mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
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Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.
2 * * Marburg . . 87. 3
^usertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg. Donnerstag, 18. Dezember 1902. «"» *
Reclamen: die Beile *so Psg. v _
Zweites Blatt.
Umschau.
Die Venezuelafrage.
Präsident Castro wird hoffentlich sehr bald ^her EUtäffdent Castro sein. Alle besonnenen Elemente des Landes, die das frevelhafte Spiel ihres Staatsoberhaupts durchschaut haben, find dahin übereingekommen, den gefährlichen Mensmen zu beseitigen. Es soll der Kongreß einberufen und Castro ohne Sang und Klang seines Amts enthoben werden. Ein provisorischer Präfident würde dann sofort den Vertretern Englands und Deutschlands die erforderlichen Zugeständ- niffe machen und damit die venezolanische Frage ihrer Lösung entgegenführen. Wir glauben und hoffen bestimmt, daß der Sturm im venezolanischen Wafferglas diesen Ausgang nehmen wird. Die plötzliche Wendung zum Guten, der Entschluß der maßgebenden Kreise Venezuelas zur Nachgiebigkeit ist aber doch dem Bombardement Puerto Cabellos zu danken. Nachdem deutsche und englische Kanonen dort gesprochen hatten, wurde man sich in Venezuela über die Lage klar. Im englischen Ober- und Unterhause hat es übrigens langatmige Debatten über die Venezuelafrage gegeben, der bedauernswerte Staatssekretär des Auswärtigen wurde auSge- fragt bis aufs Hemd. Es waren indessen ausschließlich loyale und beruhigende Erklärungen, die er abgab, die auch vom deutschen Standpunkt in allen Teilen gebilligt werden konnten. Die großen Debatten waren eigentlich überflüssig, nachdem alle Anzeichen auf eine baldige und befriedigende Lösung der denezolanifchen Streitfrage hindeuten. Gespannt darf man auf die Abrechnung sein, die die getäuschten und geschädigten Venezolaner mit ihrem Castro halten werden. Diese Erklärungen der beiden englische» Minister sind aber sehr zu rechten Zeit erfolgt, denn schon begannen englische Jingo's ihr frevelhaftes Spiel zu treiben und gegen Deutschland zu Hetzen. UeberLondon wurdeDepesche über Depesche nach Amerika lanciert, in denen Deutschland denunziert wird, die eigentliche Triebfeder derAktion gegenVenezuela zu fein. Ihm wurde auch die geheime Absicht zugeschoben, nicht nur wegen der deutschen Forderungen das Geschwader nach Venezuela gesandt zu haben, sondern um gegen die Monroe-Doktrin zu demon fixieren und sie durch Besitznahme eines Stückes amerikanischen Landes zu durchbrechen. Diese ganz nichtswürdigen Verdächtigungen Deutschlands durch die englischen Agenten fingen an bereits aufregend auf das amerikanische Volk zu wirken und eS begann in den Vereinigten Staaten eine so gereizte Stimmung
7 (Nachdruck verboten.)
Schloß Schönfeld.
Roman von B. C o r o n y.
,, (Fortsetzung.)
„Das ist so seine Art und Weise,2' bemerkte Valeska bitter. „Er tut, was ihm durch den Kopf fährt und verlangt von mir, daß ich mich seinen tollsten und sinnwidrigsten Einfällen füge." Nervös das Taschentuch zwischen den Weißen, hageren Fingern windend, fügte sie scharf hinzu: „Ich bedauere, daß Sie es waren, der ihm diesen unvernünftigen Gedanken eingab, Herr Rektor."
„Ich riet ihm, sich des verwaisten Kindes anzunehmen, nicht aber, es als Hausgenosfin nach Schönfeld zu bringen," erwiderte er. „Ihnen erwächst übrigens hier eine schöne Aufgabe, gnädige Frau, bei welcher Schule und Kirche Sie bestens unterstützen werden. In diesem gottesfürchtigen Hause und unter ihrem Schutz wird das verwahrloste Mädchen nur gute Beispiele vor Augen haben und Sie können sich dereinst sagen: Ich leitete ein junges Menschenleben auf gute Bahnen und bewahrte es vor dem Verderben. Wenn —'
Ein greller Aufschrei Gertruds unterbrach seine Rede. Die Kleine hatte sich abermals losgeriffen und lief zur Türe. „Ich mag nicht dableiben! Ich mag nicht!"
Warnend erhob Olschmann die Hand. „Du hast zu gehorchen!" tief er mit jener Strenge, die stets imponierte.
Aber auf das wilde, trotzige Kind machte sie keinen Eindruck. Gertrud fah ihn mit großen, zornigen Augen an und griff energisch nach der Türklinke.
gegen uns Platz zu greifen, daß man wieder einmal allen Ernstes die Möglichkeit eines bevorstehenden Krieges erörterte. Die englischen Ministerreden dürften nun Del für die erregten Leidenschaften der britischen Jingos bedeuten. — Aus der Rede Balfours ist folgende Stelle als Antwort auf einen Angriff Bannermanns besonders beachtenswert:
Es habe sich eine unerträgliche Lage herausgestellt, welche das Vorgehen erforderlich machte. Er bestreite, daß dieses Vorgehen ungerechtfertigt und voreilig sei. Campbell Bannermann scheint gewünscht zu haben, daß man mit Deutschland auf Grund seiner,Bannermanns, eigenartigen Forderungen zusammenwirke. Aber ist denn das der richtige Weg, mit einem fremden Staate eine Allianz für kriegerische Zwecke einzugehen, wenn Sie sagen, Sie wollen Seite an Seite mit ihm kämpfen, solange als es Ihnen gefällt, daß Sie aber, wenn es Ihnen nicht mehr paßt, den Bundesgenossen allein denKampffortsetzenlasfen? (Beifall). Wenige Verbündete würden geneigt sein, mit uns auf einer von Carnpell Bannerman gewünschten Grundlage vorzugehen. Der Minister. führt ferner aus, soweit finanzielle Ansprüche in Betracht kämen war die Regierung bereit, in ein Schiedsgericht zu willigen, durch das die Forderungen genau festgesetzt würden. Nach seinen Informationen wurde der Wunsch einer schiedsgerichtlichen Entscheidung von Venezuela durch Vermittelung der Vereinigten Staaten ausgesprochen Es sei gewiß zu bedauern, daß die venezolanische Regierung nicht an die Vorteil eines Schiedsspruches dachte, während vieler Monate und Jahre der Streitigkeiten,, daß sie jede Antwort, jeden Vorschlag oder eine Auseinandersetzung über irgend etwas, was sich ereignete, vrweigerte» daß sie drei Ultimaten empfing, ohne sich herabzulassen, die geringste Notiz von unserem Vorgehen zu nehmen. Balfour schließt: Erst jetzt, wo wir in Feindseligkeiten begriffen find, drängt sich der venezolanischen Regierung plötzlich der Gedanke eines Schiedsgerichts auf. Ich kann noch nicht sagen, ob der Gedanke gut oder schlecht ist, und deshalb mich noch nicht für oder gegen ihn auSsprechen. Der Gedanke kommt nicht von der Regierung der Vereinigten Staaten, sondern von der Venezuelas.
Der wirtschaftliche Wert des deutschen Tsadfee-Gebietes.
Nach Mitteilungen des Oberst Pavel haben wir hier ein reiches, gut kultiviertes Land vor uns, da 8 dem deutschen UnternehmungSgelst ein weites Feld bietet. Der Boden ist sehr fruchtbar ; die Landwirtschaft blüht in hohem Maße. Unabsehbare Felder von Mais, Korn, Reis, Erdnüssen, Tabak, Zuckerrohr und anderen einheimischen Früchten erfreuen daS Auge. Auch
„Die läuft davon, Mama," lachte Viktor.
„Na, da soll denn doch!" begann Beate zu schelten. „Ich kann mir nicht helfen, Gnädigste. Gutwillig geht das unartige Ding nicht mit. Da heißt es, kurzen Prozeß machen und sie forttragen."
„Rühr mich nicht an!" kreischte die Kleine, mit dem Füßchen nach ihr stoßend.
„Lassen Sie nur!" wehrte Fräulein von Sterneck ab. Die Dienerin durch einen Wink zurückweifend, näherte sie sich Gertrud und streichelte liebkosend über das dunkle Köpfchen.
Dem weichen Klang ihrer Stimme, dem milden Zureden hielt der mit Angst und Scheu gepaarte Trotz des Kindes nicht stand. Als Melanie sagte: „Du mußt gut und folgsam fein, denn Dein totes Mütterchen sieht aus Dich herab und will e8 so," da fing Trude zu meinen an und ließ sich ohne Widerstreben von der freundlichen blassen Dame fortsühren.---
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Zehn Jahre waren verstrichen und Gertrud Springer galt mit Recht für ein ausnehmend fchönes Mädchen. Etwas unter Mittelgröße, fiel ihre schlanke Gestalt doch durch ein wunderbares Ebenmaß, durch seltene Zierlichkeit und durch eine Geschmeidigkeit und Grazie aus, welche sonst nur manchen Südländerinnen eigen zu fein pflegen.
Mein au hatte Wort gehalten und sie sorgfältig erziehen lassen. Sie war nun, ihrem äußeren Wesen nach, vollständig Dame, aber aus den dunklen, feurigen Augen sprach das heiße Blut und ein nur mühsam niedergebändigter Trotz, der auch jetzt noch oft genug hervorbrach und ihr, während der auf dem Gute
die Rindvieh- und Pferdezucht stehen in hoher Blüte. Der Baumwollbau, schon weiter südlich beginnend, nimmt nördlich des Benne große Flächen ein. Deutsch - Born» und der angrenzende, sich östlich bis an ben Schari ausdehnende Teil von Adamaua ist fast eine einzige Baumwollpflanzung. Ungemein reich ist das Land auch an Kautschuk und Gummi arabicum. Von Elefanten abgesehen, die ausgerottet zu sein scheinen, ist der Wildreichtum des Landes ungeheuer groß.
Hebet Handel und Verkehr sagt der Bericht, daß fast jedes größere Dorf feine regelmäßigen Markttage in der Woche habe, an denen außer einheimischen Lebensmitteln Kolanüsse, Eisen, allerhand Stoffe, Lederarbeiten, Vieh und Waffen gehandelt werden. In der Hauptstadt Dikoa konzentriert sich der Handel. Tausende von Händlern versammeln sich auf dem Marktplatze des Ortes, und ihre Zahl erhöht sich noch bedeutend, wenn die Karawanen von Tripolis ankommen, was viermal im Jahre geschieht. Diese bringen Kaffee, Zucker, Sammet, Seide, Eisengeräte, Waffen, Gold- und Silberarbeiten, sowie einfachere Stoffe in Menge in den Handel. Die Bevölkerung, bestehend auS Fullahs, Kennris und Arabern, gehört der mohameda- nischen Religion an, ihr Erwerbssinn ist ungemein ausgeprägt. DaS Klima ist sehr heiß, aber die trockene Luft läßt die Hitze nicht so ungenehm werden wie in den Urwald- und Küstengebieten. Auf dem Rückmarsch von Garua zur Küste über Adumre, Bei Ruba bis Ngauudere fand Oberst Pavel eine sehr reich angebaute Gegend mit ungemein zahlreicher Bevölkerung. Der Handel in Kautschuk und Gummi arabicum ist sehr umfangreich. Die Städte befinden sich in blühendem Zustande, und die mohamedanischen Einwohner machen einen hochkultivierten Eindruck. Bei Ruba und Nqaundere, beide mit je etwa 30 000 Einwohnern, sind vorzüglich gebaute große Handelsplätze.
Deutsche Kaufleute, die sich dort niederlassen würden, könnten nach Pavels Ansicht dort die glänzendsten Geschäfte machen.
Deutsches Reich
Berlin, 17. Dezember.
— Amtlicher Nack Weisung zufolge belief sich die Einnahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reich« während der ersten 8 Monate des laufenden EtatsjahreS auf 7994641,50 Mk. oder 498378.42 Mk. weniger als im gleichen Zeiträume des Vorjahres.
— Nach den Erklärungen des Reichskanzlers in der Sonnabendsitzung des Reichstags ist es unzweifelhaft, daß der neue Zolltarif Gesetz werden wird. Wann allerdings das Gesetz in Kraft treten wird, ist nicht gewiß, die Festsetzung des betreffenden Zeitpunktes wird durch Kaiserliche Verordnung unter Zustimmung des Bundesrats erfolgen. Trotzdem dürste man in
verlebten Kindheit, den Namen: „das böse Ding" verschafft hatte.
Zuweilen glitt ein Ausdruck düsterer Trauer über das schmale, interessante Gesicht. Reich an Freude und Liebe waren ja auch die verflossenen Jahre nicht für Gertrud gewesen. Nur an Fräulein von Sterneck konnte sich die Waise innig anschließen und an dieser hing sie denn auch mit schwärmerischer Dankbarkeit. Die Stunden, welche sie täglich bei der kränklichen Dame zubrachte, wurden von ihr als Erholung und Erquickung betrachtet. Hier fühlte sie sich zu Hause, hier erschien sie als eine ganz andere und es war, als streife das Mädchen, über diese Schwelle tretend, Eigensinn uab Hartnäckigkeit vollständig ab. Sogar ihre Stimme klang weich und kosend.
Dem Herzen der Gutsherrin war sie nicht näher gekommen. Herr v. Meinan erfüllte die übernommenen Pflichten getreu, lebte ober zu wenig in feiner eigenen Häuslichkeit, um den Jnnenvorgängen besondere Beachtung zu schenken. Gertrud nahm auf Schönfeld die Stellung einer Gesellschafterin ein und wußte ihren Obliegen« heften in tadelloser Weise gerecht zu werden. Sie besaß reiche, wohlgepflegte Talente, verstand zu repräsentieren und zog, da MeinauS offenes Haus hielten, bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich.
ValeSkaS Sorge, Franz Springer würde eines Tages doch wieder in F. erscheinen, war überflüssig gewesen. Man hatte nichts mehr von ihm gehört. Er mußte wohl in der weiten Welt draußen umgekommen fein.
Einen gab es, dessen Blicke Gertrud überallhin folgten: Victor von Meinau. Nach Beendigung feiner landwirtschaftlichen Studien
ben zuständigen Regierungskreisen baldigst mit der Vorbereitung zweier größerer, durch das neue Gesetz notwendig werdender Verwaltungsmaßnahmen vorgehen.
— Der vortragende Rat im Ministerium der geistlichen, Unterrichts, und Medizinalangelegenheiten Geheime Ober-Baurat Max Spitta ist einem lang- jährigen Herzleiden erlegen. Er gehörte seit 189o dem genannten Ministerium an und trat damals an die Stelle des jetzigen Ober-Baudirektors Hinckeldey«. Seit einigen Jahren war er auch außerordentliches Mitglied der Akademie des Bauwesens.
— Die unglücklichen Opfer der Dynamitexplosion auf Zeche .Gneisenau" bei Dortmund wurden gestern beerdigt. Die Zahl der Todteu beträgt zwölf. Hiervon kamen zehn in ein gemeinsames Grab auf dem evangelischen Friedhof.
— Eine Umgestaltung des Personentarifs, wird tatsächlich von der sächsischen Regierung beabsichtigt. Gleichzeitig ist auch den übrigen deutschen Regierungen von den sächsischen Vorschlägen mit dem Ersuchen um Beitritt Mitteilung gemacht worden.
— Eine Anzahl deutscher Schutzleute wird sich nach der .Staatsb. Ztg." kurz vor Weihnachten in Genua einschiffen, um die Seereise nach Kiautschoi» anzutreten. Die Beamten, die aus den verschiedensten Städten Deutschlands stamme«, sind auf drei Jahr« verpflichtet und erhalten außer freier Hin» und Rückfahrt ein Jahresgchalt von 2500 Mk.
Ausland
Dänemark. Einer kopenhagener Meldung zufolge soll sich dort eine Gesellschaft gebildet haben, die diejenigen Teile Grönlands rationell bewirtschaften will, die sich dafür eignen. In erster Reihe will matt versuchen den Bergwerksbetrieb einzurichten, um den an vielen Stellen Grönlands festgestellten Mineralreichtum deS Bodens auSzubeuten, alsdann soll zunächst die Errichtung einer Walfangsstation vorgenommen werden. Für das nächste Frühjahr ist settenS der Gesellschaft die Aussendung mehrerer Expeditionen nach Grönland geplant, deren Teilnehmer untersuchen sollen, wie weit die Bewirtschaftung deS Landes möglich sein würde.
Schweden und Norwegen. Der Staats- rat beschloß, den Zoll auf Zement von 20 auf 30 Oere für den Doppelzentner zn erhöhen, den Zoll auf Maschinen, der 5 Prozent de8 Wertes beträgt, auf alle Maschinen mit Ausnahme der landwirtschaftlichen auszudehnen und eine Abgabe von 25 Oere für die Registertonne Eisenerz bei der Ausfuhr zu erheben.
Portugal. König Karol von Portugal ist nach mehrwöchentlicher Abwesenheit jetzt wieder in Lissabon eingetroffen. Seine Verabschiedung von König AlfonS XIII. von Spanien war eine sehr herzliche. , Hoffentlich ist der Empfang in Lissabon nicht minder herzlich gewesen. Bekanntlich teeren feit der Abwesenheit der Königs schlimme Gerüchte von einet gegen die Dynastie des Landes gerichteten Bewegung im Umlauf. ES muß sich nun ja zeigen, waS an diesen Gerüchten auf Wahrheft beruhte.
aus der Hniverfitätsstadt zurückgekehrt, fand et daS Mädchen zur Schönheft erblüt und sein leicht zu entflammendes Gemüt konnte ihrem pikanten Reiz nicht widerstehen.
Hoffärtig, wie seine Mutter, schlug er anfänglich im Verkehr mit der Waise einen nachlässigen Ton dreister Bewunderung an, mußte aber bald erkennen, daß dieser durchaus nicht angebracht war.
Gertrud wieS ihn scharf und mit einet gewissen ironischen Ueberlegenljeit in die Schranken, welche er ihr gegenüber nicht überschreiten durste. Sie verleugnete ihre Abkunst weder, noch schämte sie sich derselben, wußte aber ihren Wert zu schätzen. Dieses stark entwickelte Selbstbewußtsein legte man ihr nicht selten als Heberhebung und Anmaßung aus.
Viktor war einer von jenen Menschen, die leicht zu beeinflussen find und ihre Meinung ebenso schnell ändern als fassen, freilich aber auch auf Charakterfestigkeit keinen Anspruch erheben dürfen.
Des Mädchens stolzes, fast schroffes Wesen imponierte ihm und er würde nicht mehr gewagt haben, ihr anders als einer ebenbürtigen Dame zu begegnen. Dieser unerwartete Widerstand ließ jedoch die Flamme der Leidenschaft nur noch versengender auflodern. Ohne Heberlegung, rein instinktiv, schlug der junge Meinaa Wege ein, welche ihn feinem Ziel näher zn bringen versprachen und auch wirklich nähet brachten. Gertrud banste es ihm, daß er sie richtig zu beurteilen schien, und jetzt erst vermochte die verschleierte Glut feines Blickes auch in ihre Seele zündende Funken im tonien.
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