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mit dem Kreisvlatt für die Kreise Marburg und Kirchhaiu.
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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt
37., Jahrg.
Jß 306
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»i-rt-ljuhrlicher Bezugspreis- bei der ErPedition 2 Mk., SÄ4tt6ttta Ä
bei all« Postämtm, 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). MttlVUnj Sonnabends m Morgen- und Abend-Ausg-k^
AnsertionSgebühr: die gespaüene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Donnerstag, 4. Dezember 1902. ** "6
Reclamen: die Zeue Zb Pfg. v y _________
Erstes Blatt. »
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Unter Singers Diktatur.
„Die Macht haben wir und werden wir immer haben, von einem solchen Redner (Dr. Lachem) un8 keine weiteren Dorträge mehr halten zu lassen.' Diese Worte Singers im Reichstage beleuchten mehr als alle anderen schmachvollen Vorgänge der letzten Tage die be« schämende Tatsache, daß die deutsche Volksvertretung sich unter der Diktatur Singers befindet. Neuundfünfzig Skandalmacher unter seinem Kommando haben es sich vorgenommen, die parlamentarischen Arbeiten lahmzulegen, und dabei besitzen sie noch die Dreistigkeit, sich als Hüter der Geschäftsordnung und Verfassung hinzustellen.
Glaubt man etwa, der Lärm, den die Singersche Kohorte vollsührt, sei der unwillkürliche Ausbruch einer heftigen Erregung, so täuscht man sich. Die Skandalszenen find sorgfältig organisiert und werden mit kaltem Blute in Szene gesetzt. Die .Freisinnige Zeitung," das Organ derjenigen Partei, deren Plätze im Reichstage denen der Sozialdemokratie unmittelbar benachbart sind, schreibt in ihrer SonntagS- nummer: »Absichtlich wird die Störung organisiert, insbesondere durch unausgesetztes Aussprechen des Wortes „Rhabarber"." In dieser Weise verfahren bekanntlich die Theater-Statisten, wenn sie hinter der Szene das Geschrei einer aufrührerischen Volksmenge dazustellen haben. Die Singerschen Statisten aber vollführen diesen Trick in weniger harmloser Absicht; sie stehen im Dienste der Revolution.,
Es ist ein Pharisäismus und eine Unwahrhaftigkeit sondergleichen, wenn die Sozialdemokraten behaupten, sie verführen geschäftsordnungsgemäß. Auch jene Leute, die den Buchstaben des Strafgesetzes umgehen, behaupten, fte treiben nichts Unerlaubtes. Aber die Sozialdemokratie nützen nicht nur die Lücken der Geschäftsordnung aus, sondern sie handeln ihr direkt zuwider. Wenn Singer erklärt, entgegen der verfassungsmäßigen Gewährleistung der Redefreiheit einen Abgeordneten nicht mehr zu Worte kommen zu lasten; wenn seine Statisten nach dieser Ordre verfahren, wenn ein tobsüchtiger „Genosse" vom Präsidenten geschäftsordnungsmäßig zum Verlosten de8 Saales aufgefordert, sich höhnisch weigert, diesem Befehle Folge zu leisten, so ist das Bruch der Geschäftsordnung.
Laut Artikel 27 der Reichsverfaflung regelt der Reichstag seinen Geschäftsgang und seine Disziplin durch eine Geschäftsordnung. Tie liberale Geschäftsordnung, die sich der Reichstag gegeben, war nicht darauf berechnet, daß böswillige Ruhestörer jemals in der deutschen Volksvertretung ihr Wesen treiben könnten. Unter den heutigen Verhältnisten entspricht die Geschäftsordnung den Bestimmungen der Ver-
MaLdruck verboten.)
Verspielt.
Roman von F. Arneseldt.
Gortsetzung.)
Mit einer leichten Hülle um Kopf und Schultern war sie durch den Garten und in den Park gegangen, bis zu einem kleinen See, dessen Lage ihrer melancholischen Stimmung so recht entsprach. Dunkle Tannen und tiefgrünes Unterholz, von denen er umgeben war, gaben dem Master eine beinahe schwarze Färbung; »wischen zwei sich tief herabbeugenden Hänge- sveiden stand eine einfache, aus weißen Birkenstämmen gezimmerte Bank. Auf diese hatte Leonie sich gesetzt und hmg, ut daS dunkle Master starrend, ihrm düsteren Gedankm nach.
Sie mochte vielleicht eine Viertelstunde ge- festen haben, als sie daS Heranschleichen eines männlichen FußeS zu vernehmen glaubte. Erschrocken fuhr sie auf. Die Umgegend war zwar sicher und sie hatte sich ost zur späten Stunde allein im Park, ja selbst in dem angrenzenden Forst aufgehalten, aber die Erlebnisse der letzten Tage hatten sie nervös gemacht. Jetzt hörte sie ein Knacken, der Nahende mußte aus einen dürren Zweig getreten haben, und mit einem leisen Schrei sprang sie auf und wollte in der Richtung nach dem Schlosse davoneilen.
Eiee Stimme hielt sie auf — eine Stimme, die sie nie wieder zu hören gefürchtet hatte, «ne Stimme, die ihr alles Blut zum Herzen trieb.
fastung nicht mehr; denn sie „regelt" weder den Geschäftsgang des Reichstages noch dessen Disziplin in ausreichender Weise. Derfaffungs- mäßig beschließt der Reichstag nach absoluter Stimmenmehrheit. Derartige Beschlüsse aber werden von der Sozialdemokratie und von ihren wadelstrümpflerischen Vasallen durch Dauerreden, Anträge und Geschäftsordnungsdebatten verhindert. Hat doch Stadthagen erklärt, die jetzige Geschästsordnungsdebatte solle bis Weihnachten fortgeführt werden!
Aus diese Art wird die Singer'sche Kohorte, unterstützt durch „die um Barth", allerdings auch jede verfassungsmäßige Abänderung der Geschäftsordnung zu verhindern trachten. Aber die übrigen Parteien haben die Psticht, unter allen Umständen die Diktatur der Revolutionäre von sich abzuschütteln. Die „Germania" stellt die Frage zur Diskussion, ob gegenüber den aus dem Hause verwiesenen Ruhestörern nicht § 123 des Reichsstrafgesetzes (Hausfriedensbruch) anwendbar sei. Wir zweifeln nicht daran, daß dies der Fall ist. Nach der Verfassung ist die strafrechtliche Verfolgung von Abgeordneten, die bei Ausübung der Tat ergriffen werden, zulässig. , .
Dem deutschen Volke aber kann das jetzige Verhalten der Sozialdemokratie gar nicht eindringlich genug vor Augen geführt werden. Es ist die höchste Zeit, gegen eine revolutionäre Partei, die im Parlament die Diktatur aufwirft und die — wie in Belgien — nicht zögern würde, die Bewegung auf die Straße zu tragen, auf das allerentschiedenste Front zu machen. Noch traurigere Gestalten vom nationalen Standpunkte aus freilich als die erklärten Republikaner find die Helden von der Freisinnigen Vereinigung, die als Vertreter des Großkapitalismus sich nicht scheuen, dem Kommando Singers Folge zu leisten, um nur ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Mit diesen edlen Verbündeten muß die Bevölkerung grausame Abrechnung halten!
Deutsches Reich
Berlin, 3. Dezember.
— Der Kaiser bestimmte die Errichtung des Roon-Denkmals für Berlin an der Nordseite des Königsplatzes. Da Bismarck vor dem Reichstagsgebäude steht und gegenüber (vor der Kriegsakademie) das Moltkc-Standbrld sich erheben wird, so werden später die drei Paladine des Kaisers Wilhelms I. aus dem Königsplatz vereint sein.
— In der Dankadresse der Kruppschen Arbeiter an de« Kaiser heißt es u. a.: Wir verabscheuen die Frevler, die es gewagt haben, Herrn Krupp anzugreifen und seinen makellosen Namen zu belchmuhen und werden die ernste Mahnung Eurer Majestät beherzigen und Elemente, die mit den Verleumdern Gemeinschaft haben, nicht unter uns dulden.
— Die Essener Kaiserrede hat auch jenseits des Ozeans Beifall gesunden. So schreibt die .Nework - Tirnes": Des Deutschen Kaisers Treue gegen das Andenken an Herrn Krupp erwärmt das amerikanische Herz. Es war eine mutige, von Herzen einaegebene, edelmütige Tat, die in der ganzen Welt Effckt haben
wird. Sozialismus von der Vorwärtsseite mit seinem verleumdrischen Vorgehen, ist hier nicht populär. — Darüber dürste allerdings das Ausland anderer Meinung sein.
— lieber die Zulassung von nichtpreußischen Studierenden zum Rechtsstudium hat der preußische Kultusminister verfügt, daß mit Reifezeugnissen nur von Realfchulen versehene Angehörige solcher Bundesstaaten, die selbst für die Zulassung zu dm juristischen Prüsungen an der Forderung des Gymnasialreife- zeugnisses festhalten, an preußischen Universitäten keine Aufnahme mehr in der juristischen Fakultät finden sollen. Die jetzt Studierenden sind m die philosophische Fakultät überzuführen. ,
— Zur Räumung Shanghais schreibt die .Nordd. Allg. Ztg." amtlich: Zwischen den vier Mächten, die an der provisorischen Besetzung Shanghais beteiligt sind, hat ein Meinungsaustausch über die gleichzeitige Zurückziehung ihrer Truppen stattgesunden. Demgemäß hat das japanische Besahungskorps am 22. No- vember Shanghai verlassen. Die Engländer werden am 20. Dezember Nachfolgen. Im Anschluß daran werden die deutschen Truppen abziehen; der genaue Termin hängt von den Fahrzeiten der zur Verfügung stehenden Transportschiffe ab. Jedenfalls aber wird noch im Laufe des Januar Shanghai von den deutschen Korps geräumt sein.
— Mit dem Mörder Kohler an Bord hat unser Schulschiff .Stein" Athen verlassen. Unterwegs wird der Mörder einem deutschen Dampfer übergeben, der ihn zur Aburteilung nach Wilhelmshaven bringt. — Kohler bat im Polizeigefängnis in der Nacht, ine seiner Auslieferung voraufging, um Tinte und Feder. Man vermutete, er wolle an seine Eltern schreiben. Statt dessen entwarf er acht Bilder, die eine genaue Darstellung des Verbrechens gaben. Jetzt ist Kohler in einen Zustand völliger Gleichgiltigkeit geraten und weist jede Nahrung von sich.
— Die Amsterdamer Handelskammer hat es. wie die .T. R." hört, am Sonnabend mit 15 gegen 5 Stimmen abgelehnt, das Zustandekommen einer deutsch-holländischen Postumen ihrerseits zu fördern. Hiermit dürste die Bewegung,zugunsten eines Post- bündnisses für Holland zunächst abgeschlossen sein.
Parlamentarisches.
Reichstag.
Berlin, 2. Tc;.
2;e Beratung der Zollvorlage wird ;o.v • tzt Abg. Pachnicke tsr. Berg): Herr v. Kröcher nimmt stets nur das Wort in kritischen Situationen und er zitiert dann stets das rote Gespenst. Er hat uns ge- zeigt, wohin er die Mehrheit und die Regierung führen möchte. „Der Bestie muß der Zaum angelegt werden", wie sich neulich die .Kreuzztg." ausdrückte, das war auch der Lärm der Worte des Herrn von Kröcher. Und dagegen muß auch von unserer Seite Protest eingelegt werden. Herr Richter tadelt bte Obstruktion. Diese hat sich aber stets aus dem Boden der Geschäftsordnung gehalten! Der Antrag Kardorff dagegen bedeutet Bruch der Geschäftsordnung. Herr Richter hat die Mehrheit verteidigt, natürlich von seinem Standpunkt aus. Die Obstruktion des Abg. Richter bei der lex Heinze und der Brennsteuer war jedenfalls eine tatsächliche Obstruktion. Auch die Nationalliberalen haben tatsächlich Obstruktion getrieben. Herr Sattler bestritt dies gestern. Herr Bassermann selbst hat neulich gesagt, wenn man glaube, daß die Eeschästsordnung nicht auSreiche, so habe man doch den Mut, sie abzuändern! Nun, weshalb zieht Herr Bassermann nicht jetzt die Konsequenz aus diesen seinen Worten, ftot£ wie er daS jetzt tut, einfach die Geschäftsordnung zu brechen. Denn daß eine en Iloe Annahme des Tarifs mit § 19, Absatz 2, unvereinbar ist, das ist doch zweifellos. Und weshalb dieser Rechtsbruch? Allein um des Zolltarifs willen, noch dazu auf der Basis der
„Fliehen Sie nicht, Leonie! Edgar Hartung, der unglückliche Edgar ist eS, der Sie noch ein einziges Mal yt sehen wünscht!"
Sie sank auf die Bank zurück; eine dunkle Gestalt glitt durch daS Gebüsch und lag im nächsten Augenblick zu ihren Füßen.
„Edgar! Edgar!' war alles, was fte hervorbringen konnte.
„Stoßen Sie mich nicht zurück!" bat er, die Hände zu ihr aufhebend, aber sich forg- fältig hütend, sie zu berühren, „ich wollte ja fortgehen, ohne Sie noch einmal gesehen zu haben, aber ich kann es nicht! Seit Eie heute von Feldberg zurückgekommen find, liege ich auf der Lauer, ich bin Ihnen nachgeschlichen und flehe Sie an: geben Sie dem Unglücklichen ein Abschiedswort mit auf den Weg!"
„Stehen Sie auf, Edgar," bat sie, sich zu ihm niederbeugend und ihre kleine, kühle Hand liebkosend aus seinen Scheitel legend. „Edgar, wie habe ich mich um Sie gebangt und gesorgt, wo haben Sie sich verborgen gehalten, daß ich Sie nicht finden konnte?"
„Fragen Sie nicht!" entgegnete er, mit der Hand abwehrend, „was kommt darauf an, wo der unglückliche Gebrandmarkte fein schmachbedecktes Gesicht vor aller Welt verborgen gehalten hat?"
„Edgar, Edgar, sprechen Sie nicht so verzweifelt, ich kann das nicht ertragen!" flehte fie, „und vor allen Dingen erheben Sie sich au8 dieser Lage."
Er richtete sich auf und blieb vor ihr stehen, sprach aber weiter: „Ich bm.liet geblieben,
um dem von Allen verlassenen Toten das Geleit zu seinem einsamen Grab zu geben und damit vor aller Welt seine Schmach auf mich zu nehmen. Er hat schwer gesündigt, aber er war mein Vater, der mich in seiner Art geliebt, mir Gutes getan hat. Mir geziemt eS nicht, seinen Richter zu spielen. Nun da dies geschehen ist, werde ich fortgehen."
„Wohin?" fuhr fie auf.
„Weit, weit fort von hier, wo mich niemand kennt, wo der Name Hartung nicht mit dem Brandmal der Schande gezeichnet ist. Wahrscheinlich nach Aftika. ES bleibt mir so viel, um die Reise zu bestreiten."
„Nein, Edgar, nein, daS dürfen Sie nicht. Haben Sie vergessen, wa8 Sie mir vor wenigen Tagen in diesem Park gelobt haben?" Sie war aufgesprungen, stand neben ihm und legte die Hand auf feinen Arm. Er entzog ihr ihn und sagte mit traurigem Lächeln: „Zwischen jenem Tage und dem heuttgen liegt eine ganze Welt l ES war schon eine Vermessenheit, daß Edgar Hartung, der verbummelte Rechtskandidat die Augen zu der Eoufine des Fräuleins Alice von Rohr erhob, jetzt aber müssen unsere Wege sich scheiden. Wir können keine Gemeinschaft mehr mit einander haben."
„Ich verstehe Sie!" Leonie trat ent paar Schritte von ihm zurück, ihre Stimme kämpfte mit mühsam unterdrückten Tränen. „Sie wollen keine Gemeinschaft mehr haben mit dem Mädchen, da« geholfen hat, den Sturz Ihres Vater» herbeizuführen. Sie wissen, daß Först« Winhold hauptsächlich aus meine
Komrntsfionsbefchlüsse. Der Tarif ist ja überhaupt nicht ernst gemeint, sondern nur auf das Abhandeln berechnet. Präsident Graf Ballestrem teilt nunmehr mit, daß ihm ein Antrag v. Kardorff auf Schluß der Gefchäftsordnungsdebatte zugegangen sei. Abg. Singer (Sozialdern.) verlangt das Wort. Präsident Graf Ballestrem: Heber den Antrag auf Debatteschluß kann ich Ihnen das Wort nicht geben. Sie können nur sprechen über die Art der Abstimmung. Arg. Singer (Sozialdem): Ich beantrage Uebergang zur Tagesordnung über den Schlußantrag. Präsident Graf Ballestrem: Da dieser Antrag in lebem Stadium zulässig ist, so erteile ich Ihnen das Wort für den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Singer (Sozialdem.) sührt aus, daß der Schluß einer Geschästsordnungsdebatte überbauet unzulässig sei, und beruft sich dafür auf die Geschäftsordnung selbst, wonach, und zwar laut § 44, jedes Mitglied, welches zur Geschäftsordnung reden will, „sofortige Zulassung zum Worte verlangen kann. Weiter nimmt er Bezug auf zahlreiche Präcedenzfälle, wo diese Frage streitig gewesen und schließlich ttt seinem Sinne entschieden worden fei. Uns werfen Sie vor, den Parlamentarismus zu schädigen; dabei sind Sie es gerade, die das tun. Das Bedauerlichste ist, daß der Abg. Richter, der em Menschenalter lang den Parlamentarismus geschützt hat, jetzt die Reaktion mitmacht in seiner Verblendung. Wir sind es, die jetzt den Parlamentarismus schützen. (Gelächter bei der Mehrheit.) Wir wollen dm Reichstag vor der Schmach und Schande bewahren, Gesetz und Recht zu brechen. Meine Freunde werden namentliche Abstimmung über meinen Tagesordnungsantrag verlangen, sich aber an der Abstimmung nicht beteiligen, um auch nicht indirekt an diesem Staatsstreik teilzunehmen. Abg. v. Kardorff (fr. kons.) glaubt, daß ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung über einen Antrag auf Debatteschluß überhaupt unstatthaft sei. Hierauf stellt Präsident Gras Ballestrem für das Verlangen nach namentlicher Abstimmung über den Antrag Singer auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag v. Kardorff auf Debatteschluß die Unterstützungssrage. Die Unterstützung genügt. Nach erfolgter Einsammlung der Stimmzettel erhebt sich Präsident Graf Ballestrem: M. H., das Ergebnis der Abstimmung wird verkündet werden, wenn die urkundliche Liste zu Protokoll kommt und nach einer halben Stunde hier ausgelegt sein wird. Ich schlage deshalb vor, die Sitzung auf eine halbe Stunde zu vertagen. (Große Heiterkeit links; tiefe Bewegung rechts und im Zentrum) Gegen 3»/« Uhr werden die Verhandlungen wieder ausgenommen und zwar geht unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Grasen Stolberg, welcher verkündet, daß der Antrag Singer aus Uebergang zur Tagesordnung über den Schlußantrag Kardorff nut 219 gegen 75 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt worden sei. In einfacher Abstimmung wird ferner der Antrag Kardorff auf Debatteschluß gegen Sozialdemokraten und sämtliche Freisinnigen angenommen. Sodann erfolgt namentliche Abstimmung über die Frage der Zulässigkeit des Antrags Kardorff zum § 1, Absatz 1. Die Zulässigkeit wird mit 198 gegen 45 Stimmen bei 11 Slitr-mei Haltungen bejaht.
(Schluß in der Beilage.!
— Gegen das Ende bet gestrigen Reichstags- sihung kam es noch zu skandalösen Austritten, wie sie bislang, selbst am 27. November, in der Geschichte des Reichstages noch nicht dagewesen find. Die letzten H/i Stunden wurden durch die surchtbarsten von der Sozialdemokratie und dem werblichen Freisinn herbei- gesührten Lärmfzenen ausgesüllt, durch ein unübersehbares Tohuwabohu von Anträgen und Abstimmungen, dem Präsidenten Graf Stolberg brach die Präfidialglocke entzwei, Rechte und Linke des Hauses bedrohten sich gegenseitig mit den Fäusten. — Geht das so weiter, so ist an eine Erledigung des Zoll-
Veranlassung fein Geständnis vor dem Amtsrichter Fleischmann in Dornburg gemacht hat."
„Ich weiß eSl" sagte Edgar mit dumpfer Stimme.
„Hören Sie mich an, Edgar," bat fie, fich ihm wieder nähernd und seine Hand ergreifend, die er ihr nur mit Widerstreben überließ. „Es ist mir sehr schwer geworden, zu handeln, wie ich gehandelt habe. Ich wußte, daß ich mich damit zum Opfer brachte, daß ich auf mein Lebensglück verzichtete, aber ich durste nicht zurückweichen."
„Vertuschen und verschweigen hieß die Mitschuld auf fich nehmen, die Wahrheit durste nicht länger unterdrückt werden."
„Sie haben recht getan!" antwortete Edgar ohne Befinnen. „Wer die Wahrheit kennt und fie nicht anS Licht bringt, begeht ein schweres Verbrechen. Ich danke Gott, daß ich nicht vor die Wahl gestellt worden bin, zum Angeber meines Vaters zu werden oder mich, wie Sie richtig sagen, durch Verschweigen und Vertuschen zu seinem Mitschuldigen zu machen." e
„Und wie würden Sie entschieden haben? fragte sie schnell.
6t zuckte die Achseln und antwortete schmerzlich: „DaS weiß ich heute nicht. Wie aber die Entscheidung ausgefallen wäre, fie würde mich zu einem schwer belasteten unglücklichen Menschen gemacht haben, zu einem noch weit unglücklicheren, als ich jetzt bin!"
„Und Sie meinen, mich auszugeben, mich fliehm zu müssen, weil
(Fortsetzung folgt.)