humberts verantwortlich seien. Ihre Aussageu würden für den Justiz­minister Valle, den Chefredakteur desMalin" und des .Petit Parisien" fatal, sein. Er äußerte sich sogar, daß sie sicher auf Frei­sprechung hofften. Nun, das wird man abwarten müssen, wenn es ja bei der bekannten Art französischer Rechtsprechung nicht unwahr­scheinlich ist, daß die Schwindlerfamilie mit recht geringer Strafe davon kommt. Die Pariser Polizei soll das Notizbuch der Therese Humbert besitzen, worin die Namen aller Personen verzeichnet sind, die sie angeblich bloßstellen will. Der Aufenthalt der Humberts in Madrid sei der französischen Regierung langst bekannt gewesen, die Verhaftung bisher aber nicht erfolgt, weil sie der Regierung nicht konvenierte. Die Auslieferung dürfte unver­züglich erfolgen.

Das Vorgehen gegen Venezuela

Reichskanzler Graf Bülow soll sich nach einer Meldung der NewyorkerAssociated Preß" wie folgt über die venezolanische Frage geäußert haben:Unter den deutschen Forder­ungen gegen Venezuela haben wir die aus den letzten venezolani'chen Bürgerkriegen sich er­gebenden vorangestellt. Diese Forderungen haben nicht den Charakter von bloßen Schuld­verpflichtungen, sondern sie erwuchsen aus Ge-

mir der Tod diese Möglichkeit." »WaS meinst Du?"

Daß ich kein sorgfältiger Verwalter Deines Eigentums war und nicht als reicher Mann sterbe. Statt Dein wir anvertrautes Gut zu vermehren, gefährdete ich es durch leider miß­glückte Unternehmungen.--Wären mir noch

Jahre geschenkt gewesen, dann"

Sie legte die Hand auf seine Lippen.Kein Wort weiter! Du hast einen Sohn, der Deine Verpflichtungen übernehmen wird. Wäre aber die gering? Summe, welche ich damals in Deine Hände legte, verloren, so dürste Dir die Sorge darum nicht die letzte Stunde verbittern. Der größere Teil meines Vermögens wurde in sicheren Papieren angelegt. Dieser Besitz, wenn auch bescheiden, reicht für mich, die Anspruchs­lose, vollkommen aus."

So schlimm steht es nicht. Noch kann Alles gedeckt und Schönfeld erhalten werden wenn Viktor energisch und tatkräftig zu Werke geht. Aber ich fürchte, er"

Fürchte nichts! Gezwungen, den Ernst des Lebens zu erkennen, wird er sich dem Gebote der Notwendigkeit fügen und es als Ehrensache betrachten, den ölten Familiensitz nicht in fremde Hände kommen zu lassen.

Aber jetzt gönne Dir Ruh». Du bist erschöpft." _

Ja, Nur noch eins! Gertrud ver­liert in mir ihre einzige Stütze"

Ich habe das Mädchen lieb gewonnen und will ihr immer eine Mütterliche Freundin bleiben. Um sie wagst Du umbesorgt sein."

Mit einem Seufzer der Erleichterung schloß der Sterbende die Augen und schlummerte ein.

(Fortsetzung folgt.)

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

Sonntagsbeilage: Jüustrirtes Sonntagsblatt.

regung Salzburg plötzlich verlaffen unter Ab­bruch aller Beziehungen zu den hiesigen Ange­hörigen und sich in das Ausland begeben. Am Hofe wurden für den Winter alle Hoffestlich- k-iten abgesagt, auch der Neujahrsempfang findet nickt statt. .

Die Kronprinzessin Luise Antoinette Maria ist eine österreichische Prinzessin. Sie wurde am 2. September 1870 geboren und verheiratete sich am 21. November 1891 mit dem jetzigen Kronprinzen von Sachsen, Friedrich August, der im j38. Lebensjahre steht. Der Ehe find vier Kinder entsprossen, drei Söhne und eine Tochter.

Ueber das Verschwinden der Kron­prinz e s s i n wird sowohl in Wien rote in Salzburg jede offizielle Auskunft verweigert. ES ist aber gewiß, daß die Prinzessin am Leben ist. Selbstverständlich kursieren über die Entfernung der hohen Frau in Wien und in Dresden eine Menge unkontrollierbare Gerüchte. In Dresden vermutete man schon seit längerer Zett allerleidas vorsichtig in die Worte gekleidet wurde: cherchez lhomme! Die Kronprinzessin ist von dort am 9. Dezember abgereist, ohne Wissen, des Hofes, einen Tag nach der Rückfahrt ihrer Mutter nach Salzburg. Anfangs blieb die Abreise dem Publikum unbekannt. Allgemeines Aufsehen erregte es aber, als am vorigen Samstag die Kronprinzessin bei der großen Woblthätigkeitsvorstellung in der Hofoper, die zu Gunsten der Arbeitslosen gegeben wurde, fehlte.

Am 17. Dezember noch meldete das amtliche Dresdener Journal", die Kronprinzessin, die nach Salzburg verreist sei, wäre nach von dort euzgeiroffenen Nachrichten erkrankt und würde infolgedessen erst in einiger Zeit nach Dresden zurückkebren. In Salzburg bewohnte die Kronprinzessin bis zum 12. Dez. das Palais ihres Vaters, des Großherzogs von Toskana. Don dort aus soll sie in Begleitung ihres älteren Bruders, des Erzherzogs Leopold in der fraglichen Nacht Salzburg verlassen und sich nach der Schweiz oder, wie die letzten wiener Nachrichten besagen, nach Paris begeben haben. Als Grund der Entfernung geben die einen Berichte an, daß die Kronprinzessin mit der Königin-Witwe Karola von Sachsen und der Prinzessin Mathilde nicht harmoniert habe, daß sie aber mit ihrem Gemahl, der sie nächstens in Paris besuchen werde, in glücklichster E h e gelebt habe. Andere Meldungen wollen wissen, daß ihre Ehe mit dem Kron­prinzen aus mancherlei Gründen sehr unglücklich gewesen sei. Es ist überall stark bemerkt worden, daß die Kronprinzessin ihren Gemahl, als dieser infolge des Jagdunfalls an's Bett gefeffelt war, nicht ein einziges Mal besucht hat. Am toskanischen Hofe herrschte am Morgen deS 12. große Bestürzung. Die Wiener Blätter wurden bewahren wußte.Was möchtest Du mir sagen, Walther?"

Ich will Dich um Verzeihung bitten."

Da zuckte es in schmerzlicher Erinnerung über ihr Antlitz.

Wenn Du für irgend etwas meiner Ver­gebung bedurftest, so gewährteich sie Dir längst."

Wir haben uns einst näher gestanden." Nicht im gewöhnlichen Sinne des Wortes." Ich warb um Deine Liebe, wenn auch nur mit Blicken und Blumen Und Du schenktest mir ein junges, reines Herz. Warum willst Du es jetzt leugnen? Ich nehme ja das Geheimnis Deiner Jugend mit in die Gruft hinab."

Ja, Walther. So war es und ich habe mich des kurzen Traumes nicht zu schämen. Daß Du Valeska wählest, bereitete mir freilich ein trübes Erwachen, aber ich sagte mir:Sie ist die weitaus schönere und reichere. Der Oheim, der ja auch mein zweiter Vater war, wünschte diese Verbindung und machte das Erbe davon abhängig. Sein Wille sei erfüllt! Ich werde mich künftig als Walters Freundin und Schwester betrachten." Es war mir ernst damit und ich bewies es Dir, indem ich den letztwilligen Bestimmungen des Verstorbenen zufolge, meinen bleibenden Wohnsitz auf Schön­feld nahm. Es erfüllte mich oft mit Kummer, daß ich Dich in Deiner Häuslichkeit nicht glück­licher sah, aber ich hatte vollständig überwunden und auch jetzt kann ich bei dem Allmächtigen schwören: Nicht der geringste Vorwurf erhebt sich wider Dich in meiner Seele."

Aber ich habe eine zweite Schuld begangen und leichtsinnigerweife immer gehofft Alles ordnen zu können.--Jetzt nimmt

»z» Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk.,

JIS 326 bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).

^nsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Mittwoch, 24. Dezember 1902.

Reel-men: bte Zeile 2o Pfg. 3

j2 ^Nachdruck verboten.) I Die Worte:Ich liebte ihn vielleicht mehr

als Du," wolllten sich über Fräulein v. Sternecks

SchfÜH I Lippen drängen, wurden aber unterdrückt. Sie

Roman von B. C o r o n h. I kannte Valeska zu gut, um nicht zu wissen, daß

Kortsetzung.) ihr der Schmerz, so gewaltig er auch jetzt schien,

.Großer Gott!" schluchzte Gertrud und flog keine unheilbare Wunde schlagen würde

dann wie immer, energisch und entschlossen. Der Arzt war bereits eingetroffen und hatte den Nahenden entgegen. sofort die traurige Ueberzeugur g gewonnen,

Welch entsetzlicher Anblick! Auf einer not- menschliche Kunst vermöge hier mchtmehr zuretten.

dürftig hergestellten Bahre lag Meinau regungs- Wahrscheinlich würde Meinau sanft und ohne los und mit geschlossenen Augen. zum Bewußtsein des nahen Scheidens zu ge-

Ist er tot?" fragte sie mit erstickender gelangen, in die Ewigkeit hlnübergeschlummert

gtiröme sein, hätte sich Valeska nicht mit ausgebreiteten

N-in, Fräulein. Jobst läuft zum Arzt. Armen, schreiend, schluchzend und jammernd

Aber schlimm sehr schlimm siehts wohl um über ihn gestürzt, so aber öffnete er die Augen

den Herrn aus", antwortete einer der Träger, und sah mit wirren, erschrockenen Blicken unr

Gertrud beugte sich tief über den Verletzten her, versuchte sich aufzurichten und sank zu Tode

herab und flüsterte ihm leise schmeichelnde erschöpft wieder zurück, murmelnd:Es ist vor-

Worte zu. Da schlug er die matten Lider auf bei. Es geht zu Ende mit nur. Sendet zum

und drückte die kleine, zitternde Hand, um Pfarrer!"

gleich daraufwieder inBewußtlosigkeit zu versinken.Nein, nein, Du darfst mich nicht verlaffen!

Das drohende Gewitter hatte sich verzogen. I stöhnte die wild Erregte.

In goldiger Klarheit strahlte das Firmament.Du mußt und wirst es überwinden. I» den Baumwipfeln rauschte der Wind und Jetzt möchte ich ein paar Worte allem wirbelte abgerissene Blätter durch die Luft. mit Melanie reden."

Wortlos im Schmerz, klammerte sich ValeskaUnd ich sollte gehen? Nein! Mem Platz an den Sohn, und weder sein, noch Fräulein I ist bei Dir." ,

b. Sternecks Zureden vermochte sie zu be- IDu kannst wieder kommen!

schwichtigen. INein, nein! Ich bleib?!

Sei ruhig und gefaßt", mahnte Melanie. |Widersprechen Sie dem Sterbenden nicht," In diesem Zustand dürfen wir Dich nicht an fein Lager lassen. Das hieße ihm jaeigen, daß er verloren ist."

Geh, geh, geh!" schrie Frau v. Meinau, sie bei Seite stoßend.Du hast nie ein Herz für mich gehabt und kannst nicht begreifen, wie ich leide."

Zu dem verhetzenden Geschrei des sozial­demokratischen Wahlaufrufs über unerschwing­liche Mehrbelastungen der minder wohlhabenden Schichten der Bevölkerung ist daher an sich Die Zahlen, welche ou8 dem Entwurf des I nicht der mindeste Anlaß vorhanden Aber es Reichshaushaltsetats für 1903 bekannt werden, I wird in den fojtdbemoftahf$en bestätigen vollauf die frühere Angabe, daß auch in der Preffe andrer Parteie^ welche zwischen den Einnahmen und den aus ihnen zu nntder althergebrachten Lchwache d s Deutschen deckenden Ausgaben ein bedenkliches Mißver- " Bezug auf Mtung n für öffentlich Zw cke hättnis besteht. Zugleich erhellt, daß die für rechnen, planmäßig ^nd sorgfältig ver- Km Reichshaushaltsplan wichtigsten Einnahmen schwiegen, daßvon 1903 ab den Kon nack nickt ihren Tiefstand l su menten eine Entlastung von 100 Echt haben, ^rn da^

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mtt Sickerbe t m «warten ist so darf Belastung durch das Zuckerkartell selbst bei sehr doch angefickts des stetigen und raschen Steigens niedriger Sckätzungder letztgedachtenVelaftung dec Ausgaben nicht entfernt darauf gerechnet eine Erlei chterung d 8 ucker teer werden, daß allein au« dem Mehrertrage der brauchs um m ndestens 2 Mk aus de jetzt vorhandenen Einnahmequellen der Fehl- ?-£L ® 6^/^entfernt mehr um

f J. <T. to:Th aiisaleicken I es sich bei dem Zucker Nicht entfernt meyr um lassem Die finanziellen Wirkungen der mit der ein reines Eenußmittel, sondernumeluwlch- Annahme der Zolltarifvorlage eingeleiteten tiges Mittel der allgemeinen ^°^s«^ahr mg «lonroloUiMrt iitifPTpr QnlT- iind Landelsbe- I Bon den sozialdemokratischen Blattern wurde SSÄ7«» ÄÄben bei bet «!.«««« der Bet-tungen übet die BM-Iet

letziaen Finanzlage des Reichs ganz besonders Konvention der Zucker sogar als em notwendiges LmünfAt fpin nnd »war namentlich deshalb I Volksnahrungsmittel bezeichnet. Ferner kommt tn-is dtt» «ns den ^erhöhten Schutzzöllen zu I die Entlastung des Zuckerverbrauchs in besonders Mehrbelastung für den deutschen Konsu- gute und endlich haben davon vornehmlich

menten bedeuten. Sie Belastung des Konsums auch diejenige» Klas en berJBevöHe

durch Schutzzölle, welche für das heimische Er- rung, welche, wie die Beamten die

werbsleben ihren mehr als ausreichenden Aus- I Lehrer, Pensionäre und

gleich in dem besseren Verdienst der Gewerbe- ner von denZollerhohungen eine

treibenden und Landwirte und in der er melierten Be la ft u n g ihre S § a u § f) alIti8 j

Arbeitsgelegenheit und dem erhöhten Verdienst furchten baben, £

der Arbeiter findet, bleibt ganz dieselbe, gleich- werbetreib nden u«d Arbeiter ein n einnahmen zur Folge hat ober ordentlichen Einnahmen des Jahres 1903 hinter

Rung« R-ichs sich -l« d-n «brat'*» festen »«HU«*, ta.d,

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Tabak, bei denen die Vorzüge indirekter Be- I v erb leiben.__

Steuerung in vollem Umfange Platz greifen; I ---

denn durch eine geringe Beschränkung des Der- UiU|d)aiL

brauchs ist jedermann in der Lage, eine Mehr- Rrnnhrtn-eifin

belastung seines Haushaltsetats zu verhüten. D,.e s ach sii s ch e .Rr on pr z '

Es kommt hinzu, daß Getränk- und Tabaksteuer Gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr ver- Gennßmittel treffen, die beinahe ausschließ- I breiteten wir durch ein Extrablatt folgende lich von erwachsenen männlichen Personen ver- I Nachricht:

braucht werden, mithin die Haushaltungen mit I Dresden, 22. Dez. DasDresdener zahlreichen nichtarbeitsfähigen Mitgliedern Journal" meldet: Tie Kronprinzessin hat ,n nicht höher belasten, als den einzelnen der Nacht vom 11. zum 12. Dezember in einem unverheirateten Mann. anscheinend krankhaften Zustand feelischer Er-