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JK. 306

Zweites Blatt

Marburg, Barfüßerstraße 36. S

deS Zebragestüts Trakehnen in Deutsch-Ostafrika,! Leutnant a. D. Bronsart von Schellendorst ver­wahrt sich mit einem Briefe an den sozialdemo­kratischen Reichstagsabgeordneten Bebel gegen! die Unterstellung eines Leipziger Blattes, der. Erfinder* eines von Herrn Bebel im Reichs-', tage verlesenen Briefes zu sein, in welchem dem früheren Reichskommisiar Dr. Karl Peter- Handlungen mit Kaffernweibern vorgeworfen' worden waren. In der Klagesache des Pro-! fefsors Schmoller gegen den Studenten Woth, bet aus deS ersteren Kollegien Mitteilungen in, der Presse gebracht hatte und darob verurteilt war, ist die Revision des Angeklagten vom Reichsgericht verworfen. .

der beste Bitterlikür bet Gegenwart mit keinem bis jetzt auf den Markt gebrachten zu vergleichen. Erhältlich in denApotheken, Drogerien, Colonialwaren- u. Delikateflen-Eeschäften. Probeflajche M. I., große Flasche M. 2.50.

vi-.W.KnechtLCo.

Frankfurt a. M.

Vertreter am Platze ist

P. Tromm

Marburg und Umgegend

Marburg, 3. Dezember.

* Weihnachtsrndnnge«. Die Reichs-Postver­waltung richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachts­versendungen bald zu beginnen, damit die Packetmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlichen Beförderungsfristen einzuhalten und namentlich auf weitere Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn die Packete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert werden. Die Packete sind dauerhaft zu ver­packen. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten rc. find nicht zu benutzen. Die Aufschrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Auf­schrift nicht in deutlicher Weise auf das Packet selbst gesetzt werden, so empfielt sich die Ver­wendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Bei Fleischsenduugen und solchen Gegen­ständen in Leinwandverpackung, die Feuchtigkeit, Fett, Blut rc. absetzm, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am zweck­mäßigsten find gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post- packetadrefien für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Be­stimmungsort muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zutreffenden Falles also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Ver­merk der Eilbestellung usw., damit im Falle deS Verlustes der Postpacketadreffe das Packet doch dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Aus Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirkes (C., W., SO. usw.) anzugeben. Zur Be­schleunigung des Betriebs trägt eS wesentlich bei, wenn die Packete frankiert aufgeliesert werden. Die Vereinigung mehrerer Packete zu einer Begleitadrefie ist für die Zeit vom 15. bis 25. Dezember im inneren deutschen Ver­kehr (Reichspostgebiet, Bayern und Württem­berg) nicht gestattet. Auch für den Auslands­verkehr empfiehlt eS fich im Jnterefie deS Publikums, während dieser Zeit zu jedem Packet besondere Begleitpapiere auszufertigen.

* Für D-Zua Rtisende. Nach einer den Eisen- bahndirektionen zugegangenen Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist Reisenden, die fich beim Ein­steigen in einen Zug im Besitze von Platzkarten befinden, denen aber ein nummerierter Sitzplatz in D Wagen nicht überwiesen werden kann, in Zukunft die Platzkarten­gebühr von der Station, auf der sie den Zug ver­lassen, ohne Verzug gegen Rückgabe der bescheinigten Platzkarte oder gegen Quittung zurückzuzahlen. Die Nichtbenutzung ist vom Zugführer auf der Rückseite kurz zu bescheinigen Die Reisenden sind gegebenen­falls vom Zugführer auf diefe'Bestimmung aufmerk­sam zu machen und über die weiteren Schritte zu belehren.

§ Ockershanfeu, 2. Dezbr.^ Mußte die heutige Einweihung unseres neuerbauten Schul­hauses auch in engem Rahmen gefeiert werden, so trug sie doch trotz ihrer Einfachheit einen anheimelnden Charakter. Kurz vor 3 Uhr be­gaben sich diejenigen Schüler und Schülerinnen, die in dem nunmehr der Benutzung übergebenen

Vermischtes

Allerlei kleine Nachrichten. Ein nicht alltäg­liches Familienereignis kam in Schramberg (Württemberg) vor. Es wurde ein Kind ge­boren, dessen ältester Bruder jetzt 50 Jahre alt ist; hierauf reihen sich Geschwister an bis herab zu 2 Jahren. Der Vater des neuen Sprößlings steht im 78. Lebensjahr und lebt in dritter Ehe. Im abgelaufenen November find außer­ordentlich viel Personen im berliner Straßen­verkehr verunglückt. Neunundzwanzig Menschen wurden schwer verletzt und zwölf getötet. Theodor Mommsen, der berühmte Historiker, feierte Sonntag seinen 85. Geburtstag in reger geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit. Zahlreiche Glückwünsche liefen von allen Seiten ein. In Neunkirchen ist ein Denkmal des ver­storbenen bekannten Reichstagsabgeordneten und Großindustriellen Freiherrn v. Stumm enthüllt worden. Die Festrede hielt der Abg. v. Kardorff. Ein türkisches Kriegsschiff wurde in Genua (Italien) gepfändet. ES war dort ausgebessert worden, die Firma konnte aber kein Geld er­halten. Aus ähnlichen Gründen wäre vor einiger Zeit ein türkisches Schiff auch in Kiel beinahe gepfändet worden; im letzten Augenblick wurde indeß die schuldige Summe entrichtet. In Konstantinopel kann man auch sagen: Kein Geld haben wir immer. Der Kaiser schenkte der Westpreußischen Trinkerheilanstalt in Elbing zur Erweiterung der Frauenabteilung 2000 Mk. Einer Wittwe Dietrich in Berlin ließ der Kaiser zum 100. Geburtstag 300 Mk. und eine Tasse mit seinem Bildnis übermitteln. Ter Prozeß des elsässischen Barons v. Stietencron mit den Hinterblieben des er­schossenen italienischen Arbeiters Fazzi wurde durch einen Vergleich erledigt. Es handele sich bekanntlich um die Zahlung einer Entschädigung an die Hinterbliebenen. Der ,Tuckerbrief des Herrn Bebel*. Der Leiter

Umschau.

Rückblick auf die jüngsten Reichstags- Verhandlungen.

Eine eigene Meinung zu haben ist eine schöne Sache, seiner Ueberzeugung treu zu bleiben, jedoch auch recht dornenvoll. Das hat der langjährige Führer der freisinnigen Volks­partei, der Abgeordnete Eugen Richter, dieser Tage bitter erfahren müssen. Dieser Veteran des deutschen Parlamentarismus hat bisher niemals der Regierung oder den der Regierung nahestehenden Parteien Concesfionen gemacht; er hieß der Nörgler per excellence. Und jetzt? Jetzt muß er, bloß weil er eine eigene Meinung hat, die sich von persönlichen Rück­sichten nicht beeinflussen läßt, den Beifall und das Lob der regierungsfreundlichen Parteien entgegenehmen, an deren Uebermaß er fast er­stickt. In der Frage der Zolltarifbehandlung, in der Verurteilung der endlosen und wüsten Obstruktion hat der erfaherene und scharfblickige Volksvertreter offenbar Recht, und da muß er sich schon den Beifall der rechtlich Denkenden gefallen lassen. Mit der Sozial­demokratie hat der Führer der freisinnigen Dolkspartei so wie so in mehr oder minder heftiger Fehde gelegen. So scharf, wie jetzt, find die Gegensätze jedoch noch nie zusammen­geprallt. Man lese, waS dieFreis. Ztg.", das Organ des Herrn Richter schreibt:Wie pöbel­haft derVorwärts* jetzt nach, Liebknechts Tode redigiert wird, zeigt die Schilder­ung des Zwischenfalls, der mit dem Ordnungs­rufe gegen Bebel endigte. Höhnend heißt es dort: Als Bebel ihmVerräter* zu rief, hätte der Führer der freisinnigen Volkspartei jammernd um den Schutz des Präsidenten ge­beten. Hätte denn etwa Abg. Richter aus- stehen und kurzweg dem Abg. Bebel eine Ohr­feige geben sollen?" Sehr viel besprochen stiird auch die Rede deS Abg. v. Kroecher, daß es eigentlich ein Widersinn sei, wenn Social­demokraten, die doch den Umsturz der bestehen­den Staats- und Gesellschaftsordnung erstrebten, im Reichstage säßen, um hier an der Aus­gestaltung der Einrichtungen des Deutschen Reichs mitzuarbeiten. Man hat diese Rede vielfach als eine nicht zu unterschätzende Auf­forderung zur Aenderung der Reichsversassung, zur Abschaffung des Reichswahlrechts gedeutet; man hat der Vermutung Ausdruck gegeben, der konservative Redner wäre mit seiner Aufforder­ung wohl nicht so deutlich und entschieden her­vorgetreten, wenn er nicht der Zustimmung der Regierung zur Vornahme einer Verfassungs­änderung sicher gewesen wäre. Derartige Be­hauptungen schießen natürlich weit über daS Ziel hinaus. Geschehen wird allerdings noch einiges müssen, aber was da zu geschehen hat, wird sich jedoch auf wenige Äenderungen der Geschäftsordnungen des Reichstages beschränken dürfen, die Reichsversassung wird jedenfalls unangetastet bleiben.

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neuen Schulhause unterrichtet werden sollen, von dem alten, daS ihnen schon lange mcht mehr sämtlich Platz bieten konnte, nach dem stolzen Bau, den die Firma Reissing und Ziggel ausgeführt hat. Hier hatten sich bereits die Herren Landrat von Negelein, Ortsschulinspektor Pfarrer Heermann, der Gemeindevorstand und zahlreiche Eltern und Angehörige der Kinder eingefunden haften. Eingeleitet wurde hier die Feier mit dem gemeinsamen Gesang des ChoralsErhalt uns Herr!' worauf Herr Pfarrer Heermann in zu Herzen gehenden Worten auf die Bedeutung des Tages hinwies und dem Wunsch Ausdruck gab, daß die Schule nicht nur äußerlich unserem Orte zur Zierde gereiche, sondern daß auch von ihr reicher Segen ausgehe und sie eine Pflanz- und Pflegestätte der Liebe bleibe. Nach dem Gesang vonAch bleib mit Deiner Gnade* wies Herr Lehrer Gobrecht auf die Bedeutung und den Wert der Schule hin. Bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen müsse die Schule ein gut Teil der Erziehung mit übernehmen und daS Kapital, daS in guten Schulen angelegt sei, verzinse sich am besten. Die Eltern möchten den Wert der Schule nie verkennen und den Lehrern, die den Kindern doch nur Gutes tun wollten, ihr Amt durch freundliches Entgegenkommen möglicht erleichtern. Unter der Leitung des Herrn Lehrer Reichmann trug nun ein gemischter Schülerchor vorzüglich ein­geübt das LiedO selig Haus, wo man dich ausgenommen!" vor, woraus Herr Landrat von Negelein seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß dem dringenden Bedürfnis eines neuen Schulhauses jetzt abgeholfen sei. Dasselbe möge als ein Schatz behütet werden vor jeder Unbill. Hier empfangen die Kinder die geistigen Schätze, die sie nötig haben, um den Kampf mit dem Leben aufzunehmen. Es freue ihn, daß die Gemeinde Ockershausen fich opferfreudig gezeigt und zum Bau des Schulhauses geschritten sei, deshalb sei auch die Staatsbeihülfe nicht aus­geblieben. Schon mit der Kleinkinderschule, für die auch ein schönes Gebäude zur Ver­fügung stünde, sei Ockershauscn den übrigen Gemeinden mit einem guten Beispiel voran­gegangen. Der Herr Landrat gedachte zum Schluß, indem er zu treuer Vaterlandsliebe er­mahnte, unseres Kaisers und brachte ein freudig aufgenommenes Hoch auf ihn aus. Mit einem weiteren Vortrag des Schülerchors und einem Gebet hatte die Feier ihr Ende erreicht. Jrn Ruppersberg'schen Saale vereinigten sich dann zahlreiche Teilnehmer zu einer kleinen Tafel.

Der Güter höchstes ist eine gute Mtrhmimtrt Entbehren Sie dieselbe, ycroQiiung. ift 3t)r Mage« krank, der Darm träg, müfien Sie in der Wahl der Speisen vorsichtig sein dann versuchen Sie es mit

Dr. W. Knecht s MagenbitterSäutis"

Marktberichte.

Frankfurt, 1. Dezbr. (Getreidemarkv. Am heutige« Wochenmarkt war Landweizen reichlich: angeboten und bei schwacher Kauflust der Muhten« muhten die Preise weiter noch etwas nachgeden., Landroggen schwach offriert und gut Preishaltend. Ausländische Brotsrüchte bei grober Zurückhaltung, der Käufer wenig umqeseht und trotz unveränderter Auslandsofferten eher etwas billiger erlassen. Gerste in Absatz und Preishaltung ruhiger. Hafer nachgiebig aus starkes Angebot von LandwarL Mais war fest aber still. Es notieren ,e nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauer Mark 15,5015,60, kurhesfischer Mark 15,6000,00, russischer Mark 16,4017,40, Redwinter Mark 16,80-17,25, Kansas Mark 16,90-17,20 La Plata Mark 00,0000,00, Rumänier Mark 17,0017,40, Roggen, hiesiger Mark 14,4014,55, Pfälzer Mark 00,00-00,00, russischer M. 14,60-14,80, amerikanischer Mark 00,00-00,00,'Gerste, hiesige Mark 15,5015 80, Pfälzer M. 16,2516 60, fränkische M. 15,90lb,15, Riedgerste M. 16,3516,80, ungarische M, 000000,00. Hafer, hiesiger M, 14,25-15,00, Württemberger Mk. 00 0000,00, bayrischer M. 14,25-15,CO, rumänisch. M. 00,00-00,00, Russischer M. 14,25-15,50 Mms Donaw- mais Mk. 00,0000,00, Russischer Mk. 00,00'0000, La Plata Mk. 14,00-14,30. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. -Mehl uiwerandert. ES notieren: Weizenmehl, hiesiges Nr. 0'M.

feinere Marken M. 28,50-29,00, Nr. 1 ^-23,50-24,00 feinere Marken Mk. 25,00,-25,50 Nr. 2 Mk. 22,50 bis 23,00, feinere Marken Mk. 23,5024,00, Nr. 3 Mk. 21,50-22,00, feinere Marken Mk. 22,50-23,00, Nr. 4 Mk. 19,0019 25, feinere Marken Mk. 19,50,-20,00 Roggenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 23,0023,75 Nr. 1 Mk 20.50-21,50, Nr. 2 Mk. 15,50-16,00. Alles per 100 Kilo inkl. Sack loco hier. Futterartikel abge- schwächt. Es notieren: Weizenschalen Mk.4,404,50, Weizenkleie Mk. 4,25-4,30, Roggenkleie Mk. 4,70 bt8 4,85, Futtermehl Mk. 5,75-6,75, Biertreber, getrocknet Mk. 5,35-5,40 je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loco hier.

Frankfurt, 1. Dez. (Viehmarkt.) Zum Verkauf standen: 150 Ochsen, 56 Bullen, 839 Kuh- Rinder und Stiere, 237 Kälber, 370 Schafe und Hammft und 1164 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht- Ochsen 1. Qual. 68-70MÜ, LOual. 6466 ML, 3 Qual. 58-60 Mk., 4. Qual. 00-00 ML, Bullen 1. Qual. 6062 Mk., 2. Qual. 5758 Mk., 3. Qual. 00-00 Mk., Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. 60-61 Mk., 2. Qual. 5557 ML, 3. Qual. 45-47 ML, 4. Qual. 3941 ML, 5. Qual. 00-00 ML Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber 1. OuaL 7880 Pfg., L Qual. 6770 Pfg-, 3. Qual. 50-55 Pfg., 4. Qual. 0000 Pfg., Schafe und Hammck 1. Dual. 62-64 Pfg., 2. Qual. 58-60 Pfg., £ OuaL 4850 Pfg., Schweine 1. Qual. 67-00 Pfg., 2. OuaL 66-00 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., 4. OuaL 00-00 Pfg. Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht r Kälber 1. Qual. 47-48 Pfg, 2. Qual. 39-41 W,. Schweine 1. Qual. 52*/«00 Pfg, 2. Qual. 51% Geschäft in Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand «nbe* deutend, in Kleinvieh gut, Martt geräumt. AuS Oesterreich standen 115 Ochsen und 5 Bullen zu« Verkauf. ________________ -

Reichstag.

Berli«, 2. Dezember.

lSchluß des Reichstagsberichts.) Bei der letzten Abstimmung waren die Sozialdemokraten hinausge- hongen. Zur Erklärung verliest Abfi. Singer eine ^Erklärung dahin, daß die Mehrheit durch Be- ßahung der Zulässigkeit des Antrags Kardorff fich außerhalb der Geschäftsordnung und auberhalb bei Verfassung gestellt habe. Die Mehrheit habe fich damit einen Bruch der Geschäftsordnung und der Verfassung du Schulden kommen lassen. (Vizepräsident Graf Stolberg eiflört diese Bemerkung für unzulässig und den Abg. Singer zur Ordnung rusen zu müssen, wenn dieser dabei verharre.) Die Mehrheit habe die Diktatur deS Zollwuchers proklamierL Die sozialdemokratische Fraktion habe beschlossen gehabt, jede Teilnahme an einem solchen Vorgehen zu verweigern, sie werde von diesem Hause an das Volk appellieren. Hierauf eröffnet Vizepräsident Graf Stolberg die Diskussion über § 1 Abs. 1. Der Vizepräsident teilt zugleich mit, daß em neuer Antrag Kardorff eingegangen sei, der fich von dem Pom Hause soeben für zulässig erklärten Anträge iv. Kardorff durch eine andere Fassung unterscheide. Abg. Gothein lfrs. Vg.) weist unter lebhaftem Beisall der Linken darauf bin. daß dieser neue Antrag Kar­dorff zwar die unmögliche Fassung vermeide, die dem vorigen Anträge angehaftet habe, indem der neue Antrag im Gegensatz zu dem vorigen kein Eventual­antrag mehr sei. Aber für diesen neuen Antrag gelte nun der Beschluß der Zulässigkeit nicht mehr (stürmt- fche Heiterkeit und Beifall links). Seine Freunde bezweifelten unter allen Umständen auch die Zulässigkeit dieses neuen Antrages. Seien Sie jedenfalls überzeugt, daß Sie die ganze Neige

unseres Widerstandes auskosten müssen. Abg. Spahn (Eft.) Wenn Vorredner behauptet, es liege jetzt ein neuer Antrag Kardorff vor, so verstehe ich das nicht. Durch seinen vorigen Beschluß hat das Haus jedenfalls festgestellt, daß es zulässig sei, den Tarif in den Absatz 1 ben § 1 hineinzubringen. Unb daran wird nichts geändeft dadurch, daß nun der Antrag Kardorff eine etwas andere Fassung erfüllt. Äbg. M olkenbuhr (Soz.) erblickt gleichfalls etwas Neues in dem obgeänderten Anträge Kardorff, der eine neue Geschäftsordnungsdebatte rechtfertige. Vize- Präsident Büsing: M. H. Es liegt nun em Antrag vor auf Schluß dieser Debatte. Abg. Singer (soz.): beanttagt über diesen Schlußantrag Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Stadthagen (Soz.) begründet den Singerschen Antrag, über ben er zugleich, nament­liche Abstimmung beantragt. Abg. v. Tiedemann (fr. kons.) empfiehlt einfache Ablehnung des Singer- schen Anftages. Antrag Singer auf Uebergang zur Tagesordnung wird mit 215 gegen 64 abgelehnt, der Schlußantrag mit 214 gegen 76 angenommen. Die Zulässigkeit des berichtigten Antrags Kardorff mit 200 gegen 44 Stimmen beschlossen Ein Vertagungs- antrag wird abgelehnt und die Beratung des § 1, Absatz 1 noch begonnen. Erst spät vertagt sich bas Haus. Mittwoch Fortsetzung.

mit -cm Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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