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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

M 324

Zweites Blatt

Rotationsdruck.

um etwaigen unliebsamen Aktionen der Mächte vorzubeugen, sich bald zu konkreteren Maßregeln entschließen wird. Am Abend diniert der eng» lische Botschafter O'Conor b-im Sultan. Der­selbe, der sich am unbefriedigtsten über die jüngste Reformaktion des Sultans geäußert hat und die Ansicht vertritt, daß Mazedonien vor allem einen christlichen Generalgouverneur nötig hat, wird sich die Gelegenheft zur Aussprache mit dem Sultan benützen.

Verantwortlich für die Redaktion: Frhr. v. Wanaenbeim in Marburg.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete

Diüeubltrg, 19. Dez. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde die Dill-Kanali­sation beschlossen; ebenso wurde der Anschluß des Maibach-Kanals genehmigt. Die nicht un­erheblichen Kosten werden durch eine Anleihe mit 2 pCt. Amortisation gedeckt. Die AuS- führuna beginnt Ostern 1903.

Mslvz 19. Dez. Der Kaiser will jede» Jahr um Mainz Kavalleriemanöver abhalten. Gelegentlich der Besprechung über einen neu anzulegenden Reitweg zwischen Schloßtor und Kaisentor und der Straße Am Zollhafen und Rheintor machte, wie dasMainzer Tagebl.' berichtet, gestern im Finanzausschuß Herr Ober­bürgermeister Dr. Gaßner die Mitteilung, der Kaiser habe sich bei seiner letzten Anwesenheit in Mainz dahin ausgesprochen, daß er jedes Jahr, etwa im August, hierherzukommen ge­denke, um größ.re Kavalleriemanöver abzu- balten. Dies sei auch ein wesentlicher Grund gewesen für die Zusammenlegung der 13. Husaren und die Erbaunng der neuen Kaserne am hiesigen Platze.

Bom Bilche-markt.

*, Fuldaer Gefchicht-rblätter. Die letzte Rümmer der Fuldaer Geschichte blätter, welche soeben erfch enen ist, zeichnet sich wieder durch einen reichen historischen Inhalt aus.

V Die Jabrespublikotionen der Bereinigung der Kunstfreunde für 1902/3 find nickt nur reichhaltiger als in früheren Vereinsjahren, sondern fie bieten auch die Erstlinge eines neuen hochintereffanten Unter« nehmens, nämlich die Facfimile - Wiedergabe alt» franzöfifcher Gemälde aus dem Besitz Seiner Majestät des Kaisers. Begonnen wird mit zwei in ihrer Art sehr verschiedenen Bildern Watteau's, nämlick der .Fahrt zur Liebesinfel' und dem .Tanz'. Ueber jenes Bild ist der ganze entzückende R iz der galanten SDiele einer übermütigen Gesellschaft ausgegofien, die fich dem Dienst der Liebesgöttm weiht, in dem

Umschau.

Die Reise Chamberlains.

Mit dem Beginn des neuen Jahres wird man auS den südaftikanischen Kolonien Groß­britanniens Nachrichten erwarten dürfen, die Aufschluß geben werden, in welcher Weise der britische Kolonialminifter seine politische Mission zu erfüllen und die Aufgabe zu lösen gedenkt, die widerstreitenden Elemente in der Bewohner­schaft der alten und der neuerworbenen Kolonien zu versöhnen und zu vereinigen. Am 11. Dez. hat dieGood Hope" die Insel Perim am südlichen Ausgange des Roten Meeres passiert, und in einigen Tagen dürfte Herr Chamberlain in Mombas, dem östlichen Endpunkte der britischen Uganda-Bahn am indischen Ozean eintreffen, um die fast vollendete Strecke in Augenschein zu nehmen. Die Fahrt, die der Kolonialsekretär in Begleitung des in Mombas residierenden britischen Kommissars, auf der Bahn zu unternehmen gedenkt, wird sich bis zur westlichen Endstation des bisher fertig­gestellten Teiles ausdehnen, allerdings aber bis zum projektierten Endpunkt der Linie, dem Viktoria Nhansa, nicht fortgesetzt werden können, da noch mehr als der vierte Teil der Gesamtstrecke der Vollendung harrt, wofür kürzlich seitens des Unterhauses der Betrag von 12 Millionen Mark bewilligt werden ist. Nach Beendigung des Aufenthalts in dem ostasrikanischen Schutzgebiet wird die Reise nach Natal auf dem Seewege fortgesetzt, wo die Landung in Durban am 21. Dezember erfolgen soll. Der Aufenthalt in Natal wird sich auf den Besuch der Hafenstadt Durban und der Hauptstadt Pietermaritzburg erst'ecken und insgesamt sechs Tage umfassen. Für Durban sind drei Tage in Aussicht genommen, inner­halb welcher der Empfang zahlreicher Depu­tationen, ein Festmahl unter Beteiliauna der Behörden und Landesvertretungen u. s. w. statt­finden soll. Am 24. erfolgt die Ankunft in Pietermaritzburg, wo eine Konferenz des Kolonialsekretärs mit hervorragenden Mit­gliedern der Landesverwaltung in Autzsiht ge- genommen ist. Den Vorgängen in Pieter­maritzburg wird insofern erhöhte Bedeutung beizumessen sein, al« innerhalb der genannten Körperschaft scharfe Gegensätze bezüglich der Reforwirung und Erweiterung des Eisenbahn­wesens herporgetreten find, wodurch die vor­läufige Hinausschiebung der voraelegten Projekte veranlaßt worden ist. Am 28. Dezember wird der Kolonialsekretär in Verleitung des Gou­verneurs und Premierministers von Natal die Weiterreise nach Colenso antreten, im Anschlüsse daran werden die in der Nähe befindlichen Schlachtfelder, ferner Lrdyimfth und Spiow^ov besucht werden. Die Ankunft in Pretoria ist auf den 2. Januar, der Aufenthalt dort auf sechs Tage festgesetzt, womit dann da» eigentliche Arbeitsgebiet für die politischen Bestrebungen des Kolonialsekretärs erreicht ist.

Vermischtes

Kleine Nachrichten. Der Mörder der Witwe Budwig in Berlin, die letzter Tage ermordet und beraubt wurde, ist ermittelt worden. Es ist der etnere Neffe des Opfers, der 27 Jahre zählende Kellner Adolph Lesczhnskh, aus deffen Festnahme 1000 Mk. Belohnung stehen. Der Inhaber der Kölner Firma Ströver, vereideter Kursmakler K'iemer, stellte fich lautBerl. Tgbl." freiwillig der Staatsanwaltschaft mit der Erklärung, daß er infolge ungünstiger Geickäftßlage sein Vermögen verloren und die ihm anvertranten Wertpapiere und Gelder für etoene Zw cke benutzt habe. Der große, Aber« wic>'en3 aus Privatleuten bestehende Kunden- krci auS Rheinland-Westfalen ist schwer geschädigt.

Ausland

R«tzla«d. W>'e aus Petersburg gemeldet wird, wird die Verabschiedung PobicdonvßzewS als Oberprokurator des Heil. Synods morgen imRemerungSboten' veröffentlicht Werren.

Serbien. Wie in Belgrad verlaufet, wird der russische Minister des Aeußeren, Graf Limsdorff, der auch in Belgrad einen Beguck machen wird, ein eigenhändiges Schreiben des Zaren an den König Alexander überbringen. Näheres über seine anscheinend lehr wichtige Mission weiß man nicht. Graf LamSdorff ist überhaupt der erste russische Minister des Aeußeren, der Serbien besucht.

Türkei. Der Großvezir und sämtliche Minister wurden am Donnerstag zu e-nem außerordentlichen Ministerrate nach dem Dldiz KioSk berufen. Es heißt, daß der Sultan zeit weise im Conseil anwesend war. Die Be­ratungen galten ausschließlich der mazedonischen Frage. Die Ansicht, daß weder die Bevölkerung von Mazedonien noch die Mächte von den bis­herigen Verordnungen befriedigt find, macht fich auch in der Umgebung des Sultans bemerkbar und es ailt als wahrscheinlich, daß der Sultan,

Deutsches Reich

Berk«, 20. Dezember.

Um dem Verlangen des Abgeordnetenhauses nach vermehrter Förderung de8 Kleingewerbes zu entsprechen, sollen nach einer offiziösen Ankündigung im nächsten Etat Mk. 100,000 zur Förderung des Kleingewerbes durch positive Maßnahmen und Mk 15000 zur Veranstaltung einer Enquete und zur Herstellung einer Denkschrift über den gegenwärtigen Stand der staatlichen Gewerbeförderung gefordert werden.

- Ein allgemeiner Bauarbeiter-Schutzkongreß ist zum März 1903 in Berlin einberufen. Beteiligt find daran die sämtlichen Organisationen der Bauhand- Werker, Zimmerer, Maurer Maler, Töpfer ec. Die Tagesordnung bezieht sich auf die Durchführung der Unsallgefetzgebung, Verhütung von Unglücksfällen im Betriebe und eine wirksamere Kontrolle der Bauten unter Heranziehung von Arbeitern. Die Verhand­lungen beginnen am 29. März im großen Saale des GewerkschaftShauses. Die Behörden find dazu ein« geladen. ,

Der .Vorwärts' veröffentlicht einen Aufruf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion an das arbeitende Volk Deutschlands, in dem die Bedeutung des neuen Zolltarifs auseinandergesetzt und das Ver« halten der F aktion in den parlamentariscken Kämpfen der vergangenen Woche gerechtfertigt und die Parole für die nächsten Wahlen daher ausgegeben wird: .Nieder mit den Parteien des Zollwuchers! Keine Zustimmung zu einem Vertrage, der Hunger- und Wucherzölle enthält!' Desgleichen wird aus die drohende Utilitär- und Marinelasten, auf die Ansprüche der Welt- und Kolonialpolitik und auf die angekündigte Erhöhung der Bier« und Tabaksteuer als bedeutsam für die nächsten Wahlen hingewiesen. Besonders scharf wird gegen das Centruin Stellung genommen, das den politischen Verrat in Permanenz repräsentiere.

Der .Lokalanz.' veröffentlicht eine Kabinets- ordre vom 11. d. Mts, betr. Neugliederung der oft« astatischen Befatzungsbrigade, nach der das erste und zweite Bataillon des ersten ostasiatischen Infanterie« regiments, die zweite ostafiat'.sche Gsbirgsbalter^e und das Feldlazaret 2 nach Dertschland zuruckzusübren und aufzulöfen find. Das bisherige dritte Bataillon des ersten Jnkanterieregiments wird das erste Bataillon, das bisherige zweite Bataillon des zweiten Infanterie­regiments das zweite Bataillon des ersten Infanterie« regiments. Beim zweiten Infanterieregiment bleibt das erste Batataillon bestehen. Das bisherige dritte Bataiuon wird das zweite Bataillon.

andern herrscht die anmutige Unschuld kindliche» Koketterie. Unter den Bildern deutschen Ursprungs finden wir zunächst zwei Kleinode der beliebtesten Meister des Genres: die .Salomonische Weisheit von Ludwig KnauS und ein .Terzett' von Ludwin Passini: drei Heine Italienerinnen, die mehr schreien» als singend armumschlungen dahermaschieren. Eineq vollkommenen Gegensatz der künstlerischen Auffassung repräsentiert Max Liebermann, deffen .Amsterdam« Waifenmädchen', die Eigenart des gefeierten Führers der Sezeffiou treffend charakterifieren. Dazu gesellt sich Meister Lenbach mit einem lieblichen Kinderkopf .Rotblondchen' und Carl Kronberger, der in dem .Hochwürdigen Herrn Pfarrer' und in dem Gegen- stuck ,Jm Gebet(eine schöne alte Bäuerin im Sonn» tagSschmuckj zwei dewunderungswürdige Miniaturen giebt. Im großen Stil erzählt sodann Waldemar Friedrich die .Befreiung der Stadt Bernau iw Hussitenkriege', Carl Ludwig entrollt uns ein groß­artiges Bild der Alpennatur in dem .Frühling im Brennergebirge' und giebt andererseits eine .Ansicht der Marienburg'. Wilhelm Feldmann (Berlin) hat drei Blätter gespendet: eine tiefernste Szenerie .Ver­sunkene Herrlichkeit' benannt und zwei schmale über­höhte Studien .Sommer' und .Winter', die ebenso wie Paul Flicker's Motive aus der Umgegend von Rheinsberg von seinfter Naturbeobachtung zeugen. Ernst und bedeutend in der Wirkung ist Rasmuffen'S .Balestrand in Norwegen', und von ähnlich melancholischem Charakter der .Abend im Moor' von Eduard Schleich, welchem Bilde in Adolf Lier's .Abend an der Isar' ein sreundliches Blatt zur Seite tritt. Ihnen schließen sich zwei Blätter an, in denen Paul Meyerheim die Natur des Tiroler Landes schildert, und zwei Jagdstücke von Chr. tiröner. Von besonders pikantem Reiz ist ferner ein Blatt nach Antonio Fabrss, dessen .Diebin' als ein Meisterwerk der Orientmalerei bewundert wurde. Höchst schmack­haft in Stoff und Farbe reguliert uns H. G. Krichel- dors (München) mit einem .Fasten-Stillleben', und zum Schluß verzeichnen wir ein großes Blatt nach Paolo Veronese's .Hochzeit zu Kana'. Wie in anderen Jahren, so werden auch jetzt im Nachtrags» Katalog, der kostenlos zu beziehen ist, Fmzerzeige über paffende Rahmen zu den einzelnen Bildern ge­geben. Es sei daran erinnert, daß die Mitgliedschaft der Vereinigung der Kunstfreunde, deren Vereinsjahr von Oktober zu Oktober läuft, jederzeit erworben werden tann (Jahresbeitrag 20 Mk.). Sie berechtigt zur jährlichen Wahl eines Blattes der neuen oder der früheren Publikationen und eines PrämienblatteS in jedem dritten Jahre. Die Geschäftslokale befinde« sich in Berlin Markgrasenstraße 57 und Potsdamev» straße 23, wo die Publikationen der Vereinigung täg­lich betrachtet werden können.

WaS tdienten wir zn Weihnachten?

Für Anfichtskarten-Sammler und Vereine dürfte die Mitteilung von Jntereffe sein, daß das Versandt- Hau8 A. Kolhe in Leipzig-Plagwitz ein äußerst praktisches Postkarten-Album für 836 Karten paffend, gegen Einsendung von nur 4 Mk. liefert und jeder Bestellung, falls bis zum 22. Dezbr. bestellt, gratis beifügt: 400 Anfichtstarten-Grüße in poetischer Form, 1300 Weihnachts-, Neujahrs-, Konzert- und Volksliedertexte, 1 Serie hochfeine« Künstler karte« u. a. von der JerusalemSreise des Kaisers, 1 Jubi­läums-Postkarte vom Jahre 1900.

Ein wunderhübsches, reizendes Weihnachtspräsent, noch dazu mit äußerst wohlschmeckendem Inhalt ver­ehrt in diesem Jahre die rühmlichst bekannte Firma Kaiser's Kaffee-Geschäft ihrer nach Mllione« zählenden Kundschaft. Es ist dies eine elegant auS» gestattete Blechdose, einige Erzeugniffe der Firma wi« Chocolade, Kakes. Pfefferkuchen usw. enthaltend. Sicherlich wird das schöne Weihnachtspräsent Allen, namentlich aber den lieben Kleinen, von Herzen will­kommen fein

2 * Marburg :

Knsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg. SlMUtag, 21. DezMlber 1902. ®"4 MarburgMarv 21. -Telepho^55. f

Reclcnnm: die Zeile 25 Psg. ____________ --

s

(Nachdruck verboten.)

Allerlei vom Schenken.

Eine Plauderei für die Weihnachtszeit.

Bon Martha Rhoden.

(Schluß.)

Ja, noch auS anderen Gründen sollen wir Kindern einfache Geschenke in die Hand geben. Das Kind hat ncch nickt die Gefchicklickkeft und den so scharf entwickelten Ordnungssinn, um die Geschenke vor dem Befchrnutztwerden und Zunichtegehen zu hüten. Geht datz kostbare Spielzeug sehr bald in die Brüche, werden die Spitzenkleider der teuren Puppen sehr bald zerrissen und beschmutzt, so ift der Aerger der Eltern über die Unachtsamkeit der Kleinen sehr groß, und doch sollten fich die unverständigen Eltern lieber über fich ärgern, weil sie den Kleinen Dinge in die Hand geben, welche diese nicht beschmutzen und zerreißen sollen. Tenn auch noch das ist zu bemerken, daß im Zer­stören des Spielzeug« fich oft nur der berechtigte Tätigkeitstrieb der Kinder zeigt, den zu unter­drücken und durch allerlei Strafen zu beseftigen, eine sehr falsche Erziehungsmethode der Eltern ist.

Die FrageWaS sollen wir schenken V kann Sicht früh genug erwogen werden. Sehr viele

Menschen kommen in das Geschäft, um dort die Antwort auf diese Frage zu erhalten. Da steht nun eine Frau in dem Geschäft und blickt um fich, ob fie nicht irgend etwas fi bet, was für ihren Herrn und Gebieter geeignet wäre.

Vielleicht ein Rauchservice?* offeriert die Verkäuferin.

Hat er schon!'

Ein Reiseneceffaire?'

Hat er schon '

Und so geht die Reihe herum, bis fast alle Artikel aufgezäht sind. Endlich fällt der Blick des Verkäufers auf einen Wonnenkloß.

Hier dieses Ruhekiffen?'

Nein, ein gutes Gewissen ist das beste Ruhekissen! Und ein gutes Gewissen hat mein Mann auch schon?'

Da ist denn guter Rat teurer, als die Weih­nachtsgeschenke es an sich schon oftmals find, und in ihrer Verlegenheit greift die Käuferin zu Dingen, über deren Ankauf fie fich nachher selbst ärgert. Hätte fie bei Zeiten nachgedacht, hätte fie seit vielen Wochen oder Monaten darauf geachtet, welche Wünsche so ganz ge­legentlich der Gatte äußert, dann hätte fie ihn sicher erfreuen können, während er nun womög­lich das unnütze Möbel von Geschenk achtlos bei Seite wirft.

Darin liegt die ganze Kraft des Schenkens, daß wir dem, dem wir ein Geschenk machen, einen Wunsch erfüllen, sei dieser Wunsch nun ausdrücklich gelegentlich geäußert oder nur im Stillen gesagt und von uns mit den Augen der Liebe ermittelt. Möchten wir aber selbst den zu Beschenkenden fragen, was er fich wünsche, so würde das Geschenk des größten Reizes entbehren, den ein Geschenk haben soll, den Reiz der Ueberraschung. Aber auch außer­dem ist e8 sinnlos, einen wirtschaftlich auf eigenen Füßen Stehenden, oder wohl gar höher Gestellten nach seinen Wünschen zu fragen. Ein Kind, daS nicht über eigene Mittel zu verfügen hat, läßt man einen Wunschzettel schreiben, um dem Kinde nach besten Kräften diejenigen Wünsche zu erfüllen, die eS fich selbst nicht er­füllen kann. Einen Erwachsenen aber, der sich selbst zu kaufen imstande ist, waS er braucht, zu fragen, was er gerne haben möchte, ist im Grunde genommen verletzend, wenn eben nicht gerade die sehr nabe Verwandtschaft oder Freundschaft, die mit demselben verknüpft, der Frage daS beleidigende Moment raubt. Wenn die Gattin aus heimlich erspartem Gelde dem Ehemann Dinge kaust, die dieser notwendig braucht, so ist das ja ein ander Ding, denn wenn auch der Gatte den Hut oder den Schlips sich leibst taufen könnte, den ihm hie Gattin

schenkt, so wird er doch durch das Geschenk überrascht, weil er nicht ahnte, daß die sparsam» Frau das Geld erübrigte. In solchem Fall» ist eben nicht der Hut und der Schlips daS eigentliche Geschenk, sondern die Sparsamkeit der Frau, und deren Liebe, die fich darin dokumentiert, daß fie für den Gatten gespart erfreut diesen.

Und daS ist die gnnze Quintessenz der Kunst des Schenkens: wir sollen mit Siebe schenken. Wir sollen nicht nur schenken, weil eS Sitte und Gebrauch ist; nicht nur, weil man unS auch beschenkt, nicht nur, weil es eine Pflicht ist, sondern wir sollen mit unserem Geschenk Freude machen wollen. Erst dann empfinden auch wir beim Schenken die rechte Freude, und ein Geschenk, das nicht ebenso sehr den Geber, wie den Beschentten erfreut, hat feinen eigentlichen Beruf verfehlt.

Ich hoffe nicht, daß diese Betrachtungen den Leser zu dem Ausruf veranlassen werden:Ach, das war ja ganz unnötig, alles das erst noch zu sagen, denn das ist ja doch alles selbst­verständlich.' Denn ein unnötiger Artikel ist ein Luxusartikel, und der Leser könnte dan» nach dem Obengesagten schlußfolgern:Der Autor hätte ihn fich und dem Leser ^scheukm^ können.'