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Erstes Blatt

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Die Einkommen in Preußen.

lieber die Gruppierung der besseren Ein­kommen in Preußen im Jahre 1901 wird be­richtet: Auf 1000 Köpfe der Bevölkerung kamen 12,79 Personen mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. gegen 10,60 im Jahre 1892. Sondert man Stadt und Land, so kamen in den Städten auf 1000 Personen im Jahre 1892: 20.10 und 1901: 22,79 mit über 3000 Mark Einkommen, auf dem Lande 4 38 nnd 5,21. Auf letzterem ist aber die Vermehrung eine stärkere gewesen; sie betrug hier 19 vom Hundert gegen 13,4 vom Hundert in den Städten. Im Osten hatten von 1000 Personen 22.22, im Westen 23,62 Personen ein besseres Ein­kommen; aus dem Lande dagegen betrug der Anteil im Westen 6,22, im Osten 4,14; doch waren die sehr reichen Personen im Osten aus dem Lande häufiger als im Westen.

Ausland

Oesterreich-Ungar«. Dem Besuche de» russischen Ministers des Auswärtigen Grafen v. Lambsdorff in Wien wird in dortigen unter­richteten Krersen eine hohe politische Bedeutung beigelegt, die jedoch mit der Handelsvertrags­frage, wie wir zur Beruhigung unserer Leser von vornherein erklären wollen, nichts zu tun hat. Graf Lambsdorff will mit den öster­reichischen Staatsmännern die Balkanfrage einer eingehenden Erörterung unterziehen, da Oester­reich-Ungarn und Rußland es auf sich ge­nommen haben, ihren ganzen Einfluß in Kon­stantinopel dahin geltend zu machen, eine Befferung der gegenwärtigen Lage herbeizu­führen. Beide Mächte sollen auch entschlossen sein, in Konstantinopel enerisch dahin zu wirken, daß das türkische Reformprojekt finngemäß durchgeführt werde und der Friede gesichert bleibe.

Frankreich. Der große Ausstand in der französischen Hafenstadt Marseille ist beendet, schneller, als erwartet werden durfte. Alle Arbeiter, mit Ausnahme der, eingeschriebenen Seeleute, haben beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, und auch von letzterem ist eine große Anzahl bereit, sich wieder anmustern zu lasten. Die Kaiarbeitcr, Kohlcnträger und Rollkutscher haben sich vollzählig zur Arbeit eingefunden.

Vereinigte Staate« vo« Amerika. Ter Senat hielt gestern eine lange Gcheimsitzung, in welcher die venezolanische Angelegenheit diskutiert wurde. Halbamtlich wird erklärt.

Die Zolltarifreform.

Wohl selten hat eine Bundesratsvorlage, obwohl sorgfältig vorbereitet, von allen posi­tiven Parteien mit Wohlwollen ausgenommen, ind von der ganzen produktiven Bevölkerung mit Sehnsucht erwartet, so großen Schwierig­keiten gegenübergestanden, wie die Zolltarrf- resorm. Noch niemals war im deutschen Reichs­tage eine überwältigende Mehrheit zur Ent­faltung eines so hohen Maßes von Energie «nd Ausdauer genötigt, um ihre verfafsungS- mäßigen Beschlüffe zu stände zu bringen und eine nur fiebzigköpfige Minderheit, die durch

Historiker gewistenhaft alle Phrasen und Schlag­wörter, alle Gehässigkeiten und Berdä-tteguugen zusammen, die von den „Wabelflrürnpslern so reichlich zur Verwendung gelangt sind. »Um­sturz der Reichsverfassung', ,ge- wissenlose Interpretation', »Junker­gesellschaft', alle diese schönen Redensarten findet man bei Mommsen wieder. Er behauptet fälschlich, das Rederecht im Reichstage sei von dem Belieben des Vorsitzenden abhängig ge­macht; er scheint also nicht zu wiffen, daß nur die Bemerkungen zur Geschäftsordnung in der Zeitdauer beschränkt und zwar auf das­jenige Maß zurückgeführt worden sind, da» in früheren Zeiten, als noch nicht von der Oppo­sition illoyal und chikanös verfahren wurde, nur selten erreicht worden ist. Mommsen über­treibt auch in einer für einen Historiker außer­ordentlich umständlichen Weise. Er behauptet, wir ständen am Beginn eines Staatsstreiches, durch den der deutsche Kaiser und die Volks­vertretung den „Absolutismus eines Jntereffen- bundeS des Junkertums und der Kaplano- k r a tie unterworfen werden soll'. Dor diesem Plan will unS Mommsen „retten*. Der arme Mommsen! Er scheint nicht zu ahnen, wie heiter er sich als ,,Retter" vor „Gefahren*, wie sie einst Cervantes so lustig zu schildern wußte, ausnimmt.

Wodurch will uns Mommsen »retten*? Durch den von der Wadelstrümpflerschast un­ablässig geträumten Zusammenschluß aller „nicht in diese Verschwörung (!) verwickelten Parteien" und „selbstverständltch mit Einschluß der sozial­demokratischen". Dem »ebenso falschen wie perfiden Köhlerglauben", daß die Nation sich in OrdnungSParteien und eine Umsturzpartei teile, muffe ein Ende ge­macht werden. T'e Sozialdemokratie ist in den Augen des greisen Historikers »die einzige große Partei, die Anspruch habe auf p o l i ti s ch e A ch t u n g*. Von dem Talent der „Genoffen" zu reden, sei nicht nötig. Jedermann in Deutschland wisse, daß mit einem Kopf w i e Bebel ein Dutzend ost elbischer Junker so auSgestattet werden könnten, daß sie unter ihresgleichen glänzen würden. So Mommsen der „Politiker". Da aber bei Bebel der „Kopf" nicht die Haupt­sache ist, sondern das Sprechorgan, würde auch damit noch manches Dutzend von „Ostelbiern* mit „Glanz* ausgestattet werben können. Was würden da8 für »glänzende* Zustände sein! Mommsen nennt schließlich Deutschland ein „unglückliches Land". Wenn der greife Ge­lehrte sich die Mühe nähme, noch an seinem Lebensabend die vaterländischen Zustände auS zuverlässigeren al» den Wadlerftrümster-Quellen zu erforschen, so würde er vielleicht doch noch auf andere Gedanken kommen.

Umschau.

Professor Mommsen!

Der große Historiker Mommsen ist zu seinem Schaden in die politische Arena herabgestiegen und schwingt in tragischer Pose die alten ver­rosteten Waffen der Wadelstrümpfler. Ein trauriger Anblick! Unter der Aufschrift: „Was uns noch retten kann", die dem gelehrten Ver­fasser vermutlich noch als der Titel einer be­kannten Broschüre auS den Konfliktsjahren im Gedächtnis hasten geblieben ist, trägt der greise

.. "Damit in der regelmäßigen Zustellung der wObeHie**l*ehen Zeitung“ keine Unterbrechung eintritt, ist es rötlich, dieselbe so- fert zu bestellen Denjenigen unserer Abonnenten, die unsere Zeitung nicht durch die Post erhalten, wird dieselbe, sofern sie nicht abbestellt wird, auch fernerhin ohne weiteres zugehen. Die . »Oberheffifche Zeitung* mit dem »Amtlichen Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain", dem »Illustrierten Sonntagsblatt' und den »Ziehungslisten der Preußischen Klassen­lotterie' kostet nach wie vor pro Quartal 2,25 Mk. Einesteils, um den Inserenten und andererseits, um den ländlichen Lesern entgegenzukommen, ist die ©in»

• timg getroffen, daß unsere Zeitung am Sonn­end in zwei Ausgaben und zwar morgens und nachmittags expediert wird.

Jeden, der etwas zu inserieren hat und in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Franken» derg, Biedenkopf Ziegenhain und Um­gebung Jntereflenten sucht, bitten wir, einen Versuch mit einem Inserate in unserem Blatte und in anderen Zeitungen zu machen! Wir find überzeugt, daß er mit einem Inserate in der „Oberheff. Ztg.' den größten Erfolg haben wird! Denn die »Oberh. Ztg.' ist nicht in einzelnen verstreuten Nummern über das gesamte deutsche Reich verbreitet, sondern mit ihrer ganzen großen Auflage in dem Land­gerichtsbezirke Marburg, zu denen die obigen Kreise gehören und in denen die Zeitung auch wegen der ausführlichen Schwur- und Strafkammer­berichte und der Mitteilungen über größere land­wirtschaftliche und sonstige Veranstalt­ungen usw. überall gelesen wird.

Die ,O b e r h e s s i f ch e Zeitung' hat es sich in erster Reihe zur Aufgabe gestellt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron, Vaterland und Altar! Sie orientiert kurz und erschöpfend über alle Fragen der inneren und äußeren Politik und vertritt eine krästtge Mittel­standspolitik nach dem Prinzip, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist. Außerdem strebt die »Ober- hessische Zettung' eine Förderung aller produzierenden Berufe an und will einen freien Bauernstand auf seinem eigenen Grund und Boden erhalten wissen.

Da die »Oberhesfische Zeitung' in ständiger Ver­bindung mit dem größten deutschen, auS amtlichen Quellen bedienten telegraphischen Bureau steht und ein wettverzweigtes Netz von Korrespondenten in ihrem Verbreitungsbezirke und weit darüber hinaus unterhält, so ist sie in der Lage sicher für jedermann etwas zu bringen, was deflen Jntereffe ganz besonders in Anspruch nimmt. Außer­dem ist sie immer bemüht, die Zahl ihrer Nachrichten aus Stadt und Land zu vermehren, da der sich be­ständig vergrößernde Leserkreis der »Oberhesfischen Zeitung* dies erfordert und ermöglicht. Der Aus­wahl der zur Veröffentlichung kommenden Romane »nd Erzählungen werden wir erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Zum Schluffe bitten wir noch unsere zahlreichen Freunde und Leser, in ihrem Bekanntenkreise zum Abonnement auf unsere Zeitung auszu- sorder«! Schon mit Rücksicht auf die bevor­stehenden Reichstagswahlen ist es für jedermann dringend geboten, ein politisches Blatt zu lesen, um stets über die Stellungnahme der Parteien zu einer bestimmten Frage orientiert zu fein.

Rem zntretende Po« - Abonnenten erhalten ans Ansoroern an nutete Expedition die Zeitung schon von jetzt ab gratis nnd franko zngesandt.

Redaktto« nnd Verla­der „Oberhesftsche« Zeit««-".

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes Sonntagsblatt

chikanösen Mißbrauch einer auf loyale» Ver­halten berechneten Geschäftsordnung den Mehr­heitsparteien ihren Willen aufzwingen wollte, nieberzukämpfen. Daß eS nun trotz alledem gelungen ist, da» schwierige Werk zu vollbringen, gereicht unS zur hohen Genugthuung.

ES ist von den berufenen Führern der kon­servativen Partei wiederholt ausgesprochen worden, daß der neue Zolltarif, wie er nun­mehr in der vom Reichstage beschloffenen Fass­ung vorliegt, den berechtigten und sorgfältig erwogenen Wünschen der Partei namentlich in Bezug auf einen wesentlich höheren Zollschutz für die Landwirtschaft nicht entspricht. Mit aller Entschiedenheit hat die konservative ReichStagSsraktion deshalb auch beharrlich alle» aufgeboten, um die Vorlage bester und wirk­samer zu gestalten. Einiges davon ist erreicht, anderes hat sich als unerreichbar erwiesen.

Vor die entscheidende Frage gestellt, ob der neue Zolltarif in der ungenügenden Form zum Scheitern gebracht, oder ob er um der durch ihn der Landwirtschaft gebotenen Vorteile willen, verabschiedet werden solle, hat die große Mehrheit der konservativen Fraktion nach gewiffenhaster Prüfung der Sachlage und in der festen Ueberzeugung, zum Wohle der Land­wirtschaft und de» Vaterlandes zu handeln, sich entschlossen, die Hand zur Verständigung zu ergreifen und die Zolltarifreform vor dem Scheitern zu bewahren.

Aber nicht nur das Schicksal der Zolltarif­vorlage allein stand bei den letzten parlamen­tarischen Entscheidungen auf dem Spiele, sondern es galt, die unter dem Kommando des Abgeordneten Singer operierenden Obstruktions- Parteien zu überwältigen und den Sieg der verbündeten Vertreter der Eroßfinanz und des revolutionären Proletariats zu verhindern. Hätten diese gemeingesäh-.licken Elemente ihren Willen durchgesetzt und das Zustandekommen der Zolltarifreform verhindert, so würden sie diesen Sieg in einer Weise ausgebeutet haben, auf die nur hingewiesen zu werden braucht, um die Notwendigkeit, diesen Triumph zu ver­hindern, der Bevölkerung vor Augen zu führe». Die Wut, die jetzt von der Sozialdemokratie wie von der freisinnigen Vereinigung in Sckimpfereien und Verleumdungen zu Tage tritt, ist der Ausdruck der Enttäuschung darüber, baß den genannten Parteien in einem Augen­blick, wo sie sich dem Erfolge nahe glaubten, eine ungeheure Niederlage bereitet worden ist.

Hatte die Zolltartfreform infolge ihrer Aus­nützung für wahltattische Zwecke durch die ObstrukttonSparteien aufgehört, eine reine wirtschaftliche Angelegenheit zu fein, ist sie vielmehr dadurch zu einer hochwichtigen politischen Frage geworden, so mußten notgedrungen bei der Entscheidung die weniger erheblichen wirt­schaftlichen Bedenken ebenfalls zurücktreten und die wichtigen politischen Seiten in den Vorder­grund gerückt werden. Unter diesen Umständen sind die konservativen Abgeordneten, welche für die Zollvorlage gestimmt, davon fest überzeugt, zum Wohle des Vaterlands das richtige getroffen zu haben. Sie werben jedoch wie bisher so auch in Zukunft die Ueberzeugung auch der­jenigen Fraktionsmitglieber achten, die gemeint haben, mit ihrem ablehnenden Verhalten richtig zu handeln.

Der neue Zolltarif ist nunmehr Gesetz. Welche sehr wesentlichen Vorteile er den deut­schen Produttivgewerben bietet, ist oft genug hervorgehoben worden; namentlich hat dies der Ausschuß des deutschen LandwirtschaftsratS mit Bezug auf die Landwirtschaft getan. Es wird sich nun bald zeigen müssen, ob auf dieser neu- geschaffenen Grundlage Handelsverträge zustande gebracht werden, in denen bas Jntereffe der lanbwirtschaftlichen Bevölkerung genügenb ge­wahrt wirb. Der Herr Reichskanzler hat hier­über sehr wohlwollende Zusicherungen gegeben. Inwieweit diese» Wohlwollen zur Tat reifen wird, muß nunmehr abgewartet werden.

— Nachdem es höchst wahrscheinlich geworden ist, daß die internationale Zuckerkonvention zu dem in Aussicht genommenen Termine, dem 1. September. 1903, ins Leben treten wird, dürste auch im Reichs- haushattsetat eine hieraus bezügliche Position er­scheinen. In der Konvention ist -«Smlifl vorgesehen, daß in Brüssel ein internationales Bureau errichtet wird. Diese ständige Geschäftsstelle soll von allen Vertragsstaaten erhalten werden. Außerdem werden die Vertragsstaaten auch den Delegierten, wttche Mitglieder der Ueberwachungskommisfion find, Ent­schädigungen zahlen muffen.

— Zum anhaltischen Staatsminister ist der vor- tragende Rat im preußischen Ministerium de» Innern, v. Thalwitz, ernannt worden.

— Wie oberfchlesische Blätter melden, hat sich außer dem Redakteur des in Kottowitz erscheinenden Polenblattes .Gornoslazak', Badnarek, auch der. Redakteur Hoffmann, besten in Beuthen erfolgte Fesselung großes Aussehen erregte und im Reichstage besprochen wurde, der Strafvollstreckung durch die Flucht ins Ausland entzogen. Die Staatsanwalt., schäft hat hinter Hoffmann einen Haftbefehl ertasten.

— Ein neuer polizeilicher Mißgriff wird aber­mals aus Beuthen in Oberfchlesien gemeldet. Dort wurde vor dem Bahnhofe der Droschkenbefitzer Bonk, der der Aufforderung eines Polizisten, sich vom Platze zu entfernen, nicht nachkam, verhaftet und gefesselt nach bem Polizeigefängnis gebracht. Dom Gericht wurde Bonk sreigesprochen.

— Die Zuckerproduktion hat eine erhebliche Ein« schränkung erfahren. Sie beläuft sich für 1902(03 m Deutschland auf 1,7 Mill. Tonnen gegen 2,3 un Vorjahr, in Oesterreich - Ungarn aus 1,1 (43. Mm.), in Frankreich aus 819000 Tonnen (1,11 Mill), ttt Belgien aus 198000 (325000), in Schweden aus 73000 (127000); nur Rußland verzeichnet mit 1,2 Mill. Tonne eine geringe Zunahme.

— Im Befinden König Georgs von Sachsen ist leider eine Verschlimmerung eingetreten, die nach Lage der Verhältnisse zu Besorgnisten Anlaß bietet. Gestern trat plötzlich ein Rückfall ein. Die Temperatur stieg zeitweilig bis zu 38,8 Grad und es stellte sich der unangenehme trockene Husten wieder em. Der König ist an das Bett gefesselt, das er vorläufig auch nicht verlassen darf. Bei dem hohem Alter de8 Königs, der erst vor wenigen Monaten feinem könig­lichen Bruder Albert auf dem Throne folgte, hat em derartiger Rückfall natürlich seine ernsten Bedenkem Wir hoffen und wünschen von ganzem Herzen, daß die kräftige Natur des Königs mit Hilfe tüchtiger Aerzte auch diesen neuen Anfall überwinden wird

— Der Wortlaut des anläßlich ihrer Rückkehr nach Südafrika von den Generalen Botha und Delorey an die Völker Europ 3 gerichteten Manifestes wird in den verschiedensten Sprachen in Amsterdam gedruckt und von dort auS in die einzelnen Länder versandt werden. „ ......

— Die »Köln. Ztg.' meldet aus Berlin, daß 6t» zur Stunde im Gegensatz zu anderen Meldungen kein auf ein Schiedsgericht hinauslaufender Vorschlag der Vereinigten Staaten vor liege. Es ist vielmehr anzu­nehmen, fährt das Blatt fort, daß der amerikanische Gesandte in Caracas, Bowen, seiner Regierung den Vorschlag Castro's mitteitte, die ihn dann an Deutsch­land und England übermittelte. Solange Castro sich in Venezuela so gebärdet, wie er es jetzt tut, dürste bei einem solchem Vorschläge nicht viel heraus­kommen. Da Deutschland und England es aus keine Verwicklung mit Venezuela abgesehen haben, sondern nichts anderes wollen, als die Er­füllung ihrer gerechten Forderungen, so würde grundsätzlich gegen kein Verfahren etwas einzuwenben fein, welches mott in der Zuwrficht annehmen könnte, dag eS die Ange­legenheit den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechen» regeln wird.

Deutsches Reich

Berlin, 17. Dezember.

— Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich trafen gestern Nachmittag 2')- Uhr hier ein und be- gaben sich, von einer zahlreichen Menschenmenge freudig begrüßt, nach dem Schloß. Auf dem Schloß­hof hatten etwa 400 Arbeiter Ausstellung genommen, um den hohen Gästen ihre Huldigung darzubringen.

— Prinz Friedrich Leopold ist am Sonntag beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und mit seinem Ad­jutanten, der zur Hilfe herbeieilte und selber dabei einbrach, in ernste Gesahr geraten. Ter Unfall ge­schah aus dem Schwielowfee in der Nähe von Baum- gartenbrück.

— Wie die „Neue Politische Korrespondenz' an maßgebender Stelle erfährt, ist die Zeitungsnachricht, die Slaatsregierung beabsichtige noch in dieser Saison eine Novelle zum Börsengesetz einzubringen, uuzu- tteffend.

... ' . . . ™ , Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., zDtdtbtttd Sonnabends in Morgen- und Abend-Ausgabe.

bei allen PostänUern 2^ M. (excl. Bestellgeld). " , 1 nno Druck und «erlag: Joh. Aug. Koch. Universitäts-Buchdrucker«

stfnfertionSgebühr: die gespaltene Zerle oder deren Raum 10 Psg. 18. $)C;iCUlbCt 1902. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

Reclamen: die Zeil- 25 Psg. ° ___