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auf dem Gebrete des Fleisch- ebenso wie auf dem des KornbedarfS seinem Konsum selbst zu genügen, ein erneuter Beweis für die ersprieh- liche Betätigung der französischen Wirtschaftspolitik wäre. Möge die hierin sich dokumentierende Einsicht in volkswirtschaftliche Dinge sich verallgemeinern, damit die wirtschaftliche Parole .Deutschland den Deutschen" nicht länger nur ein leereS Wort bleibe!
Aus Venezuela.
Der italienische Vertreter in Caracas hat Venezuela verlassen und dem Präsidenten Castro ein Ultimatum überreicht, in dem er die Zahlung von 120 000 Pfund Sterling verlangt. Den Schutz der italienischen Interessen, gleich denen Deutschlands und Englands, haben die Vereinigten Staaten übernommen. Von der spanischen und der belgischen Gesandtschaft sind ebenfalls Noten an die venezolanische Regierung gerichtet worden, in denen um Bezahlung der Forderungen Spanien« und Belgiens ersucht wird, sofern die anderen Mächte ihr Geld erhalten. Die Mehrzahl der europäischen Staaten hat also jetzt in Caracas Forderungen geltend gemacht. In Venezuela soll übrigens alles drunter und drüber gehen. Castro hat mit dem Ausbruch einer neuen Revolution zu rechnen, da sein Gegner MatoS entschieden den Vorschlag Castros auf Vereinigung aller Streitkräfte ablehnt und seine Getreuen aufs Neue zu sammeln beginnt. Castro wandte sich daher abermals an Roosevelt und bat um besten Vermittelung wegen Einsetzung eines Schiedsgerichtes. Ehe Castro seine verkehrte Haltung nicht vollkommen ändert, kann von einer Berück sichtigung seines Gesuches aber keine Rede sein. Auch die Vereinigten Staaten lehnen e8 ab, vor dieser Aenderung Castros amtliche Schritte zur schiedsgerichtlichen Beilegung der Streitfrage zu tun, trotzdem es an tendenziösen Nachrichten, die das Gegenteil behaupten, nicht fehlt. An unnützem Gerede und offenbaren Quertreibereien
wischt geblieben. Sie haßte den jungen Oertel und verhehlte eS ihm nicht. Gerade deshalb schwur er sich zu, ihr Starrsinn müsse weichen, möge e« kosten was eS wolle. Es wäre ja das erste Mal gewesen, daß er irgend etwas nicht durchgesetzt hätte, er, der Sohn des reichen Schneidemüllers.
Der Alte bekümmerte sich längst nicht mehr in eigener Person um die Mühle, sondern hatte einen verläßlichen Geschäftsführer engagiert. Er strich nur die Einkünfte ein und lebte in seinem prächtig möblierten Hause. Aber seit Jahren kränkelnd konnte er zu keinem frohen Genuß seiner Reichtümer gelangen.
Oertel besaß auch eine Tochter, ein rotblondes, sommersprossiges Mädchen mit gewöhnlichen, unintereffanten GefichtSzügen. Diese hatte sich wohl in der Pension etwas äußeren Schliff angeeignet, aber keine echte, wirkliche Bildung.
Der Schneidemüller hegte schon lange seine Pläne und wollte höher mit ihr hinaus. Brächte daS blühende Geschäft nicht so viel ein, so würde er die Mühle bereits verkauft, oder gegen irgend eine vornehme Besitzung vertauscht haben, denn Katharina wurde nicht müde, dazu zu raten; aber sein praktischer Sinn hielt ihn davon ab, ihr Gehör zu schenken.
Je kränklicher Oertel wurde, desto wehr wuchs seine üble Laune und desto weniger vermochte er seine Heftigkeit und Brutalität zu zügeln, so daß man ihn ost bei dem geringsten Anlaß schreien und toben hörte. Auch seine
wird von der uns feindlich gesinnten Prrffe soviel geleistet, daß es ganz unmöglich ist, auf Einzelheiten einzugehen. Die englische sowohl wie die amerikanische Regierung stehen diesem ebenso billigen wie erbärmlichen Treiben m- deffen vollkommen fern. Wa8 den Fortgang der Aktion gegen Venezuela anlangt, so find stch die Mächte darüber einig, daß von einer Landung von Truppen keine Rede sein könne. Es werden deshalb auch wieder seitens Deutschlands noch seitens Englands weitere Verstärkungen nach dem karaibischen Meere entsandt werden. Die venezolanischen Kriegsschiffe befinden sich nach der Beschlagnahme der „Miranda" durch den deutschen „Panther" im Golfe von Maracaibo vollzählig in englischen resp. deutschen Händen. Die Durchführung der Blockade wird von den bereits anwesenden Kriegsschiffen durchaus ermöglicht werden können, liebet die Form der Blockade, die der amerikanischen Schiffahtt keine Belästigung bereiten soll, ist eine Verständigung mit der llnionsregierung bereits erfolgt. Diese Blockade wird so lange aufrecht erhalten werden, bis Castro mürbe geworden ist. Das wird, wie man hofft, sehr bald geschehen, obwohl es noch immer in Venezuela nicht an Tollhäuslern fehlt, die dem ehrenwerten Castro Heeresfolge leisten. So haben die Studenten der Universität Caracas ein eigenes Bataillon gebildet und sich dem Präsidenten zur Verfügung gestellt. — Zum Schluß eine Träuer- nachricht, von der wir hoffen, daß sie unbestätigt bleibt. Dem „B. T." wird aus London gemeldet: Während des Bombardements auf Puerto Cabello saßen bei der englischen „Charybdis" einer, bei der deutschen „Vineta" zwei Schüffe aus den Forts. Es heißt, daß einer von den Offizieren der „Vineta" durch eine Kugel von der Küste getötet wurde. Die „Vineta" traf in Willemstadt mit der Fahne auf Halbmast ein. Wir meinen, daß wohl schon eine amtliche deutsche Nachricht über die mehrere Tage zurückliegende Katastrophe vorläge, wenn sich eine solche tatsächlich ereignet hätte.
zwei unliebenßwürdigsten Charaktereigenschaften, das Mißtrauen und der Geiz, traten jetzt schärfer denn je hervor. Er glaubte sich immer von Dieben und Betrügern umgeben und schlich oft Nachts durch das Haus, um die Dienerschaft zu belauschen und zu beobachten. Konnte er doch ohnedem nicht schlafen, so sehr ihm die Augenlieder brannten, so schwer und wüst fein Kopf war. Dabei kam eine förmliche krankhafte Sucht zu sparen, wenn es sich um seine Untergebenen handelte, über ihn. Jeden Bissen Brot hätte er den Faulenzern, die ihn ja doch „nach Kräften bestahlen und schädigten" vom Munde reißen mögen. Keiner wagte denn auch zu sprechen ober zu lachen, wenn der Herr kam, denn dem konnte man mit dem besten Willen nichts recht machen, und er fand immer Ursache, zu schelten und zu tadeln.
Da war vor Allem der Knecht Ruppert, ein sehr beschränkter Mensch, der unter diesen Ausbrüchen zorniger Unzufriedenheit leiden mußte. Oettel betrachtete ihn gewiffermaßen als Sündenbock, als Blitzableiter für allen Aerger. DaS stupide Gesicht, mit den wulstigen Lippen und ausdruckslosen Augen reizte ihn. Daß der Halbblödsinnige nach einer solchen Scene jedeSmal die Faust hinter ihm schüttelte und Drohungen murmelte, bemerkte er nicht und die Anderen hüteten sich, eS ihm zu sagen.
Aber mit Martin hatte der Schneidemüller seine liebe Not. Der Bursche konnte nichts und lernte nichts.
An einem schönen Sonntagsmorgen fuhr der
Deutsches Reich
Berit«, 18 Dezember.
— Der Kaiser, der 9'beuds vorher einem Fest der Leib • Garde • Husaren und der Garde • Jäger in Potsdam beiwohnte, hörte Mittwoch verschiedene Vorträge.
— Anläßlich der Begrüßung deS Kronprinzen durch die Arbeiter von Oels sprach dieser gestern seinen und seines Vaters Dank für die patriotische Kundgebung aus.
— Der Reichskanzler Graf Bülow hatte eine längere Unterredung mit dem russischen Botschaster Grafen v. d Ostern Socken. Da der Kanzler kurz zuvor auch eine Besprechung mit dem Oesterreichungarischen Botschafter hatte, so darf wohl angenommen werden, daß bei dreien Konferenzen die Handelsvertragsfrage einer Erörterung unterzogen worden ist.
— Der .Reichsanzeiger" meldet: Am 15. und 16. d. M. wurden auf Einladung des Reichseiienbahn- amts und unter seiner Leitung kommissarische Be»
Schneidemüller mit seinen Kindern zur Kirche. Eine schlanke Frauengestalt kam die Landstraße daher. Martin riß schleunigst den Hut ab, doch die Vorüberschreitende blickte nach der entgegengesetzte Seite.
„Die bankt Dir ja gar nicht für Deinen Gruß. Was ist beim bas für eine Manier?" fuhr Oertel auf.
„Sie soll's schon noch lernen, etwas weniger stolz zu fein I* stieß der junge Mensch grollend hervor.
„Stolz? — Auf was denn?" fragte der Schneibemüller, bie buschigen, grauen Brauen verächtlich in bie Höhe ziehend.
„DaS möchte ich auch wissen!" lachte Katharina. „Rechnet sie fich's vielleicht zur besonderen Ehre, von fahrendem Komöbiantenvolk abzustammen ? Geh, Du bist bumm, Martin. Etwas anbereS weiß ich Dir nicht zu sagen."
„Unb bas hättest Du auch für Dich behalten können. Silbe Dir nur nicht ein, baß Du zu den Klügsten gehörst."
„Keinen Zank!" rief Derlei. „Wenn Dir die Mamsell wieder begegnet, wird nicht gegrüßt. Verstanden."
Martin murmelte etwas Unverständliches und hieb auf bie Pferbe los, bie im Galopp bahinsprengten uno vor ber Kirche hielten.
Ganz steif geworben von ber Fahrt, stützte sich ber Schneioemüller auf den Arm seine« Sohnes unb schritt in bas Gotteshaus, einen Gruß mit ber Gutsherrschaft austauschend, bie bereits eingetroffen war. (Fortsetzung folgt)
mit dem Kreisblatt für bie Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. .................... .......
Umschau.
Der Friedericianische Griff eingeführt.
Von einer neuen Ehrenbezeigung vor dem Kaiser lieft man in mehreren Berliner Blättern: Bei ber letzten großen Herbstparabe ist ber Vorbeimarsch vor bem Kaiser in ab geänberter Form verlaufen; bie geschloffenen ©lieber ber Truppen marschierten nicht mehr mit „Gewehr über", sondern mit angezogenem, auf der linken Hand ruhenden Gewehr vorüber. Diese Form bet Ehrenbezeigung sollen jetzt auch bie Wachtposten statt bes Präsentierens vor bem Kaiser machen. Das Kommanbo für biefen Gewehrgriff soll lauten: „Zieht bas Gewehr an!" — unb in zwei Griffen hat ber Kolben in ber linken Hand zu ruhen, während bie rechte oben ben Schaft hält.
Viehbestand und Zolltarif — nach französischer Anschauung.
Die politisch maßgebenden radikalen Kreise de» republikanischen Frankreich zeigen sich in unerschütterlicher Energie bestrebt, bie Entwickelung bet französischen Volkswirtschaft auf bodenständiger Basis zu wahren, d. h. durch die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung vermittels ber Arbeitserzeugnisse bet heimischen Lanbwirtschaft, weil man es bett als eine politische Grundwahrheit erkannt hat, daß bas dauernde Glück, die Zukunst eines Volkes ausschließlich in ber Heimat verankert liege.
Die französische Zolltarifresorm von 1892 sollte anerkanntermaßen jenen wirtschaftspolitischen Anforderungen entgegenkommen, welche logisch aus ber ökonomischen Anschauung über bie wirtschaftliche Geschlossenheit einer Volksgemeinschaft hervorgehen, inbem man bie La»' ur* einen, ben bestehenden
Taris erganzeuoen ourchaus wirksam zu nennenden Ptodukttonsschutz in den Stand setzte, die ausländischen Zufuhren an Lebensmitteln in Frankreich entbehrlich erscheinen zu lassen.
In einer ber letzten Nummern bot „La r&publique fran^aise“ bespricht ein französischer Publizist in einem Artikel „Vieh unb Fleisch" an der Hanb bet Statistik bie Fortschritte, Welche bie Viehwirtschaft Frankreichs in ben letzten Iahten gemacht hat, inbem et bie ge- funbenen Ergebnisse in eine vergleichende Betrachtung zu ben entsprechenden Verhältnissen in anderen Ländern bringt. Der Verfasse', sagt: Man weiß es zur Genüge, was für außerordentliche Fortschritte wir in ber Kultur ber Zerealien unb des Weinbaues innerhalb von sechs Jahren gemacht hoben. . . . Hinsichtlich der ttetischen Erzeugnisse aber ist Frankreich, in Anlehnung an Algier, bahin gelangt, picht allein ben Bebürfniffen beS Konsums gerecht werden, sondern sogar zur Exporttätigkeit auf diesem Gebiete schreiten zu können."
AuS ber vergleichenben Betrachtung übet die anbeten ßänbet mag nachstehendes Urteil des französischen Schriftstellers Interesse beanspruchen: Während Frankreich nunmehr seinen Bedarf selbst zu decken in bet Lage ist, sehen sich England unb Deutschlanb barauf angewiesen, gewaltige Mengen von Rinbfleisch zu impor Heren. Für Englanb betrug 1900 bie Einfuhr an Rindvieh und Rindfleisch über 1000 Mill. Francs, für Deutschland in demselben Jahre über 100 Mill. Francs. Letzteres Land befindet sich in einer ähnlichen Lage, in der wir unS vor der Zolltarifreform sahen. —
Deutschland ist ebensowenig wie Frankreich auf Fleischzufuhr „angewiesen". Wenn fie stattfindet, so liegt bas nur an bem uns mangelnben Zollschutz. Wir können eS aber von diesem unserem Stanbpunfte auS so recht verstehen, wenn der französische Schriftsteller in dem angezogenen Artikel Gelegenheit nimmt, «8 auszusprechen, baß bie Fädigkeit Frankreichs,
rotungen der am Eifenbahnwesen beteiligten Bundesregierungen über weitere Maßnahmen ’.at Sicherung der Zugfolge abgehalten Gleichzeitig fand eine Vorbesprechung über eine vollständige Neubearbeitung der Betriebsordnung für die Haupteisenbahnen statt. Daß die Konferenz zusammentreten würde, war bereit« mitgeteilt worden.
— In der braunschweigischen Frage halten, tote die „Nordd Allg. Ztg' halbamtlich feststellt, sowohl die Reichsregierunq wie die preußische Regierung an ihrer früheren Auffassung fest. Anderweite Schritte, um die Frage einer Lösung entgegenzuführen, Würben daher zur Zeit gegenstandslos sein.
— Die Zahl der Abgeordneten, die gleichzeitig dem Reichstag und dem preußischen Abgeordnetenhause angehören, beträgt 115, und zwar: 46 Zentrumsmitglieder, 22 Konservative, 14 Ratinnalliberale, 12 freisinnige VolkSparteiler, 10 Freilonservative, 5 Polen, 4 von der freisinnigen Vereinigung und 2 Parteilose.
— Der neue amerikanische Botschafter in Berlin, Tower, wird am Freitag vom Kaiser empfangen und sein Beglaubigungsschreiben überreichen.
— Im Befinden Königs Georg von Sachsen ist anscheinend wieder eine Besserung eingetreten., Die Temperatur ist wieder normal. Leider find jedoch die katarrhalischen Erscheinungen noch nicht gewichen, so daß der hohe Patient noch immer genötigt ist, das Bett zu hüten.
— Ueber den Verbleib des Staatsschatzes m Transvaal veröffentlicht die „Voss. Ztg." zwei Zuschriften ihrer Berichterstatter in den Niederlanden die sich aufgrund der Aussagen von '’Hritanbern mit dieser Angelegenheit beschäftigten. Nach deren Darstellung gewinnt die Behauptung, daß Gold in be- trächtlichen Mengen nach Europa geschafft worden sei, an Wahrscheinlichkeit. Dieser Wahrscheinlichkeitsrechnung stehen aber die bestimmten und bändigen Erklärungen nicht bloß des Präsidenten Krüger, sondern auch der Generale Botha, Delareh und Dewet entgegen. , t
— Nach der „N. Fr. Pr." werden die Verhandlungen über die Erneuerung der Handelsverträge zwischen Deutschland, Oesterreich, Italien und Rußland im März ober April nächsten Jahres zu Berliv stattfinden.
— Wie die „Freis. Ztg." mitteilt, hat Abg. Eugen Richter eine mehrere Druckseiten umfassende Darstellung über die Zolltarifvorlage, die Gründe für und wider sie, die Verhandlungen im Reichstag, die Obstruktion und das Verhalten der Freisinnige« Volkspartei verfaßt, die als Anhang zu ber neuen Auflage des A B C-Buchs erscheinen wird.
— Ob ein neues Börfengesetz dem Reichstage noch in der laufenden oder erst in einer späteren Sesfiom vorgelegt werden wird, bildet gegenwärtig eine viel und leidenschaftlich erörterte Streitfrage Die einen erklären es lür selbstverständlich, daß die längst angekündigte Börsenreformgesetzgebung alsbald nach Erledigung ber Zolltarifvorlage und zwar noch in dieser Session erfolgen werde. Andere sagen wieder, daß die Einbringung eines solchen ResormentwurfS doch ein gar zu schlechter Dank für bie Mehrheitsparteien wäre, bie ben Zolltarif durchbringen halfen, bie Börfenreforrn aber nickt mögen. — Daß bei der heutigen Mehrheit des Reichstages die Börsengefetz- novelle irdendwelche Aussichten hätte auf Annahme erscheint gänzlick ausgeschlossen
— Die Einstellung des Verfahrens in Sacher» Krupp contra Vorwärts beschäftigt, wohl in Ermangelung eines anderen interessanten Stoffes, bie Blätter noch immer in lebhafter Weise. Man diskutiert neuerdings besonders über den Widerspruch, der sich darin findet, daß es nach dem Beschreiben des Oberstaatsanwalts Jombiel ben Anschein gewinnt, als habe Frau Krupp bie Einstellung des Strafverfahrens gewünscht, während es nach ber in ben Kruppschen Werkstätten ausgehängten Erklärung ber Familie die Staatsanwaltschaft war, die Frau Krupp um bie Ermächtigung zu dieser Einstellung ersuchte. Da sich kein Geringerer als der Kaiser selbst -ber Äu-
• - - (Nachdruck verboten.)
Schloß Schönfeld.
Roman von B. Corony.
(Fortsetzung.»
Ein feligeS Hoffen unb Ahnen schwellte die jugendliche Stuft bet Waise, boch dieses süße Geheimnis blieb sogar Fräulein v. Sterneck verborgen. DaS Höchste, Köstlichste behütet «an wie ein verschwiegenes Heiligtum.
Nicht selten, wenn Trübe Springer in8 Dors hinabging, begegnete ihr Martin Oertel, bem dereinst bie schöne Schneibemühle gehören sollte, die dicht am Walbe neben einer prächtigen neuerbauten Villa ftanb unb viel Gelb einbrachte.
In des jungen Menschen wafferblauen Augen leuchtete eS auf, so halb er beS Mädchens ansichtig wurde. Hübscher war er feit feinen Kindetjahren nicht geworden und obwohl ihm der Vater einen Erzieher gehalten hatte, ein roher, ungeschlachter Mensch geblieben.
Kam ihm daS GesellschaftSfräulein vom Rittergut in den Weg — und er wußte eS so einzurichten, daß dies häufig geschah, wenn sie zur Kirche ging ober Einkäufe besorgte — so grüßte er und machte oft Miene sie anzusprechen. Gertrud nahm jedoch keineswegs Rotiz davon, sondern schritt hochmütig vorüber. Die Erinnerung an jene Scene am Todesabend ihrer Mutter und an alle späteren Bosheiten Martins, der ihr, wenn fie zur Schule ging, immer nachschrie: „Da kommt daS böse Ding! Die Komödiantenhexe l" war bi» heute unver-
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.
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