mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchham, z
Sonntagsbeilage: Jllnftrirtes S-nntagsbl-M
JVs. 304
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Marburg
Dienstag, 2. Dezember 1902.
Erscheint täglich außer an Sonn- und Feiertagen. Sonnabends in Morgen- und Wend-Ausgabe. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Univ ersitats - Buch druckekÄ Marburg, Markt" 21. — Telephon 55.
37. Jahrg»
Das Gefährliche bei der Sache.
Wer in diesen Tagen von einer der Tribünen im deutschen Reichstage auf das furchtbare Radau-Treiben unten im Saale herab- gesehev hat, der wird unwillkürlich von verschiedenen Empfindungen beeinflußt worden sein. Wenn Leute im gereiften Alter fich aufgeregt wie junge Menschen benehmen, macht das immer schon einen seltsamen Eindruck; wenn aber die Aufgeregtheit zur blinden Wut fich steigert, so wirkt das, besonders, wenn entsprechende Körper-Bewegungen hinzukommen, zuerst komisch. Herren in grauen oder weißen Haaren resp. mit tadellosen Kahlköpfen zu sehen, wie sie die Fäuste ballen, mit den Füßen stampfen and umherrennen, dazu brüllen, als ob fie am Spieße stäken, das ist wirklich kein erhebendes Bild edlen Zornes, sondern eine groteske Manier, einen Anderen zu ärgern oder auf fich die Aufmerksamkeit zu lenken. Hebet diese Hampelmänner-Komik mußte man unwillkürlich lachen, bis — ja, bis man fich erinnerte, daß man nicht einer der versumpftesten Ueber- brettl-Komödien beiwohnte, sondern einer Sitzung des deutschen Reichstages, der berufen ist, dem deutschen Volke seine Gesetze zu geben. Und wenn man daran dachte, bekam man so etwas wie Mitleid mit den exzentrischen Herren da unten, die wirklich jede rechte Fühlung mit der Volksseele verloren, Mitleid und Beschämung aber auch zugleich mit der Nation des Geistes, die solche Szenen fich abspielen sehen muß. Alles Schreiben und Diskutieren kann nicht so wirken, diese Reichstagsbilder nicht so darstellen, als wenn man diese Tumulte gehört und gesehen hat. Dann verzichtet man gern darauf, noch Auseinandersetzungen zu hören, man hat einfach genug und übergenug davon.
Es ist, wenn kein glücklicher Zufall oder ein ganz eiserner Wille dazwischen kommt, gar nicht abzusehen, wohin diese neue Praxis im deutschen Reichstage führen soll. Dann kann die ganze Gesetzqebungsmaschine, sobald es einer Minderheit gefällt, so verwirrt werden, daß überhaupt kein ordnungsmäßiges Arbeiten mehr möglich ist. Das Deutsche Reich wird darum nicht zu Grunde gehen; versagt die Parlaments- Maschinerie, so wird die Regierungs-Maschine unverändert weiter arbeiten, aber um wieder und wieder, bei dem aeringsten wirklichen oder scheinbaren Anlaß, Skandal zu haben, dazu braucht eigentlich das Reichstagsgebäude nicht offen zu bleiben. Die Herren, die nur dann ihr Tagewerk gut verbracht glauben, wenn fie fich heiser geschrieen haben, finden Platz in jedem Berliner Versammlungssaal, vorausgesetzt, daß der Wirt nicht von seinem Hausrecht Gebrauch macht. Im Reichstage ist die Handhabung des Hausrechtes ja sehr eingeengt, und
54 Nachdruck verboten^
Verspielt.
Roman von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Er betrachtete die herrliche Gestalt, das reine Profil und die glänzenden dunklen Augen des jungen Mädchens mit leuchtenden Blicken, seine Mutter sagte aber mit edler Selbstüberwindung:
»Verzeihen Sie mir. Ich hätte nicht hartnäckig an einem Märchen festhalten sollen, das jener Elende erfunden hat, um fich hier die unumschränkte Herrschaft anzumaßen.'
»Bin ich denn nicht noch viel strafbarer?' erwiderte Alice mit großer Lebhaftigkeit. »Durfte ich das Kind, an die Schuld des Vaters glauben, selbst wenn fie ihr von der eigenen geliebten Mutter anvertraut worden war? Wenn ich nicht mit einer solchen Voreingenommenheit her- tefommen wäre, würden die Erzählungen jenes stannes nicht einen so starken Eindruck auf mich gemacht haben. Rufe ich mir jetzt alles, was er mir gesagt hat, inS Gedächtnis, so liegen darin doch Widersprüche, die einen Unbekannten nicht entgangen sein würden.'
»Seine Rolle ist ausgespielt, er hat lange aenug zu täuschen und zu blenden verstanden, sagte die Majorin und Alice entgegnete:
»Doch nicht Alle. Herr von Erbach hat an meines Vaters Schuldlosigkeit geglaubt und diesem Glauben habe ich es zum großen Teil zu verdanken, daß die Wahrheit ans Licht gekommen.' Mit einem Blick, in dem fich die -rührendste Dankbarkeit aussprach, streckte fie iÄm die Hand hin, die er voll Ehrfurcht an
bisher ist es nie bedauert, daß es bei uns nicht so ist, wie in Loudon oder in Paris, wo Volksvertreter, die fich nur als Schreihälse wohl fühlen, sorgsam an die freie Luft geführt werden können; aber die letzten Scenen haben wohl manche Millionen deutscher Bürger zu anderen Anschauungen gebracht!
Und was das eigentliche Gefährliche bei der Sache ist, es wird heute eine Waffe hergestellt, die überaus zweischneidig ist. Heute brüsten fich die Sozialdemokraten damit, daß sie unter allen Umständen das Zustandekommen des neuen Zolltarifs verhindern wollen. Ja, es kommt am Ende doch weniger auf den Zolltarif, als auf die Handelsverträge an, welche auf Grund des Tarifs abgeschloffen werden sollen. Wenn nun Alle die, welchen die Verträge, die die Reichsregierung neu vereinbaren wird, , nicht gefallen, eS ebenso machen, wie heute die extremen Elemente des Reichstages — der Lärm wird ja wohl fortfallen — was haben wir dann? DaS Ausland wird der deutschen Industrie das Fell über die Ohren ziehen, und dann werden die Industrie-Arbeiter einsehen, was ihre Vertreter im Reichstage angerichtet haben.
Wohin man heute in der Bevölkerung hört, überall erkennt man, daß die Reichstags-Skandale einen peinlichen Eindruck gemacht haben; der deutsche Bürger, auch der schlichteste, hat seine Ehre im Leibe, er will unser Renommee nach jeder Seite hin geachtet toi ff en. Und dies Renommee muß in die Brüche gehen, wenn die Grundlagen eines jeden Verfaffungslebens so mißachtet werden. Wäre es eine Großtat, was im Reichstage, geschieht, im Volke würde ein lebhafter Widerhall erkennbar sein, denn das die deutsche Volksseele nicht gleichgiltig, nicht abgestumpft ist, hat fich bei hinlänglich viel Gelegenheiten gezeigt. Aber von solchem Widerhall ist keine, rein gar keine Rede, kopfschüttelnd wird gelesen, kopfschüttelnd werden die Zeitungen wieder forlgelegt, und die fich in wenigen Worten dann äußernde Kritik ist herb, aber gerecht. Der Reichstag ruiniert das politische Leben, wenn's so weiter geht.
Umschau.
Die Görlitzer Kaiserrede.
Aus der Rede Se. Majestät, die et am Freitag in Görlitz gehalten hat, seien folgende Leitsätze hervorgehoben: »Mir will es scheinen, als ob die jetzige deutsche Generation der Verpflichtung, durch Arbeit das sortzuführen, was uns durch die Arbeit der Väter überkommen ist, nicht vollkommen entsprechen wollte. Unser Volk in seinen verschiedenen Klaffen und Ständen ist für diese Aufgabe unempfänglicher geworden. Die großen Fragen, die
seine Lippen drückte: voll Bescheidenheit sagte er aber:
„Sie überschätzen aber meine Verdienste, mein gnädiges Fräulein. Ihre Cousine, Fräulein Leonie Helbing, hat mehr getan.'
»Ich unterschätze das gewiß nicht, aber ohne Ihre Anregung —"
»Was heißt das?' unterbrach fie die Majorin, die hoch aufgehorcht hatte, und jetzt nicht mehr an fich zu halten vermochte. »Wovon ist eigentlich die Rede?'
,O, Sie wiffen nicht, gnädigstes Frau, was Ihr Herr Sohu für mich getan hat?" rief Alice erstaunt und in freudigster Weise überrascht. Es tat ihr so wohl, daß Hellmuth so ganz im Stillen für fie gewirkt hatte.
Sie ließ fich neben der Majorin nieder, Hellmuth blieb, die Hand leicht auf die Lehne ihres Stuhles stützend, das Gesicht der Mutter zugewandt, stehen, und beide berichteten der Majorin, wie Hellmuth aufmerksam geworden, wie er mit Leonie Helbing eine Art von Schutz- und Trutzbündnis geschloffen und wie es dieser durch Zusammentreffen günstigen Umstände gelungen, in überraschend schneller Weise das Ränkespiel zu zerstören und iie Wahrheit an den Tag zu bringen.
Frau von Erbach hörte zu, den Kopf ein wenig auf die Seite gelegt, die Hände in den Schoß gefaltet und je mehr sie hörte, um desto gerührter, aber gleichzeitig heiterer wurde der Ausdruck ihres schönen, vornehmen Gesichtes, endlich sagte fie, den Finger scherzhaft drohend erhebend: »Ei, ei, da finde ich mich ja einem vollkommenen Komplott gegenüber! Seit wann hat mein Sohn Heimlichkeiten vor seiner Mutter ? *
Hellmuth kämpfte mit feiner Verlegenheit.
an dasselbe herantreten, seitdem ein einiges deutsches Vaterland und ein einiges germanisches Volk wiederhergestelltt find, werden nicht verstanden. Ich hoffe aber, daß das Gefühl für den kategorischen Imperativ der Pflicht wieder wach werde. Es kann der Träger der Krone und seine Organe auf die Dauer ein ganzes Land nicht vorwärts bringen, wenn nicht alle Stände desselben helfen. Wir stehen an der Schwelle der Entfaltung neuer Kräfte, unsere Zeit verlangt ein Geschlecht, das fie versteht . . . Freiheit für das Denken, Freiheit in der Weiterbildung der Religion und Freiheit für unsere wissenschaftliche Forschung, das ist die Freiheit, die ich dem deutschen Volke wünsche und ihm erkämpfen möchte, aber nicht die Frei- Heft, sich nach Belieben schlecht zu regieren."
Totengräber-Arbeit am Parlamentarismus.
Die Szenen, die die Sozialdemokraten und ihre wadelstrümpflerischen Schleppenträger ende voriger Woche im Reichstage aufgeführt haben, werden nicht nur von den rechtsstehenden Parteien, sondern überhaupt von jedem verurteilt, der fich noch ein Gefühl für parlamentarischen Anstand gewahrt hat. Dazu gehört in erster Linie der Oppositionsmann par excellence, Herr Eugen Richter, der das Tischtuch zwischen fich und den Radaubrüdern der linkssozialen Schattierungen nunmehr durchschnitten hat. Der Abg. Eugen Richter, dem am Sonnabend vom Abg. Bebel sehr kräftige und jedenfalls in keiner Weise parlamentarische Worte zugerufen wurden, läßt in seiner „Freisinnigen Ztg." folgendes mitteilen: »In der Freisinnigen Dolkspartei ist man nicht länger gewillt, sich das pöbelhafte Benehmen der Sozialdemokratie in unmittelbarer Nachbarschaft gr- sallen zu lassen. Es ist ganz unglaublich, welche gemeinen Schimpfworte fortgesetzt in diesen Reihen gegen alle Redner laut ausgerufen werden, die das Mißfallen irgend welches Sozialdemokraten erwecken. „Lump", „Räuber", „Henker", „Spitzbuben", „Verräter", das find Ausdrücke, die dutzendweise in jeder Sitzung gerufen werden. Tatsächlich wird die Redefreiheit im Reichstage durch die Sozialdemokratie jetzt in brutalster Weise vergewaltigt. Absichtlich wird Störung herbeigeführt, insbesondere durch das unausgesetzte Aussprechen des Wortes „Rhabarber." Es ist das den Meiningern entnommen, die auf diese Weise im Theater mit wenigen Statisten große aufrührerische Volksmengen hinter den Kulissen für das Publikum fingieren. Wenn die Freisinnige Volkspartei und die anderen Parteien auch nur entfernt sich durch dieses Benehmen erregen kaffen wollten, so würde überhaupt schon gar keine Verhandlung mehr möglich fein.' — Heber Pläne der Reichstagsmehrheft schreiben die „Berl. Neuesten Nachr.': „Die Vorgänge
„Seit wann —' stammelte er, und mit einem scherzhaften Entschluß fiel die Majorin ein:
„Seit Du erkannt hast, daß Deine Mutter in Vorurteilen befangen und jeder besseren Einficht unzugänglich war. Fräulein von Rohr,' wandte fie sich an diese, „ich bin zu Ihnen gekommen, um meine gegen Sie und Ihren Vater begangene schwere Schuld ehrlich einzugestehen und Sie um Vergebung zu bitten. Können Sie mir die gewähren?"
„O, gnädige Frau, das ist zu viel, zu viel!' stammelte Alice, deren dunkle Augen fich nut Thränen füllten.
»Können Sie eS über sich gewinnen, mir den Platz einzuräumen, der mir lange, lange gebührt hätte, wenn ich nicht in törichter Verblendung selbst darauf verzichtet Hütte. Den Platz der ältesten Freundm Ihrer Eltern!"
Sie breitete die Arme auS und Alice sank schluchzend hinein. Ein unbeschreibliches Wonnegefühl durchströmte fie am Herzen dieser Frau; jetzt erst empfand fie die ganze Seligkeit, daß der Fluch von ihr genommen war, daß sie frei aufatmen durfte und auS den Armen der Majorin fich aufrichtend, wandte fie sich an Hellmuth mit dem Ausruf: »Auch dieS ist Ihr Werk! Wie soll ich Ihnen danken?"
Er schaute fie an mit einem Blick, vor dem fie errötend die Augen niederschlug, und leise beglückt lächelte Frau von Erbach von Einem zum Andern.
„Laffen Sie mich Ihr Freund, Ihr Berater fein!' bat Hellmuth und fie erwiderte:
„Sie verpflichten mich immer mehr! Ich fürchte, meine Angelegenheiten werden sich in einer bösen Verwirrung befinden, eS wird einer
der letzten Tage haben nicht nur die Zusammen- schließung der jetzigm Mehrheit gefestigt, sondern bei dieser auch weitere Entschlüsse gezeitigt. Bezüglich der geplanten Aenderungen der Geschäftsordnung find in erster Linie di« Bestrebungen zu beachten, die fich dahin richten, die Besugniffe deS Präsidenten so zu vermehren und anszustalten, daß er aus eigener Machtvollkommenheit in die Lage versetzt wird, unter allen Umffänben als Herr des Hauses aufzutreten. Außerdem wird für die nächsten Wahlen ein größerer Zusammenschluß gegenüber den Sozialdemokraten geplant. Bei der Reichsregierung ist ein Beschluß wegen eventueller Reichstagsvertagung bisher nicht gefaßt. Die „Deutsche Tagesztg.' bemerkt: Wenn die verbündeten Regierungen sehen, daß der Reichstag arbeitsunfähig ist, haben sie nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, die Konsequenzen aus dieser Sachlage zu ziehen. Welche Konsequenzen das find, liegt auf der Hand. Da eine Auflösung des Reichstages nach menschlicher Voraussicht nichts an der Sachlage ändern würde, müßten andere Konsequenzen erwogen werden. Wir find überzeugte Anhänger des konstitutionellen Systems und des allgemeinen Reichstagswahl» rechtes. WaS aber die äußerste Linke im Reichstage jetzt treibt, ist Todtengräber-Arbeit am Parlamentarismus.'
Deutsches Reich
Berlin, 1. Dezember.
— Der Kaiser, der Tags vorher der Weihe der Oberlausiher Ruhmeshalle in Görlitz beiwohnte und dabei zur gemeinsamen Arbeit deS Volkes aufforderte, jagte am Sonnabend zu Neu deck in Oberschlefien. Am heutigen Montag früh wollte der Monarch zur Jagd nach Grotzstrelitz weiterfahren.
— Die Besserung im Befinden des in Berlin erkrankten greifen Herzog von Sachfen-Altenburg scheint nicht angehalten zu haben, denn die Entzündungs- Erscheinungen haben zugenommen, auch hat der Kranke keinen rechten Schlaf gehabt. Zum Gluck hält sich das Fieber in Grenzen. Immerhin machen die 76 Jahre des Patienten große Vorsicht erforderlich.
— Staatlich geprüfte Baumeister find, nach bei „Nordd. Allg. Ztg.', laut ministerieller Verfügung fortan ohne Weiteres berechtigt, fich zur Doktor- Jngenieur-Promotion anzumelden. Staatlich geprüfte Bauführer, die zu der Promotion zugelasien werden wollen, haben zunächst den Grad eines Diplom- Ingenieurs zu erwerben.
— Die Ankündigung einer energischen deutschen und englischen Aktion gegen den wortbrüchigen Präsidenten Castro von Venezuela scheint diesen eitlen Prahler bereits anderen Sinnes gemacht zu haben. Er will die verlangten Schadloshaltungen zahlen laffen, doch wird durch dieses Einlenken das Absenden eines Geschwaders jedenfalls nicht aufgehalten.
— Die Reichseinnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern betrugen in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober 447,8 Mill. Mark oder 3,6 Mill, weniger Den höchsten Fehlbetrag weist die Zuckersteuer mit 6,5 Mill. Mk. auf.
sorgsamen und geschickten Hand bedürfen, um Ordnung hineinzubringen."
„Von morgen an stelle ich mich in Ihre Dienste," versprach Hellmuth. „Es wird fich gut unter Ihrer Leitung arbeiten, Sie bleiben doch nun in Wiesenberg?" Er schaute ihr angstvoll in» Gesicht, als ob von ihrer Antwort Sein oder Nichtsein abhänge.
„Ich bleibe in Wiesenberg," erwiderte sie kurz und in dem kräftigen, festen Händedruck, den beide jetzt tauschten, lag ein Gelöbnis, daS weit hinausging über das, was sie soeben versprochen hatte. Dann aber fügte sie hinzu, und ein leiser Anflug von Mutwille, der bisher ein seltener Gast bei ihr gewesen, zuckte um ihre schön geschwungenen Lippen: »Ein Hindernis ist allerdings noch vorhanden. Sie wollen mein Sachverwalter fein und liegen im Prozeß mit mir."
„Es erben fich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort, lächelte die Majorin, die gerne citierte und besonders ihren Göthe immer bei der Hand hatte, »aber wir wollen dieses unglückliche Erbteil einer traurigen Vergangenheit begraben wie diese. Der Prozeß ist auS, ich erkläre mich bereit zu jedem Vergleich und mein Sohn wird mir beistimmen."
»Ich füge mich Ihrer Entscheidung," sagte Alice, und wieder senkten fich die Augen deS jungen Paares tief in einander.
„Morgen werde ich unserem alten Justizrat den Auftrag geben, die Sache aus der Welt zu schaffen; im Gegensatz zu anderen Rechtsanwälten, denen ein Prozeß nicht lange genug währen kann, wird er sehr erfreut darüber sein." —
(Fortsetzung folgt)